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Full text of "Die vornehmsten wahrheiten der natürlichen religion in zehn abhandlungen, auf eine begreifliche art"

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oocneinfen QBafefeten 
natürlichen 


Religion 


in zehn Abhandlungen 
aufeine begreiflihe Art 


erklaͤret u gerettet 


Hermann Samuel Reimarus 


Profeſſor in Hamburg. 





Dritte verbefferte und ſtark vermehrte Aufage. 
Daulurg, dep Jobann € Earl Bohn. "1766. _ 


— 













T 
PUBLIC LIBRARY 


un 








Vorberiht. 


De gegenwärtigen Abhandlungen 
enthalten wefentlich nichts an⸗ 
derd, als diejenigen Gründe, 

darinn ich meine eigene Beruhi⸗ 

g gung jederzeit gefunden, fo oft ich die erften 
Wahrheiten aller Religion , nach gefunder 
Vernunft, bey mir überdacht habe. Ich 
Bin auch nimmer Willens geweſen, weiteren 
Gebrauch davon zu machen, als den mir et⸗ 
wa bie Unterredung mit.andern , oder der 
muͤndliche Unterricht im der Meltweisheit 
darbiethen würde. Wer aber.unfere jegigen: 
Zeiten nur ein wenig fennet, der wird wohl 
begreifen, daß mir diefe haben Gelegenheit 
und Trieb geben können, meine Gedanken 
zum allgemeineren Nugen. in — zu 
2 brim · 





, * 


bringen, und auf eine faßliche Weiſe vorzu 
N tzu⸗ 


Ich will der heutigen Lebensart, und 
der freyen Reden, die in manchen Gefell- 


ſſchaften geführet: werden , nicht erwähnen: 


\ 


davon mögen andere leichtlich eine mehrere 


Erfahrung haben. Aber -viefes habe ich 


"nicht ohne Befremdung bewterfet, daß feit 


weni ee fin en bi Den B 
je kleiner ten, mehrentheils in frangd- 
—*— Sprache; Wer die Welt geftreer iſt, 
worinn nicht ſowoͤhl das Chriſtenthum/ ais 
vielmehr alle natuͤrliche Religion und Sitt, 
Fichkeit, verlacht und angefochten wird. Und 


> michdünfet, dieſes ausgeſaͤete Unkraut findet 
a jegt, mehr ald jemals, leere Aecker, wo es | 


einwurzein und fih ausbreiten kann. Der 
gemeine Mangel eined vernünftigen Erkennt» 
niffes von den Grundmahrheiten aller. Re⸗ 


ligion und Ehrbarkeit ftellet die Gemürher, 


Bey der jetzigen Freydenkerey/ nicht einmal 

fuͤr ihren eigenen, gefchmweige denn für fremz. 

u geſchmuůckten Einwendungen in Si- 
erheit. 


"Das Cheiſtenthum feget die Wahtheiten 


der natuͤrlichen Reiigion / von Gottes Da⸗ 


ſeyn, 





Vorbericht | 
, Eigenfihaften., Schöpfung, Vorſe⸗ 
0 7 -Abfiche and, Geſeẽe von der Seele 
Weſen, Natur und Unſterblich⸗ 
u. ſ. w. nicht alfein voraus, fondern ed. 
t diefelben auch zum Grunde, und flicht 
mit in das Echraeödune feiner Geheim⸗ 
⸗ ein. Was waͤre alſo an ſich menſchli⸗ 
„was wäre dem Chriſtenthume ſeibſt 
—*88 Aals daß alle Menſchen zu: 
derſt Die edle Babe der gefunden Ders: 
iſt auch zum Erkenntniſſe ihres Schdpfers ‘ 
endeten, und diefe Einficht, fo weit fie 
bet, mit den Glaubenslehren verfnüpf- 
? Dem wie kann einer mit. Örunde glau⸗ 
daß die Offenbarung von Gott komme, 
m er nicht vorher uͤberfuͤhrt iſt, daß ein 
tt fen? Wie kann er ihn lieben, ehren, 
‚ feinen Gebothen willig gehorchen, wenn 
ine Bollfommenpheiten, Borfehung und 
ichten nicht erfennet? Wie kann er eine 
ligkeit gemärtigen, und eine Belohnung 
en, wenn er fich hat überreden laſſen, 
er feine Seele habe, oder daß der ganze 
nſch eine bloße verwesliche Maschine 
’.Menn wir nun Das, was wir] zuvor 
ſen koͤnnen und follen , in einen bloßen 
wmben verwandeln, und der Glaube fich 
y auf.dad Wiſen Seien und Kine X 





+. Borbericht. 


kann, bey dem Mangel ber Vormauer und 
Grundlage des Glaubens, durch einen ges 
ringen Stoß, der Glaube und das Ehriften- 
thum feldft, ja alle Religion, leicht wankend 
gemachet werben und Binfallen, 


Diefed Auffert fi) zwar feltener bey 
bem gemeinen Manne , aber dfterer , als 
manche denken, ben Vornehmern. Wenn 
die , bey heutiger galanten Erziehung , ſo 
wenig andere gründliche Wiffenfchaft, als 
vernünftigen Unterricht in den Grundwahr⸗ 
heiten aller Religion, ja kaum Gedächtniß- 
formeln einer Kinderlehre, mit in die 
große Welt bringen: fo find fie taufender: 
ley Gefahr bloß geftellet. Was befommen 
fie, zumeilen fchon als Knaben , für freye 
Reden, Einmwürfe und WBernünfteleyen ge⸗ 
gen die Religion zu hören? was Iefen fie 
nachmald für fchlüpfrige und ungezähmte 
Bucher? was denken fie oft felbft, bey einer 
flatterhaften Unwiſſenheit, ind Wilde? 
Wenn dann etiwa zugleich die Neigung zu 
£aftern eine offenere Thüre findet, fo ift Fein - 
- Wunder, wenn fie das Joch, welches ihre 

Ausſchweifungen hemmen will, ganz ab- 
ſchuͤtteln. | 


Ser 





Er befömmt eine Berachtung und. einen 
umern Haß gegen feine Religion; und weil 
er feine andere hat, als die abergläubifche, 
und von feiner andern weis, fü. verwirft er 
alle Religion ohne Unterfehie, 


Andere find vielfeicht nicht fd ſehr zum 
Tande und Aderglauben angewieſen; aber 
‚fie haben doch einen fuͤrchterlichen Degeif 
von Gott, und deſſen Rathſchluͤſſen tiber 
die Menſchen, gefaflet. Die Wirkung das 
von iſt in ähnlichen Umſtaͤnden einerley: fie 
koͤnnen ein ſolches Weſen, das ihnen als ein 
Schreckenbild abgemahlet worden, nicht lie⸗ 
ben, nicht verehren: fie ſuchen fi ch deſſen, 
als einer leeren Einbildung von einen Ge - 

*4 ſpenſte, 





| Vorbericht. 


ſpenſte, zu entſchuͤtten. Beyde koͤnnen da⸗ 
her in eine gruͤbelhafte Atheiſterey gerathen: 
beyde wuͤrden nicht ſo weit verfallen ſeyn, 
wenn ihnen zugleich eine natuͤrliche Religion 
vernuͤnftig beygebracht waͤre. 


Es giebt eine andere Art Leute, die, bey 
ſo ungegruͤndeter Unterweiſung in den erſten 
und vornehmſten Wahrheiten der geſunden 
Vernunft, ihr Lebtage in ſich ſelbſt un- 
ſchluͤſſig bleiben, was ſie aus ſich machen 

wollen. Sie beſtimmen nimmer, wer fie 

“find, wo fie find, mie fie in die Welt kom⸗ 
men, toorauf fie ihren Zweck und Hoffnung 
zu richten haben. Sie hören und leſen als 
lerley; aber aus Neubegierde und zum Zeit: 
vertreibe.e Sie merken fih die Einwürfe 
wider die Religion, und bringen fie wohl in 
Sefekfchaften an deu Mann: aber fie thun 
ed nur, damit fie fich ein Anfehen des Witzes 
geben mögen, oder etwa einen Geiftlicyen in 
die Schule zu führen, In der That glau⸗ 
ben oder verwerfen fie weder eins noch an. 
ders, feßen nirgend feften Fuß, und ſchwe⸗ 
ben beftändig zwifchen Himmel und Erde, 
Eine Gemüthsverfaffung, die ihnen nothr 
wendig zum öftern ernftliche Beunruhigung 
machen muß! | oo. 

| Tau⸗ 





it yar. undeutliche. Boeftellung in dem 
natürlichen Erfenntniffe in den Sinn heinget: 
Da wäre ed gar ungeitig, den Teufel anzu⸗ 
Hagen, als ob der ihnen folche Gebanken 
eingegeben Hätte; man ſollte vielmehr Ihrer 
ſchwachen Vernunft, die Feine Anlenung 
gehabt, zu Hulfe tommen. 


Wenn wir auch ten , daß und die 
Waprpeiten dernatürlihen Religion ſo klar 
vor Augen waͤren, daß fie fein vernuͤnfti⸗ 
ger Renſch verleugnen oder daran zweifeln 
Fönute, und daß uns. alſo die. Vernunft am 

Blauben nicht hinderte ;. fo find mir uns 
doch das allegeit ſelbſt fehufdig, daß mir une - 
liches Auge deswegen: nicht vers 
ſchließen, weil wir ein Mikroſkopium oder 
ein Fernglas haben, . Was wärde denn aus 
der höheren Einficht „werden? Niemand 
Tann die entferneten oder ſehr Meinen Kr 
per durch ein Fernglas oder durch ein Mir 
kroſtopum eefennin, und fi von PN 
*5 inte 





j “ I. 1 , 
s 


Vorbericht. 

Wirklichkeit uͤberzeugen, als der ſich des na⸗ 
tuͤrlichen Geſichtes dabey bedienet, und nach 
deſſen Grundregeln alles beurtheilet. Nie⸗ 
mand kann von der Offenbarung und deren 
Geheimniſſen überführt ſeyn, als der fein 
natürlich Vermögen zu urtheilen, und def 
fen Erkenntniß mit fich bringe: und 
Brauchet. | 


Die Beweiſe aus der Schrift koͤnnen in 
dem Falle, wo ein Zweifel an Grundwahr⸗ 
beiten aus einer geblendeten Vernunft ent⸗ 
fieht, nichts ausrichten. Die Gründe von 
der Wahrheit der chriftfichen Religion kom: 
men auch zu frühe ben denen, die feine na- 
türliche Haben, oder darinn nech nicht ges 
wiß find. Die metaphyſiſchen Demonftra- 
tionen aus der höheren Weltweisheit find 
Den meiften zu trocken, zu weitlaͤuftig, zu 
gefünftelt, zu unbegreiflich. Ich will nicht 
fagen , daß einige folder Demonftrationen 
den Grüblern Blößen geben, daß fie Das 
Durch nur defto eher Zweifler werden, und 
fih in das dünne Gewebe ihrer Gedanken 
noch mehr verwickeln. 


Wo etwas iſt, das bey allen Eingang 
ſinden kann und muß, ſo werden es die 
rüns 





Grund· 
gen vor Augen ee * derinn, dur 
n Paar leichte Schtüffe, begreiſſich umn 
werfig kann gezeiget werden? . 


Ich Bin diefer natürlichen und einfaͤlti⸗ 
m Art im Denken jederzeit nachgegangen; 
mal in metapfufifchen Wahrheiten , wo 
deinen fürzern und fiherern Weg zur un« 
weglishen Beruhigung des Gemüthes zu 
vimfchen Lirfache hatte, Vielleicht Habe 
h auf diefem unbetretenen Wege offenbare 
zeweiſe der. wichtigften Wahrheiten gefun⸗ 
en, welche andere, nach dem Eompaß ver 
Schulmethode, in ihrer Weltweisheit vors 
ey gegangen find; vielleicht koͤnnten fie fuͤr 
lle und jede uͤberzeuglicher ſeyn, und die 
ʒemuͤther weder Durch allzutrocdene Scharfe 
migkeit, abſchrecken, noch felb bey zip 
enkenden ohne Eindruck ſeyn. 


Möchte 


‘ 
a 
% 
r 


) 


Borbericht. 


NMoͤchte ich doch dem gemeinen Mangel 
vernuͤnftiger Einſichten auf eine leichte und 
angenehme Art abhelfen! Möchte ich fo viele 
wuͤſte Menſchen beiehren fönnen, daß fie oh: 
ne Gost in der Welt, und ohne Hoffnung 
des ufünftigen Eebens, auch hier ungluͤck⸗ 
ſelig ſind, und ihrer eigenen Natur entgegen 
handeln! Moͤchte ich ſo manche Gruͤbler 
und Zweifler von ihrer Verwirrung und 
Unruhe befreyen, und ihnen die muntere 
Gemuͤthsruhe mittheilen, deren ich feit vie 
len jahren genieße! An der Religion iſt 
Dem menfchlichen Gefcjlechte, iſt jedem zu 
feiner Gluͤckſeligkeit gar zu viel gelegen, als 
daß fie derabſaͤumet, verachtet und uͤbertre⸗ 
ten werden koͤnne. 


»  Unvernünftige Thiere fönnen wohl das 
nahe Ziel ihrer Gtückfeligfeit durch blinde 
Triebe finden: aber der Menfch Fann ohne 
Gebrauch der Vernunft nicht einmal feine 
leibliche Nothdurft flillen, oder feine finnli- 
hen Begierden dabey in gebührenden 
Schranfen halten; vielweniger kann er aber 
feinen höheren Raturkräften des Weritan: 
Des und Willens Genüge thun, wo er nicht 
in Erforfchung der Urſachen bis zu dem er⸗ 
Ren vollfommenften Weſen fteigt, fen 

eis⸗ 





. - 
. A . f} 
- 
. : 


Weigheit, Güte und Mache in den Wer⸗ 
fen der. Schöpfung feine Vorſe 
bung fich zur gelafienen Zuverſicht dienen 
läßt ,. und die rechte Erfüllung feiner Ab⸗ 
fichten in einem befleren und bauerhafteren 
Leben hoffet.- | 


® . 


‚ Miles übrige Willen ift HH, 
und bringet auch feinen vielfältigen Nutzen; 
„aber ohne Religion.itt ed nur ein taͤndelnder 
Zeitvertreib, der unfer Gemuͤth nicht erfät- 
tiget, nicht beruhiget. Dieſe allein‘ zeiget 
uns das Urbild aller Vollkommenheit, die 
Duelle alles Segens und Gluͤckes, und den 
Zuſammenhang aller Dinge mit einer Aufler 
ften großen. Abficht , welche auch unfer 
Wohl enthält, und und mit ungezweifeltem 
Vertrauen auf eine gnädige und weiſe Fuͤh— 
rung, und mit Hoffnung auf unfere ewige 
glückfelige Dauer erfüllet. Dieſe bringet 
unfere Begierden zur Ordnung und Einige 
feit: fie lehret ung den nüßlichen Gebrauch 
alles inneren Vermoͤgens, und alles Auffer: 
lichen Guten: fie machet ung zufrieden mit 
uns felbit, liedreich gegen’ andere, beliebt 
bey Menfchen, und dem hoͤchſten Werfen 
angenehm. 


m 


u i | | Ss 





[2 - 
‘ \ 
⸗ 


Vorbericht. 

So ſehe ich die Religion an, und ſo 
habe ich mich bemuͤhet, ſie, wie ſie iſt, und 
wie ich ſie empfinde, klaͤrlich vorzuſtellen. 
Uedrigens iſt meine Sorge nicht geweſen, 
ihr durch glaͤnzenden Witz, oder durch ein 
Feuer der Beredſamkeit, eine geborgte 

Schoͤnheit zu geben. Sie iſt fuͤr ſich, in 
ihrer naturlichen Geſtalt, reizend genug, 
wenn dieſe nur recht aufgedecket wird: ſie iſt 
zu nahe mit unſerm eigenen Gluͤcke ver⸗ 

wandt, als daß fie einer fremden Empfeh⸗ 
lung brauchte. Vielleicht möchte fie auch 
nur durch äuflerlichen Putz verftellet und ver- 
daͤchtig gemachet werden. Witz und Wahr: 
heit, Beredſamkeit und Einſicht, begleiten 
ſich nicht allemal. Meine einzige Bemuͤ⸗ 
hung iſt dahin gerichtet geweſen, alles, ſo 
weit es ſich durch geſunde Vernuuft thun 
laͤßt, verſtaͤndlich und deutlich zu machen, 
daß die Wahrheit und Wichtigkeit der Sa- 
chen einem jeden , der nur etwas denfen 

‚ Tann, einkeuchten möchte, 


— 


Inhalt 





SE Ze 
EEEEECVECEVEEEE 


Inhalt 





der Aohendimgs · 
1 
Vom prunge be Menſchen und 
Thiere. n. | ©. 1 


Daß Menſchen und Thiere ihren Ur⸗ 
ſprung nicht von der Weltader der Na⸗ 
tur haben, 82 


Daß die körperlihe Welt an fich leb⸗ 
108, und daher keiner innerlichen Voll⸗ 
kommenheit fähig fen; folglich auch 
nicht felbftändig , ewig, nothwendig, 
fondern von einem andern, um ei 
nes. andern willen, hervorgebracht 


ſeyn muͤſſe. 133 
Bon Gott und görslichen Abſichten in 


vor el 06 
| V. 


[ 
au". 1 
\ 


Inhatt ve ber aiharnngem 
V. eu 
Von d den beſondern Abſichten Gottes im 
Thierrecche. 5 2.300 
Von dem Menſchen an ſich, inſonderheit 
Nach der Seele betrachtet. 40 
EEE - 


Vergleichung der Menſchen mit den Thie- 
‚ ren, nach ihrer Lebensart, wozu fie bes - 


ftimmt find. . 492 
5 VL 00. 

Bon der göttlichen Worfehung. 574 

| |) 
Nichtigkeit der Zweifel gegen die göttliche 
Vorſehung. 609 
Von der Seelen Unſterblichkeit, und den 
Vortheilen der Religion. 691 


— 


Die 





“ L 


Die 0 
vornehmſten Wahrheiten 
der 


natürlichen Religion, 


Die erfte Abhandlung. 


Dom: Urfprunge der Menfchen 
und Thiere. 


$ I. 


er ein lebendiges Erfenntniß von Gore 
bat, dem eignet man billig eine —* 
ligion zu: und foferne dieſes Er⸗ 
kenntniß durch die natuͤrliche Kraft 
der Vernunft zu erhalten iſt, nennet man 
es eine natürliche Religion. Man gedenket 
ſich aber Gott, nach dieſer natuͤrlichen Religion, 
als das erſte, ſelbſtaͤndige, nothwendige und ewi⸗ 
ge Weſen, welches die Welt, nebſt allem, was 
darinn iſt, durch ſeine Weisheit, Guͤte und Macht 
geſchaffen hat, und beſtaͤndig erhaͤlt und regieret; 
uns Menſchen aber beſonders, in gewiſſer Ord⸗ 
nung, nicht nur in dieſem Leben, ſondern auch 
vornehmlich in einem darauf folgenden, zu ‚einer 
höheren und unaufhoͤrlich wachfenden Vollkom⸗ 
ae Ehe und Gluͤckſeligkeit beftimme hat. Kin 
ſelches Erkenntniß von T wird an fich lebens 


dig, 














2 1%65. Vom Urfprunge 


dig, das iſt, wirkſam ſeyn, und eine vergnuͤ⸗ 

gende Einſicht in den Zuſammenhang der Dinge, 

einen willigen Trieb zur Tugend und Pflicht, und 

eine ungeflhrre Zufriedenheit des Gemuͤths zu 
-Mege bringen.’ 

Hergegen ift der Hauptfaß aller derjenigen, 
die Feine Religion haben, und feinen Gott ans 
nehmen: die Pörperliche Welt und deren Matur 
fey das erſte, felbftändige, norhwendige, Wefen, 
und auffer derfelben fen weiter nichts; wodurch 
denn zugleih Verſtand, Abficht, Weisheit, Vor⸗ 
fehung, von der Einrichtung und den DBegeben« 
beiten ber Welt gänzlich ausgefchloffen , alles eis 
nem wuͤſten Ungefähr, oder einer blinden Noth⸗ 
wendigkeit überlaffen, und die ganze Dauer und 
Gluͤckſeligkeit der Menfchen in diefes kurze und 
ſinnliche Leben eingeſchraͤnket wird. 

$ 2. 

Denn, menn man die Wirflichfeit der könn 
‚perlichen Welt leugnen wollte: fo müßte man 
auch feinen eigenen Körper und feine fi nnliche 
‚Empfindung verleugnen. Ohne biefelbe wäre es 
auch nicht möglidy, daß in unferer Seele, nach 
ben natürlichen Regeln ihres Denfens, eine Vor⸗ 
ftellung und ein Begriff von einem Körper und 
von deſſen Eigenfchaften entftanden wäre. So, 
ſchwer es auch fonft fcheinen möchte, einen Idea. 
liſten, der alle ſinnliche Vorſtellungen fuͤr leere 
Einbildungen der Seele ausgiebt, eines andern 
zu uͤberfuͤhren: ſo wird er doch alſobald durch ſeine 


eigenen Vorſtellungen von koͤrperlichen Dingen wie⸗ 
X der⸗ 





, 4 


Ber Meuſchen und Tiere, 48 ä 
nlegt: Denn es kann unmägfich einen zueigen 





8 
J 
5 
Mr 
3 
efg 
> 
1 
N 


che bat; ober er müßse.alie Kegeln, woran fein eis 
m denkend Weſen gebunden ift, verleugnen. 
Wenn man aber niches Ewiges, Nothwendi. 
Sud Gelbftänbiges ſetzen wollte: fo müßte man 
iner inneren Empfinbung bes Gemuͤths entfagen, 
ah weicher es uns unmöglich fälle klar, wider 
wechende Dinge zu gedenken. Denn wenn‘ niche 
was Ewiges märe: fo würde eine Zeit zu fegen 
ya, da noch nichts wirklich geweſen; folglid) 
uͤrde alles, was ift, entftanden, und doch burch 
liches entftanden feyn. . Wenn nicht etwas in fich 
d fchlechterdings . Nothwendiges waͤre ſo 
uͤrde alles, was iſt, ſeinem innern Weſen nach, 
yn und nicht ſeyn, fo und anders ſeyn koͤnnen; 
dglich würde Nichts, weder in noch auffer ihm, 
ine Wirklichkeit beftimmer haben. Wenn nicht 
was Selbftändiges wäre: fo hätte alles, was 
k, den Grund feiner Wirflichfeie auſſer fich in 
dern; folglich wäre alles abhängig, und dach 
x erfie Grund aller abhängigen wirflichen Dinge 
rgenb zu finden. Diefes find lauter Ungereimt, 
iten "welche fich mit Verftande nicht gedenken laffen. 


. $ 3 
So meit find wir demnach mit einan⸗ 
x eins , daß ein felbftändiges , N ae 
piges Kefen ſey, und ee möffe, ud) leug⸗ | 
nen 





4. 1%. Vom Urſprunge 


nen fie nicht, daß nur ein einziges folches Wefen 
ſeyn koͤnne, weil es fehlechterbings nochwendig iſt. 
Allein daraus folget umwidertreiblich: 
Wenn etwas wirklich iſt, das einen Anfang 
gehabt hat und entſtanden iſt, ſo muß es ur⸗ 
ſpruͤnglich von dem felbfländigen, nothwendi⸗ 
gen, ewigen Weſen entſtanden fepn. 
Denn, feste man. fonft Urfachen der entftandenen 
Dinge, die felbft gleichfalls entſtanden wären, und 
einen Anfang gehabt hättens fo müßte man wies 
‚bee nad) dem Grunde des. Entftehens aller dieſer 
abhängigen Urfachen fragen; und der würde auf 
Nichts hinauslaufen, wo er nicht endlich in einem 
felbftändigen, nothwendigen, ewigen Wefen ruhete. 
Hieraus koͤnnen wir alfo ein 'unfehlbares 
Merktmaalnehnien, ob die Welt ein folches felbftän« 
diges, nothwendiges, ewiges Weſen ſey. Denn 
Dasjenige kann das erſte, ſelbſtaͤndige, noth⸗ 
wendige, ewige Weſen nicht ſeyn, welches 
den urſprungiichen Grund entſtandener 
Dinge nicht in ſich halt. 
Wenn alfo etwas wirklich iſt, bas einen Anfang 
gehabt hat, und doch nicht urfprünglich von der, 
Welt und deren Natur. entftanden ift: fo ift Die 
Melt und deren Natur nicht das erfte, felbftändige, _ 
nothmendige, ewige Wefen, fondern fie muß ſelbſt 
ein abhaͤngiges, entſtandenes Ding ſeyn, das einen 
Anfang gehabt fat. | 
| Nun läßt fich bendes von den menfchlichen 
und thierifchen. Sefchlechtern offenbar" ermeifen: 
einmal, daß fie alle- einen erften Anfang gehabe 
haben; und zweytens, . daß fie ihren erften. er 


mia iger. 5 
—— 





Seen Eu 
Rz u} 
mi, ihis —— — 


— —* — zu ſehen. Ich werde 
me von ung Menfihen reden; 
derſelbe Verweis‘, den ich von uns führe, 
auch von allen Tieren gelten müffen. 
offenbare 
— 5 cl Himtanı, de dr 
— ‚jemals wirklich gelebt 
—12* einzigen ausgenommen, 
Dieſes iſt F Ir unleugbar.  Unfere 
fahren 'Tiegen alle im Etaube , 235 vn 
m ven verſchonet, n 
BER —8— der ſe 
Gegen dieſe klar⸗ ilft kei 
vffche — — eo Bon je 
einzelnen Dinge einer Art, ohne ein singges 
* dei , 
man fie , alle zuſammen genont 
ter einenley 
» ofne eine eihige Ana, ut u 


6 15. Vom Üfprunge 

fenheit vor. Nun muß von jeben einzelnen "Mens 
fchen, die. vor ung gelebt haben, . ohne. eine einzige 
Ausnahme, gefagt werben, daß fie geftorben ober 
tode find. Demnach fage: ich auch recht, und ohne 
bie’ geringfte Zweydeutigkeit, daß fie alle todt 
find, und ſtelle fie mir alle zufammen, ohne eine 
einzige Ausnahme, unter diefer Befchaffenheit vor. 
Man benfe alfo nicht, daß durch das Wort 
- alle etwas heimlich erfchlichen werben folle, naͤm⸗ 
lich; daß die Zahl unferer Vorfahren endlich ſey 
Nein; wenn fonft an ſich eine wirklich unendliche 
Zahl möglich wäre: fo wuͤrde fie durch biefes 
Wort und deffen gegebenen Begriff nicht aufgeho⸗ 
ben. Es müßte aber dennody allen, obgleich un« 
endlichen, Vorfahren bengelegt werden, was jedem 
einzelnen ohne Ausnahme zufömmt. ‘Denn fo fagen 
aud) die Meßkünftler recht, daß alle Radii eines 
Zirfels (oder alle Strahlen aus dem Mittelpunete 
zum Umfreife) gleich lang find, ob fie wohl unend⸗ 
liche Radios vom Mittelpuncte zum Unifreife, fo 
wie unendliche Winfel und Puncte im Umfreife,; 
annehmen: genug, daß jedem Radio im Zirkel, 
ohne einen einzigen auszunehmen, einerley be 
ftimmre $änge zukoͤmmt. Spinoza felbft heißer 
Das, was er für unendlich angiebt, zufammen ges 
nommen, fehr oft alles.“ Wenn ich alſo von 
unfern 


® Spinoza in Opp. poftumis, Ethices P. I. Prop. XVI, 
pag.ı6. Ex neceſſitate divine nature, infinita inf- 
nitis modis, (hos efl, OMNIA, que fub intellectum 
infinitum cadere poſſunt) fequi debent. Prop. XXI. 

Ä pp 





. 


der Menſchen um Tpiere, 7* 


unſern Werfahren u daß fie alle vobe find: f 
De hi — ich durch Wort alle nicht, ob ihre 
enblich ober re B weit fie : 
nfirefe, das weis ich nicht, das brauche 7 “4 , 
—* ‚nicht zu unterfuchen. Genug, das weis 
: wir, Die wir jeßt leben, ‚find nege 
Iamme von geftern und na unfere Väter find 
se eneflefen und in dem Reiche Der Todten. 
J s85. 
‚Men ſchlleſſe ich aber weiter. Wenn alle, 
Menfdgen, bie jemals vor uns, gelebt haben, Feis, 
son. cajigen ausgeriommen, ein Ende ipres Sehens 
mreicht n, und m an geflrhen find: fo müffen fie, 
auch alle mit einander, feinen einigen ausgenoms . 
men, einen —— — Sehens gehabt haben und 
in jeder ſieht ¶ daß id) den 
allen unverändert laſſe, und daraus 
uchts Tandem dem Ende de ebene (don 
rang fchlieffe. Sch halte aber nicht dafür, daß irgend - 
emand, ber gefunbe Vernunft hat, gegen den. 
Schluß etwas einwenden werde. Denn wer wird. 
nen einzigen ewigen Menfchen fegen? ober be⸗ 
jaupten, daß etwas, weiches ein Ende hat, opne An- 
ang feyn fönne? Man haben alle Menfcyen, bie, 
emals vor uns gelebt haben, feinen eingigen au aus 
jenommen, ein Ende ihiet. * erreichet. Dem. 


31. OMNIA, abfolets waters alicuj 
Berilnti Dei —* * &infinita * 
deburrant, & ‚per idem anribm arerna F 

‚eis Sam. 





8 1 Bom Urſprunge 


nach müffen eben biefelben alle Menſchen, die vor 
ums ‚gelebt Haben, feinen einzigen ausgenemmen, 
einen Anfang ihres Lebens gehabt haben , oder 
entfianden fenn. = 
Wenn aber alle und jede Menfchen, die wirk⸗ 
lich vor uns gelebte haben, feinen einzigen ausge⸗ 
nommen, einen Anfang ihres Lebens gehabt haben 
und entftanben find: fo muß außer allen und jeben- 
Menfchen, die jemals vor ung gelebt haben, eine 
wirkende Urſache gewefen feyn, die von allen Men⸗ 
ſchen unterfchieden war, und wovon fie alle ent⸗ 
ſtanden find. Denn ohne wirfende Urfache laͤße 
ſich Fein Entftehen eines Dinges gedenken: und die 
wirkende Urfache iſt von dem gewirkten Dinge un⸗ 
terfchieden, und eher als das gemwirfte. Wollte 
jemand vor allen und jeden Menfchen, die jemals . 
gelebt haben, dennoch wieder andere Menfchen ſe⸗ 
gen, von welchen alle und jebe entfproffen wären: 
fo würde ein: offenbarer Widerfpruch begangen, 
Wie hätte man alle und jede Menfchen, bie jemals. 
vor uns gelebt und einen Anfang gehabt haben, 
ohne Ausnahme verftanden, wenn noch vor benfel« 
ben andere lebendige Menſchen gemwefen waͤren? 
Wie könnte man das Entſtehen allen zueignen, 
wenn man fie doch nicht alle Darunter befaffete ? 
Der Schluß iſt demnach fehr begreiflich: wenn 
vor allen Menſchen, die jemals gelebt haben, eine 
wirfende Urfache gewefen ift, wodurch fie alle mit 
einander entftanden find; fo müffen wir eine Zeit 
eifennen, da noch fein. Menfch war, und müffen 
folglich wenigftens ein Paar Menfchen als das erfte _ 
annehmen, von welchem bie wirkliche Reihe der 
Menfchen 





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Anfang 
durch natürliche Zeugung fortgepflanget ift. A 


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; fe mögen auf. unferm Erdboden oder 


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von einer vickenden Ulſeche auffer 
feines Yet gehabt Hätte, 


851 


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INH. Vom Urfprunge 


lich voraus, die Welt fey ewig: dann behaupten 
fie, das menfchliche Gefchlecht fen gleiches Alters. 
mit der Welt. Demnach mären von Ewigkeit 
unendliche Reihen von Meufchen auf dem Erdbo⸗ 
ben gemwefen, ohne daß fie eines Anfangs bebürfe . 
ten: und.es fen eben fo leicht zu begreifen, daß: 
ſchon vor uns unendliche Reihen von Geburten ges . 
lebe hätten,. als daß fich die Menfchen nach ung . 
ins Unendliche und ohne Aufbören fortpflanzen 
‚ würden. . 

Die vorausgefeßte ewige Welt will ich Fürs 
erfte unberührt laffen. Daß aber die Vorftellung . 
unendlicher Reiben betrüglich und falfch fey, er⸗ 
hellet daraus, weil fie feinen zureichenden Grund 
der entftandenen Dinge enthält. _ Denn fie ſchiebt 
die Erflärung der Urfachen nur immer von einer . 
zur andern auf, und giebt dod) nimmer eine zureis 
chende. Vormals bedienten fich die Zmweifler des. 
Kunftgriffes, daß fie den Gegner durch ihre Flucht . 
ins weite Seld lockten, davon er die Graͤnzen nicht 
abfehen oder beſtimmen Eonnte: denn fie fuchten 
eine jede Frage nur auf eine unendliche Reihe von 
Gründen zu leiten, Damit nimmer ein fefter ges 
funden werben möchte. Aber daß aud) diejenigen, 
welche Wahrheit und Gewißheit, Grund und Urs 
ſache verfprechen, foldhe durch Verſchiebung ing 
Unenblicye geben wollen, das ift unglüdlich 
ausgedad)f. | 

Mir jegigen Menfchen haben einen Anfang ges 
habe. Woher find wir? Ganz natürlich, fprechen 
fie, von unfern Aeltern. Aber haben denn die auch 
einen Anfang gehabt? Allerdings , von on 

. roß. 





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n find? Mein, wire - 
5. die Frage bleibe immer: bie 
—— ſie bleiben die Aur. 
chuld 

achen ſie es doch mit uns, wie die boͤſen Ber 
zehler, die ihre. Släubiger von, einem zum andern 
weifen. Sempronius fpricht, er will mich ehrlich 
und völlig bezahlen: er giebt mir eine Anmweifung 
an Titius,. Wenn ich da fomme, fo erfeinet der 
‚, daB Gempronius Recht gehabt, mich an 

zu verweifen: aber weiler es jegt nicht in. baa⸗ 

rem FBermögen habe, fo folle mich Cajus, auf 
Aßignation, befriedigen. Cajus iſt jedoch in 
berſelben Verlegenbeit: eräfchicker mich weiter mit 
einer Anweifung an Mevius, Mevius ferner zum 
Ulpianus, und fo einer zum andern Ins Unendliche. 
Saget mir, befomme ic) auf folche Weife baares 
Geld? bezaflet man mir, was man mir fehuldig 
iſt? Gar nichts, niche einen Heller. Das hiefle 
vlelmehr, Ai ch der Bezahlung entziehen und ewig 
ſchuldig bleiben. ar nun Weltweife ben 
Grund der Dinge zu geben verfpreihen, aber 
durch beftänbige 2 —* auf ee hen 





H 






Hain 


er 


18 INH. Vom Urſprunge 


ſachen denſelben nur ins Unendliche verfchiebeng 
können fie ſich wohl ruͤhmen, bag fie ung beſſer mit 
Gründen, als jene mit baarer Münge, bezahlen? - 

&s iſt alfo mit den unendlichen Reihen der Ur⸗ 
fachen ein bloßes Blendwerf : fie gelten alle zuſam⸗ 
men fo viel, als feine, wenn man nicht auf eine 
erfte sureichende ſteigt. Man fann dergleichen: 
Einbildungen auch wohl mit einer vom Himmel. 
—— unendlichen Kette vergleichen. 

ie? wenn fein Glied der Kette ſich in der Luft 
erhalten kann, wo es nicht von dem nächften oberen. 
gehalten wird: hilft es da mas, Daß ich mir ben 
Fortgang der Glieder in bie Höhe bis ins Unend⸗ 
liche vorftele? Die ganze Kette hängt bad) am 
nichts, und fälle ſelbſt in meiner eigenen Veeſus 
lung zu ‘Boden. * 

. 7» 

Hieraus iſt denn begreifli genug, daß unend⸗ 
liche Reihen abhängiger Urfachen feinen zureichen⸗ 
den Grund der Dinge in fich halten, und nichts er⸗ 
Flären, vielmeniger beweiſen; fondern unter die 
leeren und befrüglichen Einbildbungen zu rechnen 
find. Allein, ich muß auch entdecken, woher einige 
Menfchen noch jegt aus folcher Verwirrung niche 
herausfinden Fönnen. 

Man gedenfer fi) nämlich , inſonderheit in 
der höheren Rechen⸗ und Meßkunſt, einen Forte 
gang von Zahlen, Unien, eigen, ins re 

3 


a Siehe Wollafton in der Religion of Nature delinen. 
ted, Sec, V. Prop. I 


de 
denmn mathematiſchen Beg 
von 





Se. Baron von elf dat am d Lchfieh don | 
deffen. Gebrauche und Nisbrauche, in- feiner 
Omtelogia ‚796. ing. gebanbel Daraus erhellt - 

‚daß e ber Muspemasiter A 
aber viches wahres ober. mögli *5* 


Pen 


R 
* 





| 
\ 
Bi 








14 1Abh. Vom Urſprunge 


Es haben zwar bie Urheber und Befoͤrderer ſol⸗ 
cher Art der Berechnungen ſelbſt vielfältig erinnere, 
daß biefe Begriffe des unendlich. Großen und unend» 
lich Kleinen bloß zu leichterer Erfindung der wah⸗ 

“ ven 


0 .n . 
Wenn unendlich, nach $ 706. beißt, dem Feine. 
Graͤnzen zu ferzen find, über welche es nicht koͤnnte 
vergroͤßert werden: fo ift nicht fo wohl dad Ding 
ſelbſt, ald der Mangel einer mehreren Wirklichkeie, 
unendlich. Ich mag eine Zahl, Linie, oder Größe, 
fo groß annehmen, als ich will, fo bat doch die Moͤg⸗ 
lichkeit ihrer Vermehrung fein Ende; und fie bleiben 
in der That obne Ende endlih. Aber der Mathe⸗ 
maticus macht einen bejahenden Begriff daraus, ala 
96 die Unendlichkeit in der Wirklichkeit der Dinge 
liege, als ob eine Zahl, Linie, Größe fey, welche alle 
mögliche Zahl, Lange oder Groͤße in fich befaffer, 
und weiter nicht vermehret werden fann. Es er: 
bellet 2, daß diefer Begriff etwas Unbeftimmtes 
vorftelle, welches in feinem Verhaͤltniſſe mit andern 
ſteht. Ein Staubchen, 3.3. dad von der Spike 
des Berges wehet, iſt gegen den Berg und deſſen 
Höhe ein unendlich Fleiner Zeil, deffen Verhaͤltniß 
gegen ben Berg nicht zu beſtimmen ift, und ber 
Berg oder deflen Höhe dagegen unendlich groß. So 
erklaret und vertheidiget auch der Hr. Weidler dag 
Unendlihe der Matbematifer in den Mifcellaneis 
Lipfienfibus T. I. p. 209. und in feinen Inſtitutioni- 
bus Mathematicis pag. 755. ſqq. Eserhellet 3, daß 
unendlich groß oder Flein Vergleichungsweife gefagt 
werde, fo ferne eined Größe und Vielheit Durch das 
andere nicht kann gemeffen oder berechnet werden. 
: Daher wird der Berg, welcher gegen das Staͤub⸗ 
chen unendlich groß war, in Berechnung der Mond⸗ 
finfterniffen , oder des runden Erdſchattens auf bem 
: Monde, unendlich Fein und für Nichts gerechnet; 
a 





"der Werfben und Kb. . 


nn“ het weren, und ja 
— angenommen, aber. auf Se Den 


mt. ‚Dan ee geoägnen fe ulde , mern 


als ob bie Eide wilonmen rund waͤre 355* 
wird die ganze Erde in Der Deus: 
Nichts — de . 
inet wäre, oder Al 


x 


von den Hi eer —X 5* 
Man hart fi daher nicht wimbern, va 


ten und unbeſti— 
eine Unendliche, Vergleichun göeif, 1 immer 
oder kleiner fen kann, ald-dad andere, und 
fich unendliche De ihen oder Drdnumgen uns 
Großen Kleinen fegen laſſen, als nz. 
n3z, n3z, n‘x, " f. w. imgleichen n-ı2. n-2x, 
3x. RX. u, f. iv. da allemal eins geaen bad an: 
Dere.verfihroindet,, und für Nichts zu rechnen iſt. 
eben dieſes ift ein offenbarer Beweis, daß die 
Biete das Unendliche nicht im eigentlichen 
nehmen: denn fonft würde ein und daffelbe 
use: der Dep, Bie Erde) an ſich, zugleich 


uch mania —9 en 8 — 
ereimt 
gen feiner 


. zus Age FH ſcreibt in 
’ Dife, prelim, — Toms cela (nombre 
me u —— tit fünt que des filtions. 


16 IM Vom Hefprunge 
fie fi mehr mit dee Mathematif, als mit 
Vernunftlehre, bekannt madjen, dermaßen 
ſolche Begriffe, daß fie fich darunter eben fo ı 
wahre Dinge vorzuftellen vermennen, als be 
meine Haufe den Kaum und bie Zeit für fi 
wirflihe Dinge hält, die von denen Dir 
welhe Kaum und Zeit gleichfam erfüllen, uı 


ſchieden, und deren Behältniffe wären. Es 


daher mohl einige Mathemarifer felbft der 9 
nung, daß die alte Deutlichfeie und Gemwißheii 
mathematifchen $ehrart, durch folche bunfele 
folfche Begriffe vom Unendlichen, vieles litte, 


ec à dire, qu'il n’y a aucune erreur: ou hie 
entend par l’infiniment petit Petat de l’evaneniffe 
on du commencement d’une grandeur, cangus & | 
sation des grandenrs dejs formces. Man kann 
hiebey halten, was eben derielbe in den Actis Eı 
torum 1712. p. 167. fq. von dem Begriffe faget. 
des Hrn. B. v. Wolfs Ontologia gehoͤren folg 
Lehrſaͤtze hieber. $ 97 Eine unendliche Zahl 
unendliche Groͤße ift unmöglich. $ 799. Alle: 
and Bröße, die wirklich iff und gedacht we 
kann, tff endlich. $ 801. Es iſt nicht möglich, 
ein Unendliches größer oder kleiner fey, als 
andere. $ 804. Die unendlichen Brößen der 1 
sbematiler find Eeine wabre Groͤßen, fondeen 
in dee Einbildung. $ 805. Das Unendlichen 
Mathematiker iff nur eine Redensart, dad 
‚man mebrere Dinge andeutet, als fichin einer: 
faffen laften. Bey welchem leuteren Gage auch 
eiget wird, dag die Weltweisheit mit den gröl 
rrthuͤmern beflectet wird, wenn man dag erdid 
enbliche der Mathematiter für wahre und wirt 
: Dinge in der Natur halt. 


N 






—— du großen. Fehlerliten ver. 


ie haben demnach verfucher, 


du zilgen, daß.man Ihere in ber Mefkunft (bit 
e ud alles. mad) alter zuverlaͤſſi 7 
*55* re 


aba Berne ic Kane, Km Sud, 


. in a Bänden in 4, unter 
das Eoipunp y74a, Ina Binden In. 4 inter 


Fa 


32 
se 


Fluxions 


a 
davon n v Hr. Wolf verthe war 


die an 


5 


athematit als un ſchadlich, weil fie keinen erro- 
Menabilem gäben; und als nügfich, weil ſich 
hhrheiten auf jolche Weiſe viel Fürzer erfinden 
ie liegen. Siebe Ontologiam $ 814. 








3 TA Dom Urſprunge 


dieſe Begriffe auſſer der Mathematik von keinem 
Nutzen ſind; und hergegen zu vielen und groben 
Irrthuͤmern Anlaß geben, welche deſto gefaͤhrlicher 
werden, je mehr ſie ein falſches Anſehen der Ge— 
wißheit von dem Gebrauche der Mathematiker 
erborgen. 
Ich will nur, nach meinem Zwecke, zwo 
ſchaͤdliche Verwirrungen bemerken, welche aus 
ſolcher Vorſtellung des Unendlichen entſtehen. 
Eines Theils meynet man, ins Unendliche fort⸗ 
gehen, und unendlich ſeyn oder werden, ſey ei⸗ 
nerley; welches grundfalſch iſt. Andern Theils 
zieht man den Schluß: was aufs Kuͤnftige, oder 
in ſeinem Fortgange, ins Unendliche fortlaufen 
r ann, 


Miffenfchaften, als marbematifch gemiß, einführe, 
- Hr. Aulofs tritt in der Anmerfung zu dieſer Stelle“ 
der hollandifchen Ueberiegung meined Büchleind, ins 
Mittel, und urtbeilet fo: wenn man mit 
und Wolf (Anal. Infinitor. $ 3.) einmal zugäbe, da 
ein unendlich Kleiner Theil in der Berechnung übers 
gangen und verfehen wuͤrde, fo gienge man allers 
dings von der ſtrengen Lehrart ab. Sonderlich habe 
Eontenelle in feiner Geometrie de I’ Infini, mit -feis 
ner Vertheidigung der Safereneial her ng die 
anze Sache verborben. Aber wenn man fie fo bes . 
ndele, wie Mac-Laurin |, c. Simpfon, i 
and application of Fluxions p. ı.fl. Euler, præf. ad In- 
‘ Stitutiones calculi differentialis p. XI. ſqq. angewie⸗- 
fen hatten: fo ſey nichtd darinn, basvon der geome⸗ 
triſchen Strenge abwiche; aber man erfpare binges 
gen gar viele Zeit Durch die Differential: Rech« 
nung, und es fey völlig unmahr, da man dadurch 
bie Gar weitläuftiger mache, als durch die 
alte Art. 


- ber Menfchen und Thiere, 19 


kann, das fann auch in vergangener Zeit ins Un⸗ 

endliche gedehnet werden, und alfo ohne Anfang 
geweſen fenn; welches eine ganz verfchrte Folges 

rung iſt. Ich will beydes deutlich machen. 


$ 8 


Menn man nicht mit Worten fpielen will, fo 
kann nichts eigentlich unendlich, fern und heißen, 
als dasjenige, dem nichts in feiner Art weiter kann 
hinzugefüget werben. Folglich ift alles dasjenige 
in der Thar endlich, oder eingefchränfet, dem ſich 
noch ferner mas hinzufegen, oder das ſich vermeh⸗ 
ren läßt. Denn in dem Puncte, fo zu reden, no 
das Wirfliche aufhöret, und dag fernere Mögliche 
derfelben Art angeht, da ift das Ende, ober ba 
find die Schranfen des Dinges. Man mag dieſe 
Erfiärung auf Zahlen, Sinien, Größen, Raum, 
Zeit, Kräfte, oder worauf man fonft will, ziehen: 
fo wird fie allemal richtig gefunden werden. Sie: 
Des derfelben iſt alsdann und darum endlich und 
eingefihränfet, ſo ferne fid) der Zahl, Linie, Gröfie, 
Krait, Zeit, und dem Raume, noch mas hinzufe. 
£en, ober ein mehres jeder Art gedenfen läßt. 


sch behaupte aber auch eben daher, daß feine 
Zahl, und nichts, mas zählbar ift, in der That 
unenbiich fen, oder jemals unendlich feon und mer« 
den Einne: meil Feine Zahl fo groß ift oder gedacht 
werden fann, daß fie nicht vergrößert, ja mit fich 
feibft füllte vermehret werden koͤnnen. Indem 


aber ihre Vermehrung ins Unendliche fortlaufen 
DB 2 und 





20 | 1 A655. Vom Urfprunge 


und nimmer aufhören kann: fo-folget eben baraus, | 
daß eine Zahl und alles zählbare, was ins Unend» 
fihe vermehret werden kann, nimmer aufhdret, 
endlich zu fenn; folglich, daß ins Linendlichz 
fortlaufen und unendlich feyn, ganz nicht einer 
ley, fondern gerabe entgegengefeßte Dinge find. 
Dasjenige, was ins Unenbliche vermehret werden 
kann, erreichet eben daher das Ziel der wahren 
Unendlichfeie nimmer; fondern es ift und bleibe . 
immer einer Vermehrung fähig, und alfo endlich, 
es mag fo viel vermehrer feyn, als es will. Es 
kann alfo aud) dem Unenblichen nimmer gleich 
fommen, noch ein Maafftab davon werden , fon» 
dern ift durchaus anderer Art. Laſſet nun Zahlen, 
tinien, Größen, Kaum, Zeit u. d. gl. ins Unend⸗ 
liche wachfen und zunehmen fönnen: das ſtehe ich 
. Aber eben darum ift Beine wirklich unend» 
liche Zahl, Sinie, Größe, Zeit, oder unenblicher 
Raum, möglich. Ä | 
Wenn wir benn gleich einem die Freyheit lief 
fen, die Reihe und Anzahl der verftorbenen Men⸗ 
fhen, nad) Gefallen, ing Unendliche zu vermehren: 
fo erweiſt fi doch dieſe gewefene Anzahl unb 
Reihe jegt und allezeit von felbft als endlich; weil 
auffer denen, die bereits wirflich gelebet Haben und 
im Reiche der Todten find, noch immer mehrere 
‚geboren und wieber zu ihren Vätern verſammlet 
werden. Da fich alfo die Zahl und Reihe der ges 
wefenen Menfchen wirklich vermebrer: fo ift fie 
nicht fo groß, daß ihr nichts in ihrer Art follte hin⸗ 
zugefüger werben Fönnen; folglich ift fie nice 74 
endlich, 





der Nerſchen une Ele. a 
endlich, fondern endfidh. “Und fo verhält es ſich 
> hehe Th 
3 nad) 


T 
Allein, dieſer Einwurf erkfäret die Unendlichkeit 
der un Dich die Unendlichkeit det Linie die 
eine falfche und erdichtete Unendlichkeit durch_die 
andere. Dan mag die Anjabl, man mag die 
fo viel in Gedanten vergrößern, als man mil; fo 
wird fich auffer ihr, ſo gut rüchwäres,, als vorwarts 
% re Unzahf und Länge — Ber 


', ber wide fich bach ſelbſt bi wen! 
weg er nicht —— — 
abfehen Tann, in ſich für unbeſtimmt, oder 


‚mwendiich baten wollte: Med Birklie muß in. 
üb eine gewiffe Beil , ein 


Ding und feon. eine 
in mate ober Linie Tarın auch nice 





I . 
22 1Abh. Vom Urfprunge 
nach uns fommen Finnen. Wenn fie gleich ine 


Unenbliche, oder in Emigfeit, fortläuft; fo börei 
| m 
und Zahl gegen b vermehret werben können: ſo ſetz 


ich mich etliche 1000 Jahre, oder, fo es gefällig, et: 
liche Millionen “fahre, weiter in Die Welt, und ftellı 


‚mir die Linie und die darauf geftelleten Dienfchen 


wie fie alddann feyn werben, vor. Wenn ich nur 
alddenn 1000 Beburten oder Glieder mehr rechne, 
als jeßo geweſen find, und die Linie folglich in b bie 
zu e verlangern muß: fo ſtelle jch die beyden Linien 
mit ihren darauf geitelleten Menſchen fo gegen einen: 
der uber, daß ber leute Mann von den I1000 kunfti: 
gen, gerade gegen mich uber, deſſen Dater gegen mei: 
nen Vater, der Großvater gegen meinen Großvater, 
und fo weiter aufwaͤrts Mann für Mann gegen ein: 
ander zu ſtehen kommen. Fraget fich, men werden 
bie 1000 Glieder, die hernach mehr feyn werden, 
bey a gegen fich uber haben? Gewiß feinen, weil fie 
über die angenommene unendliche Zahl Menſchen auf 
der Linie a b find. Iſt denn aber nicht offenbar, 
daß die angenommene Linie und Zahl nicht unendlich 
fey, fondern in a einen Anfang gehabt babe, vor wel 
chem ſich andere mehrere Deenfchen gedenken laſſen? 


Hierauf wußte man mir nichtd zu antworten, als 
nur dieſes, Daß Die Mathematiker, wenn dem Unend: 
lichen etwas zuwuͤchſe, folches für Nichts achteten. 
Allein, ich erwiederte, es ware nur der Unterfchied 
daß mein Etwas wirklich, jenes Nichts aber erdich: 
tet fey, und die Wahrheit von meinem Etwas nicht 
aufhebe. Wenn nach vielen Jahren 1000 Blicker vor 
Menfchen wirklich mehr in der Welt werden geweſen 
feyn, und manmollte fie neben der jegigen Reihe auf 
waͤrts einzeln gegen einander über ftellen: fo woller 
Doch die überfchieffenden 1000 Glieder bey a aud 
Platz haben, und laſſen fich durch Feine Erdichtunger 
aus der Welt hinaus denken. Auf bie Weife koͤnnt 

mar 








y 


der Menſchen und Thiere. 23 


fie doch nimmer auf, vermehrbar zu ſeyn, und bleibe 
eben darum immer endlich) und zählbar. Die 
zu jeder Fünftigen Zeit $ebenden geben der twirflichen 
Reihe fo weit ihr Ende oder ihre Schranken, von 
welchen die Nachwelt angeht. 

$ 9 . 

Der andere Irrthum bauet auf den vorigen 
eine neue, aber eben fo unrichfige, Folgerung: 
Was aufs Künftige ins Unendliche fortlaufen 
kann, das fünne auch aufs Vergangene ing Un- 
enbliche vermehret, und alfo unendlid) und ohne 
Anfang gefeget werden. Nun willid) hierbey nicht 
wieberholen , was id) eben erft ermiefen babe, daß 
ins Unendliche vermehrbar fern, und unendlid) 
feyn, nicht einerley, fondern gerade entgegengefegte 
Dinge find: und daß mithin die Reihe unferer 
Borfahren dadurch nicht unendlich und ohne An: 
fang würde, wenn man fie gleich in Gedanfen ing 
Unendliche vermehren wollte. Aber ich behaupte 
auch, Daß man diefes nicht fo-von unfern Vorfah⸗ 
ven, nie von unfern Machfommen, heifdyen Fönne, 
daß ſich ihre Reihe ins Unendliche vermeh⸗ 
ren laſſe. 

Der Unterſchied iſt ganz offenbar. Das Zu⸗ 
kuͤnftige iſt nur moͤglich, aber nicht wirklich: und 
in moͤglichen Theilen ſteht es mir frey, noch im⸗ 

34 mer 


man fonft auch den wirklichen Raum vom Sirius 
bis zum gegen über ftehenden Fixſterne zu Nichts in 
der Welt machen, und felbft das Unendliche Durch 
ein groͤßeres Unendliches vernichten. 


24 TG. Vom Urfprunge 


mer mehrere zu gebenfen, und bie Reihe nad) Ge⸗ 
fallen ins Unendliche zu verlängern. Aber wirk⸗ 
liche Theile Haben ihre beftimmte Zahl, feines mehr, 
feines weniger: alle, die ich darüber gebenfe, find 
nicht wirklich gewefen , find erbichtet und haben 
feine Wahrheit. Wie ich alfo irren wuͤrde, wenn 
ich unfere möglichen Nachkommen bis ins taufende 
Glied mit in der Reihe unferer wirflichen Vorfah⸗ 
ren befaffetö: fo ehe es mir auch nicht fen, die 
Reihe derfelben mit taufend, mit hundertfaufend 
Öliebern u. f. w. ins Unenbliche, nach Belieben, 
zu vergrößern. So viel ihrer wirklich geweſen 
find, fo viel find geweſen, und nicht nod) taufend 
Glieder mehr, die annoch nur möglich find. Iſt 
mir ihre Zahl unbekannt, fo laß fie x heißen; es 
iſt darum doch nicht x } 1000, es iſt eine in ſich 
beftimmte Zahl wirklicher Einheiten, bie fich von 
einer erften Einheit anfängt, und bis auf uns 
fortgebt. 

Wenn einer einen Föniglichen Schaß betrach⸗ 
tet, fo kann er wohl annehmen, daß fid) derſelbe 
ins Unendliche vermehren laffe: Das ift eine mög» 
liche Sache. Aber die Thaler, bie fchon wirklich 
in voriger Zeit gefammlet find, kann er nicht, in 
der Berechnung nach Belieben ins Unendliche ver⸗ 
mehren: das hieße, den König nur in Gedanken 
und auf dem Papiere ins Unendliche reich machen. 
Ss ifteine wirkliche beftimmte, obgleich unbefannte, 
Zahl bes. Geldes da, fein Heller mehr oder weni⸗ 
ger. Und wenn der Schaß nicht einen Anfang 
der Sammlung gehabt hätte, fo würbe er auch 
nicht ins Unendliche koͤnnen degrdhert werden 

et 


der Menfchen und Thiere. 25 


Laſſet num bie alten wirklich geſammleten Tha⸗ 
ler die wirklichen Menſchen bedeuten, weiche be. 
reits zu ihren Vaͤtern verſammlet worden; und 
die kuͤnftig ins Unendliche einzunehmenden Thaler 
die kuͤnftigen Menſchen vorſtellen: fo werdet ir 
ſehen, der Begriff und die Sache ſey weſentlich 
einerley. Wir duͤrfen mit den wirklichen Ahnen 
niche nach Gefallen ins Unendliche fpielen, und im. 
mer mehr gewefene Menfchen in unfern Gedanken 
machen. Das heißt dichten ,„ und des Dichtens 
kein Ende machen wollen. Es find lauter einzelne 
Menfchen, die vor ung gelebet haben, und ein je- 
der machet einen wirflichen Theil der Zahl und Reihe 
aus, und hat gegen uns ein beftimmtes Verhaͤltniß 
eines Grofivaters, Urältervaters, eines Ahnen im 
99, im 687 Öliebe, und fo weiter. Es ift dem- 
nach die ganze Anzahl und Reihe, als eine wirk⸗ 
lihe betrachtet, auf alle Weife beitimmt. 


S 10. 

Bey diefem offenbaren Vernunftfchluffe aus ei. 
nee Plaren Erfahrung wollte ich meinen Beweis 
anfangs bewenden laffen, und bie hiftorifchen 
Gründe, wegen der Weitläuftigfeit, ganz vorbey⸗ 
gehen. Allein, weil ein neuer franzöfifcher Schrift 
fteller der Ewigkeit des menfchlichen Gefchlechtes 
aus ber Geſchichte einen Schein zu geben gefucher:” 

B5 ſo 

7 Le Monde, fon Origine & fon Antiquité. à Londres 
(wie der Titel lautet) 175 1.8. darinn der ungenannte 
Berfaffer, nachdem er andere ausgeſchrieben, auch 
Vergnügen finder, fich felbft auszuſchreiben, indem 





- 
“ 


26 1Abh. Dom Urfprunge 


fo will ich doch, fo kurz als mir möglich ſeyn wire, 
jeigen, daß die wahre Gefchichte dem Anfange des 
menfchlichen Gefchlechtes nicht wiberfpreche, ſon⸗ 
dern vielmehr benfelben durch mancherley Um⸗ 
ftände beftätige, \ j 

6 ır. 


Die Gefchichte, fage ich, miderleget es nicht, 
daß die Menichen einft entftanden find. Denn 
alle und jede Wölfer, von denen man Nachricht 
bat, fommen darinn überein, daß ihr Geſchlecht 
einen Urfprung gehabt habe; ob fie gleich in der 
Zeit, Art und Urfache des Entftehens weit von 

- einander abgehen. Die meiften gaben ſich für 
indigenas, terrigenas, aborigines, &yysveis, oder 
aiurox9oræc aus," welches alles nichts anders 
fagen 


er im andern Theile ganze Seiten aus dem erften, 
wörtlich, gugleich mit den Noten, wiederholt. Go 

iſt ſchon daß erſte Capitel des zweyten Theiled ganz 

aus dem ı Th. p. 155-162. Wiederum, wasp.i5. 
bid 19. ficht, findet man ı Tb. p. 164-167. ers 

ner p. 21. fa. ift aus ı Th. p. 162. fg. p. 48-52. 

aus ı Th. p. 168-171. Dennoch man und 

ſchon mit einer deutfiben Ueberiegung dieſes Buches 
gedrohet; und vielleicht würbe auch der Hr. Ueber: 

feger Feine Zeile davon umſonſt zweymal gefchrieben 


eyn laflen. Ä 

e Diodorus Siculug lib. 1. cap. 9. p. 12. fin. ou ware 
YEAms, ade wehe Tav Bupbusur davseus du- 
wixdeus Atyarrıs. Vicht allein Die Griechen, fon; 
dern auch viele dee Barbaren fagen, fie wären 
eus der Erde entſproſſen Giebe befonders von 
den Aegyptern, eben bafelbft, cap. 10. ſqq. Br den 
ndts 





der Menfchen und Thiere. 27 


gen will, als daß ihre erfien Morältern in 
mfelben Sande , wo fie jegt wohneten, aus unfer 
ler Mutter, der Erden, Schooße gebohren waͤ⸗ 
n. Diefes Vorgeben ſchließt zwar einen göttlis 
en Werkmeifter, der fie aus Seimen gebildet, 
ht aus; jeboch möchte wohl eines Theile die 
nwiſſenheit, von ihrem undenflichen Herfom. 
en aus einem andern Sande und Geſchlechte, Urs 
che daran ſeyn, daß ein jebes Volk fich da ge 
haffen und erzeuget zu ſeyn glaubefe, wo es wohnete. 
zey ben meiſten aber iſt wohl ein Hochmuth Ur: 
iche ſolcher Erdichtung geweſen, daß fie ihre Her: 
unft keinem {fremden wollten zu danken haben, 

der deſſen Colonie und Abkoͤmmlinge heißen. 
Dieſer Hochmuth war auch der Bewegungs» 
rund, daß ſich die Völker um die Werte alt zu 
machen 


"Indianern, denfelberlib. II. cap. 38. pag. 151. lin, 4. 
Paufanias lib. VIII, cap. 29. p. 66. von den Ne: 
ebiopiern, den Diodorus lib. III. cap. 2. von den 
Scythen, denfelden lib. II. c. 43. p. 155. lin. 79. von 
den Athenienſern, ben Ifocrates in Panegyrico p.45. 
ed. H. Steph. und im Panathenaico p. 258. C. und 
den Euripides beym Plutarchus de Exilio p. 604. E. 
Juftinus II. 6 &c. von den Aecadiern und Achivern, 
den Paufanias Eliac. lib. V. cap. 1. init. von den Si; 
esnieen, ‚den Diodorus Sic. lib. V. c. 6. p. 335. lin. 95. 
von den Eretern, denfelben lib. V. cap. 64. p. 381. 
von den Deutichen, Tacitus de Mor. Germ. cap. 2, 
& 4. von ben Britanniern, Cæſar de Bello G. lib. 
V. cap, 12. Die Balliee wollten vom Dite Patre 
erzeuget ſeyn. Cxf.ibid. VI. cap. 18. 

9 Siehe ded Tob. Pfannerus Syſtema T’heologix Gen- 
tilis purioris cap. VIL $ 2. 


a8 1Abh. Vom Urſprunge 


machen ſuchten, und ſich eines goͤttlichen Urſprunges, 
und einer urkundlichen Nachricht von vielen tau⸗ 
ſend, oder hunderttauſend Jahren ruͤhmeten; her⸗ 
en anderer Voͤlker Abſtammung, und aller 
nuͤtzlichen Kuͤnſte Erſindung, von ſich ableiteten. *° 
Die Babylonier waren wohl, nach Mofis Berichte, 
ſeit der allgemeinen Waſſerfluth, die alleraͤlteſten; 
und von da aus war Aegypten bepflanzet worden. "" 
Dennoch machtens ihnen die Aegypter ſtreitig, und 
behaupteten, daß nicht allein die erſten Menſchen, 
ſondern auch die Goͤtter, bey ihnen erzeuget waͤ⸗ 

ren: ſie hätten, wie nach Griechenland, Pow 
. tus, Arabia, Judaͤa, Syria, fo auch nad) Baby 
Ion, Eolonien gefchidet, und die Babylonier in der 
Sternkunde unterrichtet: "? fie hätten alle Künfte 
erfunden, unb bie Griechen hätten alle Theologie 
und 


20 Diodorus Sic. lib. I. cap. A fin, fihreibt: weg! & vis 
von vivovs Eexmiurures. ov meer amPırkureusw "EA 
Ama, ana ıg TA rur BugBapır, duvrens ayre- 
xonmt Niyerrıs, 6) mpurıu var awaırer ardoamur 
Ivgırds yriday rar iv v5 Pip xgueimen, ag) Tas Yi- 
—RX saß adureis weiter ix vierer xeira⸗ ara. 

Y  ngupär wind, Es ſtreiten fich nicht allein die 
Griechen, fondern auch die Barbarn, welches 
Volk das aͤlteſte ſey: ein jedes fager, fie find aus 
dee (Erden entfproffen ae —— allen 
Menſchen die erſten i Dinge, 
and ihre Thaten wären von gar langen Seiten des 
Aufzeichnens wertb geachtet worden. 

ı: Jacobus Perizonius in Originibus Babyloniciscap. ı. 
(qq. und in FEgyptiacis cap. ı, 

z2 Diodorus Sic, lib. I. cap, 10. & 18. Mela I. 9. 

23 Idem, lib. L, cap. 28. 







"Au Bnfhen nt Ze ur 


deicheit - von: ihäen 
ſo niche bee ——* 


mieien, als ob der —— ae 
5 feibft den Phrygiern den Vorn 
guerkannt habe, nadıdem er’ zween 
5 fie eine menfchliche Sprache gehöret,, er⸗ 
laſſen, und diefe von ſelbſt be Beh 
ı Kur iſt ‚ auf Pheygiſch, 
auch bie Seuchen ihe. Ös 
—— aͤlter hielten, als der Aegypter, 
ein höheres Land bewohneten, das nach der 
sam Fluch zuerft trocken geworden, da Aeay⸗ 
ch unserm Waſſer gelegen. Und’ Juſtinus 
Ihnen darum benzuftimmen. '* Auch rühmes 
die Aethiopier, daß fie die erfien Menfchen, 
Aegypter ihre Eofonie wären. ’” Kurz! ein 
zolk wollte ſich Durch Alter und Ahnen, durch 
en Urfprung, und durch feine tfindungen 
ısbreitung, vor andern, abeln, und fein 
mling anderer heißen. Ä 
an ſieht alfo ſchon aus diefem Beweqgungs· 
daß man ihr Vorgeben für Nichts wei⸗ 
is fuͤr eine Erdichtung, zu achten habe, die 
er hochmuͤthigen Rangſucht erzeuget worden. 
a8 erhellet auch aus ber Unverſchaͤmtheit bes 
yens felbft, da die Aegypter eine Gedichte 
000, bie Babylonier von 470000, die Si⸗ 









I ir. faq. item 22. & 69. 
——ú— —B * 
Rinus,. lib. IE. cap. ı. 

»lorue Sic. lib, III, eap.2. 3.7175. 





30 IM. Dom Urfprunge 


nefer gar von mehrentheils neun Millionen Jah⸗ 
ren vorgegeben haben. Denn die eine fügen Foftet 
nicht mehr Zeit, als die andere. Cicero, Diodos. 
rus Siculus, und andere Alte, haben diefer hand» 
greiflichen Aufſchneiderey ſchon a n 
19 


28 Cicero lib. I. de Divinat. cap. 19. Condemuentus bos 
(Babylonios ) aut fInltisie, aut vanitatis, aut im- 
prudentie, qui CCCCLAA. millia annorum , ut ipfi 
dicunt, monumentis comprehenfa continent, & men- 
tiri judicemus, nec feculorum reliquorum judicium, 
quad de ipfis futurum fit, pertimefiere. vide Eun- 
„ lib. II. cap. 46. Diodorus Sie, lib. II. cap. ar. 
p. 145. lin. 57. zıpi dd soo windous var irar, br 
Oası var Jıapiar rar xala To zo mer FIR TO 
evsuun ir Kurdaier, sun av vis Ögliag wire. 
irar ag EnTe ng) Firduganer)a musiddus, X) Tpas 
imi Taurus XKiAımdas, as av "Arıkardeev dieburm 
yızırny nalapıluoücı, ad orov To wuruır Heinrlo 
Tor Asa Tas Auparnncas woadu. Die Menge 
der Fahre, feit welcher die Geſellſchaft der Ebals 
Oser rorniebt, den Himmel betrachter zu haben, 
Fann nicht leicht jemand glauben. Denn fie 
zaͤhlen von dem erften Anfange ibrer Beobach⸗ 
sung Der Sterne bis auf Aleranders Einfall in 
Ajien 473000 Jahre. Go faget er auch von dem 
Aegpptern, lib. I. cap. 26. p. 30. lin. 92. ol ispas 
war Aıyurliaor Tor xgarev «rd rys Hiiov Bacıdaas 
vuoyslomsres r pixpı 127 "Arskardgev dıalassas as 
Tr ala, Paciv vunpgn ira marısa wur dirpü- 
ęiu⸗ 2 Teseıdlay, —.. air | — Tv TA 
Yes rar ira &c. Die Agyptiichen Priefter geben 
vor, daß von der Zeit der Regierung der Sonne, 
bis zu Aleranders Zuge nach Afien, bey 23000 
„Sabre verſtrichen find. Dieſe Menge von Jabren 
. A 


' 





‚ wnb sum Theile laͤcher⸗ 
reichet feines Volkes 
en Glauben verdienet, weiter, 
Miofes nad) der allgemeinen. 
2 der Griechen Nachricht die 

n ber —— und dis Ninus nice über 
ae md die Schreibefunft, ober vielmehr das 
— vielleicht kaum ſo alt u we 
6 


Per) lanbi, —8 in Chronica p. 17. 


Eu ır. des Shaw Voyüge dans 
la Barbarie er loLevant 5 II, fyb fin. und p. 1834) 
32. Perisöaiusin Origin. Babyl. cap. 1: p. 6 
aQ Marti Martini Decade I Sinicz hifdoriz „ init 
Ante Fobyam gaidem Imperaterem, conflituta — 
lu [worum ati Sina ipf pro fu ‚Jpedis babent , m 
Jalfa& rinicnla gaamplurima 
te dafür, daß es vergeblich fey, bie —— Beitreib- 
nung, fo wie Die chalbäife und aͤgpptiſche, zu har⸗ 
sıoniren; was fich auch M. Fourmont der altere, 
“ fie Porigine des anciens peuples P. M. p. 39%. faq. 
nach vielen andern, für Muͤbe giebt. 
a Mocrobinn in Somalımm Scipienis üb. I. er 


32 a Abh. Vom LUrfprunge 


Es mag aber darum ſeyn wie es will; fo er 
helle doch aus allen das einmüthige Geftändni 
aller Völker, daß fie ſich nicht für ewig gehalter 
fondern einen Anfang ihres Gefchlechtes erkann 
haben. ** Denn die, welche ihre erfien Voraͤlter 
urfprünglich aus der Erde herleiteten, mußten j 
eine Zeit annehmen, da noch niemand von ihre 
Vorfahren gemefen. Die, welcheihren Urfprung ve 
den Göttern herholeten, oder vielmehr nur ihre erſte 

Degen 


Quis facile mundum ſemper fuilfe confentiat ? cum al 
binc ultra duo retro enunormm millia, de excellemi 
yerun geflarum memoria, me Graca guide exflı 
bifloria? Nam fapra Ninum, a quo Semiramis fi 
cundum quosdum creditur procreata, wibil preclarun 
in libros relatum efl. Diodorus Sie, lib. I. e. q. p. 12 
lin. 47. adıwarer, iv Tugasr Tu Ypaumarer Aura 
Era, wur, are vol wur Aura ZAmumrıdı 
sid. G da v6 ng) veure wuyxeugley, Ti yı va 
isogypapenr viros wurlirus Base lar vunsı To nem 
Alp ewırdutw. Es ift nicht möglich, daß di 
- Erfindung dee Schreibekunſt fo als fey, daß fi 
denen erfien Kegenten gleich kommen follte. Un 
wenn man das auch zuftünde, fo erbellet Dock 
daß die Geſchichtſchreiber erſt ganz neulich zum 
Noautzen dee Menſchen enıftanden find. Siehe aud 
Platonem de Rep. lib. III init. 
22 Es find bloß einige Weltweiſe geweſen, die, in ih 
sem erbichteten Lehrgebaude, Welt und Menſche! 
- ewig gemachet haben, welche Cenforins, de die na 
tali cap. 4. erzählet, dabey Kindenbrogs Anmerkun 
gen zu feben find. Wiewohl Buddeus, in Hiſtori 
Ecclef. V. Teft. Tom. I. p. 75. fqq. bie meiften voı 
biefer Zahl ausnimmt, und allein den Ocellus Eu 
canus und Ariſtoteles laͤßt. 





der Menfchen und Thiere. 33 


Regenten und Wohlthäter vergörtert und unſterb⸗ 
lich erfläret harten, wie die Aegnpter, Babylonier, 
Ereter, Pelasger, und viele andere thaten, dachten 
an feine andere , als erfchaffene oder erzeugete Goͤt⸗ 
te, das it, an Menfchen, die felbft entftanden 
wären. Die alten Perfer, und mehr andere, fages 
fm ausdrücklich, Daß die Welt und die Menfchen 
den Gott erfchaffen wären. ” Die Einefer fegen, 
mgeachtet ihrer langen Zeitrechnung, einen erfien 
Renſchen, den fie Puoncuum nennen. ** Es 
at demnach Fein Volk, nicht einmal mit allen $üs 
m, jemals Anfpruch an bie Emigfeit gemachet; 
md bie wahre Gefchichte reicher nicht über ben 
ſtimrod, oder über Mofes Nachrichten. Wenn 
ıan daher Mofes aud) nur bloß als den älteften 
sefchichefchreiber anfehen will: fo hat man afle Ur. 
ıhe, feiner “Befchreibung von der Abftammung 
nd Verbreitung der Völker völlig Glauben benzu« 
effen Man fiehe offenbar, daß er darinn durch 
ine ſolche Ehrfucht, wie andere, getrieben wor⸗ 
m: weil er alle andere Voͤlker damaliger Zeit älter 
sache, als das feinige. Es ift aus unterfchiedlis 
yen Stellen feiner Buͤcher zu erfennen, daß er 
och ältere Urfunden vor fich gehabt, woraus er 
ine Machriche genommen. Die Mamen ber 

Stamm⸗ 


13 Thom. Hyde de Religiorie vet. Perſar. p. 164. ſqq. 

14 Martinıs Martini in Sinice Hiftoriz Decade I. init, 
Miewohl andere den Noah daraus machen, und den 
Namen durch lancien ou l’aind de I’ Arche, erklaͤ⸗ 
ren. Fourmone P. II, p. 437. die mehrefien machen 
den Fohi zum Noah. u; 398. fq. 





34° I Ab5 Dom Urſprunge 


Stammpäter, die er angiebt, ſtimmen mit den 
Namen ter Bölfer und $änder überein: und bie 
beidnifchen Gefchichtbücher beftätigen felbft Die 
Wahrheit der Bücher Mofis in diefem Stüce; wie 
der vortreffliche Bochart in feiner Geographia facıa 
genugfam gemiefen, 


S 12. 


Man darf fich nicht wundern, daß die neuern 
griechifchen und roͤmiſchen Gefchichtfchreiber von 
ben allererfien Bewohnern wüfter Sandfchaften 
nichts erwähnen. Sie find zu neu und unmiffend, 
Man fann aber ſolches nicht zu einen Beweiſe 
drehen, daß feine Hiflorie davon Machricht gebe; 
daß, was man davon faget, lauter Fabel fey, und 
daß in jedem Lande allezeit Leute gewohnet haben, 
So ſchließt aber der ungenannte Franzoſe. *° Er 
leugnet namlich, Daß uns die Geſchichte, durch 
die Erwaͤhnung der alten Colonien, lebre, 
die Welt fey nach und nach allmslig bevöls 
Fert worden. Man glaubet 3. E. faget er, ** 

Voß 


25 Le Monde, fon Origine & fon Antiquite, à L.ondres 
1751. 8. Part. I. p. 218. wo der Verfaſſer leugnet, 
que l Hiſtoive nous apprend, touchant les anciennes 
colanies, que le Monde ſe ſoit peuple ſucceſſivement 
CT pen a peu. 

26 Oncroit, par exemple, que les Egyptiens & les Phe- 
niciens ont peuple la Grece; que les Grecs & les Ly- 
diens ont peuple P Isalie; que les Phenicieus les " 
Celtes ont peuple TEfpagne, & ainfs des autres 
pays. Examinons donc ce qui nous reſte de P Anti. 

uite fur les colonies: faifens voir que, felon les 
ifloriens anciens, tous les pays, om elles ont #te 
envoyöes, 





"der Meifchen und Thhirei 35: 
Aegyptır und Phoͤnicier Griechen⸗ 


die 
nd, die Griechen und Lydier Ttalien, die 
hönicier und Eelten Tberien, und (6 weiter, 
fener haben. Laſſet unsdenn Untecfüchen, 
as wir aus dem Alterthume von diefen Los 
inien voiffen: ich will'sus den alten Bes 
bichtfehreibern zeigen, Daß alle die Lähder, 
1 fiebingefbicket find, ſehon vor ihrer Ans 
inft bewohnet gewefen: ich will zeigen, 
aß die alten Colonien in nichts, von denen, 
Ache die Europäer jetzt nach der neuen Weit 
hicken, unterſchieden geweſen ſind; und 
ill daraus auf eine augenſcheinliche Arc 
arthun, daß, wenn wir nichts, als die Bes 
bichte, zu Rathe sieben, es ſchlechterdinge 
nmöglidy fey,.bis auf dic eriten Zeiten zu 
smmen, wo die (Erde zum erftenmal bes 
dikert worden; und daß folglich alles, was 
avon über einen gewiſſen Seitpunct gefager 
ard, nichts, als ein Gedichte und leere, 
Nuthmaßung, fey. € € 
u \ {3 


ewvoyies, Holen babitös wvant leur arrivie: mon. 

" grons, que les colonies anciennes ne differoient eu 
aucune maniere de celles, queles Europbens emvoyens 
aujeurd'bui dans le nonveaun Monde; & preu. 
vons par la d'une waniere tvidente, qn’ö ne confl. 

. ser que PHiflsive, il eß abfolunient impofhble de 
veiwonter à ces premiers tems, on la terre acom. 
menei d’ötre penplie, & que confequens tout 
ce qwon dit für ce [jet au deläd’un certain point, 
weß que fable & eonjeälure frivele. 





36 I bh, Vom Urſprunge | 


Er beruft ſich desfalls auf Zeugniffe bes Pau⸗ 
fanias, Strabo, Dionyſius Halicarnaffeus, Varro, 
Plinius, Nepos, und Juſtinus; uͤbergeht aber den 
Moſes ganz und gar mit Stillſchweigen. Allein, 
wer aufrichtig nach den erſten Einwohnern unbe⸗ 
wohneter Laͤnder forſchet, wuͤrde der ſie bloß in ſol⸗ 
chen neueren Geſchichtſchreibern ſuchen? Die konn⸗ 
ten ja nichts davon wiſſen, weil ſchon ſo viele Jahr⸗ 
hunderte verfloſſen, und ſo viele Zuͤge und Veraͤn⸗ 
derungen geſchehen waren, daß ſie nur von weniger 
damaligen Einwohner Abkunft aus muͤndlicher 
Sage Nachricht haben, aber von den erſten Beſi⸗ 
tzern der Laͤnder nichts erfahren konnten. Warum 
uͤbergeht aber dieſer Verfaſſer den Moſes, als den 
erſten Geſchichtſchreiber, der den aͤlteſten Zeiten und 
Urkunden viel naͤher geweſen, und in dem Lande 
wohnete, welches die Pflanzſchule vieler ans 
dern war ? 


Kann man nun das Billigkeit und Unparten 
lichfeit heißen, dafi der Mann bey diefer Frage des 
Mofes ganz nicht ermähner, als ob er nicht in der 
Melt geweſen wäre, oder als wenn er feine Ge 
fehichte der älteften Zeiten gefchrieben hätte, ober, 
als wenn es ſchon ausgemachet märe, daß beffen 
Zeugniß in diefem Stuͤcke falfch und nicht ein 
mal einer Erwähnung würdig fen ? Iſt es dem⸗ 
nad) vernünftig, aus der Unmiffenheit und dem 
Stillſchweigen neuerer Schriftfteller , gegen den 
Bericht des älteften Geſchichtſchreibers, einen 
Beweis zu ziehen, daß dasjenige gar niche 

geſche⸗ 





a 


a0 Menſchen u Biere.  . 37 
ira was dieſe nicht erwaͤhnen, und ges 


wir alfo ben, ‚dal " 
—— — 
= En fhenein bevoßnetes Sand vor 


cefehen: baß er Erna, 
hanaus den Öelanor aus en vertrieben , wel 
er vom Inachus abftammere, daß vor Cadmus 
Boetien ſchon die Aonet, — Po od 
venther geweſen⸗ amd fo weite: 
—— ae weiter 
ihlg waren; es beweiſt ihre 7 
d ihr Stillſchweigen im geringfien nicht, daß bie 
inber niemals unbemoßnet:gewefen.. Das ift eben 
unrichtig serien. y mern man im @egen- 


63: Geil 

7 Bodhaet faget ia va te eg 
—— 
Den ——— 
Nam Pi —2 mo⸗ 
— ——— 
Pen Timer, € Graces ——— Jemper effe 


38 I1 Abh. Vom Urfprunge 


theil aus der Unwiſſenheit und dem Stillſchweige 
der Griechen, wer vor den Aonern, Temnicer 
u. f. w. in Bdotlen gemohnet, fehließen wollte 
alfo hat niemand das !and vorher bemohnet. 

Der Verfaſſer ſchließt auch wider die A 
fiht und Mennung feiner Gefchichtfchreiber felbfi 
Denn, wenn fie vor denen Eolonien fehon Einwoh 
ner des Landes fegen, fo fagen fie ja dadurch nicht 
daß diefelben die erften und ewig gewefen: oder 
wenn fie auch fprechen, die und die Voͤlker hätte: 
das Sand ‘anfangs ober zuerft bewohnet; (initic 

- primi tenuerunt) fo ift das allemal mit der Ein 
ſchraͤnkung zu verftehen , die Erften, davon wi 
Machricht haben. Denn daß fie vielmehr allenı 
halben zuerft ein unbemohnetes fand vorausfegen 
erbellet daraus, weil fie Die erften Einwohner jede 
$andes, die feine Anfömmlinge oder Colonien wa 
ren, als terrigenas, aus der Erden erjeugete Men 

ſchen, anfahen; folglich eine Zeit annahmen, d. 
jedes fand noch gar feine Einwohner gehabt, Ta 
citus faget hergegen von den Britanniern zweiſel 
haft: *® Was für Menſchen zuerft Briten 
nien bewohnet haben, ob es Eingeborn 
oder Stemdlinge gewefen, das ift unbe 
Fannt , weil es Barbarn find. Er muth 
maßet aber aus ihrer Geſtalt und ihren Gewohn 
beiten, daß es Ankoͤmmlinge find, und baf einig 
aus Germanien, andere aus Iberien, andere ayı 
Galllen entfproffen. Er feget alfo zweyerley Fälle 

wi 


2° Tacitus in Vita Agricolx, cap, I, 








Der Berufen and —* 


uweder durch Eing 

nge. In beyden Fallen je ** ee unbe, 
—— — Land vorausgeſehhet. So ruͤhmeten 
ch auch die Athenienſer, daß ſie allein in ganz 
iechenland feine: Ankoͤmmlichhe, ſonhern 


zene wären: ben algbadurd; verhchen, 
26 alle ͤbrige finder — — — ftica, 








ve der Ankunft diefer Bremblinge feine ‚einheimb - 


be Einwohner gehabt hätten. - 

Wenn auch gleich die fpäteren Colonien, de 
m die neueren’ ürischifchen und roͤmiſchen Befdricht: 
hreiber erwähnen, nicht alle vorhergehende Ein- 
ohner ausfchließen : fo beweiſen fie doch, daß die 


Inder durch den Zuwachs diefer neuen Einwohner 


venn nur die alten nicht gaͤnzlich vertrieben oder 
etoͤdtet find) weit flärfer bevdlfert worden. Eo 
k fein Zweifel, daß Britannien durch den Leber 
ang. ber Celten, Gallier, Iberier, und hernach, 
er Mömer, Dänen und Angelfachfen von Zeit zu 
eit immer volfreicher geworden ift, als verhin; 
elches ich bald drumten umftändlicher aus den häu« 
gen Waldungen bes alten Britanniens , und aus 
chen Urkunden darthun werde. Und fo 

erhält es fich ebenfalls mit ben Colonien anderer 
Inder ; wie wit noch an America fehen, welches 
ie Europäer, durch. re Eofonien, In feinen haͤu⸗ 
€ 4 gen 


:9 Siehe die Stellen bed Iſokrates, Euripides und 
a me, die ich. oben pag. 26. not. 8. angeführet 


| 99 
de Die Sänber zur Finn heiter werhen, 


—X 
D 





a 1 ra om fen . 
— Diägen , ſchen weit mehr berett 
in viele Jahrhunderte nach ‚uns bevoͤll 
"werben. Demnach beweiſen doch auch bie nem 
Colonien allerdings, was ber Verfaſſer nicht 
fang wollte, —— Welt nad)‘ gerade im 
(fertiworben : unbdasift HR 
ſcher aſten wüften Zuftand 
Erdbodens md det. erſten Anfang des menſchlu 
Gefchlechter daraus zu — —— 
ſelbſt von der allererſten Welt 


neuen Schreibern, als die rien uob —* 
wo, nicht erwarten, noch verlangen, =. 
$ 13. 
komme al ben Umfriaden 
Pr Deihe vn Krfang des. merfhli 
Geſchlechtes beftärfen; und il nu einge oe w 
Berfelben auskefen, bie jebem in bie Augen leuchtet 


ii 
38 
3 

ä 

i 


* dern Times: in which the fuperior Populm 
« Amir wien Appendiz- 





einer ganzen Provinz Sandleute 
Aderbaues und ber Wiehzuche 
faſſet denn nicht. die Menge der 
und Flecken, womit : Europa jetzt an ben 
wiften Orten beſaͤet iſt, für eine unermeßliche 
bl Menſchen? Wenn alfo die Geſchichte dem 

rößten Theile des alten Europa die vielen Städte 
md Flecken nimmt: fo nimmt fie ihm auch diefe 
rohe Anzahl der Einwohner. Aber felbft auf 
um Sande koͤnnen vormals wegen ber Wälder lange 
4 viel Menfchen nicht goohne haben, oe es: jeßo; - 


fome Remarks on Mr. Hume’s Political Difcourfe 
of the Populoufnefs of ancient Nations. Edin- 
burg 1753. 8. Dieſes Buch iſt —— — 

t viel gute politiſche 

Der Berfaffer leugnet aber gar nicht, daß Fr die 
auf dem Erdboden vermehret haben, 
ſondern er fuchet nur darzuthun, daß eine Zeit ges 
weien, ba die Erbe volfreicher war, * ſie jetzt 
u und u he die Scouts befen auf manche natuͤr⸗ 
liche be Dinberni —— 5 Sun 


—— "Deren 4 mE ar ie Belt zu ee 

ern bennüßer ift, naͤhere der Bahr: | 
—* —— * ſehe ich — 3 einer von 
beyben , bie von mir gebraucheten allgemeinen 
Gründe gebrauchet ober wiberleget habe, 


. u 
- 
. 
. 
U 
. 


42 1 Abh. Vom Urfprunge 


ſondern eg muß an ben meiſten Orten ſehr oͤde und‘ 
wüfte gewefen ſeyn. Denn ſolche dicke und weit 
auslaufende Walder., als Die Hiftorie angieh 
müffen viele hundert, ja taufend Jahre vor Men 
fhen Friede gehabt haben, aufzuwachſen und nd 
zu verbreiten; und in denfelben, koͤnnen nur wenig. 
feute ihre Nahrung finden. Je mehr aber du 
Menfchen zunehmen, defto mehr muͤſſen Baͤumt 
und wilde Thiere weichen, und das Sand zum 
Kornbaue angewandt werden. Wären alfo Men 
ſchen ewig: fo müßte aud) der Erdboden von ung 
benflicher Zeit eben fo ſtark, ja noch weit ſtaͤrke 
beſetzet geweſen feyn, als er jeßo iſt; und koͤnnte 
vor 2000 Jahren nicht fo wild, wüfte und einfang 
‚ ausgefeben haben, als ibn die Sefchichte barftelletg 
eber fo wenig Menfchen "befaffer haben, als wir vom 
manchen $ändern lefen. 

Saffet uns denn bas alte Europa ein wenig 
durchwandern. Spanien oder Iberien ift wohl in 
Europa zuerft am flärfeften, und zwar, nach bes 
Varro Berichte, durch die afiatifchen Syberier, 
Derfer, Phönicier, Eelten und nachmals durd) Die 
Carthaginenfer oder Punier befeßet geweſen: ?" weil 

es wegen ber gemäßigten $uft und bes guten Bodens 
gleichſam für ein Paradies gehalten ward, mo bie 
elyſiſchen Felder wären , wie Strabo aus dem 
Homerus zeiget. 22 Das ift aber hauptſaͤchlich 

nur 


2 Das berichtet aus bem Varro ber Plinius Hiſt. 
Nat. lib, III, cap. 1. 

32 Strabo Geogr, lib. III. Tom. I. p. 223. aus des 
HGomerus Odyfl, di 568. 





wo Bienfgen ud Xhiee. 4 


don ben Küfte an dem mittellänbifchen Meere 


erſtehen; fonft hat es noch im Sande ziemlich . 
pausgefeben. Die Safran Heben ke 


megen, und: macheten ein Handwerk daraus, 


dmanber und biejenfeits des Tagus wohnenden 


Krieg und Raͤubereyen zu überziehen: ® u 


d, und wuͤſte lag. Auch ivaren die übrigen 
mier inmerhalb Landes, und gegen bie pyrenaͤi⸗ 


Bebirge, afle fehr Priegerifch, hart, und rau» . 


in Lebensart; wie die Römer oft erfahren ha⸗ 
. @erabo berichtet von dem Pofidonius, daß 
#Dolnbius Gefvortet Dabe, wenn er gefchrie- 
„baß Grachus in Geltiberieh drey hundert 
Ifte erobert; und ſaget, daß er, nur den Tri» 
hdes Grachus zu erheben, aus einzelnen Thür- 
oder Schlöffern,, welche man nämlidy wider 
Räuberenen erbauet hatte, Städte gemachet ; 
fo Hätten auch andere Gefchichtfchreiber, wenn 
auſend Städte in Spanien gezählet, die Doͤr⸗ 
für Städte gerechnet. ”* Denn, fährt er fort, 
Natur des Landesleider nicht viel Städte, 
gen des magern, dürren und rauben Bo⸗ 
3. (welches Strabo auch kurz vorher als 

bergicht 


Strabo lib. III. pag. 231. el Aue ur, vv 
une rũe Yüs ADirrıs Bler,. iv Ayeneloıg Buridoyr ug) 
wAlnp ewıxd, zıös TI ame ng) veis dmögous 
srreh, Yabalvorlıs vir Ta. ng) awikuns 
Sir xupar dpuaunirur, aäge day Tin Infirer aya- 
Jar, oizadıy 3 uwd Ausar, 


Strabo lib. III. p. 247. 





x. 


\ 


4 165. Vom Usfprunge 


bergicht und waldicht befchrieben.) Auch foͤrd 
die Lebensart und Gewohnheit der E 
wohner (wenn man die an der Seekuͤſte n⸗ 
unten ausnimmt) dergleichen gar ni 
Denndie, welche in Dörfern wohnen, find 
meiniglich woilder Art; und fo find die m 
ften Iberier. Die Städte aber felbft Ei 
nen die Liienfchen nicht leicht sabmer n 
chen, wo noch die meiften in ®äldern wohn 
und ihre Nachbarn überfallen. 7 Von den 
len Wäldern Spaniens in den oberen Gegenden rı 
Strabofurzvorher, und Bochart beftätiget es 
andern Scıhriftftelleen. ?° Wie aber Spanien nach 
Zeit an Einwohnern ftarf zugenommen, und wie 


‚abgenommen habe, das ift eine fehr befannte Sa 


Was Gallien betrifft; fo war es gleichf 
fhon, zu Eäfars Zeiten, ziemlich bevölkert; o⸗ 
dennoch viel waldichter und folglich oͤder, ale 
jetzo iſt. Caͤſar gebenfet des arbuennifchen B 
des, als des groͤßten in ganz Gallien, welcher 
dem Ufer des Rheines, bey den Trevirern (zwifi 
dem Rheine und der Maas) bis an die Nerı 


39 Strabo lib, IIT, p. 347. er var ri x 
Qurss wor Iwılınlıny wear iss da Tyr Avaysı 
x) did wir inwelenir, ug) FÜ arguıger. ev. 
Bi ae) «) enter urur (ifo var nala sy rn 
Aus wur uud dus) uwuyopiveues Toren d 
aygs Yag cl nura nupmug olusurris Teure 
were vor langen, af Di wider Huıgeven dvd a 
ealios, Orar wAsmugn ve was Diss im nun 
wANrier BIxourew. 


36 Strabo, p. 245. Pochart Geogr. S. p. 694. 





Der Menſchen und Thiere, 45 


s ift, bis an die Schelde, mehr als Sooooo 
chrirte gereichet.“ Wiederum von den Mena» 
am und Morinern ſpricht er, daß fie lauter zu⸗ 
mmenhängende Wälder und Moräfte gehabt, 
hin fie geflüchtet; und daß er einige Tage her 
irch, mit unglaublicher Gefchmindigfeie, durch 
n Wald gebauen; aber daß fich dieſe Voͤlker 
nmer tiefer in ben Wald gezogen, und er wegen 
ngefaflener üblen Witterung von dem Beginnen 
abe abfiehen müffen. ?? Dieſer Wald hat folg. 

lich 


Cæſar de B. G. lib. VI. cap, 29. Arduenna filva efl 
tosins Gallie maxiıma, atque ab ripis Rbeni fini- 
busque Trevirorum ad Nerzios pertinet, millibus- 
que amplius D in longitudinem patet, vide &lib. V. 


eap. $. 

18 — lib. III. cap. 28. quod continentes filvas ec 
paludes babebant, eo je ſaque ommia contulerunt. 
& cap. 29. Cafar flzascadere inflituit in- 
eredibili celeritate miagno [patio paucis diebus con- 
fecio, cum ipſi denſiores ſilvas peterent ; 
cjusmodi tempeflates ſunt confecute, ut opus neceſ- 
Jario intermitteretur, vide & IV. 38. 

Mr. Bouguer, Figure de laterre determinde par 
les obfervations de Meflicurs Bouguer & de la Con- 
damine, Paris 1749. 4. p. XIV. füget von der 
abendlichen Kuͤſte in Peru, wegen der vielen Waͤl⸗ 
ber: öl efl peu vraiſemblable, que cette cöte, mal« 
gre ce que rapportent les premiers zoyageurs qui 
Pont parcourue, ait jamaıs etz tres penplee. Und 
er wendet eben diefen Grund auf das alte Gallien 
an: Des forets immenſes ne font paspropres à faire 
fubfifler un grandnombre d’habitans. C'eſt une con- 
gradiction, que n’ont pas ſtenti quelques Ecrivains 
d’ailleur tres habiles, qui ons cr, par exemple, 


que 











46 16h. Vom Urfprunge 


lich von dem Rheine und ber Maas bey dem jegis 
gen Flecken Nümagen (Noviomegus Trevirorum) 
bis an Calais gereihet. Damit ſtimmet überein, 
mas Strabo von den Galliern überhaupt fager, ' 
fie legeten fich mehr auf den Krieg, als auf den 
Aderbau. ? 

Bey der Schweiz , ober vielmehr Helverien, 
dürfen wir nicht einmal auf die Beſchaffenheit 
des Landes fehen; wir wiffen die Anzahl der alten 
Einwohner zu Caͤſars Zeiten ganz genau. Dem 
als fie (ihrer jeßigen Neigung ganz entgegen) fich 
entfchlofjen harten, fämmtlid, mit Weibern und 
Kindern, ihr Sand zu verlaffen, und in Gallien ei⸗ 
nen beffern Si6 zu fuchen, fand Cäfar, nachdem 
er fie gefchlagen hatte, in ihrem eigenen Verzeich⸗ 
niffe, daß ihrer in allen 263000 Köpfe ausgejogen 
wären. Die hatten vorhin in ı2 Städten und 
etiwa 400 Dörfern gemohnet. Nun famen ihrer 
nur etwa 110000 wieder zuruͤck, nachdem die übris 
gen aufgerieben waren. Helvetien aber hatte da⸗ 
mals beynahe eben die Graͤnzen, mie die jegige 
Schweiz. ** Welche eine geringe Anzahl Men 

ſchen 


que les Gaules du tems Romains etoient beoucoup 
plus peuplees que ne Pest maintenant la France; 
quoique prefque sont le pays fut alers rempli de 
bois 


39 Strabo lib, IV. p. 269. maxıly made y yıneyal, 
“0 Man febe den Eifar de B. G. I. 29, 2. 26,5. Die 
Anzahl der Helvetier, melche im bamburgifchen 
Magazin X. B. p. 616. aus dem Sume 36000 
angegeben wird, fol, nach dem Caͤſar, 368000 
Yeigen. Allein, in diefer Zahl waren die Tulin⸗ 
ger, 








| ww Menfhen und Tiere. 47 
fo 26 die jetige ? und 
ai Die —— —* Zei 


e fer bas erfte mal nach Britannien über: 
fo landete er ‚ungefähr gegen Calais über, 
5 fogleich, wie er ins fand einruͤcken wollte, 
we in Wäldern verſtecket, woraus fie ihn an⸗ 
= Hernach zum andern Male, wie er erwas 
indringen wolle ‚ mußte er fich ebenfalls 
e aus den Wäldern herausfegende Feinde 
lagen, bis er an die Temfe Fam, ivo er 
fiseflaunus, ale Heerfuͤhrer der Britannier, 
im in unwegfamen Waldungen antraf, das 
Menfchen und Vieh verſammlet, und fid) 
n verbauen harte. ** Das hieß bey ben 
Britan⸗ 


„Latobriger, Rauracer, Bojer, die mit ben 
Ivetieen ausgezogen waren, auch begriffen; 
Helvetier allein werden nicht mehr, als 263000 





echnet. 
ar lib. IV. cap. 32. bofles mocu in fl» 
delituerant : tum di[perfos fubito adorti, 





wis interfeälis, reliquos incertis ordinibus pertur- 
verauß. 
ar lb. V. cap. 15. ut noſtri omnibus partibus ſu- 
iores fuerint, atque eos in flvas collesque compem 
Im. at ıllı ſubito fe ex ſilvis ejecerums 
».19. Cafkvellaunus itinera noflra ſerva- 
1, locisque impeditis atque flveftribus fefe occul- 
ws, ærque iis vegionibus, quibus nos iter facturos 
meverat — atque bowmines ex agris in fılvas 
— * quum itatus noſter libe- 











fe in agros e Funderes, omuibus viis 
is Temisisgae efedarios ex filvis emittcbat. 





48 1Abh. Vom Urfprunge 


Britanniern eine Stadt, wenn ſie ſich mit umge⸗ 
pauenen Bäumen, und mit einem Walleund Gras 

n verſchanzet hatten; font mußten fie damals von 
Beinen Städten. ““ So befihreibt Die die Bri- 
tannier gleichfalls, daß fie fich in Wäldern, Bergen 
und Sümpfen aufgehalten, Beine Städte, Mauren 
ober Aderbau gehabt, fondern von der Viehzucht, 
Jagd, DBaumfrüchten und Wurzeln gelebet haͤt⸗ 
ten. ** Wie dbe muß alfo Britannien damals 


noch geivefen feyn, da jeßo dergleichen Wälder, zus 


mal in dem unteren Theile vergeblich gefuchet were" 
den? Ob nun glei Britannien nach der Zeit 
durch die Römer, Angelfachfen und Dänen, noch 
mehr bevölkert worden: fo hat doch Matthaͤus 
Hale in feinem Buche vom erften Anfange des 
menfchlichen Befchlechtes, aus dem Originalverzeich⸗ 


niſſe des Könige Wilhelm I, über alle Staͤdte, Fi 


Een und Dörfer Englandes , gezeiget, daß ſich 
die 


43 Cæſar lib. V. cap. 21. Cognoſcit, nom lounge ex loco 
oppidum Caffsvellauni abeſſe, filvis paludibusgue mu- 
nitum Oppidum autem RBritanni vocass, 
quum filoas impeditas vallo atque foſſa manieruns, 
quo incurfionis boſtium vitandæ cau/a cowvenire co» 

ueverunt. | 

44 Dio Caflius p. 222. lin, 236. & 957. lin. 87. 55 vı red 
Mu ng) is Tas Bus zuriduyer. p. 1280. lin. 69. 
vimerluy opy Ayeım ag) arulgn, ag) wıdin seanu aa) 
Du CR pri ax, nyri veng, pri Jıngyias xer⸗ 
vs, aM in wärs von 0) Tüems, ainpedevun sa rorew, 
Särsıs, p. 1281. lin. 89. ir suis Was TB 18 Muß 
a va dia dargderg. Siehe auch den Hero- 
dianus lib, III. cap. 14, 10. fqq, 








* ke ein Merkmaal ber Tapferkeit, ae 
dachbarn fich vertreiben ließen, unb wichen; nie» 
sanb aber Das Herz hätte, fich neben ihnen zu fee 
en; Auf Aderbau hielten fie nichts, und nies 
sand befaß einen gemwiffen Strich eigenen Landes; 
mdern Die Obrigkeit, ober ber Fuͤrſt, theilete jes 
er Familie mit ihren Verwandten, die fic) zufam« 
sen. gethan, jährlich, fo viel Land aus, als ihm 
ut bünfete; und wo es ihm beliebete: im folgenden 
Jahre aber nöthigee er fie, wo anders hinzugeben, 

amit fie fich nicht an einen Ort gewöhnen, und 
den 


-$ Matth. Hale lib. citat. Se&. II. 10, 1. fe 
edit. gern. ab Henrico Smettay suratz 2 Chin 35 
der Fol. 

‚6 Cefar de 8.6 ‚lb. VI. cap. 23. Croisdtibur muaxime 
lauıs ef, quam letijfimas circum Je, veflstis . 

bebere: boe proprium virtatis exiflimant, 
expulfos agris finitimos cedere, neque duenquamı fre- 
pe fü andere confiſtere. 2 


Ed 


x 


50 16f. Vom Urfpeunge 


den Aderbau der Kriegesluft vorziehen ſollt 
Wenn daher Caͤſar über den Rhein geht, fü 
es gleich von den Sigambrern: fie hätten 
Wälder und Eindben verſtecket. * Tacitı 
Eräftiget diefes: Es ift befannt genug, faı 
daß bie deutſchen Völker in feinen Städten 
nen; ja, daß fie nicht einmal leiden, wenn m 
fich bey einander fegen wollten. in jeder h 
allein und abgefondert auf, wo ihm eine $ 
ein Feld oder Wald gefällt. 7 Er bef 
mithin das fand als ganz ſcheußlich. Mer 
fich nach Germanien begeben, wenn es nich 
fein Vaterland wäre? da der Boden fo fi 
die Luft ſo rauh, und alles unbebaut und f 
ausfieht. Das Land ift allerwärts voll für 
der Wälder, oder voll haͤßlicher Morafte; | 
tragende Bäume aber Fönnen nicht darinn foı 


47 Id. ibid, c. 29. Minime ommes Germani agric 
fludent. c. 22. agriculture non fluden — 
quisquam agrı modam certum aut fines propr. 
. bet; fed magiflratus ac principes, in annos fi 
.  gentibus cognationibusque homiuum, qui una co 
Quantum Bis, & qno loco vifuntefl, attribuu 
arque anno pofl alio tranfıre cogunt — ne. 
eonfuetudine capti, ſtudium belli gerendi agris 
oommutent. Siehe auch ben Strabo lib, VII. 


. 446. 

48 Ta. lib. IV. e. 18. fe in folitudinem ac filsas ı 
vant. vid. & cap. 19. 

49 Tacitus de Mor. Germ, cap. 16. Nullas Germa 
populis urbes halitari, fatis notum el: ne pı 
dem inter [e jundlas ſedis. Colımf difcreti 
verf, us fons, us campus, us nemus placuit. 


der Menſchen and Third 5; 
men. Die Einwohner nefimen; nach dem Ders 
haltniſſe ihrer Anzapl, bald dieſe bald jene Felder 
in. Befig , nnd" wechfeln damit afle are ab; 
es bleibt aber Sand über. Denn fie find a ß . 
arbeirfam nicht, als der Boden noch fruchtbar und 
geräumig. it. *°  Cäfar fager von den Deutfchen, 
befonders denen Suevern, daß fie beftändig aufder 

lägen; und er befehreibt die Elendthiere und 

| fen weitläufrig, welche in dem Hercyniſchen 

Walde durch ganz Germanien gejager find; °* ba 
vertrieben wor · 


ET —2 
——S— mit nn — 


48 1 Abh. Vomtiefprunge 
ſondern es muß an den meiſten Orten ſehr oͤde 
wuͤſte gemefen ſeyn. BEN Oi dicke und ı 
Anden viele ele Hundert, ja taufend Jahꝛ Kr 
‚ja te vor 

ſchen Friede — haben, aufzumachfen und, 
zu verbreiteri; und in denſelben koͤmnen nur. wi 
Seute ihre Nahrung finden. Je mehr aber 
Menfchen zunehmen, deſto mehr muͤſſen Baͤ 
und wilde, Thiere weichen, und das Sand ; 
Kornbaue angewandt werden. Wären alfo Di 
ſchen ewig: fo müßte auch der Erdboden von 
benklicher Zeit eben fo ſtark, ja noch weit ſtaͤr 
befeget geweſen feyn, als er jego iſt; und Pin 
vor 2000 Jahren nicht fo wild, wüfte und einf 
. ausgefehen haben, als in die Gefichte darſtel 
oder ſo — —8 befaſſet haben, als wir 


ee Am denn das alte Europa ein we 
durchwandern. Spanien oder Iberien iſt wohl 
Europa juerſt am flärfeften, und zwar, nach I 
Varro Berichte , durch die afiatifchen Iber 
Dexter, Pfönicier, Celten und nachmals durch 
Tarthaginenſer oder Punier befeget gemefen: ?" n 
es wegen ber gemäßigten $uft und bes guten Bob 
gleichſam für ein Paradies gehalten ward, mo 
elyfifchen Felder wären, wie Strabo aus d 
Homerus zeiget. ” Das iſt aber boaupiſach 


32 Das berichtet aus dem Varro der Plinius H 
Nat. lib, IIL cap, i 

32 Strabo’ Geogr. lib. in. Tomi. p. 223. aus 
Gomerus Odyfl.d. 568. 





Ber Menfchen und Thiere. 43 


nur von der Küfte an dem mittelländifchen Meere 
jr verftehen; fonft hat es noch im Sande ziemlich 
| Döße ausgefehen. Die fufitanier ließen den Acker⸗ 
. ball liegen, und: macheten ein Handwerk daraus, 
ſich einander und die jenfeits des Tagus wohnenden, 
mit Krieg und Räuberenen zu überziehen: ?? daher 
; des Sandes innere Fruchtbarkeit nicht gebrauchet 
ward, und müfte lag. Auch waren bie übrigen 
Spanier innerhalb Landes, und gegen die pyrenaͤi⸗ 
ſchen Gebirge, alle fehr Eriegerifch, hart, und raus 

| von Lebensart; mie bie Römer oft erfahren ha⸗ 
ben. Strabo berichtet non dem Pofidonius, daß 
: er des Polnbius gefpottet habe, wenn er gefchrier 
ben, daß Grachus in Eeltiberieh drey hundert 
Städte erobert; und ſaget, daß er, nur den Tri» 
umph des Grachus zu erheben, aus einzelnen Thuͤr⸗ 
men oder Schloͤſſern, weldye man nämlidy wider 
Die Raͤubereyen erbauet hatte, Städte gemacher; 
und fo hätten audy andere Gefchichtfchreiber, wenn 
fie taufend Städte in Spanien gezählet, die Doͤr⸗ 
fer für Städte gerechnet. ”* Denn, fährt er fort, 
Dre Natur des Landes leidet nicht viel Städte, 
Wegen des magern, duͤrren und rauben Bo⸗ 
Denss (meldyes Strabo auch kurz vorber als 
bergicht 


f 
1 


3 3 Strabo lib. IIL pag. 231. ol mAmeıs aurar, vv 
une rũs vũs APirrıg Bley, iv Anenpleig dsridev x) 
zoilup owıxd, weös Ti aRmeus 14) Vous Ömöpous 
aureis, Unbaivorlıs vor Tayo. 9) awibane 
Tr Xupar dpsroyuirur, aangy ray Tür imPürar aya 
Jar, oixadıy 3° umd Ansar. 


?* Strabo lib. ILL. p. 247. 








\ 


44 16h. Vom Urfprunge 


bergicht und waldicht befchrieben.) Auch förder 
die Lebensart und Gewohnheit der in 
wohner (wenn man diean der Seeküfte nad 
unten ausnimme) Öergleichen gar nf 
Denndie, welche in Dörfern wohnen, find ge 
meiniglich wilder Art; und fo find die mei 
fien Iberier. Die Städte aber felbft Ein 
nen die Menſchen nicht leicht zahmer ma 
chen, wo noch die meiſten in Waͤldern wohnen 
und ihre Nachbarn überfallen. Von den vi 
len Waͤldern Spaniens in den oberen Gegenden rede 
Strabo kurz vorher, und Bochart beftätiget es au 
andern Schriftftellern. ?° Wie aber Spanien nach be 
Zeit an Einwohnern ftarf zugenommen, und wiede 


‚abgenommen habe, das ift eine fehr befannte Sad 


Was Gallien betrifft; fo war es gleichfall 
fhon, zu Eäfars Zeiten, ziemlich bevölkert; abı 
dennoch viel waldichter und folglid) öder, als « 
jetzo iſt. Caͤſar gedenket des arbuennifchen Wa 


des, als des groͤßten in ganz Gallien, welcher vo 


dem Ufer des Rheines, bey den Trevirern (zwiſche 
dem Rheine und der Maas) bis an die Nervie 
de 


35 Strabo lib. III. p. 2347. eur Yag 7; xue 
Qurıs voran baden lin) wohhär is dm var —XRX 
ag) did wir inwelepir, ug) FÜ arupgor, eu’ 
Bio ae) dj — aysar (dw var uuld wär wu 
Mur vv nu Aus) uruyepivsves Taeurer dulı 
wygs Ya ol nur xupug ensure resüre V 
As Ta langen, u wo Npıgovaıy evt dur 
dagdios, rar wArmuge To was Dias imi une 7 
—X 


236 Strabo, p. 245. Pochart Geogr. S. p. 694. 





Ber Menfchen und Thiere. 
a iſt, bis an Die Schelde, mehr als s 
cheitte gereicher. ” dern — 
en ind Morinern ſpricht er, daß fie lauter Ä 
ut abe Bier un Moräfte gehabt, 
geflüchtet ; daß er einige 
7 —— unglaublicher — 
Wald gehauen ʒ aber daß ſich 'diefe Volker 
—— In den Bald gezogen, under wegen 
sgefallener üblen Witterung von dem Beginnen 
Degen mie De ab het fa 


ii. . 


, Gafer de G. kb, VI cap. 20. Arduenma oa i 
setins Gallie maximn, atque ab ripis Rheni fini- 

. busque Trevirorum ad Nervios pertinet, weillibas- 
que amplius D in longisudiuen patet, vide &lib. V. 


Ü 5 Car lib. III. cap. 28. quod Contimentes Klon ec 
jelndes babebant, eo je ſuaque omuis centalerunt. 
& cap. 29. Cefar flvascadere inflitsit —— in- 
credibili eeleritate magno fhatid paueis diebus con- 

‘. Je, cum ıpf denfores filvas peteremt ; 
ejusmodi tempeflates ſunt eonfecnie, ws opus nese" 
Jario intermitteretur. vide & IV. 38, 

_Mr. Bouguer, Figure de laterre determinde par 

tions de Meſſieurs Bouguer & de 1 Con 
damine. Paris 1749, 4. p. "XIV. faget von ber 

Ä abendlichen Küfte in Peru, wegen dee vielen Waͤl⸗ 

: il efl peu vraifemblable, que cette ebee, mal. 

* ce que rapportent les prewiers voyageurs qui 

Pont parcsurue;; ait jamäis etc tres er. Und 

er wendet eben diefen Grund auf das alte Gallen 

an: Des forets immenſes ne font paspropres 8 faire 

fubhfler un grand: sombre d’habitans. C’efl une con- 

sradiction, que w’ont pas ſtenti quelgues Ecrivainr 

‚ d’silesr ser babiles, qui u crd, par exemple, 





U 


46 165. Vom Urfprunge 


lich von dem Rheine und der Maas bey dem jetzi⸗ 
gen Flecken Nuͤmagen (Noviomagus Trevirorum) 
bis an Calais gereichet. Damit flimmer überein, 
was Strabo von den Balliern überhaupt faget, 
fie legeten fidh mehr auf den Krieg, als auf den 
Aderbau. ?? 
Ben der Schweiz , ober vielmehr Helvetien, 
‘ Dürfen wir nicht einmal auf die Befchaffenheit 
des Landes fehen; wir wiffen die Anzahl der alten 
Einwohner zu Caͤſars Zeiten ganz genau. Denn 
als fie (ihrer jegigen Neigung ganz entgegen) fich 
entfchlofjen harten, ſaͤmmtlich, mit Weibern und 
Kindern, ihr Sand zu verlaffen, und in Gallien eis 
nen beffern Siß zu fuchen, fand Caͤſar, nachdem 
er fie gefchlagen hatte, in ihrem’ eigenen Verzeich⸗ 
niffe, daß ihrer in allen 263000 Köpfe ausgejogen 
wären. Die batten vorhin in ı2 Städten und 
etwa 400 Dörfern gevohne. Nun kamen ihrer 
tur etwa 110000 wieder zurüd, nachdem die uͤbri⸗ 
gen aufgerieben waren. Helvetien aber hatte da» 
mals beynahe eben die Öränzen, wie die jegige 
Schweiz. *° Welche eine geringe Anzahl Men. 
ſchen 


que les Gaules du tems Romains itoiene beaucoup 
plus peuplies que ne Pest maintenant la France; 
quoique prefque tout le pays fut alers rempli de 
bois j 


IS, 

39 Strabo lib, IV, p. 269. vuxıly made 7 yıneyıl. 
40. Man febe ben Caſar de B. G. I. 29, 2. 26, 5. Die 
Anzahl der Helvetier, welche im bamburgifchen 
Magazin X. B. p. 616. aus dem Sume 36000 
angegeben wird, fol, nach dem Cäfar, 368000 
Yeißen. Allein, in diefer Zahl waren die Zulins 
ger, 





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DE Er; F 
‘ “ ® . x 
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4 


/ u . - . s j 

gs Dienfchen und Tiere. 47 
en warm ale 267800 —ã— — e? und 
7 de wenig überblicbenen ee bei‘ Zeit 


"bie Gap das eflemal nach Britannien übe 
mgı fo landete er ungefäße gegen Calais über, 
D fand fogleich, wie er ins Sand einzüchen wollte, 







ah die aus den iin. herausſetzende Feinde 
wihfihlagen, bis; er an die Temfe kam, ivo ee 
wCaiiivellaumus,:als. Beerführer det Btitannier, 
iederum in unwegſamen Waldungen anttaf, das 

in er Menfchen und Vieh verſammlet, und ſich 
seinen verhauen hatte. ** Das bieß a7 ben ben 


ger, ger, Latobriger Kautacer, Bojer, die mit den 
Helvetiern ausgejogen waren, auch begriffen; 

ber Deibeier allein werben nicht mehr, ald 203000 

de —8 lib, IV. cap. 32. bofles voctu in file 

vis delituerant : tum difperfos —— ſubito adorti, 

| paneis im interfectit, reliquos incertis ordimibus pertur- 


n3 — rt V. cap. 15. ut noſtri ommibus partibus ſu- 
—— fucrint, atque eos in floas colleique compu- 
at illi ſubito fe ex filvis ejecerums 
* 19. ‚Cafive —*— itinera noſtra ſerva- 
bei, locique iwpeditis —* Alveſiribus fefe occul- 
tbæt, atqne iis regiomibus, quibus nos iter facturos 
eognoverst- pecora arque bone ex ogris in filvas 
s U quum s snoßer libe- 
ing fe iR agras e Fünderet, emsibus vis 
wetis [omitisgue ejldarios ex fılcis emittchet. 














4 


y 


48 1Abh. Dom Uriprunge 


‚Britanniern eine Stadt, menn fie ſich mit umge. 
Dauenen Bäumen, und mit einem Walleund Gra⸗ 
en verfchanzet hatten; fonft mußten fie Damals von 
feinen Städten. * So befihreibt Die die Bri⸗ 
tannier gleichfalls, daß fie fich in Wäldern, Bergen: 
und Sümpfen aufgehalten, feine Städte, Mauren 
oder Aderbau gehabt, fondern von ber Viehzucht, 
Jagd, DBaumfrüchten und Wurzeln gelebet häte 
ten. » Wie oͤde muß alfo Britannien damals 
noch gewefen ſeyn, ba jeßo dergleichen Wälder, zus 
- mal in dem unteren Theile vergeblich geſuchet were: 
den? Ob nun glei Britannien nach der Ze 
durch die Römer, Angelfachfen und Dänen, noch 
mehr bevoͤlkert worden: fo hat doch Matthaͤus 
Hale in feinem Bude vom erſten Anfange des 
menfchlichen Befchlechtes, ausdem Driginalverzeiche 
niffe des Königs Wilhelm I, über alle Städte, Fle⸗ 
Een und Dörfer Englandes , gezeiget, daß fich 
bie 


43 Cxfar lib. V. cap. 21. Cognofcis, non lounge ex loce 
appidum Caffvellammi abeſſe, flvis palndibusque mu- 
nitum Oppidum autem Britanni vocaut, 
quum filoas impeditas vallo atque foſſa munierunt, 
quo incur fionis boſtium vitandæ cau[a cewvenire con- 





ĩeverunt. | 

44 Dio Caflius p. 222. lin, 36, & 957. lin. 87. ds vs vd 

An ge) ds Tus Vans xurtdrye. p. 1280. lin. 69 

ylmerluy Op iygım ag) rule, 19) widin senmu 20) 

Heln, aarı Taxı, myrı weiag, yyrı Yineylas Sxger 

vs, ix Ts vos x Iyens, —R va vıvon, 

Corris, p. 1281. lin. 89. iv suis Wis 7E TI Muß 

a zass Ella dargiderg. Siehe auch den Hero- 
dianus lib, III. cap. 14, 10. ſqq. 





ien_gethan, jährlich, fo viel Land aus, als ihm 
dünfete; und wo es ihm beliebete: im folgenden 
aber ie e fe mo anders hinzugeben, 
mit fie fi nicht an einen Ort geroöhnen, pn 





so 165. Vom Urſprunge 


den Ackerbau der Kriegesluſt vorziehen follten. *7 
Henn daher Cäfar über den Rhein geht, fo heißt 
es gleich van den Sigamhrern: fie hätten fich in 
Wälder und Einoͤden verſtecket. Tacitus bes 
kraͤftiget dieſes: Es iſt bekannt genug, ſaget er, 
daß die deutſchen Voͤlker in keinen Staͤdten woh⸗ 
nen; ja, daß ſie nicht einmal leiden, wenn mehrere 
ſich bey einander ſetzen wollten. Ein jeder haͤlt ſich 
allein und abgeſondert auf, wo ihm eine Quelle, 
ein Feld oder Wald gefällt. ? Er befchreibt 
mithin das Land als ganz fcheußlih. Wer wollte, 
fich nach Germanien begeben, wenn es nicht ſchon 
fein Vaterland wäre? da der Boden fo fchlecht, 
die Luft fo rauh, und alles unbebaut und traurig. 
ausfieht. Das Land ift allerwärts voll fuͤrchterli⸗ 
her Wälder, oder voll haßlicher Morafte; fruchts 
tragende Bäume aber können nicht darinn fortkom⸗ 
men, 


47 Id. ibid, c. 29. Minime omnet Germani agricalture 
fludent. c. 22. agriculture non fludent — neque 
Juisquam agri modam certum aut fines proprios bar 
. bet; fed magiflratus ac principes, in annos jingulos, 
gentibus cognationibusque hominum, qei una Coierunt, 
Quantum Bis, & quo loco viſum eſt, attribuunt agri, 
arque anno poſt alio tranfıre cogunt — ne alhıdua 
eonfuetudine capti, findium belli gerendi agricultura 

. eommiutent, Siehe auch den Strabo lib. VII. T.L. 


. 446. . 
48 Ta. lib. IV. e. 18, fe in folitudinen ac filsas abdide- 
. rant. vid. & cap. IQ. | 
49 Tacitus de Mor. Germ. cap. 16. Nullas Germanorum 
populis urbes habitari, fatis nosum efl: ne pati qui. 
dem inter ſe junctas fedes. Colunt difereti ac di- 
verfi, us fons, us campus, us nemus placuit. 





5. 
al. 


zu mn; © 
= 


cum abertte (7 
!3 Oufar de B.G. lib. VI. 


. Vita emmis in vona- 
Òᷣ-AI [ans in vone- 


Sionibus, \ros ds ilce delsribit lb; VI. cap. 56. 


Hienibes. Kb. IV. X: 


ap. 1. 





52 165. Vom Uefprumge 


hätte, wenn er ſchon fechszig Tage fortgewandert 
war, ober der jemals gehöret.hätte, wo ber Wald 
feinen Anfang nimmt. i2 Er redet von einem an⸗ 
dern Walde, Bacenis genannt, ber unendlich groß 
fen, tief ins Sand gehe, und eine natürliche Schei⸗ 
demand zwiſchen ben Cherufcern-und Sueviern ab» 
gebe, daß fie fich fo leicht einander fein $eid zufügen, 
ober überfallen fönnten. *? Viele andere Wälder, 
als dee Ceſiſche, Gabretifche, Semanifche, Matı 
cianiſche, Luniſche, hingegen alle mit dem großen 
Herennifchen zufammen, wie Cellarius recht ur ⸗ 
theilet; ** fo daß ganz Germanien Damals beynahe 
noch ein einziger großer Wald war, und die Men 
ſchen nur in den Zwifchenräumen der Hölzungen 
einig Sand befäeten, und noch Kaum überlieffen; 
nirgend angefeffen waren, fondern ihren Sig jaͤhr 
lich verlegetenz nirgend in Flecken und Städten, 
fondern einzeln und zerftreuet in Horden und Huͤt⸗ 
ten wohneten, und dazu alles um ſich herum meit 

und 


s2 Plinius H, N. lib. XVI. e. 2. Hercynie file roboram 

vaflitas, imiads evis & congenitamundo. Cæſ. VI. 25. 

(Hercynie five) latitudo IX. dierum expedito pa. 

Bet — meque quisguam ef hujus Germania, qui fü 

adiffe ad initium ejus filu« dicat, quum dierum iter 

. procejjerit, aus quo ex loco oriatur acceperit, 

22 Id. lib, VL cap. 10, Alvam effe ibi infinite magni. 

audinis, qua appelletur Bacenis : banc longe intror. 

. Süs pertinere, & pro wativo muro_objeflam, Chera. 

feos a Suevis, Suevasque a Cherufis, injurüs incur fie. 
wu 


44 Canon Cellrrss Noceia Ogbis aniqui Tomi I 
Kb. IL «ap, 5. p. 461. ſq. 





BE e 





UHHE 
ee 
" 


: 
5 
£ 
4:3; 
1 
F 
hr, 
3444] 


bo.die ungeheuren Wälder ?. wo ihre 
machen? Statt der Bäume und bes Wildes 
ader man allerwaͤrts Menſchen mic zahmen Wiehe. 
Borift ium eine moͤßige Gegend, Die irgend fruche⸗ 

iw heißen kann, weiche. unbebauet wäre? Alles 


zaronen, Grafen, en, Churfürften, enden 
ne beträchtliche Hofſtatt, und zum Theil anfehn« 
unterhalten, 

Wenn wir demnach die Einwohner des alten 
jermaniens gegen bie jetzigen in ein wahres Ver⸗ 
ältniß bringen wollen: fo müflen wir erftlih alle 
‚ bie fich nicht mit Ackerhaue md Vieh⸗ 
che währen, das ift, alle die, welche jet in allen und 
Flecken und Städten durch ganz Deutfchland 
vhnen, abrechnen, Wir müffen die zahlreichen 
er ‚betrachten; weit —— jetzt nach 


5: 
An 
Fe 
Ser 
Ef 
5* 
+ 
5 


Wälder abgehauen, und zum Ackerbaue und 
ur Viehzucht angewandt find, dem vorigen Ger- 
danien kaum ben re bebautes kan, 

a D 3 I un 





34 1 Abh. Vom Hefprunge 


und alſo auch kaum den zehenten Theil ſo viel 

Bauleute einräumen. Wie viel Millionen ſind 

benn nicht weniger gemefen! Wir müffen endlich 

bedenfen, ba man jeßt alles weit beffer zu büngen 
und zu nußen weis, Moräfte ausfüllee, Graben 
zieht, Weiden, Koppeln, Frucht-und Krautgaͤr⸗ 
ten anleget, Bienen zieht, Fiſchteiche hält, in 
den Strömen fifchet, Wein bauet, ja das Innere 
ber Berge mit Graben nach Vitriole, Farbenerde, 

Steinbruͤche, Queckſilber, Metalle und andere 

Mineralien nicht verfchonet} daß nun von einem 

und demfelben Striche Landes zehenmal mehr Men ⸗ 

ſchen leben koͤnnen, als in den dorigen Zeiten. Wie 

viel bleibe il denn wohl übrig? + 

So haben ſich denn die Menfchen in Deutſch⸗ 
land, in Helvetien, in Britannien, in ben Nies 
derlanden, in Frankreich, und allermärts in Eus 
ropa, ohne neuen Zuwachs aus Afien, gewaltig 
vermehret; derer nicht zu gedenken, welche in an« 
dere Länder ausgefande find; müffen ſich aud) nach 
dem Verhältniffe der Natur, das der Herr Probft 

Süßmildy aus unftreitigen Nachrichten gezogen 

bat, nothwendig immer mehren. * Und wenn 

einige 
iehe, was wider die gegenfeitige mung, dee 

! ie, 1 ou Menoir ke nieige es Mau- 
rice Comte de Saxe, in ben göttingifcben Anzeigen 
1757 p. 347. mit Recht erinnert wird. 

? 5 &8 lieife ich befonder® von Stalien zeigen, wie fich 
deſſen Einwohner, feit Erbauung der Stabt Rom, 
vermehret: da boch die Römer beftändige Kriege ges 
führet, fo viele Heerein fremden Ländern gehalten, 
fo viese Colonien, nicht allein in Europa, fonbenn 





der Menfchen und Thiere. 55 


inige volkreiche Laͤnder an Einwohnern abgenom« 
ıen haben, als Griechenland, Aegypten, und bie 
tüfte von Africa am ‚mittellänbifchen Meere: fo 
+} nicht die Fruchtbarkeit der Menfchen,, fondern 
loß eine harte Regierungsart, Schuld daran, daß 
ich die Eingeborenen lieber wo anders bin bege- 
en, und ein Fremder nicht Luſt bekoͤmmt, fich da 


u fegen, °° 
D 4 Es 


auch in Africa und Afia, angeleget haben: allein, die 
Geſchichte ift bekannt genug, daR fie einem jeden bey 
diefer Erinnerung von felbit ind Gedaͤchtniß fonımen 
kann. Ueberhaupt ift von ber natürlichen Bermeb- 
zung der Menfchen ded Hrn. Probſt Job. Peter Süß» 
milchs göttliche Ordnung in denen Beranderungen 
des menichlichen Befchlechted, Berlin 1742. 8. p. 19. 
in ber Kurze nachzufeben, daraus erbellet, Daß 
die Vermehrung in 12 Jahren (nur die Peft ausge: 
nommen) wie 10 zu 13 fich verhalte. 

36 Der Herr von Montesquiou fiheint dieſe Entvoͤlke⸗ 
gung einiger wenigen vormals blühenden Zander 
alleine in feiner Vorftellung gehabt zu haben, wenn 
er in den Lettrcs Perfanes num. 108. und dem 
Efprit des Loix liv. XXIII. cap. 18. fq. überhaupt ur- 
theilet, daß jetzt lange nicht I viel Menfchen auf 
dem Erdboden feyn, als zur Zeit des Caͤſars dars 
auf geweſen. Eben diefes ſcheint auch dag Ber: 
feben des Wallace zu ſeyn, deffen ich oben not. 30. 
gedacht habe, wenn er auf bie Vielheit der Men: 
ſchen in dem alten Aegypten, Griechenland, Sici⸗ 
lien, Archipelagus und Palaͤſtina dringt. Die 
Leute hatten fich nach biefen blühenden Dertern 
häufig bingezogen, und daſelbſt im Wohlftande 
ſehr vermebret ; fo wie fie fich nachmals von da in 
Menge nach Rom und dem oberen Italien, wie 
auch nach ben fruchtbareften Provinzen der Ds 

. I 





56 1 Abh. Vom Urjprunge 


Es verhaͤlt ſich in dem Stuͤcke mit den Men 
ſchen ganz anders, als mit den uͤbrigen Thieren 
Dieſe find durch ihre Nahrung und zutraͤglich 
Wärme in eine gewiffe Gegend eingefchloffen , unt 
die Vermehrung jeder Art wird Durch ihre Natur 
durch den Vorrath der Nahrung, u 


mer, begaben. Zu gefchtweigen, daß jedes ſiegend 
und reiche Volk, zu jeder Zeit, feine Anzahl durd 
viele, theils erfaufte, ebeild bezwungene, Sklave 
aus andern Ländern vermebret. Wuͤßten wir aber 
von allen Völkern fo gut, als von den Juden, wo 
hin fie, durch veränderte Umftände, in der Mel 
flveuet worden, fo würde man durch die Vermü, 

ng einzelner Laͤnder nicht auf die Gedanken ge 
rathen, als ob die Vielpeit in dem ganzen menich 
lichen Geſchlechte dabey gelitten habe. Go mwenis 
aus einer oder der andern Stadt im Rönigreiche, Du 
aus befondern Urfachen veroͤdet, auf das ganze Ko 
nigreich zu ſchließen ift, daß es jeßt weit wenige 
Einwohner als vorhin haben muffe: eben fo we 
nig kann man auch aus einem und dem andern Landı 
den Schluß auf den ganzen Erbboden und dai 
ganze menfbliche Geſchlecht machen. Die Ver: 
mehrung deffelben iſt in feiner Natur gegründet, unt 
gebt über das Ganze; die Verminderung an einen 
und dem andern Drteift yefäligumd wird an mehreri 
andern doppelt erſetzet. Es iſt nichts unwahrſchein 
licher und mehr wider alle Geſchichte, als Luſita 
nien, Gallien, Helvetien, Germanien, Britan 
nien, unter die Länder zu zählen, welche ſeit Eafarı 
—— Bay Sue 
jet aus obigen Zeugniſſen, daß fie jet 

eins ind andere gerechnet, wenig zwanjig bit 
drevig mal mehr Ei , 8 zu denen 
beperbergen. . 





5 


4 


3 


2 u IEFRIEAETTEN 
üünetee 
J hl i 4 38; a5 Verst 2 
—— 
J HT 
J— 
— Hl fi 
Ti u Huahllaı alt, 
fu Fl Hr Pasle 





58 I Abh. Vom Urſprunge 


ewig ſey, weil ſonſt ſchon von undenklichen Zeiten, 
wenigſtens eben fo viel Menſchen hätten ſeyn muͤſ⸗ 
fen, als jetzo ſind, und der Erbboden eben ſo be⸗ 
feget ſeyn, als wir ihn jetzo finden. | 


G 14. 


Der andere Umftand, womit die. Geſchichte 


ben Urfprung bes menfchlichen Gefchlechtes von 
wenigen Voraͤltern beftätiget , liegt in der Wer, 


woandtſchaft ber Sprachen, ober in berfelben Abe 
flammung aus einer gemeinfchaftlichen Mutter· | 


fprache. 


Wenn viele Menfchen, die noch von Feiner Ä 


Sprache wüßten,, in verfchiedenen $ändern zer. 
ftreuet lebeten, unb jeder für ſich eine Sprache er⸗ 


! 


| 
| 


fände: fo würden die Sprachen, meil fie aus lau 


ter willführlichen Zeichen beſtehen, nichts mit eins 
ander gemein haben. . Hergegen, wenn Menfchen 
aus einem efchlechte find: fo werden fie auch ei» 


nerley Sprache und Mundart: führen, fo lange 


fie nahe hey einander bleiben. So bald fie fich 


aber von einander trennen, fo artet die Sprache 
Durch Sänge der Zeit und fremden Umgang allmaͤ⸗ 


lig aus, und theilet ſich in verfchiedene Munbdar« 
ten, und endlich in verfchiebene Sprachen, darinn 
einer den andern nicht mehr verfteht. Dennoch 
bleiben eine gute Zeit die vornehmften Stamm. 
woͤrter einerley, undin der Eigenfchaft der getheileten 
Sorachen herrfchet noch eine ſolche Aehnlichkeit, 
daß man ihre Abſtammung von einer Mutter 
darinn genugſam erkennen kan. 


Wie 





er Wenſchen ind Thiere » 
— 6 di a Fi Ge⸗ 
ne gegen 
—— — 
n um 
(biamımung der Menſchen von von einem gemeit · 
——— und Wale, cn en 











iche Zrenpe 
ke Stammvaͤter und Aelteften der Familie harten | 
loß ein willk chrlich Anſehen: oder wenn ſich die 
Reufchen weiter ausbreiteten, fo folgeten fie des 
Mügften , Erfahrenfien und Muthigſten  Rarhe 
mehr freywillig, als durch Zwang 

we Erd. Mit der Zeit entftunden daraus Peine 
ürften, Könige ober Staaten: und man wirb durch- 
— von allen nachmals zuſammen geſchmol⸗ 
finden , daß fie anfaͤnglich in 

ne ve nice kleine und abgeſenderr⸗ Herrſchaften ver⸗ 
eilet find. Wenn alſo in ben erſten Zei⸗ 
n'nirgend ein großer Beherrſcher vieler Laͤnder 
ar, fo bat auch der Sieg weder die alfen Mutter⸗ 
wachen bervorbringen, noch die Berwandefchaft 
ster bie abflammenden Sprachen eluführen koͤn⸗ 
fonbern bendes ift febiglich aus der natürlichen 
Sams, m Vermehrung aus einem Ge⸗ 








"ik ri ßen 5 mu jest ı ungäßlg oe ver⸗ 
Nebene Serachen: 


—* 


‘ i " ' 
** u ⸗ 
‘ 


6 IM „Bon rforung " | 


fpeodhen ſiud feße wenige. · ¶ Wir willen bey ben 
‚bleiben, von welchen glaubwuͤrhi 
. vorhanden iſt. Das Hebräifche | 
_ "it dem Eamanäifchen, Mpänlcifchen,, Punifche 
— ———— 
ga 
offenbere KBerunbeffaft Daher niemand » 
fen ——æã daß alle dieſe Sprachen eine 
——— ‚haben, und daß ra 
Möller ſelbſt aus einem Stamme .entfprofien fir 
ö umd ji) nadhgerabe auf Dem ‚Erbboben ausgebe 
tet haben, Wuͤßten wir von andern jetzt umtı 
—— Sprechen Aſiens mehrere Nachrid 
.fo wirden wir vermuthlich gleiche Verwandtſche 
darinnen finden. bürfte das alte Aegyp 
ſche, Perſiſche und Babpyloniſche, —— 


fprachen nahe 

Alien üblichen Sprachen fcheinen neu und vermifi 
zu fenn, dadurch die alte Abflammung faft u 
kenntlich gemorben.. Das „Stufe mag . 
eine gemachte darinen, 


wgftene nicht mehr bie alte Fon: fo wie vor 8 
‚ten auch bie ägpptifihen SPriefter eine eigene ei 
Eoradr unser ſich gehabt haben. 7 “ 


c 
nr 


B. Ill, — faq F Überhaupt, ve mi 
von 
linguis facris * —— — , Fabri 


—— — cap. XXL 4 
ſq. der neuen Ausgabe, mei 
head fi — — Pe 











Fans dem Anfange der Bucolicorum bes Bire’ 

gewieſen, welches werth iſt, Daß es bie, fo 
ee Sprachen nicht ganz unfundig find, anfehen; 
werben eine genauere und allgemeinere Beta 
befchaft barinn finden, als fie vielleicht vermu- 
hatten, ** Manche lateiniſche Wörter ſtim⸗ 


men 


— Hamdb. 1760. 4. seht verniche 
Gataker de Stilo N. T. Cap. ı. Tityre, su a Dori- 
con, pro es , ſpotulæ, a vıraa, pando, recubans, a 
ee, incutvo me, ſub, ab ws, ut fupgr ab umdg, 
Begenine , a cıyn vel siye, tego, fapi, 
ice, Payar. Syloefbrem, ab vAg, ſylv va, Ten, ardee 
tende, unde tenuis, Mæſom, a müra, meditaris, a 
meisrsu, meditor, ut a (edeo, fella, avena, ab Em, 
: Hy No ‚öl, petria a waren, feil. 
a rohe, funis menferius, agri 
rd Anh, 3 dulcia, a YAyası, Buiues. FI gr 
Tue, tenebrz, linguimus, a‘dee, unde 
In: linquo, arva, ab dgö are de, 


n 





62 1 Abh. Vom Urſprunge 


men auch mit dem Deutſchen, fo wie viele deutſche 
Woͤrter mit dem‘®riedyifchen, überein; daß es 
ſchwer fällt, auszumachen, welches Volk die gemein 
fchaftlihen Wörter. von dem andern geborget. habe; 
oder ob fie von einer gemeinfchaftlichen Mutter“ 
geerbet find. . 

Das Deutfche, Niederländifehe , Dänifche, 
Engliſche, Schwedifche, Norwegiſche und Iflaͤn⸗ 
diſche hat eine allgemeine Verwandtſchaft; gleiche 
wie Böhmifh, Ungariſch, Siebenbürgifh, Pol⸗ 
niſch, Litthauiſch, Ruſſiſch, Wendiſch, aus dem 
Slavoniſchen entſproſſen iſt. Und vielleicht ſind 
alle dieſe Sprachen Toͤchter, oder, ſo man 'will, 
Enkelinnen des alten-Eeltifchen und Scythiſchen, 
welches faſt in ganz Europa geherrſchet hat, ehe 
das roͤmiſche Joch vielen die lateiniſche Sprache 
angedrungen; ohne daß vormals die europaͤiſche 
Kuͤſte am mittellaͤndiſchen Meere viel Phoͤniciſches 
gehabt zu haben ſcheint. Es ſtimmet alſo mit der 
Geſchichte uͤberein, daß ganz Europa zuerſt, theils 
zu Waſſer, von den handelnden Phoͤniciern, theils 
zu Lande, von den ſtreifenden Scythen beſetzet 
worden. | 

Ich wuͤnſche dem Herrn Prof. Popowitſch, *? 
der bey Gelegenheit feiner Unterfuchung vom , 

| Meere 

s» Herr Job. Siegmund Pal. Popomitfeh bat, phne 
fich zu nennen, die befannte Unterfuchung vom Deere 
zu Frankfurt und Leipzig 1750. 4. drucken laffen,. 
darinn ſchoͤne Sprachanmerkungen vortommen. 
erhellet unter andern aus p. 336. daß, aufler dem 

Griechiſchen und Latein, in Europa alled auf das 

Deutſche, Wendiſche und Siavoniiche anfomme. 





ber Menſchen und Thiere. 63 


Neere eine beſondere Einſicht in die Verwandt⸗ 
haft und Abſtammung der abendlaͤndiſchen Spra⸗ 
ven gewieſen hat, daß er einen Auguſt oder Mäs 
m finden möchte, ber fein Bemühen reizete, ein 
armonifch sdeutfches, oder vielmehr abendlaͤndi⸗ 
bes Wörterbuch zu verfertigen. Ich bin verfi« 
jert, Daß foldes der Hiftorie der Sprachen und 
es menfchlichen Gefchlechtes ein großes Licht geben 
würde. Noch mehr mürben mir des menfchlichen 
Befchlechtes Verwandtſchaft und Abftammung fe- 
en fönnen, wenn bes gelehrten Olaus Rudbeck 
es jüngern, fein Thefaurus linguarum Afız er 
uropz harmonicus völlig zu Stande gefommen 
are. Jedoch erfennet man ſchon aus dem Flei« 
en Specimine diefes Thefauri, welches der Here 
Dolf hinter dem zweyten Theile feiner Bibliochecz 
lebrææ wieder aufs neue druden laffen, daß biefe 
Berwandtfchaft der Sprachen und Menfchen volle 
ommen Grund habe. 


6 15 


Der dritte Umftand in der Gefchichte, welcher 
ut dem Anfange das menſchlichen Geſchlechtes über- 
inftimmee , betrifft die allmälige Erfindung und 
as Wahsthiim der Künfte und Wiffenfchaften. 

Der Menfch hat nicht allein von Natur, durd) 
eine Bernunft, zu Künften und Wiſſenſchaften eine 
fähigkeit; fondern er wird auch durch leibliche 
ſtothdurft, durch Verlangen nach Bequemlichkeit, 
Bohlftend, Ueberfluß und allerley Luſt, imglei- 
hen Durch Bewunderung der Dinge, und daher 
neftebende Neubegierde , und endlich durch das 

Vergnuͤ⸗ 





64 1Abh. Vom Urfprunge 


Vergnügen am Erkenntniſſe und an Wahrheiten 
dringlich dazu getrieben. Die Gelchichte giebt 
auch, daß diefer. Trieb in allen Zeiten bey ben 
Menfchen wirffam gemefen; baß ein jeber für ſich, 
nach : feinem Vermögen und Umftänden, was nüße 
liches zu erfinden und Wahrheiten zu entdecken ges 
teachtet; und daß Diejenigen, welche barinn zus 
erft glücklich gemefen waren, (als Ceres und 
Bacchus) von ganzen Voͤlkern 'geehret und ver 
göttere find. | | | 
Wir Fönnen alfo noch in der Gefchichte auf die 
Zeiten zurück fehen, da faum bas allernöthigfte er⸗ 
funden, da wenig Künfte, und dazu fehr unvolle 
fommen, erfonnen, und von den Wiffenfchaften 
faum bie erften Anfangsgründe entbecfet wa⸗ 
ren. Denn vor vier faufend Jahren waren bie 
Menfchen noch in allen Stüden roh und unerfaße 
ven, Mas ift in der folgenden Zeit nicht nachges 
rade erfunden? Was haben nicht bloß in den letz⸗ 
ten drey hundert Jahren die Künfte' und Wiſſen⸗ 
fchaften für ein ausnehmendes Wachsthum bekom⸗ 
men? Was werden unfere Nachfommen nicht fer« 
ner entdecken? Geht man alfo von den neueren 
Zeiten in die erften zuruͤck, fo müffen wir geſtehen, 
Daß das menſchliche Gefchlecht vor vier taufend 
Jahren noch feiner Kindheit und erften Geburt 
siemlich nahe gewefen fey; und daß man aus dem 
Verhaͤltniſſe bes zunehmenden Erfenntniffes in fol 
chen vier faufend Jahren beynahe die Zeit rück 
wärts beftimmen fönne, ba die Menfchen noch 
nichts gewußt, das ift, da fie erft auf die Wele 
gefommen waren. Wenn fie aber den — 
n 


— ff, za 
7) ju wi 
v Alten zu fol t Zeiten gelebet, da 


© Vorfahren, und fie nennen uns zum Theil 

erften Erfinder, ı Man fieht esauch, zweytens, 

den Meberbleibfeln des grauen Altertfumes, 

Bin. der aͤghptiſchen und phönteifchen Baus 

+ — Malerey , a en 
aus 

en, befonderd der. 


% Krems 
Mechemaut Schiffahrt, Krieges⸗ 








6 LA. Vom Urfprunge 


Ich werde biefem allgemeinen DBewei 
unbillig Hinzufügen, was, befonders von 
ten Verpflanzung fruchttragender Bäume ı 
ropa, aus der Geſchichte bemerfer ift. € 
zwar ju meitläuftig, wenn ich alle Arten fı 
gender Bäume einzeln durchgehen wollte; 
mich aber nur auf den Deren de la Ware: 
fen vortreffliches Buch de la Police, wie ı 
die Anmerkungen, welche nachher ein Gele! 
Genf über diefe Materie gemachet hat, ber 
als.woraus ein jeder umftänblich und beglaı 
kennen wird, daß beynahe feine gute Bau 
in Europa zu Haufe geheret ; fondern, baf 
ber; Menfchen Denfen aus Afien erftlich na 
chenland und Africa, von ba nach Italien, 
und Spanien, am fpäteften aber zu und 
fchen gebracht find. Dieſes wird man in | 
geregten Büchern, von dem Weinftocke, von: 
ven, Feigen, Eitronn, Pomeranzen, K 
Pfirfchen, Apricofen, Pflaumen, Aepfeln, : 
Quitten, Kaftanien, Mandeln, Nüffen x. 


60 De la Mare Traite de la Police, 2729. fol, 1 
libro V. tit, XLIL. Tome IV, p. 530. fqq. 
kungen darüber find aus dem Journal He 
1738. Sept. p. ıgı. uͤberſetzet gu finden im H 
giſchen Magazin V Band, p. 483- faq. s 
639. ſqq. und VE Band p. Sco. ſqq. Daß u 
Buchwaigen vor d ober 400 "fahren erft, 
die Türken, aus Africa nach Europa gebra 
wird in den ſchwediſchen Abhandlungen der 
mie der Wiſſenſchaften, im VI Ip 
erwieſen. 





Zeit“ 


ſchmatt haſtere Frucht der 
gekoſtet, noch auf die Gedanken ges 
atfen fen, Diefelbe in feiner Heimat zu fden oder 
wpflangen? Kann man fich überhaupt einbilden, 
—— ade hl —— 
Einigkeit ni⸗ cr, ein Paar tauf a 
Me: ‚erfunden Er a * 


— 
var bu 

— ae 
Fr 





1 Abh. Dom Urfprunge 


Die aber mit bem Vorurtheile der Ewigkeit zu fehr 


eingenommen waren, haben ſich gegen diefe unleug⸗ 
baren 


Bunc eis, nunc atimur, ville fuiſſe, [ed glande 
prius & — altos, ſero ſperaſſe le m. 
niam — Sienim ab imitio, imo ante initinm, fuit 
mandus, ut pbilofopbi volunt s cur per innumerabi- 
lium feriem ſæculorum non fuerat cultas, quo munc 
wtimur, inventus? non literarum wfüs, quo folo me. 
moriæ fulcitur eternitas? car denique multarum ve- 
rum experientia ad aliquas gentes recenti ætate per- 
venit? ut, ecce, Galli vitem, vel cultum oleæ, Roms 
jam adoleftente, didiceruns, alie vero gentes adbæc 
multa nelciust, que nobis inventa placuerunt. Has 
omnia videntur eternitatl verum repugnare,, dam 
opinari nos facisnt, certo mundi principio paulajie 
ngula quaque capijfe. | 
Lucretius lib, V. v. 326. 
Præteres, fi nulla fuit genitalis erigo. 
Terrai et cal, ſemperque eterna fuere: 
Cur füpern bellum Tbebanum, et funera Troje 
Non altas alii quoque res cecinere porte ? 
Verum, ut opinor, babet novitatem ſumma, Yecensque 
Natura’ fl mundi, neque pridem exerdia cepit, 
Drare etiam quadam nunc artes expoliuntur, 
une etiam augefcunt : nunc addita navigiis ſunt 
Multa &C. 
Plato lib, III. de Rep. init. p. 529. ws yag dr; 
ayı im valı Guru Tor Tusla xgivor, as vor dans 
xdaunluy, xunde evavgiezıra wel ng) Orıcm Tu; ⁊ 
vi mir ag pmupmins mine den dualen ap 
weis rirı, Xu FT ap dv yiyaa, 3 dis veonvın 
Ira, u pr Daıluiy zuraperi yiyaı, va dd 'Oebe, 
va 3 TlAuunde, va dd wıp) moueixye, , 
Orvurp, wi) Augur Bi "Audlın, va d are ai- 
ins Kanwelen, ds Im Amar, Ads ng wein Yıyo- 
vera el, . 








L verbrannt päi 
;e auch don neuem wieder erjeugere. Die 
daß. das — des — nie· 
ſondern einen — rt 
einige weni & 
, don welchen” eine neue Selten bs — 
den — genommen. Sie en 
daß die überbliebenen lauter armfelige 
— waͤren, die ſich mit dem Viehe auf 
hohe Berge gerettet; aber von den Kuͤnſten und 
Biffenfchaften der vorigen Welt nichts gewußt hät» 
So fönne denn, ungeachtet der Ewigkeit der 
‚ bie Erbe wieder zur 


ui 





70 16 Dom Urſprunge 


Wer fiehe nicht, Daß biefes lauter äffäßttihe 
Bedingungen find, die weder Gefchichte, noch Er⸗ 
fahrung,, noch Wernunft vor fich Haben , und doch 
zum Zwede nicht einmal hi n? Gefegt, die” 
ganze Welt, ober-ber Erdboden, wäre dergleichen 
großen Veraͤnderungen unterworfen: fo wuͤrde da⸗ 
Durch! weder die Welt, noch das menfchliche Ge— 

| oo. lecht, 
ommnes terras aut omme bominum 'genus, vel emmind 
operit, vel penitus exurit. Aegypeo cerie, ut Plate 
in Timae futetur, nunquamı nimietes bumoris no- 
ewis vol caloris; unde et infinita annorum ımillia im 
folis Aegyptiorum mönnmentis librisque veleg . 

: Cotera igitur terrarum partes, interneeioni 

ses, [eminarium inflaurando generi humano fiuue- 
esque ita comsingit, ut won rudi mundo rudıs borsi» 
mes es cultus inſcii, cujus memoriem intercepst In 
geritus, is terris oberrent etc. Siehe auch Lueret. 
V. 340. fq. Beym Plato in Timzo p. 475. init, 
edit. Gr. Bafil, 1556. fol. faget der ägvptifche Prie⸗ 
fler: van a) zul wenn Od yıylıman ar 
Yeumar u) Drerluy mug wir ag) Vdarı iv. Und 
lib. III. de leg. init. & eur gm el warnıo) Ada 
arydaur Ixar sun dexsien — Ti was arleumen 
Odegas yıyariımy xuluniveueit vi ng) vircn, u) Ar 
a0 wos, iv obs Beau vs Tür aIgamer Anrıday 
vives — dei Tore weder Te PIegar, aber 
Synel Tas ar der voumr, WW neeu@ass wen Ojunge 
Eau vov vor ardpuwer ylrovs dissicnruira — 
u) Ih reis Tetvireus yı avayny wov Tür ddr dam- 
ges dry Tızsan, u) Tan iv Tel Arıcı war eve 
naxaım etc. Don der Stoiker Exuftione mundi 
bat Jac. Thomafius, Lipfiz 1676. 4. befonder® ges 
Pandelt. Ariftoteles aber Meteorologieorum lib. L. 
cap. 14. T. I. p. 770, ſqq. du Vallii, redet viel von 
Ueberſtroͤmungen. 





: Bi re Ich 
——— FERN 
ö Bee an Damien ea m ⸗ 


72 1 Abh. Vom Urfprunge 


Ich würde dieſe alten Erfindungen feiner Er 
wähnung gewürbiget haben, wenn fie nicht von 
neuern Weltweifen auf eine andere Art gefchmüde 
worden wären, Diefe haben die Cometen völlig 
zu ihren Dienften; damit fönnen fie Welten ex 
bauen, Welten zerſtoͤen. Da ruft man nur eb 
ner folchen Himmelsbombe, und läßt fie an bie 
Sonne prellen, daß die brennenden Stüde dader 
fliegen; unb aus biefen ausgebrannten Brocken 
werben hernach die Planeten, und unter andern 
auch unfere Erde zuſammen gefchmoßen. Dan 
richtet ein anderer wieber eine folche Bombe auf 
die Erdfugel, und zerbricht thre äußere Schal 
damit; fiehe! dann iſt eine allgemeine Ueberſchwem 
mung ba; bie Are und der $auf der Erbfugel wer 
ben geändert; es entfteht durch den Bruch eine um 
ebene Fläche, und fo find Berge und Thäler ge 
worden. Andere ziehen wohl nicht mit fo gefaͤhr 
lichen Werkzeugen tiber die Welt und das gany 
menfchliche Gefchlecht zu Felde; unterbeffen ver 
beeren fie doch einen großen Theil des Erdbodens 
und feiner Einwohner, fo oft es ihnen beliebet 
durch Fluthen, Pet, Dürre und andere Landpla 
gen; wenigſtens befriegen fie die Künfte unl 
Wiffenfchaften mie Tyranney und Barbaren, unl 
laſſen die Menfchen wechſelsweiſe wieder in Skla 
verey, Unwiſſenheit und Wildheit der Gitter 
verfallen, 

Tun möchte man ung vielleicht aufs Künftig, 
mit den Cometen, oder ihrem Schwanze, in aber 
gläubifche Furcht fegen fönnen, wenn die himmli 
[hen Bewegungen durch Feine weife Vorſicht zu 


Drdrrung 


zn, ulsih ungen 
Her ii FH ji Hr Hl H in 


! Ile Hipp 
IB PÜHRIHE sleiiist. 
je Hl, I | 
INENBIDHIEN, 


74 ° Ih. Vom Urſprunge 


Kraͤfte; und es ift vielmehr daraus zu fü 
daß der gänzliche Zuſammenſtoß zweener f 
fchen Körper nimmer gefchehen kann. + J— 


t Der vortrefflihe Mathematicus unferer Zeit 
Euler, batte in feiner Theoria motuum Plar 
et Cometarum, p. 135. muthmaßlich geu 
der Comet von 1744 koͤnne leicht den X 

-  Mercurd merklich geitöret haben. Ab boc (Mi 
faget er) cam parum fuit vemotus, ut fi vima 
wars pro ratione molis babuerit, motabilis pe 
sio in mots Mercurii oriri debuiffer — 
obrem oper« pretium erit-twuefligare, utrum 
rius adbuc im motu [no cumtabulis affronomi 
fentist, en vero perturbationem a Cumeta fit 
Und fiebe! Herr John Bevis, M.D. bat 
Philofophical T'ranfactions n, 473. Obferv 
übergeben, welche zeigen, daß des Mercurs 

ung von dem gedachten Cometen nicht im 
den geändert fev. Die Obfl. fleben auch im 
Magazin ı B. VI: Et. p. 192. fg. Ich fi 
aftronomifchen Beobachtungen der Cometen 
zuverläfliger angezjeiget , ald bey dem ber 

ollänDifeben Mathematico, Vitolaas Str 

iner Inleiding tot de algemeene Geographii 
vens ecnige Sterrekundige en andere Verhand 
Amſt. 1740. 4. dabey iſt nach der Geograph 
algemieene Kennis der Comeeten of Staart 
p. 1-29. undkorte Beichryving vanalle de ' 
ten in de Gefchiedeniffen, p. 163— 320. €: 
felbe hat auch hernach 1753. 4. zu Amſterde 
ausgegeben Vervolg van de Befchryving der 
fterren, en nader Ontdekkingen omtrent de 
varı't menfchlyk Geflagt, benevens eenige 
kındige Aardrykskundige en andere Aanmer 
Darinn iſt unter andern, bey p. 113. ein C 
xium in Kupfer vorgeftellet , welche Mafchı 
gauf von 24. Cometen jeiget. (Er verwi 











u ometen, 

5 und bem Mercurio, 16 zwifcben dem 
 Mercurio und ber ‚Venere, & }ı der. Ver 
© nere mb ‚ber Erbe, 4 zwiſchen ber Erde und 


e Marte , again, Dem Meee and: dose 
imferer Erde , gleichfam als mi 
ı BWürfen, den — au Braben Rlalk 


£ 


onen: doch nach Bervach 
EEE TIER BREI 
N Bi 3 FAR aufs ——— J 
emeſſen 
wodurch ihnen in den leeren Zwiſthentaumen der 
Weltmaſchine ein dlicher 


ein 
* len und 


i 
f 


a8: 
— 
He: 
A 

H 
788 


16 1965. Vom Urfprunge: 


Wollte fih jemand auf die Mofaifche al 
meine Fluth berufen: fo würde ich ihn fra 
warum er denn nicht auch die göttliche Schoͤpf 
der Welt und eines erften Paares Menfchen, n 
einem Urfprunge und Anfange ihrer Künfte aus t 
Mofe glaube? ich würde fragen, ob Mofes 
Fluth fo befchreibe, daß fie aus natürlichen U 
chen entftanden ſeyn koͤnne, daß fie matürliı 
Weiſe öfterer wiederfommen, abermal alle fe 
Bige auf dem Trodenen, abermal alle menft 
che Künfte verfchlingen werde, und folglich : 
mer neue Welten auf den Truͤmmern ber vori 
erbauet werben müffen? Allein, da Mofis Mi 
richt diefer Meynung vielmehr entgegen ift: fo fa 
ung Mofen lieber eine Weile bey Seite fegen, ı 
bloß beydem bleiben, was das anfchauende Erfer 
niß der Oberfläche des Erdbodens lehret. 
geſtehe es, biefe zeuget von großen vormali 
Veränderungen : indem fie uns mancherley Sch 
ten von verfchiedener Erde über einander, ga 
Aufterbänfe, weit von der See, mitten im jetzi 
feften Sande, Berge und ganze Ketten von Gel 
gen, mit verfteinerten Seethieren und Gewaͤch 
die an. den Orten nicht erzeuget fenn Pönnen, 
Augen leget. Wir haben noch in dieſem Jahrh 
derte Inſeln mit einem feuerfpeyenden “Berge ı 
der See heronrfteigen gefehen, und eben das 
richten uns glaubwürdige Gefchichtfchreiber von ı 
fen andern Inſeln. Andere Berge und Std 
find durch Erbbeben verfunfen: Pläge, die 
Meere lagen, find durch Anwachs von ber Ki 
ins Sand hineingeruͤcket: Stroͤme haben ihren $ 

ver 


ehe und he, 57 
ändert, Mit einem Worte, Feuer und 








doch 

vor dem Urfprunge des menfchlichen Ges 
Medytes, bendem erften Chaos und deffen waͤſſerich· 
a Maffa anzunehmen, zu der Zeit, da dem 
inoch von Sandrhieren eneblöften Erbballe der erſte 
Schtoung um feine Are — 2 und dadurch aus 
her Kugel eine Sphäreide geworben, Pt 
Baffer und Sarıd von einander gefchieden, 
ich diefeswohnbar gemachet iſt. Die, fage 3 
ird allemal weit vernünftiger ſeyn, als unendliche 
bige Meißen ’von ſolchen eines völe 
9 bervohnten Erdballes zu dichten, dabey Fein 
Renfeh oder Thier auf irgend einem Berge, und 
bR Moah in feinem Schiffe, unmöglich Tebendig 
feiben Könnte: — — er 
#2 — wol dem verödes 

neue Menfchen und Thiere 

—— 


Die übeigen Unfälle und Landplagen, als 


PAR, eis 
„ —S ———— Das 


gang 


78 LAG Mom Ueſprunge 


ganze menſchliche Geſchlecht niche wieder in 
völlige Unroiffenheit verfenfen, noch ben ge 
Erdboden in eine Wüfte verwandeln. Was 
die einreiffende Barbaren betrifft: fo will ich 
richtig geitehen, wenn Laͤnder, ba einmal R 
umd Wiflenfchaften blüheten, dergleichen Pei 
Chaldaͤa, Griechenland und Italien vor Zeiteı 
mwefen find, unter ein hartes geifts ober weltl 
Joch verfallen, ober mit Heerzügen barbari 
Voͤlker uͤberſchwemmet werben , baß foldhes 
Künfte und Wiffenfchaften ſehr zurück fegen koͤ 
zumal, wenn es bey dem Anfange geſchaͤhe, eh 
fi weit ausgebreitet hätten. „ Allein, eben 
Ball, wenn ſich Künfte und Biffenfepaften nur 
bey wenigen aufhalten, wäre ein Zeichen, baj 
ſowohl, als das menfchliche Geſchlecht, bamalı 
rem Anfange noch fehr nabe gemwefen ſeyn müß 
Denn wenn das menſchliche Gefchlecht ewig mı 
fo würden auch die Künfte und Wiffenfchafte 
hoch geftiegen feyn, und fich fo weit ausgebr: 
baben, daß fie weder gänzlich auszurotten ftün! 
noch aierwaͤrts verſcheuchet werden fönnten 


64 Der befannte Sorb Bolingbroke, welcher font 

+ feinen Werken (die zu Landen 1754 4 iR | 

abe den heraus a find) im — 
ade Men 

ber Algemei an — oder Trı 
tion, zu ——— ſuchet, verwirft dieſen 

grand aus der allmaligen Erfindung ber Kun 

eben ba left p. 266. unter einem fonderba 

Sche Er ſpricht, es gebe —X jeßo X 

ker, de enden nothwendiꝗ , a 


bie vorii tern "betrifft: fo mihfen ' 
ven, —— und PA die, 
| 2 Wiſſen · 


N N ] 
iben, fondern auch Kleider und Ges 
as nichtd wüßten, ———— 
peyfache Art. Setzete mar, daf j5 
a ‚aflegeit ee gewefen: fo folge, 


u 
= 
= 

— 
— ’ 


vom Befondern auf 
8 Ole  peadi Da eurchren Hmm: 
im | Ubi; 'e entbehren ’ 
Inne hie Green am Bat: ür Dies 


80 1Abh. Dom Urfprunge 


Wiſſenſchaften, damals noch , gegen jetzige 
fhaffenheit,, gering getwefen find, und daß für 
einer und derfelben Zeitnicht mehr, als etwa 5 
Sänder und Voͤlker, menfchlic) gemachet har 
Wie nun diefes für ſich einen Beweis giebt, 
[ 


gend einer Kunſt welche ber Rothdurt und 
quemlichteit behuͤlflich iſt, bleiben?! Woher u 
denn biefer Trieb in der menfchlichen Natur, ı 
einer unendlichen Zeit, neuerlich entflanden? € 
aber diefe und jene Künfte den Menſchen, we 
ſtens an den meiften Drten, Höchft nöthig oder 
quem: fo wird auch ein jeber entweder ſelbſt 
deren Erfindung gedacht, oder fie wenigſtens 
feinen Nachbarn gern angenommen haben. 
wenn die Menſchen ed barinn noch nicht weit 
bracht, ſo iſt es allemal ein Zeichen, daß ein 
ches rohes Volk noch nicht alt feun könne T 
es folget eind aus dem andern: Daß fich ein 
wenn ed alt wird, febr mehret, und burch bie 
mehrung aus ber Wildheit zur bürgerlichen Ge 
fihaft und zum bequemeren Leben in Flecken, S 
ten, Reichen, zum Umgange, Handel und Wa 
mit andern Völkern, und zu Künften und Wi 
haften getrieben findet. Daraus fällt denn 
andere Einwurf von felbft meg, als ob die hoͤ 
nörbigen ober zum großen Vortheile gereiche 
—2 — und Wiſſenſchaften, wenn fle einmal er 
den und ausgebreitet find, wieberum in dem 
gen menfehfichen Gefblechte gänzlich und ‘ 
verloren gehen könnten. Eben der natürliche 
und Bewegungsgrund, welcher Kuͤnſte und Wi 
en unter den Menfchen zuerſt mit fü vl 
emühen hervorgebracht, wird fie auch beſtaͤ 
unter ihnen erhalten; und Fein zufällig Hinbe 
kann fo groß oder fo allgemein feyn, daß es die 
sur bed menſchlichen Geſchlechtes andere und erfi 





etloren Er 


und Mergenländern 
Be ar 
sogen... Ya, nie der un 


Fre 
e en he 

d es ausjetarten droheter 
Do h noch in allen Jahrhundert — 
an at alten, Nun 
w —— e gekommen, 
den ehr ‚Völkern von Europa feſt ger 
——— ſo iſt ng u, Sau: daß de 
ſo roh und unwiſ · 
———— u, Pre vor vier tatıfend Jah⸗ 


dal 
= —F * BEER 







> I Abh. Daß Menſchen und Thiere 


Die zweyte Abhandlung. 


Daß Menſchen und Thiere ihren Ur 
ſprung nicht von der Welt, oder der 
Natur haben. 


S IL 

JNie Folgerungen , welche wir in der vorigen 
Abhandlung aus bem Tode aller unfere 
Morältern, und aus der Gefchichte des Erbbobeng, 
ber Sprachen und der Künfte gezogen haben, fin 
fo natürlich und überzeugend, daß es.faft eben fo 
ungereimt ſeyn wuͤrde, wenn die Menfchen ihr 
ganzes Geſchlecht fuͤr ewig hielten, als wenn ein⸗ 
zelne Menſchen ſich traͤumen ließen, daß ſie allezeit 
auf der Welt geweſen waͤren; da ſie ſich doch ihrer 
verſtorbenen Aeltern, und ihrer eigenen Kindheit 
und ihres Wachsthumes erinnern koͤnnten. de 

der That find auch fehr wenige unter denen, w 
Melt und Natur ewig machen, die ſich dabey ges 
frauten, eine gleiche Ewigkeit von dem menfchli« 
chen Gefchlechte zu bejaben. Die allermeiften ftes 
ben zu, die Menfchen hatten einen Anfang gehabt, 
und batten ſich nachmals erft Durch Die ordentliche 
Zeugung fortgepflanzet. Allein, ba fie dennoch ih⸗ 
ren Abgort, die Welt und Natur, gern auf den 
oberften Thron feßen wollen: wie werden fie doch 
den erften Urfprung des menfchlichen Gefchlechtes 
aus den Kräften der Welt ableiten und verftänd. 
lid) erflären? Die Kraft der Zeugung, wiſſen wir, 
ift bey uns und allen übrigen Xhieren natürlich. 
Allein, 





nicht don der Welt rg ». 
ke natürliche Kraft bringet die erſten 


ni bärten beſte · 
noch Ach fortpflangen konnen; bis: endlich, 
vielen ungeftalten Fehlgeburten, aus ſolcheni 

Zuſammenfluſſe einer renden 
eine ordentliche Bildung, bald di — 
bleres, don beyderlen Gefchlechtern, 
einmal der Menſch, entſtanden wäre, DE 
eym geben erhalten und vermehren können, 1 
Man muß von dieſen Weltweiſen nicht erwar« 
"daß fie ſich In das Weſen und bie Eigen. 
n iũdiſthen Materi 


ig 
m: 
4: 
wi 
nr 


Pi Te ——— 
[3 

, ae 
w 


keſes 22 a jude —e— 


84 II Abh. Daß Menfchen und Thiere 


les zu vermandeln und zu ſchaffen. Ihre Wel 
ein Schlaraffenland, darinn fich alles ohne Gr 
und Mühe, als'in einem Traume, erzeuget: 5 
Erde, unfer aller fruchtbare Mutter, burfte 
von der Sonne gefchmängert werden; fo gab 
aus ihrem Schooße eine Geburt nach der ant 
hervor. Die verborgene Natur ift dabey baldı 
verftändige, milde, gütige, fräftige Schoͤpferi 
die aller Dinge ürſtof und Samen bildet, ent 
ckelt, naͤhret und erhaͤlt: bald muß ſie fich wie 
als blind, unverſtaͤndig, neidiſch, ohnmaͤchtig 
veraltet meiſtern laſſen. Eine eigentlichere ı 
genauere Erflärung diefer Meng | bin ich mi 
im &tande zu geben. 


SS 2 


Wenn mir noch in den Zeiten der Finfter 
lebeten, fo möchten wir vielleicht hierinn Echt zu 
ben glauben. Allein, das weis ich nicht, wie h 
tiges Tages Menfchen fich getrauen fönnen, r 
folchen willführlichen Erdichtungen, die aus g 
ber Uinwiffenheit der Natur, und aus mancher 
Widerfpruche und Irrthuͤmern zufammen gefel 
find, vor dem Richterftuble ihrer eigenen Vernur 
zu beftehen, Selbft die Alten find faum zu a 
fhuldigen, daß fie aus falfchen Erfahrungen 
unrichtig gefchloffen, und ihre Vorfahren für rer 
genas, auroxIevas, das ift, von der Erbe ı 
zeuget, gehalten. * Sie hatten etwa gefehen, da 
nach ber Ueberſchwemmung des Niles, ſich in. be 
nashı 


2 Siehe die 1 Abhandlung, 8 Anm. p. 26. 





E „ a 

üitet wären; und-giengen denn mit, Fol 
ngen: auch zu. den größeren — — 
‚dem Menfchen, daß auch dieſelben einft hie und 
Bee Betr ie Opa nid. 5 


wiſſen wenigftens in neueren Zeiten, daß 
‚‚ worauf jene ſich gründeten, gänze 

je und durch übereilte Schlüffe erfchlichen . 
ben, durch die genaueſten und ſicher⸗ 
a — igen und Verſuche der beſten Mar 
tündiger,. bon allen Thieren und Inſecten, on 
B.iegenb fo goß find, daß (e.08 Beuth be e⸗ 


1 prender 
bil. De 2 — 5 — Beute 


— 


chmeißfliegen, —— Echmee. 
Hinge, Slöße, Kafer, und wie fie weiser, heißen, 
ten fich fowohl, als * ° a ie j 


wihre Eyer da hinein, wo dje 
Ag bereit findet, . Reim Käfe, - Grucht, 
Int, EA one Aitbere Moterie, wenn jedes 


83. , vos 


x 
‘ 


‘ 


86 TI Mh. Daß Menſchen und Thiere 


nur fuͤr das Geſchmeiß bewahret werben kar 
wird das geringſte lebendige Thier aus ſich h 
vorbringen. 

Wenn auch die Natur'gleich von dem Va 
kommenern ſtufenweiſe zu den Pflanzen herun 
ſteigt; daß es Thierchen giebt, die Hermaphro 
ten ober beyderley Geſchlechtes find, ober die f 
felbft befruchten, wie man mennet, oder da, ı 
aus einer Mutterpflanze, andere Thiere ihres gl 
chen hervorwachfen, wie bey den Polypen und @ 
vallen, d. i. Zoophytis und Lithophytis, geſchieht: 


*) Es ift eine befondere und ganz wunderbare Fo 
ung * den Biareläufen — worden, d 

ie ohne Paarung lebendige Jungen erzeugen, u 
dieſe wiederum andere lebendige Aungen, big zu v 
len folgenden Geſchlechtern. S. Mr. Charles Bc 
net Inſectologie. Paris 1745. 8. P. I. Und denne 
Tommt zuletzt ein geflügelted Männchen, welch 
ſich mit der Blattlaus begattet, und fie mit einm 
auf viele folgende Generationen befruchtet. He 
Kyonnee bat die Paarung genau beobachtet, u 
befchreibe fie in einer Anmerkung zu Leſſers The 
logie des Infectes P, I. p. 30. fqq. wo er auch v 
der Fortpflanzung der Muſcheln in Steinen, u 
des Bandwurms, le Solitaire, handelt, und übe 
Haupt beſchließt, es ſey noch nicht ausgemachet, bi 
fich einige Inſecten ohne männliche Befruchtu 
fortpflangen. Die Baarung der Blattlaufe h 
auch Hr. de Beer beobachtet und befchrieben ın be 
II. 39. der Memoires de Mathematique et de Ph 
ſique prefentes à 1’ Acad. Roy. des Sciences par < 
vers Savana. Paris 1755. worinn biefed neu If, Di 
er Weibchen fo mohl ald Männchen geflügelt, in 
ungeflügelt, und beyder Paarung wahrgenomme 
S. Götting. Aug. 1756. p. 1423. Herr pi 
ei 





nahe Beige 87 
fo weis "doc, daß auch indem flaryenteie 
er zen! 


Wenn we ie fehon eine ra 
et Polypus, ein Thier, als wirklich ‚gefeßet wird, 
welches. das le 1 fen, und welches diefe Knoſpen 
biefen Samen hervorbringet und nähret: ſo 
natı Weife, an keine Erzeugung vonir 
einer Pflanze ober einem Thiere, ober deren 

19, zu gedenken, . 
8 + sy 


Ber EEE 
gie ee j 


Enns 


flangen' welcher ben teiblichen Blumen 
oder Don fliegenden 
von den 


sg I1 Abh. Daß Menfchen und TH 


$ 3 | 
Ich follte nicht meynen , daß. jemand 
biefe ganz ausgemachte Wahrheit einen E 
von Denjenigm unglaublich Fleinen Thierdi 
men fönnte , welhe Hamm, Hartſoek 
Leeuwenhoek in dem Samen vieler Thier 
dere im Effige und Pfeffermaffer, u, f. w. 2 
und Needham auch in vielen andern galle 
gen Säften von gekochtem und gebratenem | 
und von Pflanzen, infonderheit vom br. 
Korne, durch ftarfe Vergrößerungsgläfer , 
haben; mwiewehl Herr Buͤffon biefelbe u 
wohl für Thiere, als für lebendige Theil 
Tieres, hält, welche durch ein inneres Mo! 
ganifiret worden, - 


Wenn man gleich allediefe Erfahrungen, 
fie angegeben werben, als ungezweifelt zuſt 
beben fie doch Die Gewißheit der beftändige 
nung der Natur in allen übrigen Thieren, 
diefen Namen eigentlich verdienen, nicht auf. 
hier kann man nicht betrogen werden, Die 
find fo groß, daß man den Fünftlihen Ba 
Körpers, die Werkzeuge bes Lebens, der 
Bewegung, Zeugung, und die Art ihrer Fo 
zung mit bloßen Augen Flar und deutlich! 
ten kann. Und fo verhält es fich auch : 
Pilanzen, deren Erzeugung aus Samen, 
bein, Wurzeln, oder Knoſpen anderer ‘ 
pflanzen, ganz offenbar dargethan iſt. 9 
ben dabey Wernunft und Erfahrung vor u 
die Natur fich felbft zu allen Zeiten ähnlich) 





— Pre 


af 
t, ba die unendlich weile Sufammienfügung fo 
we taufend organifchen Körper, aus einem ganz 
Mehikten Klumpen, jemals durch ihre blinden 
betwirfet werden koͤnnen; zumal, ba 


doß deren Bildung, nach der Orbnung 
rganifirte Körper bet Aeltern 
möfetet.... Natur kann wohl die einfachen 


ke, Kinftalle, Steine, Dial opneirhiid 
Samen. fügen; aber wenn wir in "den. Steinen 


4 


90 U Abh. Das Menfchen und Thiere 


Der Herr von Haller bat demnach, in ba 
Vorrede zum zmenten Theile der beutfchen Leber 
feßung von Buͤffons Hiftorie der Natur, ganzrich 
tig geurtheilet, und erwiefen, daß die Religion füı 
biefe Erfahrungen auf alle Weife in guter Sicher 
heit ſey. Und man muß dem Herrn Needhan 
jelbit die Gerechtigkeit wieberfahren laffen, daß e 
biefes eingefehen und erinnert hat. Er erfenner 
daß feine Thierchen nur eine ganz einfache Zuſam 
menfeßung haben; daß fie leicht, ohne vorberge 
hende DBereitung eines Samens in einem orgami 
fchen Körper, durch das bloße Ausbehnen und Zu 
fanimenziehen der fleineften Theile, entftehen, ver 
gehen, und wieder erneuert werben Fönnten; unl 
dag fie nur im weitläuftigen Verſtande Lebendig 
und Thiere zu nennen wären; weil fie den Pflan 
zen und Mafchinen näher fämen. Man har alfe 
vernünftiger Weife nicht zu fürchten, fage 
er p. 248. faq. daß men Lehrgebäude zu eine 
Erzeugung der Tbiere aus roher !Mareri 
führe. Die Bildung des Samens ſetzet noth 
wendig einen organifchen Leib, oder, ir 
manchen Arten eine gewiſſe Därmutter, vor 
aus; und diefes in einer Reihe dev Vorältern 
die bis zum Urſprunge der ganzen fichtbarer 
Welt, und derer Befchöpfe, die unmittelba 
aus Gottes Hand gefommen find, hinauf 
feige. Ich fage unmittelbar: denn eine un. 
endliche Reihe folcher erzeugten Dinge würd 
nichts anders ſeyn, als eine unendliche Zah 
von Wirkungen, obne eine erfte Urſache 
eine Kette, deren Schwere mit der un 





x 


nicht von der Welt entſprungen. 91 


ven Zahl ihrer Glieder nur unendlich zuneh 
ven würde, obne, daß eine Kraft de 
selche fie halten koͤnnte; welches in der That 
ichts als ımendliche Ungereimtheit giebt. 
2 wäre eben ſo acht, als wenn einer 
ne unermeßliche Reihe blinder Menſchen 
erades Weges, und ohne fich zu verirren, 
inter einander gehen fähe ; und wenn er ih⸗ 
m febenden Sührer mit Augen nicht erreis 
ben koͤnnte, fich die Reihe unenblidy vor, 
tellere; gleich als ob ihnen der Mangel des 
Sefichres Dadurch erferset würde, daß man 
ie Blindbeit ins Unendliche vermebrer, 


$ 4 


Allein, wenn gleich von den Feineften mifroffor 
Ifchen Thierlein und deren Erzeugung Feine Folge 
uf Die größeren Thiere zu machen wäre: fo iſt doch 
ſtlich, zur Benehmung aller Einwendung, zumer- 
m, daß die Beobachtungen, welche Herr Buͤffon 
nb Needham in diefer Pleinen Welt gemachet ha« 
m wollen, an fich felbft und in facto verdächtig 
yer vielmehr falfch find. ? 

ern man nämlich ihre Befchreibung davon 
mau unterſuchet: fo wird man nicht einmal übers 

zeuget, 


©. Herrn Buͤffons allgemeine Hiſtorie der Natur, 
des 1 Th. IL Band, das 7 und 8 Capitel nach der 
deutſchen leberfegung p. 131. und Herrn Needbams 
Nouvelles Obfervations micrefcopiques, avec des 
deconyertes interesfantes fur la Compofition et la 
Decompofition des Corps erganifcs, Paris 1750. 2. 


9: 1165. Daß Menfchen und Thiere 


geuget, daß es wirklich lebendige Thiere ober organ 
animalium gewefen find was fie gefehen haben 
Alte übrige Beobachter bitden ung bie. Samen 
thierchen in Geftale dee: Froͤſchlein, : mit breice 
nach und nach ſpitzig zulaufenden Schwänzen, ab 
in andern Saͤften und Fluͤſſigkeiten auch, wohl. al 
Schlaͤnglein und Aelchen; zuweilen auch als Inſe 
efen. mit mancherley organifchen Theilen ;.“fa,. baf 
man beren bey acht fichtbarlich zu unterfcheidend 
Arten zähle. Diefe Herren geben ifmm.aber ein 
fugelrunde ober enfdrmige Figur; und wenn jaeh 
hervorſtehender Theil daran zu fehen iſt, fo iſt e 
ein ganz duͤnner Faden, ber nichE.natürlich zu dem 
Körper gehöret, fondern ihm nur zufälliger, MWeif 
von der Elebrichten Materie anhängt, und bahe 
auch abgeriffen wird. Alle übrige Beobachter fe 
hen die Körperchen, melche fie für Thierlein gehal 
ten, vom Anfange in ihrer vollkommenen Geſtal 
ſchwimmen. Ben dieſen Herren aber enttehen ir 
den aufgelöfeten Säften erft knotichte Aeſte, alı 
Derlenfchnüre oder Paternofter , welche nachmalı 
zerriffen und ſich in Kügelchen oder Eyerchen thei 
len, die entweder reihenweiſe einträchtig hinte 
einander herziehen, ober einzeln abgefondert werben 
und .fih nur von einem noch anhängenden kle 
beichten Faden, durch Schmanfen, los zu macheı 
fuhen, aud) endlich davon los fommen. All 
übrige Beobachter benierken das Leben ihrer Thierche 
an allen Arten ber-willführlichen Bewegung, daf 
fie bald ihre Schwaͤnzchen frey bewegen, bald burd 
einander ſchwaͤrmen, bald ihre Richtung rechts un! 
links veränbern, bald fich einander ausweichen ode 
umkeh 





ER Ben vr 


— Ber dieſen Bew üb fießt man 

ingeltten Rütgelchen, bloß durch einen klebrichten * 
bin und her ſchwanken, oder ſich 
ea Sn en und als Heer · 
—— nach 
en. 
Ba a, Car, nie — im 
— — 2. 3. bis 4 

eng hernach iſt mi diges im 
ſondern alles todt und ru 5 

—““ feben im on. nichts; 
oder Tagen, wenn die 
— Häfreend faule, fo erblicken fie erft Thier⸗ 
er Theile derfelben. Kann man 
1, bafı fie eben das, was andere, daß fiedas 
md Daher, daßfiees flat und — geſe · 


Er it zweytens fühe waßefeheinh was der 
Herr Leder muller ſoget, daß fienicht das befte 
Mitroftopium gehäbt päben müffen, und daß die 
Vergrößerung des buffoniſchen fich gegen das iedet · 
mütterfäje, nur wie ı gegen g6 verhalten. + Es 
läge ſich nämlich) dus den büffonifchen Abblldun 
gen erfennen, daß w nichts hi und ed . 





* — Frobenius Bedermülle) fa den 


* iſchen Beobachtungen der Samenthierchen 
die harten m ‚Sßerungsgläfer und ber 
- wachtet, mit einer, un⸗ 


— und Gegenemanderhab⸗ 
a iſchen Und .ecunvenpekifeben Em 
. „Nee Würmb. 1750: 4: P- 16. 12. 25. 27. 





kh_ 


/ 


94 U Abh. Daoß Menſchen und Thiere 


‚gen. Denn er llefert uns bloße Umſtriche do 


Kügelchen oder Eyerchen , daran nicht Kopf ode 
Schwanz, nicht Glieder oder Süße, geſchweig 
Mund oder Augen, wahrzunehmen find. Und d 
Herr Needham mit Herrn Buͤffon zugleich, burd 
einerley Mifroffopium, einerley Gegenſtand betrach 
tet, fo find fie doch nicht eins, mas Dasjenige gewe 
fen, welches beyde gefehen haben ; indem es Need 
bam für völlige lebendige Thiere, Buͤffon mu 
für organifche Theile eines Thieres angefehen. Ei 
Zeichen, baß Eeiner von beyden das vorgeftellte kla 
und deutlich gefehen, und ein jeber bloß feine eigen 
Einbildung und willführliche Hypotheſe in Bi 
Stelle der Erfahrung gefeget babe. Eben fo we 
nig enchält ihre beobachtete Bewegung flare obe 
deutliche Merfmaale einer willführlichen thierifche 
Bewegung. Denn das Schwanken eines kugel 
förmigen Körpers, ber in einem flüfligen Weſen burd 
einen dünnen Faden an anderer Materie hängt, wa 
ja wohl mechanifch,und von dem Schwanken der Zlüf 
ſigkeit, worinner ſchwebete, entftanden. Daß in den 
flüffigen Weſen viele Rügelchen in ordentlichen Rei 
ben, einträchtig nad) einer Richtung, einherzogen, 
war vielmehr einer willführlichen Bewegung entge 
gen, und fam bloß von dem Auffchwellen der zaͤhen 
Materie, welche die vorberften aufgelöften und zer 
srennten Theilchen von ſich ſchob. Wenn auch bief 
Herren ihre Kügelchen zumeilen unordentlich durd 
einander ſchwaͤrmend gefehen: fo meis man bod 
auch, daß in ben Fluͤſſigkeiten eine ſtete wim 
melnde Bewegung fen, Die von mancherley innerer 
und äußeren Urſachen leiche entfleben und verän 

bee 








ert werden, und den fefteren Theilen allerley Dra⸗ 
ungen geben kann. Man ſehe nur, was die Sons 
enſtãubchen in einem Sonnenftrale, die kleineren 
—— auf einer warmen Fleiſchbruhe, die Blaͤs · 
eines feinen Schaumes, die Theilchen eines 
Bene, tem Eure iſt, u. ſ. w. 


bey ſolchen überaus kleinen Koͤrperchen erfordert 
werde, als was dieſe Herren angeben, Wie denn 
ah Herr Needham felbft geſteht, daß die Be; 
egung überhaupt nur ein zweydeutiges Kennzei · 
ben ſeh, wenn man daraus das Daſeyn eines les 
benbigen Dinges fchließen will , deſſen rege Kraft. 
— eines natürlichen Mechaniſmi übers 
Wer. *) wir haben in ben Philofophical 
een en Beyſpiel von.dem Herrn Henry 
Mn, wie Kite man ſich in fokhen nn 


. > e esilı .n, 


96 U Abh. Daß Menfchen und Thie 


mungen von Kleinigkeiten betriegen koͤnne, 
ihnen die erforderliche Klarheit und Deutli 
feblet. 7 

Manhalte die Beobacdhtungeneines Leeu 
hoeks, eines Ledermüllers, und anderer, 
gen: fomird man vollends überführer, daß Hr. ; 
fon und Needham, und mit ihnen vielleich: 
‘andere, nicht diejenigen find, deren mikroſkop 
Wahrnehmungen man ficher trauen koͤnne. A 
wenhoek hatte nichts als einfache Mikroſt 
aber ich erinnere mich felbft einige Kleinig! 
bey ihm dadurch in folder Klarheit und Deu 
keit gefeben zu haben, daß das bloße Auge in 
Ben und nahen Körpern nichts Flärers und d 
chers mwünfchen fann. Und in ber That fir 
fich Die einfachen Mifroffopia weit beffer, b 
iner und reiner, als alle zufammengefeßte ; wenig 
thut die Stärke der Vergrößerung nichts zur 


+ say Miles batte in ben Phil. Trans. Vol. ! 
n. 469. p. 118. fq. feiner Meynung nach, cin b 
deres unbekanntes Waflerinfect gefeben und 
gebildet; aber Vol. XLIII. num, 476. fin. p. 
mwieberruft er es, auf die Erinnerung des H 
Yill. He thinks proper t0 rectify a Miflake be 
made, in fuppofing certain Bodies tu bave been 
mal ſubſtances, from their feeming to bave a j 
taneous Mosion in Water: it having fince appı 
so bim, that they were only tbe Seeds of the Bi 
foliis sripartito divifis Cefalp. 488. Tournef. p. 
Tab. 262. that bad fullen into tbe Water, and 
poſſibly poffefs’d by fome Infects, which might 
shem that Motion. Vid.Hill’s Review of the W 
of the Roy. Society of London, p. 79. faq. 





näher don ber FREE Onifpriihgen, Ri 
Bw fie der ·Sarhelt und Diuelichfeie 
mimmt. = Die Seeumenpöfifchen — 
—— en 6 unterd en Dh in 
ls zuaı u 6, daß fie dem n, 

ent Abbildungen als —— 

niet auch wegen der — verdächtig geſchie · 

: und Herr Ledermuͤller/ ols ein eifriger Were 


—* bes Leeuwenhoͤck weis ihin nicht ans 
ders: zu helſen, als daß er muchmafiet; berfelbe 


miffe fchon eitn Gotttiehmiftofop gehabt, unb die ” 


Öröße ber Thierchen darnach gebildet haben. *) 
Aber in dein Gtüche wiberfpricht ipm Herr Cuiofẽ 
ſo wohl in ſeinen — an ich, ale it den Ans 
weehuingäii,. womit berfelbe diefes Werkehei in bed 
andiſchen Uehetfekung beehret hät; Ri — 
Bat mon in ganz Holland, uhd ii Englan 

bei et feine Mikroſtobia vermacht, nichts 8 
1086, theils weil —— bet Sonnenmikro⸗ 


ffipe ſpaͤter sit. Er erklaͤret die Größe der mikros 


eh währfcheinl 
Kan ebene ve Aue, ch 
‚Miägöeigenbeni eher, em 


Le Die ae. 

TH Dear latere 8 
—— Groöte vorwerpen 
—* Behr er wg, ei van * 

| Searin de voorvöerpen gezion 2 

—— maalım —— — 
dich atoce ander hei nien dcr vergrooiglafen, ihaar 
te dir bag 2 Dar begrenn J 


98 U Abh. Daß Menſchen und Thiere 


welchem Abſtande er die Dinge zu ſehen glaube, U 
den $edermüllerfhen Wahrnehmungen ift fo m 
nig, mas die Vergrößerung, als was die Klarhe 
und Deutlichkeit betrifft, etwas auszufegen. € 
bediente fich des beiten Euffifchen Mifroffopii, we 
ches einen Durchmefier auf 180 Mal vergrößer 
und hat eine befondere Stellung deffelben erfunden 
welche den Gegenftänden eine folhe Klarheit ur 
Deutlichkeit giebt, daß er in den Schlänglein de 
Kleifters und Eſſigs lebendige Jungen mit ihr: 
Bewegung, und viele Eyer und Embryonesmaß 
nahm, und da erein foldhes Schlänglein zerfchnit 
fo ſah er 3 junge lebendige Schlänglein und 12 En 
bryones aus dem $eibe fommen. *) ‘Durd) fold 
vortheilhafte Stellung des allerbeften heutigen M 
froffopü bat Herr Ledermuͤller dennoch die knot 
‚gen Aefte und Perlenfchnüre in dem thierifche 
Samen nimmer wahrnehmen fönnen. Und da 
hat es alle Wahrfcheinlichfeit, daß ſolche Erſche 
nung des Herrn Buͤffon und Needham trü, 
lich gemefen. Ferner bat derfelbe den Schwar 
der Samentpierchen, nahe am $eibe, nach Propo 
tion, fo breit wie bey den Laichfröfchen, und he 
ihn ben allen und jeden Samenthierchen, und i 
einer fehlängelnden Bewegung gefehen. Folglic 
iſt dieſer Schwanz ein natürlicher Theil des Thier 
chens, undes iſt unrichtig, was Hr. Buͤffon fage 
daß es nur ein allerwärts gleich dünner Faden fer 
der ihnen von einer fremden Plebrichten Materi 
anhänge, und endlich abfalle. Herr L. faget, da 
bi 


*) S. benfelben p. 10. IT. 14. 15. 26. fq. 





nicht von der Welt entfprunget. 99 


bie Ihierchen ja wohl zumeilen mit ihrem Schwanze 
irgent wo befleben bleiben; allein das entſtehe bloß, 
wenn bie Samenmaterie ausgebunftet und zaͤhe 
geworden war; fobald er aber etwas Waller dazu 
gemifher, hätten fie ihren Schwanz bald los gen 
mache; und wären damit fren herumgefchwommen, 
Was aber das vornehmite ift, fo bat Herr 2. die 
Gamenthierchen in frifhem Samen alfobald, 
aber nicht länger, als etwa 2 Stunden, fehen fünnen; 
hernach wurden es tobte Globuli fo wie im Gebluͤte 
find, und wie fie Herr Buͤffon nad) vielen Etun« 
den ja Tagen gefehen hätte. + Es hat alfo Herr 
G 2 Buͤffon 


+ Wollte man dem Herrn Ledermuͤller allein darinn 
nicht trauen, fo kann icb mich auf Die völlig eins 
flimmige Erfahrung des jungeren Herrn Alerander 
Monro berufen, die in deilen Disf. inaugurali de 
teftibus et femine in variis animalibus, Edimb. 1755. 
8. p. 60. not. mit diefen Worten befchrieben mird. 
Corpuscula hac, (qua cx motu vario, nunc tardiore, 
nunc citatiore, nunc antrorjum, nunc adlatera, nunc 
retror fun, ex concurfus vitatione, ex caudz actionez 
quam inflar gyrinorum vibrant, animalcula non dubie 
dixerim,) intra paucifjina falten minuta fecunda, 
non illico, vifunsur, et corporis fieura gyri- 
wos non parum referunt - Sub vite aut motus 
exitum, dum multum languent, caudis liquori lenio 
vel exficcaso fere offixis, motu quidem ofcillatorio, 
ob virium defedum, corpora agitantur. Poſt 4 ho- 
yas emortua neflris experimentis veperiuntur, Et 
bominis 24 boris emortui veficulis feminalibus fernen 
extractum nulla animalcula exbibuit: nee adhuc cor- 
pufcula variis formis et figuris, majora et minora, 
bipartita, alia minora e primis mortais refufcitate, 
unquam mibi ebfervabantur , et femen putredine ß- 

Iutuss nulla animalcula exhibet. 








100 Ul Abh. Daß Menfchen und Thiere 


Buͤffon die wahren lebendigen Eamtenthiere gar _ 
nicht gefehen noch fehen Pönnen. Und daher fällt 
auch die Hauptſache weg, als ob er nebft Herrn 
Needham ihre Erzeugung aus einer rohen Ma⸗ 
terie beobachtet habe. 


$ 5. 


Allein, dieß fen genug von der Herren Buffon 
und Needham ihren wnrichtigen Wahrnehmun« 
gen und darauf gebauten Hypotheſen. Die Sade 
felbft ift jeboch dadurch noch nicht entfchieden. Es 
fraget ſich: find denn wirflid) lebendige Thierlein in 
dem Samen der Thiere, in dem Echabels an un» 
fern Zähnen, in dem faulenden Blute, und in an 
dern Säften von Fleiſche oder Pflanzen? und wen - 
dergleichen find, woher entftehen fie? 

Es ift fein Wunder, da dergleichen mikroſte⸗ 
piſche Thierchen zuerft durh Leeuwenhoeks 
Briefe befannt gemadyet wurden, daß manche fonft 
vortreffliche Naturfündiger feinen Wahrnehmungen 
nicht trauen wollten, und ihnen fo gar aus ihren 
eigenen mifroffopifchen Wahrnehmungen wider⸗ 
‚fprachen. Denn es hatte faft niemand fo gute 
Mikroſtopien, als Leeuwenhoeck, und manfeug- 
nete Daher, was man durch die vorräthigen Wer» 
größerungsgläfer nicht fehen fonnte; zumal, da 
die Sache an ſich parador fchien, und eine ganz neue 
unfichtbare Welt einfuͤhrete. Wenn auch gleich feit- 
dem die mifroffopifchen Werkzeuge fehr verbeflert, 
und zum gemeinen ®ebrauche gefommen waren; fo 
‚erforderte es doch Kunft, Anweiſung, und viele 
Hebung , fich derfelben vortheilhaft zu bedienen. 

Und 





nicht von der Welt entfprungen. 101 


Und ich kann daher noch jegrlebende berühmte Män« 
ner anführen, welche dergleichen Thierchen mit ci» 
nem lieberfühnifchen und Fampiichen Mifroffopio 
vergeblich gefuchet, und alfo für ein Blendwerk er. 


fläret haben *). Ich will auch wohl geftehen, daß 
G 3 | 


6) 


im 


Es hat noch im J. 1756. Herr Petrus Ern. Aſch 


aus Petersburg eine Diff. zu Goͤttingen edirt, de 
natura fpermaris obfervationibus microfcopicis in- 
dagata, worinn er feine Wahrnehmungen vermit: 
telit eines kampiſchen Mitroffopd an dem Samen 
der Menichen, Hunde, Rasen, Kaninichen, Hahne, 
Fiſche, und an den GSaften ber thierifchen Theile 
und Pflanzen beſchreibt, und dadurch allerwartg 
nichts beobachtet hat, als einerley Kuͤgelchen ohne 
Schwanz, welche feine andere Bewegung geauffert, 
ald die vom beygemifchten Waſſer und beffen Er: 
ſchuͤtterung, oder von der Yuft, Sonne, Faͤulniß 
und Schärfe entftanden ſeyn konnte. S. Bötting: 
fie Anzeigen 1756. p. 417. fg. Es hat auch Herr 
Jo. Guſtav Wablbom, oder vielmehr fein Praͤſes, 
der Herr Archiater von Linné, ein wahrhaftig 
großer Dann in der Naturgefchichte, in der Difp- 
de Sponfalibus plantarum $ 13. (Amoenitt. Academ. 
T. 1. p. 79- fq. nach der Leidenfchen Ausgabe) diefe 
Thierchen mit einem Lieberkuͤhniſchen Mikroſkopio 
nicht entdecken koͤnnen, und halt daher das, mas 
Leeuwenhoek für Thiere angefeben, für nicht? ans 
ders als für älichte Theilchen, welche auf dem war: 
men Samen einher geſchwommen. Ja er jaget ganz 
dreift in dem Ii Vol. Amoenitatum p. 434. (collato 
Vol. VI. p. 4. fq.) Verbo dicam: Vermiculi did 
im genitura à Leeuwenboekio detecli et pro animalcn- 
Is motu proprio gaudentibus falutati, mera com- 
menta funt. Corpufeula enim hæc motu proprio de- 
fituuntur, carentque attributis vitæ proprüs. Man 
ſehe aber, was in dem allgemeinen Magazin a 
| p. 


102 II Abh. Daß Menſchen und Thiere 


im Gegentheil einige von denjenigen, die ſehr g 
mie Mikroſkopiis umzugehen gewußt, zumeil: 
ſolche Wahrnehmungen mit einſtreuen, welche d 
Verdacht erwecken, daß ſie durch ihre ſchoͤpferiſc 
Einbildungskraft manches, mas fie nicht klar uı 
deutlich genug fahen, auggebilbet haben möchte 
Dergleichen fcheinen aud) in des Herrn Jobl 
und Hill ihren fonft vortrefflihen mifroffog 
fhen Wahrnehmungen mit unterzulaufen; die mo 
in den befondern Fällen ein Mistrauen erweck 
koͤnnen f. Allein, diefe geſchickten mikroſkopiſch 

Beoba 


p- 195. ſq. in der Anmerkung, dagegen erinn 
wird: unter andern, daß Lieberkuͤhn ſelbſt, na 
dem Briefe, welchen Zamberger feiner Phyſiolo— 
eingerudet bat, die Leeuwenboekiſchen Thierch 
allezeit für wahre Thiere gehalten babe. Das 
ein lehrreiches Beyſpiel, wie behutſam nr fe 
müfle, aus dem Mangel feiner einenen Erfahru 
einen folchen Schluß zu ziehen, Daß des andern fei 
Erfahrung falfch ſey. 
rt Herr Joblot bat ein ſchoͤnes Werk herausgegebe 
Obfervations d’Hiftoire naturelle faites avec le A 
erofcope fur un grand nombre d’ Infedtes, et für 
Animafeles qui fe trouvent dans les liqueurs pr&j 
rces, et dans celles qui ne le font pas. Paris 17: 
4. 11 Tomes, Go viel guted und wahres aber ai 
in den Buche enthalten ift, fo bat er doch hin u 
wieder feiner mahleriſchen Ausbildung zu vielna 
gegeben. Davon ift Dasjenige Thierchen (T. IP. 
. 57. fg. Tab. VI. n. 12.) ein ausnehmender 2 
is, auf beffen Ruͤckenſchilde ein fürchterfid 
Schnurbartsgeficht fo deutlich abgebilder ift, als 
ed nach dem Leben eines Menfchen gefcbildert wa 
ch geſtehe auch gern, daß es meinen Begriff uͤb 
ist, was Herr Jo. Bill in feinem ae wei 
opi 





nicht von der Welt entfprungen. 103 


Beobachter ber kleinen Welt ftimmen, nebft vielen 
andern, doch überhaupt anallen Orten, darinn 
vollfommen überein, daß fie in den Saͤften der 
Thiere, befonders des männlichen Samens, in den 
Säften des thierifchen Fleifches und der Pflanzen, 
in dem Kleiſter, dem Heuwaſſer, Pfeffermaffer, 
u. ſ. m. eine Menge verfchiedener wirklich lebendiger 
und fich millführlich bemegender Thierchen aufhal⸗ 
tn. Und fo viele einftimmige Zeugniſſe geübter 
Männer, an verfchiebenen Orten, von einer und 
derfelben Sache, müffen auch fire diejenigen, wel⸗ 
he felbft bisher Feine Augenzcugen Davon werben 
© 4 fin. 


— — 


= ig EEE - 


topifchen Verſuche (Hamb. Maq. XII B. p. 377. ſq) 
unter andern mifroffopifchen S;hierchen, (deren er 
8 verſchiedene Arten beobachtet,) an einem. Thiers 
ben einer Infuſion gefeben haben will. Er hat 
daran alle Theilchen baarklein entdecket, und wahr: 
genommen, wie es mit feiner fagenförmigen Krebs: 
ſcheere etwas von einem Gantentheilchen der Pflanze 
ordentlich abgefaget , ſolches abfallende Stuͤck mit 
der Scheere ergriffen und es auf die flache Eeite 
des andern Gelenkes der gegenfeitigen Klaue geleget, 
und da mit Neberfchlagung dev crften Klaue, al 
eines Feile zerrieben und gemahlen, endlich aber 
mit den zufammengefaltenen Gelenken in den Mund 
efchoben habe. Daß heiße ich genau fehen Fönnen ! 
Der Kımfltrieb an fich ift mir nicht gu wunderbar: 
wir haben dergleichen an der Siebbiene. Aber ich 
fage noch, ed fey mir zu hoch, daß einer dergleichen 
eBerkjeuge und verichiedene Handlungen an cinem 
fo kleinem Infuſionsthierchen follte fo genau unter⸗ 
ſcheiden können, und ich weis mich nicht zu entſin⸗ 
nen, daß Leeuwenhoek irgendwo dergleichen ſubtile 
Wahrnehmungen von ſich geruͤhmt haͤtte. 


"104 11966, Daß Menſchen und Thiere 


koͤnnen, hoͤchſt glaubwuͤrdig ſeyn. Und uͤberhaup 
‚giebt Das argumentum negans, ceteris paribus, i 
der Erfahrung, beſonders der Kunſterfahrung, mı 
nig wider ein argumentum affirmans. Wer fage 
ichihabe es gefehen, erfahren, und mit Fleiß qu 
dieſe Weife beobachtet, verdienet mehr Glauben 
als wer bloß faget, ich hab es nicht gefehen, erfahre 
oder beob achtet, 

Wenn wir. denn die Wahrheit der. mikroſkop 
ſchen Thierchen billig vorausfegen: woher. follte 
doch Diefelben wohl entftanben fern? Wir möge 
die Augen noch fo ſehr fchärfen und. ftärfen: | 
wird. die Frage Doch durch eine bloße Erfahrum 
nicht zu beantworten feyn , fondern es wird ai 
Schlüffe aus den gefehenen Umftänden anfomme 
Denn felbft die gefchidteften Beobachter mikröfki 
pifcher Thierchen, welche in ihren Wahrnehmui 
gen vollfommen übereinftimmen , geben ung gat 
verfchiebene und. wieder. einander. laufende Erfl 
rungen ihres, Entftehens. Herr Buͤffon ſah ebe 
das nur fir organiſche Theile. eines Thieres aı 
was. Lrecöhbam für völlige Thierchen anfal 
Beyde, nebit Sonanni, Hill und Wrisberg dei 
ten das gefehene als eine generationen fpontaneaı 
aus , was Poblot, Bonner und andere für eir 
Entwickelung der Eyerchen halten. Ein Zeiche 
daß ihre Erklärung Feine reine Erfahrung, fonder 
eine Schlußfolgerung fey. Und mwie wollte auch i 
gend ein Menfch die Kräfte der Dinge, welche a 
fih) was Geiftiges find, und zumal Kräfte, meld 
in den Eleineften Urftoffen, Atomen oder Monabde 
ſtecken, und deren unmittelbare Art zu wirken, ob: 

d 





alba der Melt enffprungen, 105 
xſte Zufammenftgung der allerfleinften Koͤr⸗ 
yen, mit Mikroftopüs feben Fönnen? Das ift 
alles viel zu grob, was wir durch Mitroffopia 
I: Safler ung aufrichtig handeln; mir fchließen 
"aus den gefehenen Umftänden, Welche find 
Haber die Umftände? Ich will fie aus den 
meueften Wahrnehmungen des Göttingifchen 
en Profeffors Gent, Aug. Weiſberg entich- 
+.*). ungeachtet berfiben bey folchen Fleinen 
inch, der Erzeugung aus einer faulenden Ma- 
#geneigt zu ſeyn fcheint. Cr geftehe Sect, III, 
Hiner- Epicrifi, daß zur Erzeilgung biefer hir 
% Luft; zine mäßige Waͤrme und Waſſer, oben 
mehe vegerabilifche und animglifhe Theile in 
ı Waffer, ſchlechterdings nöthig find: und üßret 
on.. A an, welcher fehreibt, daß ohne &uft 
‚ürfprängliche Erzeugung von Tplerchen fegen, 
öglich fen, und, Daß er einen Verſuch mit Kalb⸗ 
——— ſigiulirten Gefäße gemache, 
es zwar nach Monaten in eine weiche Päppe 
angen, aber feine Spur von einem lebendigen 
erchen Dariım, anzutreffen geweſen: ja daß nieht 
nal eine jebe Suft, fonbern ein aer .debitus ap- 
m ad nafcendum, vegetandum et confervan-. 
dazu erfordert werde; welches ich nicht an« 
[ Fe oa ann, als daß die Luft mit fremden, 
an if gfömingen (un: P wie Sem 
5 


derſelbe 
Ang. Welsberg D, Med, Ans, arıue Art, 
*22 Pref. regii Obfervationum de Animalcu- 


is infuforiis, Sacura, (eine Preisiihrift), öl 
"1765. 8. 





Fı 


106 IlAbh. Daß Menſchen und Thiere 


derfelbe mit dem reinen Quellmaffer gar fei 
Thierchen, aber mit den Kegenwaffer die Men, 
Thierchen hervorbringen Fonnte.e Und Joblı 
(T. I. P. II. p. 3) ſchreibt gleichfalls, daß er aı 
einem wehlverwahrten Gefäße mit dem reinftı 
MWeineflige fein einziges Schlänglein befommı 
habe. Und f5 iſt mir aud) von dem vortrefflich: 
Muſchenbroek berichtet worden, daß er feiı 
Verſuche wegen der Ynfufionsthierchen gar behr 
fam fo angeftellet, daß er die Materie zuvor m 
fiedendem Waſſer präparirt, das Glas wohl m 
Stöpfel und Kütte verfchloffen, dann nach gera 
mer Zeit ben der Eröffnung in der faulen Mater 
alles Leblos gefunden habe; aber cben darum ha 
er die übrige faule Materie in dem eröffnetem Gla 
nachdem er einen Theil davon befichtiget, foglel 
weggefchüttet, Damit nichts fremdes unvernterf 
bineingetragen werben Fönnte. Faſt eben diefel 
Erfcheinung hat auch Herr Wrisberg felbft 
habt, da er über dag Regenwaſſer, welches für 
fo leicht Thierchen erzeuget, eine Linie hoch Oliven 
gegoffen, und es Damit achtzehn Tage im Sommer fi 
ben laffen, und dennoch nad) der Zeit weder Fd 
lung noch Thierchen darinn wahrgenommen; ha 
gegen babe er, mit einem fparfamer zugegoffen 
Mandelöle, das nur einige abgefonderte Augen 4 
ber Oberfläche feßete, die gewohnte Fäulung u 
Thierchen in dem Waffer gefunden. Unterdeſſe 
da diefer erfahrne Mann dennoch in andern Ma 
rien eine Faͤulung bey abgefchloffener $uft zuftef 
worinn jedoch hernach gar Feine Thierchen befin 
lich find: follten wir denn nicht vielmehr ur 

t 





.s 


inet Wen entfprungen. 07 


A —— Biufung an ſich keine Mrfache ber Er⸗ 
geng ber Thierchen ſeyn koͤnne, woferne niche 
or vorher bie organiſchen Entwürfe eines Thier- 
as in der Feuchtigkeit ſind, oder nachmals mie 
F.fuft Hineingetragen werden, daß fie ſich in der 
* Materie ferie entwideln im? Er beruft 
"deiffig auf —e— und VNeedbams 







gezo⸗ 
mas der von biefen Herren ihren mikro⸗ 
chen- Beobachtungen urtheilet: ober Daß er - 
wen Zulofg Urcheil zu der Ueberfegung diefer 
lehrheiten p/ 86. (b) gelefen Hätte, ba er. ſaget, er 
burch die einfachen Mifroffopia überzeuget wor⸗ 
2 daß en habe, err Den er A ganz 
gefehen Habe, on aber fü * 
Herrn Wrisbergs eigene Ab 
ſtellen uns nur Entwickelungen von Dolypen 
‚ welche doch befannter maßen von andern 
elypen ober deren belebten Theilen entfiehen. Ich 
wifefe aber, daß fich alle Arten der Jufuſions- 
erh zu den Polypen redueiren laffen, und daß 
rhaupt ber erfte organiſche Bau eines 
—— bloßes Principium asſimilationis 
Aoſophiſch erffären laſſe. Daher wird auch wohl 
MAuſchießung der Salze in einerkey determiniv⸗ 
R. Figuren Bier feine —— thun. Daß 
flarigen verſchiedener jede ihren dienlichen 
lahrungsſaft an ſich It — — ſo wie bey 
hleren, vermittelſt des organiſchen Baues Pin 
n 


Say: 


5 


⸗ 


108 I Abh. Daß Nenſchen und T 


ſchon da iſt; und folglich erlaͤutert es unſe 
gar nicht. Wenn der Schimmel, ohne 

und Mutter, zu einer Pflanze gediehe: ſo w 
ſelbe näher zur Sache kommen; aber ich) mwı 
ob Herr Linnsus, Gleditſch und ande 
nici Damit einig fenn möchten, welche deffi 
ganifche Pflanzenftruftue und wirkliche B 
darlegen. Und eben dieſes Beyſpiel a 
Dflanzenreiche ift wider die generarionem 
neam im Thierreiche, Können unfichtbare 
von Schimmelpflanzen durch die Luft alle 
ausgeftreuet werden, und fich in einer d 
Materie geſchwind entwickeln: warum Fin 
auch eben fo Fleine unfichtbare Thierchen | 
ren Ener die $uft, wie einen Samenjtaul 
waͤrts binträge? Es wäre im Pflanzenreic 
ber die allgemeine Kegel und Ordnung ber 
daß alles aus dem Samen entfprießt,) ı 
gefchloffen: ich ſehe niche, ich begreife ni 
bier ein Schimmelfamen hätte herfommen 
alfo gieb: es doch auch zumeilen Pflanzen, 

- Mutter und Samen entftehen. Eben fo wü 
auch zu voreilig gefthloffen : ich fehe, ich begre 
wie ein Thierey in der Luft hat herumflieg 
in diefe Materie kommen Eönnen; alfo 

doch auch einige Thierchen, welche wider 
gemeine Ordnung , ohne Mutter und 
durch bloße Faͤulung aus roher Materie 
werden. Herr [Wrisberg fieht diefes gar ı 
aber dieß feger ihn in die Nothwendigkeit, 
allgemeine Kegel und Ordnung der Natur 
efle ex ovo, Zweifel zu maden. Er ni 





war von der Welt ehtfprungen: 109 


pie ebenbiefen infuloriis corptifculis het, davn 
„enge iſt, 2) von den-vegetabilibus, ale mu- 
ie, mulcis, funyis, davon ich ſchon geſaget babe, 
2) gar von größeren vwierfüßigen und ändern 
wumd Fiſchen. Ich bin aber völlig ver- 
bdaß Herr W. nach feiner; ſcharfen Einficht, 
Welle Ge⸗ 


J 


y 


er eine. Welle auf Die Antworten Tines 
es benfeh-moßte, fich felbft leicht eine zuttichende . 
| auf dieſe weiſel geben koͤnnte. Summa, 
Niemanden bisher weder gewiß noch 
Ifipeihtic, weder aus der Erfahrung, noch aus 
heipis phyfico-metäphyficis erwieſen, daß es in 
aganzen Natur, im Pflanzen. oder Thierreiche, 
‚Großeh oder Kleinen, eine urſpruͤngliche Erzeu⸗ 
ng neuer einzelnen Pflanzen oder Thiere ober wie⸗ 
Arten davon, Aus einer rohen Materie, durch 
we Zaͤnlung und Gaͤhrung, geſchehe ober geſche⸗ 
a konne; ſondern Erfahrung, Analvgie und Vet⸗ 
fe find dagegen, und aller Schein des Gegen⸗ 
nis brzieht ſich auf unfichebare Kleinigkeiten, bie 
er entweder an ſich unrichtig beobachtet find, über 
raus unrichfig ex argumento ignorantiz gefchlofs 
ı wird; fo wie man vor Zeiten auch von größe 
s Thieren , bie den bloßen Augen fichebär find, 
5 Mangel richtiger Erfahrungen und Schlüffe, 
e getierationemaequivocam glaubete, Warum 
gt die Natur, wenn fie Millionen neue Thiere 
twerbringen fann, ihre ungeheure Fruchtbarkeit 
de ſichebarlich in der Schöpfung eines ein⸗ 
—ã groͤßeren Inſekts, oder vierfuͤßigen 


By 


m 
ns 








a 


66. 


% 


110 1165, Daß Menſchen und Thi 


6. 

Es iſt alſo wenigſtens von allen organ 
bildeten Thieren in der That und Erfahrung 
falſch, daß jemals aus faulender roher 9 
durch Gaͤhrung, ein organifcher Körper ı 
lebendiges Thier entftanden wäre; ober t 
Vermögen und eine Kraft zu ſolcher Erzeu, 
ber ganzen Welt und deren Natur zu fint 
Wenn die Matur folches jemals fähig und 
het geweſen waͤre, zu thun, und wirflich gethaı 
fo würden wir auch noch jeßt, hie und da, 
ten Schlamme, an der Sonnenhige, halb ot 
gebildete, geftaltete oder ungeftaltete, neue ı 
befannte oder alte und befannte Thiere an 
Denn die Natur iſt fich felbft allezeit ähnlid 
von gleichen Kräften, Laufe und Ordnung. 
diefelbe Erde, davon fich nicht das geringfte | 
chen entfernet bat; und fie wird von eb 
Sonne, mit gleicher Wärme, in einerley ? 
felung befchienen, wie vorhin. Wenn al 
Natur eine folhe Zeugung der Thiere n 
bräd)te : fo müßte fie auch noch geſchehen. 
gen Finnen wir ficher fchließen: wenn ihre 
dergleichen Zeugung jetzt nirgend wirfet oder 
fo bat fie es auch zu Feiner Zeit gethan. 
aber das Sand, der Moraft, der Schlam 
auch nur Misgeburten von Menfchen, Elep 
Kameelen, oder von Pegafen, Sphungen uı 
pocentauren, ja wo fleinere Thiere und \} 
aus dem Kothegebrütet würden? Keiner wi 
tiges Tages fo unverſchaͤmt, oder fo dumı 
daß er dergleichen, zumal von größeren J 
oo: 


- 





- nicht von der Welt entfprungen. nı 


wirflich gefehen zu haben, vorgeben follte. Dem⸗ 
nach kann es auch nimmer in der Welt durch die 
Natur geſchehen feyn. 

Was bleibt denn noch) weiter für eine Ausflucht 
übrig? Keine, als biefe, welche, zu aller vernünfe 
tigen Leute Erſtaunen, ein neuer Demetrius aus 
dem rohen Alterthume wieder entlehnet, und aus 
| feiner Feder fließen laffen: Die Natur fey nunmehr 
"dt, fie habe an Kräften abgenommen, fie habe 
I einmal aufgehöret, zugebähren, * Wie? ift denn 
dee darinn liegende, Widerfpruch niche offenbar ?- 
Die Welt, die Natur, foll das erfte felbftändige, 
nothmenbige, ewige Wefen feyn: und doc) foll fie 
veränderfich.feyn, abnehmen, ihre Kraft verlieren 
unvolllommen werden? Dieſes leßtere hebt das 
erſtere auf. Ein Ding, dag fich verändert, kann 
nicht nothivendig , das abnimmt und aufbörer, 
nicht ewig, und, vermöge bendes, nicht felbftändig 
fm. And wie fann man ſich in dem Ewigen eine 

Jugend 


4 De la Mettrie Syfteme d’ Epicure 6 10. Mais Is 
| Terre nel plus le berceau de P Husmanite! on ne la 
ı voit poins produire d’ Hommes! Ne lui reprocbens 
point fa flerilise adluelle; elle a fait fa portie de ce 





core la. Une vieile Poule ne pond plus : une vieille 
femme ne fait plus d’ enfans. 
Lueretius LI, 1130. 
Famıque adeu affeda efl atas, effoetaque tellus. 
Vix animalia parva creat, qua cunda cresvis 
Secla, deditque ferarsın ingentia corpora parts, 
V. 924. | 
Sed quin finem aliguam pariendi debet babere, 
Deflitit, as mulier [pasio defeße voruflo ae, 


12 1165. Daß Menfchen und Tpiere 


Jugend und ein Alter gedenken? Es koͤmmt nı 
dazu , daß diefe Ausflucht felbft wider alle Erfe 
rung ift: indem feine Eörperliche Kraft in der ge 
jen Natur, fo weit menfchlidye Nachricht in | 
vorigen Zeiten reichet, im geringften abgenomme 
alles ſich jego in derfelben Art und Stärke re 
und fortpflanzet, wie fonft gefchehen if: We 
auch diefes möglich wäre: fo würde Die Welt, u 
ewigen Syahrhuriderten her, längft in ein mäfi 
Chaos, oder in einen träge Klumpen verf 
len ſeyn. | 


Sn 

Es iſt aber noch eine andere Ungereimtheit 
diefer Meynung, welche ich nicht mit Stillſchw 
den übergehen Fann. Man hat nicht genug, | 
Natur voriger Welt, wider alle Erfahrung u 
Vernunft, eine jegt veraltete Zeugungskraft an 
dichten ; fondern eben diefelbe Zeugurigsfraft: | 
auch ohne Regeln der Ordnung, blindlings, u 
auf ein Ungefähr gerwirfer haben. ine bloße? 
wegungskraft, die ohne Leben, ohne Werftänd u 
Abficht handelt ‚ die in ihrer wefentlicheri Beſch 
fenbeit feinen Grund der Ordnung und Uebere 
fimmung eines thieriſchen Körpers enthält, ' 
erft, durch eine wuͤſte Gaͤhrung, milliönen mal ı 
geftalte Misgeburten erzeuget haben, bis es einn 
durch einen ungefähreri Zufammenflug der. U 
ftände gelungen, daß ein gefundes, wohlgebilde 
Thier herausgefommen: welcher Fall, wie fiem 
nen, unter fo vielen unnuͤtzen Verbindungen, 
der ungefähre Zufall enthält, doch auch. e 

| Mögli 





h) 


- nicht von der Welt entfprungen. 113 


Möglichkeit habe, und in fo vielen taufend Jahren 
auch einmal zur Wirklichkeit habe kommen 

fünnen. ° 
Die Leute müffen ja wohl durchaus allem dem, 
was Berftand ift und heißt, gram ſeyn, meil fie 
Hieber alles wüfte und wilde in der Welt, als eine 
veftändige Kraft, leiden fönnen, und auch das or« 
dentlichſte lieber aus der Unordnung , als aus Abs 
ſichten, erflären. *° Die mehreften der Alten was 
ten boch in dem Stücke kluͤger, daß fie noch einen 
Verſtand, der fich durch die ganze Natur erſtrecket, 
(Mentem per rerum naruram intentam) zuließen. 
Auch die, melche eine Seele der Welt gefeger, bie 
ihren Körper in vielerlen Geſtalten verändere unb 
ilde 


$ Lucretius V. 835. ſqq. 


6 De la Mettrie Syfteme d’Epicure $ 4. Comment 
prendre la Nature für le fait? Elle nr 3’y efl jamais 
‚fe elle. mẽme. Denuce de connoijlance et de Jenti- 
ment, elle fait de la foye, comme le Bourgeois- Gen- 
silbomme fait de la Profe, fans le favoir: auli 
svengle, lorsqu’elle donne la vie; qu'innocente lors- 
quelle la detruit. 5 18. La Natuve n'a pas plus 

- fonge a faire l’oeil pour voir, que leau pour fervir 
de miroir & la fimple Bergere. $ ı9. N’ya.s-H 
pas eu un Peintre, qui ne pouvans repréſenter a [on 
gre un cheval ecumant, scuffit admirablement, fıt la 
us belle ecums en jettans de depit fon pinceau für 
soile? le bazard va fouvent plus loin que la pru- 
dence. 6 24. Us arrangement fortuit donnant les 
mörmes privileges q’un arrangement fait expres aves 
sonte l'imduflrie pofhble, a valm a cette commune mere 
un bonnenr que meritent les ſeules leix du mouw- 
mens. cxc. 

9 


114 11965. Daß Menfchen und Thiere 


bilde, ſcheinen doch alle Wege ertraͤglicher zu ſer 
Warum ſoll aber die erſte Kraft fuͤhl⸗ und lebli 
unverſtaͤndig, blind, und ohne Regeln der O 
nung fenn? da doch lebendige, empfindende u 
verftändige Geſchoͤpfe, die mit einem kuͤnſtl 
gebauten $eibe begaber find, ja, da alle Ordnu 
und Webereinftimmung in der ganzen Welt, v 
ihr erzeuget, auch bis jego noch erhalten worden 


$ 8 


Es haben fich vernünftige Männer Müpe ı 
geben , die Ungereimtheit folcher ungefähren € 
zeugung der thierifchen oder auch größeren WW 
förper aus dem wilden Zufammenlaufe der Urſt 
fen auf marhematifche Weiſe zu berechnen; bay 
der Schluß etwa diefer ift, daß der eine Fall ei 
ordentlichen Zufammenfügung, der durch dag} 
gefähr möglich feyn foll, gegen die Vielheit deri 
ordentlichen Zufammenfügungen, fi) wie ein ı 
endlich Fleiner Theil (pars infinitefima) gegen e 
unendlich große Zahl verhalte, und daher als < 
nichts zufichten fey. ” And diefes ift fo ferne; 

reichend, den Unverſtand zu zeigen, wenn eü 
dennoch lieber einen blinden Zufall, als Weish 
und Abficht, zur Urfache der Ordnung annimn 
da jenes unendlich weniger möglich ift, als dief 
Es bemeift vollfommen, daß wir, die wir We 
heit und Abfichten zur Urſache der Dranung, 


7 Eiche Heren Samuel Sollmanns überzeugen! 
Vortrag von Gott undder Schrift, C. 1. Sect. 
$ 4. p. 100. fq. 





nicht von der Welt entfprungen. 115 


ben, nur um ein einziges unenblid) Fleines Theil» 
em, (partem infinitelimam) von der allergrößten 
eroißheit, daß diefes wahr, und das Gegentheil 
Ifch fen, entfernee find. oo. 
Wir fegen nämlich als befanne voraus, ba 
einem thierifchen Körper Millionen- Theile, ver- 
ebener Urt, zu folcher Lebereinftimmung ges 
acht find, welche aller Menfchen Erfindung, 
is, Verftand und Weisheit unendlich weit über« 
ige, wenn fie: die Abjicht gehabt haͤtten, 
ien thierifchen Körper zu entwerfen und zu bilden, 
aß es nun höchft ungereimt fen, diefe Ueberein- 
mmung in einer folhen Menge von Theilen 
8 einem ungefähren Zufalle abzuleiten, dag 
ag uns ein befanntes Gedichte des Virgils, 
sneis genannt, erklaͤren. Es ift zwar viel zu we⸗ 
g, wenn wir die Buchſtaben in Virgils Aeneis, 
ie der Menge der förperlichen Theile eines Thies 
5, undden Verftand, den ein virgilifches Gedicht 
verfertigen erfordert, mit dei Weisheit, melche 
e Bildung eines thierifchen Körpers gehöref, in 
ergleichung ftellen, Unterdeſſen mag” fürs erfte 
es in die Stelle des andern freten, und wir 
len eine Weile zuftehen, daß durch ein Unge⸗ 
hr, in benden Fällen, unter unendlich vielen ver⸗ 
beten Verbindungen der Buchftaben und Theile, 
ch auch eine übereinftimmende möglich waͤre. 
zuͤrde es nicht dennoch höchft ungereimt ſeyn, 
mn einer gefraget würde, wie das virgilifche 
ebicht entftanden wäre, daß er lieber einen un« 
fähren Wurf der Buchftaben, als einen Ver—⸗ 
md, zur Urſache annahme? Ich daͤchte, man 
53 würde 





316 11965. Daß Menfchen und Thiere 


“würde denjenigen , ber bag ſagete, für unfinn 
halten, weil der einzige mögliche Fall in dem Ling 
fähr, gegen fo unendlich viele unmögliche, von fi 
nem vernünftigen Menfchen in Betrachtung. 
ztehen, vielmeniger der anderen offenbaren und be 
nahe einzig nothwendigen Urſache vorzugi 
hen märe. 


Man rechnet, daß 24 Buchſtaben über ta 
ſend Auinquillionen mal verfeget werden koͤnne 
Da nun die Aeneis ungefähr 363780 Buchſtab 
enthält, jo find darinn die möglichen Verſetzunge 
gegen die Verfegungen von 24 Buchitaben, ſe 
für unenblic) wenig, und die einzige unter denfi 
ben, melche ſich wirflich in der virgilifchen Aene 
befindet, alseine pars infinitefima, oder ein unendfi 
Pleiner Theil der unendlid) vielen möglichen We 
bindungen zu halten. Wenn man nun ein 
Schriftkaſten nahme, darinn eben diefelben, u 
eben fo viel Buchflaben, als in ber Aeneis ve 
fommen, enthalten wären ; man fchüttete aber bi 
Buchftaben in einen Sad durch einander, u 
griffe fie blindlings nach einander heraus: fo waͤ 
der einzige Fall, da die virgilifche Ordnung vi 
ungefähr durchaus getroffen werden follte, gegt 
die unenblich vielen, da es unmöglich wäre, gi 
nicht in Betrachtung zu ziehen. Was ift aber d 
Zahl von 363780 Buchſtaben gegen bie Vielh« 
der Theile im ehierifchen Körper, und noch vi 
mehr gegen die Vielheit der Theile in der ga 
Welt? Wie viel unendlicher ift demnad) isremb 
liche Verfegimg ?. Wie viel unmoͤglicher, folglid 





nicht von der Welt entfprungen. 117 


daß ein Ungefähr Die einzig übereinftimmende Ord⸗ 
nung hervorbringen follte? *) 


$ 9 


Allein, ich halte dafür, dag man ſchon zu viel 
einräumet, ob follte jemals eine Uebereinftimmung 
in dem Mannichfaltigen durch ein Ungefähr moͤg⸗ 
ii feyn. Denn, wenn möglich fo vielheißen foll, 
als mas wirklich werden fann: fo gehöret zwey⸗ 
erley Moͤglichkeit dazu, dafi etwas wirklich merde, 
nicht allein eine iimere, ſondern quch eine äuffere. 
Die innere Möglichkeit, daß nämlid) etwas dem 
Mefen eines Dinges nicht wiberfpriche, ift allein 
nicht genug, daß cs wirflicy werde ; fondern es 
muß auch eine äuffere binzufommen, die den voͤlli⸗ 
gm Grund der Wirflichfeit in fich halte. 

Ich will es durdy das Beyſpiel der virgili- 
ſchen Aeneis erflären. Wenn in einem Schrift 
kaften nicht allein 363780 Buchftaben wären, fon« 
dern auch ein jeder Buchftab des Alphabets fo viel 
mal, als er indes Virgils Aeneis vorfömmt: fo 
hätte es, verindge der Buchſtaben, eine innere 
Möglichkeit, baß biefes virgilifche Gedicht ganz 

3 damit 


®% Cic, de Nat. Deor. II. 37. Mundum effici ornatis- 

Amuin es pulcerrimum ex corporum concurfione for- 
suita: boc qui cxiflimat fieri porijle ‚ non intelligo, 
car non idem pntet, fi innumerabiles unius et viginti 
forma litterarum, vel aureæ, vel quales libet, aliqua 
sonficiantur, poſſe cx bis in terram excusfis annales 
Ennii , ut deinceps le poffint, effici: quud neſcio 
anne in uno quidem verju pojis tantum valere 
fortuna,. 


F 


18 - 1165. Daß Menfchen und Thiere 


damit gefeßet werben, unb gefeget ftehen bleiben 
Eönnte. Die äuffere Moͤglichkeit aber müßte auch 
hinzu fommen , nämlich ein verftändiger Setzer, 
ber das Vermögen und ben Willen hätte, folches zu 
verrichten: wozu denn, uuffer vielen andern Um⸗ 
ftänden, auch gehärete , daß er feine Fehler im 
Segen machete, oder, fo er welche gemachet, Dies 
felben alfobald verbefferte, 

Menn hergegen entweder bie innere ober bie 
äuffere Moͤglichkeit, oder gar alle beyde zugleich 
fehlen: fo kann ich die Sache nicht möglich ‚ ſon⸗ 
dern ih muß fie unmoͤglich nennen, in fo ferne fie 
nicht zur Wirklichfeie kommen kann. Wenn alfe, 

- nach dem gegebenen Benfpiele, in dem Schriftka⸗ 

ſten ganze Buchftaben febleten, oder von manchen 
ju wenig, von andern zu viel wären, oder ſtatt 
der Buchftaben viele Ziffern, Moten, Calenderzeis 
chen, ober fonft etwas im Kaften läge: fo hätte ee. 
feine innere Möglichfeit, die Aeneis damit auf. 
ſolche Art zu fegen. Oder, mern zwar die Buch⸗ 
flaben ihre Richtigkeit hätten; es fehlete aber am 
Seger, ober deffen Vermögen, oder beifen Willen, 
oder an allen diefen: fo wird Feine äuffere Moͤglich⸗ 
‚Feit da ſeyn; die Buchftaben werden nicht von ſelbſt 
aus dem Kaften fommen, und ſich in die Ordnung 
dahin ftellen, 

Deuten wir biefes auf ben gegebenen Fall: fo 
fieht man wohl, daß fich derfelbe in zwo Fragen 
entwickelt: Einmal, ob es in Betrachtung des 
Schlammes eine innere Möglichfeit habe, daß 
daraus ein Thier werben Fönne ? Zweytens, ob es, 
in Betrachtung der Sonnenwaͤrme, und der dazu 

* kommen⸗ 


| Eu 
. 


nicht von der Welt entfprungen. 119 


fommenden ungefähren Gährung , eine äuffere 
Möglichkeit habe, daß dadurch ein Thier aus dem 
Schlamme entftche? Ich behaupte aber, daß Fei« 
nes von benden, weder innere noch äuffere Mig« 
lihfeif, Da fen, daß jemals aus einem Schlamme 
oder ſauler Materie durh Wärme und Gährung 
| ein Thier erwachfe, 


zn 


$ To. 


Was bie innere Möglichkeit betrifft, fo müßte 
alles, mas zum Thiere gehoͤret, nicht allein das 
förperliche, fondern auch, was wir zu feiner Seele 
technen, in Schlamme enthalten feyn. Sollen 
alſo Fleifch, Knochen, Knorbel, Sehnen, Haute 

| Klauen, Haare, Federn, Blut, Galle und andere 
Eäfte, aus einer Materie entftehen: fo müffen die 
verſchiedenen Beſtandtheile derfelben ſchon alle in 
der Materie vorhanden feyn; fonft werden fie aud) 
nimmer Fünnen heraus gebradht werden. Nun 
enehäft ja ein Schlamm und eine Erde nicht alle 
Beftandtheile eines thierifchen Körpers, fo wie er 
aud) den Thieren, die Daraus erwachfen feyn follen, 
zur Nahrung untauglich iſt. 

Dası find die wenigen Theilchen, welche etwa für 
thierifche Körper darinn ftefen, durch mehrere 
undienliche von einander getrennet, und an ſich in 
feinem geſchickten Verhältniffe; von dem einen zu 
viel, von dem andern zu wenig, von manchem gar 
nichts. Es ift ein Schriftfaften, worinn die mel« 
ften Buchftaben gar fehlen, andere im Ueberfluffe, 
andere! zu fparfam find, wiele fremde Zeichen mit 
unterlaufen. Gleichwie daraus die virgilifche 

j H 4 Aencıs 





i20 u abh. Daß Menſchen und Thiere 


- Aeneis zu ſetzen unmöglich ift: fo iſt auch aus dem 


Schlamme, natürlicher Weife , einen thierifchen 
Körper heraus zu bringen , unmoͤglich. Und we 
ſtecken vollends in foldyem Breye die Seelen, das 


$eben, die Empfindungs. und Vorſtellungskraͤſte 


bie eingepflanzeten Künfte und Fertigkeiten dei 


Thiere? das Gedächtniß, der Wig und Verftand,. 


u. ld 


die Einbildungseraft und die Vernunft und rege 


beit der Menfchen? j 
| x gs ım | 


Die äuffere Möglichfeit einer ſolchen Erzeu⸗ 
gung ift eberr fo wenig in der Matur vorhanden, 
Denn, wenn wir nach dem vorigen bedenken, daß 
die Beſtandtheile eines thierifchen Körpers, bie 
etwa im. Schlamme ober in fauler Materie ſtecken 
koͤnnen, theils viel zu mangelhaft und zu wenig, 
theils zu überflüffig und zu viel, theils mit gang 
fremden vermifchet, theils in gänzlicher Unordnumg 


find ; fo ift ja mohl offenbar, daß keine Wärme- 
ober Gaͤhrung vermögen fen, Theile beschierifchen 
Körpers, die in dem Schlamme fehlen, von hun⸗ 


dert entlegenen Orten in gemeſſenem Verhaͤltniſſe 
binein zu tragen; ober bie überflülligen und frem⸗ 
den, telche die irdiſchen und ſchwereſten find, hin⸗ 
aus zu fihaffen; oder auch die dDienlichften Theile im 


Ordnung und in die gehörige Stelle und Verbirk 


dung zu bringen ; vielmeniger ihnen $eben, Empfine 

dung, Vorſtellung, und andere höhere Kräfte, oder 
gar Künfte und Fertigkeiten, einzuprägen, 

Niemand wird fich ja fo gröblich irren, daß 

er fi) auf die Ausbrütung der Eyer durch bloße 

Sonnen 





nicht von der Welt entfprungen. 121 


nnen»ober Dfenmwärme beriefe. Denn dadurch 
de voraus gefeßet, als ob das Ey nur einen 
ten Rlumpen roher Materie in fich hielte, und 
a würde fo fchließen: Wenn die bloße Wärme 
Enern einen Vogel, oder eine Schlange oder 

hildkroͤte bildete, fo Förne die Sonnenwaͤrme 
h auseiner andern rohen Materie wohl die übri» 
Thiere gebilder haben. Allein, das ift weit ge- 
et. Ein jeder weis, daß das Weiße nebft den 
tter, und infonderheit die Cicarricula in dem 
gel des Eyes, fſchon alles in ſich begreife, 
zu dem Thiere und deffen Nahrung geböret ; 
nichts überflüffiges und unniges Darunter fen, 

daß jedes fchon fold;e Ordnung und Sage habe, 
der ganze Bau des nörpers, nad) allen ver- 

edenen, auch ben Fleineften Theilän, und nad) 
Ffünftlichen Stellung, welche es in einem folchen 
ume haben muß, erfordert. Wenn denn eine 
zaͤßigte Wärme den Funken des Lebens in dem 
uptpunfte (pundo faliente‘) rege gemachet: fo 
imt alles in Bewegung, das zarte Urbild ent» 
kelt fi), und gedeyet nad) gerade zu einer {yes 
keit, indem das Fluͤſſige zu deffen Nahrung ein» 
gen wird, Gchüttelt man hingegen dag Ey 
ber, und bringet dadurch die Theile in Unord« 
19: fo kann feine Wärme mehr aus eben den 
eilen etwas kebendig herausbringen. Aber 
5 in 


Siehe des Marcelli Malpighii Opera, die zu Lon- 
don 1686. fal, herausgekommen; da er Tomo I. de 
ove incubato, Tomo I]. de formatione pulliin eva 


handelt. 





112 IT Abh. Daß Menfchen und Thiere 
Jugend und ein Alter gedenken? Es koͤmmt noch 
dazu , daß diefe Ausflucht felbft wider alle Erfah | 
tung iſt: indem Peine Eörperliche Kraft in dergame« - 
jen Natur, fo weit menfchlidye Nachricht in die 
vorigen Zeiten teichet, im geringften abgenommen ; 
alles fich jego. in derfelben Art und Stärke reget 
und fortpflanzet, wie fonft gefchehen if: Wenn 
auch biefes moͤglich waͤre: fo würde die Welt, vom. 
ervigen Jahrhunderten her, längft in ein wuͤſtes 
Chaos, oder in einen traͤgen Klumpen verfal⸗ 
len ſeyn. 

$ 7 


Es iſt aber noch eine andere Ungereimtheit in 
biefer Meynung, welche ic nicht mie Stillſchwei⸗ 
den übergehen Fann. lan hat nicht genug, der 
Natur voriger Welt, wider alle Erfahrung und 
Vernunft, eine jet veraltete Zeugungskraft anzu⸗ 
bichteni ; fondern eberi Diefelbe Zeugungskraft foll 
auch ohne Regeln der Ordnung, blindlings, und 
auf ein Ungefähr gemirfer haben. Eine bloße Bes 
tegungsfraft , die ohne keben, ohne Verſtand und 
Abſicht handele , die in ihrer wefentlichen Beſchaf⸗ 
fenheit keinen Grund der Ordnung und Webereins 
fimmung eines thieriſchen Körpers enthält, fol 
erft, Durch eine wüfte Gaͤhrung, milliöner mal uns 
geftalte Misgeburten erzeuget haben, bis e8 einmal 
burch einen ungefähren Zufammenfluß ber. Um 
ftände gelungeri, daß ein gefundes, wohlgebildetes 
Thier herausgefommen: welcher Fall, wie ſie mey⸗ 
- tien,, unter fo vielen unnüßeri Verbindungen , bie 
- der ungefähre Zufall enthält, doch auch. eine 
Möglich 





1 





habe, umd in fo vielen ta 2 
“mal pe Wirthfet Sal fameka 


em. 8. 

Die $eute müffen ja wohl durchaus allem dem, 
‚hlles woüfte und wilde in der Welt, als eine 
Inbige Kraft, leiden firmen, und auch Das or⸗ 


n, erklaͤren.“ Die mehreften der Alten wa⸗ 
uch in dem Stuͤcke Plüger, daß fie noch einen 
kan, der ſich Durch Die günge Natur erfktecet, 
atem per rerum naturam intentem) zuließen, 
die, welche eine Seele der Welt gefeßet, bie 
: Körper in vielerley Geftalten verändere un 

. de 






metius V. 835. fgq. 
la Mettrie Syſteme d’Epicure 6 4. Comment. 
dire ia Nature für le fart? Elle we 3’y efl jamæis 
alle. mime. Denuce de connoil]ance et de [enti- 
ws, elle fait de la foye, comme le Bourgeois. Gen- 
Ibomme fair de Ia Profe, fans le favoir: aujf 
wagte: orsqn'elle denne la vie; qu’innocente lors» 
x —* $ 18. Le Natuve —* 
# a faire ' oeil pour voir, que l can pour fervir 
—— la fimple Bergére. $ 19. Nya.s-H 
u eu um Peintre, qui ne powvant repröfenter à ſon 
rs un cheval icumant, rinfht adwirableisent, fit le 
us deums en jettant de Atpit fon pinceanu 
ı90ile ? le bazerd va fouvent plus loin que la pru- 
mece. 6 24. Un errangemens fortuit les 
Uses privileges g’un errangement fait expris avec 
wis l’imdufirie pofible, a valn a cette commune mire 
u bouneur gue meritent les fünles leix de meunb. 
us. 6 ' 
— 


4 II Abh. Daß Denfchen und Thiere 


bilde, ſcheinen doch alle Wege ertraͤglicher zu ſey 
Warum ſoll aber die erſte Kraft fuͤhl⸗ und leblt 
unverſtaͤndig, blind, und ohne Regeln der O 
nung ſeyn? da doch lebendige, empfindende u 
verftändige Geſchoͤpfe, die mit einem Lünftli 
gebauten $eibe begabet find, ja, da alle Ordnu 
und Uebereinftimmung in der ganzen Welt, v 
ihr erzeuget, auch bis jeßo noch erhalten worden‘ 


$ 8 " 


Es haben ſich vernünftige Männer Mühe ı 
geben , die Lingereimtheit folcher ungefähren € 
zeugung der tbierifchen oder auch größeren Me 
förper aus dem wilden Zufammenlaufe der Urſt 
fen auf mathematifhe Weife zu beredinen; dav 
der Schluß etwa diefer ift, daß der eine Fall eir 
ordentlichen Zufammenfügung, der durch das U 
gefaͤhr möglic) feyn fol, gegen die Vielheit dern 
ordentlichen Zufammenfügungen, fid) wie ein u 
endlich kleiner Theil (pars infinitefima) gegen ei 
unendlich, große Zahl verhalte, und daher als g 
nichts zuichten fen. ” Und diefes ift fo ferne; 

reichend, ben Unverſtand zu zeigen, wenn eit 
dennoch lieber einen blinden Zufall, als Weish 
und Abficht, zur Urfache der Ordnung annimm 
da jenes unendlich weniger möglich ift, als diefi 
Es beweift vollfommen, daß wir, die wir We 
heit und Abfichten zur Urſache der Ordnure 


7 Eiche Herrn Samuel Sollmanns uͤberzeugend 
Vortrag von Bott und der Schrift, C. I. Sect. 
6 4. p. 106. fq. 





nicht von der Welt entfprungen, 115 


i, nur um ein einziges unendlich Fleines Theil» 
(partem infinitelimam) von der allergrößten 
ißheit, daß diefes wahr, und das Gegentheil 
fen, entfernet find. BE 
Bir feßen nämlidy als befanne voraus, daß 
iem thierifchen Körper Millionen- Theile, ver- 
ener Art, zu folcher Lebereinftimmung ge« 
e find, welche aller Menſchen Erfindung, 
. Verftand und Weisheit unendlich weit über- 
, wenn fie aud) die Abficht gehabt hätten, 
thierifchen Körper zu entwerfen und zu bilden. 
es nun böchft ungereimt fen, dieſe Ueberein- 
ung in einer folhen Menge von heilen 
einem ungefähren Zufalle abzuleiten, das 
uns ein befanntes Gedicht des Virgils, 
is genannt, erfiaren. Es ijt zwar viel zu we⸗ 
wenn mir die Buchſtaben in Virgils Aeneis, 
er Menge der förperlichen Theile eines Thies 
und den Verftand, den ein virgiliiches Gedicht 
fertigen erfordert, mit der Weisheit, welche 
zildung eines thierifchen Körpers geböret, in 
leityung ftellen. Alnterbeffen mag“ fürs erfte 
in die Etelle des andern frefen, und wir 
n eine Weile zuftehen, daß burch ein Unge⸗ 
in benden Fällen, unter unendlich vielen ver» 
en Verbindungen der Buchftaben und Theile, 
auch eine übereinftimmende möglich mare. 
be: e8 nicht dennoch hoͤchſt ungereimt fenn, 
. einer gefraget würde, wie das virgilifche 
che entftanden wäre, daß er lieber einen un« 
vn Wurf der Buchſtaben, als einen Ver⸗ 
, zur Urſache annahme? ch dachte, man 
| H 2 wuͤrde 





116 1965. Daß Menfchen und Thiere 


“würde denjenigen , der das fagete, für unſinnig 
halten, weil der einzige mögliche Fall in dem Unge⸗ 
fähr, gegen fo unendlid) viele unmögliche, von kei⸗ 
nem vernünftigen Menfchen in Betrachtung zu 
ztehen, vielmeniger der anderen offenbaren und bey 
nahe einzig nothwendigen Urſache vorzuzie 
hen wäre. 


Man rechnet, daß 24 Buchftaben über tau⸗ 
ſend Quinquilfionen mal verfeger werden fönnen, 
Da nun die Aeneis ungefähr 363780 Buchftaben 


enthält, fo find darinn die möglichen Verſetzungen, 
gegen die Verfegungen von 24 Buchitaben, faft | 


4 


{ 


für unendlich wenig, und die einzige unter benfeß - 


ben , welche fid) wirklich in der virgilifchen Aeneis 
befindet, als eine pars infinitefima, oder ein unendlich 
Fleiner Theil der unendlich vielen möglichen Wer 


bindungen zu halten. Wenn man nun einen 


Schriftfaften nahme, darinn eben diefelben, unb 
eben fo viel Buchftaben, als in der Acneis vor 
fommen, enthalten wären ; man fchüttete aber Diefe 
Bucftaben in einen Sad durch einander, und 
griffe fie blindlings nad) einander heraus: fo wäre 
der einzige Fall, da die virgilifche Ordnung von 
ungefähr durchaus getroffen werden follte, - gegen 
die unendlich vielen, da es unmöglich wäre, gar 
nicht in Betrachtung zu ziehen. Was ift aber die 
Zahl von 363780 Buchſtaben gegen die Vielheit 
der Theile im thierifchen Körper, und noch viels 
mehr gegen die Vielheit der Theile in der gangen 
Welt? Wie viel unendlicher ift Demnach ihre moͤg⸗ 
liche Verſetzung? Wie viel unmeglicher, Pe 


— — — — 


nn 





nicht von der Welt entfprungen. 117 


aß ein Ungefähr die einzig übereinftimmende Ord⸗ 
ung hervorbringen follce? *) 


$ 9 


Allein, ich halte Dafür, dag man fchon zu viel 
inränmet, ob follte jemals eine Uebereinftimmung 
a dem Mannichfaltigen durch ein Ungefähr moͤg⸗ 
ch feyn. Denn, wenn möglid) jo viel heißen foll, 
ls was wirflich werden kann: fo geböret zwey⸗ 
lem Möglichkeit dazu, dafi etwas wirklich werde, 
iche allein eine immere, fondern guch eine äuffere. 
Ne innere Möglichkeit, daß namlid) etwas dem 
Befen eines Dinges nicht widerfpriche, ift allein 
icht genug, daß es wirflidy werde; fondern es 
wß auch eine äuffere hinzufommen, die den völlis 
en Grund der Wirflichfeit in fich halte. 

Ich will es durch das Beyſpiel der virgili⸗ 
hen Aeneis erflären. Wenn in einem Schrift 
aften nicht allein 363780 Buchftaben wären, ſon⸗ 
ern aud) ein jeder Buchſtab des Alphabets fo viel» 
tal, als er in des Virgils Aeneis vorfömmt: fo 
ätte es, vermöge der Buchſtaben, eine innere 
Nöglichkeit, daß dieſes virgilifhe Gedicht ganz 

H 3 damit 


Cic. de Nat. Deor. II. 37. Mundum eſfici ornatis- 
fimum es pulcerrimum ex corporum concurfione for- 
suita: boc qui exiflimat fieri poruijf ‚ non intelligo, 
car non iderm prtet, fi innumerabiles unius et vigintt 
formæ litterarum, vel aureæ, vel quales lihet, aliqua 
conficiantur, poſſe ex bis in terram excusfis annales 
Ennii , ut deinceps le@ polfint, effici: quod nefcie 
sonne in uno qudem verju poſſis santum valere 

ortuna. 


f 


ng II Abh. Daß Menfchen und Thiere 


damit gefeßet werben, und geſetzet ftehen bleiben 
Fönnte. Die äuffere Möglichkeit aber müßte auch 
hinzu fommen , nämlich ein verftändiger Setzer, 
ber das Vermögen und den Willen hätte, folches zu 
verrichten? wozu benn, vuſſer vielen andern Um⸗ 
ſtaͤnden, aud) gehörete, daß er feine Fehler im 
Segen machete, oder, fo er welche gemachet, Dies 
felben alfobald vwerbefferte. 

Wenn hergegen entiweber bie innere ober bie 
äuffere- Moͤglichkeit, oder gar alle beyde zugleich 
fehlen: fo kann ich die Sache nicht möglich, ſon⸗ 
bern ich muß fie unmöglich nennen, in fo ferne fie 
nicht zue Wirklichkeit kommen ann. Wenn alfe, 
nach dem gegebenen Benfpiele, in dem Schriftka⸗ 
ſten ganze Buchftaben fehleten, oder von manchen 
zu wenig, von andern zu viel waren, oder flaft 
der Buchftaben viele Ziffern, Noten, Calenderzeis 
chen, oder fonft etwas im Kaften läge: fo hättees- 
feine innere Möglichfeit, die Aeneis damit auf 
folche Art zu fesen. Oder, wenn zwar die Buche 
ftaben ihre Richtigkeit hätten; es fehlete aber am 
Setzer, oder deffen Vermögen, oder deſſen Willen, 
oder an allen diefen: fo wird Feine auffere Möglich 
‚Feit da feynz die Buchftaben werden nicht von felbft 
aus dem Kaften fommen, und fich in die Ordnung 
dahin ftellen. 

Deuten wir biefes auf den gegebenen Tall: fo 
fieht man wohl, daß ſich derfelbe in zmo Fragen 
entwickelte: Einmal, ob es in Betrachtung des 
Schlammes eine innere Möglichfeit babe, daß 
daraus ein Thier werben Fönne ? Zweytens, ob eg, 
in Betrachtung der Sonnenwaͤrme, und der dazu 

fommens 





nicht von der Welt entfprungen. 1rg 


ommenden ungefähren Gaͤhrung, eine äuffere 
Nöglichfeit habe, daß dadurch ein Thier aus dem 
Schlamme entſtehe? Ich behaupte aber, daß kei— 
es von beyden, weder innere noch aͤuſſere Moͤg— 
chkeit, da ſey, daß jemals aus einem Schlamme 
der ſauler Materie durch Waͤrme und Gaͤhrung 
in Thier erwachſe. 


$ 10. 


Was die innere Möglichkeit betrifft, fo muͤßte 
les, was zum Thiere gehöret, nicht allein das 
seperliche, fendern auch, was mir zu feiner Seele 
chnen, in Echlamme enthalten feyn. Sollen 
lſo Fleiſch, Knochen, Knorbel, Sehnen, Haͤute 
lauten, Haare, Federn, Blut, Galle und andere 
zäfte, aus ciner Materie entftchen: fo müffen bie 
erfchtedenen Beftandeheile derfelben ſchon alle in 
er Materie vorhanden feyn; fonft werden fie aud) 
immer Fönnen heraus gebracht werden. Nun 
nehäft ja ein Schlamm und eine Erde nicht alle 
Jeftandtheile eines ehierifchen Körpers, fo wie er 
ud) den Thieren, bie daraus erwachfen ſeyn follen, 
se Nahrung untauglich iſt. 

Dazu find die wenigen Theilchen, welche etwa für 
yierifhe Körper darinn ftecfen, durch mehrere 
ndienliche von einander gefrennet, und an fid) in 
einem geſchickten Verhältniffe; von dem einen zu 
iel, von dem andern zu wenig, von manchem gar 
ichts. Es ift ein Schriftfaften, morinn die mei⸗ 
en Buchſtaben gar fehlen, andere im Ueberflufle, 
ndere, zu fparfam find, viele fremde Zeichen mit 
nterlaufen. Gleichwie daraus die virgilifche 

- H 4 Aeneis 


i20 u Abh. Daß Menſchen und Thiere 


- Aeneis zu ſetzen unmoͤglich ift: ſo iſt auch aus dem 
Schlamme, natuͤrlicher Weiſe, einen thieriſchen 
Körper heraus zu bringen, unmoͤglich. Und wo 
ſtecken vollends in ſolchem Breye die Seelen, das 
Leben, die Empfindungs⸗und Vorſtellungskraͤfte, 

die eingepflanzeten Kuͤnſte und Fertigkeiten der 
Thiere? das Gedaͤchtniß, der Witz und Verſtand, 
die Einbildungskraft und die Vernunft und Frey⸗ 
heie der Menfchen? 


\ s ım 


Die äuffere Möglichfeie einer ſolchen Erzeu⸗ 
gung ift eben fo wenig in der Natur vorhanden, 
Denn, wenn wir nach dem vorigen bebenfen, daß 
die Beſtandtheile eines thierifchen Körpers, die 
etwa im Schlamme ober in fauler Materie ſtecken 
koͤnnen, theils viel zu mangelhaft und zu wenig, 
theils zu überflüflig und zu viel, theilg mie gang 
fremden vermifchet, theils in gänzlicher Unordnung 
find : fo ift ja wohl offenbar, daß feine Wärme 
oder Gaͤhrung vermögend fey, Theile des thieriſchen 
Körpers, die in dem Schlamme fehlen, von hun⸗ 
dert entlegenen Orten in gemeffenem Verhaͤltniſſe 
binein zu tragen; ober die überflüligen und frem« 
den, welche die irdifchen und ſchwereſten find, hin 
aus zu fihaffen; oder auch die dienlichiten Theilein 
Ordnung und in die gehörige Stelle und Verbin 
bung zu bringen ; vielmeniger ihnen $eben, Empfin⸗ 
dung, Vorſtellung, und andere höhere Kräfte, ober 
gar Künfte und Sertigfeiten, einzuprägen, 

Niemand wird fich ja fo gröblich irren, daß 
er ſich auf die Ausbrütung der Ener durch bloße 

Sonnen 


nicht von der Welt entfprungen. 121 


nen «ober Ofenwaͤrme beriefe. Denn dadurch 
ye voraus gefeßet, als ob das Ey nur einen 
en Klumpen roher Materie in fich hielte, und 
würde fo fchließen: Wenn bie bloße Wärme 
Enern einen Vogel, oder eine Schlange oder 
ildkroͤte bildete, fo Fönne die Sonnenwaͤrme 
aus einer andern rohen Materie wohl Die übri« 
Thiere gebilder haben. Allein, das ift weit ge- 
t. Ein jeder weis, daß das Weiße nebft dem 
ter, und infonderbeit Die Cicatricula in dem 
el des Eines, + fehen alles in ſich begreife, 
zu dem Thiere und deffen Nahrung gebörer ; 
nichts überflüffiges und unnuͤtzes Darunter fen, 
daß jedes ſchon ſolche Ordnung und Sage habe, 
der ganze Bau des „oͤrpers, nad) allen ver- 
denen, auch den Fleineften Theilan, und nad) 
"ünftlichen Stellung, welche es ineinem folchen 
me haben muß, erfordert. Wenn denn eine 
ABigte Wärme den Funken des Lebens in dem 
ptpunfte (pundo faliente)) rege gemachet: fo 
ne alles in Bewegung, Das zarte Urbild ent 
fe fih, und gebenet nad) gerade zu einer Fe⸗ 
eit, indem das Fluͤſſige zu deffen Nahrung ein» 
jen wird, Gchürtele man hingegen dag Ey 
er, und bringet Dadurch die Theile in Unord⸗ 
3: fo Pann feine Wärme mehr aus eben ben 
len etwas tebenbiges herausbringen, Aber 
5 in 


iehe des Marcelli Malpighii Opera, die gu Lon- 
lon 1686. fal. herausgefommen ; da er Tomo I, de 
ve incubato, Tomo I]. de formatione pulliin eva 
andelt. 





..s 


ı22 IE Abh. Daß Menfchen und Thiere 


in dem Schlamme verhältes fich ganz anders, 

in einem fehon gebildeten Eye. Da find v 
Theile nicht, welche da feyn follten; anderefind 

welche nicht da feyn ſollten; alles aber ift in 
größten Unordnung. 

Es find alfo drey Verrichtungen, welche 
Eonnenmwärme in einem Mifchmafche grober Th 
zu leiften hätte. Cie müßte das Fehlende herb 
das Leberflüffige wegfchaflen, und dann alles in 
gesörige Ordnung fo vieler taufend ehierifchen 2 
dungen bringen. Wie wollte aber dje Sonne I 
Fehlende aus hundert entferneten Orken nad) ein 
ziehen, da fie allenthalben gleich fcheine? Aber 
fegt, wir wollten ihre Verrichtungen verminde 
und annehmen, daß zumeilen alles, was zum t| 
rifchen Körper gehoͤret, in einer Materie vorhan 
ſeyn Eönnte, und Daß nur dag Unnüße meggefche 
und Das übrige in Orbnung gebracht werden dir 
Kann fie denn diefes beydes ausrichten? D 
mas mweggefchafft werben müßte, wuͤrde hauptſe 
lic) die irdifchen Theile betreffen; und bie find el 
bie fihmereften , wuͤrden alfo bey einer Gährı 
vielmehr die legten ſeyn, welche nachblieben. We 
fich aber der Fall irgend gedenfen ließe: fo mü 
es ben dem verfaulten Grafe, Heue, Frücht 
Wurzeln, Holze und andern Dingen feyn, wor 
gewiſſe Thiere ihre ganze Nahrung ziehen, und « 
alle ihre Beftandtheile unterhalten und vermeht 
So wird ja wohl einmal aug vermoderten Blaͤtt 
eine Raupe, aus verfaultem Holze ein Holzwur 
aus verdorbenen Müffen.ein Eichhorn, aus uͤl 
ſchwemmten und verrottetem Graſe und Heue 

San 





nicht von ber Welt entfprungen 123 


mm, ein Kalb, ein Reh, ober wenigftens Mitch, 
utter und Käfe geworden fenn, oder werden koͤn⸗ 
n, wenn die Sonne fein warm darauf ſcheint? 
ieſe Einbildungen find aber zu lächerlich , als 
iß fie-einer ernfthaften Lnterfuchung oder Beant⸗ 
ortung werth wären. 


G 12, 


Ich will es endlich aufs Äufferfte nehmen, und 
nen ganz einfachen Fall ſetzen, der zwar nicht ift, 
ch fenn Fann, der aber doch wohl eben derjenige 
,„ welchen man fidy gegenfeitig allein vorfteller, 
me die obenangeregten Umſtaͤnde zu bedenken. 
ch feße alfo, es foll nicht allein alles Möthige 
m thierifchen Körper an einem Orte benfamnen, 
ndern auch nichts überflüffig fenn; Die blofie Ord⸗ 
ang foll nur fehlen. Nun will ich einen alle 
inde Bewegungsfräfte in der Welt, Waͤrme, 
lährung, Schere, Ausdehnung, Anziehung, 
schütteln, Ruͤtteln, was man will, einräumen, 
iß man denen das Geſchaͤffte auftrage, daraus 
nen ordentlichen Bau eines thierifchen Körpers 
fammen zu fügen. Ich will einem fo viel Mil- 
men vergeblicher Werfuche zu Gute halten, als er 
erlanget. Dennoch, fage ich, fönnen diefe blinden 
zewegungskraͤfte die Drdnung eines organifchen 
zaues nicht ein einzigmal von ungefähr treffen. 
Yer Beweis ftecfet Furz darinn, weil auch der Zufall 
ch allemal nach Regeln richtet, und zwar nad) Res 
ein, welche der Regel der Ordnung ſchnurſtracks 
iderſprechen. 


Ich 


224 1 Abh. Daß Menſchen und Thiere 


Ich will es deutlich machen. In dem Man 
nichfaltigen haben beydes, die unordentlichen Ver⸗ 
bindungen, und die ordentlichen, eine innere Moͤg⸗ 
lichkeit; wie aus dem Schriftkaſten mit den Buch⸗ 
ftaben der Aeneis zu begreifen iſt. Aber gleiche 
‚wie nur eine Linie zroifchen zweyen Puncten gerade, 
bingegen unzählige krumme feyn fönnen : fo ift auch 
die ordentliche und übereinftinnmende Verbindung 
im Mannicyfaltigen nur einzig; bingegen find ber 
unorbentlichen Verbindungen unzählige. Die um 
ordentlichen ſind fich alle darinn ahnlich, daß fie 
von der Uebereinftimmung abweichen; Die ordent⸗ 
liche Hingegen ift von allen übrigen darinn unters 
fchieden, daß fie eine Uebereinftimmung in allen 
und jeden Theilen beobachtet. Nun hat beydeg, 
Ordnung und Unordnung, Mebereinflimmung unb 
Abweichung von der Uebereinftimmung, feinen bes 
fonbern Grund, feine Urfache und Kegel. Da aber 
die Ordnung oder Webereinftimmung einzig if, 
und fich von allen unzählbaren unordentlichen Wer 
bindungen unterfcheiber : fo muß auch.die Regel, 
wornach fich Die Orbnung richtet, und woraus fie 
entſteht, einzig ſeyn, und fich von allen Regeln, 
welche den Grund einer Unordnung in fich halten, 
unterfcheiben. Jene muß von nichts als Ueberein⸗ 
flimmung Grund in fich halten: und daher kann 
feine Uebereinſtimmung durch Regeln entfichen, 
welche ben Grund einer Nichrübereinftimmung in 
ſich halten ; fo wie nur dag einzige gerade Linial 
die Kegel einer geraben Sinie ſeyn kann, aber fein 
einziges von allen unzählbaren frummen Linialen, 
von ungefähr, die Kegel einer geraden Linie zu wer⸗ 

den 





nicht von der Welt entfprungen. 125 


ben vermag. Der Zufall, oder das Ungefähr, 
richtet fich nach Kegeln, welche alle darinn aͤhnlich 
find, daß fie einen Grund der Unordnung oder Ab» 
meichung von der Uebereinſtimmung in fich halten. 
Die Abficht aber iftes allein, welche Die Kegel der 
Drdnung und Uebereinftimmung in allen Stüden 
giebt. Folglich kann der Zufall nimmer eine Ord⸗ 
nung oder Uebereinftimmung bes Mannichfaltigen 
gebähren; ſondern dieſer einzige Fall aus allen 

möglichen Verbindungen hat feine befondere von al⸗ 
lem Zufalle unterfchiedene Regel, melchen die Ab⸗ 
fiht giebt. 

Wer das Benfpiel von dem Schriftfaften hier: 
ben wiederholen will, der Fann ſich die Sache bald 
lebhafter vorftellen. In ben 363780 Buchfiaben 
der virgiliſchen Aeneis ſtecken unzählige mögliche 
Berbindungen; aber eine einzige unter allen moͤg⸗ 
lichen ftimmet nur mit des Virgils Aeneis überein. 
Die Regel, woraus diefe einzige einftimmige Vers 
bindung entfpringt , kann feine von denen fenn, 
weiche den Grund bes Unorönung und Abweichung 
in ſich halten; fondern fie fließt allein aus der 
Hegel und Abfihe, die Buchftaben in ver Ord⸗ 
nung und Abtheilung zu fegen, wie fie Die Woͤr⸗ 
ter und Verſe der virgilifchen Aeneis nad) einander 
ausdrufen. Hingegen alle zufällige oder unge⸗ 
fähre Verbindungen richten ſich nady Segeln, 
welche einen Grund der Unordnung und Nichtübers 
einftimmung in fich halten. ine einzige Regel 
des Zufalles kann uns ſtatt aller gelten: Alle 
Buchftaben unter einander in einen Sad werfen, 
und fleißig umfchürten, dann blindlings hinein 

greifen, 





126 11965. Daß Menfchen und Thiere 


greifen, und bey jedem Griffe ben Buchftaben her⸗ 
aus nehmen, welcher zum erften unter die Finger 
fömmt; er mag mit ben vorhergehenden koͤnnen 
ausgefprodyen werden, oder nicht; er mag mit an⸗ 
bern ein übliches und bedeutendes Wort, oder einen 


— — 


leeren Ton geben; er mag ein lateiniſches, oder 


ſremdes Wort, zuwege bringen; das Wort mag 


mit andern einen Verſtand und Zuſammenhang 


haben, oder ungereimt ſeyn; es mag der Proſodie 
gemaͤß oder zuwider ſeyn; es mag mit dem Zwecke 


uͤbereinſtimmen, oder dem entgegen laufen; Virgil 


mag es gedacht haben, oder nicht. Da nun biefe 
Megel der zufälligen Verbindung den Grund der 
Unordnung und Nichtübereinftimmung in ſich hält; 
und derjenigen, woraus die Uebereinftimmung ente 
ftchen ann, gänzlich widerfpricht : fo kann ſie nim⸗ 
mer biejenige feyn, welche eine übereinftimmende 
Ordnung erzeuget. Und wenn eine ganze Armee 
viele Jahre mit blinden Griffen in den Schriftſack 
zubrächte: fo bin ich daher feſt vetſichert, daß alle 
ſolche Griffe in aller der Zeit fehl ſchlagen muͤſſen, 
und keine einzige Reihe derſelben nur den erſten ver⸗ 
ſtaͤndlichen Satz der virgiliſchen Aeneis ununter⸗ 
brochen herausbringen wird. 

So unmöglich nun, als dieſes ift: fo unmoͤg⸗ 
lich iſt es auch, daß durch eine blinde Bewegungs⸗ 
kraft in der Natur ein lebendig Thier, auch nur ein 
Floh, ja nur ein Fuß vom Flohe, hervorgebracht 
werde. Die kleinſten Thiere haben eben einen ſo 
vollkommenen Koͤrper, als die großen, und beſte⸗ 
. ben aus eben fo mannichfaltigen Theilen,\ deren kei⸗ 
nes unfonft ift, fondern jedes fich zu jebem, un 





nicht von der Welt entfprungen. 127 


alle endlich zu einer gewiſſen Art des Lebens fchicken. 
Wenn wir biefe Art des Lebens, dazu ein jedes 
Thier in feinem Gefchlechte beftimmt ift, als die 
Abſicht annehmen: fo giebt dieſelbe eine Kegel, 
welche den Grund der Uebereinſtimmung in den 
mannichfaltigen Theilen des Thieres in fich faſſet. 
Hergegen mögen wir nad) Belieben eine oder meh⸗ 
rere blinde Kräfte der Bewegung in der Naturnche 
men, Schwere, Ausdehnung, Anziehung, Wärme, 
Gaͤhrung, und wie fie fonft Namen haben: ſo rich⸗ 
ten fie ſich alle nach Regeln, welche der Ueberein⸗ 
flimmung der mannichfaltigen Theile nothwendig fo 
lange zumider laufen müffen, als fie dem Zufalle, 
oder ungefähren Zufammenlaufe , überlaffen find, 
und von feinem Verſtande nach. einer Abſicht 
geleitet werden. 


G 13. 


Es erkennen auch wohl die meiften beutiges 
Tages, daß fie mit dem ungejähren Zufammen. 
fluſſe einer rohen Materie nicht fortfommen wer« 
den, ba berfelbe fo offenbar gegen alle Erfahrung 
und Vernunft ftreitet. Sie haben aber ftatt bef» 
fen eine feinere und Fünftlichere Erfindung, welche 
ich noch mit wenigem berühren muß. Sie feßen 
Feine rohe Materie, woraus bie erften Thiere durch 
ein Ungefähr entftanden wären; fondern Samen» 
Ener aller Thiere, welche von Ewigkeit in der Welt 
verſtreuet, und in welchen Die ganze Bildung der 
Thiere fehon enthalten geweſen. Da hätte ſichs 
einft fügen müffen, daß jedes jeßigen Thieres Sa- 
meney von ungefähr an feine vechte Stelle gerathen 

waͤre, 


Bi 


28 Th. Daß Menſchen und Thiere 


wäre, wo es Wärme und Nahrungıgefunden, und 
zu dem Wachsthume eines lebendigen Thieres gedie⸗ 


en ſey. 

’ Allein auch diefe Künfteley will der Sache nicht 
beſſer helfen. Wer hat fie befugt, Sameneyer, 
worinn das gange Thier ſchon im Kleinen gebilder, 
und fotrgfältig in dem Behältniffe einer Hilfe zum . 
fammen geleget war, als ewig anzunehmen? Einb 
mir dadurch von dem Urfprunge ber Thiere beffer 
unterrichtet, daß wir fie ins Kleine bringen? Wo 
find denn die Eyer her? Oder find fie an und ſu 
fich felbft nothwendig, und feibftändig ? oder fonne 
die Welt ohne diefe Ener nicht beftehen? Muß dieſe 
Fünfifiche Zufammenfügung, dieſe Einwickelung im 
Kleinen, nicht ja ſo wohl, als das Entſtehen der 
Thiere ſelbſt im Großen, eine zureichende Urſache 
haben? Und hätte man nicht noch mehreren Grund, 
als bey großen Thieren, zu fragen, woher denn bie. 
Urbilder der Thierchen fo weislich in eine ründliche 
Figur zufammen gefaltet feyn, die fich doch hernach 
in taufenderlen ganz andere Figuren mit hervorra⸗ 
genden Gliedmaßen entwickeln ? mer fie fo forgfäl- 
tig mit einem in der Mitte enthaltenen Nahrungs 
fafte verfehen, und alles in eine gruen. oder mehr 
fache Huͤlſe eingepacket habe? 

Allein, gefegt, wir wollen ſolche Sameneyer 
ohne weitere Nachfrage annehmen: fo märe doch 
nicht zu begreifen, was fie von Emigfeit, bis auf 
die Zeit ihrer Geburt, vor dem Verderben und 
der Fäulung geſchuͤtzet? Denn, da fie aus eben 
der Art, und aus eben fo mandherlen Theilen, wie 
Die Körper felbft im Großen, zuſammengeſetzet 

waren: 





—— — m 


r Reit in ſich, 

—— 
* A nen Has, imb’einerioch feinere 
Konnte bie ——4— Lee durch · 


* 


verfaulen? In welchem 
— hat ſerner eine bequeme 
hiere ſeyn konnen, da das geplatzte 
iel ſchlagen, und durch feine Nabeikhnue 
beung ziehen Eönnen? Wer hat die zarte Brut 
ac) aus der Erde geholet ? Wer “ ihr die 
beifehmu, abgebunden, oder. abgebiffen? wo war 
Mutter, die dem ai —* Das vor Pr 
ern X die Mil „oder dem erften 
he nt ** aus dem Sropfe 
ft zufchleppete ? 
—* ae —E eiten könnten 
Perle mehm: warum fommen, ſelt fo 
eines mehr an einem Orte des 


— — 


El 


HEHE H 
y338 
Are 

B37 

& 

2 


35 
ih 
& 


28 1165. Daß-Menfchen und Thier: 


wäre, wo es Wärme und Nahrungıgefunden, 
zu en Wachsthume eines lebendigen Tpieres gı 
en fey. 

Allein auch diefe Kinfteley will ber Sacher 
beffer Helfen. Wer hat fie befugt, Samene 
worinn das ganze Thier ſchon im Kleinen gebil 
und forgfältig in dem Behältniffe einer Huͤlſe 
fammen geleget war, als ewig anzunehmen? € 
wir dadurch von dem Urſprunge der Thiere be 
unterrichtet, daß wir fie ins Kleine bringen? $ 
find denn die Eyer ber? Oder find fie an und 
ſich ſelbſt nothwendig, und feibftändig ? oder for 
die Welt ohne diefe Ener nicht beftehen? Mußd 
kuͤnſiliche Jufammenfügung, diefe Einwickelung 
Kleinen, nicht ja fo wohl, als das Entftehen 
Thiere felbft im Großen, eine zureichende Urſe 
haben ? Und hätte man nicht norh mehreren Gru 
als bey großen Thieren, zu fragen, woher denn 
Urbilder der Thierchen fo weislich in eine ruͤndli 
Figur zufammen gefaltet feyn, die fich Doch hern 
in tauſenderley ganz andere Figuren mit hervor 
genden Gliedmaßen entwickeln ? wer fie fo forg| 
tig mit einem in der Mitte enthaltenen Nahrun 
fafte verfehen, und alles in eine ziwey- oder me 
fache Hülfe eingepadet habe? 

Allein, gefegt, wir wollen ſolche Samene 
ohne weitere Nachfrage annehmen: fo wäre di 
nicht zu begreifen, was fie von Ewigkeit, bis < 
die Zeit ihrer Geburt, vor dem Verderben u 
der Faͤulung geſchuͤtzet? Denn, da fie aus eb 
der Art, und aus eben fo mandherlen Theilen, n 
die Körper felbft im Großen, gufammengefe 

wart 





Zain Bi cn ng 
Er hatten Sen ee weh. 
u ** 





iner; die dem erſten Kinde, das vor allen 
geweſen, die Milch gab; oder dem erften 
die halb verdaute Spelfe aus dom Kropfe 
Uben Schnabel ſchuttete, oder fonft zuſchleppete ? 
ee wenn alle diefe Unmöglich Fönnten . 
ichet werben: warum fommen, feit we 
taufend And Jahren, feine herumflatternde Samen« 
irgend eines Thieres mehr an einem Orte des 
Köbesens zur Reife, noch ein folches auf bie Art 
feugtes Thier zum Worfdheine? warum werben 
Emm alle von eltern durch die ng in der 
empfangen ri genähret ? Es iſt je 
sehe jeben begreiflich und offenbar genug, 
u diefe pe Eh oungdem Vorgeben nicht 
‚Podest noch eümacur 


B 


IHN 


. 





130 n Abh Daß Menſchen und Thiere 


Iı $S 14 
Aus allem, mas je vorgeſtellet ift, Fann : 
ein jeder beutlich fehen, daß der Urfprung der Mes 


ſchen und üßrigen Thiere des Erdbodens auf Feine 
Weife natürlich erfläret werben Pönne; und daß 
alles, was zu foldhem Ende erbacht ift, aus grober 
Unwiſſenheit der Alten gefloffen fen, wider ih 
richtige Erfahrung und. Grundfäße ver Vermum 
Taufe, und, zumal in neuerer Zeit, nicht mit da 
geringften Waprfcheinlichfeit, fondern bloß au 
eichtſinnigkeit, vertheidiget werden Bönne. Me - 
ſich felbft auf diefe Srage, woher Menfchen mb 
Thiere find, im Ernfte Genüge fhun will, der wirh 
finden, daß er, nach vielen vergeblichen Ausfluͤch⸗ 
ten, bennoch genoͤthiget fen, feinen Abgore, die . 
Welt, vom öberften Throne herunter zu feßen, md 
den erſten Uefprung der entftandenen Lebendien - 
hoͤher zu fügen. 2 
Es erheflet denn befonbers aus obigen, daß ble 
Erbe fälfhlih unfer aller. Mutter genannt werde; - 
Eie ift nichts, als unfere Säugamme, und die 
Senne unfere Pflegerinn, Nachdem wir erft von - 
einer höheren Hand gebildet und auf die Erde geſej 
get find: fo giebt diefe uns die nöthige Nahrung, 
Mohnung und Kleidung, und die Sonne die es 
forderliche Wärme; aber die Erde har die erften 
Menfchen und Thiere nicht durch Beſchwaͤngerung 
ber Sonye empfangen und geboren. 1 
Es erhellet ferner, daß wir, in diefem erſun 
Urfprunge der Menfchen und Thiere, auch das ' 
Ende, oder. vielmehr ben Anfang der Natuͤr uub 





nicht von der Welt entſprungen. 131 


natürlichen Urfachen abfehen. Denn die einzige 
natürliche Urfache bes Entfichens ber Menfchen und 
Thiere ift die Erzeugung von eltern; fonft iſt 
feine in ber Welt. Wenn nun die Reihe der Vor⸗ 
ältern nicht ins Unendliche gehen kann: fo kann 
auch die natürliche Erzeugung nicht ewig feyn. Wo 
wir alfo das erite Paar Menfchen ober Thiere fegen, 
da höret die Natur ober natürliche Kraft auf, eine 
Urfache der Menfchen und Thiere zu ſeyn, und 
aimmt felbft von einer höheren Urſache ihren 


Anfang. Ä 
Es erhellet weiter, daß eben baffelbe, was wie 
von unferm Erdboden, und der Natur in dieſem 
Theile der Welt, gefchloffen haben, von der ganzen 
Natur und Welt, das ift, von allen großen Welt 
fugeln, gelten müfle. Denn wenn in ben übrigen 
Planeten um unfere Sonne, oder um andere Fir 
fterne, gleichfalls lebendige, Einwohner find, wiezum 
Theil die Alten ſchon gemuthmaßer, und alle Ber. 
nünftige neuerer Zeit hoͤchſt wahrfcheinlich gehalten 
haben: fo wird, nad) obigen Gründen, bort eben 
fo, wie auf unfeem Erdboden, folgen, daß jebes 
Gefchlecht einen Anfang gehabt haben müffe,, und 
daß ihr erfter Urſprung bort eben fo wenig, wie 
bier, von jedem Planeren, und deffen Sonne, ober 
auch bender Natur, koͤnne abgeleitet werden. Das 
ber wir denallgemeinen Schluß machen, dag nichts 
$ebenbiges inder ganzen Welt und Natur urfprüng- 
lich von der £örperlichen Welt und Natur entſtan⸗ 

ben fen. | 

Weil denn dasjerrige nicht daserfte Weſen fenn 
kann, von welchen nicht alle entftandene Dinge 
20 ihren 


2 u Abh. Daß Menfchen und Thiere J 


ihren erſten Urſprung haben: ſo folget, daß die 
ganze koͤrperlichz Welt und ganze Natur noch nicht 
das erfte felbftändige, notwendige, ewige Weſen 
ſeyn könne, fondern , fo wie die Jebendigen felbft, 
yon einem andern wahrhaftig erften und felbftändis 
gen Wefen enrftanden feyn miüffe. Und fo hat der 
Menſch an fich felbft, und an andern $ebendigen, 
ein untrüglich Merkmaal, wodurch er die Weltumb 
Matur von dem Schöpfer aller Dinge unterfchels 
den kann. 
Ich will nur ben Zuſammenhang meiner Fol⸗ 
gerung mit furzem wiederholen. Ich ſchlieſſe fo: 
Wenn Wenſchen und Thiere einen Anfan 
ihrer Befchlechter gebabt haben ; md 
doch nicht urfprünglich von der Welt und 
ı deren Natur entftanden find: ſo iſt die 
Welt und deren Natur nicht das erfle 
ſelbſtaͤndige Weſen. 
Denn dasjenige kann das erſte ſelbſtaͤndige Weſen 
nicht ſeyn, welches den urſpruͤnglichen Grund ent⸗ 
ſtandener Dinge nicht in ſich haͤlt. (1Abh. C3.) 
Nun baben alle Menſchen und Thiere eis 
nen Anfang ihres Geſchlechtes gehabt; 
weil alle die, welche vor uns gelebet, Feinen einzigen 
ausgenommen , entftanden find, und alfo, vor al« 
len eneftandenen, eine andere Urfache geweſen ſeyn 
muß, die das erfte Paar jebes Gefchlechtes hervor⸗ 
gebracht hat: ($ 4- 5.) und, meil unendliche ges 
wejene Reihen voriger Gebursen nicht vernünftig. 
zu denken find, ($ 6—9.) auch alle Gefchichtevon 
dem Anfange der Menfchen zeuget. ( Sto—16.) 


nicht von der Welt entfprungen, 133 


fie find aber doch urfprünglich niche von 
der Welt oder deren Natur entſtanden. 
Denn die Sonnenwärme brütet feine Thiere aus 
dem Schlamme ober roher Materie durch Gaͤhrung; 
Cl Abh. $ ı—6.) und ein blindes Ungefäßr kann 
Peine fünftlich gebildete Körper erzeugen; ($ 7—ı2.) 
aber ewige Samencyer aller Thiere finb eben fo 
wenig zu feßen. (6 13.) 
Demnach ift die Welt und deren Natur 
nicht ‚das erſte felbftändige TDefen ; fons 
dern ift, wie die Thiere felbft, von einem 
wahrhaftig erſten jelbftändigen Weſen 
hervorgebracht. 


Die dritte Abhandlung. 


Daß die koͤrperliche Welt an ſich leblos: 
und daher Feiner innern Vollkommen: 
eit fähig ſey: folglich auch nicht ſelbſtaͤn⸗ 
ig, ewig, nothwendig; fondern von eis 
nem andern, um einesandern willen, 
hervorgebracht ſeyn muͤſſe. 


SL 
We bisher von der Welt und deren Natur 
aus dem erſten Urſprunge der Menſchen 
und Thiere geſchloſſen iſt, das zeiget auch die Be⸗ 
trachtung der koͤrperlichen Welt und ihrer Natur 
an und fuͤr ſich ſelbſt. Denn wenn wir die Leben⸗ 
digen von der koͤrperlichen Welt abſondern, wie 
wir nach dem vorigen thun muͤſſen; und wenn die 
J3. übrige 





134 MAbh. Eine leblofe Welt 


übrige Materie, unb deren Kraft nach ber Gegner 
eigenen Meynung, ohne $eben, Empfindung und 
Verſtand ift: fo bleibe nunmehre der leblofen koͤr⸗ 
perlichen Welt und ihrer Natur keine innere, eigene, 
weſentliche Vollkommenheit mehr uͤbrig, "fondern 


bloß eine äuffere: und ich ſchließe daraus, daß ihre 


Wirklichkeit nicht durch ihr eigen Weſen, und noth⸗ 
wendig von Ewigkeit beſtimmet ſey; ſondern daß 
ſie von einem andern, um eines andern, naͤmlich 
um der Lebendigen willen, hervorgebracht fen. 
Wenn man Diefen Schluß nur nach gemeiner 


Pe} 


Foren Vorſtellung der Begriffe betrachtet: fo fällt | 


der Zuſammenhang fehon jedem in die Augen. 


Denn, da ein jedes Ding feine weſentliche Vol. 


kommenheit haben muß: fo iſt offenbar, daß bes 
fonders dem felbftändigen,, nothmendigen, ewigen 
Weſen die allergrößte Vollkommenheit eigenthüm- 
lich gebühre Wenn diefes Feine eigene innere 
Vollkommenheit hätte, fü koͤnnte es weder für ſich 
ſelbſt beftehen, noch auch denen von ihm entſtande⸗ 
nen zufaͤlligen Dingen eine Vollkommenheit mit⸗ 
—5— Nun erkennet ein jeder, daß ohne Leben, 
pfindung und Verſtand ſeyn, und handeln, 
Beine innere Bollfommenpheit, fondern vielmehr eine 
Unvollkommenheit zu nennen ſey. Kine todte, 
fühllofe Materie, und blinde Natur, weis von fh 
ſelbſt nicht, und fann Ihr eigen Dafeyn niche ges 
nießen noch empfinden, fondern es ift für fie einer 
ley, ob fie ift ober nicht ift, ob fie ſo oder anbers 
if. Wie fann man fich denn bod) ein ewiges 
Ding vorftellen, bas feiner Wirklichkeit von Ewig⸗ 
kei her nicht froh geworden, noch in alle erden 
werden 





- una Voßicht hervorgebe.· eyn. gs 
verben wird ?. Wie kann man es als nothwendig 
edenfen, ba esfein ſelbſt wegen auch nicht da feyn, 
ber anders geartet fern möchte? Wie kann es 
Ibftändig fern, da in ihm ſelbſt nichts ift, das 
ime Wirklichkeit erfordert oder beftimmet? So 
ann es ja denn auch nicht von ſich felbft, ober um 
in-felöft willen da fepn;. ſondern wenn es iſt fo 
iuß es von einem andern, um eines andern willen, 


welche ? 

daß ich. berechtiget fen, Die.duperliche Welt, 
die lebendigen Thiere, an und für fich zu bes 
Yachten; und daß ich. diefe Förperliche Welt nicht 
je Sxumb. als ebles annehme. j . 
Daß man bie Fürperliche Melt, an und für 
5 ofme Die lebenbigen Thiere „zu beteochten ber 
inbig ans dem vorigen Merseife,. Denn ob zwar 
Is Sebenbigen in ber Melt find, fo find fie bach 
he a an geweſen, noch urfprünglich vom 
R- * 





36 Ul Abh. Eine leblofe Welt 
würden. Warum koͤnnte nit die Erde, nebſt 


bem Saturnus, Jupiter, Mars, Venus, Mer 
Purius, ohne alle lebendige Einwohner, da feym, 
und eben fo gut um bie Sonne herum treilen; 


Sommer und Winter, Tag und Nacht, Negen 


und Dürre, Bluhmen und Früchtehaben, wie jet, 
ba fie mit Lebendigen befeget find? Wir tragen je 


alle nichts zu ſolchen großen Veränderungen bey; 


Die Planeten erhalten Durch unfer Leben feine mehr 
rere Bewegungskraft, ımb verlieren auch mit dem⸗ 
felben nichts von, ihrer Schwere: gleichwie herge⸗ 
gen auch die Kräfte und Veränderungen unfer ter 
ben nicht nothwendig in fich faſſen. Wir find fe 
wenig ein wefentlic Stück oder Theil der Förperks 
chen Welt, als ber Einwohner von einem Hauſe iſt, 
ob wir ung gleich in dem einen ſowohl, als dee. an⸗ 
dern, befinden. Was hinderts alfo, daß man 
nicht die Welt fo gut, als etwa ein Haus, ohne 
ihre Einwohner betrachtet? Oder verlanget man 
ein DBenfpiel, das noch mehrere Aehnlichfeit hakı 
fo mag man meinethalben den Erdboden mit einem 
Käfe und die lebendigen Einwohner mit ben Maben 
vergleichen. Sollte man nicht befugt feyn , den 
Kaͤſe an und für fi) ohne Maden zu betrachten, 
ja folches zu thun gemüßiget feyn, wenn man die 
Natur und Beſchaffenheit des Käfes nach der 
Mahrheit fennen will? Warum nicht auch bie 
Erde, und die übrigen Weltförper, die uns 
eben fo wenig, als der Käfe die Maben, 


erzeuget haben, ob mir uns gleich darauf 


nähren ? 


$ 3 


muß aus Abficht Hervorgebr. fenn. 137 


$ 3 


Daß ich aber, zweytens, bie großen Weltför. 
er, und die ganze übrige Natur, an und für ſich, 
ls leblos, unempfindlich, und ohne Verſtand an, 
ehme; folches gefchiehe nach den eigenen Sehrfäßen 
erer, mit welchen ich hier fpreche. Daher brauche 

z in fo ferne feines Beweifes, 


Zwar habe ich oben ſchon gefaget, daß viel: 
er Alten in der Pörperlichen Welt, ftatt Gottes, 
nen Verſtand oder vernünftige Seele angenom⸗ 
sen haben, welche mit der Welt, als ihrem Koͤr⸗ 
er, wefentlich verbunden wäre, und ihre Kraft 
urch die ganze Natur 'erfiredfete, und alfo die 
Belt belebete, und mit Einficht ordnete. Ich 
abe audy ſchon angezeiger , daß unfere neucren 
Jantheiften alle Beränderungen in der Welt , nach 
Acher Mennung, weit erträglicher und vernünffis 
er erflaren würden. Ich füge nur noch hinzu, 
aß fie es, nach ihren eigenen Srundfägen, unges 
indert hun koͤnnten. Denn ob fie wohl nichts, 
[8 lauter Materie, in der Welt leiden wollen : 
 fieben fie doch) zu, dafı auch die Materie, zumal 

ı einem organifchen Körper , leben, empfinden 
nb denfen koͤnne; weil die Menſchen ſich naͤmlich 
eſſen in ihrem Koͤrper bewußt find, Es firitte 
lſo mit ihren eigenen Lehrſaͤtzen nicht, daß auch eine 
urchdringende Kraft ben ganzen Körper der Wilt 
elebete und mit Berftande regierete. Allein, es 
heint, daß fie ohne alle Urjache, und wider allen 
Iugenfchein, durchaus allen Verſtand, alle Vers 
unft, alle Abfiche und Weisheit, es fey in ober 

35 auſſer 


138 "DI Abh. Eine lebloſe Welt 


auſſer der Welt, wollen verbannet wiſſen, und ee 
unvernünftige Freude barinn fudyen, alles. lieber. 
fühllofen, dummen Kräften ciner todten Materie, " 
und mithin ſich felbft einem blinden Schickfale, ober 
ungefäbren Zufalle zu übergeben. 
- Was aber bie Frage feibft betriffe: ob, auf 
fee den lebendigen Thieren, alle übrige Marerieder 
Weltkoͤrper —* fuͤhllos ſey: ſo weis ich wohl, 
baß einige, ohne alle böfe Abſicht, Gott mit dee 
Welt zu vermengen , auſſer Sort eine allgemeine | 
Weltfeele angenommen , ober fich auch bie großen 
Weltkoͤrper, als eben ſo viel beſeelte, und vielleicht 
verſtaͤndige Thiere vorgeſtellet heben, darauf wis 
Peine Thiere, wie die Läufe auf eines Menſchen 
Kopfe, herum wanderten. Allein, ich ea | | 
nicht den geringften Grund ober Wahrfchei 
Die Weltfeele, welche, neben dem höchften Wein, 
als eine natürliche Urfache der Begebenheiten in 
ber Welt angenommen wird, erfläret boch nichts: 
und ift, fo wie andere dergleichen Erfindungen, 
(von einem Archzo, Narura plaftica, Princigio. . 
hylarchico, Ideis formatricibus &c.) eine verhar-· 
gene Beſchaffenheit, Cqualitas occulta) bag 3 
ein leerer Ton, und eine bloße np 

eit. Bon den großen Weltförpern aber 

r, daß fie nichts mit benen, die wir Me | | 
nen, gemein haben , ba fie nicht geboren werben, 
noch) ihr Gefchlecht vermehren; nicht Nahrung ge 
‚nießen, noch wachfen; n Werkzeuge ber Sinne, 
noch Glieder zur Handlung befigen. Aber das iſ 
ber Mennung hauptfächlich zuwider, daß hier Feine 
willkuͤhrliche Vewegung erſcheint, welche man von 













9 





Pı Mobil, beweget 
Ich will. * en daß wir Men 


Eingeweide mil 
ee 





E dem tiefften Boden der See heraustreiben. 


is bi (lem dem nicht das 
—— * en willig 


denegung. 

| Andere haben fieber den Fleineren Theile ber 
Materie, infonderheit allen und jeden Pflanzen, 
ber wohl gar allen Fleineften Urſtoffen, ein beſon⸗ 
res Sehen zufchreiben rollen. Und anfangs 
aöchte einem diefer Einfall groß und edel dinfen, 
Heil Daducch das eben vervielfältiget, die ganze 
Natur befebet, und defto vollfommener zu werben 
heint. Alein, wie mir uns in unferm eigenen 
örper nur eines einzigen Wefens bemufie find, 
Achem Sehen, Empfindung, Denken und Wollen eis 
emelich und alleine zufömmt; alle übrige Theile 
— aber, für fh, feine innere den 
write aufchreiben : fo jun pi fih_Tolhes 
vo vinhoniger von ange nd ande Farm 


140 IM Abh. Eine leblofe Welt‘ 


‘oder Uerftoffen fagen. Die Erfahrung entbe 
uns nicht die geringfte Spur davon; fondern w 
auch für Veränderungen in ſolcher Materie, fel 
mit dem euer, erwecket werben , fo zeiget fie | 
babey fühllos und gleichgültig. Wollte aber jema 
eine jebe rege Kraft der Materie und ber Körp 
wenn fie gleich unempfinblich ift, ein Leben heiße 
fo würden wir nur vonder Bedeutung des Wort 
nicht aber von ber Sache, verſchiedene Meynung 
haben. Das eigentliche geben erfordert wenigſte 
eine Empfindung. Wenn aber die Materie gie 
unempfindlich und leblos ift, fo ift fie Dennoch ni 
umfonft, noch ohne Mugen: und demnach iſt 
Vollkommenheit, welche man ſich in dem $eben | 
ganzen Natur und aller ihrer Fleinften Theile v 
ftellet, eben fomohl eine ungegrünbete Einbildu 
als wenn man bie vollfommenfte Weltvon lauten 
Golde und von Edelgefteinen haben wollte. 


.$ 4 

Man bat alfo nicht die geringfte Urfache, 
große Förperliche Welt, an und für ſich felbft, ol 
die Thiere betrachtet, für was anders, als e 
leblofe Materie anzufehen, bie bloß gewille Ber 
gungsfräfte hat, welche in diefer Eintheilung u 
Zufammenfügung, nach ihren wefentlichen Rege 
alle in der Förperlichen Welt erfcheinende Veraͤn 
rungen bervorbringen, Wer fiehe aber nicht, & 
bierinn afles, und auch nichts meiter fliege, ı 
was man in einer jeden Mafchine wahrnimm 
Man darf nur eine Uhr zum “Benfpiele nehm 
Denn die befteht auch aus einer leblofen Mateı 
wel 


m ae Ste fon. 141 


welche in gewiſſe Theile — MR; de eine 

Verknüpfung mit elnander haben, Die benegende 

Kraft er — en bes Bleylorhs)- bringer 

sen a and nen oe Ser vn 
inderun er 

—* * Die fördertiche 


ed ne m, eine große Mo. 
Melrkörper, Sormen und 

find gi Sprit und Rãader dieſer Du 

wer Stellung der Pläneten, gegen 

r] ‚giebt die Art der Zufanım 

änderung in Diefen zufammengefügeten 

Teilen gefehieht durch gewiſſe emegumge keit, 

nach —— der Bewegung, geht 
alfo alles, was in der Förperlichen Welt geſchieht, 

peter es kann und muß a den 


He 


Hi 


und ihren Regen, 
‚bei ber —S Ten, vide 


ig eflästt werben. 
diefer großen Mafchine der firperlichen 


R 
22 


1 
{ 
3 
Hr 
N 
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€ 
ſe 


fe‘ —e— 
nes andern, nämlich der tebendigen 


AT 
—* 
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— 


a) Eins; 3) die 





142 TI Abh. Eine lebloſe Welt 


Mannichfaltigen mie dem Einen. Diefe Ueben 
ftimmung befteht aber darinn, daß jedes von | 
Dielen feinen zureichehben Grund in dem € 
bat, warum es da iſt, und warum es von der 
fchaffenheit ift. Folglich wird in aller Wolt 
menheit Eins gefeßet, welches die Beſtimmung 
Dofenns und ber Befchaffenheie von bem vi 
enthält, und worauf ſich das Viele bezieht. 
Man Bann fih aber dreyerley Art von V 
kommenheit gedenken : eine Metaphyſiſche, 
Phyſiſche, und eine Moralifhe, Nach dem ı 
taphyfifchen Begriffe ift ein jedes Ding, was 
nur gedenken läßt und eine innere tee 
vollfommen. Denn da ift das Weſen, ober 
erfte innere Möglichkeit, dasjenige Eins, mel 
den zureichenden Grund der Möglichkeit alles in 
gen enthält, und wodurch alles: Uebrige beftin 
wird, daß es da feyn und nicht anders feyn ke 
Die Eigenfchaften des Dinges und die Möglid 
der zufälligen Abänberungen , find alfo das X 
oder Mannichfaltige, welches mit dem einen W 
übereinflimmen muß, mofern das gefeßte Ding 
wahres Ding ſeyn, und nicht durch den im 
Widerſoruch ein Unding oder Nichts werden 
So nimmt der Mathematicus in den Figu 
3. B. eines Dreyecks, einen erften ‘Begriff von I 
fich fchließenden kinien an, und beftimmet dabı 
alle nothwendige Eigenfchaften und zufällige n 
liche Arten des Dreyecks. Aber von foldyer m 
phyſiſchen Vollkommenheit ift hier nicht die R 
in Abficht auf die Förperliche Welt, welche in 1 


metaphyſiſchen Verſtande vollkommen feyn Fön 
w 





biefe 
it haftet doch ur in ber Mafchine 
ſelbſt an fich betrachtet, fondern in dem Werkmei · 
Ben denfenden und freyen Wefen aber, als 
wir Menfchen ſind, hat eine. Uebereinftimmung 
aller willführlichen Handlungen mit einem äufter« 
Zwecke / welchen uns die Natur felbft zum Ziee 
— Statt: und die Seele wird alsdenn innerlich 
Denken, in den Neigungen und Fertig · 
Ki — kluͤger, weiſer, liebreicher, tu⸗ 
ter, zufriedener. 
Br Frage.iit alfo bey einer an ſich lebloſen 
Welt bloß von der pbof ifchen Vollkommenheit. 
Durch phyſiſche Vollkommenheit verſteht man die 
Uebereinjtimmung des wirklichen Daſeyns, gewiſ ⸗ 
fer Naturfräfte und natürlicher Beſchaff enheiten 
mit einem äufferfien ober legten Ziele. : Dee Des 


5 


EFFR 


alſo das Mannichſaltige 1) in den wirkli. 
—— — ‚gleichen 
Simon bey ben Körpern mancherley 


äfte,; 


144 11.965, Eine tebfofe Welt | 
— nach, manchetley Degen fer | 
¶n ben den Serlen moncherleyn Wotftelli 







3 
gu nehraen, welche ihren eigenthuͤmlichen 
8 Werfteflung —— ER 
auch Aufferliche Beſchaffenheiten in 
— wenn bie Naturkraͤfte ohne dieſelbe 
der itfemtek gelangen koͤnnen. 


— fi man Indien Mannicfeihgen 
" man nun an 
he Wollfonmenfeit, ober eine ürbe 


et man 1) aus mancherley möglichen Kraͤfrch 
—— gewiſſe beſtimmte als wirküch 
vebet. ja nicht von einer Meat 


porn mit einem gewiſſen Etwas 52** 





. muß aus Abficht hervorgebt. ſeyn. 15 
bftradkeen Vollkommenheit, fondern von ber . 
ben, die in wirklichen und wirkſamen Kr +4 
„und nichts; kann eher wirkfam feyn, als es _ 
h ich da if, ordner — 
Hiernaͤchſt ‚man 2) auf ein gewiſſes li 
der Kräfte, welches den Grund der u 
en Uebereinftimmung aller Natur« 
ee ffenheiten in fich hält. 
denn alle —— ſte beſtehen in einem Betz 
Bemühen, etwas geriffes nach 
— und Er ar zur Wirklich» 
alles Bemühen hat ein gemife . ' - 
5 Ziel der: De rate, ohne welches gar Feine 
xaſte, nad) deren Uebereinftimmung mit Etwas, 
i. gar Feine phyſiſche Volll ommenheit zu gedens 
milt. Denn es wäre ein Widerfpruch: ein Bes 
Üben zur Wirklichmachung von Etwas gewiſſem fer 
m, und doch nichts ſetzen, wohin das Bemuͤhen 
elete. Dieß Ziel muß alſo beftimmend fern, daß 
ie Daraus die phofifche ech verftänd« 
& , unb zureichenben Mrund geben koͤnnen, 
arum fo wohl das ganze Dafeyn, als Bike gewiffen 
iqturkraͤfte mic ihren geroiffen Regeln der Wirfe 
spleit, und. — natürlichen Beſchaffenheiten, 
RR aber feine, mit dem Ziele uͤbereinſtimmen. 
—* —— —— 
Zei der weil das ſich nicht allein 
Id Sen br hal, Dem en 
Finbung, Bewußtfeyn und nüpfet 1% 
nern auch von blinden Kräften, bie ohne Em⸗ 
Fedung, Bewußtſeyn und Abficht handeln, fon 
u Denn der Magen Fi die Gehärme bemũ· : 
hen 


"146. TI Abh. Eine lebloſe Welt 


hen fih, ohne unfer Wiffen und Denken, Speifen 
und Getränfe zu verdauen. Das Herz mie ſeinen 
Arterien bemüher ſich, das Geblüt in einen Kreise 
lauf zu bringen, ohne daß wir ung bey Tage ode; 
bey Nacht darum befümmern: und bende 7 
verrichten das Ihrige in geſunden Koͤrpern, ohne 
ſich ſelbſt ein Gefühl von ihrer Verrichtung zu hat 
ben. Dennoch eignet man ihnen billig eine ppof®, 
ſche Vollkommenheit zu, fo fernefie ihr Ziel erreb. 
chen: Die großen Weltfärper find im fteten abck 
blinden und bloß mechanifchen Bemuͤhen, ſich uc 
ihre Are und um die Sonne zu drehen, und dab 
den Wechfel von Tag und Nacht und von „rel 
Ssahreszeiten zu Wege zu bringen: und die UebeE 
einjtimmung mit biefem Ziele erfläret die phyf 
Bolltommenheit des Weltſyſtems. Ich fege „EMI 
auch billig ein äufferftes ober le&tes Ziel zum allg 
meinen Mittelpunkteder phnfifchen Volllommenh⸗⸗ 
des Ganzen. Denn aus mittleren Zielen der na WE 
lichen Bemühungen, läßt fi) wohl die UebereE- — 
ftimmung einiger Theile oder einiger Kräfte use 
Beichaffenbeiten , nicht aber aller Theile, Kröp i 
und Befchaffenheiten erflären. Der Bau dest 
Magens und der Gebärme mit ihrer Verdauung 
kraft, fönnten mit ihrem befondern Ziele der We M 
bauung übereinftimmen‘, und ber ganze Men 
Ffönnte doch in andern Theilen, Kräften und Bu 
ſchaffenheiten eine Unvollfommenheit an ſich habere⸗ 
die ihm Gefundheit und Leben raubete, wenn 5. 
das Herz mit einem Polypo, das Auge mit eines” 
ſchwarzen Staare behafter wäre, 















muß aus Abficht Serdongebr. Rn. um i 


U al wird denn auch begreiflidh fern, was fir . 
es Bosse und Kuffeen bey b arg 
Tommenheit für ein Unterfahied fey. Wenn nam · 
das äufferfie oder letzte Ziel aller natürlichen 
| feit und Befchaffenheit, woraus bie Wi 
Volltommenheit des ganzen Dinges erki⸗ 
enden Fann, in dem Dinge felbft ift: fo nenne ich 
Es eine innere Bollfommenheit der Natur. Iſi 
Ziel aber, womit alle natürliche Kräfte mb‘ . 
ffenheiten eines Dinges übereinflimmen, 
Er u A fondern . Ermas ae 
t ge zu x fo nenne ich es 
oder relative Bollfommenheit., Die Beyſpieie 
dee inneren phyſiſchen Vollkommenheit fehen wie 
an ung felbft und an allen Thieren, in denen 
Himmen alle Naturfräfte und natürliche Beſchaf⸗ 
heiten mit jedes eigener Art des Sehens und. der 
Blückfeligkeit überein : fie haben das Aufferfte oder 
eßte Ziel aller natürlichen Bemühungen, wodurch 
die Uebereinftimmung ihres Dafeyns und Ihrer Bes 
Saffenheiten, und alfo ihre phnfifche Vollkommen · 
deit verftändlich exfläret werden kann, in ſich felbft; 
find ſich ſelbſt vollfommen, und haben einen Ge« 
Auß ihres Dafeyns und ihrer Beſchaffenheit. Was 
Dingegen eine. äuffere und relative Wollfommenpeit 
Rp, das läßt ſich fürs erfte durch die Beyſpiele unfes 
ve „Maſchinen und aller Werke ber 
Banft erläutern. Denn alle diefe Dinge find zwar 
eher Volllommenheit fähig; aber bloß einer aͤuſ⸗ 
fern und refatigen. Das legte Ziel, womit alle 
He Wirk ſamkeit und Defhaffenheit übereinftime-- 
Wet, und weswegen man fie vollfommen nennet, iſt 
. j #3 nicht 


148 I Abh. Eine lebloſe Welt 


“nicht in ihnen felbft, fondern in dem Nußen ı 
Vergnügen der Menfchen. Das gilt von ein 
Zirkel, Quadranten, Mifroffop und Tubo, ı 
einer Uhr, Mühle, Orgel, von einem Hai 
Spiegei, Bilde, und was man fich fonft zum Beyfp 
voritellen will. Alle ihre .Bollfommenheit bezi 
fi) auf den menſchlichen Gebrauch, zur Werl 
ſerung ihres Erfenntnijfes, zur Nothwendigk 
Bequemlid;feit uud Ergoͤtzung des menſchlic 
tebens.. Ich bitte aber zu merken: Die Vollke 
menheit aller diefer Werfzeuge und Mafchi 
wird hier nicht darum äufferlid; genannt, weil 
Urfache ihrer Vollkommenheit der Werfmeif 
auffer ihnen iſt; fondern weil das legte Ziel, ı 
mit alle ihre Wirffamfeit und Beſchaffenheit üf 
einftimmet, auffer ihnen ift. Und fo ferne fie dx 
nicht als Werfe der menfchlichen Kunft, fond 
nad) der Uebereinftimmung mic einem feßren Zi 
betrachtet werden: fo läßt ſich eben Daffelbe von I 
Körpern oder Werfen der Natur fagen, daß 
. bloß eine äuffere Vollkommenheit haben, we 
das Ic&te Ziel der Ucbereinftimmung ihrer wir 
chen Kräfte und Befchaffenheiten nicht in ihr 
ſelbſt, fondern auffer ihnen ift, oder feyn kann 


$ 5. 


Laſſet ung denn die Förperliche Ichlofe Welt , 
und für jich felbit, nach ihrem inneren Wefen, nı 
ihren Naturkraͤften und natürlichen Beſchaffenheit 
ohne Beziehung auf die Lebendigen anfehen: ob 
dann darinn eine innere Vollkommenheit mögl 
fey. Es erhellet ſogleich aus dem gefeßten Der 





muß aus Abficht Serbongebt, N. 149 


Ein bloß Förperlich Teblofes Ding kann, mern es 
wirklich iſt, fein eigen Dafeyn, feine natürlichen 
— und natürlichen Defdjafenpeiten gar 
,) nicht empfinden, Denn wenn wir ihm eine Em⸗ 
young —— wollten: fo wuͤr · 
—— ——— ein Ei — 
mas ji feget wär, 
daß es leblos ſey. Mun muß es einem Dinge, das 
gar Feine Empfindung von feinem eigenen Dafenn, 
md von feiner eigenen Natur und natürlichen Be: . 
—— bat vder haben kann vermoͤge ſeines 
Weſens und feiner Natur ſchlechter⸗ 
— einerfen feym, ob es wirklich iſt oder nicht if, 
ob es von Geftern oder von Ewigkeit gewvefen, ob es 
Morgen aufhören wird, zu ſeyn, oder in Ewigkeit 
forebauren wird: es ift ihm an fich, vermöge feines 
Weſens und feiner Natur einerley, ob es wirkſam 
eder unwirkſam ift, ob es diefe oder jerie Bewer 
gungsfraft hat, ob es ſich oft- oder weſtwaͤrts, in 
geraden oder krummen $inien, geſchwind oder lange 
fam beweget. Es ift ihm an fich, vermöge feines 
Wefens und feiner Natur, einerlen, ob cs’ diefe ober 
jene Figir an ſich trägt, ob feine Theile in einer 
Debnung ſtehen, ober alle unorbentlich ift, ob fie 
unter einander eine Proportion und ein Verhaͤltniß ha · 





ben, odet fe und monftrds find: es iſt ihm 
is riey, ob aus feinen Kräften und 
Beſcha einftimmige ober wider einander 
flreitende Wirkungen erfolgen. Daraus folgetdenn 
ffenbar , daß in eines leblofen Dinges eigenem 
Weſen, Natur imd natürlichen Befchaffenpeit, an ' 
vond für ſich ſelbſt, a Velinmender 17 doch 


ſeyo 





so II AH. Eine lebloſe Welt. 


feyn kann, welches den Grund in fich bielte, warum 
es vielmehr iſt, als nicht iſt, warum es viel.nehe 
Dieje als jene Kräfte und Beſchaffenheiten hat, 
ı warum fich feine Wirffamfeit nach diefen oder jenen 
Kegeln richtet, dieſe oder jene Veränderungen her⸗ 
vorbringet. Wo aber ineinem Dinge an ſich nichts 
beftimmenbes ift, da kann auch das legte Ziel ſei⸗ 
ner Uebereinftimmung nicht in ihm felbft feyn, da | 
bet feine innere phnfifche Vollkommenheit Statt. 
ie £örperliche lebloſe Wele ift alfo an fich ſelbſt, 
vermöge ihres eigenen Weſens, Natur und Bes 
fchaffenheit, ohne Beziehung auf die Lebendigen, 
feiner eigenthuͤmlichen inneren und phufifchen Voll⸗ 
kommenheit fähig. 2. 
- 7 Um biefes völlig aus einander zu fegen, muß 
ich noch einer Verwirrung abhelfen, welche Die ſtun⸗ 
liche Vorſtellung und Einbildungsfraft anzuricheen 
pflegt. Man bemerfet in den leblofen Dingen ges 
wiſſe Befchaffenheiten, die auf unfere Sinne einen 
angenehmen Eindruck machen, und uns Luſt erwe⸗ 
den; nämlich, weil der Eindruck, nad) dem Urtheile 
unferer Empfindung, mit dem Tone unferer Nerven 
uͤbereinſtimmet. Mun find wir gewohnt , burch 
unfere Vorftellung alles, was in ung gefchieht, auffer 
ung zu feßen. Daher legen wir den Dingen auffer 
uns dasjenige bey, mas Doch eigentlich nur unfere 
Empfindung iſt. Wir fagen, die Luft iſt warm, ber 
‚Zuder ſchmecket füR, die Blume riecht balfamifch, 
die Violine Elinge lieblich, die Farbe fieht ſchoͤn aus, 
Da doc die Empfindungen des Gefühle, Ges 
ſchmacks, Geruchs, Gehörs und Gefichts in uns 
allein find, und den leblofen Dingen auffer ung 


B . nichts 





* — 
“. . » 


na ahſuht pernorgeßesfepn. 150 
«weiter. beygeleget , 
Veen in et ta, ET: 
Iräfte mb —— Mir fer 
np die füße ſtimmung mie unfern 






g ’ 
ehnlichfeit in verfhledenen Dingen, die — 
xd.ober auf einander folgen, welche wir Ordnung, 
roportion und Sarmonie nennen. , Das find al 
3 Befchaffenbeiten, die uns Menfchen nach ber 
neren Empfindung gefallen: theils weil fie die 
öftliche Vollkommenheit des Werkmeiſters, des 
dahlers, des Bildhauers, des Baumeiſters, des 
smponilten und Muſici, oder fo man will, bes 
jerfmeifters der Natur, ausdrüden; theils, weil 

‚auch unſern Geift, durch die confufe Vorſtellu F 

fer Befchaffenheiten, zu einer Uebereinſtimm 

ner Verrichtungen bilden und gewöhnen, und 

8 folglich, der Seele nach, vollfommener ma- 

m, Solche innere Empfindung der geiftigen 

oßfommenheit , die uns. durch finnliche Dinge 

ſegetheilet wird, beffert dann unfern Geſchmack 
e. Seele. Wir würden aber fehr irren, wenn 

» dieſe geiftige Vollkommenheit, durch unfere 

orſtellung, den koeper ve lebloſen Dingen ee 


N 
s 


152 | II A6h. Eine lebloſe Welt 
fich zueigneten. Das wäre noch eine- größe 


- wirrung,, als wenn wir die Annehmlichkeii 
Widerlichkeit unferer finnlihen Empfindın 
die förperlichen Dinge felbft Hinein ftellen, 
Luft warm, das Feuer Heiß, den Käfe fal; 
Wermuth bitter nennen, Wie die Leber 
mung mit unfern Nerven nicht in ben Ding: 
iſt, welche die Wirkung auf unfere Nerven ı 
fo ift nor vielmeniger die Webereinftimmi 
unferer inneren geiftigen Empfindung der S 
den leblofen Eörperlichen Dingen an fich zu 
Die Verfchiedenheit und Mifhung von 

und Figuren, die Abmechfelung des Schall 
Aehnlichfeit in der Ordnung und Propor 
Theile, ift freplich in den Dingen felbft. 

wird das leugnen? Aber dasjenige, womit d 
ſchaffenheiten übereinftimmen, ift nicht in de 
fen Eörperlihen Dingen felbft,, fondern in 
geiftigen Empfindung; es ift alfo für fie l 
nere, fonbern eine äuffere Vollkommenheit. 
die Dinge felbft ift jede Farbe, Mifchun: 
nung, Proportion und Wechfel von Töne 
ley: alles beziehe fichauf ein verftänbiges A 
Ohr, und auf den Verftand des Werkn 
der es für lebendige eingerichtet hat. : Ar 
alle diefe Beſchaffenheiten, in DBetrachtur 
äufferen Vollkommenheit noch relativ. De 
iſt für bie Schweine eine wohlriechende un! 
fhmedende Nahrung ; für uns keineswegt 
fo verhält es fi) mit den Farben, bem € 
Geruche und Gefühle verfchiedener Thiere. 
Krummpolzift fürden Schiffbau vollfomme: 





= eier. han 13 


ee geradefte ſchönſte Balken. in concentrifch 
—— Genie aan, Ale Kl 
1 regulären, 
ae —* Proportionen Fra \ 
— — 
wo ſie r 
= wäre — einen Biber oder ds ein 


—— Selbſt die ® lutem 
und, ——— —— en, 
en 
Irper an , 

ar die See bmndet._ Dem wm 


die ern und im berfelben Fra 
tümen, und bloße liche Mafchinen daraus 
nacheten: fo räumten wir das Ziel von allem Bes 
üben folcher Mafchinen weg: Folglich waͤre auch 
wider Natur des Körpers, als Körpers,-nichts, 
oemit alles übereinftimmen koͤnnte. Die Körper 
—— ſind bloß dadurch vollfommen, daß 
Werkzeuge find, welche mir der Nar 

5 ‚oder dem Bemühen jeder Seele , nad) ihrer 
lrt des $ebens, übereinftinmen. Sobald man eine 
emiffe Art Seelen und Art des tebens feget: fo 
ird — ee ihr ar ihre Aus 
en, ren, il jagen, u. ſ. w. müffe bes 
haften ſeyn — rer und für ung 
— Figuren und are find ihnen in 
Eiemente-und- für die Art ihres Sebens, eben 

* —— ae fr der Eine 
Bewegung ſchicken ig e Art des 
us. Beiandern aber, a antin ie. Eimat 


- „r 





154 NE Abh. Eine lebloſe We 


und ihr Lebensart: foift berfelbe Körper m 
nen Werkzeugen unvollkommen. Wie vi 
Finnen mir Körpern und Maſchinen, I 
ganz und gar leblos find, eine innere 
und eigenthuͤmliche Vollkommenheit bey! 
Setzet alfo Firfterne, Planeten, 

Sicht, Luft, Erde, Pflanzen, Gold, Sil 
gefteine; feget Sehroͤhren, Vergroͤßeru 
N ıiadranten, Zirfel, Geigen‘, Flöten 
Uhren, Mühlen, Sprügen,, Pumpen, 
wouet: aller diefer leblofen Dinge Bol 
heit beiteht Bloß in dem äußerlichen N 
Vergnügen, melche fie ben $ebendig: 
Wenn ich dieſen Mugen oder diefes Vera 
$ebendigen aufhebe: fo bleibt in den gt 
kleinen Weltförpern, in den Mafchinen ın 
zeugen‘ der Menfchen felbft nichts übri 
alles ibereinftimmete. Sonne und Firfl 
zwar die Quellen des Lichtes und der Wär 
fie find fich felbft nicht helle oder warm. 
neten haben Tag und Nacht, Somner u 
ter; aber ihnen felbft ift aller Zuſtand 
Die Pflanzen, die Bluhmen zeigen ung eine 
Bildung, Proportion und Ordnung dei 
aber biefe ihnen felbft gleichgültige Befd 
ten machen ihre eigene und innere | 
menbeit noch nicht auß, indem fie berfelben, 
als ihres fehönen Geruches, Geſchmackes 
beren Nutzens, felbit genießen. So fpi 
ber Baufanffonfche Mann nicht feinen eig 
ren; die Sehröhre und Vergrößerungsg 
hen ihrem eigenen Geſichte nichts fichtbar 


miß aus Ubficht hervorgebt. ſeyn. 155 
ım Uhren ſchlagen und weiſen ſich ſelbſt die Zeit 
chez fie find alle nur ‚für Menſchenohren, Augen, 
\b Berjtand voll£onmen, und mis diefem äufferen 

rer met alles in — in Brig 
‚gebenfen, woı 
nme. 


Mangel der inneren Vollkommenheit 
&.bie Seblofigkeit einer jeden Materie und : 
nötömendig in fich. Denn das Sebiofe 
miehe feiner eigenen Wirklichkeit auf feine Weiſe, 
eder Bewußt· 


als ob fie nicht wäre: es. iſt (pm an und 
kefich gleich und einerley, ob es da ift, oberniche 
Hab. #8 fo. oder. anders befchaffen ift : folglich iſt in 
ner eigenen Natur und in feinem Weſen nichts, wo⸗ 
ech feine Wirklichkeit vielmehr, als das Nicht» 
ton, gefeget würde; auch nichts, wornach viel. 
tehe Diefe Art der Wirklichkeit, als eine andere, 
eflimmer werben möchte. Daraus iſi denn aud) 
ſenbar, daß in einem leblofen Dinge ſelbſt nichts 
Wgebenfen fen, momit alles, was in ihm iſt, 
bereinftimmen Fönnte, das ilt, daß es feiner in, 
ren. Vollkommenheit fähig fey. Es würde für 
Ber unvollfoımmener werden, wen es gar aufs 
zu fen, ober wenn es lauter übel zufam» ° 
—— Beſchaſſenheiten haͤtte. Ja, wenn 
eu wäre, daß, ein lebloſes Ding, als ein 
auf einen Augenblick fich bewußt wer 
könnte; wuͤrde es nicht felbft fagen: Was Hilfe 
—* 306.6 hli tan Jahre, je 


156 TI Abh. Eine lebloſe Melt 


von Ewigkeit, gewefen? Ich bin ja mir nicht 
weſen; meinetbalben möchte ich auch in afle I 
tige Ewigkeit nicht ſeyn, wenn ich nichts vor 
wiſſen fol. Was ift mir auch daran gelegen, 
ich fo, und nicht anders bin ? alle fchänen D 
auffer mir find doch für ſich nichts beſſer de 
wie ich. 

Die ganze Förperlihe Welt ift, als leblos 
ſich ſelbſt, nichts vollkommener, als ein S 
korn, oder als ein müftes Chaos. Sie hat; 
allerdings eine uͤberaus große Vollkommen 
aber ber Punkt ihrer Uebereinſtimmung if ı 
in der leblofen Materie felbft, und findet aid 
nicht Start. Wir koͤnnen das nicht beffer er 
nen, als wenn mir ihr die Lebendigen insgefas 
wegnehmen, übrigens aber ihr alle innere. Ein 
tung laffen: fo muß fich zeigen, was fie für 9 
kommenheit behalte. 

Es foll demnach alles in der Welt fo Biel 
wie es jeßt if. Die Sonne, der Mond, 
Sterne gehen ordentlich auf und unter; es 
Tag und Nacht, Frühling, Sommer, Herbft 
Winter ; es mechfeln Regen und Sonnenfü 
Waͤrme und Kälte, Wind und Stille mit eb 
der ab; alles Gras, Kraut, Bluhmen, Pflas 
Bäume, Fruͤchte, wachſen noch reicher, wie 
Aber in der ungeheuren Maſchine iſt fein & 
welches das fieht, betrachtet, forſchet; fein M 
der die Früchte genieße oder braucher; kein 
gel, der zriefchern, Fein Ohr, dem gefungen ı 
den fann. Dom Elephanten bis zum Mäuse 
vom Wallfifche bis zum Gründlinge, von dem 


maß &bfiht berdergehe. on. 157 


h bis ur Miete, vom Contur bis yumı Colibeit, 

= —— nn Me u 
verbannet: alles, bis zu ben 

* — Mile, tobt, ofne 


md Beeftond, ‚opne Luſt, 

———— 
korperlichen, fuͤhlloſen, und nunmehro 
en Welt? wo dasjenige, womit 


die Abtheilung in fo viele große — 
Meltfärper, womit ber orbentliche Lauf 
', ber Wechfel von Tagen, Fahren und 
, die? Sruchtbarkeit der Erbe, alles gewaltige 
gen und Bewegen der Natur übereinftimmer ? 
oju alles diefes Bemuͤhen fo viele taufenb Fahre 
Durch: ja von Ewigkeit zu Ewigkeit? Wer -ift 
ee Natur? wen arbeitet fie? was 

t ſie 

Es ware ja für fie einerley, ob fü fü je wäre oder 
Des ob fie. in große Kugeln vertpeiler, oder ob 

s ein roher vermifchter Klumpen waͤre; oballes - 
Be Sichte ſtrahlete, oder in eroiger Finfterniß 
Wraben läge; ob fie eine Bewegungskraft hätte, 
walles rubig und flille an einem Orte bliebe; 
Die Dlaneren ihre Bahn und Zeit hielten, oder, 
1; Dutch den offenen Himmel ins Wilde ge» 
würden, und alles durch einander wuhlete 
$ tobete; 0b. die Planeten mit Pflanzen, Baͤu⸗ 
Rund Kräutern bebeter wären, oder als nadete, 
fie Felsbrocken um einen Mittelpunkt tolleten. 
wate nichts in der Förperlichen Welt, fo ferne. 
iſt, womit entweder das eine uͤbereinſtim · 
‚mete, 





158. TI Abh. Eine lchlofe Welt - 


mefe, unb dem es zu Gute fäme, ober be 
andere zuwider wäre und ſchadete. Denn bie 
Welt und Natur fühler, weis und genieße 
Dafenns oder ihrer Befchaffenheie felbft nic 
wenn es möglich wäre, daß fie fich auf eine: 
genblick bewußt werden koͤnnte, fo würde fie 
geftehen, daß es ihr ganz einerlen fey, ob ur 
lange fie vorher gewefen, ober ins Künftig 
würde, und was in ihr geſchehen ſey, ode 
ferner geſchehen werde. 
5 6. 

Es iſt demnach offenbar, daß in der koͤ 
chen lebloſen Welt an ſich ſelbſt, vermoͤge 
Natur und ihres Weſens, nichts iſt, noch ſeyn 
welches ihr Seyn vielmehr, als ihr Nichtſeyn, ur 
Beſchaffenheit mehr, als die andere, beftim 
mithin ift auch von ihr feine innere Volikon 
heit oder Uebereinſtimmung alles deſſen, n 
ihr iſt, mit einem gemeinſchaftlichen inneren 
telpunkte zu gedenken. Wenn aber der Gru 
rer Wirklichkeit, Eigenſchaften und Vollkon 
heiten nicht in ihr ſelbſt iſt, ſo kann ſie aut 
erſte ſelbſtaͤndige Weſen nicht ſeyn; fondern € 
get im Gegentheil, daß der Grund ihrer Wi 
keit, Eigenfchaften und Vollkommenheit auß 
naͤmlich in dem erſten, ſelbſtaͤndigen Weſen 
ſuchen ſey. Die Welt iſt alſo von einem ſell 
digen Weſen, als einer wirkenden Urſache 
ihr, zur Wirklichkeit gebracht, sera, ode 
vorgebrache worden, 


7 J 


ape Auſcht beworgehe. fe 1:9 


Dieſe Schoͤpfung, oder dieſen Anfang der 
elt, beſtaͤtiget auch ihre Dauer und ſortwaͤhrende 
id — in einer beſtaͤndigen Folge von 
fa und Begebenheit beiteht. 
rg von Veränderungen eine Zeit 
rn ift folglich auch die Wirklicykeit der 
‚Zeit nicht zu gedenken: und ihre ganze 
er, ober das Alter = Welt, ift mit der ee 
jolg Begebenheiten einerley: eins iſt 
n gleich, eins mißt das andere aus. 
Weil nun offenbar daß noch immer Begeben · 
heiten in der Welt "zue Wirklichkeit fommen, die 
nicht wirklich waren, und. daß ein Zafeund 
undert dem andern folget: ſo werden ja den 
iten in der Welt, die ſchon wirklich 
Waren, oc) immer mehrere hinzugeſetet. Nun 
If. dasjenige, dem fich noch immer mas hinzuſehen 
lößt, nicht unendlich, und Fann eben darum, weil 
«ins Unendliche vermehret werden kann, nimmer 
unendlich werden, fondern ift und bleibt immer 
mblich. ‚Demnach; find die Begebenheiten in der 
t, Und die Felge derfelben, mithin auch die 
it ihrer Wirklichkeit, nicht unendlich, konnen auch 
Fr unendlich werden, wenn fie gleich. ins Une 
' enbliche fortwähren, fondern find und bleiben alle 
wege endlich, Wir dürfen auch nur die Zeit der 
Wirklichkeit der Welt als eine Zahl gedenken, die 
aus einzelnen Jahren oder Jahrhunderten nach 








einander befteht: fo wird klar ſeyn, daß fie end», 


Kid) feyn ober „Schranken haben müffe, meil eine 
jede Zahl vermehret werden Fann, und die verflofe 
fenen wirklichen Jahre nicht einmalins Unendlich 

13 





so TH Ah. Eine lebloſe Welt. 


| ſeyn kann, welches ben Grund in fihhielte, warum 


es vielmehr ift,.als nicht ift , warum es viel.nehe 
Dieje als jene Kräfte und Befchaffenheiten ‚hat, 
warum fich feine Wirkſamkeit nach) diefen oder jenen 
Kegeln richtet, biefe oder jene Veränderungen her⸗ 
vorbringet. Wo aber ineinem Dinge an ſich nichts 
beftimmendes ift, da kann auch das legte Ziel ſei⸗ 
ner Webereinftimmung nicht in ihm felbft ſeyn, da 
bat feine innere phnfifhe Vollkommenheit Statt. 
Die Eörperliche leblofe Welt ift alfo an fich feld, 
vermöge ihres eigenen Welens, Natur und Bes 
fchaffenheit, ohne Beziehung auf die Lebendigen, 


feiner eigenthuͤmlichen inneren und phufifchen Wolke 


kommenheit fähig. 
- 7 Um diefes völlig aus einander zu fegen, muß 
ich noch einer Verwirrung abhelfen, welche die fin, 
liche Borftellung und Einbildungsfraft anzurichten 
pflegt. Man bemerfet in den leblofen Dingen ges 
wiſſe Beſchaffenheiten, die auf unfere Sinne einen 
angenehmen Eindrud machen, und uns Luſt erwe⸗ 
den; nämlich, weil ber Eindrud‘, nad) dern Ürtheile 
unferer Empfindung, mit dem Tone unferer Nerven 
übereinftimme. Mun find wir gewohnt , durch 
unfere Vorftellung alles, was in ung gefchiebe, auffer 
ung zu feßen. ‘Daher legen wir den Dingen auffer 
uns dasjenige bey, was Doch eigentlich nur unfere 
Empfindung if. Wir fagen, die Luft ift warm, ber 
Zuder ſchmecket füh, die Blume riecht balfamifch, 
bie Violine klingt lieblich, die Farbe ſieht ſchoͤn aus. 
Da doch die Empfindungen des Gefühle, Ges 
ſchmacks, Geruchs, Gehoͤrs und Gefichts in uns 
allein find, und den ‚leblofen Dingen auffer ung 
nichts 


Sbfühe heworhebe ſeyn. 252 





hhes welter. werden kann, als daß fe 
we W i dv 
—— * — an u ie 6 Wir fer 


a alſo bie füße Uebereinſtimmung mit unfern 
en, und bie Vollkommenheit, welche in uns 
ei den Eindruck finnlicher Dinge emößehe, ‚bie 
R,.weldhe von uns erapfunben wird, in bie äuffe: 
———— Pe. md legen har amashe, 
B ühocn wiche zukoͤmmt noch Ir formen fan? 


Wie en und — ei 
** in —* Dingen, die gleich 
b ober auf einander folgen, welche wir Ordnung, 
oportion und Sarmonie nennen. . Das find als 
Belchaffenheiten, die uns Menfchen nach der 
eren Empfindung gefallen: theils weil fie bie 
ſtliche Vollkommenheit des Werkmeifters, bes 
ahlers, des Bildhauers, des Baumeifters, des 
mponiften und Mufici, ober fo man will, bes 
erfmeilters der Natur, ausdrüden; theils, weil 
auch unfern Geift, durch die confufe nn 
fee Beichaffenheiten, zu einer Webereinftimn 
we Werrichtungen bilden und gemöhnen, und 
3 ‚ Plalih; der Seele nach, vollfommener ma- 
‚Solche innere Empfindung der geiftigen 
Mommenheit „ bie ung. burch finnliche Dinge 
— wird, beſſert dann unſern Geſchmack 
Seele. Bir würden aber fehr irren, wenn 
: diefe geiftige Vollkommenheit, durch unfere 
efteilung ‚ben Pirna leblofen Dingen 4 
\ 





152 II Abh. Cine lebloſe Weit 


ſich zueigneten. Das wäre noch eine. größer 
wirrung, als wenn wir die Annehmlichkeit 
Widerlichkeit unferer finnlichen Empfinden 
die förperlichen Dinge felbft hinein ftellen, ı 
Luft warm, das Feuer heiß, den Käfe falz 
Wermuth bitter nennen, Wie die Ueber: 
mung mit unfern Nerven nicht: in den Ding: 
iſt, welche Die Wirkung auf. unfere Nerven n 
fo ift noch vielmeniger bie Webereinftimmu 
unferer inneren geiftigen Empfindung der S 
den leblofen förperlichen Dingen an ſich zu 
Die Verfchiedenheit und Miſchung von 

und Figuren, die Abmwechfelung des Schall 
Aehnlichkeie in der Ordnung und Propor! 
Theile, ift freylich in den Dingen felbft. 

wird das leugnen? Aber dasjenige, womit di 
fchaffenheiten übereinftinnmen, ift nicht in de 
fen koͤrperlichen Dingen ſelbſt, fondern in 
geiftigen Empfindung; es ift alfo für fie k 
nere, fondern eine äuffere Vollkommenheit. 
die Dinge felbft ift jede Farbe, Mifchuns 
nung, Proportion und Wechfel von Töne 
(ey : alles bezieht ſich auf ein verfländiges A 
Ohr, und auf den Verftand des Werfn 
der es für lebendige eingerichtee hat. : Au 
alle diefe Beſchaffenheiten, in Betrachtun 
äufferen Vollkommenheit noch relativ. De 
iſt für die Schweine eine wohlriechende unl 
fhmedende Nahrung ; für uns feineswege 
fo verhält es ficdh mit den Farben, dem € 
Geruche und Gefühle verfchiedener Thiere. 
Krummpolzift fürden Schiffbau volllomme 





ebadener 

mw, als die ı ichen regulären. Alle Sirden, 
4 und Proportionen koͤnnen 

——— —— 7— 

mo fie. ſich ſchicken. 


Be Dale rn eo Zadar 
Ihh will noch noch meh ſag & bftdie Ve — 
| en: Se 0 
henbeit, welche wir den Körpern der Lebendigen, 
mb allen ihren Theilen und Befchaffenheiten beyle⸗ 
jen, iſt nicht im Körper an und für ſich, 
Die Seele betrachtet. Denn mern wir Dem 
"bie Seele und mit berfelben die Empfindung 
‚und bloße Fünftliche Mafchinen daraus 
» fordumten wir das Ziel von allem Ber 
nüen folcher Mafchinen weg: Folglich wäre ah 
Mder Natur des Körpers, als Körpers, nichts, 
bomit alles übereinftimmen Fönnte, Die Körper 
ee $ebendigen find bloß dadurch vollkommen, daß 
ie bequeme Werkzeuge find, welche mit der Nas 
ur ober — Bemühen jeder Seele, nach ihrer 
Irtdes Bene übereinftimmen. Sobald maneine 
Seelen und Art des tebens feger: fo 
u dadurch beſtimmet, tie ihr Körper, ihre Aus 
jen, 2 Ohren, ihr Magen, u. f. w. müffe bes 
feyn. Die wunderbarften und für ung 
Figuren und Proportionen find ihren in 
em ran und für die Art ihres Sebens, eben 
— ei — 
ig e Art des 
übene. Werinbent. 9 de Os en ihr Emm 
{8 5 . 


il 


J 


154 DIN. Eine Teblofe Welt 


und ihr Sebensart : foift derfelbe Körper mit ai 
nen Werfzeugen’'unvolllommen. Wie viel n 
Finnen wir Körpern und Maſchinen, die 
ganz und gar leblos find, eine innere, a 
und eigenthämliche Vollkommenheit beylegen 
Setzet alfo Firfterne, Planeten, Co 
Licht, Luft, Erde, Pflanzen, Gold, Silber, 
geſteine; feget Sehröhren, Vergroͤßerungs 
N ıadranten, Zirfel, eigen, Flöten, $ 
Uhren, Mühlen, Sprüßen , Pumpen, mw 
wouet: aller diefer lebloſen Dinge Vollko 
heit beſteht Bloß in dem äußerlichen Nutze 
Vergnügen, melche fie den Lebendigen 
Wenn ich dieſen Nutzen oder diefes Vergnuͤ 
$ebendigen aufbebe: fo bleibe in den große 
Fieinen Weltförpern, in den Mafchinen und ! 
zeugen’ ber Menfchen felbft nichts übrig, ı 
alles übereinftimmere. Sonne und Sirftern 
zwar die Quellen des Lichtes und der Wärme 
fie find fich felbft nicht helle oder warm, Di 
neten haben Tag und Nacht, Somnier und 
ter; aber ihnen felbft ift aller Zuſtand eir 
Die Pflanzen, die Bluhmen zeigen ung eine gef 
Bildung, Proportion und Ordnung der T 
aber diefe ihnen felbft gleichgültige Beſchaff 
ten machen ihre eigene und innere Vol 
menheit noch nicht aus, indem fie derfelben, fo ı 
als ihres fehönen Geruches, Geſchmackes un 
beren Nutzens, felbit genießen. So fpielet 
der Baufanffonfche Mann nicht feinen eigenen 
ren; die Sehröhre und Vergrößerungsgläfe 
chen ihrem eigenen Befichte nichts fichtbar; d 





muß Sbficht Derdocgehe. "fg. 255 
nur 

nd Verſtand — —* mis Diem duffren 

Nele ftimmet alles in denfelben überein; in ihnen 

Ir ne zu gebenfen, womit alles übereine, 


—— der inneren MBollfomniwenheie 
„bie Seblofigkeit einer jeden Materie und : 
‚mothmendig in fich. Denn bas tehisfe 
ft feiner eigenen — auf keine Weiſe, 

durch Empfindung, Vorſtelung, Bewußt. 
—— — 
eblofe Bine alfo ſelbſt ift feine 
‚gut, als ob fie nicht wäre: —— 
glech und einerley, ob es da iſt, oder nicht 
De 23 fo oder anders beſchaffen iſt: folglich iſt in 
—— nen Natur und in feinem Weſen nichts, wo⸗ 
e Wirklichkeit vielmehr, als das Nicht» 
en, — würde; auch nichts, wornach viel. 
mehr Diefe Art dev Wirklichkeit, als eine andere, 
eſtimmet werden moͤchte. Daraus iſt denn auch 
Mienbar, daß in einem lebloſen Dinge felbft nichts 
gebenfen fe, womit alles, mas in ihm ift, 
Ibereinftimmen. Eönnte, bas if, daß es feiner ins 
ren. Vollkommenheit fähig ſey. Es würde fir 
ich nicht unvollfommener werden, wenn esgar aufs 
Iörete, ſeyn, ober wenn es lauter übel zufam» ' 
nenftimmende Befcyafenheiten Di Ja, wenn 
S möglich wäre, daß, ein lebloſes Ding, als ein 
Banbforn, auf einen Augenblick ſich bewußt were 
en Eönnte; wuͤrde es mr ſelbſt fogen: Was Hilfe 
we: das, doß ich ſo. viel taufend Jahre, 3 


u 


6% 


16. m Ash. "Eine lo wu 


von Erigfel, geweſen? Ich bin ja mir le 
weſen ; meinethalben möchte ich auch-in ale? 
tige Ewigkeit nicht ſeyn, wenn ich niches j 
wiſſen fol. War ift mit aukh baran fen 
ich fo, -und nicht anders bin 3 alle en 
ee. find doch für ſich ‚ıiches be 


ganze förperliche Welt if,’ alt 
PERF a nichts volfoninterier, 42 
korn, oder als ein wuͤſtes Chaos. Se R 
- allerdings eine üseraus große Vollken 
aber der. Punfe ihrer- if uno Mnöie 
in der feblofen Materie felbft, und 
niche Start. Wir Finnen das nicht | 
nen, als wenn wir ihr die Sibendigen im 9 
wegnehmen, uͤbrigens aber ihr alle innere = 
tung laffen: fo muß fich zeigen, was pet X 
kommenheit behalte. u 9 
Es ſoll demnach alles in ber Welt v Su 
wie es jezt iſt. Die Sonne, ber DR 
Sterne geben orbentlich uf unb id mt | 
Tag und Nacht, Frühling, Sommer, 
Winter; es mechfeln Regen und Gonne 
Waͤrme und Kälte, Wind und Stille ** 
der ab; alles Gras, Kraut, Bluhmen, % 
Bäume, Früchte, wachſen noch reicher, w 
Aber in ber ungeheuren Maſchine NA ten 
welches das fieht, betrachtet, ferien ; fein ’ * 
der die Früchte genießt ober brauchet; keia⸗ 
gel, der zwitſchern, kein Ohr, dem geſun 
den kann. Vom Elephanten bis zum. —* 
dom Woſitebe zum Gruͤndlinge, von dent 

















2. 


2 
1 
7 J. 


Lu) 


— vom Contur bis zum Colbu 
d der allerkleinſten Fliege, iR, aus ber. 
elt verbanner+ alles, alles, bi6-u den dußierften 
Ps; hg if öde, Mille, tobt, one 


d erfand, 
En und Glidfeligeit, a, 
nd nme frdene 
| , fen, und nunmehr 
vom bi} basjenige, womit 
die Abtheilung in fo viele große lichte 
je, Weltfärper, momit der ordentliche sauf 
ber Wechfel von Tagen, and und 
die Fruchtbarkeit der Erde, alles gewaltige 
und Bewegen der Natur Übereinftimmer ? 
En dieſes Bemühen fo viele tanfenb m Sabre 
ounchz ja von Ewigkeit zu Eroigkeit? Wem -ift 

Welt, die Natur? wen arbeitet fie? was 
affet fie? 

Es wäre ja für fie einerley, ob fie märe oder 
it; ob ſie in grofie Rugeln vertheilet, oder ob 
8 ein royervermifchter Klumpen wäre ; ob alles 
(hellen Sicht ſtrahlete, oder in ewiger Finfterniß 
Idraben läge; ob fie. eine Bewegungekraft hätte, 
er alles ruhig und flille an einem Orte bliebe; 
(Die Dlaneren ihre Bahn und Zeit hielten, oder, 
Bälle, dutch den offenen. himmel ins Wilde ger 
leubert wurden, ind alles durch einander wuhlete 
Ebete ob. die Planeten mit Pflanzen, Baͤu⸗ 
Mund Rränternbebecer wären, oder als nadete, 
ifte Felsbrocken um einen Mittelpunkt rolleten. 
Eimäre nichts in der Förperlichen Welt, fo ferne. 
leblos if, womit entweder das eine übereinitim- 

mete, 





15%. TE Abh. Eine lebloſe Welt -- 


mete, und dem es zu Gute kaͤme, oder dem dat: 
andere zumider wäre und fchadete. Denn Die gann 






Welt und Natur fühle, weis und genieße ir! 
Dafenng oder ihrer Befchaffenheit feibft nicht und 
wenn es möglich wäre, daß fie fich auf einen dB. 
genblid bewußt terben koͤnnte, fo wuͤrde fie 
geftehen, daß es ihr ganz einerley fey, ob und 
lange fie vorher gewefen, oder ins Künftige fen: 
wärde, unb was in ihr geſchehen ſey, oder * 
ferner gefchehen werde, : 
| Ss 6. j . 

Es ift demnach offenbar, daß in der Erpeil; 
chen leblofen Welt an fich felbft , vermöge ihrer, 
- Natur undihres Wefens, nichts ift, noch feyn fang, . 
welches ihr Senn vielmehr, als ihr Nichtſeyn, und ein 
Beſchaffenheit mehr, als die andere, beſtimmete; 
mithin ift auch von ihr feine innere Vollfommen« 
heit oder Webereinftimmung alles beffen, was in 
ihr ift, mit einem gemeinfchaftlihen inneren Mie⸗ 
telpunfte zu gebenfen. Wenn aber der Grund ff 
rer Wirklichkeit, Eigenſchaften und Vollkommen⸗ 
beiten nicht in ihr ſelbſt iſt, fo kann fie auch daB 
erfte felbftändige Wefen nicht feyn; fondern es fol⸗ 
get im Gegentheil, daß der Grund ihrer Wirklich, 
feit, Eigenfchaften und Vollkommenheit außer iße, 
nämlic) in dem erften, feibftänbigen Welen, zu 
fuchen fen. Die Welt ift alfo von einem felbftäns 
bigen Wefen, als einer mirfenden Urfache außer 
ihr, zur Wirklichkeit gebracht, sera, oder her⸗ 
vorgebrache worden. 


Diefe 


man aoſtht heworgete. fen. 129 


—— Schoͤpfung oder dieſen Anfang der 
get auch Üre Dauer und fortwährende 

welche in un Degree Daft - 
ande und ebenheit . 
Pin von Veränderungen eine Zeig 
ift folglich auch die Wirklichkeit dee 
B een niche zu gedenfen; und ihre ganze 
auer, er Welt, ift mit 

m Solge Begebenheiten einerley: eins 

im. andern gleich , —— das ‚andere ans. 
Beil nun offenbar ik, daß noch immer Begeben ⸗ 
täten in der Welt zur Wirklichkeit fommen, die 
veher nicht wirklich waren,. und. daß ein Jahrund 
undert dem andern folget: fo werden ja den. 
übeiten in der. Welt, die ſchon wirklich 
katen, noch immer mehrere binzugefeget. Nun 
Edasjenige, dem ſich noch immer mas hinzufegen 
t, nicht unendlich, und Fann eben darum, weil 
ins Unendliche vermehret werben fann, nimmer 
henblich werden, fondern ift und bleibt immer 







= 


Wlich. -. Demnach find die Begebenheiten in der 
Belt und die Folge derfelben, mithin auch die 
ihrer Wirklichkeit, nicht unendlich, konnen auch - 
mer unendlich werden, wenn fie gleich ins Un« 
Wliche fortwähren, fondern find und bleiben alle 
ge endlich. Wir dürfen auch nur die Zeit der 
it der Welt als eine Zahl gedenken, bie 
E einzelnen Jahren oder Jahrhunderten nad) 
ander befteht: fo wird klar feyn, daß fie ende, 
ih ſeyn ober ‚Schranken haben müffe, weil eine 
de Zahl vermehret werden kann, und die verflofe 
nen —— Jahre nicht einmal ins Unendliche 
N 


160 MI Abh. Eine lebloſe Welt 

zu dehnen find, fonbern eine beftimmte Zahl « 
machen. Es ift alfo vor der beftimmten Zapf 
ver wirflichen jahre, und vor allen ihren wir 
chen "Begebenheiten eine Zeit zu gebenfen, da 
nicht wirklich war, das ift, fie ift niche ewig w 
lich, fie har einen Anfang ihrer Wirklichkeit: 
ift alfo von dem erften felbftändigen Wefen : 
Wirklichkeit gebracht, ober gefchaffen worden. 


9 7. 
Die alten Weltweiſen haben ſich faſt alle 
Melt, wo nicht in dieſer Einrichtung, jedoch mu 
ihren Urſtoffen, als ewig vorgeftelle. Denn 
Fonnten zwar begreifen, daß aus einer Matgı 
die fchon da ift, etwas gebildet werben, berm 
wachfen, zunehmen und fich vermehren koͤnne; a} 
nie eine Materie ober Subftanz, die noch garml 
war, aus Nichts follte hervorgebracht feyn, dd 
fehlen ihnen ganz unbegreiflich und ungereimt. 
| Allein, fo ferne der Zweifel auf bloße Unn 
ſenheit und Mangel der Einficht gegründer | 
fo muß er gegen flare und deutliche Einficht ol 
MWiffenfchaft nicht gehoͤret werden. Was ift & 
rer und deutlicher, als der Begriff von Zahlen 
von dem Zählbaren, daß Feines derfelben unverg 
ßerlich, und alfo unendlich fenn fänne? Was : 
offenbarer, als daß eine leblofe Welt Feine inne 
Vollkommenheit, und folglid) feinen Grund ihn 
Wirklichkeit in fid) Habe? Wohin aber würdenw 
gerathen,. wenn man die offenbareften Beweiſe d 
mit umſtoßen koͤnnte: ich begreife nidyt, wie i 
möglid) iſt, alfe iſt es auch nicht ? 





muß aus Aſicht Kervorgebr. feyn. 161 


Daß Pflanzen und Thiere im Eamen gebildet 
rden, begreifen wir auch nicht anders, als weil 
e vor Augen fehen, daß es wirklich gefchchen ſey. 
pofteriori.) AHein, mie das zugehe, das hat 
ch Bein Menſch aus mechanifchen Kräften und 
ren Regeln erflären fönnen. Wenn man es alfo 
he in der Erfahrung gegründet fände, fo würbe 
uns eben fo unbegreiflih dünfen, als baß eine 
‚aterie oder Subftanz, die nod) gar nicht war, 
erſt hervorgebracht worden. Können wir des. 
‚gen eins oder Dasandere leugnen ? Wir Menfchen 
ben fein anberes Wermögen, als Weränberun« 
aim Dingen, die fchon find, zur Wirklichfeie zu 
ingen, indem wir fie Durch unfere £örperlichen 
öfte und Werfzeuge zufammen fügen oder tren⸗ 
nz und wir wiflen auch das faum, wie es zugeht, 
mlich , mie wir unfere Gliedmaßen bemegen, 
e bie Bewegung von einer Materie indie andere 
ergeht. Auch Finnen wir" von manchen erftaun« 
yon Ueberbleibſeln des Alterthumes uns feinen 
egriff machen, durch welche Kraft oder Kunft 
he denen Vorfahren aufzuführen möglich gerves 

fey. Dennoch werben wir nicht in Abrebe feyn, 
3 fie durch Menfchenhände zu Stande gebracht 
d. Sollen wir denn , wegen unfers Unvermö« 
18, neue Dinge zu fchaffen, und deren Schd« 
ıng zu begreifen, leugnen, baß eine Kraft fen, 
(che die Dinge, die gar nicht waren, hervorzus 
ngen fähig gewefen? Unſer Geift hat wenigftens 
5 Vermögen, Dinge, die noch nicht find, als 
glich zu gedenken, und gleichfam, dem Weſen 
ch, in feinem Verſtande zu fchaffen. Bam 

— ann 





152 | II 96H. Eine Teblofe Welt 


fich zueigneten. Das wäre noch eine-größere Wan 
wirrung, als wenn wir bie Annehmlichleit, ober 
Miderlichfeit unferer finnlichen Empfindungen in 
die förperlichen Dinge felbft hinein ftellen, umb: bie 
$uft warm, das Feuer heiß, den Käfe falzig, ben | 


Wermuth bitter nennen. Wie 

mung mit unfern Nerven nicht in den Dingen ſelbſt 
iſt, welche die Wirkung auf unfere Nerven machen: 
fo ift noch vielmeniger bie Uebereinftimmung mit 
unferer inneren geiftigen Empfindung der Seeien in 
den leblofen Förperlichen Dingen an ſich zu ſuchen 
Die Verfchiedenheit und Mifchung von Farben 
und Figuren, die Abwechfelung des Schalles, bie 
Aehnlichkeit in der Ordnung und Proportion bee 
Theile, ift freylich in den Dingen ſelbſt. Wer 
wird das leugnen? Aber dasjenige, womit Diefe We 
fchaffenheiten übereinftimmen, ift nicht in den leblo⸗ 
fen Eörperlichen Dingen felbft,, fondern in unferer 
Seiftigen Empfindung ; es ift alfo für fie Feine in⸗ 
nere, fondern eine äuffere Vollkommenheit. Für 
Die Dinge felbft ift jede Farbe, Mifchung, Orb 
nung, Proportion und Wechfel von Tönen einer 
ley: alles bezieht fichauf ein verftändiges Auge und 
Ohr, und auf den Verftand des Werfmeifters, 
der es für lebendige eingerichtet hat. : Auch ſind 
alle diefe Vefchaffenheiten, in Betrachtung ihrer 
äufferen Vollkommenheit noch relativ. Der Koth 
iſt für Die Schweine eine wohlriechende und wohl⸗ 
ſchmeckende Nahrung ; für uns feinesweges; und 
fo verhält es ſich mit den Farben, dem Schalle, 
Geruche und Gefühle verſchiedener Thiere. Das 
Krummpolzift fürden Schiffbau vollfommener, die 





wich s Abfiche berdorgebr. ſeyn. 153 
e geradefte ſchoͤnſte Balken. Ein concentriſch 
—— Scein ſchicket ſich zu einem Gewölbe befs 

die gewoͤhnlichen regulären. Alle Linien, 
‚Drönungen und Proportionen können 

en heißen, als bisman fie nach den 
referiret, wo fie ae: Der prä 
er de einen Biber oder Dachs ein 


> Ich will — — Ran: Selbſt die Vollom⸗ 
welche wir den Körpern ber Lebendigen, 
id allen ihren Then und Befchaffenheiten Selen 
I ft eigentlich nicht im Körper an und für fich, 
ne die Seele betrachtet. Denn wenn wir dem 
Örper die Seele und mie derfelben die Empfindung 
‚ und bfoße fünftlihe Maſchinen daraus 
* foräumten wir das Ziel von allem Bes 
folcher Mafchinen weg: folglich wäre auch 
der Natur des Körpers, als Körpers, nichts, 
mit alles übereinftimmen koͤnnte. Die Körper 
© $ebendigen find bloß dadurch vollommen, daß 
bequeme Werkzeuge find, welche mit der Nar 
e ober dem ee jeder Seele , nad) ihrer 
= übereinftimmen. Sobald man eine 
it. Grein und Art des sebens feget: [o 


Ka 


ang 





154 MI 68. Eine lebloſe Welt 
und ihr Lebensart: foiftderfelbe Körper mie allen ſei⸗ 


nen Werkzeugen unvollkommen. Wie viel weniger 
koͤnnen wir Koͤrpern und Maſchinen, die an Rd 
ganz und gar leblos find, eine innere, abſolute 
und eigenthuͤmliche Vollkommenheit beylegen. 
Setzet alfo Firfterne, Planeten,. ECometen, . 
Licht, Luft, Erde, Pflanzen, Gold, Silber, Edel- 
gefteine; ſetzet Sehröhren, DVergröferungsgläfer, 
Quadranten, Zirfel, eigen, Floͤten, Orgeln 
Uhren, Muͤhlen, Spruͤtzen, Pumpen, was ihr 
wollet: aller dieſer lebloſen Dinge Vollkommen⸗ 
heit beſteht bloß in dem aͤußerlichen Nutzen unb 
Vergnuͤgen, welche ſie den Lebendigen geben. 
Wenn ich dieſen Nutzen oder dieſes Vergnuͤgen der 
Lebendigen aufhebe: ſo bleibt in den großen und 
kleinen Weltkoͤrpern, in den Maſchinen und Werk. 
zeugen der Menſchen ſelbſt nichts uͤbrig, womit 
alles uͤbereinſtimmete. Sonne und Firſterne find 
zwar die Quellen des Sichtes und der Wärme; aber 
fie find fich felbft nicht helle oder warm. Die Pia 
neten haben Tag und Nacht, Somnier und Win 
ter; aber ihnen felbft ift aller Zuftand einerley. 
Die Pflanzen, die Bluhmen zeigen ung eine geſchickte 
Bildung, Proportion und Ordnung der Thelle; 
aber dieſe ihnen felbft gleichgüftige Beſchaffenhei⸗ 
ten machen ihre eigene und innere Vollkom⸗ 
menheit noch nicht aus, indem fie berfelben, fo wenig 
als ihres fehönen Geruches, Geſchmackes und an⸗ 
deren Nutzens, felbft genießen. So fpielet auch . 
der Vaukanſſonſche Mann nicht feinen eigenen Oh⸗ 
ren; die Sehröhre und Vergrößerungsgläfer ma⸗ 
chen ihrem eigenen Befichte nichts fichtbar ; die be⸗ 


muß Abficht herdorgeöt. fepn. 155 
m Übren ſclagen und. weifen fich felbft die Zeie 
F fie find. alle nur für Menſchenohren, Augen, 
d Berftand  vollfommen, und mit diefem äufferen 
de ftimmet alles in denfelben überein; in ihnen 
—— zu aedenten, womit alles übereine, 


—— Mangel der inneren Vollkommenheie 
Niehie „Die. Seblofigfeit einer jeden Materie und . 
tafchine mothwendig in fich. Denn bas Lebloſe 
Mieße feiner eigenen Wirklichkeit auf feine Weife, - 
der durch Empfindung, Berilung, Zeche. 
Kar durch $uft und Glůckſeligkeit. 
—*— Ding alfo ſelbſt iſt feine BWirfiicteit Fri 
Be als ob fie nicht wäre:. es. ift ihm an und 
fich gleich und einerlep, ob es da iſt, oder nicht 
u. ſo ober. anders befchaffen iſt: folglich äft in 
KR Natur und in feinem Wefen nichts, too« 
wech feine Wirklichkeit vielmehr, als das Nichte 
pm, gefeßet würde; auch nichts, wornach viel· 
ehr diefe Art der Wirflichkeit, als eine andere, 
immer werden möchte. Daraus ift denn auch 
ienbar, daß in einem leblofen Dinge felbft nichts 
Fgebenfen fey, womit alles, was in ihm ift, 
kreinftimmen Eönnte, bas iſt, daß es feiner in⸗ 
ven. Bollfommenheit fähig ſey. Es würde für 
bnicht unvolltommener werden, wenn es gar aufs 
= ‚zu (om, ober wen es lauter übel zufam» 
enftimmende Befihaffendeiten hätte. a, wenn 
möglich wäre, daß ein lebloſes Ding, als ein 
iinblorn, auf einen Augenblick ſich bewußt wer⸗ 
mEönntes. mirdees nicht felbft fogen: Was hilft 
ed daß ich ſo. viel tauſend Setre, je 


16. -m 5. "Eine lebloſe on ;N- 


von Erigkeit, geweſen? Ich bin ja mir niche 
weſen ; meinethalben möchte ich auch in afle fi 
tige Ewigkeit nicht ſeyn, wenn ich nichts ven 
wiſſen fol. Was iſt mir auch daran gelegen; 
{ch fo, und nicht anders bin 3 alle ſchoͤnen Ay 






.. Muffe mir find Do für nicht, Sfr 


wie ich. 
Die ganze koͤrperliche Welt if, —— 
(korimener, | 


ch ſelbſt, nichts vo 8 
for, ober als ein wuͤſtes Chaos. Super 
- allerdings eine überaus große Vollkom 
ober det. Punkt ihrer- Lebereinftinmumg RW 

feblofen Materie felbft, und findet au 

8* ft. Wir koͤnnen das nicht beſſer il 

nen, als wenn mir ihr die Lbendigen — 
wegnehmen, uͤbrigens aber ihr alle innere 

tung laſſen: fo muß ſich zeigen, was fie 










Sterne gehen ordentlich auf und unter; en 
* und Nacht, Fruͤhling, Sommer, Herbſ 
Winter; es wechfeln Regen und Son 
Waͤrme und Kälte, Wind und Stille mit ein 
der ab; alles Gras, Kraut, Bluhmen, 
Bäume, Früchte, machfen noch reicher, wis 


. Aber in ber ungeheuren Mafchine tft fein? 





welches das fieht, betrachtet, forfchet ; feinen 
ber bie Zrüchte geniefit oder braucher; kein A 
gel, der zwiefchern, Fein Ohr, dem geſungen v 
den kann. Vom Efephanten bis zum Maͤnch 
dom Wehfiebie zum Gründlinge, von * 


muß ous sicht herbokgehe. fm. 157. 


hen * jur Miete, vom Contur bis zum Colibrit, 
d Tas ei Sliege, iR, = aus ber 





apfindung und - ohne 
— 
denn die innere Vollkommenheit bie» 
Km an fi (und munmeßen fürcheers 
, bie un viele große lichte, 
Welefärper, womit ber ordentliche Lauf 
der Wechſel von Bam. chem und 
die der Erde, alles gewaltige 





B 
J 


—— 
die Natur? wem arbeitet fie? "mas 
af et 


Es wäre ja für fie einerley, ob fie wäre ober 
nit; ob fie.in große Kugeln vertpeiler, ober ob 
alles ein roher vermifchter Klumpen wäre; ob alles 
ie hellen Sichte firablete, oder. in ewiger Finſterniß 
vergraben läge; ‚ob fie eine Bewegungskraft hätte, 
ober alles ruhig amd flille an einem Orte bliebe; 
ab die Planeren ihre Bahn und Zeit hielten, ober, 
als Bälle, durch den offenen Himmel ins Wilde ger 
fbleubert würden, und allesdurd; einander wühlere 
und tobete; ob die Planeten mit Pflanzen, Baͤu⸗ 
und Kräntern bededter wären, oder als nackete, 

um einen Mittelpunkt rolleten. 

nichts in der Förperlichen Welt, fo ferne 
iſt, womit entweder das eine uͤbereinſtim · 
mete, 


| Hrn 





15%. TE Abh. Eine lebloſe Welt 


mete, und bem es zu Gute fäme, ober dem das 
andere zuwider wäre und ſchadete. Denn Die ganze . 
Welt und Natur fühlee, weis und genießt ihres 
Dafenns oder ihrer Befchaffenheit felbft nicht: und 
wenn es möglich wäre, daß fie ſich auf einen Au. 
genblick bewußt werden koͤnnte, fo wuͤrde fie ſelbſt 
geſtehen, daß es ihr ganz einerley ſey, ob und wie 
lange fie vorher geweſen, ober ins Kuͤnftige ſeyn 
würde, und was in ihr geſchehen ſey, oder noch 
ferner gefchehen werde. 
| S 6. " 


Es ift demnach offenbar, daß in ber koͤrperll⸗ 
chen lebloſen Welt an fich felbft , vermöge ihrer. 
Natur und ihres Wefens, nichts ift, noch feyn Pann,,. 
welches ihr Seyn vielmehr, als ihr Nichtfeyn, und eine 
Beſchaffenheit mehr, als Die andere, beftimmetes 
mithin ift auch von ihr feine innere Volltommene 
heit oder Webereinftimmung alles beffen, was in 
ihr ift, mit einem gemeinfchaftlichen inneren Mit 
telpunfte zu gebenfen. Wenn aber der Grund Ih» 
rer Wirklichkeit, Eigenfchaften und Vollkommen⸗ 
beiten nicht in ihr felbft iſt, fo kann fie auch das 
erſte ſelbſtaͤndige Weſen nicht ſeyn; ſondern es fol⸗ 
get im Gegentheil, daß der Grund ihrer Wirkfich« 
feit, Eigenfchaften und Vollkommenheit außer ihr, 
nämlic) in dem erften, feibftändigen Weſen, zu 
füchen ſey. Die Welt if alfo von einem felbftäne 
bigen Wefen, als einer wirkenden Urfache außer 
ihr, zur Wirklichkeit gebracht, sera, oder her⸗ 
vorgebracht worden. 


Diefe 





muß aus Abficht hervorgebr. fepn. 129 


Diefe Schöpfung , oder diefen Anfang der 
zelt, beitätiget auch ihre Dauer und fortwährente 
zirklichkeit; welche in einer beftändigen Folge von 
ancherley Zuftande und Begebenheit befteht. 
denn nun eine Folge von Veränderungen eine Zeit 
smachet : fo ift folglich auch die Wirklichkeit der 
zelt ohne Zeit nicht zu gebenfen; und ihre ganze 
auer, oder das Alter ber Welt, ift mit der gans 
a Solge ihrer Begebenheiten einerley: eins ift 
m anbern gleich, eins mißt bas anbere aus. 
3eil nun offenbar ift, daß noch immer Begeben- 
iten in ber Welt zur Wirflichfeie Eommen, bie 
eher nicht wirklich waren,. und baß ein Jahr und 
abrhundert dem andern folget: fo werden ja den 
Vegebenheiten in der Welt, die ſchon wirklich 
aren, noch immer mehrere hinzugeſetzet. Nun 
‚dasjenige, dem ſich nody immer mas hinzuſetzen 
Be, nicht unendlich, und kann eben darum, weil 
ins Unendliche vermehret werden fann, nimmer 
endlich werden, fondern ift und bleibt immer 
dlich. Demnach find die Begebenheiten in der 
zelt, und die Folge derfelben, mithin auch die 
fie ihrer Wirklichkeit, nicht unendlich, koͤnnen auch 
mmer unenblid) werden, wenn fie gleich ins Un- 
dliche fortwähren, fondern find und bleiben alle 
ege endlid. Wir dürfen auch nur die Zeit der 
ZirflichPeit der Welt als eine Zahl gedenfen, Die 
8 einzelnen Jahren oder Jahrhunderten nach 
ander beftehe: fo wird Flar feyn, daß fie end» 
h ſeyn oder Schranfen haben müffe, weil eine 
»e Zahl vermehret werden fann, und die verfloſ⸗ 
zen wirklichen Jahre nicht einmalins Unendliche 

zu 


160 IIII Abh. Eine leblofe Welt 

zu dehnen find, fonbern eine beftimmte Za 
machen. Es ift alfo vor der beftimmten 3 
ver wirflichen jahre, und vor allen ihren 
chen. Begebenheiten eine Zeit zu gedenken, 
nicht wirklich war, das ift, fie iſt niche ewi 
lich, fie hat einen Anfang ihrer Wirklichk 
iſt alfo von dem erften felbftändigen We 
Mirklichfeit gebracht, oder gefchaffen morbeı 


99 Ä 

Die alten Weltweifen haben fich faft « 
Melt, wo nicht in diefer Einrichtung, jedod 
isren Uerftoffen, als ewig vorgeftellee. Di 
Fonnten zwar begreifen, daß aus einer M 
die ſchon da ift, etwas gebildet werden, h 
wachfen, zunehmen und ſich vermehren koͤnne 
wie eine Materie ober Subftanz, die noch go 
war, aus Nichts follte hervorgebracht feyr 
fehlen ihnen ganz unbegreiflich und ungereimt 

Allein, fo ferne ber Zweifel auf bloße 1 
fenheit und Mangel ber Einficht gegründ 
fo muß er gegen Flare und deutliche Einjich 
Wiffersfchaft nicht gehöret werden. Was t 
rer und deutlicher, als der Begriff von Zahlı 
von dem Zählbaren, daß feines derfelben unv 
Berlich, und alfo unendlich ſeyn koͤnne? W 
offenbarer, als daß eine leblofe Welt feine ı 
Vollkommenheit, und folglid) feinen Grunt 
MWirflichfeit in fid) Habe? Wohin aber würd: 
gerathen,. wenn man die offenbareften *Bemeii 
mit umitoßen koͤnnte: ich begreife nicht, w 


möglid) iſt, alfe üft es auch nicht? 





muß aus Abfıcht Kervorgebr. ſeyn. 161 


Daß Pflanzen und Thiere im Eamen gebildet 
rden, begreifen wir auch nicht anders, als weil 
r vor Augen fehen, daß es wirflid) gefchchen fey. 
pofteriori.) Hein, mie das zugehe, das hat 
h fein Menſch aus mechanifchen Kräften und 
en Regeln erklären fönnen. Wenn man esalfo 
# in ber Erfahrung gegründet fände, fo würde 
ung eben fo unbegreiflich dünfen, als daß eine 
iterie oder Subſtanz, die noch gar nicht war, 
eft hervorgebracht worden. Können wir des⸗ 
ten eins oder dasandere leugnen ? Wir Menfchen 
en fein anderes Vermögen, als Weränberun« 
in Dingen, die fchon find, zur Wirklichkeit zu 
agen, indem wir fie Durch unfere Förperlichen 
äfte und Werfzeuge zufammen fügen oder tren⸗ 
: und wir wiffen auch dag faum, wie eszugehr, 
nlich , mie wir unfere Gliedmaßen bemegen, 
die Bewegung von einer Materie indie andere 
rgeht. Auch Finnen wir von manchen erftaun« 
en Meberbleibfeln des Alterthumes uns feinen 
griff machen, durch mweldye Kraft oder Kunft 
he denen Vorfahren aufzuführen möglich gewe⸗ 
fen. Dennoch werben wir nicht in Abrebe feyn, 
fie duch Menfchenhände zu Stande gebracht 
. Soll wir denn , wegen unfers Unvermoͤ⸗ 
8, neue Dinge zu fchaffen, und deren Schoͤ⸗ 
ng zu begreifen, leugnen, daß eine Kraft fen, 
che die Dinge, die gar nicht waren, hervorzu⸗ 
ıgen fähig gemefen ? Unfer Geift hat wenigſtens 

Vermögen, Dinge, die noch nicht find, als 
lich zu gebenfen, und gleichfam, dem Weſen 
b, in feinem Berftande zu fchaffen. Bam 

arın 





162 IT Abh. Eine lebloſe Melt 


kann nicht auch eine Kraft fenn, welche ben 
gen, die möglich find, und gedacht worden, ı 
fich auch die Wirklichkeit giebr? 


Saget nicht, es fen Feine bloße Unmiffeı 
wie die Schöpfung aus Michts möglich ſey; 
dern man fünne auch die Unmoͤglichkeit un! 
MWiderfpruch klar und deuslih einfehen. . 
werdet euren Widerſpruch fehmerlich damit E 
fen koͤnnen, daß ihr fprehet, aus Nichts ı 
Nichts. Sa! wenn einer behaupten wollte, 9) 
wäre Die Materie, woraus alles gefchaffen mo 
oder Nichts wäre Die Urſache, melche alles ge 
fen hätte: fe würde erdas Nichts zu Etwas anı 
und einen Widerfprud) begehen , fo ferne er 
lich glaubere, ein Nichts hätre die Welt aus 
Materie, die ein Nichts war, erbauet. Abe 
von ‚der Wirflichfeit der Dinge nichts Wirk 
feget, und diefen Zuftand des Nichtfenns al 
Graͤnze und den Punft gedenfet, von Welche 
Wirklichkeit (als von einem termino a quo‘ 
Anfang genommen: der widerfpricht fich nicht 
dern deffen Gedanken ſtimmen vielmehr gar 
mit einander überein. Er gedenfet ſich nich 
Nichts als ein Etwas, als eine materiam ex 
oder als eine caufam efficientem, fondern viel 
im Gegentheil, wie es ift, als Nichts, als 
Mangel der Wirflichfeit, (einen terminumac 
Und man ift eben fo gut Dazu berechtiget, algı 
man fich vor einer Reihe Zahlen, und vor 
Eins , womit die Reihe anfänge, eine Ziffer 
Null gebenfer. 


Di 





"muß aus Abficht hervorgebr. feyn. 163 


Wenn alfo ein Wefen ift, das den Grund aller 
Birflichfeit in ſich hält, fo kann, durch deffen 
jerftand, Willen und Macht, eben fo gut etwas 
irklich werden, was vorhin nicht wirklich mar, 
s ein Menſch, ber vorhin feine Zahl gedacht hat, 
m Eins angefangen hat zu zählen. Es mufi aber 
a felbftändiges Wefenfeyn, und daffelbe muß ben 
rund ber Wirklichkeit alles entftandenen urfprüng- 
ch in ſich Halten. Demnach muß auch baffelbe 
n Vermögen haben, die Welt, mo fie anders ent⸗ 
anden ift, zur Wirflichfeie zu bringen, da fie vor 
er niche war. Es iſt aber ganz klar, daß bie 
Belt entftanden ift, weil ihre Wirklichkeit in einer 
leihe und Zahl von Begebenheiten befteht, welche 
icht unendlich feyn kann, und mithin einen An- 
ing haben muß; und meil fie den Grund ihrer 
Birklichkeit nicht felbft in fich enthaͤlt. 


$ 8 


Ich will hiebey nicht verheelen, daß ich mich 
fbft lange gegen obigen Satz, vom Anfange der 
Beit, gefperret habe. Denn es ift ung natürlich, 
15 wir alles gern begreifen wollen; und bier fol 
an etwas ımbegreifliches gelten laffen, meil es 
ne andere Plare Einficht erfordert. Ich gab mir 
fo viele Mühe, ob nicht eine ewige abhängige 
Schöpfung der Welt zu gedenfen wäre. Denn 
h fah, daß große Männer die Sache fo in ihrer 
zorſtellung zufammengereimet hatten. Sie fpres 
en nämlich, es fen Gott von Emwigfeit möglich 
weſen, eine Welt zu jchaffen, weil er felbit ewig 
y, und das Wermögen und den Willen zu ſchaffen 

23 von 





164, IM Abh. Eine lebloſe Welt . 


von Ewigkeit gehabt habe, nicht aber erft in 
Zeit habe befommen Finnen: es wäre alfo ' 
Gott faft nicht zu gedenfen, daß er die Schöpfi 
in einer Zeit angefangen, da er vorher nichts 
than: fie mennen, es / wuͤrde dennoch ein gre 
Unteefchied bleiben zwifchen der Emigfeit Gor: 
die oßne Zeit und Veränderung fey, und von nic 
aͤuſſerlichem abhienge, und zwifchen der Ewig 
der Welt, welche in einer unendlichen Zeit und 
ten Abhängigkeit von dem felbitändigen Weſen 
flünde. Und fo fehlen mir auch eine Zeitlang 
begreiflicher zufammen zu hängen. 

Allein, fo oft ich auch dieſe Begriffe unte 
chete, fo fand ich, daß fie betrügerifch waren, ı 
auf leere Töne hinaus liefen. Ich fragete nn 
felbft: was heißt doch das, von Ewigkeit ſch 
fen?! was denfeft du dabey ? Iſt fchaffen fo ı 
als zur Wirklichkeit bringen, was vorher nicht w 
lid) war: fo hebt ja das die Emigfeit des gefd 
fenen auf, und feßet vielmehr einen Anfang fe 
MWirflichfeie. Und was will dod) die Redens 
von Ewigkeit, fagen? ftelleft du dir nicht 
rinn die Ewigkeit als eine Folge der Zeit vor, 
von einem Punfte ihren Anfang genommen? : 
wie reimet ſich das mit der Ewigkeit? Wie fi 
denn ein Weſen etwas von Emwigfeit wirflid) ı 
hen? Daß ein Ding ewig fen, ift begreiflich, w 
man ſichs ohne Folge und Wechſel gedenket; c 
eine Zeit bes Wirflichen, die fich von Ewigkeit 
gefangen, ift ja mas unverftändliches. Wie w 
du dir auch eineunendliche Zeit vorftellen ? koͤm 
du nicht abermal in den Widerſpruch hinein, 

en 





muß aus Abſicht hervorgebr. ſeyn. 165 


sag unendlic) fen, mas dach immer größer mirb 
’ werden fann? daß eine beſtimmte Zahl wirf- 
‚ verfloffener Jahre unbeftimme fen, und ins Un, 
liche gedehnet werden koͤnne? 

Ich verwarf aljo dieſes Spielmerf leerer Worte, 
mich unvermerft in einen Labyrinth von Wider» 
üchen geführet hatten. Es war nur: übrig, daß 
mir auf den foheinbaren Einwurf, von Gottes 
gem Bermögen und Wien, eine Welt zu ſchaf⸗ 
„Genuͤge thaͤte. Ich verwandelte alfo denſel⸗ 
in einen deutlichen Schluß, damit ich von ber 
hrigfeit oder Unrichtigfeit diefer Folgerung beſ⸗ 
? Einficht befäme. Ich Eonnte aber feinen ans 
n Schluß hberausbringen , als diefen: “Wenn 
ttes Vermögen und Willen, eine Welt zu fchaf- 
, ewig ift, fo ift auch die Welt ewig (oder von 
zigkeit) geſchaffen. Nun ift jenes; alſo aud) 
ſes. Hier ſah ich nun ganz deutlich, daß, nach 
n Oberſatze, die Unendlichkeit der Eigenſchaften 
ttes, und beſonders ſeiner unwandelbaren Dauer, 
ich die Schöpfung in das Geſchoͤpf hineinge⸗ 
che werde; gleich als ob dem auch die Eigen⸗ 
ıften des Schöpfers mit hätten anerfchaffen wer⸗ 
ı können und muͤſſen; welches grundfalfch tft, 
y einen offenbaren Widerfpruch in fich ſchließt. 

Iſt die Welt auffer Gore, und fein Werf: 
muß fie dem Wefen und den Eigenfchaften nad) 
ihm unterfchieden feyn. Sie kann alfo eben 
wenig ewig, als unerfchaffen, oder ein Gott feyn. 
ee ſelbſt kann feine Eigenfchaften einem Ge⸗ 
öpfe nicht mittheilen. Sein Berftand ift unend« 
1: aber werden dadurch die auffer ihm möglichen 

13 Dinge, 


166 UIII Abh. Eine lebloſe Welt 


Dinge, ‚welche fein Berftand fich vorſtellet, une: 
ih? muß er fie fich nicht vielmehr , eben daru 
weil fie von ihm unterfchieden find, als endlich x 
ftellen? Sein Wille, oder feine Neigung zum Gut 
zur $uft und Gluͤckſeligkeit, ift ohne Schranfi 
aber können dadurd) auch die ihrem Wefen n 
eingefchränften Dinge auffer ihm feiner unendlig 
Vollkommenheit und Gluͤckſeligkeit theilhaftig n 
den? Seine Kraft iſt unermeßlich; muͤſſen a 
darum auch die Kräfte der Dinge auffer ihm 

ermeßlich ſeyn? haben fie nicht alle ihr Maag ı 
ihre Zahl? Eben dieſes laͤht fich von der Selbitänt 
feit und Nothwendigkeit Gottes fagen;. die koͤn 
unmöglich in ein Geſchoͤpf durch die Schöpfi 
übergetragen werden. Gotte koͤmmt auch die Fi 
beit, in Abfiche auf die zufälligen Dinge außer if 
abfolut und nothwendig zu; darum aber bekoͤn 
das Gewählte nicht eine abfolut nochwendige W 
lichkeit. Wenn alfo auch gleich der ewige unm 
delbare Gott ein ewiges Vermögen und einen ewi 
Vorſatz bat, eine Welt zu ſchaffen: fo wird d 
durch die Ausrichtung feines Willens die Ewig 
und Unmandelbarfeit nicht in das Gefchepf il 
tragen: et fchaffee dod) allemal Dinge, dien 
ewig waren, und veränderlic, find. Die Zeit g 
mit der Schoͤpfung an, und beſteht in einer Fe 
von wirklichen Veraͤnderungen endlicher Dir 
Vorher, und auffer dieſen, iſt feine Zeit: ı 
wenn man in Gottes Dauer vor der Schöpfi 
aud) eine Folge von Jahren und Jahrhunder 
annehmen mollte, fo wuͤrde man auf folche ‘ 
nimmer eine wahre Ewigkeit des felbftändi 
Ä Weſ 





muß aus abſcht heworgebt. ſehn. 167 


Weſens gedenken. Fraget alſo nicht: mas har 
Gore vor der Schöpfung gerban? warum iſt die 
Welt niche viele Haufen Jahre eher geſchaffen? 
Die Fragen, haben feinen Berftan, und laffen ſich 
Bun — ———— 
En — kann uns alſo nichts die Warheit verdun · 
w. daß eine lebloſe körperliche Welt, die Feine 
— hat, den Grund ibter Wirfs 
amd Befcaffenheit wicht in ſich ſelbſt ent · 
„das iſt, nicht ſelbſtandig noch enig fern 
; fondern baß ſie von einem mahrkaftig felbs 
je ewigen Weſen ihre Wirklichkeit, und. 
mit derfelben ihre Beſchaffenheit und Vollkommen ⸗ 
beit, in der Zeit, empfangen haben miürffe; wie es 
die Folge ihrer — weiſt, die ſich ohne 
Anfang nicht gedenken laͤßt. 

Da ſie aber dennoch iſt, und als leblos keine 
innere Vollkommenheit hat; ſo ſolget auch ferner, 
5 fie um eines andern willen, und nicht um ihr 
t und auf dieſe Weiſe 
Denn, fo ferne bie Welt: wirklich 

immet; fie hat eine gewiſſe 
Fiaur, Größe, Eintheiiung, Zuſammen ⸗ 
Troeft und Regel der Veranderungen. 
—*— ‚eine Bert‘ mtndofung ba, und, alle 
ie. en men ‚genommen, 
Wet usmabel: pr auch Eins fern, 
den Geund aller Deftimmungen in ſich 
ober wein alle Befchaffenfeiten übereintims, 
. "Sa fo ferne ober bas Zebiofe feine innere 
—* 84 Vollkom ⸗ 


Ale 


SERZ 
eh 
=? 


J 


Ef 


Ri 





- deswillen 
vorgebracht, und alle ihre Beſchaffen heit aufge 
Weiſe beſtimmet worden: wo konnen wir 
anders ſuchen, als im Reiche der Lebendigen? 
Lebloſen iſt ja nichts, als das Lebendige, entgeg 
zu fegen. Die find es demnach, welche den! 
aller Beitimmungen ober Beſchaffenheiten 
in ſich halten möffen, Denn daß es der lebend 
Gott felbft nicht fey, um deffen Willen die förperlii 
Welt da ift, oder mit deffen Wefen fie eine nothw 
dige wefentliche Verbindung hätte, erhellet ſchon a 
dem Gegenſatze des nothwendigen Daſeyns Goti 
und der zufälligen Wirklichkeit der Welt. Es wi 
‚aber in der vierten Abhandlung, $ 4, ausführlid 
dargethan werden, 





Fr cn ef; he 
jeit, geſchweige ihre Wirklichkeit, ber 
und womit fo dann alles 


warm jedes im ihr fo, und nicht anders 
fliefjt ber Gebrauch, welchen Lebendige 
machen follen in den Begriff ih» 
— in die Erklaͤrung oder Deſinition der 
— hinein. Wer den Gebrauch der 


was es für eine Mafchine fep. Mau verfüche es, 
eine ße, ine Mühle, air u. ſ. w. zu erklären; 74 


Minh 
? 383 
* 
& 
5 






170 A Abh. Eine lebloſe Welt : 


fo wird man finden, daß es unmöglich iſt, o 
einen gemwiffen Gebrauch für Jebendige zu nen 
einen Begriff von jeder zu haben, oder denfelben 
nem andern benzubringen. 

Saffet einem Hottentotten den Gebrauch ı 
Nutzen einer Uhr unbefannt ſeyn; weilt ihm a 
dennoch alles übrige, die inmendige Triebfeder, 
Kette, Räder, furz alle Theile und deren Zuft 
menfügung ; ih will noch mehr fagen, thut ihn 
einem Uhrmacher in die Lehre, daß er felbft mit 
Seit Uhren verfertigen kann: dennod) behaupte 
ſo lange ihr ihm nicht faget, wozu die Majd 
nußet und gebrauchet wird, fo weis der Hottent 
noch nicht, mas feine Uhr für ein Ding ſey; 
Fennet das Wefentliche, den Grund ihrer Wirfl 
feit und aller Beſchaffenheit noch nicht. D 
wenn der Nutzen nicht vorher von dem er| 
Werkmeiſter, als möglich, gedadyt wäre: fo w 
die Uhr nimmer zur Wirflichfeit gefommen, .n 
auf ſolche Art eingerichtet und beſtimmet worder 

Mit den natürlicyen Mafchinen verhält es. 
nicht anders, als mit den Kunftmafchinen. | 
lange wir derfelben Gebrauch und Mugen in 
Verknuͤpfung der Dinge nicht wiffen, müffen 
geſtehen, daß mir nicht das Weientliche deſſell 
jondern nur fein Aeußerliches, kennen. Die a 
Zergliederer mußten daher nicht, mas fie aus 
seber und Milz für Dinger machen follten, 1 
ihnen die Verrichtung und der Nutzen derfelben 
menfdylichen Körper unbefannt war. Und w 
unfere neuen Zerglicderer in der Zerlegung von 
leriey Thieren auf ſolche Gefäße nn ha 

ebra 


IBRiB NORA een nm 


iſt wahr: menn wir andere Dinge in der 
; deren Nutzen und erften Grund ihres 
und ihrer Beſchaffenheit wir nicht erfins 
nnen, daß wir uns, aus Noth, mit ihrer 
anßerlichen Geſtalt begnügen, und fie dar- 
bezeichnen; aber es wird ſich auch niemand - 
in, daß er dadurch das Weſentliche derfelben 
Bey andern Dingen, als Pflanzen, Rräus 
mb Blumen, fehen wir den nächften Mugen 
Gefäße ein; jedoch nur fo, daß er noch in 
Ilofen Matur und dern Pflanzenreiche ſelbſt 
hränfer bleibt. Unterdeffen wird auch nies 
fagen , daß biefe Gewaͤchſe um ihr ſelbſt 
finds ober daß er fie nun ſchon nad) ihrer 
üpfung mit andern Dingen in der Matur 
aß alſo Wurzeln, Saftröhren und Rinde 
nnehmung und Umrreidung der Nahrung, 
Auswicelung der Knofpen, Blätter md, 
bieſe wiederum zur Anfesung und Wergrde 
(ber Frucht, die Frucht abermals zur Erhal⸗ 
Gomens für eine neue Pflanze dienen: 
Iben wir doch noch in einem Zirfel der leblo⸗ 
Wanze; das iſt, wir emen den Samen ur 
' da 


72 HT Abh. Eine leblofe Welt 


daß er diefe Pflanze, und wiederum die J 
daß fie diefen Samen, und diefer aberm 
neue Pflanze berfelben Art, und fo ferner ei 
andere in Emigfeit erzeugen. Was fin 
heraus? war die Pflanze für fich nothu 
genieße fie ihres eigenen Dafenns und ihr 
fchaffenheit? oder kann fie ber übrigen feblofe 
zu Statten fommen? Wenn wir alle Kräut 
Pflanzen fenneten , wie der Bauer Gras, 
Roggen, Weisen, Gerften, Erbfen, Bohn: 
— mander Mohr und Wilde die dienfamen | 
mictel für Fieber, Krebsfchaden, Duerfd 
und Gift, wie die Thiere aller Art ihr Futt 
nen: fo müßten wir mag mehrers und wic 
von dem Pflanzenreiche, in feiner Berfnüpft 
bem vornehmften Theile der Natur, als 
Botanici uns durch Die radices, folia, « 
corollas, ftamina, piftilla, pericarpia, femi 
erfennen geben. &o wie die Narur im Tplı 
von ung Menfchen durch alle mögliche Art 
Stufen, bis zu dem geringften herunter ftei, 
jeden: feine Mahrung und Morthdurft fiha 
harmoniret aud) das Pflanzenreich durch all 
fen damit, daß Fein Kraut, Feine Pflanze ift, 
niche mit einer gewiſſen Art Thiere ihrem © 
Gelhmade, ihrer Nahrung und ihren Moth 
mitteln tibereinftimmen. Und fo ferne find fi 
haupt als Mafchinen anzufehen, die zum 
der Sebeudigen hervorgebracht find. 
Selbit das Ganze, die große Weltm« 
muß fo betrachtet werben. So ferne fie ı 
leblos ift, und feine innere Vollkommenheit, 





wug au⸗ Abſicht hervorgebt. ſeyn. 173 
rund ihrer Wirklichkeit und beftimmten B 
in fich felbft hat: fo muß fie nicht ee 
= en 
a h }, und ai 
—— ſeyn. Und mer bie Welt 


ng und vu More ihrem —— 
Aber Den Grund aller Befchaffenheit der Welt, 
d ſelbſt aller Natur und mechaniſchen Bene 
in ſich haͤlt; fonft weis er noch nicht 
—— der Weit, als der Hottentotte von 


f 
— sr 


55*6* —— — 
Border! nämlich eine ungäßlbare Menge lichter 
gum Theile Kugeln, weiche in einem 


finfterer 
Auber ihee orbentiche Vewe gung 


„mi ee Eiigrung be 
noßen Telebaues, in allen Gkiden , 
Ka en hr 


= 


’ ". 
4 « 
% 


4 m Eiern wen 
erkennen. Der danne flüffige und durch 


ſelbſt finfter und unfichtbar, das Feuer un 
Wärme fuͤhlet fich nicht. 
Syn biefem weiten Aether liegt bie grof 
* Materie nicht in einem ungeheuren ı 
mpen zuſammen, fondern fie ift in umg 
pi e Körner ober Kugeln vertheilet ; welcher 
Oberfläche, und folglich mehreren Plaß zur: 
nung giebt, auch zur Abfonderung verfchb 
möglichen Gattungen von Thieren bequem ifi 
in einerlen Luft, "Wärme und Nahrung nid 
dep einander auf einer Kugel fern fonnten. 
aber ‚.nach der Verfchiedenheit ihrer Natur, 
nerfdhiedene MWohnpläge, und alfo alle Kon 
ber Welt finden. Eben ber Aecher machet, 
achtet feiner Dünnigfeit, die feftefte Zwiſchen 
mifchen ben großen Weltförpern, daß fie nid 
Ihrem Orte weichen, und in einander fallen fd 
‚giebt aber bennoch ben bemeglichen Inſein, R 
ver douft und Degen ‚cine ungepinderte 0 


BR. ee fin. 975 
——— 


ee en e6 Diefes ftim- 
met Damit uͤberein, daß es — vr Wohnungen 
der. $eberidigen fepn A Das 


konnen. 
an würde eine Bers 
ar der lebloſen Welt einerlen 
dige Geſchoͤpfe, wenn fie ſchon 
er zerſtoͤrete und ausrottete. 
nn Welttheile ift allenthal· 
— wahrnehmen kann Fugelhaft, 
, wie man’ efrva ‘von einem ungefoͤhren 
nee der Urtoffen vermuthen möchte, 
eines biefer, das andere jener, und dabev unordents 
fen Figur. Wie wiſſen aber von unferm Erd» 
ballehnummehro, daß eine Kugel, vermoͤge der 
allgemeinen Schwere, auf allen Siten wohnbar 
iſt und wir koͤnnen leicht nachdenken, daß eine. 
de andere, auch fonft regelmäßige Figur, die feſten 
— zum bewohnen, entweder ganz, 
größten Theils, ungeſchickt machen wiirde; 
5— ahnen in zum bemohnen die allerger 
pda ind, und die ganze Welt fo ferne wohn 


en Kugeln find: theils licht, theils finſter. 
Eine von. den lichten ift unfere Sonne, und bie 
Birfterne find ihr ähnlich , und für eben fo viel 
Sonnen ziadiren. Gleichwie ſich aber um unfere 
Sonne ſchs Hauptplaneten, welche finfier find, 
um'den Saturnus Jupiter und die Erde 
andere Mebenplaheren oder Monden herum 
= fol glaubet heutiges Tages m . 
Kette 






ein 4 


En 


m6 IM Ash. Eine lebloſe Melt 


Sternkundiger , daß alle Firfterne am Him 
überhaupt, eben wie unfere Sonne, ihre Plan 
um fich haben, welche fie herum drehen, erle 
ten und märmen. &s läßt folches die übrige At 
fichfeit in der ganzen Anlage und Einrichenng 
Welt nidytanders denfen. Und warum folltec 
unfere Sonne, unter allen Firſternen, der ein 
ſeyn, zu dem fich alle lichtsbebürftige Körper in 
ganzen Welt gefellet hätten ? Wenn bey uns 
beftändiger Tag wäre, fo würden wir Die Welt 
klein halten, und mennen, daß fie bloß aus Eoı 
Mond und Erde beftünde Wir haben es alfo 
Macht und Finfterniß, die mit dem Tage med; 
zu danken, daß wir die Welt in ihrer Groͤße 
Mannichfaltigfeie beffer kennen, und auch bie ü 
gen Planeten um unfere Sonne und fo viele 1 
fend Sterne fehen. SHergegen machet es die | 
fterniß und Ferne der Planeten um die Firfte 
daß jene uns mehrentheils unfichtbar find. Jet 
zeigen ſich zuweilen ncben den Firxſternen fi 
nicht gefehene Sterne, die nach Verlaufe eini 
Zeit wieder verſchwinden, und alfo Feine and 
als finftere Irrſterne, ſeyn koͤnnen; die mit 
audy durch Erfahrung beftätigen , daß fich gie 
falls um jene Sonnen finftere Planeten her 
wälsen; zu gefchtweigen, daß die Cometen , me 
nad) ihrer Erfcheinung in vielen Jahrenen 
wieder zu Geſichte kommen, nichts anders fi 
als finftere Weltförper aus entfernten Himm 
gegenden, bie ihren befonderen Lauf haben. 
Man muß ſich alfo alle Fixſterne in der A 
als lauter Sonnen, und um jeden berfelben ‘ 
n 








Ö peu vernünftiger 
‚weis aber auch feinen Grund, warum 
Sx Sonne und er Firfierne zu breu⸗ 


en Schwefelpfuhlen und — ode 
| re er fehe fe dis 


keetrifirende Mafchinen an, melde ur; "und 
Bärme geben Können, ohne felbit zu brennen, Ober 
Wfferordenelich heiß zu feyn; mozu ich aus ben. 
tatürlichen Verfuchen und Beobachtungen 28 
es zu baben —— Und ſo erblit 
Wr. 
War... 
uch will nicht unterfuchen, ob- die alten Griechen 
+ der Sounen eine elecer: Kraft 6 
wem” fie ihr den — wu —— — 
—— ‚aber iff zen, daß ſchon Ani joteles de Carlo 
e u. wir * —— allen — — 
—*8* daß fie weder felbft aus aut Feuer Ka, 20 
"in einem euer —* 8 haben aber 
auch neuere ſehr ve: e de Raintlane darge⸗ 
than , bie Sonne ſey kein feuriger ober brennender, 
ſendern ein am ſich kalter und finfterer 
iwie unfere Erde; * aber die Kraft habe, den 
en eine Bewegung zu Feen, 
Hit und giebt; als Nehemias Grew 
Cofmologia — die zu London im Jahre 


mc. 


J ® 


\ 


. 


78 UII Abh. Eine lebloſe Welt 


auch in diefer Hälfte ber Welt die allgemeine 


einftimmung der Natur, daß fie ‚nicht wi 


1701. fol. heraus kam, aus weicher Cleri 
feiner Bibliotheque Choffie T. I. p. 247. eine 
zug giebt; impleichen LTic. Hartſoeker in 
Conjectures Phyfiques, Tavon lericus | 
T. Xi. p. 364. & 366. zu feßen, Mehrere 
ımd Zeugniffe fiehe in Mr. Colonne Hiſtoire 
telle de l’Univers T.I.p. 13 m 28. Stepbai 
bat zuerſt im Februario 173% (Philofoph, 
actions Vol. XXXIX. n. 441. P. 220) in 
Briefe an Branwill Weller, concerning che 
Iutions, which fmall pendoulons Bodies will 
Electricity make round larger ones from W 
Eaft, as the Planets do round the Sun, zuerft 
einen electriichen Berfuch an Kleinen bewe 
Kugeln gezeiget, baß die Kraft, welche in ber 
Welt die Planeten um die Sonne herum 
eine electrifibe Kraft fey. Er bat eben Dich 
Fag vor feinem Ende, feinem Freunde Evo 
Mortimer weitlauftiger befchrieben , ie 
durch neuere Experimenta beitätiget babe: ı 
eine Theory lage, for accounting for the N 
of the grand Planetarium of the Univerfe, 

die Philoſ. Tranſact Vol. XXXIX, n. 444. | 
fqq Ju dem London - Magazine 1753. March 
werden die Wißbegierigen an Mr. Rackſtr 
Fleet -Aircet verwieſen, melcher biefes Erpe 
an einer electrifirten Fupfernen Kugel, um 
eine Glaskugel in einer zirfelrunden Rinne m 
mwalzung um ibre eigene Are berumlauft, 
‚Der um die Electricität beſonders verdient 
Profeſſor Winkler in Leipzig bat much febon 
eine Maſchine dieſer Are erfinden, welche 
Jahr 1750. in einem Programmate als eine] 
nem motuum coeleftium viribus cle&tricitat 





J 


m Ah Bag hon 


‚zum Aufenthalte gewiſſer = 

n. könne: und daß den Sonneneinwoh- 
die ‚Planeten. nicht meniger zu. Statten kom. 
er — —— der Planeten ihre 







Erz. i 
amfane Eie wiſſen wir befonders, daß 
rch bie Bewegung um In Meere ka ua 
it, und durch die Wälzung um die 
Jehres —* 


ganze Kugel unwohnbar machen wuͤrde ; ſon · 
£* a Mo dern 
J YA 
| beſchreidt. Gleichwie aber Herrn Win! 

anf dem Auffern Ende eines Ar —2 
ir feft ftebt, welcher am innern Ende um 
eine fenfechte fe beiveglich if: fo liegt Racns 
" Erdtugel in einer kreis igen ausge⸗ 
inne. Bielleiht ‚möchte das Experiment 
werden, wenn man ber bewẽe 
ıgel keinen je anthaͤte, eg ſie na⸗ 

hangen ließe, ob fie dem von 
fagte, 
um ihre Are, von Welten nach 
dazu mit einem Perigzo und Apo- 
Ma von Beays Erfindung Ti 
Abbandlungen der Naturforſchen⸗ 
in Damjig. ¶ Tp. p. 223 — 237. 


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ygeagpent 
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180 UII Abh. Eine leblofe Welt 


dern daß Licht und Schatten wechſelsweiſe 
ſolch Drehen, der ganzen Kugel und dere 
wohnern zu Statten fommen. Die ande 
wegung aber bringt der Erbe, durch ver: 
Witterung, die Fruchtbarkeit, und machet fi 
nur in ben heißen, fondern auch kaͤlteren € 
chen wohnbar. Daß aber auch dieſe tägfic 
jährliche Bewegung, welche unferer Natur fo; 
tich ift, der Bahn und Gefchwindigkeit na 
ftänbig einerley bleibt, und fo viele taufend 

herdurch nicht einen Daumen breit, nicht eis 
nute gewanfet hat, dag hat alle Gefchledhi 
Thiere, die jemals auf dem Erdboden. gewefe 
erhalten. 

Die übrige Einrichtung bes Erdbodens I 
gleichfalls den Thieren alle Wege zu & 
Der Mond leuchtet ung auch des Nachts, 
Ebbe und Fluch zumege, und giebt eine Nicht 
der Zeit. Der didere Luftkreis bricht Die 
ſtrahlen zum Mittelpunfte, und vermeßn 
Wärme: auffer, daß folche &uft durch ihre Pr 
und Bewegung zur Feſtigkeit der Körper, 
Wachsthume der Pflanzen, und zum $ebe 
Thiere, und taufenderley andern Guten viele 
träge. Das Waſſer unfers Erbbodens führı 
nähret an ſich Millionen Arten von Thicrer 
duͤnſtet aber auch aus, ſchwebet in dem dicken 
Ereife, wird durch die Winde vertheilet, unt 
im Regen und Schnee, zur Befruchtung dee 
des, und zum Getraͤnke der Thiere, hen 
Die Berge dienen befonders, die Feuchtigfeite 
ber Luft zu verwahren, einzufaugen, zu feigen 


che, ne ſich auch ba, no 
e diefes Kraut, das mit ihrer 
m e und ifrem Magen übereinftimmet: Dem- 
fiir taufend iltige Bungen und —— — 

ai —— * 

enehme ur 
jedem angenehm 
12. 






— 





Sue rim jivar von ber beſonderen Einrich 
re nicht viel befanne ift; 

— Bee, was bisher davon ent» 

Mugen ber Sebenbigen gemäß. 

Be: Fe iſt zwar nur 
feine Oberfläche thurch 


BE 


182 DIE Abh. Eine lebloſe Weit 


Serngläfer einer Landcharte ganz ähnlich, ba 
das Weiße fürs land, das Dunkele fürs Waſſi 
haften; zumal, da man fo gar "Berge, und d 
beweglichen Schatten auf dem Lande, und in 
Seen Inſeln bemerfet hat. Er hat feine Tage 
Mächte, und feine Jahreszeiten; feinen Di 
Preis, *) und folglich Thau und Degen: ur 
Erde ift ihm ein großer Mond. 


*, Mad von der Planeten, und befonderd von 
Mondes Aehnlichfeit mit unferer Erde in der 
wohnung gefaget iſt, babe ich bier als Wahrfil 
lichkeiten angenommen, die ſchon von den me 
Mathematicis und Phyficis, ja fogar Theologis 
erfannt werden, und fo ſtarke Gruͤnde vor ſich 
ben, daß ihnen ſchwerlich gleich ſtarke werden 
gegen gefeßer werben fönnen. Wer in berglei 
Dingen, die fo weit von ung entfernet find, ni 
wollte gelten laſſen, ald was er Far mit feinen 
gen ſehen könnte, und 3.9. die Einwohner 

laneten bloß deswegen Icugnete, weil fie ihm 
Sernrobr entdecket, der wurde dem menfchlichen 
kenntniß viele andere offene Wege verfperren. 
Vernunft heißt und dann basjenige fhließen, 
das Auge nicht erreichen kann, und Schluffe, 
che auf die Analogie der Erfahrung, im Zuſam 
bange mit allgemeinen fichern Wahrheiten, geb 
find, haben den größten Grab der Wahrſchein 
Seit. Die völlige Uebereinftimmung mit al 
was wir fonft von Bott, der Welt und befon 
unferm Erdboden wiffen, defchifrivt dem Verſt 
fo gut, al ein gefundener Schlüffel zur verborg 
Schreibart, bie Heimlichkeiten der Natur. 
dem Dunftkreife des Monden möchten num ı 
wohl Schlüffe nicht ganzlich zu verwerfen | 
Denn wenn doch, aufler, der übrigen Aehnli⸗ 





. Bar 


muß aus Abficht hervorgebr. feom. 193 


D iter und © 
= Ki, Bf füne, und 
I dazu 


— nach dem 
der Materie, und 
am wie ware ch moͤglich 
Wärme bie lofeven und. - 
— —* eine gewiſſe 
Berge und Thaler 
haben, als bey 
18 oder Feuers? 
rl in — Nahe, 


Ebes Bonten De Bar 


— wemaſtens ihr nicht wider: 
Ind: da find bisher die, Beobachter ge⸗ 
& iſt befannt, dag Yugenias it feinem 
Cofmotheoro pP ltg. 4. diefelbe ſowohl als das 
‚dem Monde abgeſprochen. Die Herrn 
" Grand Jean de Fouchy Philof, Trans, n, 435. p.261. 
und Bofcovich de Atmofphara Iumari; Rom, 1753. 4. 
find ibm gefolget. Der Herr Lulofs faget in den 
Anmerkungembey diefer Stelle; daß er viele Bedes 
—— der Fixſterne und Planeten durch den Mond 
den beſten Feruroͤhren zu Leyden uud in Gel⸗ 
„Bean aba ak, babe, * — nenn den Sign 
"U: Beute; 
u —— Ban, Dita ı von on einen —— 
* babe; und vermeift auf feine 


—— br Bantın nöber Benns, die im1 Th. 
der. Eye p- 382. faq. fleht. 
‚Me haben ematjco, 

Besen 

— 

1750. 

Ber —— 

kt an Ehen Ag] wii ich 

de ee 

N, - D 


— 


J 


82 
is 
Et 


I 


Fi 





184 n Abh,. Kine lebloſe Wel 


dazu einen breiten Ring um ſich; wel 
alles ben Lebendigen zu Gute Fommen f 


koͤnnte, als vielmehr die Beobachtungen ? 
chen Sonnenfinfterniften von 1706, u 
welche Derham Aftrotheot VII. 3. 3. € 
—8 17 n 306, um Beweiſe ne 
f annulari eclipfis wiaris 1748.25. Sl 
Here Eulesy in der Hift. de 1’ Acad. Roy. 
im‘. 1748, p. 03. Die Atmofphzranı lun 
imuleichen ber immerfienis und emerfio: 
mit feinem annula, ad angulos rectos Iın 
F Sam. Dunn in ben Philofoph. 
"Vel. LIE P. U, n. 94. p. 578. fq. befe 
im Kupfer vorſtellet. entgegen fegen. ‘Bei 
fen Wahrnehmungen flreiten die Erfchein 
Die Atmolpheram Junz ; fo ferne fie in 
nenfinfterniß Die Strablenbrechung und e 
licht am Rande, des Monden, ia die U 
der Sonnenhörner uber net 
Be ins und Austritte der Plangten I 
Monde eine DVeranderung der Geftalt 
Angehuͤhrlichen Verweilung, deutlich fel 
Wielleicht haben dennoch die gegenieitiger 
ger auch recht gefehen, und es brauche 
efracbtung fig mit einander zu verglei 
ehr geſchickter hollaͤndiſcher Mathematier 
fervatgr carlj, Herr Nicolaas Sreugf 9 
feiner Inleiding tot de algemeene Geograp 
vens ernige flerrekundjge en andere Verhæ 
Ami. 1740, 4. ı Deel, 2 Afdecling, pag. 
een Onderzock over de Maans Atmc 
Dampkring, und zugleich ein Licht zur 
Yung beuderley Beobachtungen. Er 1 
bey, welche aus dem Aufhalten der € 
ande des Monden, wenn fie ſchon follt 
Kan: die Atmoſphæram fibliegen; umd 
nicht entgegen fen, wenn ſich Die S 


86 UI Abh. Eine lebloſe Welt 


at in ber Venus, dem Mars und Jupiter, v 
änderliche Flecken wahrgenommen, und man 'm 
daraus fhlieffen, Daß es Wolfen find, die in ihr: 
Dunfifreife auffleigen, und in Regen wieder h 
unter fallen, und daß folglich Sand und Waſſer 

dieſen Planeten ſey; welches auch ihre beitänbig 
Flecken beweifen. In der Venus find fo 4 
Berge zu fehen. Won eben biefen Planeten w 
man aus dem Umlaufe ihrer beftändigen led 
die Zeit, in welcher fie fid) um ihre eigene Are d 
hen, und folglich Tag und Macht haben. T 
Saturnus ift nur zu weit von uns, und der M 
eurlus der Sonne zu nahe, als daß man ihre F 
cken ſehen, und daraus ihren Umlauf beftimm 
koͤnnte. Jedoch ift gar nicht zu zweifeln, ba | 
eben fo wie die andern Planeten, Tag und Na 
haben; ba fie gewiß alle um die Sonne her 
gehen, und alfo ihre Jahre und Jahreszeit 

alten. 

b Alte ſechs Planeten, und zehn Mebenplanet: 
find demnach lauter mwohnbare Erden, und | 
ganze Welt enthält an feſten Körpern nichts 
ders, als lauter unzählbare Wohnhäuferfür $ebı 
Dige, darinn es ihnen an Sicht, Luſt, Wären 
Mahrung, Kleidung, an Wechfel von Tag u 
Nac 


in der Erfahrung ſeinen guten Grund; und die uͤbr 
vielfache Aehnlichkeit mit unſerm Erdboden, da 
Berge und Thaler, Laͤnder und Deere enthe 
und ded Wechfeld von Tagen und Nachten, Waͤr 
und Kalte genießt, laßt und kaum zweifeln, dag v 
feiner Oberflache Dünfte in bie Höhe fteigen müfl 





"mund WOfiht Bevor. fo. 387 


Rachr, von een: : y Yale und 
an mi 
„ mdung , el 


— deſſn if, ui 
De Mann 


„an 


kei, mit eitem Borre, 
„nach eines jeden Art, 
g, als 2 Erdboden, eo 


be of ai ug, — was 
e Pörperlichen Welt it, die Materie, deren 

‚ Bigur, Eigenfchaft, Zufammenfüs 
hung, Kräfte, Bewegungsgefege und Werändes 
fingen, alles mit bem Rutzen der Sebendigen 
i Die Erfahrung und der Augens 
# bemähret demnach, was. ich aus dem Bes 
bee Kbloſigkeit gefchloffen hatte, daß bie 
— leblos, und als Maſchine betrachtet, 
nere Volltominenheit, feinen Mittelpunkt, 
Beſchaffenheit übereinftimmer, in 
rt haben könne, mithin von einem andern 
1, und um eines andern‘, nämlich der Leben⸗ 
ligen willen, hervorgebracht ſeyn muͤſſe. Auch 
find die Begriffe, welche ich zum Grunde gehakt, 

nämlich von dem S$ebendigen und $eblofen, der 
Mafchine, der innern und äuffern Volllommenheit 
ülle von —5— Dingen abgeſondert, und ent⸗ 
—X nichts oder Erdichtetes, 
Zub, © was ſich in den Dingen auffer ung 


‚Spinop 










183 HI Abh. Eine lebloſe Wert 


Spinoza hingegen, der ganz anders ve 
Welt gedacht, ſehet in feinen Gedanken wil 
lhe Begriffe , nach mwilllührlichen Bebeut 

‚ jufammen; darinn basjenige, 
er eek ch zu beweiſen vorgenommen hatte, fchor 
borgen liegt. Daburch wird niche allein das 
wieſene felbft willkührlich und unbemiefen; fo 
es ift auch fo befchaffen, daß es ber Erfahrun 
der wirklichen Welt wiberftreiret. 

Kine Subſtanz, ſpricht er, ” iſt d 
nige, was in ſich ſelbſt iſt, und durch 
feloft begriffen wird; das iſt, deſſen Be 
Beinen Begriff eines "andern Dinges nl 
bat, aus welchem er Wſſet werden m 
Serner : ? Durch das Wort Bott, ver! 
ich dasſenige, was ſchlechterdings unen 
iſt, das ift, eine Subſtanz, die aus une 
chen Eigenſchaften befteht, deren jede 
ewiges unendliches Wefen au 
Daraus ſchließt er: Alles, was iſt, ift ind 
und nichts kann aufjer Gott ſeyn, oder 
dacht werden. Das heißt fo viel: die W 
die einzige Subſtanz, welche ich (zum Sch 
Gott nenne, und auffer derfelben tft nichts. _ 

Beyde Erflärungen find nicht allein du 
zweydeutig, willführlich, und wider allen Gebt 
der Wörter, fondern auch in fich irrig, mwenn- 
fie fo veritehf, wie fie verftanden werden mi 


2 Ben de Spinoza in Opp. poft, Ethic. Defin. III, 
3 Id. ibid. Defin, VL, —*. 





Bee, ae ee 
PEERER SIR: | 


—— feyn, 

che Higenfchaften haben, das ift, alle Eigen, 
was iſt, in eins, und in fich 
einerlep fey:.imgfeichen, Daß alle Ei. 
alles deſſen, was ift, — Wirklich, 
ie nach, ewig und nothwendig ſeyn. Was machet 
xMann denn für ein Blendwerk mit feinen mas 
Beweifen, wenn er das, was er bes 
will, ſchon in feinen ‚erften Begriffen will« 

Grunde leger? 


— — 
Li ul ei 
‚Erflärung Ve — ſie durch 


an 
B 
& 
2 
Ai 
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a 
z 
E 


1900 II Ah. Eine lebldſe Welt 


erbauet, als wirklich iſt; und daß er, aus fe 
willkuͤhrlich zufammen gefeßten Begriffen, 

Melt etwas andichtet, was fich in ihr ganz an 
verhält. 


Der Begriff einer Pörperlichen Welt, die 
ſich leblos, aber doch fo befchaffen ift, daß 
allen Kugeln $ebendige wohnen, und mohnen | 
nen, ber ift es, welcher, der Erfahrung und | 
Augenfcheine gemäß, Acht und wahr ift. Und 
fer Begriff hat allerdings eines andern Begri 
nöthig,, um zu verftehen, theils daß leben: 
Tiere darinn entftanden find, theils Daß bie uͤb 
lebloſe Welt mit der Lebendigen Aufenthalt 
Wohl übereinftinmme. Denn wenn mir uns ni 
anders, als die Wele felbft, vorftellen , fo I 
ſich nicht begreifen, woher die Thiere in derfel 
find, meil fie allerdings Haben entftehen müf 
und doch Feine Kraft in ber ganzen Welt und $ 
eur gefunden wird, wodurch fie hätten entfte 
koͤnnen. Desgleichen ift in der übrigen Weit, 
ferne fie feblos ift, der Grund ihrer Wirflichk 
und ihrer Beſchaffenheit, Einrichtung, Natur ı 
Uebereinſtimmung nicht zu finden; vielmeniger 
zu gebenfen, daß ſich die Thiere eine Welt, n 
ihrem Sinne und ihrer Nothdurft, bereitet, und 
Die Kräfte gegeben hätten. Wenn alfo der % 
griff eines andern Wefens auffer der Welt nör 
iſt, um mit Verftanb und Wahrheit zu begreif 
daß bie fehlofe Welt lebendige Thiere habe, ı 
Daß fie mit dern Mugen diefer Thiere übereinftimn 
fo iſt die Welt nicht das felbftändige Wefen, ot 

n 


mil son. Pr 


en die 
a einzige 


beftimmet , und alfo ihre 
A und Beſchaffenheit nicht ſchlech ⸗ 
wendig. Sie iſt von einem andern 
fefen zur Wirklichkeit —— und ihre Be 
laffenbeit durch eben daffelbe beftimmer worden, 
id weil beybes feinen Grund , auffer ihr und ih · 
m Werfmeifter, in den Sebendigen hat, um bes 


villen ſie hervorgebracht, und mit folchen Eis" 
afehaften 


verſehen iſt, die mit, dem Wohl der 
henbigen-übereinftimmen : ſo iſt fie auch von ih⸗ 
in Werfmeifter nicht,aus Notwendigkeit feines 
ſeſens, fondern unter der äufferen Bedingung 
[haften , daß fie den geberbigen zum bequemen 


ige, als mit 





einer jeben Dia dam De 
nn Einidrung hei hr fü — 


192 II Abh. Eine lebloſe Welt 


ihrem Werfmeilter, nothwendigen Grund 
fondern fich bloß auf die gefuchte Uebereir 
mung mit bem Nußtzen ber tebendigen gründe 

Ich weis nicht, was ſich einige Leute une 
ner Nothwendigkeit vorftellen, ober vor Zeiten 
geftellet haben. Denn fie ſcheinen faft ein ve 
Im Dingen abgefondertes, und für ſich beſteh 
Weſen daraus zu bilden, das bie Dinge durch 
allerhächfte Macht, und durch ein ewiges, faı 
unbedingtes Muß, feyn heißt, und nur auf 
einzige Weife möglidy macher. Den ihnen ij 
nicht die Möglichkeit, fondern bie Nothwendi 
Das erfte, welches ſich von einem Dinge, oder viel 
vor allen Dingen gebenfen läßt; und nichts 
ten fie für möglich, als was fchlechterdingei: 
wendig ift. Dergleichen , auffer und mid 
Weſen der Dinge, angenommene Nothwendigf 
eben fo wohl ein eiteles Hirngedicht , ein | 
Schall und Abgort, als ber bloße Zufall, ober 
abgefonderte Natur. Alle Nothwendigkeit, 
nicht in den Dingen felbft oder deren Urſachen 
die ohne und wider die Eigenfchaften und 
Weſen ber Dinge gedacht wird, hat Beinen Gi 
und ift ein Blendwerk. 

Was ift aber offenbarer, als daß bie ı 
Dingte Nothwendigkeit von der Förperlichen ‘ 
ohne und mwider ihr Wefen und ihre Eigenfch 
angenommen werde? Der Förperlichen leb 
Welt ift es, vermöge ihres Weſens und ihre 
genfchaften, einerlen, ob fie ift oder niche ift, ı 
fo, oder anders ift: folglich ift ihre Wirffic 
und Defchaffenheit niche in ihr felbft gegruͤt 

fel 





muß aus Abſicht hervorgebr. feyn. 193 


olglich iſt fie niche ſchlechterdings nothwendig, fon. 
ern ſie haͤngt in ihrer Wirklichkeit und Beſchaffen⸗ 
eit von einer aͤuſſeren wirkenden Urſache ab, wel⸗ 
be fie noch dazu nicht um ihr ſelbſt willen, ſondern 
ım der $Sebendigen willen, hervorgebracht. Diefes 
ſt Die äuffere Bedingung, unter welcher allein ale 
es, was an ihr iſt, nothwendig heißen fann. Wenn 
iefe Bedingung nicht wäre, ober anders wäre, fo 
önnte fie für fih, und ihrer felbft halber, entwe⸗ 
er gar nicht, oder auch anders ſeyn. 

Wir find vermögend, aus einer jeden Mafchine 
ne Befchaffenheit ber ganzen Welt zu beurtheilen. 
Die Mafchine befteht aus einer gemiffen Mate⸗ 
ie: die Welt auch. Die Materie der Mafchine 
jenieße ihres Daſeyns nicht: die Förperliche Wele 
ben fo wenig. Es härte eine andere und mancher⸗ 
ey Materie zu ber Mafchine dienen koͤnnen; ein 
edes Stuͤck des Metalles einer Art, und auch ver⸗ 
hiedene Art von Metall zu diefer Uhr: fo auch in 
ee Welt. Der Regentropfen , melcher biefe 
Pflanze wäffert und naͤhret, ift es nicht allein, der 
je hätte nähren koͤnnen: ein jeber war dazu ges 
hit, und eine jede Materie von gleicher Schwere 
md Feſtigkeit harte das Innere der Erden ihrente 
jalben ausfüllen Pönnen. Betrachten mir bie 
Bröße und Bielheit. der Materie, daraus eine Mas 
hine beſteht: fo liege in der Materie berfelben 
elbft Fein Grund der beftimmten Größe. Denn 
ein Theil weis von feinem Nachbarn etwas, und 
ines Megenwart ſchließt die andere nicht nothwen⸗ 
ig in fi); es giebt Fleine, es giebt große Uhren. 
Desgleichen laſſen fich in der Welt Lilliputter und 

N Brobdin 


. | 
d 
d 
. 


194 1 Abh. Eine lebloſe Welt I 


Brobdinjaker, eine Erbe, eine Welt im Feines, 
und auch größer gedenken, wenn nur alles diefelbe 
Proportion hätte; ober es Fünnte alles übrige im 
der Förperlichen Welt in feinem Gange bleiben 
und doch Peine lebendige Seele, fein Ihier:barim 
feyn.. Die Zinsheilung einer Mafchine Ger in 
ihrer Materie und ihrem Wefen feinen zureichen 
den Grund: eine jebe Materie kann auf taufenit 
fältige Art getrennet und 'getheilet werben, - Go 
demnach in der lichten und finfteren. Materie ne 
Melt, an und für fich, nichts, das eben fo viele, 
und nicht mehrere Sonnen und Planeten erfortund 
Was beftimmer die Figur der Theile einer ME 
fhine? Kann eine jede Materie nur: einerley Figr 
haben? oder hat fie von felbft die Figur, meichebe 
"Mafchine zukoͤmmt? Die Figur der Welscheile if 
eben fo wenig durch die Materie ſelbſt, oder nee 
wendig beſtimmet. Hat fich doch die Figuß ber 
Erdfläche, nach aller Geſtaͤndniß, geändert Und 
geben nicht unfere neuen Weltbaumeiſter mit ih 
ren Comeien, als ber Zimmermann mit feiner 
Art, um, ben großen Welteheilen eine befiebige 
Figur zu geben? Der Ort eines jeden Theile der 
Maſchine ift ihm an und für fich gleich, und die 
Vrdnung und Zufammenfügtng ſtecket niche ii 
ihrer Materie und ihren Kräften; ja, nachdem die 
Theile fchon zufammen gefüger find, fo verändern 
fie Doch ihre Sage gegen einander, Finnen aufge 
halten ober fortgerüctet, konnen gar wieder auseiih 
ander genommen werben. In ber Naturlehre 
überhaupt ift es aud) ein ausgemachter Sag, daß 
ein jedes Ding feinen Ort verändern koͤnne, un 

.. nicht 

























muß aus Adficht hervorgebr. feyn. 195 


he nothwendig an einem Orte fen. Ein jeder 
genmärtiger Ort eines jeden Dinges hat nicht in 
m felbft alleine, fondern hauptfächlich in feinen 
achbarn Grund, das iſt, in dem Verhaͤltniſſe und 
leichgewichte feiner Kräfte, zu den Kräften ber 
nachbarten Theile; fonft wird es von einem zum 
dern fortgeftoßen. Und fraget man, mas der Ort 
r benachbarten wieder für Grund habe: fo hänge 
abermals von ihren Nachbarn ab, und Diefes 
ht in einem fort, durch bie ganze Förperliche 
deit, und iſt folglich ein jedes nur wegen der aͤuſ⸗ 
wm Bedingung feiner Nachbarn an den: Orte, 
des ift. Und mich verlanget zu wiffen, ob man 
efe äuffere Bedingung , von einem Theile zum 
dern, vom andern zum Dritten, vom dritten zum 
erten, und fo weites ins Unendliche fchieben fann. 
\as wäre meines Erachtens fo viel, als gar kei⸗ 
n Grund von dem Orte geben; und dazu eine 
aendliche wirkliche Reihe und Zahl der Förperlic 
en Welttheile feßen, 


G 15. 


Enblih muß die liebe Natur eine Nothhelfe- 
am werden. Weil alles in der ganzen Förperlichen 
Belt natürlich zugeht, und natürlicher Weiſe nichts 
nders entftehen kann, als was wirklich gefchieht : 
ſchließt man, fen alles fchlechterdings nothwen⸗ 
ig: Allein, es ift leicht zu feben, daß aus bem 
mwausgefesten zu viel gefehloflen werde. Wenn 
eich zugeſtanden würbe, daß alles in der Welt 
atürlich zugeht, und was natürlich zugeht, nicht 
aders fern koͤnne: fo folget doch Feine unbebingte 

Na Moth« 





196 I Abh. Eine lebloſe Welt 


Nothwendigkeit, fondern nur eine bedingte mecha⸗ 
niſche Mothwendigfeit daraus. Denn wenn Ich 
einmal eine gewiſſe Mafchine, mit beftimmter Zu⸗ 
fammenfiigung der Theile und Kräfte, feße, und 
überlajfe fie denn ihr felbft, ohne von auffen was 
darinn zu ändern: fo geht auch in der Mafchine 
alles natürlich zu, und fann, vermöge ber Kräfte 
und ihrer Negeln in der Werbindung der Theke, 
unmöglich etwas anders darinn entftehen, als wirk⸗ 
lich entfteht. Dennoch aber ift diefes, was ent. 
ſteht, nicht ſchlechterdings nothwendig; ſondern es 
hängt von einem Werkmeiſter und dem Nuttzen der 
Menſchen ab. Ich menne aber, daß ich eben dafe 
felbe von der ganzen Ichlofen Welt und Natur ſo 
offenbar erwieſen, als moͤglich iſt. Woher will 
man denn das Gegentheil vonder Natur erhärten? 


Wenn wir die Natur in diefer Abficht befon- 
ders unterfuchen wollen: fo ift wohl zuvoͤrderſt noͤ⸗ 
thig, den Begriff deurlich zu beftunmen, welchen 
man mit diefem Worte verfnüpfe. Denn es 
fheint, als ob man noch nicht aufhöre,, unter 
diefem Sc)leyer eine Iſis zu verheelen , das ift, 
unter einem unbefiimmten und fchwebenden Worte 
ein Unding für Etwas, eine verborgene Beſchaf⸗ 
fenheit (qualicatem occultam) für eine Urſache 
auszugeben. 

Mer Flare Begriffe fucher, kann burch das 
Wort Natur nichts anders , als die wefentliche 
Kraft einer jeden wirflihen Subſtanz, verſte⸗ 
ben. Diefe Bedeutung ift dem Sinne der Als 
sen, und jedes gemeinen Mannes , geſchweig 

vernünfe 






mai a, 19% 


— 86 — So 
Eher ja ek Sr en 








nie Belmeife, welche das B 

ihre vornehmſte mei nie er 

— Evi inertie, d. i. a on 
Ben, und daraus folgern, daß bie les 

nen Kräfte ‚nicht von der Materie 

et fonbern unmitteloar won eines hoͤ⸗ 


Ar Ban at 
u ‚ wenn sie beftehen fönnte, Als 
beißt micht bie Natur ganzficd aufbeben, 


| 
md Gott alles in aflen alleine und unmittelbar 
‚oirten laifen ? Wird ein Materialifte den Grund: 






as einräumen? Eng fich bie Trägbeit der Mate: 
i als betrachten, wm bfi 
Siem — achten, ıwenn fie bloß von 


© 


finde, welche an au 
u 


rm 





198 : HI MH. Eine Ichlofe Welt 


Weil jedoch alle diefe wibrigen Kräfte in ber. 
Welt durch eine weiſe Verknüpfung zur Ueberein⸗ 
ftimmung gebracht find, und fo ferne auch die ganye 
Welt zum Eins machen, und als ein ſolches erhal⸗ 
ten: fo nimmt man aud) die ganze Sammlung al» 
ler befondern Kräfte in der Welt, wegen biefer 
Uebereinftimmung, für Eins, und nennet fie ent 
weder ſchlechthin Natur, oder die ganze YTatur, 
naturam rerum univerfam. Diefe Uebereinftims 
mung fo vieler Kräfte hat aber weber in den einzel 
nen Kräften, noch in allen zufammen genommeu 
Grund: weil eine jede der andern Dafeyn nicht 
in fich jchließe noch erkennet; alle zuſammen ge 
nommen aber ganz mild und ſtreitend wirken wuͤr⸗ 
den, wenn fie eine andere Ordnung hätten. 
Uebereinſtimmung hebt deninach den wirklichen Un» 
terfchied fo vieler Millionen Kräfte eben fo wenig 
auf, als man den Unterschied fo vieler Millionen 
Menſchen oder Soldaten aufhebt, menn man fie 
alle mit den Wirtern, der Menſch, der Soldat, 
zuſammen faffer. in jeder einzelne Menſch inder 
Welt behält doc) für fich feine eigene Natur, oder 
fein Naturell, ob er gleich mit andern in einer Ber 
bindung und Gefellfchaft ſteht; und ein jeder Kerl 
in dem Kriegsheere hat feine Stärke für ſich, ob 
er fie glei, nad) eines Winfe, mit allen andern 
vereinet und einſtimmig anwendet. 

Hieraus iſt leicht zu erfennen,, daß das Wort 
Matur ſehr gemisbraucher, ja zum leeren Tone 
wird, wenn man Darunter, id) weis nicht was für 
eine einzige Kraft der Welt verftcht, die alles in 
allem mirfen foll, von aflen Dingen unterfchicden 

iſt, 





muft aus dibſccht hervorgeht. feyn. 199 


und Doch meber von einer Seele der Welt, 
Fr Berfeben non Gier Gerfäuitt, os 


x D B 





werben 
Vegriff der 
2 von deit eins 
worden, zu 
weniger ein Hirngeſpenſt — ie 
t irnge als wenn 
menfchliche Natur. als. oirflich 
——— ber Men 
d ihren Einfluß in alle 


m mierſchieden ſeyn, 
imbere Menſchen te. laften follte. Auf dleſe 
tife möchte bie allgemeine Natur pöchftens zut 
Ahaſten Gortheit:gedenen, wie bey den Roͤmern 
des, Virtus, Honor, Pavor, Pallor,) Treue, Tur 
®, Ehre, Furcht, Schrecken ıc. unter dem Bilde 
Sottheiten verehret wurden, ob es gleich nur 
jemeine abgefonderte Begriffe von ber Gemuͤths⸗ 
haffenheit einzelner Menſchen waren. Aber man 
hat wohl bey ſolchen Leuten, die mit dem Worte 
fur fpielen, vergeblich auf eine deutliche Erkla- 
1 ‚Sie wiffen ſelbſt nicht, was fie damit Dar -· 
|nelten, als daß es ihnen dienen foll, dieſen lee» 
"Ron flatt des erften zureichenden Grundes aller 
au feßen, 
DEE Per 16. 
ober wie rum die Kräfte dee Dinge in der 
en, es — En, oder vereinet und jufammen 
: fo kann ihnen, und alfo 
4 Natur, aus vielen Aha: feine andere, als 
eine 


200. IIM6h. Eine lebloſe Weit 


eine bedingte Nothwendigkeit zukommen. Dem. 
erftlich find dieſe Kräfte der Materie, als deren 
weſentliche Kigenfchaft, wie die Materie fefbft, 
feblos. Wenn nun die Teblofe Materie ſelbſt nicht 
nothwendig wirklich iſt, ſondern von einem andern 
um eines andern willen, hervorgebracht ſeyn muß r 
fo find auch. derſelben Kräfte oder Natur, zugleich 
in und mit bee. Materie, auf gleiche Weife, un'bee. 
tebendizen willen hercorgebracht. Was kann eime: 
lebloſe blinde Kraft, die fich ihres Bemühens niche 
bewußt it, fondern der alle Wirkung ihres Ver 
muͤhens ſchlechterdings einerley wäre, für ſich 
ſchlechterdings nothwendig machen? Warum 
müßte fie die erfte, ewige, felbftänbige und volle 
fommenfte Kraft feyn, die ewiglich für ſich ſelbſt 
verborgen, und ein Nichts bliebe, und nichts zu 
ihrer eigenen Vollkommenheit wirfete, auch von 
den Wirfungeh auffer ſich nichts empfände? ; 


Zweytens, find die Kräfte jedes Dinges, * 
den kleinen ſowohl als großen Welttheilen, von 
dem Verhaͤltniſſe der Kräfte ihrer. Nachbarn Abe 
hängig. Wenn nun diefe Abhängigkeit ohn Ende 
in einem fortgehen follte, fo wäre eine äuffere Abe 
Dingigtet der ganzen "Natur da , bie doch von - 

ichts auffer der Natur abhienge, und fih auf 
Nichts gründere. Es muß alfo eine höhere Kraft 
auffer der Wele und Matur feyn, von welcher fie 
abhängt: und fo ift fie nicht ſchlechterdings noth⸗ 
wendig. 


Drittens, fteben bie Kräfte der ganzen Welt 
in einer Verbindung und Einftimmung mit einan 





Nele ift, von feinen benachbarten 
MD feßer die ganze Natur eine gewiſſe 
md Ordnung der Theile vordas, welche 
JE werben, umb wirklich ſeyn mußte, ehe 
mbete, und fo wie jegt, wirfen fonnte, 
He Natur von etwas abhängt, welches 
fe felbft, zu feßen ift, und meiches in fich 
‚einmal nothwendig ift; fo kann die Na 


ii ” 
—— ale Wegen dr Sad 
e Natur, es fin Kirpern oder = 
j 5 \ — 









S 


202 I 55. Eine leblofe Well 


len, wirfet, eine Bedingung voraus; Feine iſt in 
fih und ſchlechterdings nochwenbig; feine läße- 
geometrifch beweiſen. Man⸗ nehme in den Rdn 
pern die Regeln einer anziehenden oder. ansbehugm 
den Kraft, oder alle bende, oder was man fenft für 
Geſetze der Bewegung in ber Erfahrung geaeiuät 
fieht, woraus alle Begebenheiten in der Natur. des 
zuleiten find: es find Doch feine folche ewige pleie 
ſich ſelbſt nothwendige Wahrheiten, als daß 
mal zwey viere fen, oder daß ein Dreyeck drey 
kel habe, welche zwey rechten gleich find. Man 



















muß auſſer den Regeln der Naturkraͤfte, ja:ufes 


der Materie felbft, immer etwas annehmen, ‚wer 
aus man verfteht, warum die Regeln fo, umb wicht 





anders find +. Sie leiden daher. auch nur eine 


äuffere Uebereinſtimmung und äuffere Bollfommem . 


beit, und können bloß um ber !ebendigen willen, 


4 Leibniz Effais de Theodiece, §. 345. Pe ie 
vert en möme temps, que les loix da mo Lager — 


Je trouvent eſfeclivement dans la nature, et font vri- 


‚fiees par les exprriences, ne font pas a la verite ab» 

: folument demonflsables, conme jeroit une 75 

Cicumetrique, mais il ne faut pas aufh, qu' eier ie 

‚ füiene. Elles ne.naijlent pas entierement da Principe 

de la neceſſito, mais elles naiſſent da principe de Is 

perfedion et de Vordres; elles font un effer du cheiz 

: es de la ſageſſe de Dieu. Fe puis demomrer cas leix 

. de pluficurs manieres, mais il faut tunjours — 

queigue chofe, qui u' efl pas d' une neceſſitẽ abfalimenn 

wornesrique. De forte que ces belles loix font um 

preuve merveilleufe d’ um Etre intelligent es lihre, con. 

ktre le fyfleme de fa neceffite abfalue es brute de Sıra- 
bon um de Spinoue, 


⸗ 





:wußteiit Dißfscht hervorgebe fee. a203 
glich unter einer Bedingung, nothwendig fern. 
Abſt die Regeln, wornach ſich fo mandıe Seelen 

verſchiedener Art richten, find nicht anders 







sgel ein Meft bauer, warum die Schildkroͤte 

den Winter vergräbt, u.fm. Unter der 

‚einer. gewiſſen sebensart waren jedem 

Regeln und Fertigkeiten feiner Natur, ſo und 

hr anders zu ie noͤthig; in ſich felbft und 
fererdinge ind ie che norhmentig, 


Sechſtens, die Misgeburten, melde zwar ſel · 
ur y zuweilen, in ber Welt wirklich ent» 
—— ‚größeren Unfällen, von Webers 
Eröbeben, Drcanen, Unfruchtbarkeit, 
. — — ey uns, daß alles 
8 natürlicher Weife mög in nun 
allerdings nach ben ze er Kräfte in der 
ufammenfügung der Welt gefchieht: fo folger, 
auch eine Ordnung und Regel in der Natur 
fen, wodurch mehrmals, ja allezeit, dergleie 
Unfälle zur Wirklichkeit gebracht würden; folge 
find die ‚gegenwärtigen Regeln und Ordnung 

e Natur nicht ſchlechterdings nothwendig. 


Km 





204 IM Abh. Eine lebloſe Welt 


$ 17. 

Inʒwiſchen zeiget die Erfahrung, daß siegt 
angeregten Unfälle nur fehr felten.entftehen, und ) 
alfo bloße unumgängliche Apfälle von Regeln ep 
müffen, welche fonft durchgehends zu der 
gen Beften übereintreffen. Alte Kräfte ver 
verlichen Welt, und alle Regeln der Bewe 
vermöge unleugbarer Erfahrung, wirffame 
hen von dem Wohl der $« ndigen.  Dieg 
koͤrperliche Natur iſt, ohne ihr eigen Wiffen, | 
Äpre Empfindung oder ihr Vergnügen, zu } 
Mugen ftets gefchäfftig und arbeitfam ; und, os 
te ſich, wenn fie den größten Verftand Härte, 
beffere Maafregeln dazu nehmen koͤnnen. 


Die Meffünftler und Naturkündiger neuerer ! 
Zeit haben ein großes getan, daß fie bie Seſehe 
* der Bewegung / welche die Natur am Himmel 
auf dep Erden beobachtet, theils ſchon ne . 
teils weiter zu erforfchen auf der Spur find. 
kein, man wird aus aller, mas entdecke Äft, lache 
einfehen, daß ber Grund aller der Gefege in. dem 
Woohlt ber Jebendigen enthalten fer. Die Bein 
welche Repler, Newton, Zeibnin, in ben 
wegungen ber Planeten beobachtet, fin ind eben diej⸗· 
nigen, welche uns Tag und Nacht, Sommer: und 
Winter, Eich, Wärme und Fruchtbarfeit gewäße 
ven. Das Gefeg der Schwere giebt unferer Erd 
Bugel bie Setigfeh, und —X ſie auf allen fe 
wohnbar. ſerwagsregeln erg; . 
ne Seine und em über den ganıen Erbe 
boden, und machen ihn ſchiffbar. Die Spannung 
des 












muß aus Abſicht hervorgebr. ſeyn. 205 


der Lufttheilchen ift das Mittel zur geſchwinden Fort⸗ 
pflanzung des Lichtes und Schalles, des Wachs: 
thumes der Pflanzen und des Lebens der Thiere. 
Der Bruch der Licheftralen und ihre Zuruͤckprel⸗ 
(ung, nebft allen optifchen Regeln, geben ung tau⸗ 
fend Vortheile im’ Sehen. Es märe aber der 
Mühe wereh, daß ein verftändiger Mann alle die 
Gefege der Natur, welkhe uns die Meßkunſt und 
Naturlehre an die Hand giebt, auf die Weife deut. 
lich und umftändlich erflärete, daß ein jeder den 
vielfachen Nutzen, welcher dadurch den $ebendigen 
gefchaffer wird, und den Schaden, welchen eben die 
felbe haben würden, wenn die Regeln anders waͤ⸗ 
ren, begreifiich erfennen Eünnte. 


Diefe Betrachtung fülfet Die große Luͤcke, wel⸗ 
che wir noch in der Meltmeisheit haben, und ver 
fnüpfet nicht allein die Meßkunſt mit der Naturleh⸗ 
re, fondern auch die Naturlchre mit der Metaphy⸗ 
fif, die wirfenden Urſachen mit den Endurfachen ; 
und zeiget Den ganzen Zuſammenhang der Dinge 
ans einer Quelle der Vollkommenheit und Weis— 
heit. Es ift allerdings vernünftig, daß man Lie 
Wirkungen felbft aus ficheren Erfahrungen lerne; 
und Daß man den nächlten Grund dee Wirkungen 
in den wirfenden Urfachen und deren Kräften und 
Regeln ſuche: allein, e8 ift auch nicht weniger ver- 
nünftig, mern die wirkenden Lirfachen und deren 
Kegeln nicht in ſich und ſchlechterdings nothwendig, 
und nicht durch ſich ſelbſt verſtaͤndlich ſind, ſondern 
eine Bedingung voraus ſetzen, warum ſie ſo wirken, 
dag man darnach forſche; weil ſonſt unſerm Der: 

ſtaude 


206 IV Abh. Bon Gott und görtlichen 


ftande fein Genüge gefchieht, fo lange er keinen zw 
reichenden Grund findet. 

Dasjenige, um beßmillen ein Ding ift ober g& 
fchieht, nennet man eine Endurſache oder Abfiche, 
Da nım die förperlihe Welt und ihre Natur feine 
innere Nothwendiafeit ihres Seyns und ihrer Be 
fehaffenheit hat, fondern von einem andern, un & 
nes andern, nämlich der Lebendigen willen, hertades 
gebracht fenn muß: fo müffen wir nicht allein ei 
wirfende Urfache, von weicher bie Weit | 
bracht ift, fonbern auch eine Endurfache ober Abſicht 
dieſer Wirkung annehmen, und diefelbe in -bem' 
Wohl der Sebendigen fuchen, mo wir anders unferue 
Verſtande durch zureichenden Grund Genüge: thun 
wollen. \ 


Die vierte Abhandlung. 
Don Gott und göttlichen Abfichten. 
in der Welt. . 









Sn 


ir fönnen alfo, vernünftiger Weife, mit um 

ferm Sorfchen nad) der erften Urſache, bey 

der Welt und deren Natur nicht fteßen bleiben; 
ie kann weder die Lebendigen urſpruͤnglich erzem 
get haben, noch an fich felbft begriffen werben, ohne 
einen Werkmeifter zu ſehen, der diefe lebloſe Ma⸗ 
ſchine um der $ebendigen willen hervorgebracht hat, 
Die Welt und Natur ift folglich nicht das erfte, 
ſaulbſtaͤndige, ewige, nothwendige Weſen; len 
ches 





Abſichten in der Welt. 207 
miß: auſſer ber Welt ſeyn, und bie Welt im 
wf bie Lebendigen hervorgebracht baben. Ä 
ſes ‚felbftänbige, ewige, nothwendige We 
ches die ganze Welt, und darinn die leblo⸗ 
gg um der Lebendigen willen geſchaffen hat, 
a6 wir mit dem orte, (Bott, anbeuten. 
fo ein Bott, und wir Fönnen unferer geſun⸗ 
munft, ohne ben Begriff von einem folchen 
‚nicht einmal in ben gemeinften Erfahrun⸗ 
‚ımferm Urfprunge, und ber Förpeelichen 
Belt auffer uns, Genügen thun. 
llen wir nun die Eigenſchaften biefes erden 
Jefens, von dem bie ganze Welt, und wir 
t allen Lebendigen abhängen, weiter erfor 
Iftehen uns nur zween Wege offen. Wir 
verfuchen, was aus dem erften Begriffe 
t durch genaue Bernunftfchlüffe zu erfennen 
' Finnen auch feine Bolltommenheiten in 
Werke ‚ als einem finnlichen ‚Spiegel ber 
n Kräfte und Eigenfchäften, wahrnehmen. 
eydes feine zureichende Klarheit und Deut⸗ 
at, und mit einander uͤbereinſtimmet: ſo 
vie deſto ſicherer ſeyn fönnen, daß wir ung 
em: fo unermeßlichen Weſen, mit unferer 
n Vernunft, wenigftens feine falfche Vor⸗ 
gemachet haben; wenn fie gleich ſeht un⸗ 
nen ſeyn wird. 
Diibe zwar unferm Verſtande, zumal in in 
bie fo eehaben und von dem Sinnlichen f6 
‚find, vieles verborgen, wie und auf way 
iefes. und jenes befchaffen oder möglich fen: 
n Zweifel, der bloß’ auf Frage Der 
M⸗ 








208 IV A6h. Von Gott und göttlichen 


Einſicht und apf Linwiffenbeit gegründet if 
hat gegen klare und Deutliche Einſicht bi 
gEinftimmung oder des Widerſpruchs Bei 
Start. Wenn wir fo folgern wollten, ich begrel 
nicht, wie es zugeht, alfo iſt es nichts jo wuͤrd 
wir bie .offenbarefien Dinge, felbft in der Natu 
als ticht, Bewegung, Fortpflanzung, chieriſe 
Sertigfeiten, ja unfere eigenen Handlungen verlen 
nen müffen. Und gewiß, wer die Naturlehre uñ 
ber Lehre von ort unparthenifch vergleiche, % 
wird in jener eben fo viel unerforfchliches für feim 
Verſtand, als in diefer, finden. Man muß d 
ber ftets die Graͤnzen der menfchlichen Vermmf 
welche ung die klare und deutliche Einficht des Jı 
ſammenhanges der Dinge bezeichnet, wohl beme 
fen; und das, mas man im hellen Lichte fieh 
darum nicht verleugnen, meil noch eins und ander 
übrig bleibt, das man niche fo klat und deutlich 
kennen kann. | 
6 2 

Gott ift, vermöge des erften ‘Begriffes, fell 
ftändig, ewig, und ſchlechterdings nothwendig 
Daher aber fann man ihn auch nicht anders, al 
unveränderlich, gedenfen. Denn wäre ee j 
befchaffen, daß etwas in ihm entflünde, was va 
mals in ihm noch nicht wirflich war: fo lieffe 
nicht fagen, daß er in feiner wirklichen Be 
beit ſchlechterdings nothwendig fen; fondern, ı 
koͤnnte ſich auch anders verhalten, es würbe bald i 
biefen 
ı Siehe die J Abd. $. 1m 





Abfichten in der Welt. 209 


biefent, bald in jenem Zuftande fenn. Solcher ver, 
fchiedene auf einander fülgende Zuſtand wuͤrde auch 
fein Daſeyn der Zeit unterwerfen; welches feine 
Emigfeit aufbebt. Eine Reihe von Jahren und 
Jahrhunderten bringet nimmer eine Ewigkeit her⸗ 
aus, wenn man fie auch noch fo fehr verniehret 2. 
Und wie koͤnnte er denn felbitändig fern? das ift, 
wie fönnte alle feine Wirklichkeit in feinem eigenen 
Weſen allein völligen Grund haben? Das Weſen 
iſt unveränderlich: fo muß auch eine Wirflichfeit, 
bie barinn völligen Grimd hat, zugleich mit Dem We⸗ 
fen ba, und unveränderlich fen. ort iſt dem» 
nach unveränderlich, ohne Zeit und Wechſel, ftets 
derfelbe, und ſich vollkommen ähnlich. 

Aus diefer Eigenfchafe fließt weiter, daß er in 
allem, was fein Weſen in ſich fehließt, unendlich, 
oder ohne Schranken ſey. Denn was Schranfen 
hat, indem ift ein mehreres, oder etwas anderes 
moͤglich, als es ſchon wirklich an fich hat. Co hat 
unfer Verſtand Echranfen, weil nod) ein mehreres 
oder anderes gedacht werden kaun, als wir jegt wife 
fen und verſtehen. Unſere Stärfe hat Schrans 
fen, weil rioch ein mehreres oder. anderes ausgerich⸗ 
tet werden fann, als wir durch unfere Stärfe aus⸗ 
zurichten vermögend find. Wenn nun Das, mas 
in einem eingefchränften Dinge über das Wirkliche 
möglich ift, entfteht: fo gefchieht eine Verindes 
rung in demfelben. Daher ift wechfelsweife wahr: 
Alles, was Schranfen hat, ift veränderiih; und 
alles, was veränderlich ift, hat Schranken. So 

i 


2 Siehe die J. Abh. F. 8. und gi III.Abh. $.6. fa. 





. zere Götter von Spander unterfchieben: 


wernn TNIEDTETE WIDILET waren, ſo mutzten RE 
einander und von einander unterſchieden ſeyn. 
nun nichts von dem andern unterſchieden ſeyn 
wenn nicht etwas iſt, worinn ſie unterſchieden 
fo muͤßte auch etwas ſeyn, worinn zween 





eine muͤßte n ſich haben, 
nicht an ſich haͤtte: der eine wuͤrde ——*— 
ken, wollen, koͤnnen, was ber andere. nicheg 
te, wollte oder koͤnnte. So waͤre auſſer dem 
be eine gebächte, wollte oder Fönnte, wech ” 

ves zu gedenken, ‚ zu beſchließen und ‘Ausgei 
möglich). Wie würde man alfo fagen Fön 
diefes letzteren Gottes. Verſtand, 






. möge, unendlich fen? Das ift, er waͤre kein 


Es iſt daher ein ficherer Echluß: .alles,.i 
viele und verfchiedene einzelne Dinge, Arten; 
ungen und Stufen moͤglich find, das ift 
und —— weil auſſer dem, was einen 
wirklich zukoͤmmt, noch ein anderes und me 


ber Art möglich iſt. Hergegen ift das Une 


nicht nur eins, fondern fchlechterdings einzig, | 
unmöglich mehrere und andere unendliche. $ 
feyn koͤnnen. Eben diefe Eigenfchaft Gotter 
auch aus feiner Nothwendigkeit hergeleitet w 
Denn eins iſt nothwendig; ein retbftändig 3 





2 = 
Abbſichten in der Melt, zu 


m &o bald ich aber von der Einheit ab» 
Nat Grund, warum eben ' 
) , und nicht Hundert, nicht taufend, 
immer mehr gefeget wirden; mie auch die 








oͤtterey der weiſt, die ihre Zahl der 
ter immer ve haben, und nimmer recht 
N fönnen ober wollen, : 


$ 3 
Wenn nun alles, mas in Bott iſt und fern kann, 
einem — Weſen er 
fo ſtimmet alles, was in ihm iſt, 
— eigenen Weſen uͤberein. Dieſe Ueber» 
einftimmung alles görtlichen, mie feinem eigenen 
Weſen, ift feine innere felbftändige Vollkom ⸗ 
wenheit, welche mithin auch ewig, nothwen ⸗ 
dig, imendlich und einzig if. Ein Förpers 
lebfofes Ding kann weder felbftändig ſeyn noch 
re Vollkommenheit Er Es ift nichts in 
hm felbit, welches fein Daſeyn und feine Befchafs 
heit beftimmet, ober womit alles in feinem We⸗ 
inflinmen Fönnte *. Gott kann alſo nicht 
fich noch leblos ſeyn ; ſondern er muß eln uns 
Förperlich $eben haben, das feinen übrigen Eigen« 
fhaften gemäß, folglich felbftändig, notwendig, 
eig, umveränderlich, unendlich, einzig, und ſchlech · 
 terdings das allervollfommenite-ift. 

Ein jedes Leben begreift eine wirffame Kraft, 
Da num Gottes $eben felbftändig ift: fo muß in 
demſelben der erfte Grund alles deſſen geſuchet wer» 
den, was it und auffer ihm durch Kräfte zur Wirk, 

a lichkeig 
















* 


” 





3 Giepe die Ut abb. $4. fg. 





iſt, zeiget. Wenn mın ein Weſen Berftam 
Willen hat, fo rechnen wir es zu der Zahl der 
ſter. Gott ift alfo ein Beift; und weil er u 
lic) iſt. fo ſtellet ſich ſein Verſtand “alles md 
‚mf einmal in der größten Deutlichfeit 
ehr Bile hac auf einmal gewollt nd 
was er a finden fann, * 
ens inneres Ziel und Mittelp 
womit alle deffen Bemühungen 
ſteht in der Luft und Glüchfeligkeit: Da 
Die Luſt nichts, anders ift, als ein anfthaitennet 
tennmiß der Volltommenheit; Gott Aber, 
feinem unendlichen Verftande, ſich unter Al 
lichen auch feine eigene Wollfommenbeite 
ae vorftellet: fo genießt er, Durch 
feyn, feines eigenen 
— Kraft, Wirkung, und 
Bgm , aufs volltommenfte, und Ichet 
dich in eroiger, unendlicher, underänber! 
imd Gtüdfeligkeit. * 







8.4. 


Es ſind auch 
Kraſt, Bye und Pa Dinge, mit 


4 Giche die 1U6h. 6 3. 


Y n 
* Albſichten in der Welt. 23 







blichen Vollkommenheit möglich, und, tie die Er⸗ 
rung hr, in der ae mi made. 
Ja num fanden ift, und in Gottes les 
Inbigen Krafebep rund alles deſſen zu für 

1.öfl, wird: fo muß 





vas feyn, woraus ſich 
haffenpeit der Welt ver« 


ehr man alfobald: weil zur Hervorbrin . 
eklichen ges auſſer fich eine Macht, 
ein Vermögen, etroas wirflic zumachen, gehötet, 
3 man Gott eine folche Nacht beylegen müffe, 
Ielche wenigſtens ihrer Wirfung, oder der Größe 
Er ‚gleich ift. - Allein, da auch fonft fein zur 
















Ding überhaupt möglich ift, welches nicht ur⸗ 
fich von Gott, als dem erſten Wefen, ente 

+ fo muß in Gott eine Macht feyn, die alles 
ein fich faffer. Und das nennen wir eine 
Eben dieſes erhellet auch aus der 
henblichfeit Gottes, Denn wäre feine Macht 
ine Allmacht, fo wuͤrde ja auffer derfelben noch 
möglich) feyn, das fie nicht ausrichten koͤnn · 
and fie würde folglich Schranfen haben. Da 
£ die Welt, welche durch Gottes Allmacht wirk- 
‚geworben, ‚nicht ewig ift, nod) feyn kann: fo 
üget, daß fie von Gott aus Nichts hervorgebracht 
D> ch habe fehon oben gezeiget, daß diefer Ber 
ff nichts widerfprechendes in fich halte, und da» 
fr nichts unmögliches vorftelle. Aber wir Men- 
haben freylich fein Wermögen, bas diefem 
bar an fönnen alfo auch die Art —— 
ſolches möglich iſt, nicht begreifen, noch aus 
- 93 fergem 





214 IV Abh. Won Gott und göttlichen. 


folchem Mangel ber Einfiche einen Zweifel wider : 


die Zache felbfl ziehen °, . 


Daß er aber feine Macht zur Hervorbringung 


einer Welt, die er ſich gedacht hatte, anwenden 
wollen; ſolches kann man keiner innern unbeding⸗ 
ten Nothwendigkeit feiner Natur und feines We⸗ 
fens beymeſſen. Sonft würde die Welt mit Got 
tes Wefen eine unzertrennliche Verknüpfung haben, 
und, fo zu reden, eine Perfon mit ihm ausmachen: 
fo würde alles, was in der Welt ift und geſchieht, 
in Gore felbft fenn und geſchehen: mit einem Wor⸗ 
te, die Welt wäre fein Körper, und er bie Seele 
der Welt. Das fann aber nicht ſeyn. Die Belt 
iſt veränderlich; Demnach würde auch Gott durdh: 
die Welt veränderlich werden, weil fie ein weſent⸗ 
lich Theil von ihm wäre. Die Welt, und alles 
was in der Welt ift, hat Schranken; demnach 
würde auch Gottes Wefen fo ferne eingefchränfe 
und endlich fin. Die Dauer der Welt beſteht 
in einer Zeit, und fie Fann nicht ewig feyn; dem⸗ 
nach würde aud) Gott der Zeit unterworfen unb fü 
ferne nicht ewig fenn. Die Welt iſt groͤßtentheils 
förperlih; demnach würde fich auch Gore in dieſem 
Körper bewußt feyn, das ift, finnfich fühlen, und 
yon Körper abhängen; folglich nicht das allem 
vollfommenfte $eben, und die allervollfommenftg 
Gluͤckſeligkeit beſitzen. Die Welt enthält Lebendi⸗ 
ge, die, wegen ihrer Schranfen, bloß einer niedri 
gern Luſt fähig find, welche dazu noch durch Schmerz 
und Unfuft geftöret wird, und oft aus ber Unvolls 

| fominens 
5 Siehe die III Abh. $ 6. ug. Ä | 





— ⸗ 


— nr 


— — —— — 


Abſichten in der Welt. 215 


kommenheit eine betrügiiche Nahrung ſuchet; dem⸗ 
nach mürde Gott, wenn er in den $ebendigen Diefer 
Welt lebete, fich durch ihre Schoͤpfinig unvollkom⸗ 
mener und unglücfeliger gemachet haben. Diefes 
alles widerſpricht den göttlichen Eigenſchaften, und 
folglich) feinem Weſen. Demnach widerjpricht es 
feinem Weſen und feinen Kigenfchaften, daß er 
die Welt aus innerer unbedingten Nothwendigkeit 
feiner. eigenen Matur hervorgebracht bitte. 

Es bleibe aljo nichts uͤbrig als daß die auffe 
ren möglichen Dinge, welche er fich nach feinem un» 
endlichen Verſtande vorgetlellet, feinem Willen eis 
nen Bewegungsgrund zur Schöpfung gegeben, und 
daß die Zufalligfeie und Mannichfaltigkeit möglie 
cher Dinge ihm eine frene Wahl verſtattet habe, 
welche jedoch mit feinen nothwendigen Eigenſchaf⸗ 
ten uͤbereinſiimmete. Gott hat nämlich, vermöge 
feiner Natur, an feinen eigenen Vollkommenheiten 
tut. Er ſtellet jich aber, nach dem Verſtande, 
nicht aflein ſich felbit, fondern auch alle auffer ihm 
mögliche Dinge, mit ihrer verfchiedenen Vollkom— 
menheit ver, Nun wiffen wir Menfchen aus unfer 
rer eigenen Empfindung, daß ein Geift niche allein 
an feiner eigenen, fondern aud) an anderer Voll» 
kommenheit und Glückfeligfeit $uft haben kann. 
Demnach läfit ſich auch begreifen, daß diefes gleich. 
falls dem gröfiten Geijte ein Bemegungsgrund des 
Willens zur Schöpfung, Die in feiner Macht war, 


"hat werden koͤnnen. 


‚Wenn wir Menfchen an ver Vollkommenheit 
eines andern Luſt haben: fo iſt doch aflezeit bey uns 
eine Begierde nach unferer eigenen mehrern Voll: 

24 Fommen 





216 IV Abh. Bon Gott und göttlichen 


kommenheit und Gluͤckſeligkeit, und alfo ein Man« | 


gel mit zum Grunde zu legen. Das läßt fich aber 
von Gott nidye fagen, als deſſen Vollkommenheit 
und Gluͤckſeligkeit nichts Fan hinzugefegt werden, 


weil fie unendlich ift. . Gott kann alfo bie Welt, . 


in dem Verſtande, nicht um fein felbft willen ge 
haften haben. Allein, auch die koͤrperliche Wele 


und Gluͤckſeligkeit fähig, und kann ihres eigenen 
Daſeyns nicht genicken; fondern kann nur ‚In. fo 


weit vollkommen genannt werden, als ihr Daſeyn 
und ihre "Befchaffenheit mit dem Wohl der ebene . 


digen uͤbereinſtimmet. Demnach fann Bott auch 


bie koͤrperliche Melt nicht um ihrer ſelbſt willen,‘ 


fordern um der $ebendigen willen, gefchaffen haben. 
Die tebendigen aller Arten find es demnach nur ei⸗ 
gentlich, von welchen Gott ben ‘Bemegumgsgrund 
zur Schöpfung genommen hat; weil fie einer ins 


nern Vollfommenbeit, $uft und Glückfeligkeit füs | 


big waren, und weil Bott fid) ein Vergnügen bars 
aus machte, aus feiner unendlichen Fülle Denen 
auffer ipm möglichen $ebendigen bie Wirklichkeit zul 


geben, und fo viel Vollkommenheit und Gfücdfelige 


feit mitzurheilen, als jedes Arc, in der Verknuͤ⸗ 
. Pfung der Dinge, litte. 

Dasjenige,um def willen ein verftändiges We⸗ 
fen etwas zur Wirklichkeit bringer, wirb feine Abſicht 
oder fein Zweck genannt. Gott handelt alfo in bee 
Welt mit Abfiche, und dieſe ift auf das Wohl der 
gebendigen gerichtet; ailes aber in der Welt, mag 
Diefe Abfiche zur Wirflichkeie bringen kann, iſt une 
ter die Mittel der göttlichen Abſicht zu zählen. Da 

num 


| 
e 
| 
\ 


r 


iſt, als leblos, feiner innern Vollkommenheit, Luſt 


. 
- 

1 

j 





Abfichten in der Welt, 217 


nun alles in ber Welt burch die Kräfte ber Dinge, 
das ift, durch die Natur, ihrem Weſen gemäß, zur 
Wirklichkeit fömmt, ſo ift das Weſen und die Na» 
tur der Dinge das Mittel görtlicher Abfichten. 

Ein unendlicher Verſtand, ber aller möglichen 
Dinge Vollkommenheit aufs deutlichſte einficht, 
weis feine Abfichten und deren Mittel zu der voͤl⸗ 
ligften Uebereinftimmung zu bringen: und das iſt 
die groͤßte Weisheit. Kin Wille, der an aller 

möglichen $uft und Gluͤckſeligkeit der Lebendigen 

Gefallen hat, wird auch geneigt fern dieſelbe zu bes 

wirfen: und das ift die größte Gute. Wir füns 

nen alfo von Gottes Schoͤpfung und deren Abjich- 
ten nicht anders denfen, als daß fie eine unendliche 
| Weisheit und Güte zu Taae legen werden; gleich» 


— „ 


wie fie Durch feine unendliche Macht wirklich ger 
worden find. 


8 5 


Wie uns nun diefer Weg des Erfenntniffs 
Gottes von den erſten Begriffen feiner Selbftän- 
digkeit, Nothwendigkeit und Ewigkeit, zu feinen 
meifen und gütigen Abfichten in der Schöpfung der 
Melt geführer hat: fo werden mir ruͤckwaͤrts, durch 
die Betrachtung der Welt, vermittelſt der darinn 
liegenden Abfichten, zu eben dem Erfenntniffe des 
Dafenns Gottes und feiner Eigenfchaften und Wirs 
kungen gebradt. 

Aus der Betrachtung der Welt fahen wir: da 
das Sebendige in ber Welt einen Urſprung, und 
Doch nicht von dem $eblofen gehabt, das Lebloſe aber 
auch den Grund feines Daſeyns und feiner Beſchaf⸗ 


5 fenheit 





208 IVA6h, Von Gott und göttlichen 
$Einficht und apf Unwiſſenheit gegrümber iſt 
nfi anf ſſe 5 iſt 


hat gegen klare und deutliche ſicht der 


Einſtimmung oder des Widerſpruchs keine 


Start. Wenn wir fo folgern wollten, ich begreife 
nicht, wie es zugeht, alfo ift es nichts jo würben 


wir die offenbareftien Dinge, felbft in der Natur, 


als Licht, Bewegung, Fortpflanzung, thierifche 


Sertigfeiten, ja unfere eigenen Handlungen verfeunge - 


nen müffen. Und gewiß, wer die Naturlehre mit 
ber Sehre von ort unparthenifch vergleiche, der 
wird in jener eben fo viel unerforfchliches für feinen 
Verſtand, als in diefer, finden. Man muß da 
ber ftets die Graͤnzen der menſchlichen Vernunſt, 
welche ung die klare und deutliche Einficht des Zu⸗ 


fammenhanges ber Dinge bezeichnet, wohl bemer⸗ 


fen; und das, was man im hellen Lichte fieht, 
darum nicht verleugnen, weil noch eins und anderes 
übrig bleibt, das man nicht fo klar und deutlich er» 
kennen kann. | 
6 2 
Gott iſt, vermöge des erften ‘Begriffes, felbe 
fländig, ewig, und fchlechterdings nothwendig *. 
Daher aber fann man ihn auch nicht andere, als 
unveränderlich, gedenken. Denn wäre er ſo 
befchaffen, Daß etwas in ihm entjtünde, was vor⸗ 
mals in ihm noch nicht wirflich war: fo lieſſe 
nicht fagen, daß er in feiner wirklichen Beſchaffen⸗ 
beit fohlechterdings nothwendig ſey; ſondern er 
koͤnnte ſich auch anders verhalten, es würbe bald in 
biefem, 
ı Siehe die J Abh. q. 1. m 





& 


Abfichten in der Welt. 209 


dieſem, bald in jenem Zuftande ſeyn. Solcher ver⸗ 
fihiedene auf einander fülgende Zuftand würde aud) 
fein Dafe,n der Zeit unterwerfen; welches feine 
Ewigkeit aufhebt. Eine Reihe von jahren und 
Jahrhunderten bringet nimmer eine Ewigleit ber» 
aus, wenn man fie auch noch fo fehr vermehret *, 
Und wie koͤnnte er denn felbitändig fern? das ift, 
wie koͤnnte alle feine Wirklichkeit in feinen: eigenen 
Weſen allein völligen Grund haben? Das Wefen 
iſt unveraͤnderlich: fo muß auch eine Wirflichfeir, 
die darinn völligen Grund hat, zugleich mit dem We⸗ 
fen da, und unveränderlic fen. Oott ift dem» 
nach unveränderlich, ohne Zeit und Wechſel, fiets 
derfelbe, und ſich vollkommen ähnlich, 

Aus diefer Eigenfchafe fließt weiter, daß er in 
allem, was fein Weſen in fid) ſchließt, unendlich, 
oder ohne Schranken fen. Denn was Schranfen 
hat, in dem ift ein mehreres, oder etmas anderes 
möglıdı, als es ſchon wirflid) an fich hat. Co hat 
unfer Verftand Schranfen, meil nod) ein mehreres 
oder anderes gedacht werden kaun, als wir jeßt wife 
fen und verſtehen. Unſere Stärfe hat Schran« 
fen, weil noch ein mehreres oder: anderes ausgerich⸗ 
tet werben Fann, als wir durch unfere Stärfe aus⸗ 
zurichten vermögend find. Wenn nun das, mas 
in einem eingefchränften Dinge über das Wirkliche 
möglich iſt, entſteht: fo gefchieht eine Veroͤnde⸗ 
rung in demfelben. Daher ift mechfelsweife wahr: 
Alles, was Schranfen hat, ift veränderiich; und 
alles, was veränderlich ift, hat Schranken. Ev 

i 


2 Siehe die I. Abh. $. 8. und Pu III. Ash. 4. 6. ſq. 





f 


210 IV Abh. Bon Gott und göttlichen 


ift denn auch im Gegentheile alles Unendliche ı 
veränderlich, und alles Unveränderliche unenbli 
Gott ift alfo unendlich, fo ferne alles, was in Üf 

möglich ft, zugleich, und auf einmal ba iſt. 
Ich folgere auch daraus, baf er einzig f 
oder daß nicht mehrere Götter ſeyn Pönnen. De 
wenn mehrere Goͤtter wären, fo müßten fie auf 
einander und von einander unterfchieden fenn. W 
nun nichts von dem andern unterichieden fenn Paı 
wenn nicht etwas ift, worinn fü ie unterfchieden ſij 
fo müßte auch etwas feyn, worinn zween oder m 

rere Götter von einander unterfchieden wären; 1 

eine müßte etwasan fich haben, mas ber and 
nicht an ſich hätte: der eine würde etwa was d 
Een, wollen, Fönnen, mas der andere nicht gedaͤ 
te, wollte oder fönnte. So wäre auffer dem, m 
der eine gedächte, wollte oder Fönnte, nod) ein m 
res zu gedenken, zu befdjließen und auszurich 
möglih. Wie würde man alſo fagen Finnen, d 
diefes leßteren Gottes Verſtand, Willen und V 
mögen unendlich fen ? Das ift, er wäre fein &% 
Es ift daher ein ficherer Schluß: alles, wor 
viele und verfchiedene einzelne Dinge, Arten, G 
tungen und Stufen moͤglich find, das ift enbl 
und eingefchränft; meil auffer dem, was einem jet 
wirklich zutömmt, noch ein anderes und mehre 
ber Art möglich if. Hergegen iſt das Unendli 
nicht nur eins, fondern fchlechterdings einzig, fo d 
unmöglich mehrere und andere unendliche Dü 
feyn koͤnnen. Eben diefe Eigenfchaft Gottes fa 
auch aus feiner Nothwendigkeit hergeleitet werd 
Denn eins iſt nothwendig; ein felbftändig We 
m 


\ 





NEE | _ . J 


' . 
Ablbſichten in der We” " "an 


So bold ich aber von der Einheit ab⸗ 
Be gureichender Grund, warm eben ' 
), drey, wier und nicht hundert, nicht — 

— — geſhet würden; wie auch Die 
ideiiwelt, Die Ahre Zafl der ' 
Ban, u sine ht 














i aan 
Wenn nun alles, was in Gott und — 
i we he um 8 
N net alles, 1 
sit feinem eigenen Weſen übereitt, u, 
einftimmung alles göttlichen, mit feinem eigenem 
‚Befen, ift feine innere felbftändige Vollkom⸗ 
menbeit, welche mithin auch ewig, nothwen . 
— imendlich und einzig if, Kin koͤrper · 
| feblofes Ding Fann weder felbftändig feyn, noch 
hinere Bollfommenbeit haben. ' Es ift nichts, in 
Abm felbt, weiches fein Daſeyn und feine Befchafe 
end it beftimmer, ober womit alles in feinem We⸗ 
4 inftinmmen Fönnte ’. Gott kann alfo niche 
jerlich noch leblos fen ; fehbern er. muß ein un⸗ 
förperlic) Sehen haben, das feinen: Übrigen Eigen 
haften gemäß, folglich felbftändig, nothwendig, 
eig, unveränderlich, unenblid), einzg, und fehlech- 
terdings das allervollfommenfte it 
Ein jedes Eben begreift eine wirffame Kraft, . 
Da num Gottes geben felbftändig iR: fo muß in 
demſelben der erfte Grund alles deffen geſuchet were 
den, mas in und auffer 4 durch Kräfte vu Bl, 


3 Giehe die Ul Abb. 94. Sag. 





aı2 IV Abh. Von Gott und goͤttlichen | 


lichkeit koͤmmt, und möglich ift . Well es aber 
eine unförperliche Lebenskraft ift, fo Fönnen wir ſſe 
innerlich nicht anders, als durch Verftand ud 

. Willen, wirkſam gedenken; gleichwie auch die du 
ferliche Schdpfung, Dadurch) die Welt um der $e 
bendigen willen, das ift, nach Abſicht hervorgebracht 
ift, zeige. Wenn nun ein Wefen Berftand np 
Willen hat, fo rechnen wir es zu ber Zahl Ver Geh 
fter. Gott ift alfo ein Beift; und weil er ımend: 
lich ift, fo ftefler fich fein Verftand ‘alles moͤgliche 
auf einmal in der größten Deutlichfeit vor; mb 
fein Wille hat auf einmal gewollt und befi 
was er für gut finden kann. 

Alles $ebens inneres Ziel und Mittelpunke, 
womit alle deffen Bemühungen uͤbereinſtimmen, ber 
ſteht in der Luft und Glüchieligkeit. Da nun 
Die Luſt nichts anders if, als ein anfchauendes Er. 
fenneniß der Vollkommenheit; Gott aber, nad 
feinem unendlichen Verſtande, fich unter allen Mög. : 
lichen auch feine eigene Vollkommenheiten aufs z 
deutlichfte vorftellet: fo genießt er, durch folch deut. 
liches Bewußtſeyn, feines eigenen Daſeyns, feiner 
Eigenfchaften, Kraft, Wirkung, und deren Leber: . 
einftimmung , aufs vollfommenfte, und lebet alſo 
für ſich in ewiger, unendlicher, unveränderlicher Luſt 
und Gluͤckſeligkeit. 


$S 4 


Es find aber auch auffer Gott, durch feine 
Kraft, endliche und veränderliche Dinge, mit einer 
endli 


4 Giche die I bh. $ 3. 


[ = j 
"0 Abfihten in der Wet 213 








ı bald: weil zur Hervorbrin · 
hen s auffer fich eine Macht, 
weinBermögen, etrmas wirklich zumachen, gehöret, 
3 man Gott eine folche Moacht beylegen müffe, 
slche wenigſtens ihrer Wirkung, oder der Groͤße 
te Belt, ‚gleich iſt. Allein, da auch ſonſt Fein zur 
Ding überhaupt möglich ift, welches nicht ur» 
glich von Bott, als dem erſten Wefen, ents 
+ fo muß in Gott eine Macht feyn, die alles 
gliche in ſich faffet. Und das nennen wir eine | 
macht. Eben diefes erhellet auch aus der 
menblichfeit Gottes, Denn wäre feine Mache 
ine Allmacht , fo würde ja auffer derfelben noch 
möglid) feyn, das fie nicht ausrichten koͤnn · 
d fie würde folglich Schranken haben. Da 
t, durch Gottes Allmacht wirk · 
geworden, nicht ewig ift, noch ſeyn kann: fo 
Iget, daß fie. von Gott aus Nichts hervorgebracht 
38 babe ſchon oben gezeiget, daß biefer Ber 
HF nichts widerfprechendes in ſich halte, und da 
nichts unmögliches vorftelle. Aber wir Men» 
ben freplich Fein Wermögen, bas diefem 
mäte; fönnen alfo auch die Art und: Weife, 
ie ſolches möglich iſt, nicht begreifen, noch aus 
-.893 folgen 















aia IV 69, Bon. Gott und adalichen 
folchem Mangel dei Einfihe einen Zweifel. m 


die Sache ſelbſt 


N 


= Dafi er aber e Macht zur Hervorbring 
einer Weir, die enfichugedache hatte, anwe 
wollen; folches fan man feiner innern unbet 
ten Nothwendigkeit feiner Mat und feines 
fens beymeffen. Sonſt würde die Welt mit | 
des Wefen eine unzerteennliche Verknüpfung’ 
und, fo zu reden, eine Perſon mie ihm m | 
fo wärde alles, was in dee Weit it und-gefih 
in Gott felbft ſeyn und gefchehen; mir ein 

te, Die Welt wäre fein-Rörper , und er die 


der Welt. Das kann aber nicht feyn, Died 


iſt veränderlich; demnach wuͤrde auch Gott d 
die Welt veränderlich werden, weil fie ein we 
lich Theil von ihm waͤre. Die Welt, und 
was in der Welt iſt, hat Schranken; dem 
würde auch Gottes Weſen fo ferne eingeſche 
amd emblich fun, Die Dauer der Welt bei 
in einen Zeit, und fie kann nicht ewig feynz I 
nach würde auch Gott ber Zeit unterworfen am 
ferne nicht ewig ſeyn. Die Wele iſt gr: 
korpetlich; demnach würde fich auch Bott ing 
Korver hewußt ſeyn, das iſt, fi re 

von Körper abhängen; folglich 

velltommenfte $eben, und die — 
Peg befigen, Die Welt enthaͤlt & 
ge, Die, wegen ihrer Gchranfen, bloß einer. 
gern tuft — find, weiche dazu nah Durch 

und Unluſt geitörer Wird, und oft aus — 


Emm she zu 











Abſichten in der Welt. 215 


fommenheit eine berrügiiche Nahrung ſuchet; dem⸗ 
nach) wuͤrde Gott, wenn er in den $ebendigen Diefer 
Welt lebete, ſich durch ihre Schöpfung unvollfome 
mener und unglückfeliger gemachet haben. Diefes 
alles widerfpricht den göttlichen Eigenfchaften, und 
folglid) ſeinem Weſen. Demnach widerſrricht es 
feinem Weſen und feinen Eigeuſchaften, daß er 
Die Welt aus innerer unbedingten Nothwendigkeit 
feiner. eigenen Natur hervorgebracht bitte. 

Es bleibe aljo nichts tibrig als daß die aͤuſſe⸗ 
ren möglichen Dinge, welche er ſich nach feinem uns 
endlichen Verſtande vorgeſtellet, feinem Willen eis 
nen Bewegungsgrund zur Schöpfung gegeben, und 
daß Die Zufülligfeit und Mannichfaltigkeit möglie 
her Dinge ihm eine frene Wahl verftattet habe, 
welche jedody mit feinen nothwendigen Kigenfchafs 
ten uͤbereinſtimmete. ort hat nämlich, vermöge 
feiner Natur, an feinen eigenen Vollkommenheiten 
tut. Er ſtellet fich aber, nach dem Verftande, 
nicht allein ſich felbit, fondern auch alle auffer ihm 
mögliche Dinge, mit ihrer verjchiedenen Bollfoms 
menheit ver. Nun wiſſen wir Menſchen aus unfes 
rer eigenen Empfindung, Daß ein Geift nicht allein 
an feiner eigenen, fondern auch an anderer Doll» 
fommenheit und Gluͤckſeligkeit Luſt haben Fann. 
Demnad) läfit fich auch begreifen, Daß dieſes gleich. 
falls dem größten Geiſte ein Bewegungsgrund des 
Willens zur Schöpfung, die in feiner Macht war, 
hat merden koͤnnen. 

Wenn wir Menſchen an der Vollkommenheit 
eines andern Luſt haben: ſo iſt doch allezeit bey uns 
eine Begierde nad) unferer eigenen mehrern Voll: 

4 fommen: 





‚216 IV Abh. Von Gott und goͤttlichen 


kommenheit und Gluͤckſeligkeit, und alfo ein Man-· 


gel mit zum Grunde zu legen, Das laͤſit ſfich aber 
von Bott nicht fagen, als deſſen Bollfommenpeit 
und Gluͤckſeligkeit nichts kann hinzugefegt werben, 
weil fie unendlich if. . Gott kann alfo bie Welt, 
in dem Beritande, nicht um fein felbft willen ge. 
fhaffen haben. Allein, auch die koͤrperliche Welt 
iſt, als leblos, Feiner innern Vollkommenheit, Luſt 
und Gluͤckſeligkeit fähig, und kann ihres eigenen 


Daſeyns nicht genießen; fondern fann nur in fo. 
weit vollfommen genannt werden, als ihr Daſeyn 
und ihre Beſchaffenheit mit dem Wohl der Leben⸗ 


| 


digen übereinftimmet. Demnach fann Bott auch | 
die förperliche Welt nicht um ihrer ſelbſt willen,“ 


fordern um der $ebendigen willen, gefchaffen haben: . 


Die tebendigen aller Arten find es demnach nur ei⸗ 


gentlich, von weldyen Gott den ‘Bemegungsgrund 
zur Schöpfung genommen hat; weil fie einer ine | 


nern Vollfommenheit, $uft und Glücfeligkeit für 
big waren, und weil Gott fid) ein Vergnügen dar⸗ 
aus machte, aus feiner unendlichen Fülle denen 


auffer ihm möglichen $ebendigen die Wirflichfeit 4 


geben, und fo viel Vollkommenheit und Glücfelige 


keit mitzurheilen, als jedes Art, in des Verknuͤ⸗ 
. Pfung der Dinge, litte. 

Dasjenige,um def willen ein verftändiges We⸗ 
fen etwas zur Wirklichkeit bringet, wird feine Abſicht 
ober fein Zweck genannt. Gott handelt alfo in ber 
Welt mit Abfiche, und diefe ift auf das Wohl ber 
gebenbigen gerichtet; aileg aber in der Welt, mas 
Diefe Abſicht zur Wirflichfeie bringen kann, iſt une 
ter die Mittel der goͤttlichen Abſicht zu zählen. Da 

nun 





Abfichten in der Welt, 217 


nun alles in ber Welt durch die Kräfte der Dinge, 
das ift, durch die Natur, ihrem Weſen gemäß, zur 
Wirklichfeit Eömmt; fo ift das Weſen und die Na» 
tur ber Dinge das Mittel görtlicher Abfıchten. 
Ein unendlicher Verftand, der aller moͤglichen 
Dinge Vollkommenheit aufs deutlichſte einſieht, 
weis ſeine Abſichten und deren Mittel zu der voͤl⸗ 
ligſten Uebereinſtimmung zu bringen: und das iſt 
die qroͤßte Weisheit. in Wille, der an aller 
möglidyen $uft und Glückfelinfeit der $ebendigen 
; Gefallen hat, wird auch geneigt fern diefelbe zu be 
| wirfen: und das ift die größte Gute. Wir koͤn⸗ 
nen alfo von Gottes Echdpfung und deren Abjich. 
| tem nicht anders denken, als daß fie cine unendliche 
: MBeisheit und Güte zu Tane legen werden; gleich« 
Ä wie fie durch feine unendliche Macht wirklich ger 
worden find. 
| S 5. 
Wie ung nun diefer Weg des Erfenntniffts 
| Gottes von den erften Begriffen feiner Selbftän- 
digkeit, Nothwendigkeit und Ewigkeit, zu feinen 
weiſen und gütigen Abfichten in der Schöpfung der 
Melt geführer hat: fo werden wir rückwärts, durd) 
die Betrachtung der Welt, vermitteiit der darinn 
liegenden Abfichten, zu eben dem Erfenntniffe des 
Dafenns Gottes und feiner Eigenfchaften und Wire 
Eungen gebradıt. 

Aus der Betrachtung der Welt fahen wir: da 
das Sebendige in der Welt einen Urfprung , und 
doch nicht von dem $eblofen gehabt, das Lebloſe aber 
auch den Grund feines Dafenns und feiner Beſchaf⸗ 

5 fenheit 


——— 
= 


218 IV Abd. Bon Gott und göttlichen 


fenheit nicht in ſich felbft haben, das ift, nice 
felbftändig,, nothwendig und ewig feyn kann; Daß 
bie ganze Welt von einem wahrhaftig felbftändis 
gen, nothwendigen, ewigen Werfmeifter, und-zwar 
. bag $eblofe um der $ebendigen willen, das ift, mit 

Abficht auf die Lebendigen und deren Wohl, hervor⸗ 
gebracht ſeyn muͤſſe. Hierinn liegt unmittelbar ſei 
ne Macht, welche die Welt mit allem dem, was 
barinn ift, zur Wirflichfeit gebracht: hernach ſei⸗ 
ne Güte, welche die $uft und Gluͤckſeligkeit der. 
möglichen "sebendigen zum Zwecke gehabt: und ſei⸗ 
ne Weisheit, welche zu dieſem guͤtigen Zwecke Die 
Natur ſowohl der lebloſen Dinge, als ber Lebendi⸗ 
gen ſelbſt, nach einſtimmigen Regeln, als das 
kuͤrzeſte Mittel, erwaͤhlet hat. Und dieſe drey Ei⸗ 
genſchaften des Schoͤpfers muͤſſen der Wirkung 
gleich, das iſt, unermeßlich, und nach der Art zu 
wirken unendlich ſeyn. Denn wir moͤgen die 
Welt, und was darinn iſt, nad) ihrer Groͤße und 
Mannichfaltigfeit, oder nach ihrer Uebereinſtim⸗ 
. mung und Vollkommenheit betrachten: fo übers 
fteige fie in allen Stuͤcken alles Maaf, was wir we 
benfen fönnen, In fo ferne aber zwifchen dem 
Senn und Nichtfeyn ein unendlicher Abftand if, fe 
feet die Welt, welche das Seyn durd) des Shi | 
pfers Macht, Güte und Weisheit erhalten bat, da 
fie vorher nicht war, unendliche Eigenfchaften und 
Vollkommenheiten voraus. 

Ein folder Schöpfer nun muß nicht allein eine 
unendliche Rraft, fondern auch, fo ferne er diefeb 
be nad) unendlicher Güte und Weisheit auffert, dem 
vollfommenften Verftand und Willen pe 

olg⸗ 





Abſichten in der Welt, 219 


r größte Geiſt feyn, der ein ihm gemaͤßes 
id innere Vollkommenheit, Luft und 
gkeit beſitzt. Weil nun.die Welt durch 
upfung der mwirfenden und Endurfachen 
26 ‚Ganzes ausmachet: und hergegen in 
jigen Weſen, das den volllommenften, 
und Willen, und eine unendliche Kraft 
Miger Grund des Dafenns der Welt zu 
ı fb würden mehrere Schöpfer ohne zus 
Grund, und umfonft erdacht. Er ift 
$, und vermöge feiner. Unendlichkeit koͤn⸗ 
nicht mehrere fern: mithin ift er auch das 
dige, ewige, felbftändıge, erftc We⸗ 
n alle Wirklichkeit anderer Dinge abhaͤn⸗ 
vas wir Gott rennen. 


SS 6. 


e Wege des Erfenntniffes legen nichts 
de, als was ein jeder Atheift zugeltehen 
imlich auf der einen Geite, daß etwas 
yes, nothivendiges, ewiges ſeyn müfle; 
ndern aber, daß die Welt aus Icbendis 
blofen Dingen beſtehe. Beyde aber füh- 
ennoch zu einerley Eigenfchaften des erften 
wodurch Die Wahrheit defto mehr beftär« 
Beſonders aber treffen fie in den Ab» 
s einem gemeinfchaftlihen Mittelpunfte, 
Denn fangen wir ven den erften Be⸗ 
es felbftändigen, nothwendigen, ewigen 
m: fo läße fich daffelbe nicht anders, als 
und wenn es auffer fih wirffam ift, ale 
bendigen willen, das ift, mie Abficht Fr) 
die 


“ 5 


220 IV Abh. Von Gott und goͤttlichen 


‚die Lebendigen, wirkſam gedenken. Betrachten 
wir aber die Welt zuerſt, ſo ferne ſie aus lebendigen 
und lebloſen Dingen beſteht, die beyde den Grund 
ihrer Wirklichkeit nicht in ſich haben: ſo finden 
wir, daß das Lebloſe nicht um ſein ſelbſt willen, 
ſondern um der Lebendigen willen, alfo aus Abfidyt 
auf diefelbe, hernorgebracht ſeyn müffe. Dem 
nach wird auch befonders die Lehre von den Abfich- 
. ten in der Natur, durch diefe Uebereinftimmung, 
beftärfet; wiewohl diefelbe ſchon für fich feft ſteht, 
ehe man roch zu den Figenfchaften bes erften 
Weſens hinauf geftiegen ift, weil fie allein .auf der 
Lebloſigkeit der Eörperlichen Welt gegründet bleibt. 
Diefer allgemeine Beweis der Abfichten fließt 
demnach nicht aus ber äufferlichen Einrichtung dee 
Welt, fondern aus einer inneren Beſchaffenheit 
der Materie. Er gründet fich nicht auf ein tiefes 
ober mweitläuftiges Erfenntniß der Natur , fondern 
auf etwas einfaches, das jebem in bie Augen leuch⸗ 
tet; nicht auf was willführliches und zweydeutiges, 
fondern auf mas wefentliches. Er läßt auch feine 
Ausflucht über, daß etwa die vermeynte Abfiche es 
nem Ungefähr ober einer blinden Nothwendigkeit 
zuzufchreiben fen, fondern eben diefelbe Defchaffen 
heit ter Materie, moraus bie Abfichten fließen, 
hebt zugleih Nothwendigkeit und Zufall auf. Es 
bat mir um fo viel nöthiger gedünfet, auf ſolchen 
Veweis zu denfen, weil derjenige, den man bisher 
fchlechthin aus der Ordnung und Uebereinftimmung 
der Dinge geführet hat, nod) nicht hat verhindern 
Finnen, daß nicht Leute, Die gern eine jebe Ge⸗ 
fegenheit zu Ausfluͤchten ergreifen, alle Die herrliche 
Drdnung 


\ 





Möhren in der Well. au 
Ordnung und Einrichtung ber Welt lieber einem 
Nothwendig · 





Ungefähr, die Ben er blinden 
feit zugefchrieben 
s fey ferne von Mn Mie, daß Id) den Beweis 
don ber Ordnung und Uebereinſtimmung Ba Tore 
verachten, ober für ſchwach Halten folite: „Ich 
‚Dielmepe für fehe gut und Rast en: aber-ich 
Be baß er ——— dazu angehen 
worden, Klarheit, eis 
durch Beutlihfeit, überzeugen follte. 5* 
in es einem jeden, der nicht ſreventlich fpigfindig 
feyn will, offenbar, daß das Auge zum 
das Ohr zum Hören, der Mund zum Eſſen und 
Sprechen, gemacht fey, und daß überhaupt alleund 
jede Einrichtung in der Welt, vom größten bis 


zum Pleinften, Weisheit und Abfiche zeige, die ei⸗ 


ner gleichfam mie Händen greifen kann ; * daß ei · 
ner entioeder bie Natur nicht kennen, oder ſchami⸗ 
toth werden muß, wenn er ſich und andere Überrer 
den will, daß ſolche Uebereinitimmung mit dem 
Mugen der Sebendigen entweder von einem müßten 


Zufalle, * von * blinden ern 
! . Unter lete es 
berrübre, effen fehlete es hoch Bieten, be A 


diefer Folgeruing von der Le 
Welt auf die Abfichten, an einem allgemeinen und 


deutlichen Beweiſe, daß folche,Uebereinftimmung 


norhivendig won einer Abficht eines Werkmeiſters 
Eure müfle, und fonft Beinen Grund haben 

me. Nun ‚aber ift hier ein allgemeiner deutli- 
her Grund gegeben, warum eine förperliche lebloſe 
Welt ſowohl von einem Werfmeifter, als um der 
&ebendigen toillen, und alfo aus Abſicht, — 






[ * 


222 IV Abh. Bon Gott und göttlichen 


bracht fenn muß: und ber'ift leicht zu uͤberdenken, 

und fo ins Kurze zu faffen, | 

1. Die förperliche Welt ift an fich und ihrer Natur 
nad) leblos. | u 

2. Was an fich und feiner Natur nach leblos iſt, 
Das hat, vermöge feines Wefens und feiner Ma: 
tur, feine Empfindung oder Berußtfenn von 
feinem wirflichen Dafenn und von feinen wirffi. 
chen Befchaffenbeiten, Kräften und Wirfungen. 

3. Was, vermäge feines Weſens und feiner Natur, 
von feinem eigenen wirflidien Dafeyn und von 
feinen wirflichen Befchaffenheiten, Kräften und 
Mirfungen Eeine Empfindung und fein Bewußt⸗ 
feyn hat, dem ift eg, vermöge feines Weſens und ſei. 

"ner Natur, einerlen, ob es iftoder nicht ift, ob es fo 
oder anders ift, ob es mwirffam iſt oder nicht, 

4. Wen es, vermöge feines Wefens und feiner 
Natur, einerley iſt, ob es ift oder nicht ift, ob es 
fü oder anders iſt, ob es wirkſam ift oder nicht 
deffen wirflihes Daſeyn, Beſchaffenheit und 
Wirffamfeit, bat in ihm ſelbſt, d. i. in feinem 
Weſen und in feiner Natur, feinen zjureichenden - 
Grund der Wirklichkeit, und Fann auch feinem - 
eigenen Wefen und feiner Natur nicht gemäß bes 
ftimmet ſeyn. 

5. Dasjeniye , was ben Grund feines wirklichen 
Dafeyns, feiner Befchaffenheit und Wirkfam- 
keit nicht in fid) felbft hat, noch feinem eigenen We 
fen und feiner Natur gemäß beitimmer fern kann, 
das muß den Grund feines wirflihen Daſeyns 

,- und feinet Befchaffenheit und Wirkſamkeit in- 
} einem andern Dinge auffer ſich haben, und nach 
' " eines 





‘ 


Abfichten in der Melt. 223 


eines andern Dinges Wefen und Natur be- 
ſtimmet fepn, 

6. Dosjenige, was den Grund feines wirklichen 
Daſeyns, feiner Vefchaffenheit und Wirffam- 
feit in einem andern Dinge auffer fich hat, ift 
von einer wirfenden Urfache hervorgebracht: und 
dba es von derfelben nad) eines andern Dinges 
Weſen und Natur beſtimmet worden, fomuß es 
um desmwillen, und alfo aus Abficht feyn bervor- 
‚gebracht worden. 

7. Demnach muß die Förperliche leblofe Welt von 
einem Werkmeiſter aus Abficht auf andere, als 
leblofe Dinge, und alfo nad) Vebereinftimmung 
mit dem Wefen und der Natur der Lebendigen, 
hervorgebracht ſeyn. 

Demnach muß auch alle Uebereinſtimmung der 
örperlichen Welt mit dem Weſen der Lbendigen 
eine Abſicht ihres Werfmeijters ſeyn. Steht nun 
diefes, als ein allgemeiner DOberfaß , ſeſt und unbes 
weglich, wie erwiefen: fo fönnen alle wunderwuͤr⸗ 

dige Vebereinftimmingen der Dinge in der Welt, 

weiche uns bie Kenner der Matur und ihres Ur, 
bebers vorftellen, als lauter Unterfäße aus einer 

Maren Erfahrung „, ober als Derfpiele angefehen 

werden, welche nunmehro, vermöge des Oberfa- 

Bes, einen ficheren Schluß gewähren, und fo ferne 

allen Einwuͤrfen Trotz biethen. 


$ 7 
Man darf fid) nicht wundern, daß Leute, bie 
ſich der Religion entreißen wollen, mit aller Macht 
gegen die Abfichten in der Natur fireiten., Man 
ſollte 


— — ——— 


rw” 


24 IV Abh. Von Gott und göttlichen 


ſollte aber faum denfen, daß andere, die. in’ d 
That Religion haben, in dem Stüde jenen gef 
get wären. Allein, anſtatt daß es leicht gemef 
wäre, ben klaren Mittelbegriff des Schluffes in ı 
nen deutlichen zu verwandeln, und den Beweis d 
durch zu fehärfen; fo haben fich einige vielmepr'T 
mübet, den Begriff zuverdunfeln, mithin auch 
Solgerung als ſchwach und unzufänglic) zu Veran 
fen. Ihre Grimde find zum Theil auch fo beſch 
fen, daß fie ebenfalls einem Atheiſten gereche f& 
Finnen, wenn fie gleid, nach der Urheber Ws 
nung, Dazu nicht angewandt werden ſollten. 
giebt noch andere, welche die Betrachtung der A 
fichten von der Naturlehre, die Endurfache von 
wirfenden, abgefondert mijfen wollen. Unb &x 
hat mehreren Schein. Jedoch gehen fie dark 
wohl zu weit, wenn jie feine Verknüpfung uns 
beyden erkennen, allen Einfluß der Endurfachen-| 
das Erfenntniß der Natur leugnen, oder wohl 

von den Endurfacyen an fich veraͤchtlich ſprechen 


58. 


Was haben aber erſtlich die großen Weltia 
fen, welche gar alle Abſichten in der Natur verlag 
nen, fir einen fcheinbaren Einwurf dagegen ? DA 
wüften Zufall, und die blinde Nothwendigkeit d 
Natur habe ich ihnen ſchon benommen, und wi 
das Gefagete hier nicht wiederholen. Können f 
aber fonft beweiſen, daß eine förperliche Welt, ve 
möge ihrer Matur und ihres Wefeng, Feine Ch 
richtung nach gewiffen Abfichten leide? Ich daͤche 
das wüßten fie aus menfchlichen Mafchinen . beffe 

. ‚Dere 





x 


Abſichten in der Welt. 225 


Deren Materie ift doch aus der Natur genommen, 
und alfo überhaupt einer Art mit der Materie der 
Welt. Nun war diefe Materie der Mafdyine vora 
bin noch Feine Mafchine, war alfo nicht nothmwens 
dig, was jie werden kann; lite aber doch, daß fie, 
nacy Pluger Abficht, zum Nutzen der Menfchen, in 
die Verfnüpfung einer Mafchine gebracht warb, 
| unb würde ohne ſolche Abficht nimmer eine folche 
Mafchine geworden ſeyn. ft aber die ganze Für 
perliche Welt, an ſich, was anders, als eine Ma⸗ 
1 fine? Bewegen ſich nicht ihre Theile durch gewiſſe 
+ Kräfte, nad) gewiſſen Regeln, der Verknuͤpfung 
| gemäß, und zwar zum Beſten der Menjchen und 
aller $ebeudigen ? Woher ſollte denn hier eine Abs 
-; fihe unmöglich Start finden, und dem Weſen und 
- der Befihaffenheit der Welt widerſprechen? Eie 
- - tönnen auch nicht fagen, daß die Abſichten ohne 
», Noch, Grund und Urfache in die Natur eingefuͤh—⸗ 
„' tet mwirden, und daß das, was natürlich zugebt, 
keines Verſtandes und feiner Abjichren bedurfe. 
Ich babe vielmehr überhaupt bewieſen, daß eine 
leblofe Materie mit ihrer Wirflic.Feir, Einrichtung 
und blinden Naturkraft, ohne Werfmeifier, und 
> ohne Abjicht eines Werkmeiſters, was unnwgliches 
‚-" und unverjtändliches fey., Was Fann denn für ein 
- + Einwurf überbleiben ? 
| Ich will nody mehr fagen: daß fich die Leute, 
weiche allen Berftand und alle Abficht in der Dias 
.. tur aufzuheben fuchen, durd) ihre eigene Empfin⸗ 
-. dung und Denfungsart widerleget finden. Denn 
ich traue ihnen eritlich zu, daß fie in der Betrach⸗ 
tung und Forſchung der Natur ein Vergnuͤgen des 
9 Verſtau⸗ 





226 IV Abh. Bon Gott und göttlichen 


Verſtandes finden. Und wer Fönnte fo viehil 
feyn, daß er davon feine Empfindung hätte, wei 
er die Natur einmal ber Betrachtung —* 
bat? Nun kann bey Menſchen zwar wohl eine ſun 
liche Luft durch den Kuͤtzel unferer Nerven entſtehe 
ohne daß man ſelber Verſtand dabey brauchet, gt 
in den koͤrperlichen Dingen einen. Verſtand waf 
nimmt: Aber es kann fein Vergnügen bes Bi 
ftandes an Pörperlichen Dingen entftehen, als a 
der Einficht desjenigen Verſtandes, der ſich ind 
Körpern zeiget, und der unfern Verſtand felbft 6 
Det und vollflommener machet. Das Auge wi 
zwar durchs Sicht, Bas Ohr durch die Harman 
die Zunge durch den füßen Geſchmack gefißelt: ab 
der Berftand ift allein für Werftand , und u 
daraus fließt, empfindlich. Was alfo Menſch 
in der Proportion, Schönheit, Ordnung und U 
bereinftimmung der Natur für Vergnügen - &ı 
Verſtandes finden , bas beruhet lediglich darası 
daß fie Verſtand, Abficht, Kunft und Weishe 
wenigftens unbeutlich, in den Dingen erblide 
und von diefer Einficht den angenehmiten Einbru 
in ihrem Berftande befommen. Ohne folche Ei 
fiht des in der Natur berrfchenden Werftanbı 
wuͤrde uns fein Wergnügen, als mas von eine 
finnlichen Küßel enefteht, übrig bleiben. —* 
gen widerlegen und verleugnen ſich alſo ſelbſt, di 
ein vernuͤnftiges Vergnuͤgen an der Betrachtun 
der Natur zu finden geſtehen, und doch keine 
Verſtand in der Natur zu ſehen vorgeben. 

Wie aber? duͤnken ſie ſich nicht auch 
des Kenntniſſes ber Natur, wegen ihrer W 


Sn 





Abſichten In der Welt. 227 


ten und Künfte, Die fie erlernet oder erweitert 
n, verftändig, meife, Flugund gelehrt zu fern ? 
allerdings iſt es eine grofie Vollfommenpeit 
Berftandes, wenn ein Menfch den Bau der 
', ben fauf ber Sterne, die Regeln der Bes 
ng, die Meßkunſt, die Mechanik, die Hydro⸗ 
‚, die Dptif weis; wenn er die Urfachen der 
nderungen am Himmel, im $uftfreife, in den 
ralien, Pflanzen und Thieren einſieht; wenn 
onderheit auch ſich ſelbſt kennet, und wie fein 
and und Wille zu beffern,, fein Ihun zur 
feligfeit einzurichten fen, verfteht. Aber was 
les diefes Wiſſen, und Die daraus erfundene 
t, mas alle unjere Vollfommenheit des Were 
es anders, als ein fehr ſchwacher Abdruck des⸗ 
m Werftandes, Der Regeln, Wiffenfchaft, 
t, Weisheit und Abjichten, welche in der 
ir berefchen? Da, da, in der Natur, ift die 
iche Baufunft, die wirfliche Aftronomie, Geo» 
e, Mechanif, Hndroftatif, Optik, Phyſik, 
nd die wirflichen Regeln und Gefeße der ‘Bes 
ng, der Wahrheit, der Pflichten und Glück. 
eit, wovon wir etwas weniges durch Denkbil⸗ 
efaffer haben. Iſt denn nun bie unvollfoms 
Abbildung des Wirflichen ein Verſtand und 
Weisheit; und in dem vollfommenften Urbilde 
es Leine fenn? Sie mögen ſich alfo felber 
sort geben, marum fie fih Verſtand und 
sheit zueignen, und diefe dennoch ihrem einzis 

ebrmeifter abfprechen ? 
Ich möchte ferner wiffen, od fie nicht tauſend⸗ 
je "Beltommenbeiten in den Dingen der Welt 
2 wahr⸗ 


228 IV Abh. Bon Gott und göttliche 


wahrnehmen, und daran einen inniglichen Ge 
baben, wenn fiegleich, für ihre einzelne Perfor 
nen Mugen davon fehönfen? Heben fie abe 
Abfichten in der Welt auf; fo fälle alle Vol 
menheit der Dinge weg, und das DBergnüge 
denfelben hat feinen Grund. "Denn innere | 
kommenheit hat für fich in der leblofen M 
feine Statt; weil nichts in ihr felbft ift, n 
ihre Einrichtung, Beſchaffenheit und Wir 
übereinftimmen fönnte; und meil es ihr 
fchlechterdings einerley ift, ob fie ift ober nid 
ſo, oder anders if. Was hätte man denn ı 
ner Mühle oder Mafchıne für Gefallen, bi 
für fic) ewig rund drehete, ober andere dergfi 
erzeugete, ohne daß fid) felbft oder ihre Nad 
men Empfindung oder Nutzen davon hätten ? 
äuffere Vollkommenheit aber verſchwindet, fü 
die Uebereinftimmung mit dem Wohl der $el 
gen nicht nach Abſicht beftimmet if. Denn 
jedes Ding, Das zu meinem Mugen dienet, 
wie ein gefundener Stein, der cben in bie 
meines Gebäudes paffet; dabey ich mich zwa 
deffen Nutzen freuen, aber nicht über die Vol 
menheit des Steins felbft vergnügen kann. 
überlaffe es alfo den Abfichtsfrenen Herren, u 
teyifch zu unterfuchen, woher ihr Vergnügen « 
Vollkommenheit der Dinge entſteht, oder w 
diefer ihre Vollkommenheit ſelbſt beſtehen foll, 
fie weder innerlich noch äufferlich ift. 

Allein, ich Darf mich auch auf ihre eigener 
eheile berufen, die fie aus feinem andern Gr 
als aus den Abfichten, folgern Finnen. Wen 





Waſſervo 
andern Grunde, als aus dem Verhaͤit. 
Mittels zur Abſicht. Ueberhaupt zweifeln 
wohl nicht, daß die Thiere eine Seele, oder 
Empfindung haben. Woher wiſſen fie 
das? Sie ſchlieſſen e8 exargumenro analogiz, 
der Nebnlichkeit, Aber dieſer Schluß kann 
EBeftigkeit haben, wenn ſich die Aehnlichkeit 
Kauf eine und diefelbe allgemeine Abficht grüne 
- Nämlich, weil die Werkzeuge der Sinneum 
Empfindung willen find , fo haben aud) die 
te eine Empfindung, und folglich eine Seele, 
Iimerbe ihnen auch zum Theil nicht Unrecht thun, 
wich fage, daß fie lebendige Einwohner in den 
heten erfennen. Woher find fie aber anders 
bie Gedanken gefommen, als aus dei Abficht defr 
"was fie in den Planeten beobachten? Denn- 
bey uns Sand und Waſſer, Berge und Thäs 
"Regen. und Sonnenfchein, Tag und Nacht, 
nmer und Winter, um der $ebendigen willen 
‚ und biefelben Dinge ſich auch aufden Plane 
befinden: fo müffen diefe Dinge. aud) in den 
1 dyr Gran ft Menunge [aha fe ger 
&,dge Grund ihrer 9: fo haben fie gar 
m Dam bey er diefen Benfpielen. läßt 
"93 


J 





230 IV Mh. Bon Gott und göttliche 


fich nicht fagen, daß die Folgerung aus wirk 
Urfachen entſtehe. Keines hält den Grund 
Wirklichkeit beffen, was baraus gefchldffen 
nothwendig in ſich; fondern jedes koͤnnte auch 
den Nusen für fi) feyn. Es fann alfo die fi 
rung bloß nach den Enburfachen gültig ſeyn. 
ber vermwerfen fie denn die Endurfachen, wer 
ſich derfelben täglich in Schlüffen von narür 
Dingen bedienen? Cie machen es wie diejeı 
welche den Satz bes zureichenden Grundes a 
ten, und ihn dad) felbft allerwaͤrts brauchen ; 
eben da, wo fie ihn anfechten, in den Regel 
Verſtandes und der Dinge felbft zureichenden € 
fuchen, woraus man verfteben foll, daß ber 
des zureichenden Grundes nicht gültig ſey. 
zeiget eine ftarfe Unmiffenheit der Regeln an, 
nach man felber denket, und ein gemaltiges 
ureheil, welches durch dunfele und vermorrene 
ftellung unterftüger wird, 


% 

Für Diejenigen, twelche zwar vom Dafepn 
tes aus andern Bründen überführer find, abı 
Beweis aus der Hrönung und Lebereinftim 
der Dinge, und aus den Abfichten, fie fd 
und unzulänglich erflären, will ich den beruͤ 
Herrn von Maupertuis fprechen laffen. De 
bat unlangft alle Einwürfe, welche Dagegen | 
ehen find, gefammier, und nad) feiner Sch: 
nigfeit ziemlich weit getrieben.“ Diefe m 

dei 
& Siehe den Avant- Propas zu feinem Efay de ( 
laxie: ai l’an examine les preuven de Pen 


4: 





Abfichten in der Welt. 231 


demnach), zumal ba fie von einem großen Mathe 
matico und verdienten Beförderer der Wiffenfchafe 
ten berfommen, bey vielen noch einen fo frifchen und 
ftarfen Eindruck hinterlaffen haben, daß ein jeder 
"mich eines fchlechten Vertrauens zu meiner Sache 
beſchuldigen würde, wenn id) fie unberührt lieſſe. 
Es it befanne, daß diefer angefehene Mann 
fie gut gefunden hat, feinen neuen Beweis von 
dem Dafeyn Gottes aus dem von ihmfo genannten 
Geſetze der Sparſamkeit, oder der Eleinften 
Handlung in der Matur, 7 auf folche Ark zu eher 
4 en, 


de Dieu, tirces des Merveilles de la Nature, und die 
Hiftoire de l’Academie de Berlin. 1740. p. 268. [qq- 
Es ware hoͤchſt unbillig, wenn man den Hrn. v.M- 
mit dem Verdachte beladen wollte, als vb er die 
Religion ſelbſt umzuffoßen oder zu ſchwaͤchen ſuche⸗ 
te, woruͤber Er in der Dorrede zu feinem Werten 
Haget: man wei dad GBegentheil, auch aus feiner 
Lebensart. Es fiheint fo gar aus einigen Gtels 
len des angefuhrten Buches , daß cr ſelbſt Die 
Merkmaale ber Weisheit und Abfichten in der Nas 
tur, zumal im Großen, erfennet, und nur dem de: 
weiſe, der aus den Abfichten in den kleineren Theis 
len ber Natur genommen ift, feinen rechten Werth 
und feinen Brad der Starke beilimmen will. Aber 
in der That ſtellet er ihn überhaupt jo ſchwach ver, 
dag aller Grund davon wegfallt,, und ſelbſt fur 
fein Gefeg der Sparfamfeit nicht8 ubrig bleibt. 


7 Diefed Geſetz oder dieſe Regel drucket er in ber 
Borrede feiner Werke fo aus: que dans toutes les 
Diftributions de mouvement qui je font dans la Na- 
sure, la Quantite d’ Adlion (qui efl la ſomme des 
produits dıs Maſſes par les Efpaces qwelles parcou- 
rent es par les viteſſes avec lefquelles elles les parcou- 

rent) 


— — — — — — — —— — - 


232 IV Abh. Bon Gott und göttlichen 


ben, daß er zuvor andere Beweiſe, infond 
aber denjenigen, der fi) auf die Ordnung 
ı 


rent) evois todjours la plas petite qu'il fut po 
gre dans le Repos, les corps qui fe tenoient en 
libre devoiens Ssre places de maniere que [il 
rivoit quelque petit monvernent, la Quantite d 
ft la moindre, Die Streitigkeiten, welch 
dieſes Pringipium entffanden find, Heben noch 
frifchem Andenken, daß ich nicht noͤthig finde 
ie De Nachricht zu geben; zumal da ı 
ei e Menge Heiner Wechſelſchriften davon vi 
Den iſt, daß allein die Titel einen großen Naı 
fordern würden. Go viel wird jedem erin 
ſeyn, daß, auffer der Berlinfcben Acabemi 
Wilfenfchaften, viele Mathematiker da® Prin« 
ſelbſt, (namlich fo wie es abgefaſſet iſt) fo ge 
falſch erklärer haben, weil die Kalle theils kei 
nimum , fondern ein Nihil, tbeild auch zu 
ein Maximum geben: und fo ferne man es alt 
zulaſſen Eönnte, wurde mag boch falſche S 
machen müffen, um dag Dafeyn und die Vo 
menbeiten Gottes daraus herzuleiten. Rh ı 
algebraiiche Berechning der Krafte und Wi 
keit in der Welt gerne andern uberlaffen, ' 
beifer davon urtheilen Finnen. Aber in dem 
pbufifchen Felde, mo aus diefem Principio ei 
fer Stifter diefer Regel der Sparſamkeit geftl 
werden foll, laßt es und noch viele Blößen 
Es iſt 1) auszumachen , daß die kleinſte Haı 
in der Natyr nicht die einzig mögliche, un 
nicht an fich und fehlechterdings nothwendi 
und 2) menn mehrere Wege und Mittel m 
find, daß die Natur nicht von ungefähr und ı 
fam im Blinden auf den kürzeften Weg geı 
Eönnen. Dann aber 3) wenn eine Auffere 
Direction, une intelligence, une fagefle or« 


Dun triee, daraus folgen fol, wird allemal erft 
| 


dieſen einen Fall der Ordnung 


‚acht nen da mehr alseine Million 
5 


vnor · 


t baß die Sparfamfeit einen Zweck oder 
‚ und mar etwas Gute, und unter allen 
ze Abficht habe. Denn au 
durch die kuͤt geſten Mittel, aus ge⸗ 
md das ware Feine Weisheit. Was 
is Urſache, die Abſichten 
ifchen Beweiſe zu verwerfen, und 
Döfe in der Welt zu vergrößern? 


P 5. Sil’om comgoit comme Newton, que 

4 earps eelefles attires vers le Soleil, fe meu- 
me. dans le wuide; il ef wrai qwil m'etoit guöves 
hazard les ent fait mouvoir comme 

hatte gefaget , daß ſich bie Un⸗ 

der Stellung der Planeten in eis 
eg: 

141 2) il y reflois 

—— ers —* ent 

uniformise ſoit Veffer nece, faire 





D 


234 IV Abh. Bon Gott und görtlichen 


unordentlicher Faͤlle möglich waren; unterbe 
bliebe doch noch einige Wahrfcheinlichfeie ı 
Und daher koͤnne man nicht fagen, Bop | diefe £ 
nung nothwendig aus einer Wehl habe 
muͤſſen. Aber noch mehr, fprihter, ° der Sch 
des Hrn. Newtons gründet ſich bloß pi en 
vermoͤgen, eine natürliche Urfache ber O 
geben; dagegen andere Weltweiſe bie 2* 
keit der Bewegung von einem Strome einer fi 
gen Materie, wovon die Planeten fortgeriffenn 
‚den, erfläret hätten. Daher dürfte dabey w 
ein Ungefähr, noch eine Wahl voraus gefeßt 
den: und es. erhellete daraus bas Dafeyn Co 
eben fo wenig, als aus jeder andern ber Mat 
eigenen "Bewegung. 

Gegen die Aehnlichfeit und Uebereinſtimm 
ir dem förperlihen Baue bee Thiere erin 
er, "° man Fönne der Aehnlichkeit uhr F 


9 Ocuvres p. 6. Mais il ya plus: P alternaiioe 
choix on d’un bazard extreme, veſt fondie gab 
lPimpuiſſance, ou etoit Newton, de douner ‚untt 
pbyfique de cette uniformitc- Pour dantres Phi 
pbes qui font mowvoir les Planites dans au Fi 
qui les emporte, ou qui feulement modere leur sn 
ınent, U’uniformite de leur cours ne paroit Peim 
explicable: ehe ne [uppofe plus ce fingulier camg 
bazard, ou ce cheix, et ne prouve pas plus Pexil 
de Diew, que ne feroit tout ausre mowverneni 
prime a la Matiere. 

ıo Ibid. Si Paniformise qu’on obferve dans pinf 
(Animaux) etoit une preuve, cette preuve ne fi 
elle pas dfmentie par la varicte infinie qu’on ob, 
dans plufisurs? — Que Don compare un 





gen in ver Weit. 335 
nlichkeit ent. ellen, sole 
— Adler und A Ali: en he 
—— einem Wallfifche und einer 
daß andere Weltweifen Heber Aus 
jeei en Beweis 











fehienen allertiings 
——66 
N ‚ige Mund zum Effen, ihre 
kugungsglieder zur 9 * Sortpflanzung von einem ved⸗ 
aaa ee ieber gebildet zu fern, und es fey ume " 
ſonſt daß die Feinde der Vorſehung Daranf on u . 






"mouche, un eerf avec um liraacom, was haleisie 
ec une hwitre; et gun juge de cette anifarsits. 

I En effer d’aumwes Pbilofopbes veulene trowver une 
Prewne de Pexiflenee.de Dieu daut la varits des 
“et je ne fai lesquels font les micux fandis. 

 PAigumene tirö de la convenance des differen- 

fies des Animaux 'aves leurs befeins paroit 

Br Leurs pies ne font-ils pas fairs powr- 

Bm: aöles pour woler, leurs Jens pow voir, 
‚paur manger, d’autres pari para pewer 
el Tembtatlers Tous ceka ne spa 
une intelligence es un dejfein qui ons ea leur. 
eonfiruötiong —  C’efl en van que le Has grand en- 
wersi de la Providence y A que nfase dapeins 
—— ii In fuire de la emfraßien des 
pärsies des Animanx: que le hazard ame fermb ler 
b —— Jo languey on f'en — vr 
. wende, poar parları 


havt, was zur Eryaitung norgig war: 
wären allein uͤberblieben, weil fie zum ©I 
gehabt, was ihnen nöthig war. 
Ueberhaupt, faget der Hr. von Maup 
founs Denfgen das Bepälnif.der 2 


ı2 Ibid. p. 7. Mais we poarroit.on pas dire, 
combinaifon forsuite des produdiens de Ia 
il wel pas merveillenx que cette convenan 
daws tontes les ſpeces qui adluelement ex 

' bacard, diroit-on, avoit produit uve mindtit 
brable d’Individss ; son nembre [bin 
firait de maniere que les parties de P’H 
voient [atisfaire & fe befains ; dems wis EN 


ment plas grand iln'y aveit wi 
sous ces jers ont peris — 
refles füns cens ei fü trowveit Tor a 


NAnER, 
13 Ibid. p. 8: Les corps des Animanz 0 di 
— — ⏑ ⏑ hing sg dene | 


res parties — 
srop P’afa Pu, power 
—* ons juger de la ze: en de * 5 
In pour les — 
rouns done pas à la Kmple —e un 
merveillax, L’organifution des An 
mulsitnde et la petiteſſe des parties des 
Vimmenfitö des corps celefles, Jeans * 
Jeurs vevelutions, font plus propres a 
7 quꝰà Piclairer. 








Abſchten in ber Welt. 27 
Ganjen viel zu unbekannt, die Thelle zu mannich· 
faltig, zu vermicelt, und zu Plein, als daß mir ih ⸗ 
ten — und ihre Abſicht einfepen und Baraus 
der Weisheit des Schöpfers urtheilen koͤnnten. 
& fe auıc) umanftändig, und der eben ae 
heit ‚ wenn mar, wie gemeiniglich, i 
te je Kleinigkeiten hinem gienge; ne 
ein gemiffer Be Sort rd in den Falten 
bes Mashornthieres geft Laſſet 
nd er, dergleichen —e Kieie 
(bagatelles) denen überfaffen, weiche Bas - 
(Frivolit£)derfelben nicht merfen. Man 
muß, nad) feiner Per das hoͤchſte — 
nicht 


4 Ibid. p. 7. Pre, Yan tous * Autenrs modernes, 

omt sraitö de Pbofigue ou de PHij hfleire masurelle, 
wont fait quötendre les prewors. qu'om sire de Tor- 

 ganilation des Animaux et des Plantes; et les pows- 

fer jusques dans les plus.peties details de la Nature, 
—— me pas citer des exemples brop ivdicen⸗, quine 
que trop communs, je ne parlerai que de ce. 

qui erouve Dieu dans les plis de 'la peou d'un 
Tbinoeeros; Purce que cer Animal Etews convert 
au tr0s dure n’nuroit pas pw fa vemner fans 
zum, N’efl.ce pas faire tors & la plus grande 
dis viritis, que de la vouloir prowver par des tels 
argumens? — laijlons ces bagatelles & cenx quiwen 
Jüntent pas la frivdlise. Sr. Maup. wieberholet 
«ben biefed Tom. VIII. der Academie de Berlin, 
da er dem Herrn le Chevalier 0 Arcy auf feine 
Reflexions für le Principe dc la meindre adien in 

„ber Hift, de l’Acad. des Sciences 3749. autwottet: 
Fe me püs m’empecher deremarquer, quun prigcipe 
univerjel, au quel font aflujeris song 5 die 
Nature , lorjquen y dscouvre de la r * 
jan, 





238 TV Abh. Bon Gott und göttlic 


nicht in Kleinigkeiten , oder in ben Thei 
Welt, deren Verhältnig uns unbekannt ij 
dern in den großen Erfcheinungen fuchen, 
allgemein find, taß fie Feine Ausnahme 
und fo einfach, daß wir fie ganz überfehen : 
Und biefes ift denn fein allgemeines Ge: 
Sparfamteit. 
$ ı© 


Der erfte Einwurf des Hrn. von Y17 
is gegen Newtons Ordnung der 9 


desfein, etoit plus propre a nous faire comma 
intelligence ordonatrice, que tous ces petits 
fur la gensration et la confervations d’ 

prefqu ausfi fowvert nuifibles qu'utiles, q 
ques Naturalifles veulent nous faire valoir .c 
Jortes preuvent de Üexiflence de Dien. Ich 
vorläufig erinnern, wenn Hr. Maupertui 
erften Stelle, auf den Brief des D. Parjor 
Philofophical Tranfadtions Vol. XL. 

. 323 — 541. containing the Natural Hiftos 
Rhinoceros, zielet, da er, p.536. im Vort 
einen Beweisgrund der Weisheit de S 
aus den Falten der Rhinoceroshaut nimm 
dieſer Engelander nicht fo ſchlechtweg aus } 
ten der Haut auf die Weisheit Gottes 
fondern bemerfet, daß die Haut in den Fa 
Natur fo weich und fanft, ald Seide, fey, 
and foft as Silk) da alle übrige Haut des 
dick, hart und rauh formiret worden; ti 
Diefe Falten nur an denen Stellen fo bieakt 
leget find, mo fie dag Thier zu feiner Bı 
brauche. Herr Maupertuis entkraͤftet 
Bemerkung mit Fleiß, um fie verächtlich un 
lich gu machen. 








Abfichten in der Well. 2309 


weine faft einen Wiberfpruch zu enthalten, da 
geftebt, es fep beynahe nicht wahrſchein⸗ 

b, daß ein Zufall ihre ordentliche Bewe⸗ 
ung bervorgebvacht; (il eſt vrai qu'il n’etoic 
res probable que le hazard les eüt fait mcu- 
jir comme ils fe meuvent)- uns doch unmittels 
je darauf fpricht: inzwifchen bleibt doch eis 
ige Wahrſcheinlichkeit über; und fo bald 
as ift, kann man nicht fagen , daß Die 
jleichförmigkeit nothwendig von einer 
Vahl berrübre. ” (Il y reftoit cependant 
uelque probabilite, et des lors on ne peut pas 
ire que cette uniformit& foit Peffet neceflaire 
'un choix.) Er hat aber vielleicht nur damit fa» 
en wollen, es bliebe doch noch ein möglicher 
jall übrig; "° und hat diefen Einen en 
all, 


5 Ibid. p. ır. Ce me douc point dans les petits de- 
sails, dans ces parties de l’ Univers , dont nous con- 
noiffons trop peu les rapports, qu’il faus chercher 
PEtre fupreme: c’efl dans les Phenomencs dont Puni- 
verfalite ne fouffre aucune exception, et que leur fim- 
Nlicite expofe entierement a notre vus. Giehe auch 
Preface C. 2. a. 

ıs Naͤmlich ein einziger Fall gegen 1419856 unmoͤg⸗ 
liche , nach Hrn. v. M. Berechnung, welche oben 
in der 8 Anmerkung angeführe worden. Und 
boch ſcheinen in der Berechnung lange nicht alle 
Umftande, die zur Ordnung der Planeten gehören, 
in Anfchlag gebracht zu feya. Der Herr Zulofs 
ſtunmet mir an diefer Stelle Darinn hey, und zeiget 
noch umftändlicher, dag man erfllich vorausferen 
müfle, daß die Planeten eine Neigung hatten, ſich 
dem Mittelpuntte der Sonne zu nahern, (worinn 
fhon ein Wille und eine Beflimmung eined allmaͤch⸗ 

tigen 





- 0000 


240 IV Abh. Von Gott und göttli 


Sal, um ihn ein wenig mehr in Achtung | 
gen, mit dem Namen der Wahrſchein 
beehret. Wenn wir aber eigentlich jprec 
len, fo ift wohl noch lange nicht wahrfcheint 
eine bloße innere Möglichfeit hat, und mo 
einziger möglicher Fall Millimen unmöglid 
entgegen zu fegen iſt. Daß aber audy al 
lichkeit der Uebereinftimmung in dem Maı 
tigen, durd) ein eh , wegfalle, habe 
her erwiefen, weil der Zufall, oder das U 
auch nac) Regeln wirket; aber nad) foldh 
alle von der Regel der Ordnung und Weber 
mung abweichen, und derfelben mwiderfprec 

Der zweyte Einwurf des Herrn von M 
tuis ſcheint von größerer Wichrigfeit zu ſey 
Herr Newrton ſchlieſſe bloß aus feiner U 
heit der natürlichen Urfache auf eine Wah 
leicht würden die Planeten durch einen Wi 
flüffigen Materie dahın geriffen, und fo ben 
gleichfoͤrmige Bewegung Fein Dafeyn Gotte 
zmeifele nicht, daß Herr Newton fo viel 
türlihen Urjachen eingefeben, als irgend 


tigen Weſens liege, wodurch alle Erſinnu 
zufaligen Combinationen wegficlen). Ds 
mußt: zweytens die Anzahl der Graden, ü 
welcher alle Planeten beichloffen wurden, ı 
Umfreife eined ganzen Zirkels verglichen 
und fo mirde man anflatt 1785 1. ! 
265 1, das if, ſtatt 1’419856 . ı 
11881375 finden. 

17 Siehe die IL Ybh. 9.9. ſq. p. 105. faq. ı 
p. 1. ſqq. | 





\ 
% 


bdwbſichten in der Melt, PN 


— — die Planeten durch Wir 
eſchweigen, daß der. 

173 Benz Wirbel felbft für 

‚erfläret; — alle natürliche Urſachen, 


— das an ſich, was bie 
eu. 
icht ia atur eine andere Urſache 
; ‚En mie die Frage bleibt: warum 
denn de worinn die Par 

— und nach 
drehen? warum die Planeten 
Wirbel, melcher die ganze Luftkugel here 

imälzer, gerade diefe Stellung, welche fie insge- 
immt in eine gemiffe Zone einfehließt? fo gebt 
allen natürlichen Urfachen, und Uifachen der 
» Alles ift bloß willkuͤhrlich. Keine ein · 


ber Materie an ſich rund; keine einzige iſt 

affen, daß man dabey ficgen bfeiben koͤnne; 

‚einzige leidet einen foldhen geometriſchen Ber 

wie die Eigenfchaften ber finien und Figuren; 

‚der Herr =. — ug von 
Geſete der- famfeit geftehen muß " 

Und Biefes iftes, was Newton, was Leibnig, 


und 












—E Cs, — D’antres prenmoient pour um 

ique, celle que je tirois de u 

Principe. Fe somberois moi meme en quelque forte 
dans cs que je — fi je donnois ü ceite preuve 
un genve de force qw elle ne peut zvoir. C. 3.0, 
‚ai decouvert un principe Metaphyfigae. C, 4.8. 

u —— de #7, toutes les Loix du Movement 1 
Aa — — — N 





- | 
—⸗ 


242 IV Abh. Bon Gott und göttlichen 


und alle vernünftige Weltweife eingefehen habe 
und woraus fie auf ein höheres Weſen aufler 1 
Welt ſchließen, das durch weiſe Wahl beftimn 
babe, mas nad) dem Wefen der Dinge unbeſtim 
if. Damit man aber nicht fage, daß es denn 
ein Schluß der Unwiflenheit bleibe: es koͤnne 
was in dem Wefen eines Dinges notkmenbig 
Grund haben, menn, glei. fein Menfch fähig:n 
re, denfelben zu erforfchen: fo habe ich mich auf: 
ne wefentliche Befchaffenheit der Materie beiuf 
die wir alle wiffen und fennen. Die Materie 
an fich leblos, und daher ift es ihr, vermöge ifı 
Weſens, einerlen, ob fie iſt, oder nicht iſt, ob 
fo, oder anders iſt. ihre Wirklichfeir ijt-ba] 
fo wenig, als ihre Natur, und ihre Kegeln 1 
Bewegung durch ihr eigen Weſen beſtinmt; A 
dern alles muß von einen MWerfmeifter um ei 
andern willen, und alſo ad) Abfiche und’ 
beftimmt feyn. ee 


$ ır. Ä we 


Was der Herr von Maupertuis megen 1 
Unaͤhnlichkeit unter den Thieren einwendet, Def 
Nachdruck bin id) niche fähig eitzufehen. Wir 
ben in den Thieren, Pflanzen, und was mir fo 
in der Natur erfennen, eine Mannichfaltigfeie, w 
che alle mögliche Stufen durchzugehen und: nid 

A 


der Herr v.M. p. 12. feinen Beweis aus der’J 
theinatif berbofet, und ibm eine evidence mather 
tique beyleget, auch denſelben beydes benen metap 
ſiſchen und gemeinen Veweiſen entgegen feget, 





n in der Welt. 243 


Aber wir ſehen auch in aller 
‚eine allgemeine Aehnlichkeit, 
19; welde Cum es 

', daß ein jedes ſich 

pflanzet, Beydes 
nflimmung fönnen 

er beftehen; ſondern 

U: bereinftimmung in 

ei zeiget, deſto mehr 

it der Welt offenbar, 


1 weiſen Werk 
7 die Lebendigen 

A ſch nothwendig und 
gfi der Welt und deren 


fanden. Und Bie Leblofe Welt und leb ⸗ 
1 ihrem Wefen nichts in ſich 
wodurch ihre Wirklichkeit und eine gemiffe 
fenbeit vor andern beftimmet würde. Sie 
von einem, Urheber hervorgebracht, und 
demſelben nach dem Wefen eines andern, 
£ leblos ift, beitimmer fern. Da nun diefe 
der Welt fir fo viele taufend Arten der 
‚gleich bequem fo beweiſt fie eine 
Abfıche und unendliche Weisheit des Urhe- 

Nacur. 
e andere Ausſlucht, gegen die Uebereinſtim⸗ 
Theile i in den, thieriſchen Körpern, kann 
vernünftigen Manne, als der Herr von 
tuis it, nicht von Herzen gehen; und 
ich beſſer für einen la Mettrie gefchickt ha · 
J Denn mie konnte er geftehen, daß es ums 
fe, mas Epikurus und Lucretius biefer 
. Ds „Weber 


* 

















244 IV Abh. Von Gott und göttlichen ” 


Webereinftimmung in ben thierifchen Körpern ent⸗ 
gegen fegen, ob wäre der Nugen jedes Teils niche 
der Zwedt, fondern die Wirkung ind Folge Einer 
an ſich ungefähr entftandenen Bildung? ie 
koͤnnte er, ſage ich, dieſes geftehen, und Doch 








Ernte von eben dem Epikurus ımd 

eine Hypotheſe borgen, woraus baffelbe fliege, 
er umfonft zu ——— ein Zu 
nach Millionen gerathenen Erzeugungen 
thierifchen Leibern, auch endlich einmal Be 
thene treffen koͤnnen: fo wäre ja in der 
Mugen jebes Theils nicht eine Abficht, fondern eine. 
bloße Folge des glüctichen Zufalles.  Daıman num 
für unmoͤglich Halten muß, daß der Herr von 
pertuis fo wenig Einſicht in den Zuſamm 

der Gedanfen haben Fönne, dadurch ihm verborgen 
bliebe, daß er eben dasjenige mit andern Morten” 
fege, was er verworfen harte: fo muß manigläne 
ben, daß er vielmehr hat zeigen wollen, wider Die 
Mebereinftimmung der Theile in dem Baue Der hie⸗ 
rifchen Körper müßten die Feinde der göstlichen Wore 
febung nichts sechtes einzuwenden. t 

$ 1. 

Wenn der Here von Maupertuis überhaupt | 
die menfehliche Unwiſſenheit von dem. Berhältniffe 
und von dem Nutzen und ber Ueberei 
ber Dinge, ſolglich auch von den-görtlichen Abfice 
ten, vorfchiiget: fo fheine er eines Theis Diefe Un⸗ 

wiſſenhelt viel zu weit zu deinen, andern Theils 
auch allzuviel daraus zu fchliegen. Es ift einmal 
zu weit getrieben, daß Menfchen gar niches von N 
. dem 


der Dinge — und von 


und Gebrau · 
Ariſtoteles 

Stadt Gottes 

genug, daß die 

lm, tooraus fie beſteht, zu 

1q ige geſchickt und > 
nd. Niemand ift fo unreiffend und fühle 
e Ba Einrichtung des Sonnen · Sy⸗ 
23 fine, 


eles de — TI. op Or P.865. vers 
den Einfluß Gottes im bie Welt mit dem 
Me eines Gefeges in eine-Stadt: und mache 
gewieſen, wie ſich alles in einer Stadt nach 
richtet, jo Iget er hinzu: Burur vun 
Uri wur mellwos wirms, Aya In veide 
* ieh yüp dp —— 
Wdenlsrtinmes hupdeen 3 wiradıru &c. fo 
nas auch von der. geofien Stadt, ich 
Wels, denten. Darinn ift Gott unfer 
#8 alles im a erhält, und. = 
oder 


zbeferung < 
dafür: Mundum 
—— — ——— 


— cap. 7. Ober Seh 23, und Seneca 
ia feiner Confolatione ad Marciam cap. 18. 
* me tibivenire in conflium : intratura 
'que commanera, emniß com. 

ertis lgibas aternisgue devindiam, indefa- 

Aeis volveutem, - Philo de Vita 
€. edit. Franef. —* — daß mot die 

Ries ber Bet, aid ofen Stadt (mı- 

Kal) er Vefiprichen je, damit er im 











) 





246 IV A6h. Von Gott und gbitfichen “ 


ftems, und die Vortheile, die wir auf dem Erdbo⸗ 
den davon genießen, fo weit einfehen und empf 
den follte, als genug iſt, die meife und giütige Wars 
forge feines Schöpiers zu preifen. Niemand it fo 


. blind, daß er den Gehrdudy der größerem 


der thieriſchen und menfchlichen Retper nicht 
Fönnte, daß das Auge zum Sehen, das Ohr zum 
Hören, der Mund zum Effen und Eptedjen J 
Hande zur Arbeit und Kunſt aufs —— 
eingerichtet find. Mit einem Worte, man füge | 
mir, ob Derham, Nieuwentydt und 
dergleichen Narurfimdiger, weldye die Welt um | 
ihre Theile nach deren Verhaͤltnin und Uebereinftime | 
mung zum Mugen für Die gebendigen betrachtet, gar i 
nichts davon gewußt; oder ob fie was falſches für { 
wahr angenommen haben; oder ob das noch nicht : 
‚genug fen, die Weisheit und Abficht des Schöpfers - 
daraus zu erkennen. Wenn man aber weder bie 
gemeine Erfahrung, noch das höhere Erkenntniß, 
das wir Menſchen haben, und ung in fo vielen 
Schriften vor Augen geleget iſt, verleugnen, oder 
umftoßen kann: wie fihi.fer es fich denn, daB man ' 
ſich als ganz unmiffend fteller, und überhaupt nichts. 
zu verfiehen vorgiebt ? oder daß man fo veraͤchtlich 
von dergleichen Betrachtungen redet, als ob fie gehe : 
bieneren, das Gemürh in Vermunderung und Er ' 
ſtaunen zu fegen, als mit Erkenntniß zu erleuchten? 
Zoar, je mehr wir von der Uebereinftimmung 
der Dinge erfennen lernen, deito mehr fehen mir 
ein, daß nach ein größeres, ja unendliches Feld 
übrig fey, welchesunfere engen Schranken des Wer· 
Randes nimmer ausmeffen werben, Aber — 
da 


’ 


* ae in a fen; er der 
Abſicht gemäß find? 
ng auf: fo bleibt hrs db rg, “ sie B 


aben hineinfehen, che wir etwas von det 
Einrichtung der Dinge erkennen Fönnen? 
wir deswegen gar nichts, weil wir nicht 
8 äufferfte feharfjichtig find? Das hieße ich 
fanget, zu hart geſchloſſen. Sonft aber 

ch, daß wir doch in. neueren Zeiten duch _ 
größerungsgläfer viel weiter in bie Fleine- 
ne gefchauet Haben, als unfere Bor- 
auch Dadurch aus dem Wahne gefeget 
Vals.ob die Bildung der Fleineren Thiere, und 
Heineren Teil aller ar und Pflanzen, Be 

2 ER 





AWäü 
. “ 


248 IV abh. Von Gott und goͤttlichen 


ein roher Zuſammenfluß von allerley Urſtoffen fee 
Vielmehr ſehen wir dabey deutlich vor Augen, daß 

die Käfe- Miete eben ſo kuͤnſtlich in allen Theilen ge⸗ 
bildet fen, als der Elephant und Menſch; und daß 
ein Auge der Mücfe, ein Sederchen am Flügel des 
Schmetterlinge, ein Samenftäubchen einer Blume, | 
eben fo genau ausgearbeitet fey, als das Ganze. 
Die Vernunft aber Ichret ung überhaupt, daß feine ° 
Vollkommenheit im Ganzen feyn koͤnne, wo fie niche 

aus der Uebereinſtimmung ber. Eleinften Theile exe 


Man pflege fonft diefer Betrachtung entgegen 
zu feßen, daß wir ung in der Beflimmung der goch⸗ 
chen Abfichten fehr leiche betriegen Fönnten: theils 
weil des höchften Wefens Gedanken für unfern nier 
drigen Verſtand fo verborgen wären, als die gehele 
men Rathſchlaͤge eines Königes für einen Fußee ' 
mann; theils, weil auch die fichtbarften Dinge fie 
nen fihern Schluß gewähreten, daß fie zu irgend ei⸗ 
nem Gebrauche und Nußen, ober zu welchem fie bes \ 
flimmet worden. Uber fo fcheinbar auch dieſet 
laute ‚ fo bauet es doch auf falfchem Grunde u 
viel, | 

Es ift eben fo falfch, daß Gortes, als daß des 
Königes Abfichten, lauter Geheimniſſe für ie Nie 
drigen bleiben follen: es ift auch falfch, daß wir. 
Feine Regeln hätten, woraus von den göftlichen 
Abfichten etwas ficheres zu fchließen fen. Ein Ku 
nig machet doch aud) verfdjiedene feiner Abfichten 
durch Gefeße, Verordnungen, Herolde, Befehle, 
allen und jeden Fund, fo viel ihnen zu wiſſen noͤthig 


\ und nüglich if. Muß man auch eben feinem ge 
| beimen 








Abfichten in der Welt. 249 


imen Rathe mit bergewohnet haben, um aus feis 
n Anftalten zu fehen, daß er fein Reich groß 
d mächtig, feine Unterthanen begütert und glück 
h machen will? Kann man nicht aus feinen Fe 
mgen und aus feiner Mannfchaft, ohne in fein 
ıbinet zu dringen, abnehmen, daß cr Das Sand 
r äufferlihen Angriffe in Sicherheit zu ftellen 
het? Kann man nicht aus feinem Verbothe der Ein« 
id Ausjuhre fehen, daß er Geld und Getraide im 
nde behalten will? Go hat ſich auch Sort nicht 
bezeuget gelaffen. Es find Dinge in der Natur, 
e auch dem Einfaͤltigſten eine leſerliche Echrift 
den, daraus fie den Berftand und die Geſinnung 
& Schöpfers erfennen koͤnnen und follen. - a, 
y dürfte wohl fagen: mie Staatskluge mehr von 
18 Königes geheimen Abfichren einfchen, fo Fön. 
n auch wahre Weltweife manches in der Matur 
tbedfen, das den Unverftändigen ein Geheimniß 


ar. 

Diefe Deutung ift auch nicht wild und zügellos. 
Bir haben eines Theils bey dem, was mir erfah« 
n, Die Regel, daß aller Nutzen der Dinge eine gütt- 
be Abficht fey r. Andern Theils fteht überhaupt 
t, baf nichts umfonft, fondern alles zum Nutzen 
e gebendigen fen +}: daß Das Weſen und die Na⸗ 
re Ber Dinge Mittel goͤttlicher Abfichten find tttx 
6 folglid) die befondere Befchaffenheit eines jeden 
inges, wenn bas Gegentheil nicht Statt finder, 
e befonderen Beftimmungen zu diefem oder jenem 

Q5 Nutzen 
Eiche oben K6. am Ende. ++ Siehe die II Abh. Sg, 
tt Siehe oben $ 4. am Ente, 


240 IV Ab. Bon Gott und göttlichen 


Sal, um ihn ein menig mehr in. Achtung zu brin 
gen, mit dem Namen dee WPahrfcheinlichket 
beehret. Wenn wir aber eigentlich Iprechen wol» 
len, fo ift wohl noch fange nicht wahrfcheinlich, was 
eine bloße innere Möglichfeit hat, und wo nur ein 
einziger möglicher Fall Millionen unmöglicher Faͤle 
entgegen zu fegen iſt. Daß aber aud) alle Möge 
fichfeit Der Uebereinftimmung in dem Mannichfal 
tigen, durch ein Neiit ‚ wegfalle, babe ich de 
her ermwiefen, weil der Zufall, oder das U 
auch nad) Regeln wirfer; aber nad) ſolchen, DW 
alle von der Regel der Ordnung und Vebereinftiug 
mung abmeichen, und derfelben wiberfprechen "7. . 
Der zweyte Einwurf des Herrn von Mauper⸗ 
tuis feheint von größerer Wichtigkeit zu feyn. Der 
Herr Newton ſchlieſſe bloß aus feiner Unwiſſen 
beit der natürlichen Urfache auf eine Wahl: viel⸗ 
leicht wuͤrden die Planeten durch einen Wirbel der 
flüffigen Materie dahin geriffen, und fo beweiſe ihre 
gleichfoͤrmige Bewegung fein Dafeyn Gottes.: Ich 
zweifele nicht, daß Herr Newton fo viel von na⸗ 
tuͤrlichen Urjachen eingefeben, als irgend Ge: 
| 106, 


tigen Weſens liege, wodurch alle Erfinnungen voR - 
zufaligen Kombinationen wegfielen,, Dann aber 
müßte zweytens die Anzahl der Graden, innerhalb 
welcher alle Planeten beichloffen wurden, niit dem 
Umfreife eined ganzen Zirkels verglichen werben: 
und fo wurde man anſtatt ı7°__ ı. vielme 
2651, das iſt, ſtatt 1’419856 . vi 
11881375 finden. 

17 Siehe die IE Abh. $. 9. fq. p. 105. faq. und $ 2. 
p. 1. (qq. | 


— Ast in der Welt, ag 
nor anbere, welche die Planeten durch Wine 


Aber zu geſchweigen, daß Der 
ertui Wirbel ſelbſt für 












ben? warum b 9 
ieſem welcher die * Luftkugel Gere . 
älzet, gerade diefe Stellung, welche fie insge 
et in eine geroiffe Zune einfehlieft ? fo geht, 
m allen natürlichen Urfachen, und Urſachen der 
ch Altes iſt bloß willfürlich. Keine ein 
Wirkfomfeit und Negel derfelben hat in dem 
fen der Materie an ſich Grund; Feine einzige iſt 
jaffen, daß man dabey fiepen bleiben Fönnez 
jige leidet einen folchen geometrifchen Ber 
die Eigenfchaften der Sinien und Figuren; 
je.auch der. F von Maupertuis ſelbſt von fe 

Gefege der Sparfamfeit geftehen muß ** 

——— was Newton, was Leibnig, 


und 


c. — D’autres prennoient pour ave 
Geometrigue, celle que je tirois de nen 

« er Fe tomberöis moi mime en quelque forse 
que je repsent, fi je donnois cette prewve 
— * ne peut avoir. C.3% 


Foi incipe Met me. C.4.0 
a Gef — tes m 


da an * in — Marrophyfique, W 


, 


\ 


242 IV Abd. Bon Gott und göttlichen: 


und alle vernünftige Weltweife eingefehen habe 
und woraus fie auf ein höheres Wefen auffer k 
Welt fchliefien, das durch weiſe Wahl beftimn 
. habe, was nad) dem Wefen der Dinge unbeftim 
ift. Damit man aber nicht fage, daß es denne 
ein Schluß der Unwiffenheit bleibe: es koͤnne 
was in dem Wefen eines Dinges notwendig 
Grund haben, menn, gleich. fein Menfch fähig m 
re, denfelben zu erforfehen: fo habe ich mich auf: 
ne wefentliche Befchaffenheit der Materie bezuft 
die wir alle wiffen und feunen. Die Materie 
an fich leblos, und daher it es ihr, vermöge ihr 
Weſens, einerfey, ob fie iſt, oder nicht iſt, ob 
fo, oder anders it. Ihre Wirklichkeit tjt-baf 
fo wenig, als ihre Natur, und ihre Kegeln % 
Bewegung durch) ihr eigen Weſen beftinumt; 4 
dern alles muß von einem Werfmeifter um ein 
andern willen, und aljo nad) Abfiche und Me 
beftimme feyn. “ oe 


$ ır. pi 


Was der Herr von Maupertuis megen d 
Unaͤhnlichkeit unter den Thieren einwendet, Bei 
Nachdruck bin idy nicht fähig einzuſehen. Mir | 
ben in den Thieren, Pflanzen, und was mir für 
in der Natur erfennen, eine Mannichfaltigfeit, wi 
che alle möglidye Stufen durchzugehen und nid 

le 


der Herr v. M. p. 12. feinen Beweis aus der 
theratik herholet, und ibm eine evidence mathen 
tique bey!eget, auch denfelben beydeg Denen merapf 
fifiden und gemeinen Beweiſen entgegen feßet, 


wir fehen auch in aller 

F allgemeine Aehnlichfeit, 
welche Cum es 

daß ein jebes ſch 


Beydes 


u been in 

eiget, deſto mehr 

der Mel see 

weifen Werk 

Denn die $ebenbigen 

j nothwendig und 

prünglich $ Welt und deren 

t. Und die lebloſe Welt und leb⸗ 

ann nady ihrem Weſen nichts in ſich 

11, wodurch Wirklichkeit und eine gemiffe 

eit vor andern bejtimmet würde, Sie 

d von einem, Urheber hervorgebracht, und 

demfelben nach dem Wefen eines andern, 

Iebios iit, beititnmer fern. Da nun diefe 

der Belt ſor ſo viele tanfend Arten der 

gleich begucm IM; fo beweiſt fie eine 

— und unendliche Weisheit des Urhe⸗ 
tur, 

ie andere Ausflucht, gegen die Uebereinſtim- 

Theile in den *hierifchen Körpern, kann 

vernünftigen Manne, als der Herr von 

preis iſt, Nicht von Herzen gehen; und 

fich beſſer für einen la Mettrie geſchickt bar 

Denn mie konnte er gejtehen, daß es ums 

was Epikurus und Lucretius biefer 

— ——— Ueber · 


* 

















% 


244 IV A65. Won Gott und göttlichen 


Uebereinftimmung in den thierifchen Körpern « 
gegen ſetzen, ob wäre der Nutzen jedes Theils ni 
der Zwed, fondern die Wirkung und Folge eh 
an ſich ungefähe entflandenen Bildung? 
£önnte er, füge ich, dieſes geftehen, und doch 
Ernfte von eben dem Epikurus ımd Lucreil 
eine Hnpothefe borgen, woraus baffelbe fließe; : 

er umfonft zu ſeyn erklaͤret? Denn härte ein Zi 

nach Millionen übel gerathenen Erzeugunger 

thierifchen $eibern, auch endlich einmal wohlgi 
tbene treffen Pönnen: fo wäre ja in ber % 
Nutzen jedes Theils nicht eine Abfiche, fonbern & 
bloße Folge des glücklichen Zufalls. Da mann 
für unmoͤglich Halten muß, daß der Herr von Ma 
pereuis fo wenig Einfihe in den Zufammengä 
der Gedanken haben fönne, dadurch ihm verba 

bliebe, daß er eben dasjenige mit andern Mori 
fege, was er verworfen hatte: fo muß man gle 
ben, Daß er vielmehr hat zeigen wollen, wiber 1 
Uebereinſtimmung der Theile in dem Baue bee th 
rifchen Körper müßten die Feinde der göttlichen SI 
fehung nichts vechtes einzumenden, 


$ 12 
Wenn der Herr von Maupertuis überhen 
die menfchliche Unmiffenheit von dem VBerhälmi 
und von dem Nutzen und der Vebereinftimmme 
der Dinge, folglich aud) von den-göftlichen Abſu 
ten, vorſchuͤtzet: fo fcheint er eines Theils dieſe U 
wiſſenheit viel zu weit zu dehnen, andern 
auch allzuviel daraus zu fchliegen. Es ift 
zu weis getrieben, daß Menfchen gar nichts we 
| bei 





‚genug, daß die 
5 fie beſteht, zu 
geſchickt und ans 





EL 865. vers 

in Die Met ie dem 

3 in eine Stadt: und. nach- 

en, wie ſich alles in einer Stadt nach 

", 10 füget er binzu: Guras Um- 

ne wide, An Ireile 

yap ae irondunlı, & @rde, 

dipdwen # wiradew &c. fo 

‚man auch von der großen Stadt, ich 

Welt, denken. Darinn iſt Bott unfer 

alles im Gleichgewichte erhält, und teis 

oder Veränderung leider. Die 

ele quafi communem 

Ieorsmı, wie Cicero 

Flib.ı. deleg. cap. 7. oder dect. 23. und Seneca 

in feiner Confolatione ad Marciam cap. 18. 

foenti me tibivenire in confilium : intraiura 

; diis bomiimibusque communem, ia com- 

certis legibus ternisque devindlam, indefa- 

ı ia volentem. - Philo de Vita 

&, edit, Franef. faget, daß Moſes die 

‚ber. Welt, ald einer großen Stadt (ar- 

J zu erft befehrieben hätte, damit er in 

für die Iſraeliten Die Verfaſſung der 

abbilden moͤchte. (iniva vüs marker 









| 


| 2.46 IV Abh. Bon Gott und göttlichen ° 


ftems, und die Northeile, die wir auf dem Erb 
den davon: genießen, fo weit einfehen und’ emp! 
den follte, als genug iſt, die meife und gürige V 
forge feines Schöpfers zu preifen. Niemand iſſ 
blind, daß er den Gehrauch der groͤßeren 
der thierifihen und menfcblichen Körper nicht fir 
Fönnte, daß das Auge zum Schen,, das Ohr 
Hören, der Mund zum Effen und Sprechen; 
Hände zur Arbeit und Kunft aufs vollfommnse 
eingerichtet find. Mie einem Worte, man f 
mir, ob Derham, Nieuwentydt und anh 
dergleichen Nalurkondiger, welche die Adele x 
ihre Theile nad) deren Verhaͤltniß und Uebereinſti 
mung zum Nugen für Die tebendigen betrachtet, ı 
nichts davon gewußt; oder ob ſie was falfcheg. 
wahr angenommen haben; oder ob das noch mi 
genug fen, die Weisheit und Abfiche des Schöpf 
daraus zu erfennen. Wenn man aber weder 
gemeine Erfahrung, noch das höhere Erfenntn 
das wir Meufchen haben, und uns in fo vie 
Schriften vor Augen geleget ir, verleugnen, 0! 
umftoßen kann: wie fehi.fer es fich tenn, daß m 
fid) als ganz unmilfend fteller, und überhaupt nid 
zu verſtehen vorgiebt ? oder Daß man fo verächkl 
von dergleichen Betrachtungen redet, ale ob fie on 
dieneten, das Gemürh in Vermunderung unb- € 
ftaunen zu fegen, als mit Erfenntniß zu erleuchte 
Z»ar, je mehr wir von der Lebereinftimmu 
der Dinge erfennen lernen, deito mehr fehen 
ein, Daß nach ein größeres, ja unendliches 3 
übrig fen, mwelchesunfere engen Schranken des V 
Randes nimmer ausmef[en werden. Aber ſoll m 


RE dara 


bfiche gemäß find? Stan ir Diet 
ee nichts übrig, als "eine » 
die Sg = Dinge ve 
a wie weit der Herr ame 
s till gedehnet wiſſen. uͤſ⸗ 
in die beein mung ra Pe 
Dineinfehen, ehe wir etwas von det 
der Dinge erfennen Fönnen? 
Se deswegen gar nichts, weil wir nicht 
äufferte fharflchtig find? Das Hiehe ic) 
| — I Be gehn. = Sänfe abe 
daß wir doch in neueren Zeiten durch 
ungsgläfer viel weiter in die Fleine- 
a geſchauet haben, als unfere Wor- 
auch Beet aus dem Wahne gefeget 
J ng der kleineren Thiere, und 
| — Sie al ale und a Planen, ER 








240 IV Abh. Bon Gott und göttlichen 


Ball, um ihn ein wenig mehr in Achtung zu brin 
gen, mit dem Namen ber Wahrſcheinlichken 
beehret. Wenn wir aber eigentlich (prechen wel 
len, fo ift wohl noch lange nicht wahrfcheinlich, was 
eine bloße innere Möglichkeit hat, und mo nur ein 
einziger möglicher Fall Millimen unmöglicher Säle 
entgegen zu fegen iſt. Daß aber auch alle Möge 
tichfeie der Uebereinſtimmung in dem Mannidfak 
tigen, durch ein Ungefähr, megfalle, habe ich da— 
her eriwiefen, weil der Zufall, oder das Ungefaͤht, 
auch nach Regeln mwirfet; aber nad) folchen, * 
alle von der Regel der Ordnung und Uebereinſtim⸗ 
mung abweichen, und derſelben widerfprechen "”. . 
Der zweyte Einwurf des Herrn von Mauper⸗ 
tuis fcheine von größerer Wichtigkeit zu feyn. Der 
Herr Newton ſchlieſſe bloß aus feiner Unwiſſen 
heit der natürlichen Urfache auf eine Wahl: diel⸗ 
leicht würden die Planeten durch einen Wirbel ber 
flüffigen Materie dahin geriffen, und fo beweiße ihre 
gleicyiörmige Bewegung fein Dafeyn Gottes. Ich 
zweiſele nicht, daß Herr Newton fo viel won na⸗ 
türlichen Urjachen eingefehen, als irgend Carte⸗ 


(4 


tigen Weſens liege, wodurch alle Erfinnungen vor - 
zufalligen Combinationen wegfielen). Dann aber 
müßte zweytens Die Anzahl der Sraden, innerhalb 
welcher alle Planeten beichloffen würden, niit dem 
Umfreife eined ganzen Zirkels verglichen werben: 
und fo wirde man anftatt 175__ 1. vielmehr 
265 __1, das iſt, fiat 1’419856 . vielmehr 
11'881375 finden. 

17 Siehe die II Abh. $. 9. ſq. p. 105. ſqq. und 6 ız. 
p.iii. fgg. = 


2, vo. 7 


Alfter We, —_ mar 
tandere, welche die Planeren Bund Wir⸗ 
Fee zu gefehweigen, daß der. 
diefe Wirbel felbft für 
läret; ſo haben alle natürliche Urſachen, 
— — eben das an ſich, was. bie 
fie. verweiſen ung ins Unenbliche, 
14 auffer der ne eine andere Urfache 
ER 36 bleibt: warum 
das ſen, worinn Die 
pimmen, eben in einem Wirbel, tt 
tite drehen? warum haben die Planeten 
‚Wirbel, welcher die ganze Suftkugel dee 
„ gerade diefe Stellung, welche fie insges 
heine „gene Zone — ſo geht 
lem natürlichen Urfachen, u mb Utfachen der 
: ‚Alles iſt bloß —S Keine eins 
Höfer unb Regel derfeiben hat in dem. 
x Materie an ſich Grund; feine einzige iſt 
daß man babey ſtehen bleiben fähne; 
leidet einen folchen geometrifchen Ber 
—* elf der £inien und Figuren; 


weh felöft 
der. Pa keit — 28 
5* ons Tiesoron, was deine, 
un 


38 D’ontres prenwoient par vv⸗ 
Sole gar je Bir de nun 
Je sembrreis moi mime Sorte 


* cetic 
— * avoir. € 2. 
4. 


* —— Loix du Mewvenent 
des —— Adrrapiafique. — 


m | 
. a 
! 


x 


242 IV Abh. Bon Gott und göttlichen: 


und ale vernünftige Weltweife eingefehen haben 
und woraus fie auf ein höheres Wefen auffer be 
Welt fchließen, das durch weife Wahl beftimnu 
. babe, was nach) dem Weſen der Dinge unbeftimm 
iſt. Damit man aber nicht fage, daß es bennod 
ein Schluß der Unmwiffenheit bleibe: es koͤnne 4 
was in dem Wefen eines Dinges no | 
Grund haben, menn, gleich. fein Menfch fähig ai 
re, denfelben zu erſorſchen: fo habe ich mich unf:d 
ne wefentliche Beſchaffenheit der Materie beiufen 
die wir alle wiffen und fennen. Die Materie 
an fich leblos, und daher ift es ihr, vermöge ihn 
Weſens, einerley, ob fie ift, oder nicht iſt, 00 
fo, oder anders if. ihre Wirklichfeie iſt bahi 
fo wenig, als ihre Natur, und ihre Kegeln de 
Bewegung durch ihr eigen Wefen beſtimmt; Joy 
bern alles muß von einem WWerfmeifter um eine 
andern willen, und alfo nad) Abfiche und 






beftimmt ſeyn. 


$ 11. Wir. 


Was ber Herr von Maupertuis wegen be 
Unähnlichkeit unter den Thieren einwendet, di 
Nachdruck bin id) nicht fähig einzufehen., Mir B 
ben in den Thieren, Pflanzen, und was mir fonf 
in der Natur erfennen, eine Mannichfaltigfeit, voel 
che alle mögliche Stufen durchzugehen und nicht 
| lee 


der Herr v. M. p. 12. feinen Beweis aus der’ Dia 
thematik berbolet, und ibm eine evidence mathenms 
tique beyleget, auch denfelben bepdes denen mesapfg 
fifchen und gemeinen Veweifen entgegen feßet, 






FH Apfichten in der Welt. 243 


\ die wir fehen auch in aller 
eine — Aehnlichkeit, 
i ; welche Cum e8 
et, daß ein jedes fich 
lanzet. Bendes 
re Fönnen 
; fondern 
En mung in 
zeiget, deſto mel 
Welt 


ht anders, weifen Werks 
N * die Lebendigen 
bſt, ol nothwendig und 
— er Welt und deren 


— "Und die lebloſe Welt und leb⸗ 

ihrem Weſen nichts in fü ch 
wodurch ihre irklichkeit und eine gewiſſe 
fenbeit vor andern beftimmer würde. Sie 
von einem. Urheber hervorgebracht, und 
demfelben nach dem Weſen ie andern, 
Teblos iſt, beitimmer ſeyn. Da nun diefe 
ig der Melt für fo viele tanſend Arten der 
‚gleich Bequem iR: fo beweiſt fie eine 
, Abfiche und unendliche Weisheit des Urhe- 


Natur. 
‚andere Ausfucht, gegen die Uebereinſtim⸗ 
d in den thieriſchen Körpern, kann 
vernünftigen Manne, als der Herr von 
uis iſt, nicht von Herzen gehen; und 
beſſer für einen la MNettrie geſchickt ha · 
Denn mie konnte er geſtehen, daß es um» 
en, mas Epikurus und Aucrerius dieſer 
. Q2 Ueber · 
















u 





244 IV A6h. Bon Gott und göttlich 


Uebereinftimmung in den thierifchen Körpe 
gegen fegen, ob wäre der Mugen jedes Thei 
der Zweck, fondern die Wirkung und Folg 
an fich ungefähre entftandenen Bildung 
£önnte er, fage ich, diefes geftchen, und di 
Ernite von eben dem Epikurus ımd Luc 
eine Hnpothefe borgen, woraus daſſelbe fließt 
er umfonft zu ſeyn erklaͤret? Denn hätte ein, 
nach Millionen übel gerathenen Erzeugung, 
thierifchen Leibern, auch endlich einmal mo 
thene treffen koͤnnen: fo wäre ja in der Tf 
Musen jedes Theils nicht eine Abficht, ſonde 
bloße Folge des glücklichen Zufalles.. Da m 
für unmöglic) Halten muß, daß der Herr von! 
pertuis fo wenig Einfiche in den Zufamme 
der Gedanken haben fönne, dadurch ihm ver 
bliebe, daß er eben dasjenige mie andern X 
feße, was er verworfen hatte: fo muß man 
ben, daß er vielmehr hat zeigen wollen, wid 
Uebereinſtimmung der Theile in dem Baue be 
rifchen Körper müßten die Feinde der göttlichen 
fehung nichts rechtes einzumenden. 


$ 12. 


Wenn der Herr von Maupertuis über 
bie menfchliche Unmiffenheit von dem Verhaͤ 
und von dem Mugen und der Liebereinftim 
der Dinge, folglich aud) von den- göttlichen ? 
ten, vorfchüget: fo ſcheint er eines Theils die 
wiſſenheit viel zu weit zu bebnen, andern 
auch allzuviel daraus zu ſchließen. Es ift e 


zu weit getrieben, daß Menfchen gar nicht 


er hinzu: Eures um- 
Gore mörme, Ays dpreida 
yag ip ironmls, d @rde, 
dopdwen 4 wiradew &c. ſo 
von der großen Stadt, ich 
. Darin iff Bote 


itaten e i 
„deleg. cap. 7. oder Set. 23. und Seneca 
a ne ei Marciam 








246 IV Abh. Bon Gott und göttlichen | 


ftems, und die Vortheile, die wir auf ben Erd) 
den davon genießen, fo weit einfehen und empf 
den follte, als genug iſt, die meife und gürige V 
forge feines Schöpfers zu preifen. Niemand iſt 
blind, daß er den Gehrauch der größeren 
der chieriſ hen und menſchlichen Körper nicht fin 
Fönnte, Daß das Auge zum Schen, das Ohr 
Hören, der Mund zum Effen und Far 
Hände zur Arbeit und Kunſt aufs vollkommen 
eingerichtet find. Mit einem Worte, man fi 
mir, ob Derham, Nienwentydt und and 
dergleichen Naturfündiger, weldye die Welt u 
ihre Theile nad) deren Verhaͤltniß und Uebereinſti 
mung zum Nutzen für Die Sebendigen betrachtet, < 
nichts davon gewußt; oder ob fie was falſches 
wahr angenommen haben; oder ob das noch ni 
genug fen, die Weisheit und Abficht des Schöpft 
daraus zu erfennen. Wenn man aber meber | 
gemeine Erfahrung, noch das höhere Erfenntn 
das wir Menfchen haben, und ums in fo viel 
Schriften vor Augen gefeget iſt, verleugnen, ot 
umftoßen kann: wie fihi:fer es fich denn, daß m 
fi) als ganz unmiffend ſtellet, And überhaupt nid 
zu verftehen vorgiebt ? oder daß man fp verdchtl 
von dergleichen Betrachtungen redet, als ob fie gie 
dieneten, das Gemürh in Vermunderung und € 
ſtaunen zu fegen, als mit Erkenntniß zu erleuchte 
Zvar, je mehr wir von der Vebereinftimmu 
der Dinge erkennen lernen, defto mehr fehen n 
ein, daß nach ein größeres, ja unendliches Fe 
übrig fey, welches unfere engen Schranken des W 
Bandes nimmer ausmeffen werden, Aber follm 
dara 








248 IV MS. Von Gott und göttlichen 


ein roher Zufammenfluß von allerley Urftoffen fi 
Vielmehr fehen wir dabey deutlich vor Augen, d 
die Käfe-Miete eben fo kuͤnſtlich in allen Theilen 
bilder fen, als der Elephant und Menſch; und d 
ein Yuge der Mügfe, ein Federchen am Slügel k 
Schmetterlinge, ein Samenftäubchen einer Blun 
eben fo genau ausgearbeitet fen, als bas Gan 
Die Vernunft aber Ichret uns überhaupt, daß Fei 
Vollkommenheit im Ganzen feyn koͤnne, wo fie ni 
aus der Uebereinſtimmung ber kleinſten Theile 


Man pflege fonft diefer Betrachtung entgee 
zu feßen, daß wir uns in der Beflimmung ber gd 
chen Abfichten fehr leicht betriegen koͤnnten: thei 
weil des höchften Wefens Gedanfen für unfern rn 
drigen Berftand fo verborgen wären, als die geh 
men Rathſchlaͤge eines Königes für einen Fu 
mann; theils, weil auch die fichrbarften Dinge f 
nen fichern Schluß gemwähreten, daß fie zu irgend 
nem Gebrauche und Nusen, oder zu welchem fie | 
ftimmet worden. Aber fo fcheinbar auch bie 
lautet „ fo bauet es doch auf falfchem Grunde 
viel. 

Es iſt eben fo falfch, daß Gottes, als dag t 
Königes Abfichten, lauter Geheimniſſe für die N 
Drigen bleiben follen: es ift auch falſch, daß v 
Feine Regeln hätten, woraus von den göttlich, 
Abfichten etwas ficheres zu ſchließen ſey. Ein$ 
nig machet doch aud) verfdjiedene feiner Abſich! 
durch Gefeße, Verordnungen, Herolde, Befch 
allen und jeden Fund, fo viel ihnen zu wiſſen noͤt 
} und nüglich if. MUB man auch eben Ken \ 

| m 


ſſerlichem Angriffe in Sicherheit zu fiellen 
Kann mannicht aus feinem Berbotheder Eine 
ısfuhre fehen, daß er Geld und Getraide im 
sehaiten will? So hat ſich auch Gore nicht 
ıget gelaffen. Es find Dinge in der Natur, 
h dem Einfältigften eine leſerliche Schrift 
‚daraus fie den Verſtand und die Gefinnung 
Höpfers erfennen Fönnen und follen. -Xa, 
fte wohl fagen: mie Staatskluge mehr von 
Röniges seheimen Abſichten einfchen, fo fön« 
ch wahre Weltweife manches in der Natur 
en, das ben Unverftänbigen ein Geheimniß 


ieſe Deutung {ft auch nicht wild und zügellos. 
aben eines Theils bey dem, was wir erfahe 
e Regel, daß aller Nutzen der Dinge eine gött- 
bſicht fey . Andern Theils ſteht überhaupt 
aß nichts umfonft, fondern alles zum Nugen 
endigen fen tt: daß das Wefen und die Na · 


————— 


I 


| 


255 IV Abh. Don Gott und göttlichen 


Mugen anzeige; und daß folches durch die Aehn⸗ 
licjfeit anderer befannten Dinge noch mehr beftd 
figet werde. , 
Geſetzt aber, daß wir ung zumwellen in befonde- 
ren Sillen mit Murhmaßungen zu weit mageten,, 
toozu Diefes oder jenes diene, und alfe irreten **: 


fo 
20 Die allgemeine Abficht der Schöpfung der Welt, 
nm ber Kebendigen willen, iſt ſowohl durch . Ber: 
nunft al8 Erfahrung auffer Gefahr des Irrthums 
eſetzt. Wern aber dic Frage von befonderen 
ingen iſt, wozu diefeg, wozu jenes beſtimmet fep, 
fo ift bauptfachlich auf gmeyerley Weile möglich zu 
irren: einmal, wenn man aus der bloßen Geſchick⸗ 
lichkeit eined Dinges zu einem gewiffen Nutzen 
fchließt, daß ſolches die wirkliche Abiiche ſep. 
Denn eine und diefeibe Befchaffenheit eines Pie 
ges kann mancherleyn Urſache, Nuten und Abfiche 
baden ; und demnaͤch iſt auch das Gegentheil Yon 
Dem, was man muthmaßet, möglich. 
fann man irren, wenn man bloß aus der Ge 
lichkeit anderer Dinge ſchließt. Denn die Aehn⸗ 
lichkeit dee Dinge in der Natur leidet öftere Abfaͤl⸗ 
le; als 4.3. in der Sertpflangung ber Thiere buch 
Begattung zweyer Geſchlechter, und in vielen ans 
bern; wovon nachmald aus dem Geſetze bee Ste⸗ 
tigkeit (lege continuitatis) Grund gegeben werben 
fol. So bat Yer Herr von Hagedorn, beffen Ans 
merfungen fo gute Muſter find, wie man mit Vers 
ftande lefen, al8 die Gedichte, wie man edel Benten 
und fhreiben ſoll, auf der 65 Seite, aus den Schrif⸗ 
ten der ſchwediſchen Akademie, aus dem Reaumuͤr 
und Gould angemerfet, daß ed Inſecten mit Fluͤ⸗ 
ein gebe, denen doch die Fluͤgel in ihrem ganzen 
geben zum Kliegen nicht dienen; ımd daß man fich 
ich in Beftimmung der Endurfachen leicht be: 
Fönne. Unterdeſſen würde man ſich noch 
vergehen, wenn man aus dergleichen Fallen 


ehe: 








Adfichten in der Welt. 251 


o folget body daraus nicht, daß wir gänzlich zur 
kntdeckung der göttlichen Abſichten unfähig fird, 
nd mit diefer Bemühung nur lauter Irrthuͤmer 

haͤufe⸗ 


ſchloͤſſe: alſo giebt es Dinge in der Natur, die 
gar keinen Nutzen baben, oder die boͤchſtens nur 
zur Zierde dienen. Der Herr Xeaumuͤr ſaget gar 
wobl (Mem. pour les Inſectes T.1. p. 30. edit. Am. 
flerd. 1737. 8: das hieße von der hoͤchſten Weis: 
beit allzu klein gedacht. So ſaget er Tom. II. P.1. 
p 85. von den Schmetterlingen meiblichen Ges 
—* an dir Eiche, welche aroße Fluͤgel haben, 
wie die Mannchen, und doch nummer fliegen, fons 
bern nur frischen, und nicht cruz weit Eriechen, 
als ob fie gar nicht müßten, tu ſie Fluͤgel baren: 
Mais Pagitatien des ailes Ini efi peut - ètre necefjarie 
pour la fin que la Nature paroır avoır touiou s va 
une, pour la confervation de U L:!jere. Winn man 
aber den befondern Endzweck gewiſſer Dinge auf 
obangeregte zwiefache Wcife ſchließt, fo giebt ed nur 
Muthmaßungen, die jedoch um fo viel mehr Wahr: 
f&beinlichkeit haben, als die Erfahrung mehr ah: 
liche Falle darftelle. Daß dieſes aber nicht gersi ; 
fey, und triegenfönne, das machet den Endurfach- ıı 
feinen befondern Vorwurf, weil man fich in Eric: : 
| ng der wirkenden Urfachen, da, wo Keine Gewiß⸗ 
eit Start finder, eben der Wege zu muthmaßen te: 
Dienet, und nothwendig bedienen muß: namlich, daß 
man aus der Befchicklichfeit eines Dingeg zur Wie— 
fung, und aus der Aehnlichkeit anderer Faͤlle, Die 
wirkende Urſache muthmaßlich abnimmt. Di: Ges 
wißheit entitcht bey den Endurjachen, fo wie bey 
den wirfenden, und allen Dingen, nicht anders, 
als wenn das Begentbeil unmöglich it. Go babe 
ich von den Planeten geichloffen, bag fie Einmwelner 
haben, meil felbige als leblofe Dinge nicht um ibver 
felbſt willen, und alfo bloß um ver Yebendigen wil: 
len, bervorgebracht ſeyn Können. So jehließ:: 


— 


va 
U 
J 


\ 


252 IV Abh. Bon Gott und göttlichen . 


bäufeten. Die Entderfung der wirkenden Urfacher 
in ber Natur ift ja fo fehr den Vergehungen bes 
menfehlichen Verſtandes unterworfen, als die Ent 
deckung der Endurſachen; und niemand wird doch 
fo übereilet fchließen, Daß bie ganze Taturlehrı 
über unfere Vernunft gehe, lauter Irrthuͤmer 
vorbringe, und gar nicht zu treiben fen. 

man barum ein lehrreiches Bud) gar nicht lefen; 
weil man nicht alles darinn verftehen kam ? odea 
irret man desfalls allenthalben, weil man etw⸗ 
ben ein und anderer dunfelen Stelle den Sinn Des 
Urhebers falfh muthmaßer? Der Hauptzweck, un 
gleichſam der ganze Inhalt und aflgemeine Titel 
des Wuchs ber Matur, und derer Eapitel, die ung 
‘am meiften betreffen, fteht ung doc) allemal Flat 
oor Augen. Die Möglichkeit des Irrthums in 
befonderen Fällen Ichret uns nur behutſamer zu 
feyn, und die Regeln zu fhließen genauer zu beob⸗ 
achten; auch mehrere Erfahrung abzuwarten, . 


6 13. J 


Nun aber muß es auch unanſtaͤndig, und an 
ſich laͤcherlich heißen, die Weisheit des hoͤchſten We— 
ſens in ſolchen nichtswuͤrdigen Kleinigkeiten, als in 
Inſekten, in einer Falte vom Felle des Nashorn 
Thieres, und hundert andern dergleichen laͤppiſchen 
Dingen zu fuchen. : 

De 


insgemein, daß die Tiere ein Leben und eine eefı 
baben, weil ihre Aberfgeuge der Sinne um feine 
andern Urſache, ald um der Empfindung willen 
haben beſtimmet feyn koͤnnen. 


4 u ; 4 
Abdſichten in der Welt, 255 - 
Der. Herr von Maupertuis hat uns vieleicht 
zu verſtehen geben, daß alle bisher ans 
| ai Seren I gegen fein Ga 
1% 4 







wohl, —— in feiner Afteorheo»- 
md Phnficorheologie, und andere dergleichen - 
eife, von dem Größten bie zum Kleinften, 
en bis zu feinen geringften. Theilen, 

waren, und allenthalben gleiche  - 
Weisheit des’ Schöpfers gezeiger hatten, Aber es 
N feinem Zwecke nicht gemäß, der ‚größeren und 
allgerneineren Gegenftände folcher Unterfuchung zu 


” Man möchte aber auch fragen: Muͤſſen benn 
"alle Menfehen erſt große Mepkünftler, Algebrai- 
fen, und tiefe Naturfündiger werden, ehe fie von 
Schoͤpfers Daſeyn und Weisheit überführer 
können? Hat denn das neu entdeckte Geſetz 
en: ein mehreres Ucht, oder einen all» 
fall, felbft unter den Gelehrten? 

Keen Fer wir die offenbare und jedermanns 
Einficht gemäße Spuren der göttlichen Bollfom- 
menheiten übergehen und verachten? Warum foll 
‚man die Wahl des Beſten bloß in einem allgemei- 
nen Gefege ſuchen, in beſondern Fällen aber die Au⸗ 
gen verfchließen oder irre werben? ft es nicht bey- 
des gut und dienfam, das Göttliche in der Natur 
‚allenthalben, wo es zu entdecken ift, es ſey im Klei⸗ 
nen oder im Großen, wahrzunehmen? 


Ku 





254 IV A65. Bon Gott und göttlichen 


Aber ich möchte auch miffen, was wir für ei 
Maaßſtab oder für eine Wagſchaale Haben, wodu 
wir etwas fir groß und wichtig, oder für Kleu 
keiten und geringfchäßige Dinge erfliren. Auf 
Ausdehnung wird es ja hier nicht anfommen, t 
das nur allein groß wäre, was wir mit Klaftı 
und Zentnern ausmeflen koͤnnen. Wenn wir.al 
den Maafiftab der Weiche nehmen, fo weis. 
nicht, ob eine einzige Bagatelle in der ganzen J 
fur zu finden iſt; und ich fürchte, daß einer | 
nur felbft werächtlich machet, der das geringfte in I 
Natur verachter, weil es alles Muſter der größı 
Weisheit find. Für unfern Veritand ift auch d 
Fleinfte und geringjte noch zu groß, zu wunberb 
unbegreiftich, ja unendlid. An ſich aber ift all 
auf den größten und ebelften Zweck gerichtet, w 
cher fich erdenfen laͤßt, naͤmlich Die Welt mit | 
ben, Luſt und Gluͤckſeligkeit zu erfüllen; und d 
Mittel, deren Berhältniß zu Diefem Zwecke wir ei 
fehen können, find fo vollfommen damit einftimmi 
daß allenthalben ein unendlicher Verſtand bey dei 
beften Willen hervorleuchtet. 

In diefer Ordnung der Dinge kann alfe nich 
Elein feyn, was mit der großen Abficht auf da 
Wohl der $ebendigen eine weile Verfnüpfung ha 
Ste volltommener Gott felbft iſt, defto weniger iſte 
ibm anftändig, auch nur das geringfte in der gar 
jen Naturkette ohne Abficht, unnerhig, unbedach! 
fam oder verfehre zu thun, oder nur obenhin, in 
Großen, und fürs Auge zu bilden. Derjenig 
ſtellet demnach die Natur auf eine Gott anftändig 
Weiſe vor, der fiebis ing Innerſte und Kleinjte weis 

. lid 





Abfichten in der Melt, 255 


lich ausgearbeitet darftellet: und mir erfennen die 
Größe der göttlichen Weisheit in der Natur nicht 
eher deutlich, genau und gründlich, als bis wir in 
alle Arten der Thiere, und in die innere Einrich- 
tung, Natur und Verrichtung der einfacheren Theis 
fe, fo weit wir Finnen, binein geben. Selbſt die 
allgemeinen Regeln der Bewegung bemwei'en ihres 
Urhebers Weisheit nicht anders, als fo ferne ſich 
ihr Nutzen in jedem befonderen Falle, und ihr Zu: 
ſammenhang mit dem Wohl aller Arten der Leben⸗ 
digen zeiget. 

Der Herr von Maupertuis drucket fich ſelbſt 
darüber gar fchän mit Dielen Worten aus ?': Als 
les iſt in der Natur mit einander verknüpft. 
Die Welt haͤngt ſowohl an dem Faden eis 
ner Spinne, als an der Rraft, welche die 
Planeten gegen die Sonne zieht. Aber id) 
kann ibm niche beypflichten, wenn er Dinzufeßet- 
Allein, das Bewebe der Spinne ıft es nicht. 
worinn wır die Beweiſe der Weisheit deo 
Schöpfers füchen muͤſſen. Wie? wenn aud) 
darinn unter andern cine zur Erhaltung des Thier⸗ 
leins unverbejferlihe Kunft enthalten ift, welche 
die Spinne nicht felbft erfonnen, noch durch Un« 
terweiſung, Benfpiele und Uebung erfernet, füre 
dern lediglich von ihrem Schöpfer, ftatt der Ver⸗ 

nunff, 


ai Oeuvres p.25. Tont ef} li& dans la Nature: 7 Uni 

vers tient as fil de l’ araignee, comme a cette Jorce 

qui pouſſe ou qui tire les pl.inetes vers le Soleil: mais 

ee n’efl pas dansle fil de | araignee, qu’ il faus cher- 
eber les premves de la ſageſſe de jun Auteur. 


256 1V Abh. Bon Gott und söftlicher 


nunft, zum erblichen Befige befommen Hat: 
um follen wir nicht darauf achten ? Iſt es 
durch einen andern Weg thunfich, bie große B 
heit, daß Gott allen tebendigen die zu ihrem $ 
‚Bienlichiten Mittel gegeben, in ihrer Wirkli 
überzeuglich zu erfennen, als wenn wir jedeg ' 
res Werkzeuge, Matur, Triebe und Fertigt 
aufmerffam betrachten? 
Ich finde auch nicht, daß der Herr von! 
pertuis Urfache hatte, den Engländer laͤch 
zu machen, der von dem Ähinoceros, mit einem 
Worten, im Vorbeygehen, bemerfete, daß t 
fonft fo dick» und harthäutige Thier von dein 
fen und gütigen Schöpfer, bey den Gelenfen, 
einer gefaltenen, fehr fanften und biegfanen J 
verfehen wäre. ‘Denn ba diefes bloß bey den 
gen. der Glieder, wo fie fid regen und ftrecfen 
len, nicht aber auffer den Gelenken beobachtet n 
und da bas Thier diefe Geſchicklichkeit feiner 4 
zur Bewegung fehon aus Mutterleibe mit auf 
Welt bringer,nicht aber durch wirkliches Bew 
und Dehnen der Haut erwirbt: mas ift dem 
cherliches darinn, daß einer diefes, als einen 
ftand, morinn fich Die weife Vorſehung des € 
pfers für das Thier, und die Wahl der bey 
ften Mittel zum Zwecke äuffern, bemerket? € 
eine ähnliche und fehöne Anmerfung, die der. 
von Haller in gleicher Abſicht ven der Härte 
$ 


32 Ich werde bie Kaufe hr dem —A &t 
einigermaßen in Der folgenden Abhandlung $ 2: 
(chreiben. ss 





Abſichten in der Welt. 255 


Haut unter ben Fuͤßen der Thiere machet . War⸗ 
um, 


23 Vorrede zu Buͤffons allgemeinen Hiſtorie der Me: 
tur, 1136. C. 1.2. Der berühmte Herr B. S. Albi- 
nus, Acalcnıiear. Annotat, lib. I. p.27. Leidae 1734. 
4. macher eben die Aumerfung: Exuvias varıis erm- 
bryonibus de manibus pedibusſquie integras detraxi: 
detraxi etium purzulis, qui afjecuti nondum erant 
ongitudinem digitalem, Pertennes inveni, totasque 
translucidas, qua parte ad dorfum manus pedisque 
pertinent, crajfiares autens magisque opacas ct albi- 
eunses, totasque firmiores, qua ad volart, quaque ad 
flantaın et ad partes internas digitorum. Ex quo 
intelligitur, natura differre cuticulam iis in locis, et 
um pru[hone tantummiodo continua et attritionr [oli- 
dari per atatem es in cralfitudinem crefcere Eben 
derfelbe ſaget lib. IH. p.79. Er habe ſich dieſe Be: 
obachtung als die ſeinige zueignen koͤnnen, weil er 
fie ſchon von 30 Jahren ber oͤffentlich vorgetragen: 
und der Herr Kaaw, ein Schweſterſohn des grofs 
ſen Boerhaaven habe ſie im J. 1738. und Graveſands 
Frauen Brude, Sacrelaire ſchon im J. 1727 in feiner 
Diff. inaug. de communibus corporis humamı integu.- 
mentis $ 10. aus feinen Amveifungen bekannt ge— 
machet. Das würde cr nicht geicbrieben babın, 
wenn er nicht der Meynunq ware, daß Entdeckun— 
gen, welche Des Schöpfers Borfehung zeigen, fo Hein 
fie au:b jcheinen möchten, dem Menſchen, der fie 
zuerst gefunden, zur wahren Ehre gereichen. Und 
Galenus de uſu Partium lib. III. cap. 10.fq. mo er 
eben von der Haut des Menfchen an den Fuͤßen 
geredet batte, dachte gar nicht verachtlich von jol- 
chen Bemubungen, fonderm febreibt : je Terzm Con- 
eituris nuflri hynmmum componere, et in hoc zurum 
elle pietatem, non fi taururum ei plurimas Jacrifica 
verit, et oduramemsa fulfumigazerit, ſed fi noverit 
et aliis expofuerit, quanam fit ejus fapientian, Quæ 
virsus, qua bonitar. 
% 





⸗ 


258 IV Abh. Von Gott und göttlichen E 


um, faget er, bat das Thier und nicht der 
Menſch, unter den vier Süßen, die es ragen 
follen, ſchon im Mutterteibe Verhaͤrtungen; 
da diefem nur unter den längeren Süßen, weil 
nur diefe ihn zu tragen gewidmet find, eine 
barte Ueberhaut anerichaffen iſt? - Nämlich 
auch bier iſt zum voraus für den Gebrauch: der 
Theile weislich geforget, ehe wir gebohren wer 
Mehrere dergleichen Umjtände haben, auch andere 
verrünftige. Männer bey der Haut, und Schaale ber 
Menſchen und Thiere in: großer Anzahl beobachtet, 
bie deswegen fehr unzeitig wuͤrden belachet , 
weil fie von der Haut und von Thieren hergenom⸗ 
men find; aber allezeit der Betrachtung würdig 
bleiben, weil fie offenbare Beyſpiele der Weisheit 
und Güte des Schipfers enthalten. ' 
Jedoch der Herr von Maupertuis furher diefe 
Folgerung durch eine andere zu verfporten. **. 
Das würde man, fpriche er, von demjenigen 
fagen, der die Dorfehung deswegen leugnete, 
weıl die Schale der Schildkroͤte weder Sals 
ten noch Belente bar? Aber die Solgerung 
deſſen, der die Vorfehung durch Die hHaut des 
Rhinoceros beweift, bar nicht mehr Stärke. 


24 Oeuvres p. 7. N’ efl-ce pas faire tort à la plus grande 
des verites, que de la vouloir prouver par de tels ar» 
gumens? Que diroit-om de celui quinieroit la Previ- 

dence, parce que P ecaille de la tortue n’ a wi plis, 

ointures? Le raifonnement de celui qui la prowe 
par la peau du rhinoceros eſt de la mine forse. 
Loiſſons ces bagatelles à ceux qui w’ en [entent pas ls 
Frivolise. 





Abfıchten in der Welt. 259 


Drum laſſet uns folche laͤppiſche Rleinigkeiten 
denen anheim geben, die deren Nichtswuͤr⸗ 
digkeit nicht einjeben. Der Herr von Mau— 
pertuis har fo weit Recht: die Folgerung von der 
Schildkroͤte, welche er jemanden in den Mund leget, 
ft laͤppiſch und nichtsmürdig genug. Aber Fann 
e im Ernfte glauben, daß ein einziger vernünftiger 
Menſch die.andere Folgerung dieſer ähnlich, und 
die Bergleichung für aufrichtig Halten wird? Er bürdet 
« dem Engeländer auf, als ob er fchlechehin fo ge- 
. fhloffen hätte: weil ein Thier Falten in der Haut 
‚fo muß eine Borfehung ſeyn. Auf die Weife, 
icht denn Herr Maupertuis, müßte auch aus 
dem Gegentheile das Gegencheil folgen: weil die 
Schildkroͤte Feine Falten in ihrer Schale hat , fo 
giebr es feine Vorſehung. Der Unrerfchied aber 
it: der Rhinoceros bat biegfame alten in feiner 
dien Haut bey. den Gelenfen, wo es zum “Berne 
gen der Glieder noͤthig wars aber die Echilbfröte 
hat keine Falten und Gelenke in der harten Schale, 
wo es zum Bewegen unnörhig war. Denn ein 
anderes iſt es mit dem Armadill, ber Falten in fei- 
ser harten Decke auf dem Rücken hat, weil er fich 
in eine Kugel zuſammen rollet; aber die Schild. 
fröte brauchte dergleichen nicht, fondern vielmehr 
eine fefte Schale, morunter das Thier auch ges 
gen Laſtwagen gefichert iſt. Dieſes iſt der eine 
Fehler in der Bergleichung, daß es nicht entgegen» 
‚geießte Fälle find, und daß der Herr von Mau⸗ 
perruis, folches zu verbergen, diejenigen Umftände 
mit Fleiß weggelaffen, welche ſolches entdecfen Fonn« 
ten. Denn eigentlich konnten dem Falle vom Rhi⸗ 
| N 2 noceros 


— HD = nenn , 






260 IV Ab. Bon Gott und göttlichen 


noceros nur zweene entgegen eſetet werden, wenn 
entweder ein Thier in —& biegſamne IAccn 
fürs, wo es unndrhig'tdar; abet wenn diidß 

iegſame Falten hätte‘, wo cs doch hi 

Dann wirde auch die Folgerund richtiger 
alſo zeiget fih darinn feine Vorſehung n 
her Folgerung hat der Schöpfer filon de 

get, indem feines ber gegenſeitigen Falle in 
tue zu finden iſt. Denmach verfällt der Hr. 
von Maupertuis in einen zweyten Fehier 
auf feiner Seite übel ſchlleßt: weil die S € 


kroͤte Beine Falten und Welenfe hat, (mo es nicht 
nöchig war:) alfo giebt es Leine ne 










"mehr, da fie auf dem Rüden Leine unnäthige Fah _ 
ten, fondern eine fefte re, hat, ' 
fie ſich ganz verbergen ann; übrigens aber ji am 
‘seibe, Kopfe und Fuͤſen, mit biegfamer Hau ib 
Sliedern, fo viel als noͤthig war, verfehen ift: fo 
laͤßt fid) auch daraus, wie aus taufend andern 
Dingen, wahrnehmen, daß der Schöpfer, zum Eis 
haltung feiner Geichpfe, nichts verfiume: und doch 
auch richtsumfonft gemachet habe. Nun laffe ich 
jeden urtheilen, auf wen Die Beſchuldigung des 
$äppifchen und Säcyerlichen in der Folgerumg v6 | 
Hm. von Maupertuis falle. 


8 ı4 
Ja, fpricht der Herr von !iiaupertuis, * 
wenn ich auch alle die Beweiſe von Ordnung und —⸗ 
Ueber 


25 Oeuvres p. 8. fq. One fert-il, dans la confirniuue 
de gelgne Animal, de trowver des opparences derdremt" 
er de conzenanse? lersgu' aprös nons fommes arrisisum "U 
© —B 


— E—— 


1, dunt la dent tus l'bomme. — 

on d’une Mouebe ou dume Fourmis 

ee 1 dl Bienen 
ap un Infedte incommeo, 

ER FR eiftan devure, ou qui 
re Ar ⸗ 


* 
9. De tris grands V —non 


cher d’avoner, que la convenance esl’ordre 
bar exadlement obfirves dans 'Uni- 
embarajle pour comprendre com- 
v d’ım Etve tont füge 
#. ke mal de toutes les efpeces , le 
Te erime, la douleur, leur ont diffieiles 
avec P’Empire d’un tel re, Regar- » 
ont.ils-dit, cette Terre; les miers eu cöwerent la 
‚dans lerefle, vous verreu des rochers ejtarpes, 
1: mez 








dern — menig| 
BVerdeuffe, übe: ne 
de ihres re Weisheit 3 =) je 


les mars de ceux qui Pbabitentz vöns troin 
menfonge , le vol, le meurtre, et par tout] 
ins communs que Ia verin., Parmi ces 
— —— 
-  Weurmens de Is gouste cs de Io 
dans. d’autres infraitas que 
3 prefqwe ton: —— — 


— Tære de Plante für a 

. Sn a en 
ala [are 0. a ige 

U Unigers Pr 


Berge 
4 


EEE ei, “ 


- B un 





-- 

* * 

—WB 
* 


264 VIAbh. Von Gott und gbttlichen. 


auf eine noch deutlichere und gruͤndlichere Ast 
ehun kann, als es bisher gefchehen ift. Er verfichert 
uns wenigftens, wenn wir fein Gefeg der Spar⸗ 
ſamkeit annehmen, fo follten wir nur die Augen aufs 
thun, und bie ganze. Welt durchgehen; dann mie: 
den alle bie Erfcheinungen, welche melde won *— 
Unwijfenheit Der weifeiten Geſehe, wovon fie eniie. 
fpeingen, nur einen dunkelen und ımbeutlicheg: - 

Beweis von dem Daſeyn Gottes gewäßrten, 
Demonftration werden; und mas fonft in 
gerniß erregen fännen, das würde nichts, als ein⸗ 
nothwendige Folge der Geſetze feyn, bie zu errich/ 
fen waren: man würde ohne Anſtoß fehen, def: 
Misgeburten erzeugt, und Safter begangen würden, 
und mie würden ben ©chmerz; mit Se 

aushalten. Gen wir alfo den größten 2 

Hier ha alſo den größten meifelsfege.. 
ten, nach dem Gefege der Sparſamkeit, Furg mb: 
gut durchgefchnitten. Allein , ich möchte fragen; 
wie wird nun alles durch die kleinſte Bewegung 
des Hrn. von Maupertuis fo leicht zur Demon⸗ 
firasiod 























29 Ocuvres p. 25. Ouvrous les yeux; parcasronsT Unb- 
vers; livrous nous bardiment a toute — 
que ce Jpe@acle nous caufe; tel Pbeuewene gei, eb» 
dant qu on iguoroit la jag« fe des loix à qui il des 
fon origine, n’etoit ge une preuvo — es cafe nr 
de Pexiſtence de celni qui gouverne le Mende, 
vient une demonflretion: es ce qui auroit pu cauft 

, du feandale, ne fera plus qu’une fuite neceflaire er 
hix qu'il fallois etablir. Nous verroms, fans en dere 
tbraniin waitre des Monfires, commettre des Orömen, 
et nons fanffrirens ave: patience la Doulcur. 





Arfichten in der Welt. 265 


wation des Dafenns Gortes und feiner Weisheit 
nd Guͤte? Laſſet uns einen Schluß machen: Wenn 
lles in der Welt mit der Eleinften Handlung oder 
Bewegung gefchieht , fo muß ein Gott ſeyn, der 
sach weifer Wahl das Beſte erfohren. Wie? 
venn -die kleinſte Handlung an. fid) die einzige 
nögliche, und alfo fihlechterdings nothwendig wäre : 
folgert nıan denn, Daß ſie durch eine meife 
Wahl eines Lrhebers geftifter werden? Ober, 
wenn man fie auch nur als natürlid) nothwendig 
annehmen will: mas verweift ung auf einen freyen 
Beift, der es fo geordnet Hat? Der Hr. von Mau⸗ 
pertuis hatte dem Hrn. Newton diefen Einwurf 
gemachet, und er machet ihn fich auch nun felber. 
Seine Antwort darauf aber lautet fo: ’” Wenn 
ss wahr ift, daß die Befene der Bewegung 
md Ruhe eine unsusbleiblidye Solge der 
Yarur der Rörper find: fo beweift eben 
diefes dic Vollkommenheit des hoͤchſten We⸗ 
R5 ſens 


ꝓOeuv. p. 13. Mais, pourroit-on dire, quoique les rogles du 
mwonzemenz et du repos nuyent etèé juſqus ici démontrées 
que par des bypmibefes et des experiences, elles ſont 
‘peut - etre des fnites necefjaires de la nature des 
corps; esn'y ayant wien en darbitraire dans leus 
Habliffeinent, vons attribuez a une Prozidence, ce 
qui u’efl Veffee que de la Neccfhte. Sil efl wrai 
que les loix du mouveınent et du vepos ſhient les fhi- 
tes indifpenfables de la nature des curps, cela möıze 
presve encore la perfedion de !’Etre Jupröwe:z def 
ne souses chofes foient tellement urdonutes qu'uuo 
Merbimatique aveug!e et necellaire execute ce que 
Pintelligence la plus eclawte et Ia plus libre — *— 
Teig, 





. 266 IV.A6h. Bon Gott und göttlichen 


fens, da nämlich alle Dinge fo geordnet find, 
daß eine blinde nothwendige !ischemarit 
dasjenige ausrichtet, was der verftändigfie 
und frepfte Geiſt vorſchrieb. Das iſt eime- 
vortrefflihe Demonftration, nur daß man: ihre 
Grund niche finden kann: Die natürliche N 
mwendigfeit der Pleinften Handlung beweiſt 
mweife Wahl eines hoͤchſten Weſens: warum? wei 
fie des verſtaͤndigſten und freyſten Geiſtes Vie 
ſchrift ausrichtet. Segtzet dieſes nicht eben dasjs⸗ 
nige voraus, was zu beweiſen war? Oder wein 
dieſes eine gültige Antwort heißen foll: weruäl: 
konnte fie dem Hrn. von Maupertuis nicht eben 
denfelben Einwurf gegen TTewetons Ordnung der 
Planeten heben? °* | 
Allein, wir wollen annehmen, bas Gefeg det | 
Eleinften Handlung beweiſe den verftändigften wb 
freuften Geift: fo wuͤrde es doch, nach dee Ar 
von Maupertuis eigenem Urtheile, noch gar nicht 
deſſen Weisheit und Guͤte beweiſen, ivenn de. 
Zweck und Bewegungsgrund nicht etwas | 
ift. » Und wie ann er denn doch die Berrade 
tung der göttlichen Abfichten in der Natur verwer⸗ 
fen oder belachen; da fein eigener Grundfag fd 
nen Beweis von eines höheren Weſens Weisheit 
und Güte giebt, wo er nicht gewiſſe Abfichten vor⸗ 
aus feßet? Denn in ber Eörperlichen Bewegung 
liege an ſich nichts Gutes, fie mag klein oder groß 
ſeyn; fondern fie ift hoͤchſtens nur ein Di 


zu Giehe oben die gte Anmerkung, 
32 Siehe die 28 Anmerkung. 





Abfichten in der Well. 267 


f zum Boͤſen als Gurten angewandt werden 
Könnte denn nicht auch lauter ‘Bdfes oder 
jitens viel Boͤſes, durch die Fleinfte Bewe—⸗ 
ausgerichtet werden? Wie Fann alfo das 
5 der Fleinften Bewegung an fich felbft die 
sheit und Güte des Schöpfers darthun , fo 
: man nicht fieht, daß es zum Guten anges 
t fen, oder wie fönnte es eine Antwort gegen 
Böfe, das wirflic in der Wele ift, geben ? 
d darum Misgeburten , giftige Thiere und 
nzen, Safter, Schmerz und Tod nichts Boͤſes, 
fie durch die Fleinfte Bewegung hervorgebradit 
en? Würde niche Das menfchliche Herz, wenn 
Sache bloß auf Bewegung anfame, winfchen, 
doc, der fo verftindige und frene Geiſt licher 
Böfen fparfamer, und in der "Bewegung etwas 
tebiger gemefen märe ? 


Es läßt fich aber auch nicht begreifen, daß das 
e in der Welt eine nothwendige Folge diefes 
tzes ſeyn ſollte. Sind denn Stürme, Erdbe— 
Ueberſtroͤmungen, Kriege, Mord, Brand, 
alle Laſter, Fruͤchte der kleinſten Bewegung? 
an alle ſchaͤdliche Thiere und Kräuter gar nicht 
affen wären „ fo würde defto weniger Bewe— 
3 in der Welt fern. Ya, man möchte viel» 
e aus dieſem Geſetze folgern, daß fehr viel 
es und alle gebendige hätten wegbleiben muͤſ— 
damit ja nicht fü viel Hegens und Bewegens, 
:äufches und Laͤrmens in der Welt entftünde, 
yern alles todt und ftille wäre, und die ganze 
Kur fein geruhig und fanfte fchliefe. 


Man 





268 IV Abh. Von Gott und göttlid 


Man hätte alfo wuͤnſchen mögen, daß bi 
von Maupertuis uns auf der einen Seite 
cher erfläret Härte, wie das Gefeg der Sparf 
das Gute nochmendig erzeuge, und fich dadu 
eine Regel ber Weisheit erweife; auf der | 
aber fo wenig Boͤſes, als nur möglich war, | 
Denn an jidy fcheint weder Böfes noch 
baraus zu folgen. Wenn nämlich nicht wei 
guͤtige Abſichten vorausgefeßt werden , wo 
Gefeß der Sparjamfrit, als ein Mittel, angı 
worden, fo fann man aus diefem Gefege: 
feine Weisheit, oder Wahl des Velten erl 
noch das zugelaſſene Boͤſe damit sufammen t 
Um foviel weniger ift zu begreifen, wie der $ 
WMoaupertuis wider den Deweis aus der 
und der Uebereinſtimmung in ber Natur | 
da er ihn ja fo fehr, als andere, nöthig hat. 
ſchlimmſte iſt, dañ der Hr. von Maupert 
Betrachtung des Guten in der Welt verd 
ſchwaͤchet, verkleinert, verlachet, des Boͤſi 
haͤuſet und ſchaͤrſet; und uns alsdenn, w 
uns mitten in bekuͤmmerte Gedanken hineir 
ret hat, verlaͤßt. 


$ 15. 

Es erhellet aus des Hrn. von Maup 
eigenem DBenfpiele, dag man fowohl von bei 
Fommenheit und Unvollfommenheit der We 
ihrer Theile, als auch von bem ganzen Zufa 
hange ber ‘Dinge, und was derfelbe mic fich & 
imgleichen von ber Weisheit und Güte des 
bers fehr verfehre urpe, wenn man nich 


bſichten in der Welt, 269 
—— Endurfache a —— 2 
—— — ———— 


ung fo guͤtig, groh und edel fen, 
—— a hen 
Welt, nebft Regeln 











inwuͤrfe 
kann, ſo wird auch zuvor nöthig 
"dal beſonderen Abfichten bey den Thies 
nd Menfchen auf unferm Erdboden ausführs 
Idjer darthue, Dann wird ſich beffer erklären laſ⸗ 
daß ſo viel Vollkommenheit und Gutes 
on dem fer angediehen fen, als nad) jedes 
in der Berfnüpfung der Dinge möglich war ; 
m ed der Mangel einer mehreren Vollfommens 
j IR ia mm kin Abfiche fen,’ 
dem ein en Wefen ber 
rt Dinge unvermeidlichen Grund der 
ichfeir habe, theils in feiner wirklichen Zur 
neue Beweiſe der Weisheit und te des 
darreiche, 
T ee 
t und Gite des Schöpfers antworten. 
Es kann ung fürs erſte genug fepn, daß man über« 
fießt, wie ungeitig und unbilfig fie ans 
„und wie fehlecht fie daher gehoben find. 
Denn wie kann man von eines Dinges und feines 
Bes Vollkommenheit urtheilen, ohne es wes 
kim Zufammenbange, und nad) feiner Abſicht, 
ua 


nigkeiten, die einem Könige unanſtaͤndig, 


a 
- 1 
’ m 





270 IVASh. Bon Gott und göttlichen 


noch i in feinen Theilen, ber Betrachtung werth | 
halten? Wie Eönnte man ſich mit jemanden einla 
fen’, der bie und dba aus bes weifeften König: 
Verordnungen etwas ergriffe, das ihm wit 


fejiene, um es zu tadeln; und wenn erg 
‚ würde , ob er denn die übrigen, fo viel m 
in ihrem Zufammenhange betrachtet. hätte, J 
Antwort gäbe, er verftünde theils nichts Dan 
theils handelten fie von allerley nichtsmürdigen SCH 

und 
Mühe nicht werth wären. Man würde u 
mehr erfuchen, daß er fich nicht übereilen, 
erft Zeit und Geduld geben moͤchte, die “X 
Abſichten der Verordnungen, zur Erhaltung jed 
Standes, ohne Vorurtheil aus den allgemeinen 
erforfchen, und biernachft allesin der Verknuͤpfu 
bes Ganzen zu betrachten; und wenn er denn al 
und jeder Anitalten ihren Grund noch nicht vog 
a begreifen Eönnte, feine Unmiffenheit ber Weich 
des Königes nicht zur Saft zu legen. Sollten w 
nicht fo billig und befcheiden von den göttlichen Ba 
fen urtheilen , als Eofrates von den dunkel 
Schriften des Heraklitus? Er las fie doch eff 
Verachtung; er bemübete ſich um ihre wahre Wie 
nung; er ſuchete feine widrige aus ſchweren Stell 
zu erzwingen; fondern wie er gefraget ward, wm 
er davon hielte, gab er zur Antwort: was ich we 
ſtehen fann, das ift vortrefflih; darum vermuff 
ich, Das andere wird gleicher Art ſeyn, mas hi 
nicht verftehe. 

8 10 


33 Diog. Laertius II. 22. “ ab voiise, vorde 
pay 8, x) “ un vurine. 








— 1 
De in.der Welt.) 271 


en — als Naturfünbiger; 
ſachen unfernthalben für euch, 
‚ mit in bie Naturlepre, mo fie 
ihnen ‚haben, und oft Br Irrthume 
nes iſt bekannt, was Carteſius und 
geſaget; und viele der Neueren 
tn noch weiter, fo daß fie bie Endurſa- 
aus der Naturlehre als unfrucht · 
verweiſen, ſondern fie auch am ſich 
der Metaphyſik, kaum mehr wollen 

ja aus Vorurtheile, oder vielmehr 
diefeiben, faſt alle erſte Begriffe und 
Br Wahrheit, als unnüge Grillen 


meynet: die Vollkommenheit, 

Abficht gerichtet ſey, und der zurel- - 
rund, den man barinn fuche, wären nur 
eWefen, die nach menfhlichen Abſichten 
täten; willführliche Verhaltniſſe, die 
Meingemachet hätten; Gegenftände unfe- 
umgen und Seidenfchaften, die anſtatt, daß 
Dirkliches hervorbringen ſollten, nur das 
everänderten, und mis unfern Meigungen 
Br: aus Enpurfachen etwas ſchlieſſen wol· 
N “ „ 

—— [7] ae Beer de Deo J 

et 

Br ar 16. P. 283..fdq, Dagegen erin⸗ 


om in feiner allgemeiden der Ras 
1 Bend p. —— 


Een 


-— 
2 


272 W Abh. Won Gott und göttlich: 


len, fen nichts anders, als bie Wirkung fü 
Urfache annehmen. Es heißt bey einem ander 
lan nenner ein Syfteme der Endurſa 
denjenigen Theil der Phyſik, oder viehr 
Metaphyſik, (oder vielleicht weder der e 
noch der andern) welcher den Zweck bat, 
Geſetze der Natur, vermictelft der Abfict 
welche der Urheber der VNatur fich d 
vorgefeser bat, zu entdecken. Diefe Th 
gründet ſich auf fo wahre, aber fo unfg 
bare , und fo oft triegliche Säge, ale: 
nichts obne zuveichenden Grund gefdy 
daß die Natur durch die einfachften. U 
bandelt, und auf einige andere, die ebe 
gewiß, aber auch eben fo unnüge find. 
KRanzler Baco, welcher wohl einfab u 


el 
36 Der Hr. Verfaffer von ben Melanges de L,itte 
re, d’Hiftoire et de Philofophie Vol, I. p. 257. 
von dem Syfteme des caufes finales: Ox sp 
cette partie de la Phyfique, ow plüsse de Id’Ä 
pbyfique (ou peut-Eire wi de Tune wi de entre) 
pour bus de decowvrir les lois de la Nature par 
que fon anteur s’efl propofee en crabliffams ces 
Cette Theorie efl fondie ſur des axiomes fi x 
mais fi pew flcons, et fouvent fi trorkpeurs, 
rien ne fe fait fans raifon ſuſſiſaute, que la m 
agit soljours par les voies les plus fimples, e 
quelqwes autres aujji certeins, et nuſſi imatiles. 
Chancelier Bacon, qui asoit jenti, cumbien cette 
niere de pbilofopher eois une voie ferile pour le 
convertes, la comparois avec beaucunp de fineffe 
verite, Anne vierge conjacrte à Diem, qui we 
duit rien. 


eit, der JEINE veſonderen Urfachen hatte, 
Abſichten in der Natur, und alle Spuren 
chen Weisheit zu ſtreiten, ſaget nicht allein 
zureichenden Grunde “, daß cs bloß ein 
der zum gemiffen Schrgebäude erfunden 
md’ der in der Erforſchung von Wahrheis 
nd gar feinen Nuten habe; fondern er fuͤget 
iter ja allen Zuͤgel geſunder Bernunft abwer« 
: Die Leibnitziſche Philoſophie fuͤh⸗ 
» zu einem andern Grundſatze, der 
nüger iſt; Das ijt der Sun des Wi⸗ 
bes. 
will ich den erſteren Herren des In Mer⸗ 
>» Ausfchweifungen gar nicht beymejjen; 
es zur Behauptung ihrer Meynung no» 
e Sprache zu führen, die den Atheiſten 
che it? Denn wer Gott aus der Natur 
n, und "alle Ehrbarfeit unter Menjchen 
will, der muß ſich durch Feine Widerfprü- 
Iten laffen. und um feinen aureichenden 


274 IV Ah. Bon Gott und göttlichen 


Grund, weder der Dinge felbft, noch feiner Saͤte 
befümmern. Konnten die Endurfachen gar nice 
aus der Naturlehre vermiefen werden, ohne die er 
ften Regeln der Vernmftkunft und Geundroifens | 
fchaft, das ift, aller xheit, zu t 
Sollte diefe Art zu denken vortheilhaft 
griff von ihrer Mennung geben, welche aller 
den Vernünfteley ein: weites Feld eröffn 
iſt wohl eine geündliche Naruirlehte felb 
ders, als eine Erforſchung bes zuveichender 2 
bes der Begebenheiten, welcher nit de 
dem Wefen der Dinge one bi 
Allgemeine Wahrheiten und Grund! 
nicht unfeuchebar feyn, weil fie den € 
übrigen Wahrheiten in fich halten, ,, Geba 
dennoch ben einigen, gleichfam als die g 
Jungfrauen im Klofter, nichtsz fo mifd die 
entweder an deren Anvermögen feyn, b 
fie woßnen, oder daß fie ein übereiltes 
than haben, ſich ihrer zu enthalten, 
In der That find jedoch gebachte Seren Die 
fen Schönen fo abhold nicht, daß fie ich ihrer m 
zum öftern bedienen follten, aber,es muß 
wiffen; und fie find mit ihnen ‚jo oeit wohl guft 
den, wenn fie nur nichts zur Welt bringen, was‘ 
Abſichten hat. Ein Unglück für Leibnitz, da er ent« 
dedfete, daß fie aud mit Abſichten ſchwanger ger 


ben ?", i 
Aber 
38 Ich bediene mich dieſer Ausdrücke nicht, ald 5 ih 







darin einen Witz fuchete, ſondern nur zu r 


wenn ja Bacons Ausdrud, nach Herti ©" j 
bert 





276 IV Abh. Bon Gott und göttlichen 


phyſik ausmachen, ben eite fegen, und nur- fi 
gen, theils, ob fie an ſich Grund haben; - theile, 
ö j 





febe wohl bemerket. Ka Mettrie nennet es dal 
auch ein, Principe. de Sörme Dan fiebt aber du 
aus, marım bie Ho em juveichen 

% 












ei Be fra Te wire Dorn 
weil fie fuͤre r ucl 
Fenntniffe der geführet 


bedaure, bag ish dieſen Gag auch pi 
ser Pe ſeute 5 
‚hen Urfache habe. Zeibnitz ſaget mit 
drucke des zuveicbenden Grundes oder desje— 
woraus ſich völlig veritchen laßt, war: 1 
ſey, nichts anders, ald mas. das Wort Pri 
überhaupt undeutlich fager: erſtlich, alles 
‚ge, woraus man Höllig verftchen fan, 
was in einem Dinge innerlich möglich 
wendig jey; (dag iff, ein Principium effend 
das Weſen und Wefentliche;) imgleichen n 
woraus men völlig verſtehen Fanın, marım eLrde 
wirklich fey oder werde; ( Prineipium fendi, all 
die wirkenden Urfachen mit ihren Kraften ımb t 
ven Regeln und Maafe ,) ferner» basjeniger n 
man völlig verftehen Fan, warum et 
oder warum unfere Gedanken mit,den Dingen, 
+ mit einander uͤbereinſtimmen ; (Principium cogitan 
di, oder die G.undiage aller, Wahrbeitenz) endin 
daßjenige, woraus man völlig verfichen kann, war 
um man etwas wolle oder wollen niuͤſſe; (Prind 
pium volendi, oder die Gründe ber freyen Hass 
lungen und Gittlichfeit.) Meynet nun jemand 
daß man ohne Erindpe zureichenden Grund, d. i 
ohne Berftand und Einficht, was einem belichet, von 
den Dingen bejahen und verneinen fönne, und 
Diefer Zwang nur ein Principe de Syfteme fep: 
kann man ibm feine wilde Philoſophie —2 


WIN man ncch eine napere Erklärung 








268 IV Ab. Von Gott und göttlichen 
Man hätte alfo wuͤnſchen mögen, daß ehe 


von Maupertuis ung auf der einen Seite beutll, 

cher erflärec härte, wie das Gefeg dee Sparſamkei 
das Gute nothwendig erzeuge, und ſich Dadurch ald 
eine Kegel der Weisheit ermeife; auf der anberk 
aber fo wenig Boͤſes, alsnur möglichwar, zulaſſe. 
Denn an jidy fcheint weder Boͤſes noch Gute 
daraus zu folgen. Wenn nämlich nicht weiſe ul 
guͤtige Abfichten vorausgefegt werden , wozu bad 
Gefeß ber Sparfamtrit, als ein Mittel, angewandt 
worden, fo fann man aus diefem Geſetze an Fl 
feine Weisheit, oder Wahl des Beſten erfennen, 
noch das zugelaffene Boͤſe damit zuſammen reimen 
Um ſo viel weniger üft zu begreifen, wie der. Hr. vos 
Maupertuis wider den Beweis aus der Abſich 
und der Ucbereinftimmung in ber Natur fee 
da er ihn ja fo fehr, ala andere, nöthig hat. Das 
fchlimmfte iſt, daß der Hr. von Maupertuis Wi 
Betrachtung des Guten in der Welt verdunkelt 
ſchwaͤchet, verkleinert, verlachet, des Boͤſen aba 
haͤufet und ſchaͤrfet; und uns alsbenn, wenn a 
uns mitten in befünmerte Gedanken hineingefüß 
ret Dat, verläßt. ü 


$ 15. 

Es erhellet aut des Hrn. von Maupertuit 
eigenem Benfpiele, daß man ſowohl von ber Voll 
Fommenheit und Unvollfommenbeit der Belt uml 
ihrer Theile, als aud) von dem ganzen Zufammen 
bange der Dinge, und was derfelbe mir fid) bringet 
imgleichen von ber Weisheit und Yüce des Urhe 
bers ſehr verkehrt urthele/ wenn man nicht zuvo 

di 





fo viel Volllommenheit und Gutes 
er angediehen fen, als nad) jebes 
bee. Berfnüpfung der Dinge möglich war ; 
ber Mangel einer. mehreren Vollkommen⸗ 
ee in ben Boͤſe, ——e Abſi aa fen,‘ 
tem Dinge u unvermeiblichen Orund der 
teie habe, theils in feiner wirklichen Zus 
une Beweiſe der Weisheit und Guͤte des 
v darreiche. 
perde alſo hier noch auf feine Einwuͤrfe gegen 
mb Guͤte des Schöpfers antworten. 
ung fürs erfte genug feyn, daß man über. 
—8* wie unzeitig und unbilſig fie an⸗ 
und wie —* ſie daher gehoben ſind. 
e kann man von eines Dinges und feines 
Wollkommenheit urtheilen, ohne es we⸗ 
wemmenheno⸗ und nach feiner ven 


— wird fich beſſer erklaͤren laſ⸗ 


270 IV Mh. Bon Gott und gättlid 


noch in feinen Theilen, ber "Betrachtung we 
halten? Wie koͤnnte man ſich mit jemanden 
fen‘, der bie und da aus bes weifeften K 
Verordnungen etwas ergriffe, bas ihm 
ſchiene, um es zu tadeln; und wenn er gı 
mürde , ob er benn die übrigen, fo viel m 
in ihrem Zufammenhange betrachtet häft: 
Antwort gäbe, er verflünde eheils nichts | 
theils handelten fie von allerley nichtswürdige 
nigkeiten, die einem Könige unanftandig, u 
Mühe nicht werth wären. Man wuͤrde ip 
mehr erfuchen, daß er fich nicht übereilen, | 
erft Beit und Geduld geben möchte, ‚die bef 
Abjichten der Verordnungen, zur Erhaltung 
Standes, ohne Vorurtheil aus den allgeme 
erforfchen, und hiernaͤchſt allesin der Berfni 
des Ganzen zu betrachten; und wenn er den 
und jeder Anftalten ihren Grund noch nich 
a begreifen Fönnte, feine Unmoiffenheit der W 
des Königes nicht zur Saft zu legen. Sollt 
nicht fo billig und befcheiden von den göttlichen 
fen urtheilen , als Eofrates von den di 
Schriften des Heraflitus? Er las fie dx 
Verachtung; er bemühete ſich um ihre wahr: 
nung; er ſuchete Feine widrige aus fchweren € 
zu erzwingen; fondern mie er gefraget warl 
er davon hielte, gab er zur Antwort: was i 
ftehen kann, das ift vortrefflih; darum ve 
ich, das andere wird gleicher Art feyn, n 
nicht verftehe. ?? 


33 Diog. Laertius II. 22. = ad vurfne, am 
pa do, x) ⁊ A 27 Fe 


— die Kelttommenpeil, 
jerichter fen, und der zuteis - 
in darinn fuche, wären nur 
je nach menſchlichen Abſichten 

willkuͤhrliche Verhaͤltniſſe, die 

t hätten; Gegenſtaͤnde unfe- 

gun am Sue, ten, biesanflaft, da 
1 nur das 


etwas ſchlieſſen wol · 

4 

im Syftemate Intelle&uali 
fag, und Parker de Deo.et ’ 
.s. Ba, fäg. dagegen erin⸗ 


Be ee 





. 
⸗ 


272 W Abh. Bon Gott und göttliche 


fen, fen nichts anders, als die Wirkung fü 
Urfache annehmen. Es heißt.bey einem ander 
Wan nenner ein Syfteme der Endurſa 
denjenigen Theil der Phyſik, oder vieln 
Metaphyſik, (oder vielleicht weder Der'e 
noch der andern) welcher den Zweck bar, 
Befege der Natur, vermictelft der Abfick 
welche der Urheber der Natur fich Bi 
vorgeſetzet bat, zu entdecken. Diefe Cha 
gruͤndet fi) auf o wahre, aber fo unfay 
bare, und fo oft triegliche Gäge, * 
nichts ohne zureichenden Grund g 

daß die Natur durch die einfachſten M 
handelt, und auf einige andere, die ehe 
gewiß, aber auch eben fo unnüre find. ; 
Kanzler Baco, welcher wohl einſahn 


N U 
36 Der Hr. Verfaſſer von ben Melanges de Litte 
re, d’Hiftoire et de Philofophie Vol, I. p. 257. 
von dem Syftewe des caufes ſinales: Ox ap 
cette partie de la Phyfique, ow plässt de Id'A 
pbyfique (ow peut-Eive mi de Tune ni de lenıre) 
pour bus de decowvrir les lois de la Natare par 
que fon auteur s’efl propofee en erabliffans ces 
Cette Theorie efl fondie für des axiomes 7 
mais fi pes ficons, et fouvent fi trompenrs , 
rien ne je fais fans raiſon [uffjante, que la mı 
agit soljours par les vores les plus fimples, e 
quelques autres aujfs certains, et auf inztiles, 
Chaneelier Bacon, qui avoit jenti, cumbien cegte 
niere de philofopher @toit une voie ſterile ponr le. 
sowvertes, la comparois avec beaucoup de fineffe 
verite, Anne vierge confacrte 3 Dicu, qui we 
dais rien, 


1 la de de Mr. Leibnise 
e incipe,. mais moins, c£ 
[ == Fßcelmi de coniradidion. Url 





274 IV Abh · Von Gott und göttlichen 


Grund, weder der Dinge ſelbſt, noch finer Edge 
defimmern. Konnten die Endurfachen gar nicht 
aus ber Naturlehre vermiefen werden, ohne bie er⸗ 
— der Beet iſt und Grundwiſſen. 
ft, das iſt, aller —— 
pe a vorth) 
griff von eynung weid 
den ® Lerndnfie vr ke no ö 
iſt wohl eine grünbli fatıı ſel 
de, als eine « Erteridmg bes, zureichen 
des ber Begebenheiten, Bd se N 
dem Wefen der Dinge ohne Widerfpuud) 
Allgemeine Wahrpeiten und "Grundfä 
nice unfeuchebar feyn, weil fie den € 
übrigen Wahrheiten in fich az af 
dennoch ben einigen, gleichſam als 
Jungfrauen im Kloſier, nichts, fo ik die 
entweder an deren Unvermögen ſeyn, bey 
fie wohnen, oder daß fie ein übereiltes © 
than haben, ſich ihrer zu enthalten, 
In der That find jedoch gebachte $ 
fen Schönen fo abhold nicht, Daft ſie ſich 
zum öftern bedienen follten, aber es muß u 
wiſſen; und fie find mit ihnen jo weit ı ohl zu 
den, wenn fie nur nichts zur Welt bringen, 
Abſichten hat. Ein Unglüc für geibnig, da er —* 
Pe daß fie auch mit Abſichten Fhmarigerge 
‚Aber 
38 “Ich bediene mich dieſer Audbrücke nicht, ‚ua 


darinn einen Wig fuchete, ſondern mur RR 
wenn ja Bacons Ausdrud, nach Herrn 

























276 IV Abh. Bon Gott und göttlichen 


phufif ausmachen, ben Seite fegen, und nur fr 
gen, theils, ob fie an ſich Grund haben; - teile, ı 
l 





ſehr wohl bemerket. Ca Mettrie nennet ed dah 
auch ein Nincipe de Syfieme, Man ſiedt aber da 
aus, warum bie Herren dem zureichenden Gral 
oder vielinehr der Vernunft, felbft feinb- Werbe 
weil fie-fürchten, fie möchten Dadurch auch zum 
kennt niſſe der Endurfachen geführes ıberden. , _ I 
bedane, daß ic diefen Gas au noch —7— 
ner ungegruͤndeten sleute verflandlich du. 
ben Urfache habe. Leibnitz jaget mis Diefam Bu 
dructe 3 To —— oder 
woraus I ig verſtehen laßt, waruu 
(ev, nicht® anders, ais mas daB Wort Prind 
überhaupt ımbeutlich faget: eritlich, alles * 
ge, woraus man völlig verſteben kann, warnj 
was in einem Dinge innerlich möglich ober A 
wendig ſey; (das ift, ein Principium effendi ud 
das Weſen und Wefensliche;) imgleichen Dadjanig 
woraus men völlig verftchen kann, warum ers 
wirklich fey oder werde; ( Principium fen, di 
die wirkenden Urfachen mit ihren Kräften mad & 
ven Regeln und Maage ,) ferner, dasjenige, worin 
man vollig veritehen kann, warım etwas abe M 
ober warum unfere Gedanten mit ben Dingen, zu 
- mit einander übereinflimmen ; (Principium cogitan 
di, oder die G.undiage aller Wahrheitenz) embikl 
dasjenige, woraus man völlig verfiehen kann, war 
Pin vente oer De Grinbe Dr freien Gap 
pium volendi, oder Die Gründe ber freyen 
lungen und Gittlichfeit.) Meynet nun jemand, 
daß man ohne Principe, zureichenden Grund, d. i 
ohne Verſtand und Einficht, mag einem belichet, von 
ben Dingen bejahen und verncinen Fönne, und 
Diefer Zwang nur ein Principe de Syfteme fig: 


% il ine wilde il i h 
AU ma —— 





278 IV Abh. Bon Gott und göttlichen 


Naſe, Mund und alles Gefühl zu ergögen, un) 
nicht allein mit $uft zu leben, fondern auch unjer 
Geſchlecht fortzupflanzgen. Hiermit ſtimmet der 
Bau unfers ganzen Seibes, befonders der Werk⸗ 
zeuge unferer Sinnen, und der Jeugungsglieder in 
beyderley Gefchlechtern, ferner aber das Daſeyn 
und die Befchaffenh:it anderer äufferlichen Dinge, 
und die Kegeln, wornach fie auf unjere Sinne wir 
fen, Furz, die ganze Natur überein. Wir fuchen 
Erfenneniß der Dinge und ihrer Lrfachen, haupt» 
fächlic) aber ein Vergnügen an der Schönheit und 
Ordnung derfelben, endlich aud) eine Zufriedenheit 
an unfern eigenen Handlungen. Hiermit jlimmen 
abermals die ganze äufferliche Welt, und unfere ei⸗ 
genen Eeelenfräfte, und deren eingepflanzere Regeln 
überein: und wie die Welt alle Wiſſenſchaft und 
Kunft, alle Schönheit und Ordnung in der Wirk⸗ 
lichkeit enthaͤlt, fo find unfere Seelenfräfte, nad) 
ihren cingepflanzeten Regeln, fähig, eine Einficht 
davon zu faffen, und ein fühes Vergnügen daran 
zu nehmen. 

Num fraget fih: ift diefes Verhaͤltniß, und 
dieſe Liebereinftimmung der Dinge mit unfern Nei— 
gungen, ein bloßes moralifches Weſen, eine bloke 
moraitche Uebereinftimmung, ein bloßes willführ. 
liches Verhaͤltniß, das wir Menſchen nur nad) un 
fern Abjichten erfchaffen und allgemein gemachet ha⸗ 
ben? Das wäre lächerlicy zu fagen, und wider 
alle Wahrheit. Die Dinge felbit, ſowohl als wir, 
und ihr Verhaͤltniß zu uns, find wirklich, und das 
Berhältnif zu unsift in der Natur und ihren Kröf- 
ren und Megeln gegruͤndet. Unſere Gedanfen, 

Neigun⸗ 


Kunftgriff bey dem Herrn B. 

metfet: wenn er gegen eine Ers 

gen Schlüffe, die ihm nicht anſte ⸗ 
fo-fpricht er nur, um ſolche ver 

nn foiifüelich: — darinn bes 


müffen es 
een. enn, wer das Verhaͤlt · 
und ofe unfeen Willen Be 
"ausgiebt, ‚der. verjährt in folchem 
4 Urtheile 











>55 IV Abh. Won Gott und göttlichen 


Urtheile ſelbſt willführlih, und hat nicht Die Wahre 
heit der Dinge, fondern bloß feine Abneigung zum 
Grunde. Wir werden unren ned) mehrere Bey⸗ 
friele folches Verfahrens zu beobachten Gelegenheit 
haben. Sollte man dem Deren B. feine willführs 
fihen Säße und Hnpotbefen nehmen: was bliche 
denn von feinem ganzen Syſteme übrig ? 

Wir verfichen, ja wir fühlen demnach, daß 
das Verhältniß und die Licbereinflimmung der Din⸗ 
ge mit unfern Neigungen und mit unferm Wohl, 
das ift, die äuffere Vollkommenheit der Welt, in 
der Natur ſelbſt, und nicht in unferm Willen, 
Grund habe. Nun frage ich weiter: woher koͤmmt 
denn diefe Uebereinſtimmung mit unferm Wohl, 
oder die äufjerliche Vollkommenheit der Wele? Iſt 
Diefe Frage vnnuͤtz? fo müßte die Sache ſchon aus 
der Welt oder Natur felbit vollig verftänblich ſeyn; 
oder, mit Leibnitz zu reden, fo müßte Die Welt und 
Natur völligen und zureichenden Grund diefer Les 
bereinftimmung in fich halten, und diefe folglich 
fihlechterdings nothwendig fern. Aber eine duffere 
liche Vollkemmenheit und Uebereinftimmung eines 
Icblofen Dinges, mit einem anderen, kann nicht 
ſchlechterdings nothwendig fern, und in ihm felbft 
Grund haben, weil ihm alles einerlen ift, und feine 
Beſchaſſenheit fo wenig, als feine Wirflichfeit , 
durch fein eigen Weſen beſtimmet wird; fondern, 
mie eine jede leblofe Mafchine, von einem Werke 
meifter, um der $ebenbiren willen, oder in Abſicht 
auf deren Mugen, feine Wirflichfeit und Einrich⸗ 
tung befommen haben mug. Durch diefe Abſich⸗ 
een wird das Dafeyn und die BVeſchaffenheit der 

Welt 


der fager: Diejenigen , 
! iffe Dit banden 
lie 





B \ 


282 IV 965. Bon Gott und göttlichen: 


Abſicht geweſen. Wie kann er aber ſo tree: 05 
gen, die e Derbältnuffe der Sachen zu ıms bin 
ten gar keinen Kinfluß in ihren — 
Vielmehr wenn keine gewiſſe Abſicht bey 
loſen Dinge voraus geſetzet wird, welche ein 2 
enfimmerdes Verpättniß miclbern Muse Ber ie 
benbigen fucher: fo fälle fo gar aller Beneilf feines | 
Weſens und feiner Beſchaffenheit und 
weg. Go lange man nicht weis, was 
Milz, Pancreas, und andere Gefäße, in den 
lichen unb th feifhen Leibern für Nugen ı 
richtung haben: fo kennet man dieſe 
noch nicht, Ein jedes Ding in der Welt, 
Nugen in bem Zuſammen han ge wir 
wiſſen, iſt ung wie ein unbefanntes ger J — 
Inſtrument, eine unbefannte Mafchine, MB 
man nicht bie Abſicht einer Ubr Sie, der je | 
’ 
9 


IHM 


den Mafibine, d.i ihr Rerhältniß mie berm Dupen; 
der Menfchen feßet; fo weis man nicht , Kaas eine 
Ubr, eine Muͤhle oder jede Mafchine 7% und will 
man fie mit Verftand als wirklich und ſo beſchaffen 
gedenken, mie fie ift; fo muß man fid) auch geden· | 
fen, daß diefe Abjicht einen Werfmeifter bewogen | 
Habe, fie hervor zu bringen, und ſo einzurichten. 
$ 18 

So ferne hat demnach die Betracheung 
Abſichten in di; Natur vernünftigen Grund. 
hilfe fie ung etwas im Erfennmiffe der 
ober ift fie vielmehr da, als unnuͤtz — 
zu entfernen? Ich halte dafür, man fi 
Sachen zu viel und zu wenig thun. 


fr 


Hl 






—— haben, wozu 
fepn, und wie fie wirken müßten: fo wuͤr · 
bie miehreneheils irren, hoͤchſtens nur 


fein auf ber andern Seite geht man auch zu 
8 ob man aus den Endurfaden, nicht ein- 
Zugiehung der Naturgeſchichte, neue 
in der Naturlehre, von dem Daſeyn 
Dinge, von ihrer Beſchafſenheit, und von 
Met der Wirkung, endeten kͤnnte. Wer 
Hfinbungen umgegangen ift, der weis 2 





I 
. 


274 1V Abh. Bon Gott und göttlichen 


Grund, weder der Dinge felbft, noch feiner Säl 
befümmern. Konnten die Endurfachen gar nid 
aus der Naturlehre vermiefen werden, ohne bie e 
ften Regeln der Vernunftkunſt und Grundwiffe 
fhaft, das ift, aller Wahrheit, zu verachten 
Eollte diefe Art zu denken einen vortheilhaften B 
griff von ihrer Mennung geben, welche aller wi 
den Vernünfteley ein weites Selb eröffnet? Od 
iſt wohl eine gründliche Naturlehre felbft was aı 
bers, als eine Erforfchung bes zureichenden Or 
des der Begebenheiten, welcher mit der Natur Im 
dem Wefen der Dinge ohne Widerſpruch befleht 
Allgemeine Wahrheiten und Grundfühe koͤnne 
nicht unfruchtbar feyn, weil fie ben Samen all 
übrigen Wahrheiten in ſich halten. . Gebäßren fi 
dennoch ben einigen, gleichfam als die 
Jungfrauen im Klofter, nichts; fo wird die Schul 
entweder an deren Unvermögen ſeyn, bey welche 
ſie wohnen, oder daß ſie ein übereiltes Geluͤbde ge 
than haben, fic) ihrer zu enthalten. . 

In der That find jedoch) gedachte Herren bis 
fen Schönen fo abhold nicht, dafs fie ſich ihrer nid) 
zum öftern bedienen follten, aber eg muß nieman! 
mijfen; und fie find mit ihnen fo weit wohl gufrie 
den, wenn fie nur nichts zur Welt bringen, wa: 
Abjichten hat. Ein Unglück für Leibnitz, da er ent 
Beeren daß fie auch mit Abfichten ſchwanger ge 


hen 
Abe 


38 Ich bediene mich dieſer Ausdruͤcke nicht, als ob id 
darinn einen Wig ſuchete, ſondern nur zu zeigen 
wenn ja Bacons Ausdruck, nach Herrn 9° Alem 

ber! 


eusspegnEgägsggasgsässnttt 
ee ji 


E 


nun 


HE 





276 IV Ah. Bon Gott und göttlichen 
phyſik ausmachen, ben Seite ſehen, und nım fe 
gen, theils, ob fie an ſich Grund haben; - teile, 


ſehr wohl bemerket. 2a Mettrie nennet es dah 
auch ein Principe de Syfteme, Man ficht Sa 


aus, warum bie Herren beim zurcicbenden 
der vielite e Bernunft ‚ felbft Feind 
inc de firaten fe 1 bauch zu 












chen habe. Leibnitʒ fa, 
dructe des zuveichenden Grundes, oder bei 
woraus fi ur, verftehen laßt, warum 
fev, nicht8 anders, ald was das Wort Pı 
überhaupt undeutlich fager : erſtlich, alles. 
‚ge, woraus man voilig verjtchen fan, warı 
was in einem Dinge innerlich möglich ode 
wendig ſey; (das iff, ein Principium effend 
Las Wefen und Wefentliche;) imgleichen. m 
woraus men völlig verſtehen kann. warum. 
wirklich fey oder werde; (Principium fien 
die wirkenden Urſachen mit ihren Kraften m 
ven Regeln und Maafe ,) ferner, Dasjeni 
man völlig verſtehen kann, warım etwas wahr 
oder warum unfere Gedanken mit.den Dingen, in 
mit einander übereinffinmen ;_(Principium cogitan 
di, oder Die G:undjage aller Wahrbeitenz) embiid 
dasjenige, woraus man völlig verfichen kann, war 
um man etwas wolle oder wollen müůjſe; (Prind 
pium volendi, oder die Gründe der freyen Hard 
lungen und Gittlichfeit.) Weynet num jemand 
daß man ohne Principe, zureichenden Grund, d. ü 
ohne Verſtand und Einficht, was einem beliebet, von 
ben Dingen bejahen und verncinen Fönne, und 
Diefer Zwang nur ein Principe de Syfieme fig: 
tann man ibm feine wilde Finde gern 
Wil man neh eine napere Erklärung haben, mei 


& 








278 IV Abh. Bon Gott und göttlichen 


Mafe, Mund und alles Gefühl zu ergögen, un) 
nicht allein mit $uft zu leben, fondern auch unjer 
Gefchlecht fortzupflanzen. Hiermit ſtimmet der 
Bau unfers ganzen Seibes, befonders der Werk⸗ 
zeuge unſerer Sinnen, und der Zeugungsglieder in 
beyderley Gefchlechtern, ferner aber das Daſeyn 
und die Beſchaffenheit anderer äufferlichen Dinge, 
und Die Regeln, wornach fie auf unfere Sinne wire 
fen, Furz, die ganze Natur überein. Wir fuchen 
Erfenntniß der Dinge und ihrer Urfachen, haupt 
fächlic) aber ein Vergnügen an der Schönheit und 
Ordnung derfelben, endlich aud) eine Zufriedenheit 
an unfern eigenen Handlungen. Hiermit fiimmen 
abermals die ganze äufferliche Welt, und unfere ei⸗ 
acnen Seelenfräfte, und beren eingepflanzete Regeln 
überein: und wie die Welt alle Wiffenfchaft und 
Kunſt, alle Schönheit und Ordnung in der Wirk: 
fichfeie enthaͤlt, ſo find unfere Seclenfräfte, nad) 
ihren cingepflanzeten Regeln, fähig, eine Einficht 
davon zu faſſen, und ein ſuͤßes Vergnügen Daran 
zu nehmen. 

Nun fraget fih: ift diefes Verhaͤltniß, und 
Biete Uebereinſiimmung der Dinge mit unfern Nei⸗ 
gungen, ein bloßes moralifches Wefen, eine blofe 
moraliſche Uebereinftimmung, cin bloßes willführe 
lidyes Verhaͤltniſß, das wir Menfchen nur nad) un 
fern Abfichten erfchaffen und allgemein gemachet ha- 
ben? Das märe lächerlicdy zu fagen, und wider 
alte Wahrheit. Die Dinge felbft, fomohl als wir, 
und ihr Verhäaͤltniß zu uns, find wirflic) , und das 
Verhaͤltniſ zu uns iſt in der Natur und ihren Kraͤf⸗ 


ren und Megeln gegruͤndet. Unſere Gedanken, 
Meiaun⸗ 


fen Runftgriff bey dem Herrn B. 
gegen eine Er 

jer gegen Schlüffe, die ihm nicht anſte ⸗ 
fo fpricht ex nur, um ſolche verhaßt 

= ‚tolllühelid: = darinn ber 
Wir müflen es 

umkehren. wer das Verhält · 
2* unſern Willen wirklich it, 


u, de a 
Urtheile 








250 IV Abh. Von Gott und güttlichen 


Urtheife felbft wilſlkuͤhrlich, und hat nicht Die Wahre 
heit der Dinge, fondern bloß feine Abneigung zum 
Grunde. ir werden unren noch mehrere Ber 
friele folches Verfahrens zu beobachten Gelegenheit 
haben. Eoflte man dem Herrn B. feine willführs 
fichen Säge und Hrpotbefen nehmen: was bliche 
Denn von feinem ganzen Spiteme übrig ? 

Wir verfichen, ja wir fühlen demrad), daß 
das Verhaͤltniß und die Uebereinſtimmung der Dins 
ge mit unfern Neigungen und mit unferm Wohl, 
das ift, die aͤuſſere Vollkommenheit der Welt, in 
der Natur felbit, und nicht in unferm Willen, 
Grund habe. Mun frage ich weiter: woher koͤmmt 
denn dieſe Uebereinſtimmung mit unferm Wohl, 
oßer die aufjerliche Vollkommenheit der Welt? Iſt 
dieſe Frage vnnuͤtz? fü müßte die Sache ſchon aus 
der Welt oder Natur ſelbſt völlig verſtaͤndlich fon; 
oder, mit Leibnitz zu reden, fo müßte die Welt und 
Natur völligen und zureichenden Grund diefer Ue⸗ 
bereinftimmung in fich halten, und diefe folglich 
fhlechterdings nothwendig fern. Aber eine äuffere 
liche Vollkommenheit und Uebereinftimmung eines 
Ichlofen Dinges, mit einem anderen, fann nicht 
ſchlechterdinas nothwendig fern, und in ihm felbft 
Grund haben, weil ihm alles einerlen ift, und feine 
Beſchafſenheit fo wenig, als feine Wirflichfeit , 
durch fein eigen Weſen beftimmer wird; fondern, 
tie eine jede leblofe Mafchine, von einem Merk: 
meifter, um der Lebenditzen willen, oder in Abſicht 
auf deren Nugen, feine Wirklichkeit und Einrich 
tung befommen haben mug. Durch diefe Abjiche 
een wird das Dafeyn und die Beſchaffenheit der 

Nele 








282 IV Abh. Bon Gott und göttlü 


Abficht gemefen. Wie fann er aber fo I 
gen, die Verbälmfje der Sachen zu 
ten gar Beinen Einfluß in ibren Ur 
Vielmehr wenn feine gemiffe Abficht bey « 
fofen Dinge voraus gefeget wirb, welche 
einftimmendes Verhaͤltniß mit dem Muß: 
benbigen fuchet: fo fällt fo gar aller Bent 
Weſens und feiner Befchaffenheit und W 
weg. Go lange man niche weis, w 
Milz, Pancreas, und anbere Gefäße, in be 
lichen und thieriſchen $eibern für Mugen ı 
richtung haben: fo kennet man biefe Gef 
noch nicht. Ein jedes Ding in der Wel 
Mugen in dem Zufammenhange wir m 
miffen, ift uns wie ein unbekanntes niathe 
Inſtrument, cine unbefannte Maſchine. 
man nicht die Abjiche einer Uhr, Mühle, 
ben Mafchine, d. i ihr Verhaͤltniß mit der 
der Menfchen feet ; fo weis man nicht, 
Upr, eine Mühle oder jede Mafchine ſey: 

man fie mit Verftand als wirklich und fol 
gedenken, mie fie ift; fo muß man ſich au 
fen, daß diefe Abjiche einen Werkmeifter 
habe, fie heroor zu bringen, und foeinzuri 


$. 18. 


So ferne hat demnach die Betrach 
Abfichten in ber Natur vernünftigen Gru 
hilfe fie uns etwas im Erfenntmiffe der 
oder ift fie vielmehr da, als unnüg und 
zu entfernen? Ich halte dafüe, man 1 
Sachen zu viel und zu wenig thun. 2 


Abfichten in der ⸗Welt. 263 






— haben, wozu fü en 
und wie fie wirfen müßten: fo wüͤr · 
eds irren, böchftens mur 


auf der andern Seite geht man auch * 

‚als ob man aus den Endurſachen, nicht ein. 
Zugiehung der Naturgefchichte , neue 
in der Maturfehre, von dem Dafenn 
Dinge, von ihrer Befchaffenbeit, und von 
e Art der Wirkung, entdecken finnte, Mer 
Erfindungen umgegangen iſt, der weis. wohl, 


x 





284 IV Abh. Von Gott und’gättlichen 


daß man die Natur durch mancherley Wege be. 
fehleichen müffe, und wird leicht begreifen, md 
was fi), aus der Verbindung allgemeiner Süße 
mit ben befonderen der Erfahrung, ſchließen laſſe 
Wie ich nun auf die Weiſe oben die Regein ange 
geben habe, wornach man, aus der all 
Sehr der Schöpfung, bie beſonderen 
fließen kann: + fo taffen fich auch Wege 
worauf man die Spur zu den Mitteln bee‘ | 
ten in ber Natur, und. beren Art zu wii s 
Aber ich will hier Die Sache lieber augen! t 
durch Beyſpiele bewähren. 

Ich habe oben ſchon einige ee 9 
wie das argumentum analogix, oder der E 
aus der Yehnlichkeit der Dinge, inber Pi rn 
haft, mit großem Vorteile gebraucht — es 
ſich doch hauptſaͤchlich auf das Berhältniß 
als Mittel, mit einer ſchon bekannte me 
Abſicht, gründet *, * So geben auch die 
Weisheit theils Irrtümer, theils — in 
der Naturlehre zu erkennen. 
fen die Alten, Anaximander, —S—— Kr 
ftscchus von Samos, Plars und Ylicetas, von 
Syracus, ıc. woher Copernicus, daß die Erde 
fi bewegen müßte? Sie wußten Diefes gereißinoc) 
nicht aus Erfahrungen, oder befannten. Bere — 
gungsgefegen, darzuthun. Sie ſchloſſen es bloß 
abge, weil es ungereimt ſeyn würde, daß das, - 






+ Siehe oben $ 4. p. 212. 
"Eiche $ 8. p. 224. 


leweiſe als wahr und richtig 

v deren alles vr Belt in 

, nirgend eine füche ‚oder ein 

der Natur anzutreffen iſt, iſt nichts, 
dei — er we, 

2 nicht 

m olumbus fich vielleicht auf 

Br tes Nee A aus 

le vero En ran jes 

H fo * 8 an uͤch 


em Briefe, bep dem Hru Asnig 
a Fe penje 
vire, due iuutes les 
— dent Pafleınblage fo 
gr. ’ En 
2 ——— Tara den 
Tunion ne fenffre pas qı'om en place d’ autres eure 





—— 





286 IV. Abh. Bon Gott und gt 


nicht allein viele Irrthuͤmet aus ber Naı 
verbannen, fondern auch viele unbekam 
heiten zu entdecken. Leibnitz fohließt 
gewilfen Gelegenheit baraus: *° daß au 


denx, a canfe que cela margquereit da de 
Ti elion — Teus les ordres des Es 
we 8 qu'une [eule chalne, dans lagı 
ferentes elalfes comme antans d'anrıcanı 
dtroitemens les unes aus antres, qu’ilef in 
fıns a à Pimagination de fixer pröcifem 
ou quelqu’ume commence, on finit. iſ 
ſchon einen Begriff von dieſer Naturk 
wenn er T. IT. Opp. p. 549. B. ſchreibt: 
C ruhe awıyur are var ayoxar 
dd Tor Carrus mir, ovn ru dd dur, 
u Kausav puxeor —W ꝰ. rise⸗ 
ewsyyus erde. Die morgenlaͤndiſche 
chiſchen Weltweifen haben eben diefe Regı 
tigfeit auf die Geifterwelt augewandt. 
40 Eben dafelbft p. 45. Ainfi Texiflence de 
par exemple, ou comme Buddens les nomm 
Animanx, n'a rien de monſtrueuxi mais 
convenable à Pordre de la Nature, qui 
£&t stelle ef} la force du Principe de com 
moi, que mon ſculement je ne ferois px 
d' apprendre, qu’on eut trowve des Bires, 4 
port à plufiewrs proprietes, par exemiple, 
nourrir, om de fe multiplier, puillent of 
vegétaux & auf bom droit que pour des 
et qui renver ſaſſent les rigles communes, | 
Jwppoftion d’une feparasion parfaite et ı 
Aiferen ordres des Etres imultanes, qui 
V Univers ; j’en ferois fi peu etoune, dis-z 
me je ſuis convaincu qu'il doit y en av 
que P’Hiflvive nasurelle parviendra peus 
eonnoisre un jonr quand elle anra itudiò 








258 IV Ash. Von Gott und göttlichen 


fey in ber Erbe oder im Waſſer, entdecken würde, 
Und fiehe, Daß er aus diefer Regel der Weisheit 
richtig gefchluffen habe, das hat die neuere Erfal» 
rung beftätiget, da man folche thierartige Pflan⸗ 
zen wirklich gefunden; id) meyne die Polypen des 
Trernblen, welche in ihrer Vermehrung, auch wenn 
fie zerfchnitten find, und die Corsllen und Ma⸗ 
dreporen , welche bendes in ihrer Vermehrung 
und Nahrung für wahrhaftige Pflanzen zu halten 
find, und doch ein Leben haben. Daher zweifle 
ich nicht, Leibniz habe Recht gehabt, zu fagen, “ 
daß fein Grundſatz zur Entdeckung vieler andern 
wichtigen Wahrheiten dienen würde, wenn man 
ihm nachgienge. 

Wenn mir nachforſchen, woher Newton ges 
folgert habe, daß Die Pol= Are der Erden fowohl, 
als aller übrigen Planeren, Fürzer feyn müffe, als 
der Durchmegfer Des Aequators; oder daß Die Erbe, 
ihrer Ruͤnde nach, fo zu reden, einer Pomeranze 
ähnlicher ſeyn müfle, als einer Eitrone: fo findet 
ſich, daß er zwar viele andere ſonſt befannte Wahre 
beiten zum Örunde geleget, aber dag doch gutem 
Theils auch die göttlichen Abfichten, und die Wahl 

des 


au Eben daſelbſt: Ze Principe de Continutte eſt done 
kurs de dunte chez mit, et pourreit ſervir a etablır 
plufeurs verites importartes dans la veritable Phile- 
Sophie, laqaelle s’elezant au-deljus des fens ee de 
Vim.sinatıon, Cherche lorisine des Phenomenes dans 
les Rezions intelleöluelles. Fe ne flutte d'en acuir 
arelgwes idees, wait cc fiecle n's/t point fait pom ls 
recerir. 





i 





290 IV Abd. Von Gott und göftlicher 


mie Waffer bedeckt tft, fo würde diefes fluͤſſ ig 
ment, bey dem Dreher, ven ven fihmereren 

len, Das iſt, von den Polen, zu den leichteren, 
gegen den Aequator hindrängen, und daſelbſt 
aufſchwellen, und folglich alles Land überfch 
men und unwohnbar machen; gleichwie das uͤl 
nad) den Polen, der mehreſten Fluͤſſigkeit beı 
und dürre bleiben würde. 

Nenn Newton dieſes allein von der - 
fchlöffe: fo möchte man fagen, er gründe fich 
auf die Erfahrung, daß die Erde um den Aeqr 
wirflich bewohnt fey. Allein, da er es auf 
Planeten zieht, fe gründet er ſich auf die « 
meine Abſicht des Schöpfers, und die weif 
Mittel dazu, Er ſetzet: Die Planeten muͤſſe 
ihrer Bewegung ein Gleichgewicht haben. 
warum das? kann fich eine Kugel nicht. 
ſchwankend bewegen ? nicht um den Aequator 
lauter Waſſer überfhwenme feyn? Es iſt an 
möglich), und Fein anderer Grund, daß folches 1 
zu ſeyn gefchleffen wird, als in den weifen und 
tigen Abjichten Gottes, damit die Planeten I 
wohnbarer wären für die Lebendigen. 

Ich muß diefem Benfpiele ein anderes von 
Entdefung des Hrn. "Johann Bernoulli hi 
fügen. Der batte gefunden, daß fich ein Koͤr 
beym fchief hängenden Ablaufe, am geſchwinde 
in einer Eycloidenlinie bewege. Nun ſetzet er 
der fchiefen Brechung des Sichtg in unferm Du 
Ereife zum Orunde, das Sicht muß fich fo geſchwil 
als nur möglich it, bewegen. Demnach ſchl 
er, dag das Licht durch unfern Dunſtkreis in eı 

Cycli 








292 IV Ah. Won Gott und göttlich 


Und felbft der Hr. von Maupertuis 
fein Gefeg der Sparſamkeit, oder > 


p: 156. ſqq.) Babilivis, vadium Iuminis es 
rariori in denfins twanseunien it 7 | 


denfrasum id ie pr 
yeciproca s id of in fa r 
media penstrat. 


citætum, quibus 


. poflea acntifimns —* in Allis 
1682. p. 185. fqq. es mox celeb, R 
aractatu de Lumine p. 40. ſucciuctius j 

ipſumque principium f „ VEL MET. 

CVM POTIVS — vali is argumentis 4 

runt. (Eben dafelbft p. 192. ſchreibt er: A 

fisiom, non poſſum, quin iteram adıniration 

prodam. animo revolvens inex ſpectatem illem 
re Tautochronz Hugeniana noflrague Bi 
Zuod motabile præteres exifiimo , ; 

nd bee entitas in [ola bypetbefi elileive 
ade we ve ex eo conjicere liceat, iſſam mas 
wod quemadnodum [tmper 

ee mode m kein, its et bie per mar, 

* 22 præſter duo diverfa oſſtia, cum 

vis alia bypotbef duabus ad id opus efee I [20 

sempe pro ofcillatiosibus ein dinsurnis, et 
selerrimo defcenfu. Ebender Hr. Bernoull 

er T. IV. p. 265. ſqq. den Mittelpunkt der 
ve, um welchen ſich ein jeder gewirbelter 
auf einer Flaͤche von ſelbſt drebet, durch anl 

Fern ungen gefunden hatte, verſuchet auch p. 

be aus der Regel der Weisheit zu 

* daß namlich die Natur, wenn man fü 

reden, den Punkt ſelbſt wählen laͤßt, allema 


\ 








294 IV A6h. Von Gott und göttlid 


Dadurch nicht benehmen , daß er dieß al 
Principium auf die Gefege der Bewegi 
mehrentheils glüclih angewandt habe. 

ob er die Fleinfte Handlung oder Bevegur 
halben richtig für das einfadyfte und Fürze| 
tel angenommen habe, das ift eine ander: 


der Uebereinflimmung, des zureichenden 
der Staͤtigkeit, des nicht zu unterfcheiben 
kuͤrzeſten Mittel x. für ſolche anſehen? 
ich habe ſchon darauf geantwortet: die Her 
chen ſie in der That, und wiſſens nur ni 
wollen es nicht wiſſen; brauchen ſie aber 

ber oft verkehrt. Und fo urtheilet auch | 
König in feinem Appel au Public, p. 105 
dem Hrn. Maupertuis, was den Satz der 
Mittel betrifft. Der Hr.v. Sontenelle har di 
fbon mit dem Namen der Sparfamteit I 
feinen Entret. fur la pluralit@ des Monde 
Soir. wo er das Eopernicanifche Syftema N 
dem Ptolemaiſchen in Bergleichung ſtellet. A 
U jembleroit, que vötre Philujophie efl u 
d’enchere, ou ceux qui offrent de faire les 
moins de frais, l’eınportent fur les autres. 
nelle: //efl vray, ei cewefl que par lag 
attraper le plan fur le quel Ia Nature a 
owvrage. Lille efl d’ une Epargne extrad 
gout ce qu'elle pourra faire d’une mauier 
eoutera un Pru moins, quand ce ımoins fer 
que rien, foyez füre quelle ne le fera qu 
maniere-la. Cette epargue neonmoins [acc 
une smaunificence furprcnnante qui brille a 
ee quelle a fait. C’efl que la magnificence 
le desfein, et Pepargne dans lexecution. Ih 
de plus beau qu'un grand desfcin qu’on e 
peu de frais. 





Abſichten in der Welt. 295 


Die allgemeinen Grundfäße laſſen fich auf die Jia, 
tur nicht anders fidyer anwenden, als wenn man 
andere erfannte Wahrheiten, und felbft Die Erfah. 
rung, zu Hiülfenimmt. Denn, wenn Bernonulie 
zu feinen Oberfaße, das Zicht muß fich fo ge- 
ſchwinde, als nur möglich, bewegen, den 
Unteriag willführlicdy angenommen hätte: Yun 
beweget cs fichin gerader Linie am geſchwin⸗ 
deften: fo würde er geirret haben; nicht, weil fein 
metaphyſiſcher Satz trieglid) war, fondern weil cr 
einen falfchen Unterſatz damit verbunden hätte, 
Da er aber vorher ausnemacht hatte, daß die Creloide 
diejenige ſey, in melcher ſich ein Körper im fehies 
fen Ablaufe am gefchwindefien beweger : fo mar ihm 
ber allgemeine metaphufifche Saß, im Verbindung 
mit einer ſchon befannten Wahrheit, fruchtbar, 
und erzeugte eine neue Wahrheit. 


6 19 . 

Ich Eönnte noch viel andere Beyſpiele der vor. 
nehmſien Mehfünitler und Waturfündiger anſuͤh⸗ 
ren, beren Erfindung ober Beweis bloß aus den 
Endurfachen und Kegeln der Weisheit gehofet 
vorden ift. Allein, id) will mich nicht ohne Noth 
Yamit aufhalten. Jedoch, wenn wir tiefen Mus 
sen der Endurſachen gleich bey Seite feßen; was 
inberts denn, daß diefe Betrachtung nicht wenig» 
tens mit der Maturlehre verfnüpft werben follte ? 
Niemand verftehe ein Ding aus dem Grunde, als 
er bie erften Urfachen davon weis ”. Wenn nun 
Tg die 

3 Beibnitz fpricht in einem Briefe, welchen Hr. Roͤ⸗ 


nig in feinem Appel au Public heraus gegeben, 
d. 5%. 





2956 IV Abh. Von Gott und göttlichen 


die wirfenden Urfachen an fich nicht verſtaͤndl 
find, fondern allemal die Fragen übrig laflı 
warum fie wirfen, und mas die Wirkung nuf 
folle: fo verweift uns die Maturlehre felbft « 
eine höhere Wiffenfchaft, die man mit ihr verb 
dep müffe. Kann man fagen, daß der die Naı 
der Thiere genugfam fennet, der bloß weis, d 
die Spinne ein Meg webet, der Storch bat 
fliegt, der Seefifch die Ströme hinan geht; u 
nicht weis, zu welchem Ende biefes sechie 

en 


p. 53. vom Cartefio: Auſſi mevent - il Point que 
Dien agiſſe ſuivant quelque fin, et ceſt pour celagq 
vetranche de la Pbilofopbie la recherche des cas 
finales, fous ee pretexte [pecieux , que nous ne fi 
mes pas capables de conneltre les fins de Dien: 
lien que Platon a fait voir que, ſi Dieu efl ! dat 
des chofes, et qw'il agit ſuivant la ſageſſe, la ver 
ble Pbyfique efl de favoir les fins et les ufages 
ebofes : car la feience ef} de ſævoir les raiſous 
les raifons de ce qui a êté fait par entendement, | 
les caufes finales ou defleins de celui qui lesa fai 
defquelles paroiffen. par Pufage et la indiion, qu 
Font, et powr cette raifon la confıderation de Pay 
des parties efl fi utile dans I Anatomie. Eben | 
felbe faget in actis Erud, 1682. p. 186. Itaque 
rant valde, ne quid gravius dicam, qui cauſas f 
les cum Cartefio in phyfica rejiciunt, cum tamen 
ser admirationem divine [apienti@, pulcherrin 
wobis principium pr.ebeant inveniendi earum quoqs 
ram proprietates, quarum interior natura non⸗ 
sam clare nobis cognita efl, ut caufis eſſiciens 
proximis uti, machinasque, quas conditor ad effe 
los producendos finesque for obtinendos adhil 
suplisare voltamus. etc. 





23258 


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. it alles \ 
um je ind morinn ihr Befen ber 
Ewigkeit rege und gefchäfftig 
Pe arbeite? Ohne die 


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am 
— 
⸗ 8 
⸗6 


298 IV Abh. Von Gott und goͤttlichen 


äuflerfte Abficht, welche alle Theile, und ſelbſt 
wirkenden Urfachen zur Uebereinftimmung gebra 
hat, iſt lauter wüftes Ungefähr, lauter Zerr 
tung und Unordnung in der Welt und ihren Be 
benheiten: nichts hänge meiter mit bem andı 
zufammen, als burd) leblofe, blinde und wm 
ftändige Urſachen, welche weder erflären, war 
die Dinge zugleich bey unb neben einander da fü 
noch warum: fie fo befchaffen find, oder in einen 
wirfen. Gelbft diejenigen, welche die Welt du 
eine. Reihe veränderlicher Dinge, die neben u 
nach einander find, erklären, geben einen gar 
trockenen, abgefonderten und unvelltommenen] Ü 
griff davon, nach welchem man auch denken naddl 
baf bie Uhr, daß der Baum, daß ber Hut 6 
Weit fer. 

Wenn wir aber bie Welt als cine Wehen 
aller möglichen $ebendigen anfehen , darinn al 
übrige um ber $ebendigen willen ift; fo HdBe‘ 
daraus allein verftänblich begreifen, warum? @ 
Pörperliche Welt da iſt, bie fonft für fich rt 
Dafenns nicht genießt; warum fie in fo vi 
Theile von einerlen runden Figur gertheilet, und ii 
Kugeln in felcher Ordnung und in ſoichem Abfte 
von einander geftelletfind, daß immer eine lichte v 
mehreren finftern umgeben wird; warum fidh | 
finftern Kugeln um die lichten waͤlzen, Tag -u 
Macht und Jahreszeiten haben; warum fie im 
nem bünnen Aether ſchwimmen, und mit ein 
dickeren Dunftfreife umgeben find; warum fie a 
fo mancherley Pflanzen, Bäumen und. Kraͤut 
befeger worden; warum biefe und jene allgeme 

ı 








ar —— — alle innere und aͤuſ⸗ 
it der Welt, alle Ordnung and - 
— der Theile, alle Weispeit und Kunft 





ers, in unfern Gedanken verſchwin⸗ 

hre Vergnügen der Seelen ar den - 

nn Muftern eines unendlichen Verſtandes, 

er | — ſeine Werke bilden konnte, 
mb, Aberſchwenglichen Güte und Vorſorge 


Erin und alle Sebendige, hoͤret gänzlich auf. 
alsdenn in ber ganzen Naturgefchichte 
i "nichts, als die Verſchiedenheit 


ber Figuren und die nächften Urfachen einer räum« 
ewegung; Dinge, die dem Gemüthe allein 
mg und Berupigung geben koͤnnen. 
nühfamen Beobachtungen und Verſuche zur 
if ber Natur werben, auffer dem Nutzen, 
meiden Künftler und Aerzte davon haben fönnen, 
ein bloßes Spielwerk und eine Zeit verfchwendende 
— Sollte es denn nicht erlaubt ir De 
gen 







Vertrauen zu bem allervollfonımenften Weſen, map 
von unſer Senn und Wohl abhängt, daraus gu 





300 V Abh. Bon befond, Abfichten Gottes. 
Mugen der —— allgemeiner und ebe⸗ 





ler zu machen, und unſern Geiſt ſowohl, als den 
teib, daraus zu beſſern, Regeln der Weisfelt und 
Güte baraus zu nehmen, Hochachtung, Hebe.:mub | 






fchörfen, und endlich unfere Hoffnung auf sin baf 
feres und bauerbafteres Seben zu flellen, : 
ung ber Schöpfer durch bie Natur verlangen heißt? 


Die fünfte Abhandlung. 


Don den befondern Abfichten Gorted in 
dem Thierreiche. | 


$ 1 
Ye Pönnen wir unfern großen Weg 58 
ſtoß weiter fortſetzen, nachdem alle 
niſſe weggeraͤumet ſinnd. Wir ſehen ein —* 
Ziel vor uns, das ung nicht irren laͤßt; unb.jerid 
ber wir ihm treten, deſto flärer und deutlicher muß 
es uns werden. Gott hat alles um —— 
willen, und. dieſe zu ihrem Wohl erſchaffen. Laſſet 
uns benn in das Thierreich hinein geben, und die 
befondere Ausführung diefer herrlichen Abfiche ge» 
nauer betrachten, Damit wir ein lebhafteres Bild 
der unermeßlichen Weisheit, Güte und Mache des 
Schoͤpfers erhalten, endlich aber auch) aufuns ſelbſt, 
und den vorzüglichen Zweck, wozu wir beſtimmt 
find, kommen mögen, 










w den Themreihe. 
Sy will die Orunbfäge, | ſch in wu 








b Bader Mic mit. allen Reife 
hat feine en 


5 alfo in Abfıhe auf felben, 
Eder Sehenbigen hat auch In fi fi 
d . 
—— Sehe um 
väft li 
ie m rn, the 


wiſſe Art des Sebens, der innern 
, uf und Glücfeligfeit ge: 


1:8: 
es und geſchieht alſo hiches In der Welt um · 
—— 

das in’ der Wele iſt wid geſchleht, das 
Äft und gefchieht,, — Abſicht des Schöpfers, 


5. les, was indiefeagemeinenäuffetften Abfiche 
der Schöpfung begriffen , "und den göttlichen 
man gemäß iſt, das iſt für eine 





iebt ei föeinüchke t j 1: 
ng edle nal Ar be * 
— vorhanden, und je — 


21. Wenn aber eine Vollkommenheit und ein 
Ken der Sebendigen, in der Beſch 
kann: 






Dinge den einzigen und nofbmendigen 
hat, und das Gegentheil nicht feyn 
Pr daß folche Beſchaſfenheit dieſe Ab 


if ee at De — S 
10 

genifes Ziel, Bas nich regen fan. —* 

13.58 ik der Weieoheit und Güte Gottes gen 


& 





in dem Thierreiche, 303 


bie bequemften Mittel zu den beften Abfichten 
zu waͤhlen. 

. Was alfo der Beſchaffenheit und Natur der 
Dinge, und den bequemſten Mitteln zur beften 
Abficht entgegen zu fenn erfannt wird, das füns 
nen wir nicht für göttliche Abſicht halten, 

. Je größer bie Mannichfaltigfeit der Lebendigen 
ift, je bequemer und einziger , in der Mannich. 
faltigfeit, die Mittel zu jeder Art bes Lebens 
und zu jedes Wohl find, und je größer das Mu⸗ 
ſter bes Verftandes, der Kunſt und gefchicften 
Mahl iſt, das fie ung geben; defto deutlicher er⸗ 
fennen wir darinn die göttliche Abficht, Weise 
heit und Güte, 


Diefer Grundföße werde ih mich nachmals 
ch zum Öftern bedienen; jeßt aber will ich nur 
yenerlen daraus folgern, welches Die Abficht des 
chöpfers in ihrer vollen Groͤße und nach ber offene 
wften Weisheit und Hüte barftellet. Erftlich fage 
‚ nach ber fechsten Regel: Wenn die äufferfte 
bfiche dee Schöpfung auf das Wohl der Lebendi⸗ 
n alfe mögliche tebendige befaffer, die noch irgend 
nes Örades der Gluͤckſeligkeit fähig maren, und 
nn es der unendlichen Weisheit, Guͤte und Mache 
ottes gemäß war, folche hervor zu bringen: fo 
: auch Gottes Abjicht wirklich gemefen, allemdg« 
he $ebendige von allen Arten und Stufen der 
tollfommenheit hervor zu bringen, und felbige' 
ıd demnach wirklich: in der Welt. Zweytens, 
ill ich nach der funfzehnten Regel zeigen, daß 
chts in dev Welt, zumal im IThierreiche, die 

Abſich· 





304 V Ah. Bon defond. Abfichten G 


Abfichten des Schöpfers, und die barinn [ 
Weisheit und Güte, flärer vor Augen leg 
die Triebe, Fertigkeiten oder Kuͤnſte ber unv: 
tigen Thiere. 
6 2 
Die allgemeine und äufferfte Abficht ber 
pfung auf das Wohl der Sebendigen heißt un 
lich fehließen, daß alle mögliche tebendige al 
ten und Stufen darinn begriffen find. Denn 
ift den unendlichen Vollfommenheiten Got 
wohl als feinem äufferiten Zwecke gemäß. 
alle mögliche Arten und Stufen ber innerer 
fommenheit und des Lebens in feiner Borf 
gehabt: er hat an aller möglichen Gluͤckſeligl 
$ebendigen einen Gefallen: und feine Mach 
alles, was er benfet, und mas ihm gefäll 
Wirklichkeit bringen. Warunı follte er feine 
tommenheiten nicht fo unenblich in der Scht 
ausgedruct haben, als fie in ber That find ? 
follte feiner Weisheit, Güte, oder Macht 
follte feinem Zwede der Schöpfung Schranf 
Gen? Ihm iſt alles mögliche Gure gleich fe 
bedenfen, zu ordnen, zu machen: alle mı 
Lebendige von jeder Art und Stufe der Glüi 
keit find feiner Abficht gleich gemäß und lieb 
rum follte er nicht allen das geben gegoͤnnet, 
die ganze Welt mit jeder möglichen Art und | 
der Luſt und Gluͤckſeligkeit erfüllet haben ? 
Die Regel der Stätigfeit, welche in dei 
kommenſten Weisheit gegründet iſt, leide 
Peine Luͤcke oder Zerrüttung in der Kette verfchi 
mic 





in dem Thierreiche. 305 


Salichen Dinge, die ein verfnüpftes Ganzes auge 
achen ſollten. Dergieichen leeren Raum in der 
eihe der Weſen (vocuum formarum) haben die 
:chulmeifen ſihzen, obgleich nach undeutlicher Ein⸗ 
ht, verabfi:cuer, und darum in der Stufenlei— 
r der Natur feine Sproſſe wollen fehlen laffen. 
Ne möglichen Grade der Vollkommenheiten ſchlieſ⸗ 
n fo feſt an einander, daß es unmöglich iſt, zwi⸗ 
ben ihnen weder einige andere zu erdenfen, noch 
liche wegzulaſſen. Wir haben aber die Schoͤ⸗ 
ung nicht andere, als einen Ausdruck folcher goͤtt⸗ 
hen Norftellung, anzufesen. Afle Vollkommen⸗ 
iten hängen in ihrer Wirflichfeit eben wie in ihrer 
ReglichFeit zufammen, wenn fie ein Ganzes aus: 
achen follen, Sie verhalten‘ fid) wie die moͤgli— 
xen Kegelſchnitte; moven Feiner in einem wirflis 
en Kegel fehlen Fan. Was auch dazwiſchen 
seggelejfen würde, dag Diebe ohne zureichenden 
yrund weg, und zerfrennete die Verbintung ; mas 
nter allen ausgelefen würde, Das wäre der Weis— 
et, die den Zuſammenhang uͤberſieht, entgegen, 
md machete das Ganze unvollftommen, 

Wenn wir aber die Welt, nicht nur denn 
Raume und der Zeit nach, fondern auch nach den 
Arten und Stuſen der Dinge, als voll und ſtets 
a einem fortgehend , betrachten: fo erfcheine ſie 
ing in ihrer wahren Vollkommenheit, als ein Werk, 
Jas des unendlichen Schöpfers würdig if. Denn 
ie Stufen der Vollkommenheit wachſen, eines 
Lheils, mit der Mannichfaltigkeit der Dinge, die 
nit einanber übereinflimmen: und Feine Manniche 
altigkeit kann größer fern, als die, welche alle moͤg⸗ 

1 Ihe 





308 V Abh. Ben beſond. Abjichten Gottes 


noch um ihrer ſelbſt willen, fündern blog um be 
Sehendigen willen fern. Denn an ſich genieße 
dieſe lebloſen Körper ihres Dafeyns nicht, und un 
iſt Das allerwenigfte davon befannt oder nugbar, 


Wie? wenn hier die einzige Inſel won Br 
tannien, oder-noch eine weit Pleinere, der Mald 
viſchen, allein $ebendige in fich hielte; der übrig 
Erdboden aber zur ewigen Wüfte verdammt wärt 
und alfo alle Thiere, die andermärts auf unfer 
Erdboden Icben fännen, febleten? mürden mir fo 
che Verfaffung mit einem zureichenten Grund 
zumal ben der gefegten Abficht des Schäpfers, z 
ſammen reimen fönnen? Wir müffen uns aber, | 
der Coſmographie, die ganze Welt als ein $aı 
mit vielen Inſeln vorftellen. Und da iſt un 
Erdboden gewiß eine fehr Eleine Maldiviſche Jr 
in den großen Weltmeere. Was wäre Denn 
ein Grund zu crdenfen, warum diefe Fleine J 
allein belebt, alles übrize aber tode und ohne ( 
pfindung wäre ? oder warum fo viele gleid 
queme Wohnungen der Sterne und Planeten 
eben ſowohl, als die Erdfugel, Defekt und I 
Fert worden? Woher wären wir denn allei 
Wirklichkeit werth? Was beftimmte diefe 7 
derung des Fleinften Theils der Welt von den 
gen Ganzen, wäre nicht die Welt größten 
ohne zureichenden Grund? 





Segen wir bergegen, daß alle möglich 
Dige, in verfchiedene Hauptelaffen vertheile 
lich find ſo has alles in der Welt feinen 5 





in den Ihierreiche 309 


den Grund *, Daß nämlich fo viele, fo grofe, 
und jo mancherley Weltkugeln find; das bar jeie 
nen Grund, weil nicht alle mögliche Gattungen 
er Sebendigen ben einer Are Luſt, Sicht, Wärme 
Nahrung und dergleichen beſtehen konnten: und 
weil fo viele Wohnhäufer Da ſeyn mußten, als ver 
hiedene Hauptgattungen der Lebendigen von einer 
Igemeinen Rehnlichkeit Der Natur möglich waren. 
s hat feinen Grund, daß die lichten Kugeln ins 
er mit einigen ſinſtern zuſammen gepaarct wor⸗ 
n; daß Diefe fich um jene bewegen; daß fie ver» 
jedene Tages: und Tchresiänge haben; daß fie 
h in gewiffer Weite von einander haiten; und 
33 ſonſt mehr in der großen Anlage der Wele 
obachter wird. Denn es gereichet alles Den Le⸗ 
ndigen zum Vortheile, weiches ohne Diefe umſonſt 
wm würde In Gore ſelbſt werden nunmehro 
hf ohne Urfache Schranken feiner Vollkommen— 
isen, oder ein bloger und beienderer Wille ohne 
zewegungsgrund, angenommen. Die Welt, fein 
3er, bekoͤmmt einen ſteten Zuſammenhang, und 
id cin Ausdruck und Spiegel feines unendlichen 

u 5 Vera 


Ey dachte ſchon Citero, nach de Platonis Anleitung, 
in Timao, five de Univerſo cap. X. ſect. 31. Quot 
igitur er quales animalium furmas mens, in ſpectem 
rerum intuens, poterat cernere, tütidem et tales in 
hoc mvudo ſecum cogitarit eſſiugere und cap. IV, 
Sect. 9. Onod pulcherrimum iz rerum natura intel. 
ligi putefl, et quod ex ommi parte abſulutil.S eſ, 
cum Deus fimilem mundum cfficere veller, animal 
unum, adjpedabile, in quo omnia animalts contiue- 
rentur, efjccit. 


[2 
. — u GE 


und aller übrigen Dinge Nefchaffenheit, € 
tung, Verfnüpfung und Kräfte zu den beque 
Mitteln diefes Zweckes geordnet; feiner ur 
chen Güte, da er einer jeden moͤglichen Art 
bendigen ihr geben, und ihre Arc der Luſ 
Gluͤckſeligkeit, deren ein jedeg in der Verknuͤ 
der Dinge fähig mar, gegoͤnnet; und feineri 
lichen Macht, Dadurch er aller fo mannichfo 
Dinge Wefen und Natur in der vollfomni 
Ordnung und Uebereinftimmung zur Wirfl 
gebracht, und ohne Abnahme oder Zerrüteu 
ftändig erhält. , 


$ 4 


Das Zweyte, was ich mir in diefer Al 
lung auszuführen vorgeſetzet habe, betrifft eı 
ausnehmend Benfpiel der goͤitlichen Weishei 
Vorſehung in ben Trieben der unvernün 


Thiere, welche allein genug find, einen jet 
Ahuntishuan nıl Asse WIE auch 





in dem Thierreiche. zu 


brauch und Mugen ber Theile, und durch 
ebereinftimmung mit jedes $ebensart, zum 
tniſſe Des großen Werfmeilters führen. Als 
*e Handlungen, Darinn fie taufenderley uners 
tünfte mit angebohrner Fertigkeit, zu ihrer 
es Sefchlechts Erhaltung, ausüben, enthals 
y Deutlichere Merkmaale einer höheren Ver 
velche für Die unveritändigften Thiere gebachr, 
en fo mandyerlen unverbefferlihe Erfindun- 
ihrem Beften, mit der Natur und Geburt 
Ben gewußt hat, dafi fie Diefelbe ſofort blind» 
und dennoch ohne Schl, ins Werk fegen 


am bemerfer nänılich ben allen Thieren, bie 
ernumft befigen, gewiſſe natürliche Triebe, 
te oder Bemühungen, dadurch fie dasjenige, 
nen die vollfommenite Vernunft zu ihrem 
zaͤtte anrathen Fünnen, ohne alle eigene Ue⸗ 
ng, Erfahrung und Lebung, ohne allen Un⸗ 
, Benfpiel oder Miufter, von der Geburt 
Feiner erblidy fertigen Kunft, meiſterlich zu 
en wiffen. Dergleichen Triebe weifen ung 
idenmürmer, Raupen und mehrere Inſe⸗ 
reiche fich zu ihrer Verwandelung in ein en 
8 fanftes Bette einfpinnen, oder in bie 
ergraben; die Bienen, wenn fie für fich und 
jefellfchaft abgemeffene Borratpefammern 
und Speife auf den Winter zufammen tra« 
ie Vögel, wenn fie zur Ausbrütung ihrer 
en Ener bequeme Mefter flechten, bie Eyer 
ausbrüten, und die jungen aus dem 
‚ oder mitzugefihleppter Speife füttern; die 
U4 u 





312 V Abh. Bon beſond. Abfichten G: 


Fiſche, wenn fie ihren Laich auszuſchuͤtten 
Reiſen in der See thun, und die ſuͤßen We 
Stroͤme hinan geben. Und überhaupt i 
Art unvernuͤnftiger Thiere, welche nicht, ſi 
Vernunft, ihre beſondere erb⸗ und eigentf) 
Sertigfeiten und Künfie, zur noͤthigen Ben 
Nahrung, Erhaltung, Vertheidigung un! 
pflanzung bekommen hätte, 

Man findet alſo in dem Thierreiche d 
kommenſte Kunft:una Werkſchule gebohrn 
ſter: nun ſieht darinn Erſindungen, mel: 
dem tiefſten Erkenntniſſe der Natur un) ! 
ſchaften geſloſſen, und zu jedes Nutzen ana 
find: man beobachtet in ihrer aller Haus 
gewiſſe Ordnungen, Regeln und Geſetze, 
nach jedes Beſchaffenheit und Umſtaͤnden 
eingerichtet, und ſowohl einzelnen Thieren, 
zen Geſchlechtern, erjprießtich find. Se 
nun Kunſt, Wiſſenſchaft und Klugheit 
Verftand und Abfiche, in Handlungen Ef 
ben Finnen; fo wenig kann man alles dieſe 
unverninftigen Thieren ſelbſt benmejfen. € 
baret fich darinn ein unendlicher Verſtand, 
aller möglihen Erfindung und Wiſſ 
urfprünglihe Duelle ift, und ein Mittel 
hat, der blinden Natur jeder Gefchöpfe h 
thigtes Theil davon, als eine Fertigkeit , 
pflanzen, Es vftenbaret fich eine unerr 
Weisheit, die nicht allein die Förperliche W 
den Thieren, und alle Theile der thierifcher 
nach ihrer Seelen Befchaffenheit, fondern < 
Säbigfeiten und Regeln ber Seelenkraͤfte 





in dem Thicrreiche, 313 


ines jeden beſtimmten Art des Lebens, aufs 
kteſte eingerichtet hat. Es offenbaret ſich eine 
Vorſehung, welche das, was jedem Thiere, 
einen weſentlichen Schranken, an Leibes und 
ikraͤften, zu feiner Erhaltung mangelte, durch 
hrne Fertigkeiten ſo weit erſetzet, daß alle 
dadurch in einer gewiſſen Proportion erhal⸗ 
erden. Es offenbaret ſich cine allgemeine 
welche aller moͤglichen Lebendigen Daſeyn 
wͤgliche Luſt und Gluͤckſeligkeit zur Abſicht 
yet, und bey denen unvollkommenern, durch 
nden Nafurtriebe, als durch die bequemiften 
I, zur Wirklichkeit bringen mollen. 
ch geftche eg gerne, daß mir diefe Betrach⸗ 
yes Thierreiches manche vergnügte Stunde 
nanchen Vortheil gefchafft bat. So uner⸗ 
ich ihre Mannichfaltigkeit iſt, ſo voller neuen 
iſe iſt ſie auch von einer unendlichen Weis⸗ 
nb Güte, welche in der Natur herrſchen. 
ehret mich Gott, die Welt, und mich ſelbſt 
erkennen, und ſolch Erkenntniß zu meiner 
eligkeit anwenden. In dieſer Naturgeſchichte 
ine leeren Wörter, Einbildungen, Hirnges 
, oder bloße Mutbmaßungen, mie in menfch« 
Schrgebäuden der Weltweisheit und Nature 
haft; fondern hier fieht man die Wahrheit 
r Wirflichfeit Flar vor Augen, daß man fie 
änden greifen kann. Hier ift fein folch Ge⸗ 
yon Unveritand, Ohnmacht, Eitelkeit, Ihore 
nd Bosheit, womit die Gefchichte und Er- 
tq von menjchlichen Händeln unfere Gedan— 
iten Freie erfuͤllet; jondern bier findet man 
Us lauter 





314 V Abh. Bon befond. Abfichten Gottes 


lauter Urbilder der Proportion, Schoͤnheit, Ord⸗ 
nung, Uebereinſtimmung, Abſicht, Weisheit, 
Kunſt, Klugheit, Guͤte und Vorſchung. Hier 
wird alſo unſer Verſtand, nach dem unendlichen 
Verſtande, durch Einſicht der größten Vollkom— 
menheit; und unſer Wille, nach dem allerbeſten 
Willen, zur Erfuͤllung der edelſten Abſichten des 
Schoͤpfers, und zur wahren Liebe gegen uns und 
andere Menſchen, gebildet. Und wir werden in⸗ 
ſonderheit aus der Vergleichung ber Thiere mit um 
ferer Natur lernen, daß wir zu einer weit höheren 


und bauerhafteren Gludfeligfeit, als bie Thierg,.i 


von unferm Schöpfer beftinnmet find. 

laſſet andere fich eine Weile, ohne und wider 
die Betrachtung der meifeften Abfichten bes Schoͤ⸗ 
piers auf die Lebendigen, erwas in natürlichen Din, 
gen zu wiffen duͤnken: ihre Wiſſenſchaft wird ger 
wiß entmeder auf leere Einbildungen und Träume hin, 
aus laufen,oder wenigſtens zu ihrer inneren Gemuͤths⸗ 
berubiaung und Gluͤckſeligkeit nichts beytragen, 


taffer fie fo gar die Aufdeckung ber göttlichen Bun ' 


ber im Thierreiche verächtlich und lächerlich zu mas 
chen fuchen ?: fie verrathen meßrentheils dadurch 
nur 


2 1.a Mettrie, Homme Plante, chap. 3. S’emm/z gu 

dondra a nuus enuuyer de toutes les Merveilles de Is 
Nature; que un puſſe ja vie o obferver les Iuſccui 
U’ antre a comptor les petits Offelets de la membrov 
de l’Onie de certains PoifJuns, à mefürer ide, 


| 


Pon veut, a quelle diflance peut fanter une Put | 


pour pajfer ſuus flence tant d’antres wiferables de 


Jets; pour moi, qui ne [nis curienx que de Pbilf® 


bie — la Nature Alive ſera soujours mon | 
p 





in dem Thierreiche, 315 


ur den letzten Verſuch einer fchon verzweifelnden 
(cheifterey, welche ber Schulen, die ihnen. dien⸗ 
' fame 


points de vnd, Jaime à la voir au loin, en grand 
comme en uineral, et nom em particulier, ou en fie- 
siss details, qui quoique neceſſaires usqu'ù um cer- 
sain point danssontes les Sciences, cummsundment ſout 
ls marque de pen de ginie de ceux qui 8’y livreut. 
Gewiß ein großer Geiſt, ein großer Philoſoph! 
der das Buch der Natur lefen und verſtehen kann, 
ohne fich um die elenden Kleinigkeiten der Buch- 
flaben zu befummern; der nur cm Paar allgemei- 
we Titel flüchtig überfeben darf, und dann febon 
beffer weiß, mas der Inhalt fey, und was man 
davon urtbeilen muffe, ald andere , welche fich die 
unnuͤtze Muͤhe geben, es Stuͤckweiſe mit Bedacht 
durchzugehen. 

Ich bin erinnert worden, des Hrn. Buͤffon bey 
dieſer Gelegenheit nicht zu vergeſſen. Ich bedaure, daß 
eines ſo verdienten Mannes Anſehen dieſer großen 
Wahrheit hinderlich geworden iſt. Aber es ill 
gewiß, er hat im II Tb. IL D. p. 42. faq. viel Big 
und Kunſt verſchwendet, daß er die Betrachtung 
der görtlichen Weisheit und Güte in der Natur, 
amd bejonders in den Trieben der Tbiere, zum (es 
lachter machen möchte. Zu feinem Unglucke waget 
er fich an die von großen Naturforſchern fo ſchoͤn 
befchriebene Bienenrepublif,, da die allgemeine und 
billige Achtung für Perionen und Eacben, zumal 
Im Gegenfage feiner uͤbel gerathenen Erklarung, 
ibm sein Gelächter mit einem drepfachen Wieder⸗ 
halle zuruͤck ſchicken muß. Gleich anfangs verrarh 
er ſich Durch) eine ungetreue Vorſtellung der gegen: 
' feitigen Meynung, als ob jemand (er ziclet haupt: 
fachlich auf den Hrn. Reaumär) den Bienen eine 
verftändige Einſicht der ſeinſten Geometrie und 
derlichtten Baukunſt, eine Wiſſenſchaft des Zukuͤnf⸗ 
tigen, moraliſche Abſichten, Liebe zum —— 

eſten 





gen die wahren Beobachter nichts und 

feiner Landesleute, welche dergleichen $ 
ten zur Munterkeit brauchen, erklaren 

en oͤftern, wie lie alles wollen verſtand 
Dennoch beißt Hr. 3. dieled eine Beg 
da man deſto mehr bewundert, je wen: 
Vernunftſchluͤſſe machet; Wunderweri 
che nicht vorhanden ſind, und welche d 
achter nur willkuͤhrlich in die Bienen l 
uns damit zu betaͤuben und zu taͤuſch 
Sittenlehre und Theologie der Inſeceen, 
Unwillen predigen hoͤre. Billig ſaget er, 
Fliege in dem Kopfe eines Klaturforfch 
mehr Raum einnebmen, als fie in der V 
nimmt ; und dieſe wundervolle Republik 
den Augen der Vernunft nie etwas anders 
ein Schwarm kleiner Thiere, die Keine and 
bindung mit uns haben, als Daß fie w 
und Wachs geben. — Wer bat wobl 
er, den größten Begriff vom böchften 
Der, welcher ibn ſieht die Welt fiber] 
Difeyn der Dinge ordnen, die Natur at 
aͤnderliche und beftändige Geſetze gruͤnd 


Arrirniar . der (ihr hemfhwr . ihn anf 





in dem Thierreiche, 37 


erden fie oft, mo nicht ben dem Förperlis 
» der Welt und ihrer Einwohner, gewiß 
tiber 


Stelle T. V. P. II. Mem. 8. p.4. u. 16. ſſ. wor: 
zielet) behauptet, daß die Bienen ein geo⸗ 
es Problema aufloͤſen koͤnnten? Oder wer 
t gefager, daß die Bienen Verſtand, Wiſſen⸗ 
„Tugenden und moralifche Ablichten hats 
nd dennoch bleibt c3 allegeit wahr, daß fie 
m und zum ailgeneinen Beften blindlings 
geſchickt hanteln, als ihnen die ſchaͤrfſte 
ift, durch Wiſſenſchaft der Geometrie und 
aft, als die größte Weisheit, durch kluge Bes 
d Verordnungen, als die reinfte Liebe, durch 
nd Dienttpflichten, hatten zu handeln anwei⸗ 
nen. Und hiervon it die Frage, wie das zu: 
da gewiß Hrn. Buͤffons bloß mechaniſche Er⸗ 
Juͤberaus ſeichte und lachenswuͤrdig klingt. 
ber eine Fliege im Kopfe des Naturforſchers 
o kleinen Raum einnehmen: warum machte 
n Hr. B. feine mikroſkopiſchen Thierlein, die 
me Millionmal kleiner ſind, durch viele Kunſt 
sube fo groß? Dachte er vielleicht, etwas 
zu finden, dad mehr nach feinem Sinne wa⸗ 
3 görtliche Weisheit? oder bat er ung was 
daraus erzwungen, als bloße willkuͤhrliche 
ilſche Hypotheſen von der Erzeugung und 
Tanzung der Thiere? Muß denn die Weis⸗ 
ihren Werken erſt bey Klaftern ausgemej: 
rden, ebe fie ung betrachtungswuͤrdig febei: 
2 oder geben die herrlichen Verordnungen 
ichopfers im Reiche der Yebendigen nicht ja fo 
ı Begriff von ihm, als die, welche wir in der 
zz Welt bemerken ? War ed nötbig , Gotte 
zliche Schwachheiten, cine muͤhſame Acht: 
ie und große Befchafftigung anzudichten, de: 
e und niche auch im Kleinen groß, und feine 
hung bis zu den geringiten Geſchoͤpfen lieb: 


reich 


“ 
2 “ 
tun u 


a nırapr. 


vw - 


-— gi 


3 La Mertrie Traite de l’ame, chap. XI, f 2. 


flin&confifle dans des diſpoſitions corport lles pu 
mecaniques, qui font agir les anımaux ſansn 
liberasion , independesent de toute experiei 
‚comme par une eſpece de nicelhte; mais cep 
(CE QUI EST BIEN ADMIRABLE) de I 
niere qui leur cosrzient le mieux pour Ia confen 
de leur ötre. It. !’! Homme Plante, infine: L’ 
des Betes donne a !’ Homme le n’eut poi 
a toutes les infirmites qui afjıegent font B 
Toutes leurs Rujes [nccomberoient ici. Donn 
proquement a l’Einfasıt le feul inflindl des Anima 
en ung le pläs, ilne pourra ſeulement pas hier / 
dos Ombilicul, encore mnins chercher le Teto 
Nourrice. Donnez aux Animanx nos ſu êmier 
commndisez, ils y feriront sous. La Niere: 
fi bier Doch von feiner großen Weltphile 
zu den verachteten Thieren berunter: er tie 

enaue Uebereinſtimmung der Zriebe und . 
ungen eines jeden Thieres mit jeiner Erba 
er erkenner, dag folches nicht von ihrer Bei 
oder Erfahrung bevrübre: cr koͤmmt daruͤl 
große Bermunderung ! Gollte er ſich wohl h 


Alhid wer6 faanam Klinhorn Marhanilone tn m 





in dem Thierreiche. 319 


Man mird es mir Daher, nach meinem Zwecke, um 
d meniger verargen, wenn ich wenigficns die Haupt 
lücke diejer lehrreichen Materie, welche noch von 
vernanden nach Würden ausgefuͤhret iſt, kuͤrzlich 
wrühre, und es dennod) der Mühe wehrt achte, 
hr Fünjtig, wo ich lebe, eine weitläuftigere Ab- 
yandlung zu widmen. 


5 5. 

Die Arten der Thiere, welche auf unferm Erd⸗ 
oden Icben, jind zwar noch bey weitem nicht alle 
mefündig gemachet worden; jedoch rechnet ein fleis 
jiger Tarurforfcher * von befannten vierfüßigen 

Thie: 
auf: Db nicht dieſer Trieb, der ſchon in ben Theilchen 
des Samens verborgen ſey, zureiche, Diele Theil: 
eben zu vereinigen, und bernach zu bewegen? Ind 

Da bi ſes Durch eine verffandliche Mechanik, oder 

auch durch den Willen ſelbſt, nicht genug_ zu er: 

Haren fiche, ob man fich3 als eine vorbeſtimmte 

Harmonie zwiſchen Den Eörperlichen Theilen und 

dem Wilien vorfiellen muͤſſe? Ob dieler Trieb, als 

in einer Republik, allen Theilchen, oder als in ci: 
ner Wonarchie , nur einem einfachen Theile ein: 
wohne? und ob in dem leßteren alle dieſer eine 

Theil daS Weſen eines Thiers ausmache? oder 

auch gar nach dem Tode Icbe, und in einem neuen 

Leibe eriibeinen könne? Es fibeint alſo wohl, daß 

ibm der ebierifche Trieb bewunderungswuͤrdia. und 

dech ſein Geſetz der Sparſamkeit, oder kleinſien 

Bewegung, fo wenig, als andere Hypotheſen, zur 

Aufloͤſung biefer Fragen zulanglich geduͤnket babe. 
4 Sieur Ray, Exiftence et Sageſſe de Dieu manifeſtée 

dans les Oeuvrus de la Creation, p- 6.igq. Man 

kann wohl in diefem Stuͤcke keine genaue Yufzabs 
lung aller Arten der Yebendigen verlangen. Theils 
iſt unier DVerzeichniß von den Untertpanen rs 

Wr 


320 V A6H. Won befond, Abfichten € 


Thieren hunbert und funfsig Gattungen; 
er alle befondere Arten oder Familien nur 





Thierreichednoch fehr mangelhaft , theils 
die Kenner ber Natur mit ſich in der Abthei 
einig, 0b fie viele Arten, Geſchlechter, © 
Drdnnungen und Claſſen machen, ober viel 
werfen ſollen. Der Hr. Archinter Zinn? 
feinen Amoenitatibus Academicis Vol, II I 
$ 21. einen andern calculum gejogen; un 
jeber machet ihn nach feiner Kenntniß und 
weis feinen, der die Land⸗Inſecten⸗ 
ehr vervielfältiger, ald der für die Na 
fchaft viel zu zeitig verflorbene Pet. von! 
broet᷑ in feiner Oratione de Sapientia divi 
Bat. 1744. 4. p. ı2. Geine Berechnung t 
Thierreichs lautet fo: 
Voͤgel ⸗ Arten 
Landthiere ⸗ 
Fiſche 
Muſcheln 
Schaalthiere 
Amphibia 
Waſſer⸗Inſekten 


1 De Ta Tg 71 
vu 


vun 


Pflanzen _ ⸗ 
fuͤr jede Pflanze, Landinſekten 

biebey obige ⸗ 
Inſekten jedes Tpiers * 


doppelt fo viel unbekannte = — 
Gumma 2 


Statt deren ſetzet er die Summa in allen 
390009 Arten des lebendigen auf dem Er 


der Erde ‚ unter ber ‚Erbe, 
— Raumchen 


— mas die große Eins 
zu biefer Thiere geben und Er⸗ 
und wie die ganze Natur, in ih⸗ 

ften, zu dem Ende arbeitfam 

ey. Ein jeder fiehe auch. mol, 
‚zuteäglichen Elementen, von Erde, 

Vcht und Wärme, für fo viele Mil 

ein genugſamer Vorrath von täg« 

bereit fe ſeyn muͤſſe, und daß bey ber 
chfaligkeit des Befchmacs und Sehens, ent«, 
—* und der Körper nach der Koſt, 
un. nach jener eingerichter ſeyn muͤſſe, 


eine Nahrung wohl ſchmecken, und . 
€ gut 





322 V Abh. Bon befond, Abſichten 


gut befommen fol. So koͤnnte aud) ı 
öße und Bildung jedem gerecht ſeyn 
wir bemerken daher einen erftaumlichen Ab| 
MWallfifche bis zum Fleinften Gewuͤrme unt 
Staube; und eine wunderwirdige Manı 
keit in der äufferlichen Geftalt und Bi 
den Werkzeugen des Lebens, der Eirine;, 
wegung und Fortpflanzung. Alles und ji 
ftimmet bey jedem Thiere mit einer gen 
des Lebens überein, wozu ex heſtimmet ift, 
dem einen bie Groͤße, Sirsilg und Werf 
andern; es wird Damit feine Art des gel 
führen Pönnen, ſondern umfommeh, obeı 
Dual fern müffen. Wenn daher auch in 
Werkzeugen, die fie alle nöthig —* ei 
meine Achnlichfeit feyn muß , jo finder‘ 
felbft in dem Aehnlichen, nad) jedes Thi 
eine unendliche Verſchiedenheit. Die ı 
Tpiere haben Augen, und können fehen ; 
nes Auge ift vollfommen mit anderer TU 
gen einerley, auch würde Feines Thieres 
für andere, noch anderer Augen fich für d 
den, Und fo verhält, es ſich mit der B 
des Seibes, mit Ohren, Naſe, Mund, 
und anderen Gliedmaßen. 


Diefe allen menfchlichen Witz und ? 
überfteigende Mannichfaltigfeit der Förperli 
fchaffenheit in den verfchiedenen Arten dei 
und diefe fo genaue Uebereinſtimmung, foı 
ganzen Natur, als aller und jeder Theil 


19» 
nach dies 


re 





t, ihrer Meynung 
i at nicht allemal, zu 
2 oder fie ermählen auch zu 
tige Mittel. Cie. haben uns 
Künlien und Wiffenfchaften, die 
it, Vollkommenheit und Bequeme 
reichen, auch manche eitele, unnüge, oder 
und ſchadliche Kunft und. Wiſſen- 
und ein ‚gut. Theil befleifiiger ſich 
i etwas zu lernen, oder fie werben höchftens 
väßlien Kunft nur Brudler und Pfufcher. 
; Xhieren_ hingegen geſchieht, nad) ihren 
"Seine Handlung umfonft , ungeſchickt, 
etz und fie haben feine einzige eitele oder- 
fetfege 







Lu 


324 V Abh. Von beſond. Abſichten Gottes 


falſche Kunſt, fondern es iſt alles zu Ihrem mb 
ihres Gefchlechtes Wohl und Mothburft: unent 
behrlich, alles in feiner Art volllommen. Die 
Sertigfeiten ober Künfte ben ihnen find fo mancher⸗ 
ley, als tauſendfaͤltig ihre Arten find; bennoch ik 
fein einzig Thier aller Arten in feinem 

unwiſſend uud unvollflommen; alle und jede finb 
geborene Künftler und Meiſter. 


Damit man den’ mannichfaltigen Mugen de 
thierifchen Triebe einigermaßen überfehen konner ſᷣ 
will ich nur einige Gattungen davon erzäßlen. Ein 
jedes Thier kennet fein Element, und begiebe ſich 
von felbft dahin, wenn es auch in einem fremden 
ang $icht gefommen wäre. Ein jebes weis ſich al⸗ 
fofort nach feines Elementes und Körpers Beſchaf⸗ 
fenheit regelmäßig und fertig zu bewegen; und 
dieje Bewegung iſt von taufendfältiger Art, Sie 
wiffen überhaupt alle die Werkzeuge ihrer Glich 
maßen dazu, wozu fie nuͤtze feyn koͤnnen, fertig zu 
gebrauchen. Sie Fennen fo gleich oßne Irrthum 
ihr dienliches Futter, und mwiffen es von dem ſchaͤd 
lichen zu unterfcheiden ; ja, man bemerfet, daß auch 
manche , ben einer Kranfheit oder Werlegung, ein 
wirffames Geneßmittel zu ermählen geſchickt find. 
Steht ihnen ihr Sutter nicht fo gleich vor dem 
Maule: fo haben fie dagegen auch eine Geſchick 
lichkeit, fid) ihrer Kräfte und Werkzeuge zur Be 
mächtigung der Speife zu bedienen, ober ihrer 
Beute durch Geſchwindigkeit nachzueilen , oder if 
ven Seind durch taufenderley Liſt und Kunſtwerke 

zu 


cn dem Thierreiche. 225 
rücken. Brauchet die Speife einer Vereitung; 
— nme san - 
SIE fie zum Worra mlen: for 
J ke fhleppen und 












derbei d | ‚shäl« 

Andere ziehen Ihrem Butter Ber 

Br Be Bi re 

e und Co m (19 

feiner She bedürfen be⸗ 

en in bie Erde, 
Ende unter Waller. 


‚fie auffer der Speife einer Wohnung 
dürfen fie die Baufunft nicht erft ler 
es gebt, bohret, jimmert, fpinnt, 
klebet ſich, auf feine Weife, eine dienliche 
obmung, nach einem beitändigen, in die Seele 
Fägten, Fünftlichen Riſſe. Andere wiſſen fich 
en verborgenen Drt zum Schlupfwinkel auszus 
welcher eben die Dienfte hut. Beduͤrfen 
Dede: fo bringen fie fhon eine Webers 

mit ſich, und verändern und 

ihre Kleivung , mit dem Wachsthume, 

i ee, Wird ihnen die Haut ober 
haale zu enge: fo befisen fie auch eine bewun« 
mswiirdige Gefchicklichfeit , fich aus dem alten 
(eibe, ob es gleich aus einem Stuͤcke gemacht ift, 
Dan alle Theile des Seibes feft anſchließt, her» 
zu winden oder. zu ziehen. Wenn etwa nicht 
ein eine Entkleivung, fondern eine gänzlicheVer- 
83 wande · 





"326 VAbh. Vonbeſond. Abſichten Gottes 


wandelung der Geſtalt mit ihnen vorgehen fol: ſo 


entziehen fie ſich vorher der $ufe und den Feinden, ; 


graben oder fpinnen fich, auf mancherley Art, Bünfts 
lich und vorfichtig ein, ober hängen umb bindenfih | 


menigftens in einem verborgenen und fi 

feſte an. Sie wiſſen aber auch) ihr Grab 

ten Kerker behende zu eröffnen, ohne übte zalcten, 

neuen Glieder zu verlegen, En 
Haben fie etwa ihre Feinde in ber Walt: fo 

kennen fie auch ſchon ihre natürlichen Iaffen, und 


wollen ſich wohl eher, als fie diefelbe Ten Bär 
ben, damit wehren; oder fie entwilchen 


Feinde durch Gefchmwindigfeit umb Sift; fü, 2 
durch eine Art Tpiere der andern allemal die Wage 
bält, und nichte, als der Ueberfluß, verloren geht, 
Können fie einzeln nicht füglid) leben: ſſehe 
ten fie ſich zu einander ; fie verfichen ſich unter eitt. 
ander durch eine Art von Sprachen; fie folgen ei⸗ 
nem Könige und Heerführer, ober einer Königine 
und deren Willen; fie bauen und nifteln gemein 


ſchaftlich, nad) einerley Anlage ; fie fammien zum ' 


allgemeinen Beiten, fie pflegen und füttern 


ungen durch einander; fie wehren Rmir von | 


ten Kräften, fie reinigen ihr Meft, fie tragen ihre 
Todten aus; ein jedes Mitglied der Republik rich 
tet fi aufs genaufte nad) weifen und unwandelbo⸗ 
ren Gefegen und Ordnungen. 


Wenn bie Zeit der Begattung koͤmmt: ſo ken⸗ 





net ein jedes feine Are und feines Gatten Stimme: 


fie wiſſen alle die gehörige Stellung zut Paarung 
anzunehmen , und des Gatten Zeugungs- und 
Geburts 


’ 


* Handlungen zu jebes Thieres 
h —— nothwendig find, 
weiſes. Wenn ſich aber jemand 
ugen will, fo darf er nur den 

n, ober etwas daran aͤn⸗ 

fehen, daß fie entweder umfoms 
igeftalt und gleichſam zu Krüppels 

aber ke Geſchlecht nicht — koͤn⸗ 
verſuchen wollte „eine beſſere 

4 Veran · 


a ae ec 


ehne, deſſen — nicht ur 











ſcorieden, jo ſuget Er HINZU: OTE MAUpE: 
warum dergleichen Raupen. ſich ein f 
Kager bereiten, iſt diejenige, weil di 
zu Anfange dee Verwandlung ſebr w 
- Hrtlich ui — ich ‚babe —— 
„wenn i 

harten und unebenen nn Bode, or 


ende: ea A 
re 


—— mit dee Haut verh * worauf” 
mal entweder ein ungeftalter, oder ga 
bendiger Papilion zum Vor cheine Emm 
Bann fich einen artigen Zeitvertreib) 
Fl men dieſen Raupen zuficht , ind 
ibrem Gefpinfite arbeiten. Wann das 
geoße Gefpinfte völlig fertig a. und ı 
daſſelbe an einem Grte ein re 
gleich die Raupe da, und flider dns 
„ber zu, läßt fich auch die Mühe nid 
folcbes fo oft zu thun, als man fie du 
Aufreiſſen dazu zwingt Denn. fie wil 
wider Bälte und Xegen, als auch ı 
‚Schlupfwefpen ficher ¶ verwabret 
wenn es gar zu oft Eimme,: fo enegiben 


Sur "in dem hierreiche. "39. 
— 
uͤlſe 










aber zu 
en Ballen, worinn die Mann 
ve Höhle als die, 


* it, 
ae Dei . 


m, Eee late 
— — —49 — 
‚ein graben, als der weibfiches 

de er, mach Abwerfung dev Haut, feine Hoͤr⸗ 
ausſtrecken können, zum Krüppel werden, 

aus ber Erde wieder bervorfoms 
den Würmern bey ihrer Verwandes 

Lage in ihrem Bette nicht einerkey. 
ben — gFe ſich ſonſt mit 
p 8 Holzes; aber 
er ic ———— foll, fofehrer er ſich um, 

vtd; fonft könnte er nicht heraus 
chen "Man fpalte Das Neftchen, und fege den 
ein me verkehrt, fo iſt er verloren. eeſel 
ſe — Auch die, welche ein Ey⸗ 
n, als die Seidenwuͤr⸗ 
gen dafür, daß das Ende ar 
wo der Kop bes Sapilions durchdringen fol, 
I eerer fen, daß es fich von felbft aus einander 8 
ben tann. Schneider man das Ey in die Fänge 
—* „und leget die Vuppe darinn verkehrt, vahet 
das Loch wieder zu: ſo wird der Yapilion 
nicht beraus kommen Können, (Roefels Supples 
ment Tab. VII, VIII 516. p. 53. — 
ZUXS5.p 286) 





ſcher Harm rſtellen möch 

Fein man fich doch folche Mafchinen, mie 
inftlichen Verrichtungen, unmöglich) 

Werfmeifter gedenken konnen, der * 
tur der. Dinge völlig gekannt, 

pfung in der Weltvoraus — 

niß derſelben einander, 1 


der Die vorgeftellte verfchiedene B 
der Dinge zur Wirklichkeit 
saufend Erfindungen gehabt, di 


cherley innere verborgene Trieb) 
Eine bloße Maſchine, bie Ei iĩ 
Ba füegt, huͤpfet, fehwimmt, 
6 Wilde, fondern an jedem 
Mi au jeber Zeit, nach dem — 
— und Abwechſelung, wie br 
ihren Untergang zu vermeiden, twas 
zu erlangen; die bald ißt und * wac 
wie viel fie zu ihrem Unterhalte verdauen Ba 
bald ſpinnt, webet, graͤbt, bauet, far 
wann und wiees ihre Erpaltung nad; den Kegı 
Kunft erfordert; . bie fich bald paaret, zeuge 
die, bruͤtet, füttert, und alfo wieber ee 









es gleichen bervorb 


fage ih, wenn fie 
n Grund. 






— man mın bey ben Thieren eine Wir⸗ 
Eng dee Kieptes auf die Geele, durch finnliche 


. Enmpfin⸗ 


yeimuuyen wuev 510 sun wur veegen. 
drud in nichts-anderm, als in £uft ober 
beftehen. Diefes aber kann weiter nichte 
Seele nad) ſich ziehen, als daß fie das € 
Angenehme zu erhalten, und bas, Bofe 
drige von ſich zu entfernen —— 
Seelen die Art zu handeln, und di 
‚oder Kunft, nicht einprägen, noch folche 
gen ‚bervorbeingen, die in ber vorigen 
feinen rund haben, . 
Was das erite betrifft, fo Fönnen wien 
. weile —— vorftellen, der ſi 
Verwandelung in en kunſtlich e 
möchte man fagen, daß bie zur Seid 
Materie eine unan⸗ e 
t, und daß er, als davon überlab 
ger los zu werden trachtet, Aber ı 
oder fpinnt fie Fein folder Wurm in ei 
‚nung eraus, baß fie ſich anbänge, wie “| 
"warum beftet er fie nicht iraend fo an. 















Aimn dem Thierreiche. 333 


——— ſuchet das 
Raupen überhaupt aus einer 

‚u erflären. Wenn fid) 

hätte, und fie 

fo müßten fie 

gen men und mwinden: ‘auf 

ne re den Faden immer weiter 

um fich herum, und führen bamit fort, 
Parorpsmus fortbaure, oder aufs 

‚ober weil fie dabey eine Erleichterung 

Be RO aneignen irn, I 

daß man Durch eine Hypotheſe ver» 

ſich die ehierifchen Triebe aus der 

—5 laſſen: allein, id) glaube, daß 

ungen vergeblich, und zum Theile 

‚werden. Gegenwaͤrtige fimmet erfts 
she des. Thierchens felbft gar 

als welches fich nicht vor ungebuldi» 

krummet und minder, ſondern langs 

md, fo zu reden, bedächtlich und vorſicheig 

cht en bequemen Det ausfuchet, und 

h Abficht und Kunftriffe arbeitet. Wie 
auch ‚bie wilde Bewegung, welche von 
entfteht, eine ordentliche Enfigur, und 

| allen eine gleiche regelmäßige Bervorbringen ? 
mas befommen denn die Würmer für eine 
fimftliche Colik, die ihre Haare, ‚oder zernagte 
ve Be ‚Holz, gefammletes ne 






ei u 
Hin Ge Gedanken über 
—e— a 
ee Vieh 


FOWUN. zu YETIEI VUE u puiigriij - UUOr Em 
Roth und Stoppeln an eine Wand: z 
Welcher finnliche Reiz bringet es mit 
Bienen nicht allein den Honig der Bluh 
te fondeen auch 








336 V Abh. Bon befond. Ab ſichten Gottes 


Werke und Handlung, ini Seelintie 
Fa umd glei —5 Gr —* Ueber · 
dem aber muß das wirffeme Bernie der Seelen 
nad) bie Urblibe gie Anfangs bie 


ben Sam feiae er 
ehe wenige 






Dr anfangs dem Zuſt * bilder fern, 

a J ande ge 

welchen ımfere Seele erſt durch 

lange Mebunggefeget wird. TE 4 

888. 

Ich ſage aber zweytens, daß bie bloße: nn 

he Empfindung, auch nebſt der Einbildungekraft 

und dem Gedaͤchtniſſe, darum unzureichend ſey, die 

thierifchen Triebe u erklären, weil dag, waste 

zu verrichten und u erlangen füchen, in. der jehir 

gen und vorigen Erfahrung feinen Sem: 

Ich ann wohl begreifen, daß ein Tier, vermie 

telſt diefer finnlichen Kräfte, in feinem 

gen Zuftande, und in Zufammenpaltung bed wa 

gangenen, feinen zufünftigen ähnlichen Zuftau fee 

* hen, und zu beffen wirllicher Servorbringung An 

fich gereizet werden kann: wie etwa ein Kind, das 

Zucker fieht, und fonft gefoftet hat, in 

gleicher Süßigfeit, nach deffen Geſchmacke ſich 

met. Aber bey ben Trieben verhält es ſich 

alſo. Sie bemühen ſich, eine noch nie verfuchte 

oder fonft gefehene Handlung, zur Erhaftung eines 

zukuͤnftigen Guten, davon fie weder gegenwärtige, 





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Daraus entft 
follten. 


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Eben alſo, 
in Ken 











hervorgebracht hätten? Das iſt aber ungern 
fagen, und läuft wider alle Erfahrung, die: 
den Thieren haben. 

Denen Menfchen, und ih glaube allen 
digen, die eine eingefchränfte Vernunft befg 
es ſchlechterdings unmoͤglich, daß fie, ofned 
fahrung von einzelnen wirklichen Dingen, et 
finden. Denn diefes feßet einen Verftand ı 
ber die erfte Quelle aller Möglichfeit und we 
Mirflichkeie if. Wenn wir auch alle men 
Erfindungen unterfuchen: fo werden wir 
daß fie auf etwas ſchon bekanntes gegründe 
wie ſich hergegen aus Nichts Nichts gedenk 
erfinden läßt. Demnach hilft uns Die Ba 
vor aller Erfahrung, zur Erfindung nicht 
dern wir erfinden das Unbefannte aus ber 
kannten, dag ift, aus dem, was wir 

die Sinne, als wirklich und möglich, anı 
men haben, ‚Da num kurz vorher erroief 


oe... EL vw! m. 


* 


gs; 
AH 


denken kon⸗ 


* 





[) ' * — 


342 V Abh. Von beſond. Abſichten Gottes 


net, verſuchet, und uͤbet nichts neues und jean 
als ihr Trieb mit fidy bringet. * 

Da nun die Fertigkeiten der Thiere, nie: u 
hen fie zu ihrem und ihres Gefchlechtes 
Plug und Fünftlich handeln, ihren Seelen 
fächlich zufommen, und doch weder durch 
Erfahrung, Benfpiele, Unterricht und m [| 
worden, noch durch Ueberlegung, Vernunſt % 

itz erfunden find: fo folget nothwendig, 
eine. wefentliche eingepflanzte, angeborne Ei 
fehaft ihrer Seelen find, nach weicher: v 
als fie das eben haben, ohne eigenes 
und Mühe, blindlings, und mit fehr 
Vorſtellung, gleichfam als im Schlafe, und * 
lend, richtig und ohne Fehl verfahten. 

Wir Menſchen haben ſehr wenige, ja faſt pr 
feine dergleichen kuͤnſtliche angeborene Fertigfeiten 
es möchte denn etwa das Saugen ber Kinder bablı 
gerechnet werden: allein, mie wiſſen Doch aus wm 
fern erworbenen Gertigkeiten, daß fie niche ohu 
älle Vorftellung und Entſchließung der Seele geſche 
hen, aber daß dieſelbe, je groͤßer jede Fertigkeit it 
deſto weniger Klarheit und Deutlichfeit brauchen 
und Dennoch, nach ſolchem ganz dunkeln und unbent 
lichen Denkbilde und Bemühen, leicht , Burtk 
und richtig ausgeübt werden. Selbſt das, wa 
wir langfam mit vieler Achtfamfeit, Weberlegum 
und deutlicher Borftellung aller Theile der Hand 
lung gelernet haben, als das !efen, Singen, Spit 
fen auf dem Klaviere u. f. w. verwandelt ſich mi 
zunehmender Fertigkeit ir Handlungen, die als oe 
ſelbſt, ohne Mahe u und Machdenfen, aus eine 








f 
jemals in ihrem ‚ganzen geben, ſolche 
d Fertigkeiten zu. erdenfen oder ‚zu 


; $ ın aeg 

tan mag demnach die thierifchen Triebe, Sera 
d Künfte, nad) den Regeln der Körper 

er Seelen betrachten: fo ift in berden Füllen 
ar, daß fie einen unendlichen Verſtand zur 

Urſache ‚Haben muͤſſen. Denn wären die 
ı bloße. ober..auch harmoniſche Maſchinen: 
Res. arten, der Materialiften und geibnigens 

— — an 

———— — —e— —* 

r Sen einem ge 

Ya mache 





7 


A Vobh Vondehid· Anfstene 


nd von einem 
Beet 
fi jede Mai in und 
Det Inder Bi 5 
s $eben: y 
Ni man ber die An 
dige Seelen, die mit Ar 


- durch einen wirffamen Einfluß. —— 


iſt offenbar, wenn id — 
weder En der , noch ohne E 
aus genen 9 entftehen 

ii Ri , 
—— de — 
Delle aller Möglichkeiten, aller Wahrhe 
ſenſchaft, Künfte und Vollkommenheiten 


« für jedes Thieres Natur und Sebensart die 


fen Künfte auserfehen, und ein Mittel 
5 denen einfältigfien Seelen eine v 
fetbft nicht erbachte, erlernte oder geübte & 
Klugheit, fo leicht, fo volltommen, und | 
t beyzubringen, und erblich einzuserh 
Es iſt zugleich offenbar, daß Diefer u 
Berhark mit Abficht, Weisheit, Guͤte u 
für jedes Thieres Erhaltung, W 


ſehung 
Cldcfeigle, verbunden fen; damit auch · 


er? —— ee d 
lenl 

An hinderlich — Denn die % 

ne mis vom Menfchen 


. daß fie feine Vernunft, und die daraus 


en Vortheile, fonbern nur Same, Ei 


J 
R 





sd ii 345 


felbft 
er Brut Feine bequeme Stelle oder Neft aus. 
achen, noch diefelbe zu fäugen, 4 füttern 


nd 5 erjiehen ‚sans ‚oder willig ſeyn. 
n der Thiere hat die gütige Vorſe⸗ 
des Schöpfers aufs weifefte abgeholfen, da 
* reden, ſelbſt fuͤr fie, nach feiner vollkom · 
Dernu ‚ gedacht, geforget, und erfune -⸗· 
= was jeber Urt wüglich wäre zu thun, und 
unverbefferliche Künfte allen Thieren, ohne _ 
hr eigenes Bemuͤhen und ohne Uebung, als eine 
ds erbiche 


llein, die» 





336 V Abh. Bon befond. Abſi chten Gottes 


jedes Werke und Handlung, in ihren Seelen lie 
gen, und zugleich mit ihnen ſelbſt da ſeyn. Ueber⸗ 
dem aber muß das wirkſame Bemühen der Serien 
nach diefem Urbilbe gleich anfangs die Volllom— 
menheit der: Fertigkeit au: fich haben, Wir Men⸗ 
(chen bringen feine wirklichen Ideen, und kein⸗ 

ober fehe wenige Fertigkeiten mit auf die Weit, 
fondern erwerben fie uns durch Erfahrung ud 
Uebung. Aber bie Seelen ber Thiere mmöffen 
gleich anfangs in dem Zuftande gebilder feyin; in 
welchen ımfere Seele erſt durch Erſeheung Ku 
lange Hebung gefeget wird. ee 


$ 9 
Ich fage aber zweytens, baß bie bloße ma 
che Empfindung, auch nebſt der Einbildungskraft 

und dem Gedaͤchtniſſe, darum unzureichend ſey, die 

thieriſchen Triebe zu erklaͤren, weil das, was ſie 
zu verrichten und zu erlangen ſuchen, in ber jetzi⸗ 
gen und vorigen Erfahrung feinen Grumb hat. 
Sch kann wohl begreifen, daß ein Thier, vermit⸗ 
telſt diefer fi nnlichen Kräfte, in feinem gegenwärti- 
gen Zuftande, und in Zufammenhaltung des vers 
Sangenen, feinen zufünftigen ähnlichen Zuſtand ſe⸗ 
hen, und zu beffen wirklicher Hervorbringung finne 
lich gereiget werden kann: mie etwa ein Kind, dag 

Zucker fieht, und fonft gekoſtet hat, in Erwar 

gleicher Suͤßigkeit, nad) deffen Geſchmacke ſich fi 

net. Aber bey ben Trieben verhält es fich 
alfo. Sie bemühen fich, eine noch nie verfurhte 
ober font gefehene Handlung, zur Erhaltung eines 
zufünftigen Guten, davon fie weder gegenwärtige, 
noch 





er m. ze 


* ke Sk a, 
fangen 
mit vielen andern Trieben: 


‚enclegenen Küften und Strömen, 
“ mit dem Begraben und 
balbjäprigen Schlafe; mit dem 
zur g der Eyer und Aus⸗ 
der I ift: alles ein willkuͤhrli· 
üben ihrer Seele, nad) einer zukünftigen 
, deren Vorftellung. fo. wenig, als. bie 
übung, von ihrer jegigen oder vorigen 
den Urfprung nimmt; gefcheige, 

Dute, welches daraus entftehen wird, aus 

ung wiſſen ſollten. 





9 N 


328 V Abh. Von beſond. Abfichten G 


Eben daraus ethellet denn auch, Daß diı 
das, mas fie thun, nicht aus Beyſpielen,“ 
mung ober Unterrichte anderer gelernet, .nic 
Verſuche und Uebung allmählich zur Wolf: 
heit gebracht haben. Denn welches Aufl 
Werkes hat die junge Spinne zu ihrem € 
welches der Seidenwurm zu feinem Eye jen 
fich gehabe? Dennoch machen fie alles ve 
eben alfo, wie ihre Borältern. Ein Dog 
zwar in feinem Neſte jung und groß, aber 
doc) der Verfertigung deffelben nicht benge 
und befümmere fih auch um beffen Bau ı 
lage nicht , fondern nur um fein Butter ı 
Wärme von den Xeltern; bald, wenn er 
und fich felber rathen fann, geht er davı 
wird wohl gar von den Aeltern aus dem I 
ſtoßen. Dennod) weis er hernach, wenn 
auch paaret, ein ganz ähnliches Neſt ebeı 
anzulegen, als wenn er deſſen Werfertigung 
fehen und die Nachahmung lange verfuch 
Welche Untermeifung, welche Schule, 
Lehrart hätte den Thieren das einflößen 
daß fie gleich Meiſterſtuͤcke machen, und n 
brudeln, ober durch oͤftere Werfuche vellfoı 
werden? Der Seidenwurm und viele 
Thiere machen ihr Kunftftück nur ein einz 
im ganzen teben; und dennoch ift es glei 
einiges Borbild fo vollfommen, ale möglich. 
‚aber einerley Arbeit oft wiederholen, als die 
nen, machen ihr Gewerke deswegen zuerfi 
fchlechter und langfamer , noch mit der Zeit 
ger und beffer. 








— zu eig ee 
n 9, fann manden T BR 
N, daraus ihre Künfte herleiten 


en die Thiere das, was ihnen nuͤtzlich m, 

jene natuͤrliche Fähigkeit der Seelen ers 

12 müßten fie einen weit vwollfommenern 

b , als wir Menfchen, Denn das 

ſchliche Gefchlecht hat mit vereinten 

3 * tauſend Fahre herdurch, an der 

‚Künfte arbeiten müffen, ehe fie 

jegigen Grade der Bollfommenpeit 

| A; und wir Fönnen noch nicht fusen, 
wes- 





ervorgebracht re 
Kar, und läuft tiber alle 
aben. 


finden, Denn b 
der bie erſte — aller 
Wirklichkeit if. Wenn 


keine vorige Erfi gründen s fo iſt nid 
5 — 


Was zudem in der Erfindung ei 
Grund Gar, das ——— 








— 


&E 


& & ; 
4 3 IpgE 
garslı 


H 


h Vernunft und ben Thieden 
Erfindunge De sa akt fie 
"bey einerley Künften bleiben, fondern in ipren 
meinen Begriffen und Grmbfägen bie Möge 





lee findet fi Bep feinem Ahiere: e6 er 
\ 93 ne, 





342 V Abh. Bon befond. Abſichten Go 


net, verſuchet, und übet nichts neues und mei 
als ihr Trieb mit fidy bringet. 

Da nun die Fertigkeiten ber Thiere, mi 
hen fie zu ihrem und ihres Geſchlechtes Be 
Plug und kuͤnſtlich handeln, ihren Seelen | 
fächlich zufommen, und doch weder durch fü 
Erfahrung, Benfpiele, Unterricht und Lebu 
worben, noch durch Ueberlegung, Bernun| 
Wis erfunden find: fo folget nothwendig, 
eine mefentliche eingepflanzte, angeborne | 
ſchaft ihree Seelen find, nach welcher fie fo 
als fie dag Leben haben, ohne eigenes Nach) 
und Mühe, blindlings, und mit fehe under 
Vorſtellung, gleichfam als ım Schlafe, um 
lend, richtig und one Fehl verfahren. 

Wir Menfchen häben fehr wenige, ja fa 
Peine dergleichen £ünitliche angeborene Fertig 
es möchte denn etwa das Saugen ber Kinder 
gerechnet werden: allein, wir wiſſen Doch a 
fern erworbenen ertigkeiten, daß fie nich 
Alle Borftellung und Enrfihliefung der Seele 
ben, aber daß diefelbe, je größer jebe (Fertig! 
defto weniger Klarheit und Deutlichfeit bro 
und dennoch, nach ſolchem ganz dunfeln und y 
lihen Denfbilde und Bemühen, leicht , 
und richtig ausgeübt werden. Gelbft bas 
wir langfam mit vieler Achtſamkeit, Weber. 
und deutlicher Borftellung aller Theile der. 
lung gelernet haben, als das Leſen, Singen, 
fen auf bem Claviere u. ſ. w. verwandelt fi 
zunehmender Fertigkeit ir Handlungen, Die « 
felbft, ohne Mühe und Nachdenken, aus 


demnach die thieriſchen Triebe, Zara 
j ifte, nad) ben Regeln. der Körper 
I Bi — ſo rd N Ballen 
e fie einen. unendlichen and 
Urfache ‚Haben muͤſſen. Denn wären de 
bloße ober. auch harmoniſche Mafchinen: 
5, Karten, ber Materialiften und Seibnigeng 





en illen,.oder zu —* us 


WET THUN GUTE UNE ** 
‚ die mit einem 
gi men Einfluß verbunden | 
wenn ihre Fertigkeiten und 
u noch ohn⸗ gr 


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Hr: 
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—— Natur — die 
und ein Mittel 
330 — eine dt 
erdachte, erlernte ober geiibte 
— Na ine 
jul en, er 
Es üt zugleich offenbar, daß Diefer 
Berftand mic an, ie ty Güte — 
ſechung jebe res 
— verbunden — 


a7 
»? 


E 
HL 


Heil 


den Gebrauch ihrer Gliedma 

nebſt des ganzen Leibes Bere 
wiſſen, ihr Element nicht Fennen, 
nicht unterfcheiden, noch zu ſuchen, 
en, zu bereiten oder. —— en ind 

ſie würden ihre 
verandern, ihre —— ie J 
nich fangen, ihren Feind nicht abhal« 
f ; ‚fie würden entiveber die Zeugungs« 
lung felbft zu verrichten ungefchickt ſeyn, oder 
Brut feine bequeme Stelle oder Neſt aus · 
‚machen, noch diefelbe zu fäugen, zu füttern 
erziehen fähig oder willig fenn, - Allein, Dies 
mögen der Thiere hat bie gütige Worfes 
Kite Schöpfers aufs weiſeſte abgeholfen , da 
zu reden, ſelbſt für fie, nad) feiner vollfome 
u Vernunft, gedacht ‚ geforget, und erfune 
mas jeder Art müglich wäre zu thun, und 
K umperbeffliche Kuͤnſte allen Thieren, ohne | 
eigenes — und ohne Uebung, als eine 
95 echlihe 





346 V Abh. Bonbefond. Asfichten ones 


erbliche Fertigkeit eingepflanzet hat; daß fie rum 
mehr nach blinden Kräften dennoch fo kluͤglich ver⸗ 
fahren, als esihnen feine eingefchränfte Vermuſte· 
kraft haͤtte angeben koͤnnen. 

Es muß alſo einer entweder die Natur der 
Thiere gar nicht fennen, oder allen Verſtand vers 
foren haben , wenigſtens feinen Affect Rare das 
Verſtandes bey ſich Herrchen laffen, werner ie 
den Künften und $Sertigfeiten der mwernun 
Thiere nicht einen höheren Werftand, eine 
mb Weisheit wahrnähme, bie alles Vermtgen dee 
Thiere, ja allen Wis und alle Wirfenfchaft der Wiens 
fehen, weit übertreffen, und die dem unendfich wei 
fen und "gütigen Urheber der Natur alleine zuge 
ſchreiben find. | 







6 12 


Aber vielleicht weis Herr Buͤffon, weicher 
Feine Theologie aus ber Naturgeſchichte geprebiget 
haben will, eine Fürzere und befiere Erflärung bee 
ehierifchen Naturtriebe. Denn er verhoͤhnet Die 
Bewunderer ber göttlihen Weisheit und im 
folhen Dingen, die man vielmehrdurdy Vernunft: 
ſchluͤſſe ergründen follte}. Es ift billig, daß wir 
hören, wie er uns dazu anmeilt. 

Er will naͤmlich alle Triebe und Handlungen 
der Thiere, beynehe auf carteſiſche Art, er 

maͤ 


+ Siebe oben P 315. fqq. die Anmerkung, und Den 
Buͤffon felbft II Th. II DB. gleich In der erften Abs 
baudlung ven der Natur der Thiere. 


n — wollte. D 5 
; Mechanifmum bald, und geht zu· 
Carteſius ab, daß er die bloße, 


— Begebenheiten nichts gu fehaffen 


Dieſe Grundlage wird vielleicht manchem ſehs 
„und dazu übel zufammenhängend 

und wir —— reiche Gelegenheit, Ane 

I merfungen darüber zu machen. Allein, wir wole 
len uns daben nicht aufpalten, weil ein jeder vor⸗ 
aus ſehen kann, daß eine Erflärung der Triebe, 
welche auf diefen Grund gebauet wird, weder * 








34V 
. ‚mechanifeh, noch recht ſeelenmaͤßig ſeyn 


dern auf beyden Selten hinken muß. 
wird man nur verlangen zu wiſſen, mi! 
Verrichtungen ber 


einmal und an einem Det jur Welt : 
den, die fich genötßiger feben, bloß um 
foregufegen , ſich auf irgend eine Att 
Da fie nun alle mit gleicyen Kräften geg 
der wirfen: ſo muͤſſen fie, wenn fe fi 


—8 








350 V Abh. Bon befond. Abſichten Gott 


Spmmetrie und Bequemlichkeit zu machen. 
meis von walzenfoͤrmigen Thierlein ein walzer 
miges Werf, und von dem walzenfoͤrmigen Wi 
durch Hinderung und Gegenhinderung, Sec 
zu erzwingen. Ben ihm ift ein Veftreben, fid 
erhalten, und eine Kunft, folches auf die bequei 
Art zu thun, einerlen: alfo brauchet es bey fe: 
Thierlein nichts weiter, als fold) Beftreben ı 
ihrer Erhaltung, fo befchäfftigen fie fich ganz re 
mäßig mit ihrer Wohnung , fie kommen wi 
dahin, mo fie ausgeflogen find, und ein beyge 
tes ercetera begreift mit Eurzem alles üb 
in ſich. 

Wenn man aber nicht wüßte, daß Hr. 23 
Naturgeſchichte verſtuͤnde, und fie andern vorzu 
gen unternommen bäfte: follte man wohl, r 
feiner Voritellung, glauben, daß er jemals ei 
Bienenſtock gefehen, ihre Arbeit und Haushalt 
beobachtet, oder eine Beobachtung Davon bey 
dern gelefen hätte? Welche unerhörte Dinge fte 
in feinee Befchreibung! Es it erftlich falſch, 
zehn tauſend Bienen auf einmal zur Welt gebra 
und faft zu gleicher Zeit verwandele werden, ( 
wohl das Eyerlegen der Bienenmutter , als 
Austichliefen und Verwandeln der Brut, geſch 
nicht auf einmal, fondern nach und nad) das ge 
Fruͤhjahr und den Sommer hindurch. Daher | 
in einem Stocke zugleich Ener, Wuͤrmer, Püppe 
und verwandelte Bienen ven verfchiedenem Alte 

Es ift zwentens falfch, daß ſich Diefe zehn ı 
fend Thierlein an einem Orte genoͤthiget fehen, 
zur Fortſetzung ihres Lebens auf irgend eine Ar 

ordı 








352 V Abh. Bon bejond. Ablichten Gottes 


geräumigen Behaufung; das ift ein flarfer unl 
lächerlicher Irrthum, fich folche Vorftellung zuma 
chen. Die Wachszellen werden zu nichts, alı 
theils zu Vorrathsfammern des Honigs, theils zı 
DBehältniffendes fegenannten Bienenbrodtes, theilt 
und hauptfächlic) zu Meftern der Ener und junger 
Brut angeleget, und alles fo enge ale möglich ein: 
gefchränft; die alten Bienen felbjt halten fi) Hau 
fenweife in den Swifchenräumen ben einander auf. 
Es iſt vierfens falfch, daß eine jede Biene eine 
eigene Zelle allein aufbaue, und daß daher alle mil 
gleichen Kräften in ihrem Baue gegen einander 
wirken, folglid) fih durch ihre Hinderung und 
Segenbinderung einfchränfen., Die Werfbienen 
baben feinen gewiſſen angemiefenen oder angemaß 
ten Plas, Da eine jede ihren Bau allein aufführet; 
fondern fie arbeiten Turch einander, als an einem 
Gebaͤude, an deſſen Verrathe und an deffen junger 
Brut fie alle gleichen Theil nchmen. Wenn alfo 
eine Biene auf einer Etelle etwas Wachs anges 
Elche, und nun davon geht, um mehreren Vor 
rach zu holen: fo koͤmmt gleich eine andere mit ee 
was MWachfe, und führet eben dieſelbe Wand etwas 
höher auf, und fo die dritte, vierte und fünfte, 
Eben fo verhält es fich mit der Eintragung des 
Honigs und Birnenbrodtes: viele ſchuͤtten ihren ges 
fümmleten Vorrath nad) einander in eine Zefe, um 
fie voll zu machen; fo wie auch Die gefammleten 
Güter hernach in dem Gebrauche gemein find, und 
Feine eine eigenthümliche Speiſekammer befigt. 
Die Verpflegung der jungen Würmer mit bienlie 
sher Speife gefchiebt auf gleiche Arc durch — 
emu⸗ 


i ledigen S 
id vor ſich ſindet, worauf fie zugleich bep 
8 einans 





urnd wie tonnte denn va eine 
genhinderung Statt haben, 
zen jeder Zellen in den. 
einrücten, als fie wollten 





een, welche ſenkrecht 
ter geführer ‚werden foll , oben -anzuficben, 
ehren 

e Zellen, ntaler Lage aufein 
1 jede Zelle der einen Schicht, gemel⸗ 
h mit ihrer Spige, die aus drey tautenförs 
M ar ———— Vlättern —* 





⸗ 


mie den 3 fo dange jı 
liche — — See 
* in — bole Spige zufaı 

eis meiteren 





ſechsecki 

rung des Honigs und Dee 
ei Ehe neben der 
ume zum Durchgange, 
Be Gleichwie aber diefe - 
‚wenn fie volle: Worrath find, alfo« 
Deckel von Wachfe gefchloffen wer« 
en hingegen jene Zellen, worin Eyer 
t allein offen, ſondern es wird auch denen 
qg in‘ "Steinen von den meinen fo 
g, als auchen, hineingeſchuͤttet; 
eſteht dieſe ae aus dent Honige, 
die Alten eſſen, ſondern, ſo —— er 

5 Mildifpeife, das u ai “eiem din 

3 


D 





358 Vabh · Won Befonb. Abſchten Gottes 


Safte, welchen man Speichelhonignennet: 
denn der Wurm zu feiner Vermandelung 
worben ift, und fiheinfpinnen will; dann- Formen 
die Werkbienen olfobald, und verwahren: 
feiner Zelle. fürs Betreten mit einem 0 
Dedel von Waghfe. Hatdenn endlich die Veran 
delte Biene dem Deckel burchgebrochen: 
Werkbienen wieber da, und tragen die 
den: weg, reinigen die Zelle, und fchüieten m 
um feinen Plaß ledig zu laſſen, Honig w 
Zelle hinein. 
-  Diefes iſt die wahre Beſchaffenhelt d 
baues der Bienen, nach den fleißigſten 
ſten Beobachtungen der geſchickten Natur 
Swammerdamm und Reaumörz, daraus 
man ſieht, daß Hrn. Büffons Vorſtellung von 
biefer Sache in allen Stücen falfch fen, und der 
Erfahrung miderftreite; daß er folglich biefen 
Theil der Naturgefchichte willkuͤhrlich nach feinee 
Hypotheſe erdichtet und verſtellet habe, indem diefe 
ſich mit feinem Umftande ber wahren Erfahrung 
reimen läßt. Diefes kann ihm geroiß wenig Ehre 
bringen; zumal, da auch feine Hypotheſe ſelbſt, 
ben allen Erdichtungen vondiefer Handlung, ſo viel 
als nichts ſaget. Wie vielmeniger würde er bey 
den übrigen Handlungen der Bienen und andere! 
Thiere mit feinem bloßen Mechanifmo auslangen, 
wenn wir gleich ihm zu gefallen die Empfindung, | 
Erfahrung und Nachahmung mit dazu rechnen 
wollten. Es ift offenbar falfch, daß die Maturs 
triebe bey ben Tieren auf biefe Weiſe entſtehen, 
weil die Kunſt und Bertigfeit ihren Seelen, ofme 
und - 










1,.ob fi ih aus Morh zu eine 
en, geoife Anordnungen einer gee 
if machen, fich auf. die bes 


’ 
ber ei Non Sal, ee fen fi 
hen Fertigkeiten der Thiere aus. dem 
ehanifmo ihres: Körpers erflären: 





360 V Abh. Bon befond. Abſichten Gottes 


finnlichen Werfjeuge und bes inneren Gehirnes Au 
fo vielen taufend Thieren und Thierarten, auf das 
Wohl und die Erhaltung jedes hieres und jeder 
Art angewandt ſey, und fo unzaͤhlbare kuͤnſtliche 
Handlungen und Kunſtwerke hervorbringe , ae 
Menfchen Wis, mit aller Geometrie, 

Mechanik und übrigen Philoſophie, weber anzuge 
ben noch zu erflären weis. Wäre denn. barım 
der gBerfmeifter ſolcher Mafchinen weniger in Be 
trachtung zu jlehen, weil er den mannichfaltigte 
Mugen ber Sehenbigen , durch bloße *2 
Mittel und durch einfache Geſetze der Bewegung, 
ausrichtete? Hr. Buͤffon ſieht ja, nach feinem 
Geſtaͤndniſſe, den Schoͤpfer groß, weil er das Da 
fern der Dinge ordnet, und die Natur auf unven 
änberliche und beftändige Gefege gründet: wir fü 
hen ihn aber hier noch größer, meil er nicht allen 
der leblofen Dinge, fondern auch fo vieler, Mille 
nen $ebendigen Daſeyn ordnet, und weil er mit ein 
fachen Gefegen fo mannichfaltige Vortheile, fl 
und Gluͤckſeligkeit feiner Gefchöpfe bewirket. SR 
nun Hrn. Buͤffons Geſtaͤndniß, mie ich nick 
zweifeln will, aufrichtig: fo muß ee auch Gert 
niche mit dem Epikurus in bie Intermundid unl 
entferneten Himmelsfphären vermeifen, fondern übe 
audy da zu fehen fuchen, wo er fich in der Naͤh 
am Flärften und deutüchften zeige. 


$ 13 


Mohlan, wir wollen bie verfchiebenen Teieb 
der Thiere in folcher Abficht betrachten. Und d 
ſcheint zuerft ihre "Bewegung merkwuͤrdig zu fegn 

Den 











in dem Thierreiche, 361 


yenn unfere eigere Erfahrung lehret ung, daß dazu 
as mehres gehöre, als gefunde gelenfige Glied⸗ 
tagen und Kräfte zu haben. Wir Menfchen 
men erft Durch viele Verjuche und vieles Fallen 
as Gleichgewicht halten, Höhen und Tiefen, Sand 
nd Waſſer unterfcheiden,, fertig geben, laufen, 
ringen, fißen, aufftehen ; da doc) Diefe Bewegun⸗ 
em, nach Beichaffenheit unfers Körpers, viel ein 
ltiger und leichter find, als bey den Thieren, Die 
3ögel haben audy zwar nur zween Süße, aber der 
eib ruhet nicht fenfrecht auf Diefelben , fondern 
ängt vorne und hinten über. ‘Dennoch fteht 
nd läuft ein Küchlein, fo bald es aus dem Eye 
ommt, ohne Bängeln, fertig weg; und die jungen 
nten, welche von einer Henne ausgebrütet wor⸗ 
en, Fennen ihr Element, und rudern ſich ohne 
Borgänger und Anmeifung auf dem Waffer herum. 
Benn ja ihre Federn nicht oͤlicht genug find, das 
Bafter abzuwehren, fo miffen fie Rath dazu, indem 
iemit dem Schnabel, aus einer Drüfe im Schwan⸗ 
e, eine fette Feuchtigkeit prefien, und ihre Federn 
lsdenn durch den Schnabel zichen, fie Damit zu 
hmieren ”. Andere Voͤgel wiſſen fo gleich aus 
inem hoben Mefte fid) in die Luft zu ſchwingen, 
ind da ohne Schwindel im Gleichgemichte zu hal⸗ 
en, mit gleichem Schlage der Flügel fortzufchichen, 
nit ausgeſtreckten Süßen und Schwanze zu rudern, 

35 zu 


Speätacle de la Nature T. Ip. 281. ex Willough- 

yi Ornitholo) :aL.I. Siehe auch Swammerdam 

Tom. I. p. 351. edit. l.atin:e, Derham Pliyſicotheol. 
VII Buch 1 Cap. p. 854. 


362 V A6h. Bonbefond. Abfichten Gottes 


zu wenben, ja eine weite Reife in entfernte Gegen 
den, da Nahrung für fie wählt, ohne Compaß, 
zu vollführen: 

Wenn wir Menfchen mehr äls zween Füße 
hätten, fin würden wir nur irre werben, und nice 
wiffen , weichen Fuß wir zuerft, melden wir her, 
nach heben ſollten. Ein Fülen aber ſteht ide 
allein, "fo bald es geworfen iſt, fonbern feget au 
von felbft die Füße kreuzweiſe zum Schritte oder- 
Trabe zu, daß die Directionslinie bes Körpers di 
femal auf fichere Stügen fällt, und wirft fi) ws 
lic) in einen Galop ober Sprung, da beybe Hinter 
fuͤße, und darnach beyde Vorderfuͤße zugleich anf 
tzen. Alle vierſuͤßige Thiere aber ae von: Ra 
fur, auch im Waffer zu ſchwimmen, und fih zu 
bewegen. Der Froſch muß ſich mit bloßem Di 
pfen behelfen: er fann auch damit zurechte fon 
men; fein Leib ift darnach in den Hinterfeulen ein 
gerichtet. Manche Sröfche Fönnen fo ſchnell und 
weit Damit fpringen, Daß fie die Wögel im Si 
ober Fluge erhafchen . Bon dem Baum 
üt es was befonders, daß er allemal, wohin e 
auch ſpringt, wenn es auch ein glatter aufrechter 
Spiegel waͤre, behangen bleibt, und nimmer her⸗ 
unter faͤllt. Klauen thun es bey ihm nicht, ſon⸗ 
dern er hat in den Ballen ſeiner Fuͤße gleichſam 
einen oͤlichten Schwamm. Aber auch das Oel 
wuͤrde die Körper nur deſto fihlüpfriger machen, 
wenn er nicht von Natur die Fertigkeit haͤtte, fo 
gleich die Mitte feines Balles in bie Höhe zu Han 


8 Klein Quadrupedum Hißoria nat; p. 123. 





in dem Thierreiche. 363 


iß ein lediger Raum entſteht; da denn der Fuß 
wc) die aͤuſſere Luft, ſo wie ein naſſes Leder, an 
nem Steine, wenn die Mitte des Leders durch ei⸗ 
m Strick angezogen iſt, angehalten wird. Auf 
eiche Art hält der Dincenfifch, Calmar, mit mehr 
s taufend Saugwarzen feine Beute feft, oder bes 
ſtiget fich felbft an einem Felſen °. 
ige vierfüßige Thiere, als Affen, klettern 
ıd fpringen nicht allein, ſondern miffen ſich aud) 
wch einen Schwung von einem Baume, durch 
e Luft, auf einen andern zienlid) entfernten zu 
erfen. Die Engländer haben einen Affen, den 
an den Waldmenfchen heiße, von der Guinei⸗ 
ven Küfte zu Schiffe mitgebracht. Wie er bie 
otsleute an ben Tauen und Maſten Elettern gefce 
n, hat er, gleihfam um zu zeigen, daß er Die 
unft beſſer verftunde , nicht atlein die einzelnen 
eile beffettere, fondern fich auch durch fein 
hingen von einem Seile zum andern , von eis 
m Mafte zum andern, auf dreyßig, bis funfjig 
Breit, zur Luſt gefchleudert, und Darınn nimmer 
fehlet °°. Es find andere vierfüßige Thiere, als 
egende Hunde, Kagen, Eichhörner, Eideren, 
täufe, denen zu foldien Sprüngen von einem 
aume zum andern, ein Sell von den Vorderſuß 
en 


Siehe von dem Baumfroſche den Catesby T. II 

.71. So erfläret auch Swammerdam in Bibliis 
— TILp. 62. das feſte Anſaugen des Jgels 
an ein Glas, und Needham das Anſaugen des 
Calmar, in den Obfe: vations Microſcopiques p. 26. ſq. 


Deſcription of CCC Animals P. III p. 13. 





yırsuyuon gysuyrey swne vu awuppee ge 
men: indem es fich ben flillem “Wetter ein € 
chen Holz zum Schiffe wählet, ſich Darauf feger 
jelbiges mit Dem ‘Drehen des Schwanzes nc 
nem gefälligen Orte fteuret und rubert "*. 
weis fich feiner Oliedmaßen und Werfzeuge, 
feiner Art, zum Vortheile zu bedienen. 

Was mollen wir aber von den Gemfa 
Steinboͤcken fagen? denen Feine Felsfpige 3 
oder zu fchroff iſt, Die fie nichr befteigen, un 
melcher fie nicht Die vermeg.nften Sprünge at 
dere in den Abgrund hangende Spigen thun. 
bar ihnen das Augenmaaß von ber Weite ge 
daß fie nicht zu kurz oder zu weit fpringen ? 
bar fie gelehret, einen tiefen Sprung in gewi 
fäge zu theilen, und ihre Hörner mit zum Ab 
zu gebrauchen ? Wer kat fie unterrichtet, t 
fih, mit einer unnatürlich feheinenden Wei 
ruͤcklings überwerfen, und das Gleichgewic 
geibeg, mitten in jolchen verfehrten Spruͤng 





yryson .uiygun wen wuyoruje nu Yaryıny aan 


aus, daß ſie los laffen '*. Es kann auch fer 
die Raupe, nebſt dieſem Hülfsmittel fich aı 
ten, bie mittlere Soble aufiwärts zieht, d 
ein Icdiger Raum entſteht und der Suß ar 
platten Boben durch die äuffere Luft mit ang 
wird; wie id) oben von den $aubfröfchen err 
babe. Wenigitens figeint der Bau der Fı 
diefe Bewvegungsart zu bejtätigen. 

Ich weis nicht, ob die rothe und fleijchfai 
Holzraupe dergleichen Füße nicht haben ma 
zu folhem Anhalten fo gefickt find; weni 
gebrauchet fie fich einer andern Erfindung, 
fie nicht allein die Bäume, fondern auch ein 
hinanfteigen kann. Cie bäfret nämlid) mit 
Kopfe einen Juden, im Sickſak an den 2 
oder an das Olas, von einer Seite zur and 
die Höhe; und machet ſich dadurch eine Strid 
wovon fie die Sprojlen mit ihren Füßen nac 
ander beſteigt. Weil folglich der Kopf i 





in dem Thierreiche, 367 


efes darum weniger Verfiand , Abficht oder 
unft, weil esein Fleives Tierchen thut, als wenn 
; Menfchen zu ihrem Gebrauche thaͤten? oder iſt 
e barinn bewieſene Weisheit nicht vielmehr dadurch 
nbegreiflich groß, daß die fertige Ausübung ſolcher 
dunſt einer unerfahrnen unvernünftigen Seele hat 
nitgetheilet werden koͤnnen? 

Es giebe noch viele andere ganz ſonderbare 
Bewegungen in Diefer Art Inſecten, als der Span⸗ 
enraupen, welche auf eben die Art weiter kommen, 
18 wenn ein Menſch mit feinen äufferften Fingern 
Pannenmeife etwas mißt“. Sehr viele Raupen 
aben die Art an ſich, wenn fie in der Höhe ſind, 
md ciner Gefahr entweichen wollen, dar fie ent» 
veder jäbling an ihrem Haden, als an einem Seile, 
yerunter fabren, oder ſich zuſammen rollen, und 
yerunter fallen, daß man nicht weis, mo fie geblie— 
yen find; da dern der Ball denen Garichen oder 
Borjtenraupen nicht ſchaden kann. Der Herr 
Koͤſel har auch eine Raupe bemerfer, die ſich, recht 
mit Bedacht, wenn fie das Ende einer Kühe erreis 
het, erſt zurück ziezt, und alsdann mit einem 
Schuſſe herunter ferinar, dabey aber allemal auf 
ihren Süßen zu ffehen kͤmmt'?. Sauter aufierors 
deutliche Bewegungen, worinn fte Durch Die Natur, 
zu ihrer Erhaltung, unerrichtet find! Wer fat 
aber viele langſam kriech nden Thierchen unterwie—⸗ 
fen, das ſie. nach ihrer Verwandlung in Papiliens 
oder EScnimervigel, fo bald nur ihre Flugel aus: 

gebreitet 
16 Roͤſel Nachtvi gel, INI,Claſſeen. 183. 
7 Roſel Nasbrvögel, 1) Claſſenn. XV 63. 


. oT ee een a = © . 
»*. 


FE 


. li, 5 6 gta — ya DW un .- 
U} 
.. . Pal . 


Daß Thiere ſich zu bewegen wiffen, t 
Feine Süße, Fluͤgel oder Fittige haben, wit 
ein Raͤthſel feyn, wenn wir es nicht in d 
fahrung von den Schlangen müßten, mie fü 
laͤnglichten Koͤrper, durch bloßesZufammenzief 
Ausdehnen, durch Kruͤmmen und Wend 
Glieder, fortſchieben. Das iſt uns doch 
dieſen Laͤndern was fremdes, daß ſolche Thi 
auch auf die Baͤume hinauf winden Fünne 
ſie ſich zuſammenrollen, aufrichten, ja mit 
Schuſſe oder Sprunge ſchnell auf ihre Beute 
ren, und wohl gar Voͤgel oder Fiſche erbafd 
Da erfeget eine Bewegungsfunft den Mang 
Werkzeuge. Andere ohnfüßige Thierlein fi 
borne Springer. Sch habe in gewiſſen übe 
Kirfchen kleine Maden gefunden, und in den 
den gehabt, die den Kopf und Hintertbeil, 
der ftchend oder liegend, an einander boger 
anftemmeten, fodann mit einer großen Schne 








370 V Abh. Bonbefond, Abſichten 


feiner. Fittigen, und feines Schwanzes fe 
ſtoͤßt, wadelt, fteuret, und babey ein | 
wicht hält, ohne auf die Eeite zu. fehl 
fönnen wir ziemlichermaßen aus unfern 
fahrten begreifen: und biefe find vielleit 
bloße Nachahmung ber Fiſche erfunden, 
hätten wenigftens darnach erfunden werben 
gleichwie auch derjenige Bau von Schi 
ſchnellſte Fahrt giebt, deſſen Umkreis dem 
eines fchnellen Fiſches am nächften koͤmnmi 
es ift nicht fo leicht, zu erklaͤren, wie es doch 
mache, daß er im Waſſer, fo oft er wi 
Höhe oder in die Tiefe fahren kann, da er 
mal fo fchwer ift, wiedas andere mal. Es 
die Grätenfifche haben eine Luftblaſe im Le 
zwar bald aus einer einfachen, bald gel 
Hoͤhlung, bald länglicher und duͤnner, be 
und ftumpfer, bald in dem untern bald in- 
ren Theile ihres Bauches; und zu diefer X 
von ihrem Magen ein Dudtus pneumäticus 
aus ſuchet man denn nad) den hydroſtatiſ 
geln dag Steigen und Sinfen folcher Fiſch 
lid) zu machen. Mämlih, wenn andı 
Fiſche, es fey in der Blaſe felbft, ober 
Bauchmuskeln eine Kraft haben, fich zufaı 
ziehen, wie vermuthlich iſt, fo wird der 
ihres Seibes kleiner. Da er nun alsder 
Fleineren Raum einnimmt: fo übermwieg 
mit der unveränderten Schwere feines 

die Menge des Waflers, welches dem Umf 
nes Leibes gleich koͤmmt, und finfe n 
Grunde, Wenn er aber in die Höhe will 





me, Nämlich, m 
fa dm ont Am * 
Aa örpet, 


j el BL FIME wi 






ten, an venen giſchen, vie an 
— Sufeyu fhöpfem. 
aus koͤnnen wir auch begreifen, auf mas 
da die Höhe gefommen find, und 








TUneugın, 
Er 





Bes ä T : : at & 
BR ll 
Bayer. just Fr 





* 


366 V Abh. Von beſond . Abſchten Ge 


einwaͤrts gebogenen Haͤckchen beſetzet ift, 'uı 
ſammen gezogen werden kann. Wenn n 
Raupe ein Gewebe, ein: Blatt, einen Aft & 
fo feßet fie mit jedem Schritte und Anfegen ei 
ben Fußes pie Sohle platt an, und zieht | 
denn mit allen Hafen. einwärts, daß fich die 
chen anhalten und eingreifen; dehnet aber aı 
jebem Abfegen Die Sohle nebft den Haden ı 
aus, daß fielos laſſen *. Es kann auch feyi 
die Raupe, nebft biefem Hülfsmittel fich an 
ten, bie mittlere Sohle aufwärts ziehe, de 
ein lediger Raum entſteht und ber Fuß an 
platten Boben burch dieäuffere Luft mit ange 
wird; wie id) oben von den $aubfröfchen em 
habe. Wenigftens fcheint der Bau der Fu 
diefe Bewegungsart zu beftätigen, 

Ich weis nicht, ob. die rothe und fleifchfar 
Holzraupe dergleichen Füße nicht haben ma« 
zu folhem Anhalten fo geſchickt find; menis 
gebrauchet fie fi einer andern Erfindung, r 
fie nicht allein die Bäume, fondern auch ein 
hinanfteigen kann. Sie haͤftet nämlich mit i 
Kopfe einen Faden, im Sicfaf an ben B 
oder an das Olas, von einer Seite zur ande 
die Höhe; und machet ſich dadurch eine Strick! 
wovon fie die Sproffen mit ihren Füßen nach 
ander beſteigt. Weil folglich der Kopf ir 
voraus arbeitet, fo finden die Füße allenth 
einen Strick, woran fie ſich halten Finnen **, 

| 


14 Röfel Nachtvoͤgel, I Claffe n. V. F 5. p. 37. | 
25 rRoͤſel Nachtvögel, II Kfaife n. Kun $; 7 





in dem Thierreiche, 367 


darum weniger Verſtand, Abſicht oder 
t, weil es ein kleines Thierchen thut, als wenn 
senfchen zu ihrem Gebrauche thaͤten? oder iſt 
zeinn bewiefene Weisheit nicht vielmehr Dadurd) 
zreiflich groß, daß die fertige Ausübung folcher 
T einer unerfahrnen unvernünftigen Seele hat 
erheilet werden Fünnen ? 
Es giebt noch viele andere ganz fonderbare 
jegungen in Diefer Art Tinfecten, als der Span—⸗ 
aupen, welche auf eben die Art weiter kommen, 
ven ein Menfd) mit feinen äufferften Fingern 
nenmeife etwas mißt“. Sehr viele Raupen 
n die Art an ſich, wenn fie in der Höhe ſind, 
einer Gefahr entweichen wollen, daß fie ent» 
'r jähling an ihrem Faden, als an einem Seile, 
neer fahren, oder fie) zuſammen vollen, und 
nter fallen, daß man nicht weis, mo fie geblics 
find; da denn der Fall denen harichten oder 
ftenraupen nicht fchaden kann. Der Herr 
jel har auch eine Raupe bemerket, die fich, recht 
Bedacht, wenn fie das Ende einer Hoͤhe errei— 
, erſt zurück ziehe, und alsdann mif einen 
yuffe herunter ſpringt, dabey aber allemal auf 
n Fuͤßen zu ſtehen femme”. Sauter aufierors 
tliche Bewegungen, worinn fie durch Die Natur, 
ihrer Erhaltung, unserriäptet find! Wer hat 
r diefe langſam kriechenden Thierchen unterwie— 
daß fie. nach ihrer Verwandlung in Papilions 
e Sommervoͤgel, fo bald nur ihre Fluͤgel aus» 
gebreitee 
Röfel Dachtvigel, NI Elaſſen. 183. 
Xoſel Nachtvoͤgel, 11 Claſſeenn. XVL 6 3. 





— 
e . 


368 V Abh. Von beſond. Abſichten Gottes 


gebreitet und trocken geworden ſind, alſofort in die 
Luft ſetzen, und fo hurtig herum fliegen, als ob ſie 
ſich fchon lange darinn geübt hätten? Ya, wer gas 
die Wafferinfecten gelebret, Daß fie, noch vor ihrer 
Verwandlung, an einem Halme aus dem Waffer 
fleigen, und, nach abgeivorfener Puppenhaut, dis 
tüfte noch viel ſchneller, als vorhin Das Waſſer, 
theilen ? \ oe 
Daß Thiere fich zu bewegen wiſſen, bie ges 
feine Füße, Fluͤgel ober Fittige haben, würde ımg 
ein Rärhfel fen, wenn wir es nicht in ber Er 
fahrung von den Schlangen müßten, wie fie ihren 
laͤnglichten Koͤrper, durch bloßesZufammenziehen ung 
Ausdehnen, durch Kruͤmmen und Wenden der 
Glieder, fortſchieben. Das iſt ung doch aber in 
dieſen Laͤndern was fremdes, daß ſolche Thiere ſich 
auch auf die Baͤume hinauf winden koͤnnen, daß 
ſie ſich zuſammenrollen, aufrichten, ja mit einem 
Schuſſe oder Sprunge ſchnell auf ihre Beute sufaß- 
ren, und wohl gar Wögel oder Fifche erhafchen "*, 
Da erfeget eine Bewegungskunſt den Mangel aller 
Werkzeuge. Andere opnfüßige Thierlein find ge 
borne Springer. Ich habe in gewiſſen überreifen 
Kirfchen kleine Maden gefunden, und in den Hin 
den gehabt, bie den Kopf und Hintertheil, entwe 
der ftchend oder liegend, an einander bogen, und 
anftemmeten, fodann mit einer großen Schneflfraft : 


abfuh⸗ 


eg Heury Jones Abridgment of the Philofophical 
Transadion Vol. V. P. Il. p. 170. fq. Alb. Seba 
T. II. tab. XXXVU. 1. 2. 3, ÄL. 2. Catesby 
T. 1. p. 43- 





rer 
— 


\ 


: dem Thierreihe. 369 
1, daß ich bey gefchloffener Hand bie 
Ihres Gtoßes, wo fie. anprelleten, ‚merklich 
Wenn ich. aber die Hand öffnete, fo 
ı.fie mir fo weit weg, daß ich fie kaum 
mden konnte. Roch eine andere Art der 
ng fehen wir an den Schnecken, Erdwuͤr⸗ 
mb dergleichen, welche theils ihre Bahn, 
nen ausgelaffenen Saft, felbft fchlüpfrig 
und Darauf mit Zufammenziehen und Aus⸗ 
? Fleinften Theile fortrutſchen, theils in 
auf gleiche Weife graben und wuͤh⸗ 
‚ auch halb berausminben, und das faub 
rung bineinholen. Die Mannichfaltigkeie 
Bewegungsktunft in den Thieren ift fo 
> unerfchöpflich, daß ich mich mit wenigen 
en begnügen und zu einer ganz anderen 

eilen muß. 

| $ 15. | 
bem Waſſer giebt es Thiere, die nicht als 
em Elemente orbentlid, ſchwimmen, fon« 
h wechſelsweiſe, fo oft fie wollen, aufs 
ven ; einige, die bald im Waſſer ſchwim⸗ 
tb in der Luft fliegen, wie man von dem 
n Fiſche weis, oder Die wohl gar in allen 
Elementen fich zu bewegen wiſſen, wie ber 
rboreus volans amphibius beym Seba; "? 
von manchen Inſecten nichts zu erwähnen. 
bit das Schwimmen gefdieht nicht auf 
Art. Daß ein Fiſch ſich durch Bewegung 
feiner 
wT.Isah,C.n I. - 
Aa 


370 V Abh. Von beſond. Abfichten Got 


feiner Fittigen, und feines Schwanzes fortr: 
ftöße, wadelt, fteuret, und babey ein Gle 
wicht hält, ohne auf die Eeite zu. fallen , 
Pönnen wir ziemlichermaßen aus unfern SH 
fahrten begreifen: unb biefe find vielleiche 
bloße Nachahmung der Fiſche erfunden, eb 
hätten wenigftens darnach erfunben werben fü 
gleichwie auch derjenige Bau von Schiffe 
fchnellfte Fahrt giebt, beffen: Umfreis dem Un 
eines fchnellen Fifches am nächften koͤmmt. 
es ift nicht fo leicht, zuerflären, wie es doch ein 
mache, daß er im Wafler, fo oft er will, 
Höhe oder in bie Tiefe fahren kann, da er dad 
mal fo ſchwer ift, wiedas andere mal. Es if ı 
die Grätenfifche haben eine $uftblafe im Leih⸗ 
zwar bald aus einer einfachen., gebapı 
Hoͤhlung, bald länglicher und bünner, bafkı 
und ftumpfer, bald in dem untern bald in da 
ren Theile ihres Bauches; und zu dieſer Blaſ 
von ihrem Magen ein Dudtus pneumaticns; - 
aus ſuchet man denn nad) den hydroſtatiſcher 
geln das Steigen und Sinfen folcher. Fiſche be 
lich zu machen. Naͤmlich, wenn anders 
Fiſche, es fey in der Blaſe felbft, oder ir 
Bauchmuskeln eine Kraft haben, fich zufamm 
ziehen, wie vermuthlich iſt, fo wird der Un 
ihres $eibes Pleiner. Da er nun alsdenn 
Pleineren Raum einnimmt; fo überwiegt ei 
mit der unveränderten Schwere feines KL 
die Menge des Waflers, welches dem Umfang 
nes Leibes gleich koͤmmt, und finfe m 
Grunde, Wenn er aber in die Höhe will: 


372 V Abh.-Bonbefond: Abſichten Gotte 


Koͤrper, durch Bewegung der vorderſten Fittig 
eine ſolche Richtung geben kann, welche feinen Kı 
erhebt: ſo wird er ſich, buch das Wackeln fein 
Schwanzes, in derfelben Richtung "forefchiet 
und alfo in die Höhe fommen. Wir-fehen fol 
aufwärts geftellte Richtung, unb Bas ſtete Ark 
fen der vordern Fittige, um fich in ber. Richtung: 
erhalten, an denen Fifchen, die an die Oberflaͤche 
Waſſers gefommen find, um $uft zu ſchoͤpfen. D 
aus fönnen wir auch begreifen, auf was ® 
in die Höhe gefommen find, und begreifen, md 
die vorbern Fittige nicht arbeiten, daß der fihe 
vere Theil Des Kopfes von felbft nieder inf‘; ie 
dem Fifche eine gegenfeitige Richtung nach Bi 
Grunde des Waffers geben müffe, darinn er du 
Wackeln und Steuren feines Schwarzes nach @ 
fallen in die Tiefe ſchießt. Stecket denn nicht 
beyderley Mitteln diefer willkuͤhrlichen Bewegu 
die genaufte Kenntniß und Anwendung der had 
ftatifchen und mechanifchen Regel, und der Schaue 
kraft der Luft? In melden Anfangsgründen d 
Mathematik und Naturlehre haben aber die Fiſt 
ſtudiret? * 
Andere Schneckenarten koͤnnen entweder ihm 
Leib zuſammen ziehen, und Waſſer durch eine Hef 
nung in ihre Schale einlaſſen; daher fie den 
ſchwerer werden und unterfinfen. Wenn fie Berg 
gen ihren Körper wieder ausdehnen und dur 
Heraustreibung bes Waflers ihr ganzes Gehäu 
füllen, fo werden fie leichter und kommen ind 
Höhe. Ober fie verrichten eben daffelbe, indem | 
die in ihrem Gehaͤuſe verfchloffene Luſt durch Ih 
* Ausde 


— 








gepflanzet, welche fie nicht erft lernen, a 
dürfen, — ſogleich mit *F * 
gen, und folglich einer höheren Ver * 

beit ihres Schoͤpfers zu danken haben, 

nifche Bau des Körpers giebt nur 

daß der Körper fo bewegt werden kann ; 
eine Marionette wegen ihrer Gelenfe men 
‚Bewegung leider, oder wie ein Schiff, Da 
Rudern, Steuer und Segel verſehen iſt, n 
nem beliebigen Orte gebracht werden kann. 





- - 
· —— 


Gras, "Heu, Stroh, Wermuth, Gift, Kr 
$eder, Horn, Haare, Federn, Holz, Muſch 
len und Steine, wohl ſchmecken. Wie muf 
eine jebe der Zungen innerlich befchaffen feyn' 
wie jebes Mafe, wenn ihr eine gewiffe Speifi 
riechen, wie die Zähne oder Schnabel, we 
dergleichen zermalmen , wie ber Magen ut 
Säfte, wenn fie diefelbe zur Gefundheit ver 
follen? Wie muß das Werfzeug des Geficht 
Adlern, Eulen, Nachtigallen, beym Söwen, € 
und Maulmurfe, beym Wallroffe, Störeund K 
ben der Schlangen, den Spinnen, Mücken beft 
ſeyn, daß es fich zu jedes Nahrung und &ı 
art ſchicke? Millionen Aufgaben! die meber«a 
ohne den größten Verftand, als möglich) zu ı 
fen, noch ohne die gütigfte Abficht als wirkl 
feßen, noch) ohne unendlidye Weisheit dur 
kuͤrzeſten Mittel aufzulöfen und zur Weberei 
mung zu bringen waren. 


—A mann ana eyv> uf. —2 um ırı et... Alla a2, 





in dem Thierreiche, 377 


nöthigen Werfzeuge, und Sinne, vorausſe⸗ 
fo ift zwar wohl zu begreifen, daß ein jedes 
fein Sutter, das fich in der Nähe befinden, 
re Senne, und zu fich nehme; inden Augen 
Naſe dem Munde gleichfam winfen, daß er 
Ragens Berlangen an der vorgefegten Speife 
üllen fuche. Allein, es ift damit noch nicht 
al ausgemacht, fondern, weil ihnen die Speife 
zu aller Jahreszeit und an jedem Orte des 
odens vor dein Munde jtcht; oder wenn fie 
vorhanden ift, nicht ohne liftige Erfindung 
en und bezwungen werden Fann: fo mußten 
ch eine Faͤhigkeit und Kertigfeit haben, ihre 
kungen darnach einzurichten. 


$ 17. 
Bas nun bie Umftände von Zeit und Ort bes 
‚ fo finde ich überhaupt vier bis fünf merk⸗ 
ige und Fluge Arten, wie die Thiere nach Dies 
‚mftänden ihre und ihres Geſchlechtes Nahrung 
jalten wiſſen. 
Erſtlich find einige, die für ſich zwar feine wei⸗ 
Nahrung brauchen, weil ihre $ebengzeit mit 
Sommer anfängt und aufhöret; deren Nach⸗ 
ven aber nicht beftehen Fönnten , wenn ihre 
ter nicht dafür geſorget hatten, daß die junge 
t, an dem Orte, wo fie ihr $eben anfängt, 
Speife zur rechten Zeit bereit finde. Das 
bey vielen Inſecten ein, die fich noch vor dem 
ufe des ‘Jahres verwandeln, paaren, Eyer 
, und oft bey dem Beſchluſſe dieſer letzten 
Yung , gleich als wenn fie nun alles in ber 
Yas Wele 





378 VAbh. Bonbefond. Abfichten Got 


Melt verrichtee hätten , wozu fie beſtimmt m 
ganz entfräftee einfchlafen. Aber ehe fie au 
Welt fdheiden, legen fie ikre Ener nicht hin 
fie zufommen, um ihrer nur los zu werden; 
dern, wenn fie felbft aus dem Waſſer entfpr 
find, ins Waſſer; oder, wenn fie vom $ande 
gefommen, an eine gewiffe Pflanze; und zwar 
an die nahe, wovon fie jegt als Papilions | 
Nahrumgsſaft aefogen, fondern an eben die Pfl 
welche fie längft verlaffen haben, und von me 
die kuͤnftige Raupenbrurieben fol; und da auı 
Herbfte nicht an die Blätter ſelbſt, welche ihr 
gentliche Speife feyn werden, aber bald a 
müffen, fondern an einen Zweig, ober an 
Stamm; und auch diefes noch ferner mit 
Unterfdyiede, daß die Papilionmutter einer ge 
gen Naupenart ihre Ener benfammen an | 
Pflanze in gewiſſer Ordnung Flebee, bingeger 
von einfamen Raupen ihre Eyer auf verfchie 
Pflanzen einer Art vertheilet. Da nun bie | 
jeglicher Artı nicht eher ausfchliefen, bis dieji 
Pflanze Blätter gewonnen, wovon die Brut I 
foll: fo ftehe ſolchen Thierchen, mit dem Anf 
ihres Lebens, auch ihr Futter ſchon bereit. 
Mit denen übrigen infecten, deren M 
fih vom Mifte, Kothe, Holze, Wolle, Aafe 
bendigen, oder was es fonft ift, naͤhren muͤ 
verhält es fich eben fo: jedes ſchmeißt feinen 
men nirgend anders bin, als an und neben 
Dinge, movon die Brut fich Fünftig nähren ı 
Und manche haben zu dem Werfe, ibre Eyı 
ben rechten Ort zu bringen, noch befondere V 








380 V A6h. Bon beſond. Abfichten Ge 


Winter übereilete, daß fie mitten in ihrem % 
hen nach ber Nahrung, von Mangel und 
entfräftee und erftarret,, liegen bHeben: fo ı 
man fagen, baß bierinn nichts, alsdie Dauer! 

Beit ihres Körpers zu bemundern fen. Allei 
fie fid) ben guter Zeit zu ihrem Schlafe, vor 
und zum Theil Fünftlich, -anfchicken, fo muß 
Der noch eine größere Weisheit Darinn erfi 
Unter den Raupen find zwar viele, welche, 
fie vor Winter nicht zu ihrer völligen Größe « 
men find, nichts weiter £hun, als daß fie fich 
die rauhe Witterung irgendwo verkriechen , 
nachdem fie den Winter unempfindlich überft: 
fo bald das $aub wieder ausfchläge, ihr übrig 
in der Welt verzehren; und ihr Geſchlecht ve 
ren. Andere aber weben ſich irgend in 
Blatte oder Winfel ein fünftliches Bette, o 
graben ſich in die Erde, und bauen fich dafell 
Mintergemach, das fie auch zumeilen , nad} | 
durft ihrer Natur, mit Tapeten und “Bette 
den. Hier ftehen ſie alten Sroft und Hunger, 
bungern und frieren, aus, und fommen im 
jahre nach ihrer Verwandelung, neu belebt 
ſchoͤne Papilions wieder hervor, 

Auſſer den Raupen, bringen audy bie . 
Ameifen, liegen, Spinnen, Schneden, 5: 
Eideren, Schlangen, den ganzen Minter fo 
Unter . ben Vögeln find gleichfalls viele, di 
wenn ihr Sutter aufhoͤret, in die Erbe, o 
irgend eine Höhle begeben, um ven Winter ü 


27 Klein Predromus Hiftorix avium, p. 217. 





‘ 


382 V Abh. Bon befond. Abfichten Gottes 


eine geraume Zeit des Winters, halb fchlafenb, ir 
ihren Höhlen ohne Nahrung beheifen, alsder Baͤ 
und Dachs; fo wie auch der Chamäleon und Sa 
lamander fih zu allen Zeiten auf das after 
verftehen. 

Diefe, und andere mehr, entweichen alfo ben 
Mangel ihrer Mahrung durch ſolchen befonden 
Trieb, ber ihrer Natur gemäß , und in der weiſen 
Vorſicht ihres Schöpfers gegründet ifl. Sie ha 
ben zuerft feinen Winter erlebt, und beſitzen Feine 
Calender, der es ihnen anfaget: dennoch wiſſen fü 

Zeit, ber Welt gute Nacht zu geben. Si 
fammien fich auch nicht einen Vorrath auf ber 
Winter, wie andere thun; audy wandern fie nid 
in die Gerne, da befiere Luft und Nahrung märe: 
das wäre nur für fie eine überflüßige und unnigı 

' Arbeit: 


wahrheit, Damit und Ar. Guer in feiner Hiſtoir 
Critique de l’Amie des Betes, Amft. 1749. 8. T. l 
. 56. gleichſam ald aus feiner eigenen Erfahrung 
beladen wollen, bag diefe Thierchen Epeife auf der 
inter zufammen führeten; indem fie eind ihre 
Geſellſchaft, auf dem Ruͤcken mit ausgeftredte 
Pfoten liegend, mit allem, was es halten Eönnte 
bepackten, und daſſelbe fobann bey dem Schwan 
in ihre Höble zoͤgen. Dennech beißt ed: Me 
möme j’aich dans les montagnes de Savoye erc. Der 
gleichen falfibe Nachrichten kommen in der Natur 
eſchichte überhaupt, und befonders bey den Trit 
en der Thiere, haufig vor. Ich habe mich dahe 
in allen dieſen Nachrichten an ſolche Männer gi 
balten, deren Borficht in der Erfahrung befanr 
(hr oder tie wenigſtens alled aus folchen Quelle 
aben. 


ip 





84 V Abh. Won beſond⸗ Abſichten Gottes 


fen: unter den Voͤgeln aber, uk ber Ael 

‚ ober Holz⸗ und Nußhäher, Pica glandari 
und nucifraga ꝰꝰ. Go wenig, als eins von der 
Winterfchläfern fich mit der Sammlung eines Vor 
crathes vergebliche Muͤhe machen wird: eben fo wie 
nig wird auch eins von biefer Art in ben Tag hin 
ein leben, und mit der gegenwärtigen 
en Mn a Alle wenben bie Bei Free 

e6 zur Erleichterung ber fünftigen Mochbuefl 
‘en: und man merket nicht, daß fie ihre Nechmung 

kurz machen, ober zu früh aufzehren, unb dan 
Gen den Nachbarn ihe Wrodt bettein ober fielen. 
Dieſe genaue hauspälterifche Sorgfalt fans 
wohl bey ben Thieren unmöglich aus Veberlegumg 
entftehen: denn bie würbe vieles Erfenntniß er 
fordern, was ihnen nicht zukoͤmmt. Sie haben ja 
feine Erfahrung vondem Wechfel der Jahreszeiten, 
und der Beſchaffenheit des Wintere; noch einen 
Begriff vom Zeitmaaße. daraus fie müßten, wenn 
ber Winter fornmen und mie lange er dauren wird. 
Vernunftſchluͤſſe, Worftellung des Zufünfei 
und eine Selbfterfindung der bequemften Mi 
zum Zwede, kann man ihnen auch nicht beymef- 





so Siehe Korn. Keffens Infeo - Theologie, p. 166.14. 
Klein Quadrupedum Hift. Nat. p. sh. Een der⸗ 
ſelbe ſchreibt von den Aelſtern in Avium Prodrome 
P. 61. ſq. Pica glandariagulam et inglnviers fuffar- 

ciuas glandibus, quas pro pens in savis arhoribus de- 
ponis. it. Pica mucifraga, pars frangens, pars per- 

.  Sundens avellanas: nidificans in_cavis.arboribus, aw- 
Sumno nuces gandeique, prout ice glandarie, in ae 

BSoribas recomdunt. 


Andere be 

aufferordentlich, tvegen des Mans 

weil ihr ordentlich Futter, da, wo 
ea 
Seid don Beitmänfen, die irn Etsic) Sernach 
m Sr Dt Oi len 

ig ol 
m Inn au oh 





386 V Abh. Von beſond. Abfichten Gottes 


wohnte Wögel fehen, dig vermuthlich durch allzu 
große Kälte und Nahrungsmangel aus nordlidyen 
Gegenden vertrieben ſeyn muͤſſen. Zu geſchwei⸗ 
gen, was wilde Thiere, inſonderheit Woͤlfe, des 
Winters vft fuͤr Zuͤge thun. 

Alten, ich rede hier hauptſaͤchlich von benen 
Thieren, welche jährlich zu gewiſſer Zeit kommen, 
und zur andern wieder weggehen; von welchen ich 
nur die Vögel und Fiſche zum befannten Beyſpiele 
ftellen will. Die wandernden Voͤgel finb theils 
Strichoögel , die mit niebrigem Fluge, und gen - 
ſtreuet, allmaͤlig weiter gegen Süben ihrer Aernte 
nachfliegen, und dennoch ihren Kreislauf halten, 
daß ſie uͤbers Jahr zu derſelben Zeit, wie in dem 
vorhergehenden, wieder kommen. Andere ſind 
Zugvoͤgel, welche ich Hochflieger nennen möchte, 
weil fie, nach geſchehener Aufforderung ihres An 
führers, fich ordentfich zu gemwiffer Jahreszeit vers 
ſammlen, und fi) bald darauf heermeife, unter eis 
nem Oberften, über alle Wolfen fchwingen, um fo 
über See und $and in entfernete Gegenden, ' bie 
ihnen milbere $uft und Nahrung geben können, zu 
ziehen. Man fiehe fie aber im nächften Jahre zu 
gewiſſer Zeit heerweiſe wieder fommen, da fie fich 
Durchs Sand vertheilen, ja wohl ihr voriges Neſt 
wieder befuchen ?”", Eine wundernswürdige Beran- - 

ftaleung! 


3ı Bon dem Unterſchiede der Strich: und Zugvoͤgel 
verdienet Hr. Klein in Prodromo Hiftorix Avium, 
Sect. III. p. 154. fl. gelefen zu werben; da er Denn 
geneigt ik ‚ die mehreften zu den Strichuögeln zu 
sechnen, ober wohl gar einige der Davon en 





j 5 Be 


Su vein Thlereide. 387 


= teils die Mahrung von gewiſſen 

und aflerley Ungeziefer, oder von einem: 
theils aber auch das Hecken 
ie 
Ing te enthält al 

‚fo viele Merkmaale von einem 

„ und fernen Dorficht, die 

alles. Vermögen der unvernänftigen Thiere 

daß ich — — * men 

ausführen kann, fon (0 efer 

iere 3 Mi rlaffen muß. 


der jaͤhrlichen Wanderung der Fifche hat 
Bewandniß, Daß fie zu einer gejeßten 

die der Ealender ihrer Natur anzeige, eine 

um einen großen Theil der Welt thun, 

8 Waffer von Pflanzen, kleinen Inſecten oder 

1, wimmelt, welche für fie felbft — als 
die fie da mit dem Saiche abfegen, 

ind, Die Heeringe haben vermuthlich das 

1‘ weil a heermeife, aus den 

an alle Rüften bes 

a vu — beyden Seiten von 

—— und England, In die Oſt / und Nordſee 
ommen und, Gott weis wenn und wie, die Als 
— Zungen, wieder in ihren Winterhafen 
er — ne ER eine ee 







mathe. Tann 
ankguenn Ba Sue 
feiner -Phyfico Vheologiep. 887.1md o⸗⸗ nach · 
ſehin; anderer zu urpwieen 


mentes in den Hügeln auf, und wenn Die Juſn 
großen Heeren ſtreichen, welches fie von-« 
feben Ein Eönnen, fo verfolgen fie diefelben, und 
aber nen, Y je ihre Zeit a 
ins, Waſſer ren und einen 
Denn -aber der Mecrrabe | 
u Gina ‚ober an der Seite 
ſo weit er wi u die‘ ur zu 
zu fangen, daß er des Fiſches Ropf-zuerft | 
Schnabelkriegt ?*. ine Vorficht und Ser 
die. nöchig wär, daf die Firtige, Stacheli 
—— ſich nicht, beym 
Khlucen ſtraͤubeten, und ihn ſtachen 
Worficht hat. auh Swammerdam 4 
Waſſervoͤgeln bemerkt, benen man bie 
Fleiß verfehrt vorgelegt, melche fie aber all 
tig herum zu Drehen gerufßt ?%. 
Eine gar befondere Sifchjagb bale der 4 


pfige Adler in ber Suft.  Denn.erilautet u 





ei 3 6 dem nn } 398 
aus dem 


ame en Menu 


damit hoͤher ſteigen woill, fo ſchwebet 
—* — dam Köpfe, und nörpiger ifi 

ee Boa 
——— 8 ‚das Wale 


Der Bi Ber ftliche Bau. 
und Hauspaltung, ine genug, 
> dienet denen, welche fie gefehen, zum Exfiaur 
a über ſolcher Thiere Fühnes Unternehmen, ganze 
ie Eee ve. ri 
f e ihrer Wohn un 
m Din na Ihe ae "eine Haptabfiht 
ftalten ift, daß fie von den Dämmen, an 
d — auf die m — ui 
ing au ingen, um Diefelben zu er! 
5 —— u meifterich A 


find auch andere Thiere, bie fich ihres Raus 
u Durch einen. Sprung bemächtigen, wenn glei 
e’Thiere, worauf fie fauren, vieles an geſchwin- 
—— ‚oder Staͤrke voraus haben. So iſt 
he Spinnen , welche auch flirgende Juſecten 
ve. = — eine Art Bein, 










392 V A6h. Bon Befond. Abſichten Gottes 


den Thieren in bie, Augen fpringe. ud fie 

ausfraßet. ?”. | Ä 
Der Herr Trembley hat eine Art Polnpen ent 
beit, die um ihren Kopf bey fechszig kleine Hör 
ner ober Federn haben, welche fie einziehen und aus⸗ 
faffen fönnen. Mit dieſen ausgelaffenen Feder, 
hörnern machen fie im Waſſer eine ‚beftändige Be 
megung in die Runde, als mit einem Mühlenrade; 
und verurfachen Dadurch im Waſſer einen. Btrom 
oder Lauf, welcher Fleine Wafferinfecten herbeyieht, 
daß fie diefelben erreichen, und mit ihren vielen Ar⸗ 
men fangen und zum Munde bringen Finnen ”®, 
Mer follte glauben, daß ein Thter, welches keint 
Fuͤße, Zlügel, Hände oder dergleichen Werkzeuge 
ER Vögel fangen fann ?, daß ein Thier, welches Frine 
aͤhne hat, ſich an ein Thier mit Schnabel, Bei 
nen und Klauen, oder mit Schuppen und Fittigen, 
waget? daß ein Thier, melches einen breymal en 
gern Hals bat, als feine Beute dick ift, dieſelbe 
dennoch fangen, verfchlingen und verbauen Bann? 
Dennoch trifft .alles dieſes bey denjenigen Schlan⸗ 
gen ein, melche auf der Erde liegen, ober ſich anf 
die Bäume winden, undda als tobt liegen ober han⸗ 
gen, bis fie ihre Gelegenheit erfehen, einen Wogel, 
. ober 


37 Siehe von den fpringenden Spinnen, Hoockii Mi- 
crographiam (in der Defcription of CCC. Animalsl. 
p- 64.) von den Kröten, Klein Quadrup. Hift. Nat. 
p. 123. von der wilden Kate, Seba T. I. Tab. 
XXX, 2. 
38 Henry Baker’s natural Hiftory of the Polgpe, Lond, 
1743. 8. pP. 22. 








pärts in einer 
ihn dabey beftändig nach dem 
‚er in die Mitte koöͤmmt. Daum“ 
d ſorenget er ben Sand mit feinem Kopfe 
ner Fangjange aus dem Mitrelpunfte 
ed. uber, bis die Grube "einem 
aͤhnlich ſieht. Koͤmmt nun eine Ameiſe, 
es Aern innerhalb des Umfteifes von 
richten: fo erreget der Ameisräuber, durch 
ein und Sprengen, einen. Sandregen, 
fect in die ehre das abfchüfige Grube . 
ne hinein treibt, big er 
it feiner Fangzange erreichen, und aus. 
tigen, ober vielmehr auspumpen kann; da 
ıbeumibie ledige Huͤlſe, durch eben folches 
pt, wide aus Ki € Gruben din 
—8 5 wirft. 
wf.the Philofopk, Trans, 
me I ja Sebe T. Il;tsb-LVI. 
x. ET: Br Lı. Cu Telkr. FH 


394 V Abh. Von beſond. Abfichten Gottes 


wirft **. Ich frage einem jeben, wenn bas Thier: 
chen hätte zu ihm fommen, und fich bey ihm Raths 
erhoten koͤnnen, wie es boch ben feiner Bildung 
am beften zu feinem benoͤthigten Futter gelangen 
Eönnte: ob er ihm einen fo geſchickten une 
Anſchlag zu geben gerouß hätte? 


8 20. 


Gewiß, es liegt auch in der Raubthiere Ihren 
Trieben eine unverbefferliche Kunſt, und vollkommen 
Eluge Anwendung bee Mittel zu dem Zwecke, wegu 
diefe Thiere beſtimmt find, Man. basf nur bes 
Zweck zur Aufgabe machen, und allen menfchlichen 
Wis, alle Erfahrung und Wiſſenſchaft zu Hülfe 
nehmen: fo wird man finden, daß es nicht möglich 
fen, etwas gefthicteres auszubenfmn 

Unterrichtet mir doch bie Spinne, wie fie.der 
fliegenden Inſecten zu ihrer Mahrung bequemer 
babhaft werden Fünne,. als durch ihr Gewebe, oder 
wie fie ihe Gewebe felbft vortheilbafter anlıg 
Eönne. Wiſſet ihr derfelben Rath. zu geben, wie 
fie die Fäden von einem Baume zum aubern, vor 
einer Spige des Hauſes zur andern, ven einer 
Höhe dieffeits bes Waſſers zueiner andern jenſeits des 
Waſſers, hinüber bringen “und anheften ſoll ? Ich 
glaube, unterdeſſen, daß ihr nur ein leidlich IK 
tel erfinnen wolltet, waͤre die Spinne ſchon zehn 
mal, wohin fie feon fell; fie ſchießt ihre Eit 


40 Diefe® iſt wohl nirgend genauer —8 als 
bey dem unermuͤdeten Naturforfcher, den. Aufl, 
im Supplement Tab. XVII-XXI. $ 4-6, 


Sa vem Chierreiche. 
mit dem Winde aus, ſo haften vi wo 
—— an einem bienlichen Orte. 

das be etwa lieber horizontal nn 
‚vielleicht der Spinne leichter, ö 
leichen endlich wohl einmal, aber fe a 
vornehmer Freund aus Dresden berich · 
daß er einſt ein horizontal · Spinn enge · 
eine im u Baflicum- Aflanye 
ivorunter fich Die Stiegen zu verbergen 


30 Kann nicht fagen, von welcher Art 
Ian ſeyn Bo aber die 2 


Plage ge hinter meinem, 
‚die — Linien A die Wäfche gefcho» 
1, ein horizontales Gewebe einer gemei« 
he zwiſchen diefen Sinien beobachtet, Uns 
laube ich doch. nicht, daß folches-oft ge= ° 
Die Inſecten fliegen "nicht ſo viel auf und 
ts, als bin und ber, Sie würden alſo 
tils Darüber hinfahren, oder unten weg« 
enn das Gewebe horizontal waͤre. Auch 
e Sage wird fo viel nicht ins Netz brin ⸗ 
Ne ſenkrechte, welche Die Spinne erwaͤh ⸗ 
l das Meg dichter, foll es lockerer, ſoll 
d da dicker oder danee ſeynr ch fürchte, 
Auſſeren Faͤden nicht vielmal dicker waͤ⸗ 
die inneren, (mie es bie Spinne zu mas 
) oder wenn es inwendig dichter wäre, 
Y jeder Wind wuͤrde das dichtere Gewebe 
ia, und von denen dünnen äußeren Fäden, 
anze Gewebe halten follen, abreiffen ; und 
He Arbeit vergebens. Wäre ce — lo⸗ 
erer 


ie roicd euch auslachent ie brauchet Peinen Stu 
Spuhle, keinen Kamm keinen Durchſchuß des 
feine Knoten: ihre hinteren Füße — 


nen Winkel, als auf ber faure 


der Spinne übel: fie iſt in der D) 
Seiten am nächften zu ihrem Rau 
dem Mittelpunfte das zartefte Gefühl‘ 
wegung, die im Umfreife ihr Meg 
fie ige Nies ei — 


Ze und — koſten, als 
MWerm aber ein Thierchen in ihr Netz ge 
iſt, wie wird es die Spinne machen, daß 
wicht wieder los reißt? Sehet ihr nur; 








ner Thiele 397 
— auf, Bis the der Hunger 


u Y° fit B Es, 
— in die Raub · 
von dem weiſe · 
Bee en, Su Ben 
erüftet find, zu v in; aber, 
erkennet doch auch zugleich, * fie nicht da 
‚einige Arten von en ‚gahız auszurotten, 
im den, zutilgen, und ihre An» 
} und in ein bequemes 
iß zu fegen. = Die Raubthiere mußten 
ſeyn, und konnten in der Naturkette 
Erpeübleiben; ‚fi fie gehörten mit zur Mannichs 
fkeit und Vielheit des Lebens in der Welt. 
da fie auf Unkoſten anderer Arten leben muß · 
6 find ihnen. von dem weiſen Schöpfer enge 
gefeget. Es ift längft bemerket wor- 
die ſchaͤdlichſten und ſtarkſten Raubthiere, 
Tieger u. d; gl. mit feiner beſonderen 
eilt ‚begabt find; daß fie ich nicht fo 
hren, als. andere; und daf fie fich unter 
felbft aufreiben ; oder daß wenigftens ihre 
e Brut andern häufig zur Speife Dienen-muß ; 
— * Crocodile von Fiſchen häufig wegge.· 
iſt auch ein befonderer . 


— ber fie nicht allzuviel Verwuͤ . 
Seen läge: entweder, daß fie den ne 
k.fehlafen, oder daß fie ihre erhafchte Beute 
fan verbauen, und alfo-lange daran zu zehren 
h, ‚sole die Schlangen und Crocodile, — 





398 V A6h. Vonbeſond. Abfichten Bortes 


bie Thiere ganz verſchlucken; ober daß fie fich fehr 
auf das Hungern verſtehen, wie die “Bären und 
Wölfe. Der Erocobil verfchludet auch wohl große 
Steine und Srüde Holz, wenn er fonft nichts har, 
nur daß der Magen nicht zufammen fchrumpfe: er 
iſt dabey fo.fteif und unbiegfam, daß er ſich niche 
burtig drehen und wenden kann, und daf ihm alfo 
die meiften leicht entwifchen ⸗* Einige find and, 
die fih im Falle ber Noth, ftatt der Thiere, mit 
Kräutern, Wurzeln, ober fonft etwas, behelfen. 
Wenn: dagegen einem gefräßigen Raubthiere allt 
Vortheile zufammen, naͤmlich Größe Stärke, 
Werkzeuge, Geſchwindigkeit, ft, Kunſt, nebſt 
fruchtbarer Vermehrung, beygelegt waͤren: ſo 
wuͤrde ſolches zum größten Nachtheile anderer Thiere 
uͤberhand genommen, und manche Arten wohl gar 
vertilget haben. Aber nun iſt alles dieſes vertheilet 
und gemaͤßiget, und daher bleiben alle Arten von 
Thieren in einem gleichen Verhaͤltniß. 

Zu dieſem Oleichgewichte im Thierreiche tra⸗ 
gen auch die Mittel, welche den ſchwaͤcheren Thies 
ren zu ihrem Schuße gegännet find, vieles bey. 
Sie haben zum Theil auch ihre Waffen, fich zu 
wehren, und willen fie von Natur zu ihrem Vor⸗ 
theile zu gebrauchen; fie kennen die Blöße und 
Schwäche ihres Feindes; oder es koͤmmt ihnen bie 
Schärfe ihrer Sinne, Gefchwindigfeit, Kunſt, 
Vorficht und Klugheit, zu ihrer Rettung und Sie 
cherheit zu Statten. Und von diefen Vertheidi⸗ 

gungse 
ı Siehe von dergleichen Einſchraͤnkung der Raubthi 
‘ —— Eile beym Catesby TU p. 63. vie 


in dem CThierreiche. 399 
Mai: jeder. Innen Ace fo ea Ban 


ler Macht, Hurtigteit 
das nzengeic 1 
— n in 
Be erhält 


E De alien y4 
mi 
We Kegimente ;_ SR den. Sifdhern 


u ‚aber, auch di 
x ne —2 — —* 







Di ie ode Bi eroifchen Füne 


d allemal genug übrig bleiben *, Ich 
Sn, daß zu folher menfhlichen Bor- 
U tieferes Erfenneniß nörhig ift, als nur 
je ber Fiſche zu wiſſen. Aber es erforder · 
olllommen deutliche Vorfiellung aller Wire 
"welche eine jede Befihaffenheit, Kraft 
trigfeit der Thiere, in der Verknüpfung; 
t, zum Schaden ober zur Rettung hervor» 
mirde; wenn anders darunter ein beftän« 
Ges DVerpältniß geftoffen merben ſollte. 
drucker fich alfo,ein görtlicher Werftand des 
ES und Regierers der Welt aus. 
will hier von demjenigen Schuße ber Thie« 
fogen, wenn fie, felbft Durch ihre Farbe, 
benachbarten Erde, dem Graſe, Laube 
ten, Baum zu unterfcheiden find; denn Das 
"bie Thiere % ferne felbft nichts. Aber 
Raupen finden dadurch Sccherhet ii. 


ves Späölnhe de I Nun Tu L PL p.. „48 


400 V Abh. Von beſond. Abfichten So 


fich ftets auf der unteren Seite des Blattes a 
ten ;"mwie id) dergleichen weiße Raupen auf d 
teren Seite des Eflernlaubes oft bemerfet 
welche fonft wegen ihrer Barbe leicht. ins @ 
fallen würden, wenn ſie die obere Seite beftie 


Die Blattwickler ſind ſobald nicht aus ben 

gekrochen, fo wickeln ſie mit ihrem Gefpinnf 
Dlart zufammen, barinn fie verdeckt ſeyn koͤ 
nur daß fie vorne und hinten, zum Ausgehen 
zum Auswurfe, eine Deffnung laffen. Ihres 
das Blatt immer näher zuſammen zu ziehe 
merfmwürdig. Denn indem fie auf die erſten 
ften Faden in der Mitte treten, fo biegen fü 
felben durch ihre Saft, und holen die Rändı 
Blattes, woran bie Enden der Faͤden gei 
find, näher zufammen. Da fann denn Die} 
fehon einen fürzeren Faden von einem Rande 
andern ziehen, und wieder darauf treten, biı 
die Ränder ganz zufammen rollen und f 
laſſen *. | 


Andere gefellige Raupen arbeiten gemeinfl 
lic) an einem Gefpinnfte, das verfchiedene Bl 
zufammen hole; weraus fie zwar nad) ihrem 
ter zu andern Blättern Friechen, aber body niı 


43 Der Herr Reaumur hat davon fihon eine « 
Anmerfung gemacht in den Memoires de PA 

. mie des Sciences 1730. p. 79. fqq. und diefe | 
der Thierlein in feiner & fectenb-ftorie umftar 
befchrieben. Siebe auch Hrn. Röfels Nacht 
IV. Claſſe, n. L. 1. fa. 





‚Kleid zu enge werden will, fo 
ſich bald ein neues, das meiter {ft +. 
bringen alſo Baer Kleider er 
nie fich auf die Weltz welche ihnen nicht ala 

"Sch abe die Suft, ek 
war, Es auch 
e "Vergleichen mottenartige War⸗ 

je fich in ein Gthäufe oder eine Hüffe, eine 
d en han und nagen, 
mit weiter gehen koͤnn Andere Meer 
— der fie über und 
mdübe Andere bauen fich bald von jers 
tem Grafe und Halmen, bald von’ Sopran 


Ne XIX Rafıle KClaf, er Zap 

3 in ben Mengire de Tacaemie du 

‚PAR. 200 — 329. Swamtnetdam 

145 79. fg. —— IV una. x Ev. 
Cr “ 










⸗ 


402 VAbh. Von beſond. Abſichten G 


Holzſpaͤnen, welche ſie abgekieſet, bald von 
koͤrnerchen, bald von kleinen Schneckenhaͤu 
eine cylindriſche Wohnung, die inwendiget 
ft, und Damit fie weiter Eriechen koͤnnen. 
find werth, daß man fie in Eabinetten auf 
es kann fie niemand fehen, ohne die Kunfi 
che darinn bewiefen ijt, und ben fertigen Tı 
verachteften Thierlein zu ihrem Schuge, | 
zu bewundern *°, 


5 324. 


Gleichwie aber dieſe fich, während ihres® 
thums und ihrer Nahrung, zu verwahren 
fo ſchicken fich faft alle Synfectenarten, nad) « 
ner völligen Größe, zu ihrer Verwandlun 
befonderer Vorſicht an. Sie entlebigen fid 
Auswurfes, verlaffen den Ort ihrer vollen $ 
und fuchen fid) einen geheimen verborgenen 
kel, da fie Die Zeit ihrer Verwandlung in € 
beit abwarten koͤnnen. Ein Theil befpim 

wickelt fi) in Blättern, welche fie zuglei 
den Aft des Baumes beften, daß fie im 
nicht mit ben andern zur Erde fallen koͤnnen; 
als wenn fie müßten, was den ‘Blättern fon 
Der Ordnung der Matur begegnen muß *, 
dere verfriechen fich nur in eine Ritze der $ 
unter das Dbdach eines Haufes, unter dag 
fallene taub, unter die Wurzeln des *Baume 
46 Roͤſels Warlerinfecten, II Claſſe, tab. XIV. 
tab. AV.XVI. $ 1. XVII. 62. 
47 Röfels Tagvoͤgel, ILElarfe, n. ILS. 





w· dem Thieweiche. 403 
—————— ni 
5 ihr eigenes beftändiges Mobell, 
——— et Chi Kan 66 
nie, 
— a Puppen; andere ziehen 
1 ſchnuͤren sich ietfe um dem : 
ib, daß fie als Puppen nicht herunter fallen Fött« 


5 ändere meben fidy, bald ein lockeres, bald 
a dichtes Gefpinnft, he Wins 
rbeste ſeyn folls und dieſes iſt entwe ⸗ 









Fäden gemacht, ober fie flechten ih ⸗ 
, oder zernagte Stückchen Blätter, oder 
Holsfpäne, oder Erd-und Sandförners 
inein, welche die ganze Behaufung von 
ecken; dagegen inwendig alles mit fanfter . 
überzogen iſt 9, 
les. hat, bey jeder Art der Thierchen, feine ges 
Kuss feine Ayla eg N 
rs gewebet und genitfet ; und es 
forget, daß fie als Papitions bequem 
us Fommen Fönnen. Denn ba fie in 
n ſtande keine Zähne ober andere, 
Ihr faft ledernes Gewebe aufzus 
Ak en; 6 pfügen einige ut 











0 VAbh. Ben sefpun. klären Gottes 
Be am. em Eben ge Sof ni 


Sie rgen Drzum pn ge 
andrängen darf, um es zw Be 
Gehaͤuſe an —— 






beſchließen 
fh in ein Ey, 8 ren Sao pi 
welchen fie Bea ann 
Art Raupen webet — 
das mit einem kunſtlichen Schloſſe an ber 
derwahret iſt. Es erheben ch nr De 
Ruͤnde des übrigen Gewebes 
einer Federkraft verfehene eg A je laufen in 
eine Spige, zufanımen : da fi “ ae als in eii 
Mittelpunkte, von felbft Feit 
fen, und alfo durch einen äußern — 
feſter zuſammen halten; von innen aber 
ade angen ſind, daß ſie ſich aus ——— ai 


Juin 


Pt) Si END ben in bee Sn 


50 2 —— UI Caſſe, n.6. $.5: 1. XXXIV. 
, $. 10. Supplement Tab. VILVIIL.$.16.p.53, 
5ı Röfels a ee acac .4.. 


Susdler Thierreich·. 408 
Gens 


Meile Ban ; 
—— 
Menke im. ihrem EiRistelpuunkse fihliehen, 
* t, wie barflbe Grand 
ie ſo —— die Sf Ye 
noͤthigen Schuge und zu ihrer Er- 
mit einer —— ee 
| y Er 
Br ohne —* fi er 


haben, iſt eh Werf, das nen erſten 

ig in einer blinden Natur haben kann, fon« 

Sdeftomehr, in dieſer blinden Natur, den 

1b, die Abſicht, Worfehung und Weisheit 
answchdet. . . 


—2R I Claſſe,n. V.5.5-9. 


"- Lolıgo, imd Polypus, führen ein Bebalt 
nee —— — — 


find, Se fie —— in der * = 
Bere, und fie unterbefjen entwifchen möge 
sole anbere meynen, damit fie ſelbſt u 


On ımwmermarbtan hanirkan mänen 





in dem Thierreiche. 407 


bekommen haben, Dun \ 


mungsflimme 
den Rücken zu fpringen, und ihre 
um deren Schwanz, Be ehinger fie als · 
Fin die. Höhe fitecker, herum zu fihlängen, 
ſich auf die ei feſt an die Mutter 17% 
em, wenn fie mis ihnen davon läuft *. 
tre- Thiere, verlafien ſich, gegen den Knı 
Af Ihren Panzer oder auf ihre. Waffen, 
mabillo it ein langfam Thier, aber er 
ine Stärke und — "Rei e 
n Harniſche von u Ki 
seien, wegen feiner Gelenke, 
mmung-leidet: fo wickelt er ſich mit-eine 
—— und Füßen als eine Kugel zus 
| "nd feet ſich dadurch gegen Klau und 
Sicherhe it z und in ſolcher ſicheren Ra⸗ 
Wiebe ‚er ſich auch, auf alle etwanige % 
m Schlafe . Das Stachelſchwein hat 
keine Befhrwindigkeit zu feiner Rettung 
V ober esftellee , durch eben ſolche Krüms 
ille feine Spiefie,in die Ruͤnde aufrecht zur 
Bafı der beißige Feind mit blutigem Mau« 
iefen wird. Sonft pfleget es auch wohl 
Yächeren Theile, Kopf, Bauch und Füße, 
boblen Baum, oder in eine andere Erd ⸗ 
ohlung zu verftecden, und ben ftachlichten" 


e 


408 V A65. Bon beſond. Abfichten Gottes 


Rüden und Hintern zum Beſten zu geben; da ihm 
denn nicht anzufommen iſt °%. Es giebt gar eine 
Art ſolcher Schweine, mit langen frißigen Sta⸗ 
cheln, von welcher man faget, daß fie ihre Gta- 
cheln, durch eine fehnelle Ausfpannung der Haut, 


als Pfeile von ſich fchießen, und ihren Feinden in 


den Leib werfen koͤnnen, bie denn, wegen ihrer Ge⸗ 


genhacken, ſchwer heraus gehen ‚aber ſeht leiche 


tiefer eindringen . 


Was ſoll ich viel von andern Thieren ſagen, de⸗ 

ven Wehr und Waffen bekannter find ? Ich wid 

n.ır überhaupt baben anmerken, daß, ein jedes 
Thier von Natur feine Stärke fühle, und fich der 
verliehenen Werfzeuge, es ſeyn Stacheln oder 
Hörner, Zähne, Schnabel, Klauen, Huf, Schee- 
ten, Zangen, ober fonft etwas, zu feiner Gegen 
wehre zu gebrauchen weis. Kin Pferd wird fi 
niche fo leiche- gegen den Wolf, mie das Schwein, 


mit den Zähnen verrheidigen wollen ; fondern e8 
kehret ihm den Hintern zu, fieht cücfwärts oder 


durch die Beine durch, und fchlägt mit den Hinter- 
füßen aus, daß der Molf zu Boden faͤllt. Ein 
Schwein hergegen giebt von hinten keine Bloͤße, 
ſondern drohet dem Wolfe oder Hunde mit ſeinen 
Hauern. Und ſo machen es ganze Heerben Pier: 
de oder Schweine, daß jene fich mit den Hinterbei⸗ 
nen, dieſe mit den Hauern, auswaͤrts gekehret, in 

einen 


56 Memoires de l'Acad. des Sciences 1727. p. 547. ſqq. 


57 Seba T. I tab.L.n. I. Memoires de l’Acad. des Sciem 
ces T.I.p. 28. & anni 1727. p. 549. ſq. 


ML | Thierreiche: 49 


reis fellen, und ihre Jungen in die ger 
en, wenn- ihnen ein reißend 
will. Der Hund weiſt feine, 


3 foßen,, ehe fie peroor gersachfen find. Sie 

— 7 
a! 

hr $ 26. 


end eine Art von Trieben zu berchten 
welche zur Paarung und Fortpflanzung 

his d Biene, Diefen Trieb haben alle Sie 
nmen , bey welchen ſich ein ziwiefaches Bes 
befindet; und es iſt umgefehet ficher : alle 
Die einen Trieb zur Paarung haben, fin« 
hein ander Gefchlecht in der Welt, damit 
paaren und unge erzeugen Finnen; 6 
8 zu Diefem Zwecke übereinftimmet, Dies 
ihäffte, welches die ganze Welt beftändig 
und die Abficht der Schöpfung unterhält, 
allen feinen Umftänden ein Wunder der 
‚ und voller Spuren einer göttlichen Weis. 
Ich will nur einige Davon, welche meinen 
’en am gemäßeften find, berühren. 


es Erf: 


410 V 255. Bon beſond. Möfichten Gottes 


Erſtlich wuͤrde bie Fortpflanzung ber Thi 
nicht erhalten ſeyn, wenn nicht das maͤnnliche u 
weibliche Geſchlecht einer jeden Art die Brunſt 
Einer Zeit empfaͤnde. So aber ſuchet und locket ei 
das andere in einem gewiſſen Zeitmaaße, und 
ſtillen ihre Begierden beyderſeits an einanber n 
gemeinſchaftlicher Luſt. Wie verſchieben if af 
nicht dieſe Zeit in fo vielen tauſend Arten ber Th 
re? und dennoch muß man geſtehen, daß fei 
einzige andere Zeit für jebe Art bequemer fe 
Pönnte; wenn man fie nad) ber Sebensbauer b 
Alten, nach ber Laͤnge ihrer Traͤchtigkeit, u 
nach dem Werhäftniffe des Syahres zu dem Yun 
balte der gebornen, ausgebrüteten, oder ausg 
Prochenen tungen abmeffen will. 

Wenn fic denn die Natur bey jedem reget: 
ift babey merkwürdig, daß ein jedes Thier den Ga 
ten feiner Art kennet, und von allen andern unte 
ſcheidet, ungeachter eine folche Aehnlichkeit une 
manchen Arten von vierfüßigen T , 
mehr aber unter den Vögeln und Fifchen, unb aı 
meiften unter den Inſeeten anzutreffen ift, dag w 
Menfchen, mit aller forgfältigen 
Mühe haben, eine Art nicht mit der anbern gu ve 
wechfeln. Wenn alfo die Thiere nicht vor Natı 
ein Elares Bild und LUnterfcheidungszeichen ihr: 
Art, und des andern Gefchlechtes in ihrer Ar 
hätten, und dieſes vor allen andern liebten; | 
würde eine wilde Vermifchung unter den Thiere 
entftehen, alles nach gerade ausarten, und viel 
Baitarte und Misgeburten in die Welt gefege we 
den; welches ber Vollkommenheit und Sluckſen 





Amber Thierreiche, u 
Ad nn man Daher ben 
‚auch folcher Verwirrung der Natur noch mehr dun 
ee folcher  Baftarte —— 


I * * x ⸗ Dieſe 


eigenen unleugharen Der‘ ‚be - 
er don einem en am Ges 
J einen Hänflinge 
‚bie ſich une vierte Ölied vers 
‚auch nur F 

te einer Art au ſeyn. ©. Job. 

ns Borftellung der Vögel, 1 Clarke, 
— das nimmt mich eben fo wenig 
ald wenn unter Menfehen weiße, und 
ficb paaren, und deren Kinder wiederum 

find. er en in den Me- 


‚de Trevoux 121. von dem 

s daß — die als⸗ 

near wären „ wenn fie ihre natürliche 

nicht hätten; Dergegen in ber Tartarep 

, mo fie ftey herum giengen,, auch ihr 

for jten. Allein, es it wohl gewiß, 

Diefes natürliche Thiere find , welche der Ges 

‚der Mauleſel mabe kommen, und daher zu 

Y Machricht Inlaf gegeben haben ; wie ich mich 

e in Hen. Bmelins Neifebefebreibung und 
anberwärtd arten au baben, Der berühmte Hr. 

innere Befbaffenbeit der Mauls 

Ba en in Keen Be und Befehl 

; fe in jergliederung zur ung 

befunden. Unter ben — "hie 

zen verftbiedener Arten giebt es mehrere Vermi⸗ 

ſchungen, ald von einem Efel md einer —* in 








400 V Abh. Von beſond. Abſichten Gottes 


ſich ſtets auf der unteren Seite des Blattes aufhal⸗ 

ten Wwie id) dergleichen weiße Raupen auf der un 
teren Seite des Elernlaubes oft bemerfet habe, 
welche fonft wegen ihrer Farbe leicht ins Geſicht 
fallen würden, wenn fie Die obere Seite befiiegen. 


Die Blattwickler find fobalb nicht aus bem Eye 
gefrochen, fo wideln fie mit ihrem Gefpinnfte ein 
Dlatt zufammen, darinn fie verdeckt fenn Pönnen; 
nur daß fie vorne und hinten, zum Ausgehen und 
zum Auswurfe, eine Deffnung laffen. Ihre Kunfl, 
das Blatt immer näher zufammen zu ziehen, if 
merkwuͤrdig. Denn Indem fie auf die erften läng« 
ften Faden in der Mitte treten, fo biegen fie bier 
felben durch ihre Saft, und holen die Ränder des 
Blattes, woran die Enden der Faͤden geheftet |' 
find, näher zufammen. Da kann denn die Raupe |' 
fchon einen fürzeren Faden von einem Rande zum’ | 
endern ziehen, und wieder darauf treten, bis ſich 
die Ränder ganz zufammen rollen und heften |“ 
laſſen *. 

Andere gefellige Raupen arbeiten gemeinfchaft- 
lid) an einem Gefpinnfte, das verfchiedene Blätter |: 
zufammen holet; woraus fie zwar nad) ihrem Fut⸗ 
ter zu andern Blättern Friechen, aber doch nicht fo 

weit, 


43 Der Herr Reaumur hat bavon fihon eine artige 
Anmerfung gemacht in den Memoires de PAcade- 
mie des Sciences 1730. p. 79. ſqq. und diefe Kunſt 
der Thierlein in feiner Inſectenbiſtorie umſtaͤndlich 
befchrieben. Siehe auch Hrn. Köfels Nachtvoͤgel, 
IV. Claſſe, n. 1. $ 1. fa. 





daß fie ich nicht bald. i hau 
ee " — —J 
Eine Kleider · und Pelzwerkmotte fie — 






ringen alſo die Kunft, ihre Kleider zu ne 

fich auf die Belt; welche ihnen nicht als 
n Schuße wider die £ufe, fondern auch wi⸗ 
—— war, Es giebt auch 







Bäumen dergleichen mottenartige Wie 
£, bie fich in ein Gehaͤuſe oder eine Hilfe, eine 
ind. fo an den Blättern hangen und nagen, 
weh Damit weiter gehen koͤnnen. Andere Maden 
affen einen Schaum von fich, der fie über und 
büber bedecket. Andere bauen fich bald von zes 
item Grafe und Halmen, bald von er 
i fie 





9: —B 
n. IV. 954. 

in den Memoires de Naeademie des 

5; 200 329, Swammerlam "Tora. I, 


$ 

| ee une Nachivoͤgel, IV Tlafleun, XVIE 

jun rer \ € A 
c 


402 VAbh. Won beſond. Abſichten Gott: 


Holzſpaͤnen, welche fie abgekiefet, bald von Se 
koͤrnerchen, bald von kleinen Schneckenhaͤuſerd 
eine cylindriſche Wohnung, die inwendig tape 
iſt, und damit fie weiter kriechen kͤnnen. D 
find werth, daß man fie in Cabinetten aufbeh 
es kann fie niemand ſehen, ohne die Kunft, v 
che darinn bemwiefen iſt, und ben fertigen Trieb 
verachteften Thierlein zu ihrem Schutze, bad) 
zu bewundern *°, 
5 34 
Gleichwie aber diefe fich, während ihres War 
thums und ihrer Nahrung, zu verwahren wifl 
fo ſchicken fich faft alle Inſectenarten, nach erhal 
nier völligen Größe, zu ihrer Verwandlung n 
befonderer Vorficht an. Sie entledigen ſich al 
Ausmurfes, verlaffen den Ort ihrer vollen Weil 
und fuchen fid) einen geheimen verborgenen Wi 
fel, da fie die Zeit ihrer Verwandlung in Sich 
beit abwarten koͤnnen. Kin Theil befpirme u 
wickelt fi in Blaͤttern, welche fie zugleich « 
den Aft des Baumes heften, daß fie im Herb 
nicht mit den andern zur Erde fallen koͤnnen; glei 
als wenn fie müßten, was den Blättern fonft na 
Der Ordnung der Natur begegnen muß ”. % 
dere verfriechen fich nur in eine Rige der Rind 
unter das Obdach eines Haufes, unter das abg 
fallene taub, unter die Wurzeln des Baumes, i 
vba 
45 Röfels Warferinfecten, II Claffe, tab. XIV, 6a. : 
tab. AV.XVI.$ 1. XVII. 62, 
47 Aöfels Tagvoͤgel, U Claſſe, m. UI. 42. 





2 indem Chiemeihe. 403 
Bofgy oder gaf tief in die Ere und da hat 
ede Art ihr eigenes beftändiges Modell, wie 

———— „Einige hängen fidh 


,‚ oder 
Solsfpäne oder Erd»und Earplömen 
————— ‚welche Die ganze Behauſung von 
dagegen inmendig alles mit ſanfter 

—— IE 

6 hat, bey, jeder Art der Thierchem feine ges 

fein Maaf; und feine Zufammenfügung } 

— —— gewebet und gewirket ;und e 
af geforger, daß fie als Popilions bequem 
jeraus Fommmen Fönnen. Denn da fie in 


gr ‚Züftande Feine Zähne oder andere 
[ 23 







‚haben, ihr faft Iedernes Gewebe aufzus 
Kr 2: 9 pfgen einige daft 





fein von diefer epten e- wie Die Raupen 
Inipr 


ut ‚Flechten, und die 
— gernagen ufammei 
eR De Team Om! öfel * 
en m Nr $63.XV.5 4 — 
er 1.56. ga —— —* 


XXXIIL. $, 
T. $. IV &laf, n. — i 


> er Papiion De üben def lkhtir mi 
von einander trennen kann °%. Manche bej 
ſtich in ein Ey, a mer 


Popilion nicht fähig, beraus p-funmuen: 
‚erweichen denn aurh Die Stelle, wo fie her⸗ 
er 
nach abgeiteei ee Pup) ut von 

Bund —— 


Ber fie — Eee 
t — 

I en par Melonen 

verneint 4 u erheben 


pc verfehene Fäden, 

Ben ———— 
Saar von op. 

fen, und alfo durch einen « ? Drud ni 

jeſter zufammen halten; von innen aber leit 

drängen find, daß fie fich aus einander 


Be 


ii 


in dem: Thierreiche. 405 


‚einen Ausgang verfatten; her⸗ 
member Boge aus Bm Mefte ft, ſich 
ſelbſt wieder in ihrem Mittelpunkte fliehen, 

— begreifen kann, wie derſelbe heraus 


Eine fo mais Sun, di die — 
—8 zu ihrem — — Bun 


, mit —— 

ven, ‚ohne dab fe felbfe daben erg 
Feine ober Ui 
ieh — ‚keit Wert das feinen —— 
Be blinden Natur haben kann, fon« 
das deftomehe, in dieſer blinden Natur, den 
Rand, die che, Vorſehung und Weisheit 
Schöpfers ausdrucket. 


— $, 2% 
ben Inſeeten, märe noch vieles von ben 
und vierfüßigen Thieren zu fagen, fo fern 
ve Mefter und Gruben nicht allein zu ihrem 
ſondern auch zu ihrer Sicherheit, 
und fünftlichfte anlegen. Aber 
mich zu weit in einen Theil der Natur⸗ 
hiehee führen , ber fich fo leicht nicht befchrei« 
laͤßt, und auch noch: nicht er und u 
a iſt. Ich will mich alſo lien 
denen Mitteln wenden, welche die Thiere ge» 
— Verfolgung brauchen. 
ſich nun manche Bauptfächlich nur mit 
—— es Falihen Beweguns 
in 6 


koptd Baetg, Mr nIV.I5—g 





er ruct oder ſeitwarts; Ja, er thur Sprunge 
ber, daß der Hund die Spur verlieren fol 
graue Cafuar mit einem Straußenfchnab 
wenn er gejaget wird, im Sickſack, daß die 
fenen Pfeile defto eher eriegen ”. Die X 
gel tauchen fchnell unter Waſſer, wenn au 
fchoffen wird, und fommen erſt weit von I 
te wieder hervor. Der fliegende Fifch re 
vor dem jagenden Delphin in ein ander € 
und gebrauchee fich nun feiner langen Sic 
nicht zum Schwimmen, fondern zum Fl 
der Luft; bis er fich mit mehrer Sicherheii 
ins Waffer begeben fann. Die Fiſche, 
Loligo, und Polypus, führen ein Behaͤlt 
fchroarzer Feuchtigkeit ben ſich; und lafl 
Dinte oft ausfließen, entweder wenn fie in 
find , damit fie der Feind in der finftern WB: 
kiere, und fie unterbeffen entwifchen möge 
wie andere mennen, damit fie felbft ihre B 
fo umnermerftar horifeon minen. Die 


Thierreiche· 407 


es ben, der Mus ' 

er auf den Fan, us ihre Heinen 

Schwanz — —* als. 

weg m, 

—— — feſt an die "Sc Val 
—— fie mit ihnen davon läuft ** 

werlaffen ſich, gegen den Ks 


* Panzer ober auf ihre Waffen, 
Ber ein langfam Thier, aber er 

— Biegfamkeit,. Weil er 
Knochen 


de von harten Knochen verfeen 

u Begen feiner Gelenke, eine 

3 ‚JO midkele er fich mit ein⸗ 

em Bun Babe — eine Re hr 
n, und ftellet dadurch gegen Klau un 

—— in felder fiheren Rd 

egiebt er ſich auch, auf alle etwanige Sp 

Schlafe ®, Das Stachelſchwein hat 

s. keine Belhroindigkeit zu feiner Rettung 

* aber es ſtellet, durch. eben folche Krüms 

‚alle — Spieße in die Ruͤnde aufrecht zur 

daß der I bien Feind mit blutigem Mau ⸗ 

wird... Sonft pfleget es auch wohl 

elite Theile, Kopf, Bauch und Füße, 

Baum, oderin eine andere Erd⸗ 

ndöelshöplung zu ie und ben u — 
\ üde 







® 


ah 





ide ee Necdham N. 
“elles obfervations Microfc net und von 


Te Bahn den ST. 1.5. Tom, I. 


5 Seba T. L tab. XXXVIL. n.2. 3,tab. LIE. . 





> 


408 V Abh. Von befond. Abſichten Gottes 


Rücken und Hintern zum Beſten zu geben; da Ihm 
Denn nicht anzufommen iſt *%, Es giebr gar eine 
Art ſolcher Schweine, mit langen rigigen Sta⸗ 
deln, von weldyer man faget, daß fie ihre Sta⸗ 


cheln, durch eine fchnelle Ausipannung ber Haut, 


als Pfeile von ſich ſchießen, und. ihren Feinden in 
den Leib werfen koͤnnen, die denn, wegen ihrer Ge 


denhocken ſchwer heraus gehen, aber ſehr leiche 


tiefer eindringen . 


Was foll ich viel von andern Thieren fagen, der 
ren Wehr und Waffen befannter find ? Sh wil 
nr überhaupt dabey anmerken, daß, ein jedes 


Thier von Natur feine Stärke fühlee, und fich der 


verliehenen Werkzeuge, es ſeyn Stacheln oder 
Hörner, Zähne, Schnabel, Klauen, Huf, Schee 


ten, Zangen, ober fonft etwas, zu feiner Gegen 


wehre zu gebrauchen weis. Ein Pferd wird fih 
nicht fo leicht gegen den Wolf, mie das Schwein, 


mit den Zähnen vertheidigen wollen ; fondern es 
kehret ihm den Hintern zu, fieht rückwärts oder : 


burch Die Beine durch, und fchlägt mit den Hinter- 


füßen aus, daß der Molf zu Boden fälle. Ein : 


Schmein hergegen giebt von hinten Peine Bloͤße, 


fondern drohet dem Wolfe oder Hunde mit feinen 


Hauern. Und fo machen es ganze Heerben Pfer⸗ 


de oder Schweine, daß jene fich mit den Hinterbeir 


nen, diefe mit den Hauern, auswärts gefehret, in 
einen 


56 Memoires de l’Acad. des Sciences 1727. p. 547. ſqq. 
s7 Seba T.I tab.L.n.I. Memoires de l’Acad. des Scie® 
ces T.I.p. 28. & anni 1727. p.549.1q. 


’ Be} Thlerreiche. 409 


reis hellen, ge 
en, wenn ihnen ein reißend % etwas 
"soil Der Hund reift feine, e, die 


nde damit nad) der Schnauze und den Aus 
Der Reiger hält den Falken, der über ihm - 
„immer feinen fpi entge · 
ß er ſich darinn —— Ya, ber * 
E und ein Bock will ſchon mit den 
Hoßen , ehe fie De nd. Sie 
—— Waffen nicht hinten 

— ſondern ſie 
—E — vor dem Beſihe der 


$ 26. 


iſt noch eine Art von Trieben zu betrachten 
welche zur Paarung und Fortpflanzung des 
hist Bene. Diefen Trieb haben alle Thie⸗ 
ümen, bey welchen fich ein zwiefaches Ges 
befindet; und es iſt umgekehrt ficher : alle 
die einen Trieb zur Paarung haben, fin- 
einander Gefchlecht in der Welt, damit 
paaren und unge erzeugen Fönnen; fo 
6.g-diefem Zwecke übereinftimmer, Dies 
Häffte, welches die ganze Welt beftändig 
und die Abficht der Schöpfung unterhält, 
allen feinen Umftänden ein Wunder der 
und voller Spuren einer göttlichen Weis» 
Ich will nur einige Davon, welche meinem 
ven am gemäßeften find, berühren. 


Cs Erſtlch 





jr eye mg nn 
gemeinfchaftlicher Luſt. Wie verfehieben 
nicht dieſe Zeit in fo vielen tauſend Arten d 
re? und dennoch muß man gefteben, de 
einzige andere Zeit für jede Art bequem 
fönnte; wenn man fie nad) der Lebensda 
Alten, nach der Laͤnge ihrer Trächtigfeii 
nach dem Werhältniffe des “yahres zu dem 
balte der gebornen, ausgebrüteten, oder 
frochenen Jungen abmeffen will. 

Wenn jich dern die Natur bey jedem rı 
ift Daben merfmürdig, daß ein jedes Thier d 
ten feiner Art Fennet, und von allen ander 
fcheidet, ungeachtet eine folche Aehnlichfei 
manchen Arten von vierfüßigen Thieren 
mehr aber unter ben Vögeln und Fifchen, ı 
meilten unter ben Inſeeten anzutreffen ift, t 
Menfchen, mit aller forgfältigen Beoba 
Mühe haben, eine Art nicht mit der andern 
wechfeln. Wenn alfo die Thiere nicht von 





— ‚Thierreiche, qu 
— — liefe. Daher denn 
‚auch folcher Verwirrung der Matur noch mehr 

die —— ſoicher Boſtarte — 
Er 





J A — 


nen 


r 
eines Hänflinge 
Die fich, en 6 Glieder, 
Allein, auch nur ver⸗ 
—* Bor ea rein. 
ung gel, I Clafe, 
„und das nimmt mich, eben fo wenig 
wenn unter Bu weiße und 
— und deren Kinder wiederum 
— — in den Me- 
a 121. von ben 
nur, — die als⸗ 
— wenn fie ihre natücliche 
ten; bergegen in der Tartarey 
je ftey berum giengen., auch ihr 
ee se 3 Allein, wohl gewiß, 
liche —* find, welche der Ges 
nabe kommen, und daber zu 
? Inlaß gesehen haben ; wie ich mich 
e in Hrn. Bmelins Reifebefchreibung und 
‚anberwärts gelefen zu haben, Der berühmte Hr. 
it, der die innere Beſchaffenheit der Mauls 
. unterſuchen Gelegenheit 3 Befehl 
A Den ie = der Zergliederung zur Zeugung 
inter dem vierfügigen Shies 
* Arten giebt es mehrere Vermis 
{ als von einem Eſel ımd einer Sen 


412 V Abh. Bon befond’Abfichten Gottes 


Diefe Kenntniß feiner Art iſt um fo vielmehr an 
ben Thieren zu bewundern, wo das Weibchen an 
der 


der Barbarep, worand ein ungehörnte | tafkie, 
Kumrah genannt, entfteht, von 
in feine Voyage dans der P —8 
de la Barbarie et du Levant, weiche aus dem 
engl überfest imHaag 1743. 4. be ekommen ifl, 
in den Obfervations phyfiques fur royatmıes 
dAlger. T. I. cap. N. p. 309. Rachricht giebt. 
er Herr Hallen fi t Mom. I. p. 306. von 
* m Biegenbode Geſchlechte: Dieſe Chiere ſcheinen 
eben ſo viele Aehnlichkeit mit den Schafen zu 
Daben, als dee Eſel mit dem Pferde: uad der 
Ziegenbock be'eget das Schaf eben ſo gerne indem 
fich der Widder untirdeffen, wegen des Klachfes 
bens wieder von dee Siege fchadlos halten laͤßt. 
Zuweilen erfolgen Davon einige Ausartungen, die 
Befchlechter aber bleiben dennoch immens unter: 
- f&bieden. Db er diefes felbit beobachtet, © aus 
andern Nachrichten genommen babe, wird dabey 
nicht angezeigt. "Ich habe in ben vermünftigen Ge: 
danken von der Natur eined Ungenannten, er ſich 
einen Chriſtlichen Gottesfreund nennet, p. 424. von 
einem Baftart eined Stierd und einer Stutte gele 
fen, welches Baf heißt. Ein guter Kreunb, ber aus 
Holland kam, erzählte mir auch, daß die Gottſelige 
Siatthalteriun eine dunkelbraune ſchwarz gefleckte 
Tiegerinn aus Oſtindien bekommen, die von einem 
Hunde, der ihr Geſpiel war, befruchtet ſey und 
Jungen geworfen habe. Wie ſie aber ausgeſehen, 
weis ich nicht; und meine Leſer werden dieſe Ver⸗ 
miſchungen nur zur weitern Unterſuchung anneh⸗ 
men. Denn man kann in dergleichen Berichten von 
Baſtarten nicht vorſichtig genug ſeyn. Doͤbel in 
feiner Jaͤger-⸗Practica I 3. p. 35. 2. bezeuget, daß 
er eine ſchwarze zahme Woͤlfinn in Deſſau mit einem 


Hetzhunde zugelafien, wace 6 tatte Jungen davon 
I\\ 


— — — 





Im bem Thierreiche, 413 









eb gu entgeben . 


pP. 177, a. fin. 


tommen, al 
übe wer» 
Geſchlecht fortpflanzen. Jedoch wäre 
‚ob auch dieß te jecht 
reine Art ingt, wenn 
behen von der veinen Art mit der ge= 


ſich 
Wenigſtens ſchreibt der Herr 
von Kihne, Amoenitt. Tomo Vi.p- 14. 
' , Hybride plante et animantes, propagatz per plurcs 


ſenũm ad matris naturam redeunt. 


% unterhält man in. Schweden die gute Schaf: 


\2 


r 





uw sy nee me. 
ſelbſt p. 13. Deswegen behauptet er in D 
Sexu Plantar. Petrop, 1760. 4. p. 9. fq. von 
zen ſowohl ald Thieren, die Subltantia cortic 
vom Vater, die medullaris aber von der X 
Was im Pflanzenreiche für Vermiſchungen u: 
flarterzeugungen möglich find, bat der Herr 
reuter noch mit mebren ſchoͤnen und Kun 
Verſuchen bewieſen in ber Nachricht von ı 
das Geſchlecht der Pflanzen betreffenden Ber 
Leipz. 1761. 8. und in der Fortſetzung 17 
Man fteht aber aus allen: die Natur wi 
ſelbſt Feine neue und ſich fortpflangende Vaſtan 
in der Welt haben. Die Thiere werden fich 
Ice Freyheit nicht mit fremden Arten beg 
und wenn man Thiere und Pflanzen durch : 
und Kunſt dahin bringet, fo ſchlagen fie endli 
dev ind muͤtterliche reine Geſchlecht hinein 

dieg nicht ware: fo wurden wir langfl Die 
Thiere und Pflanzen verloren haben, und 
Baſtarte oder Misgeburten wahrnehmen. 

auch Röfels Gedanken davon, Tagvoͤgel U 
n. V. $ 5. Die Berfuche der Menſchen an dei 
ren find indeg nicht zu tadeln; nicht allein 


in dem Thierreiche. 415 


n halten möchte. Ein befonder Benfpiel geben 
ns Davon gewiſſe Papilione, deren Weibchen gar 
tine ‚Flügel haben, und den Wanzen ganz ıhn« 
ch ſehen ?”. Ein ander Meitchen folder Papi: 
onen folire man gar Faum für ein Thier, fondern, 
ad) ſeiner Geſtalt und Unbeweglichkeit, viel eher 
ir eine Galle des Eichbaums halten. Dennoch 
ehen die Inännchen zu Feinem der fliegenden, ih⸗ 
en felbft meit ähnlichern Papilion : Weibdien auf 
ie Freyte, fondern gatten ſich allein mir einem 
ngeitalten WBanzen : oder Gallen » äbnlidyen Weib⸗ 
in. 

Ich habe mich auch oft daruͤber gewundert, 
sie Die Thiere das andere Geſchlecht ihrer Art, 
chon von Ferne, an der bloßen Stimme fennen. 
Run lege fich dieſes noch mohl begreifen, mo bente 
Heſchlechter ſtets beyſammen find , bende eine 
hnliche Stimme von fich geben: aber unter den 
Bögeln, Heuſchrecken, Grillen u. f. w. locket nıeh- 
entheils nur ein Geſchlecht, und läßt den Laut nicht 
ber von fic) hören, als big es zur Paarung rufen 
il. Wie Fennet denn das junge Nachtigalimeib- 
hen, in dem Walde, unter dem mancherley Ge: 
mitfcher von fo vielen Vögeln, feines Bräutigams 
Stimme von meiten? und warum verführer diefer 
iebliche Ton nicht hundert andere Vögel verfchies 
ener Art, daß fie alle zu diefem Sanger eilen, 
nd ſich um deffen Verbindung bewerben? Bey 
en Grillen ift es nod) fonderbarer, daß fie die Stimme 

ihres 
9 Röfels Nachtvögel II Claſſe, n. XXXIX. und XL, 
$ 4. fq. Supplement tab, XI. XIV. XL. 6, 


.“ 0. . Bam — 
m a ———— 









Es iſt weiter ben der Paarung der Ti 
bernerfen, theils dag die Zeugungsglieder be 
fachen Gerchlechtes einer Art fo wohl auf 
einander paſſen, daß fie nicht anders, als m 
ſicht für einander , gemacht feyn fönnen; 
daß jedes Thier in der Paarung eine Fe 
beweiit, die Stellung anzunehmen, und bi 
wequng zu verrichten, welche zu der Handl 
bequemſte iſt. 

Von dem erſteren haben wir ausneh 
Beweiſe an gewiſſen Thieren, deren Zeugun 
der auſſerordentlich geſtaltet ſind. Die wei 
Krebſe haben unſtreitig eine gedoppelte Def 
wodurch ſie den maͤnnlichen Samen empf 
und hernach die Eyer von ſich laſſen; und aı 
Seffnungen paffet auch ein gedoppelt Glie 
männlichen Krebſes, welches der unermüde 
turforſcher unfers Deutfchlandes, Herr Roͤſ 
zuderläßiaften anaezeiget bat. So vert 


—. 
? EN AT — — — we 





’ BIIZWIUEETEI s“ Lu viwiyee ss. usco, 1yU@w 3 


‚von gefchrieben, oder vielmehr gemuthmaj 


nicht allein ungewiß, fondern auch fehr ungl 
Der Elephant weis es, verräth aber die! 
beimniß der Natur den Menfchen nicht, 

fi) in der Gefangenfchaft nicht gattet. SQ 
Kameelen koͤnnten uns die Reifebefchreibum; 
Nachricht gegeben haben : ich weis aber nı 
wir eine zuverläßige haben ; wenigſtens wide 
ſich das fehr, was id) davon gelefen. Ae 
faget, H. A. VI, 60. Der Kameel verrich 
Begattung ohne Zeugen. Ein geehrter Frı 
Dresden, dem ich mich besfalls hiedurch oͤ 
fehr verpflichtet zu fenn erkenne, bat fih n 
balben die Mühe gegeben, und fich bie P 
der Trampelthiere mit doppeltem Pudel i 
Föniglichen Stalle zeigen laffen. Sie ift gı 
fonders: das Weib muß auf allen vieren 
knien und das männliche Trampelthier rutſi 
binten, in der Stellung, als wenn ein Hu 


“a hierreiche. 40 
—XäXCGCM 
— *—* 


tet er aus des Louis de Capine Itin, Amer, 
om den Erocodilen, ** welche in der That 
en des langen, fteifen und bieten Schwan 


420 V Abh. Bon befond. Abfichten Gottes 


daß fih das Weiblein auf den Rücken wirft, und 
den Schwanz ſinken läfit; da denn das Maͤnnlein 
inauf rutfchet, und von dem Weiblein mit ihren 
innen umfchlungen wird. Eine gleiche Stellung 
bat Leeuwenhoeck, unter den Fleinen Inſeeten 
den Kefern bemerket; °” da fich fonft Die Papk 
fione von hintenzu paaren , wie wir bey unſern 
Seidenwuͤrmern mwiffen; mandje Papilione auch 
gar in folcher Verknüpfung mit 'änander herum 
legen. | 
' "Biete Männlein unter ben Inſeeten, als dk 
liege, Wafferwanze u. f. w. fleigen dem Weib 
fein auf den Rücken. Aber es giebt auch andere, 
da das Mändlein von hinten unter bes Weibleins 
$eib riecht, wie ich felbft bey den Floͤhen wahr⸗ 
genommen habe. Und diefe Stellung erforbefte 
aud) die aufgerichtete Biegung des maͤnnlichen 
Zeugungsgliedes, und die hängende bes weiblichen. 
Bey den Heufchreden und Grillen beſteigt hinge 
gen das Weib den Mann, wie Hr. Roſel ange 
merfer ”. Die Gebärdung der Waſſernymphen 
iſt gar befonders. Das Männlein umfaſſet, wit 
feiner Halszange am Schwanze, dee’ 
Hals von oben zu, und das Weiblein felbft drucket 
ſich diefe Halszange mit ihren Worderfüßen begie 
rig an. Weil aber das männliche Glied unter der 
Bruſt, und das weibliche unter dem Schwanzje 
0 I fißt, 
66 Ceeuwenboeck in Arcanis naturx deteclis, p. ıg. 
67 Bon den Floͤhen, fiche Leeuwenb. p. 365 — 373. 
a afüredten und Grillen, n. I.n. II. $06. 
so 


/ 


;: dem Tpkrreice N 
——— Tune ba mc ' 
‚einander enrfernet zu ſeyn. fiehe, 
iblein frümmet ihren. langen - a 
— Ai * untere Bruſt be . 
ins erteichet hat; und in ſolcher ringmaͤß 
u ee 








ı ber männlichen Spinne iii in 
daß fie ihr Gewebe gerne auf 
—— — Basic 
nit vieler Behut ſamkeit umb Qurcht, 
——— Bann diefes it, 2 
ich einander, hängen beyde an ihren Fã · 
d vie es mir vorgefommen iſt, druͤcken 
im Bauch; ba fie ſich denn. bald barauf 
hder abftofen, und das Männchen wieder. 
WGemwebe.eilet. Ich dioß Daraus, daß 
| ri Beusunaealier. — in 
nhoek t auch das weil 
an eben der oberen Snelle'des 
ilder.. Allein, weil herr Car. Clerk 
Hd häufigere Beobachtimgen der Spin 
Meller hat, und behauptet, daß die Männ« 
tes Glied "on ea —* 
en, womit fie ben ber li 
ne —— betaſieten, ſtreichelten, 


und 


— X 


dr SL Bam € 11 Elaffe, nitsıs, 
— 





Veſchlechtsgliedmaßen an Der Seite Des. 
figen, welche fie zur Zeit ber Paarung, wi 
Hörner , gegen einander; auslaffen,, und 
einander fchlängen, und fo zugleidy 

dee fchmängern und von einander gef 
gert werden ”'. Die Fifche find, bekannt 
fen, als Mildy- und Nögenfifche, und folgli 
Männchen und Weibchen, unterfchieben. - 
aud) gewiß, daß fie ſich um die Laichzeit pa— 
zufammen halten ; ja, baß ſie ſich mit den B 
ftarf an einander reiben, und mit den Sche 
fhlagen; da denn bald Darauf das Weibche 
Roͤgen von fich läßt, und hernach das Maͤ 


63 ©. von der Gattung der Spinnen ‚Kefkre T 
theologie p. 77. Aceuwenböd 

Tranfad. Vol. XXII. n. 272. p. 882, ih 

neis lib. I. c. I. p. 2. welcher dem Hrn. Clerd 

maßlich vorgegangen iſt, daß die nodi anter 

vrelleicht ein geboppelter penis fepn | koͤnnten. 





konnte, Dev Trog war unten zweene Zoll 
groben Kieß ſande gefüllet. Fünf Zolle vom 
Sode ein vergittertes Soch zum Abzuge des 
| iu eine Klappe mit dichten Drathgit- 
verfehen, daß keine Waffermaus, aber wohl 
durchkommen Fonnte. Dann nahm er eine 
örelle, um die Zeit des Laichens, ftreichelte 
Bi Ddb4 fie 


‚Lie Siller in den Schwediſchen Abhand⸗ 
\  hungen Th, X.p. 109. faq. p. . und Tb. XI 
2.07. 0 na VRR RN 
9 
! Swammerdam in Biblis Nature T. Ip. 235. 












⸗ 


424 V Abh. Vonbeſond. Abſichten Gottes 


ſie ſanft am Bauche, bis ſie ihren Roͤgen in den 
Trog fallen ließ. Wiederum nahm er einen Milch⸗ 
Forellen, ſtreichelte ihn eben ſo, daß er auch ſeine 
Milch in den Trog ließ. Dieſes beydes, Roͤgen 
und Milch, ruͤhrte er wohl mit einander um, und 
ließ es ſeine Zeit ſtehen. Und ſiehe, die Befruch⸗ 
tung der Ener war dadurch bewirket; es kam eine 
große Menge junger Forellen in feinem Troge zum 
Vorfcheine +. Wenn diefem Verſuche, wie es 
ſcheint, wohl zu trauen iſt: fo weis ich bes Herm 
D. Grants Vorgeben damit ſchwerlich —5 
zu reimen ?*, daß die Eyer ſchon im Leibe ber Fi⸗ 
fhe, durch eine Paarung, die von der Paarung: 
anderer Thiere nicht abmeichet, befruchtet werben: 
indem bie Milchner gewiß eine Ruthe hätten, fe 
wie die Roͤgner eine Murterfcheide und Edyam, 
und benderfeits Glieder zufammengefüget würden, 
wenn ſich die Fifche an einander rieben. "beruft 
fich darauf, daß er die männlichen Glieder verſchie⸗ 
dener Fifcharten, theils getrocknet, theils im Wein⸗ 
geifte aufbehalten, und der Gefellfchaft ver Wif 
fenfchaften zu Ebinburg gemiefen habe: und daß 
man in dem fo befruchteten Roͤgen der Jächfe, wel⸗ 
hen fie in eine Grube verfcharret hinterließen, fü 
Lleint 


t ©. die phuficalifch « dconomifchen Auszüge, VI. 8. 
4 St. p. 552. fq. da auch erwahnt wird, daß eben 
diefe Probe anden kachfen gemacht worden fey. 

72 D. W. Grants Schreiben an ben Hrn. Hofrath 

von “aller von der Paarung und Kortpflanzung 
bes Pachfes, in den Abhandlungen der Schwedilchen 
Academie, Th. XIV. p. 142 — 146. 





I Ye De 4AB 


die in 
— Pt 
ana Scan Bei n . 


kam er Grant 
Aus ſchůͤttu bes Roͤgens noch der 
sas geſehen, bleibt die Befruchtung 
re im Murterleibe unbewieſen; und es iſt 
Ben, mas er geſteht, daß man in fols 
Eyern, die noch nicht von dem Rögner ges 
n keine kleine Fiſche ſehen koͤnnte. Gen 
iſt es noch, ae 

4 der Forellen die Beft 
im erleibe gänzlich aufhebt. 
ſo wenig kann damit beſtehen, was Here 
ODð Joh. 





426 V A6h. Bonbefond. Abſichten Gottes 


"job. Guſt. Wahlbom in einer Diff, de Spow 
falibus Plantarum unter dem Seren Linndo 1751. 
$. ı2. aus einigen Beobachtungen wiffen will, daß 
die nt ihre Ri — —— welche 
die ihnen folgenden Roͤgner begierig einſchluckten, 
und alſo ihren Roͤgen durch den Mund befruchte⸗ 
ten. Eine Meynung, die zwar nicht neu iſt, aber 
vermuthlich durch einen voreiligen Schluß gefaſſet 
zu ſeyn ſcheint. Wenn ich alle ſichere Erfahrum⸗ 
gen zuſammen halte: ſo kann ich nichts anders 
—— ——— 
i eine 
tung des Froſchlaichs hat. Das Reiben ber R⸗ 
ſche mit ihren Geburtsgliebern an einander mag 
eine Paarung heißen , foferne es einen Kügel und 
einen finnlichen Reiz zur Beywohnung erreget, bet 
bie Ausgießung der Milch und bes Rögens hervor 
locken fell: aber die eigentliche Befruchtung ber 
ausgegoffenen Ener fcheint doch erft außer bem 
geibe beyder Aeltern durch bie Ueberfchärtung mit _ 
der männlichen Milch zu gefchehen. So verhält 
es ſich mit den Fröfchen, nad) der zuverlaͤßigſten 
Beſchreibung unfersunvergeßlichen Roͤſels. Die 
Froͤſche figen einige Tage lang auf einander, und 
druͤcken ſich mit aller Macht. Heißt man fiege 
waltſam von einander, fo huͤpfet der Froſch alfobalb 
Begierigft wieder auf; bis dem Weibchen die We 
en anfommen, und fie ihren $aich wie einen 
from aus dem Geburtsgliede ſchießen läßt; da 
denn der Froſch zu gleicher Zeit als mit einer Con 
vulſion den männlichen Samen über bie Eyer 
frrüget. Und dann iſt alles befruchtet und ER 
ri 





zart Fred thierreiche. 
* Pen 
“ Be Roͤſel es 





—— ureichenden Grund von fo man» 
klam Echnbung urn tanfnaßigen ger 
ch begreifen kann ? Oder machet 





48 V A6h. Won beſond. Abfichten Gottes 


wie vorfichtig Die Inſecten ihre Eyer, bald in er 
uem Klumpen, wenn Die ungen gefellig find, 
bald, widrigen Falles, zerftreuet, da-anfleben, und 
pincin (chieben, oder fallen kaffen, wo. bie jumge 
Brut ihr natürliches Element und ihre Nahrung 
findet, wenn die Mütter gleich felbft dieſes Ele⸗ 
ment und biefe Nahrung nicht mehr, ſondern ganz 
andere, zu ihrem jegigen Leben gebrauchen, und ſich 
auch hernach um ihre Eyer nicht weiter bekuͤmmern: 
‚wie die Bifche, um zu laichen, bie fügen und | 
feichten Waſſer hinan ſchwimmen, und ihren Rio " 
gen am Ufer beym Schilfe oder in. Gruben auf dem 
Grunde, abfegen: mie einige Waffertbiere ober 
Vögel ihre Eyer bloß in den Sand verfcharren, daß 
fie von der Sonnenwärme ausgebrütet werben, am | 
dere diefelben in Neftern felbft ämfig wärmen und 
ausbrüten, und darnach ihre Jungen mit liebrei⸗ 
cher Pflege aus ihrem Kropfe füttern, ober ihnen 
zarte Speife zufchleppen : wie die vierfüßigen Thie 
ve ihren geworfenen “ungen bie Nabelfchnur abna⸗ 
gen, fie belecken, ihnen die Milch reichen: wie di 
Vögel und vierfüßigen Thiere, auch ein Theil ver 
Waſſereinwohner, ihre ‚jungen loden, warnen, 
vertheidigen, endlich aber entwoͤhnen und. von fi 
ftoßen: mie bey ven Bienen, Welpen, Ameiſen, 
weder Väter noch Mütter, fondern die Unfrucht, 
baren fich mit der Nahrung und Wartung ber 
tungen aufs ämfigfte-befchäfftigen ; viele andere 
Triebe, Fertigkeiten, Künfte und Verrichtungen 
der Thiere zu gefchweigen, welche gu ihrer und ih» 
zes Geſchlechtes Erhaltung, Scyuge, Luſt und 
Gluͤckſeligkeit dienen. .. j 
— Man 


— 


vide Thierceiche. ap 


wußte fehe boshaft ſeyn, wenn man 
emnen wollte, daß diefe Handlungen zu 
em Abfiche aufs kiugſte eingerichter find ; 
diefelben ihren erften Grund in einem ſeht 
enen Berftande und Willen haben müffen 


ten, wenn wir ihnen ein Vermoͤgen ° 
— — 


ch wie 
ee 
— * 
e davon In deſſn 7 oder Hei 


40 VIA. Vom NMenſchen 


VDild der thierifchen Triebe und Fertigkeiten; in 
weichen ſich fo viel Verftand, Einfihe, Kunſt, 

Weisheit, Abficht offenbaret, daß fie alles Bermi 

‚gen der lebendigen und leblofen Natur überfteigen, 

und niemanden, ‚als bem einen unendlich weifen 
Merkmeifter der Zangen Natur, 

- werben koͤnnen. | 


Die ſehſte Abhandlung 
Von dem · Menſchen an ſich, infonder: 
heit nach der Seele betrachtet. 


6 1. 

8 wird alfo nunmehro Zeit feyn, bag wir 

Menfchen auch an uns felbft denken, unb 
unfere Natur nach ihrer wahren Beſtimmung fen 
nen lernen. . Wir pflegen uns zum Theil in ben 
Mittelpunfe der Welt zu ftellen, und alle Abfich 
ten der ganzen Schöpfung auf uns allein zu ziehen. 
Diefe vornehme Einbildung fehränfet die Vollkom⸗ 
menbeiten Gottes und feiner Werke viel zu enge 
ein. Sie verurfachet, daß wir bie Welt und Ra 
tur aus einem verehrten Gefichtspunfte betrachten, 
und alsdann vielerley Unordnung, bie boch nit 
iſt, darinn zu fehen vermernen. Uns felbft aber 
machen wir nur unglüdlich und misvergnügt da⸗ 
durch, in fo ferne wir über unb wider unfere Be⸗ 
ſtimmung hinaus wollen, und bes eigentlichen 
Zweckes verfehlen. Die Welt ift um ber Lebendi⸗ 
gen 









& 


ehe wir uns mie unſern Gebanfen zu 
verſteigen koͤnnen, ſo moͤchten wir uns 
uch, vielleicht zu weit herunter fegen, wern wir 
nach unferer eigenen wefentlichen Befchaf- 
n und unferer Natur nachge heu. 
auf dem Erdboden nrit uter Thieren 
wollen wir ung gänzlich in deren‘ 
ihren Handl .. 





Wir Dürfen uns nicht außer uns ſuchen, un 
zu willführlichen Hypotheſen fehreiten, um 
fen, was mir find, mozu wir Bermögen 
und worinn unfere Natur, Lebensart und | 
figfeit befteht. Die innere Elare Empf 
‚und das Bewußtſeyn befien, mas in ung ı 
giebt uns das ficherfte und untrüglichft 
worinn wir ung felbft befchauen koͤnnen. 
$ 2 

Ein jeder unterfcheidee fein Ich, von f 
Dingen auffer ſich, durch ein Gefühl in eiı 
wiffen Körper. So meit diefe Empfindung ; 
Zeit geht, fo weit rechnet er das Wirkliche 
-felbft und feinem einzelnen Weſen. Da 
worinn er nichts fühler, nicht Schmerz no 
bat, ift von feinem Ich unterfchieben, umt 
ibm. Ich nehme Gefühl im allgemeinen X 


de, für alle Empfindung und Sinne; da « 
Sich aurh Ha Eohon Mira Mischen 6 


434 VI Ash. Vom Denfchen 


ſaͤgen. Es folget alfo daraus, daß ıms nicht alle 
Theile unfers Körpers gleich nahe angehen „ und 
Daß das Gewebe der Nerven das bauptfächlichfte 
ſehy, worinn dee Menfch, wenn er Förperlich bes 
frachtet wird, befteht.. 

Wir wiffen aber, daß unfer jetziges koͤrperli⸗ 
ches Ich vor Zeiten. nicht nus eben fo vielen und 
eben bdenfelben Theilen beftanden, unb bald her⸗ 
nach auch nicht mehr beftehen wird. Es mar ein 
ſehr Eleiner Körper, den wir anfangs im Mutter: 
leibe hatten, er mar ſchon viel größer, wie wirans 

Sicht famen, und feitdem iſt er noch funfjehn bis 
zwanzig mal; fchwwerer geworden: folglich finb frem⸗ 
bes Blut, Feiſch, Fiſch, Milch, Kaͤſe, Brod, Kraͤu⸗ 
ter, Fruͤchte, Wurzeln, Waſſer, Bier, Wein, die 
vorhin nicht zu unſerm Ich gehoͤreten, und die wir 
ohne Empfindung ſchneiden, kaͤuen, kochen, braten 
konnten, zu unſem Ich getreten, und Theile von 
uns ſelbſt geworden, darinn wir nunmehro empfin⸗ 


ben und ung bewußt find, und die wir, als uns 


felbft, lieben, ſchuͤtzen, naͤhren, pflegen. 
Hergegen beweiſt auch die Nothdurft taͤglicher 
Nahrung, daß ein beſtaͤndiger Abgang unſerer 
Theile ſeyn muß, der eine ſolche Erſetzung erfordert. 
Demnach verdunſten, reißen und reiben ſich beſtaͤn⸗ 
dig, unvermerkt, Theile von unſerm Ich los, de⸗ 
nen unſer Gefuͤhl nicht mit folget, und die wir her⸗ 


nach für fremde halten. Des Sanctorius Erfah | 


rung, bie er an fich felbft zwanzig “jahre herburd 


mit genauem Abwägen feines Körpers gemachet, 


beweiſt unwidertreiblich, daß in zehn Jahren we⸗ 
nig 


— 


: x : 
4 
: 
ẽ⸗ 


= 355 
=: 
— 
——— 
Ei 
5 
Fa 


sz 

Bin 

— 
— 


* 
8 
—8 

—— 

F 


Anwachſes, täglich 
der alten Materie bed Körpers abaiengen ı 
| Menſch/ Bon hundert und 
x, in zweyen 5 und 
mund einem halben Tage, einen gam neues 
ent. : 


fo verhalt ſich Die Sache nicht, Bent 

abgeht, gebt nicht allein von der, als 
unſers Leibes, ſondern auch von des 
Mai fd: ſich ein Gefäß zit 


SER 


3878 


ig  Mum or, bayon den tr] 

7 Waffer abgezapft, aber. ſtatt deffen duch - 

E mad in den zweyten, beitten A 

k a 1 

pen Sagen in gleichen gar abge 
v reines er 


Su 
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und vier Fi 
und, Iwoölf u) 
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‚Die ehe 
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en Euhkanı ſcyn 


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das ift 
ein wenig mehr alı 
en Drii ie 
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nun ein 


fo kann man lieber 
un geibes in Denen 


vier Rei 
Materie 
Briten. 
der ein 
Davon abreı 





Bien, Be 


Ei a tn 





7 Be 
3 IH 2 


I 
j 


x 
Ä 
H 
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48 VIA Vom Menfchen 


Es iſt alſo feine gewiſſe einzelne Materie, wr 
ehe unfer befonderes Sch ausmachet; fondern- ai 
und jebe ift ung gleichgültig. Sie tritt in die ® 
meinfchaft mit ıme, fo bald fie mis in die Verku 
pfung unferer Empfindung und unfers Beruf 
feyng getreten iſt. Was vorber ein Theil ein 
Krautes, einer Wurzel oder Frucht, eines Fiſch 
ober Fleifches war, das mird hernach ein Th 
von ung felbft. Hergegen bleibt auch nichts unfe 
als fo lange wir gegenwärtige Empfindung barir 
haben. So bald es auffer den Schranken unfe 
Gefühles ift, und wir ung barinn nicht mehr bewu 

find, fo bald hoͤret es auf, ein Theil von ung ſelb 
zu fenn; wir wiffen und befümnrern ung nicht, n 
es hin fömmt, und mas bemfelben auch begegne 
das iſt uns fo gleichgültig, als ob es nimmer umf 

geweſen märe. 
Wir Pennen daher aud) feines von unfern « 
enen Förperlichen Theilen an ſich Durch irgend ei 
Merkmal. dadurch einzelne Dinge von andern ; 
unterfcheiden find; bloß, fo fange wir barinn en 
pfinden, fo wiffen wir daran, daß es Theile we 
ung find; folglich ift allein unfere Empfindung od 
Bewußtſeyn ein gegenwärtiges Merfmaal der ei 
zelnen Theile des Körpers, der unfer Sich ausmache 
Aber, menn' die Theile erft verdunftee, abgeri 
ben, unb von uns gefrennet find, fo wiffen w 
diefelbe, für fich, nicht mehr von denen, bie ur 
nimmer angeböret haben, zu unterfcheiden. E 
Menſch koͤnnte fein Bein verlieren, und, weil ı 
es nimmer genau betrachtet, fo würde er herna 
unter mehr abgenommenen Beinen eben fo wen 
wiſſe 





! \ 


m def Secle · 40 


BEER als er feinen Sties 
‚unter vielen andern heraus kennen möchte, 
wenn wir unfern ganzen —— durch» 

er un wir von keinem einzigen Stäub» 
en zu fagen, ‚ob es noch daffelbe fey, das wir mit 
bie Welt gebracht haben, oder. woher, wenn 
‚wie lange —— durch die Rafrung zu uns 


—* * keine Zen Menge und Dis 
Anzahl ber — 
er rm Ich gehoͤret. 
ger, ſchmaͤchtig, 3 

feyn; er kann —— groß, har, 
r, und —E——— werden: die Empfins 
‚ biefuft, der Schmerz, kurz, das Bewußt- 
im Eleinen Körper eben haffelbe, wie im 
oßen ; in jenem nicht geringer, in diefem nichts 
cmehtet ober verdoppelt ; ‚der eine ift ſowohl ein 
enſch, als der andere, Und wenn wir 
einen verftümmelten Körper befamen, daß 
18 Arme und Beine-abgelöfet würden: fo müre 
muns zwar nügliche Werkzeuge gebrechen, aber 
Mer Jch würde dadurch nicht verftiimmelt, 96» 
', ‚ober vervielfältiget 5 -unfer Bewußtſeyn 
pe darum einzeln, ganz und ungeſchmaͤlert. 
es: möglich, daß der Menſch ohne Aus 
—— ‚ohne Ohren hören; ‚ohne Zunge ſchme⸗ 
ohne Raſe riechen, ohne Hand und übrige 
fühlen, und fich fein felbft folglich auf 
Ihe: Are bewußt feyn könnte: ſo würbe er dieſe 
rperlichen Theile für ur undüberflüßig bel, 


1 wenige 


SC | 


= 


min 





40 VI. Bom Menfhen 


wenigſtens zu feinem Ich nicht als weſentlich, fon: 
dern bloß als Zierrathen rechnen. 

Wenn wir ung demnach nicht darum für uns 
ſelbſt halten, oder uns als einzelne Menfchen few 
nen, und von andern Dingen unterfcheiben , weil 
wir einen gewiſſen Körper, in gewiſſer Bröße, mit 
gewiſſen Gliedmaßen haben; ſondern weil wir ums 
unſer ſelbſt und anderer Dinge auffer uns bewußt 
find, es fen auch in weichem Körper und von wel,“ 
dher Größe es wolle: fo ift offenbar, daß eigentlich 
nicht ber Körper, fondern das Wefen , welches ſich im 
Körper bewußt iſt, den Menſchen, und unfer eiw 
zelnes Ich, ausmache. 

$ 3 


Diefes erhellet noch deutlicher , wenn mir uns 
in unferer Dauer betrachten ; da ein jeder Menſch, 
in dem Verlaufe vieler Jahre, ſich fuͤr einen und 
eben denſelben Menſchen haͤlt. Gewiß nicht nach 
ſeinen koͤrperlichen Theilen. Denn die kennet er 
nicht an ſich ſelbſt, aus inneren dauerhaſten Merk⸗ 
maalen, als die ſeinen; ſondern nur allezeit gegen⸗ 
waͤrtig, ſo lange er darinn Empfindung hat. Er 
kann von keinem einzigen Staͤubchen ſeines sangen 
Körpers fagen, ob es noch eben dajjelbe fen, mas 
vor Zeiten ein Theil von ihm felbft war, oder ob 
es neu fen. Sein ganzer jeßiger Körper mag nen 
ſeyn, und ſich ſchon vielmal, als ein Kleid, ver⸗ 
aͤndert haben, und in ſtetem Ab- und Zufluſſe bie 
ben; er mag noch ıwenig oder viel, oder alles von 

‚den alten Theilen an ſich Yaben; die —— 





und defen han 
a ae 
en ki ob es eins, 


—— 


ze Jeto bortt/ benfet —* 
reife, erfindet, will AA ſich Bu 
iſt, eben derjenige zu fepn, der geſtern, der 


‚vor ‚ zwanzig, echs· 

—* das — 
verſuchet, erſonnen, il 

Und daraus iſt je offenbar, 


‚ tel bi 
nalen en 
—* —— abwechſelnden Begebenheiten, fort⸗ 


—— man ſich auch nur deutlich vorſtellet, mas 
as rein heiße und in ſich halte, fo kann 
an leicht erlennen, daß das Bervufitfenn nicht 
Statt finde, als in einem fortdaurenden einzelnen 
Befen, welches unter mancherley Weränderungen 
ins und daſſelbe bleibt. Denm wir ſind ung niche 
eines Dinges bewußt, als wenn die Worfiele 
—J klar * daß wir das Ding kennen und 
ur So bin ich mir bewußt, 
es ‘ daß 


43 VI Abh. Vom Menfchen 


daß das Papier weiß, die Dinte ſchwarz ſey; daß 
es donnert und blißet, daß dort Kühe weiden, bort 
ein Hund bellet. Mir Fennen und unterfcheiben 
aber ein Ding nicht eber, als wenn wir es zu feiner 
eigenen Art oder Gattung hinrechnen, das ift, zu 
ben ähnlichen Dingen, deren wir uns vormals in 
unferm Leben bewußt gewefen find, unb die wir 
mit einem gemeinen Namen zu bezeichnen 
und zu unterfcheiden gelernet haben. Ich Eönnte 
nämlich die weiße und ſchwarze Sarbe, den TBlig 
und Donner, Die Kühe, das Hundebellen, nicht 
als folche erfennen, und von andern unterfcheiben, 
wenn ich mich nicht befönne, dergleichen Farben, 
Sicht, Schall oder Thiere öfters in meinem $eben 
gefehen und gehöret zu haben, welche den gegen 
wärtigen ähnlich waren; und wenn ich mich nicht 
des Namens erinnerte, womit ich ein jedes feiner 
Art anzudeuten gelernet, habe. Hierinn ſtecket die 
Urfache, daß wir uns nicht alfofort bewußt ſeyn 
koͤnnen, fo bald wir auf die Welt kommen. 

Es ift alfo Fein einziges gegenwärtiges Be 
wußtſeyn möglich, als in einem Wefen, das ſchon 
unter verfchiedenen Veränderungen und Zuftande 
fortgebauret hat, und auch weis, daß es eben daſ⸗ 
felbe ſey, welches vorhin mehrmals in einem ähn- 
lichen Zuftande geweſen. Es ift nur der Unter 
ſchied dabey, daß wir ung unfers vorigen Zuſtan⸗ 
des zumeilen nur undeutlich, zuweilen aber aud) 
deutlich, mit Zeit, Ort, Begebenheit und allen 
Umftänden bewußt find, wenn wir ein gegenwär: 
tiges Ding fennen und von andern unterfcheiden, 
Die gegebenen Erempel erfordern nur eine undeut⸗ 


liche 


amd deſſen Secle. 445 
tiche unſerer vorigen 
re wer bewußt zu feon ; 1; min 

fie mehrentheils, wenn es nöthlg wäre, in eine 
beurliche verwandeln können, als daß die jegige 
Farbe, die wir weiß mennen, eben diefelbe fey, 
welche wir an Schnee, am Schwang, ı ee 
wand, ober am Kalfe baben, Aber warn 
‚uns etwas- feitenes me, davon wir nur ein 


keine ähnliche Erf * 
—— are 


ie, ein met, 1b. gl fo wird man 

bewußt ſeyn, daß es eben ber 

e find, die man zu gemiffer Zeit, an tie 

Ken Orte, mit Gemifen Unsftänden gefes 


hingegen, daß ein einzeln Ding nicht 

ober in verschiedenen Zeiten und Um⸗ 

‚eins und. baffelbe bleibt, fondern daß nach 

umd- nach andere einzelne ähnliche Dinge in deffelben 
Stelle treten: fo gebt die Begebenheit der vorher 
gehenden das jegige nichts an. Wenn biefem alfo 
was begegmet, das nicht ihm felbft vormals, fon« 
bern nur andern vor ihm, begegnet iſt; fo fan es 
—— — eigenen Erfahrung feiner aͤhnlichen 
beſinnen, alfo auch das vorkommende nicht 

Pennen , noch von andern unterfcheiden ; folglich 
weis es auch nicht, was es fieht, oder es ift ſich 
— nicht: bewußt. Wenn alſo dasjenige We⸗ 
jetzt in uns mit ‚einem Bewußtſeyn 

dentet , will er nicht eins und daſſelbe 

von uns wäre, was vor Zeiten aͤhnliche 
—— gedacht und gemelt bat, —— 


434 VIA. Vom Menfchen 


fügen. Es folget alfo baraus, daß uns nicht alle 
Theile unfers. Körpers gleich nahe angehen , und 
daß das Gewebe der Nerven das hauptſaͤchlichſte 
fey, worinn der Menfch, wenn er koͤrperlich bes 
trachtet wird, beſteht. 

Wir wiſſen aber, daß unſer jetziges koͤrperli⸗ 
ches Ich vor Zeiten nicht aus eben fo vielen und 
eben bdenfelben Theilen beftanden, unb bald her. 
nach auch nicht mehr beftehen wird. Es mar ein 
fehr kleiner Körper , ben wir anfangs im Mutter 

leibe hatten, er mar fchon viel größer, wie wirans 
kiche famen, und feitbem ift er noch funfzehn bis 
zwanzig mal; fchwerer geworben: folglich find frem- 
des Blut, Feiſch, Fiſch, Milch, Kafe, Brob, Kräus 
ter, Früchte, Wurzeln, Waffer, Bier, Wein, bie 
vorhin nicht zu unferm Ich gehöreten, und bie wir 
ohne Empfindung fihneiden, Fäuen, Pochen, braten 
fonnten, zu unfen Ich getreten, und Theile von 
ung felbft geworben, darinn wir nunmehro empfin- 
ben und uns bewußt find, und die wir, als uns 
ſelbſt, ließen, ſchuͤtzen, naͤhren, pflegen, 

Hergegen beweiſt auch Die Nothdurft täglicher 
Nahrung, daß ein beſtaͤndiger Abgang unſerer 
Theile ſeyn muß, der eine ſolche Erſetzung erfordert. 
Demnach verdunſten, reißen und reiben ſich beſtaͤn. 
dig, unvermerkt, Theile von unſerm Ich los, de⸗ 
nen unſer Gefuͤhl nicht mit folget, und die wir her⸗ 
nach für fremde halten. ‘Des Sanctorius Erfah⸗ 
rung, die er an fich felbft zwanzig “jahre herdurch 
mit genauem Abmwägen feines Körpers gemachet, 
beweiſt unmibertreiblich , daß in zehn Jahren we⸗ 

nig 





nA On urfrn vorigen Cueben übcg Dice, 
—— — 


wenn 
ı Den beftänb And Zufluf, oder Wechſel un · 
went 





sieyen Ja 
nam palben Tage, sen ga Pe 


2 ichiera die Sache micht Denn 
abgeht, Eh nicht allein von der. als 

unferd Leibes, ſondern auch von der 

= Be fielle iss am Gefäß — 58 
Waſſer vor, davon eit Tag 

abgezapft, aber ſtatt Au 

= "Bein wieber zugegoſſen erden. 
En in den — deisten , vierten, 


Hi 


ö folgenden Tagen ent 2 
=; a ne — 3 


nr ie — — we 


IHREN ein fi 


— 
0: 
‘ - “ 





ge wuy ALLV VSS α —A⸗ — AI EU 5: 

Dan fege denn ſian des Waſſers die 
terie unſers Koͤrpers, und ſtatt des Weine 
Materie deſſelben: fo wird nach einem 
den hundert und fünfzig Wunden oder v 
achthundert Lothen eined menfchlichen Ki 
alte Materie auf dreytauſend zweyhunde 
und fünfzig und ein Fuͤnftheil Loth, oder 
dert und ein Pfund neungehn und em Fünf 
verfchmolgen ſeyn; das ubrige, namlich ı 
fünfhundert acht und vierzig und vier 
Loth ober acht und vierji grund, zwoͤl 
Fuͤnftheil Loth, das iſt ein Dritth 
eine neue Subſtanz ſeyn. Demnach w 
zwey Jahren, ein weni mehr als zwey 
von den zwey Drittheilen, etwa vier Ne 
bleiben. Weil nun ein Halbe etwas me 
vier Neuntel, fo Tann man lieber fagen, d 
Materie unfers Leibe in zweyen Jahren 
halb verflogen, die andere Hälfte neu 
Dritten Jahre werden von ber Halfte, wen 
der ein Dritcheil der Hälfte, das iſt ein € 
davon abrechne, nur zwey Sechstheile 
Driteheil des Ganzen mehr da ſeyn, 





aud deſſen Gecke, 


8z 


werden , fo würden 
adurch, daß die Empfi Ser 


ermaßen aufier ung ge 


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Sensssg® Is ;A 

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Hin 

Er 2, 


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7 





getreten if. - Was 2 
Kreautes, einer Wurzel oder Frucht, — 
aber Fieiſches mar, das: wird. hernach ein 


(es ift, und wir ung darinn nicht mepe f 
„find, fo bald höret es auf, ein Theil von uns 
zu ſeyn; wir wiffen und befünmrern ung nie 
es hin fommt,, und mas bemfelben auch bey 
ne 1 Paleiheiiig, als ob es nimm⸗ 


Wir — daher auch keines von uf 

en Pörperlichen Theifen an ſich durch irg 
Diem en dadurch einzelne Dinge von an 
- eftheiben find; bloß; fo fange wir darin 

— fo wiſſen wie daran, daß es Tha 

uns (ind; folglich iſt allein unfere Empfindin 
Beroußfegn ein. gegenwärtiges Merfmoo| u 
‚zelnen Theile des. Körpers, ber unfer Ich aucu 
Aber, weni die Theile erſt verbunftee, @ 
ben, und von uns getrennet find, — 
Biefetbe, für fich, nicht mehr von denen, I 
nimmer angehäret haben, zu —— 
Menſch koͤnnte fein Bein verlieren, unden 
es nimmer genau betrachtet, fo würde er] 
unter mehr abgenommenen Beinen Loen 


m def Ei 430 


PN war, als er feinenStie 
unter. vielen „andern heraus. kennen möchte, 
‚wenn wir unfern ganzen jegigen Körper durch“ 
+. fo wiſſen wie von feinem. einzigen Staͤub⸗ 
au meh es noch baffelbe fen, das wir mit 
Die Welt gebracht haben, oder woher, wenn 
wie lange folches durch a ung 


fey- 
iſt es. feine ng bey ws Hr 
ee 
‚gu unferm 


A oma, 
er fanı Eee at, 
— und, brobdinjafifch werden : ” Empfins 
ing, bieSuft, der Schmerz, kurz, das Bewußt. 
"ft im kleinen Körper eben haffelbe, wie im 
3 in jenem nicht geringer, in dieſem nichts 
mehrtet ober verboppelt ; der eine iſt ſowohl ein 
enfch,als der andere, Und wenn wir 
‚einen verftümmelten Körper befämen, daß 
s Arme und Beine-abgelöfet würden : fo wuͤr ⸗ 
n uns nuͤtzliche Werfzeuge gebrechen, aber 
Ya wirde dadurch nicht verftiimmelt,. ge» 
ef, oder vervielfältiget ;  unfer Bewußtſeyn 
' barum einzeln, ganz und ungefchmälert. 
—— es moglich/ doß der Menſch ohne Aus 
nfeben, ‚ohne Ohren hören; ohne Zunge ſchme ⸗ 
m, ohne — riechen, rg h und je: 
liedmaßen fühlen, 38 ein ſelbſt folglich au 
he. Art. bewußt. ſeyn konnte fo — — er biefe 
rperlichen Theile für —* umduberflüßig 8 


® weni, ige 


ERFERFE: 


VI Sn Maten - 
Be 
. Wenn wir uns demnach nicht darum für uns 
ſelbſt Halten, oder uns als einzelne Menfchen kem 
en gie her In geife Oele 
J “ 
gewiſſen Gliedmaßen haben ;- fondern meil wir uns 





—* a 
eben denfeiben Dienfchen halt. Beni tcho auch 
ö — er Teilen, Denn: Bie 0 
a aus Inneren Vausthaften: 
maden, ae Die ine; fonbern wur 
Pe ——— 
Körpers fogen, ob es noch chen 4 
vor Zeiten ein Theil von ihm feibft wer, 


i 

}4 

: 

Hi 
Beil 


3 
5 
3 
2 
H 
: 
N 


usb deffen Secke Au 

das geringfte Merfmaal, weder 
vn en, noch von den Theilen, ob es eins, 
en geblieben fen, oder nich, Er 
m nur jeko fagen, das bin id), das iſt meine 

and, mein Zuß, mein. Kopf, weil ü dariun 

Foder ob alles, ober“ ‚oder 
von feinem Körper er das alte fey, das 


ihm fein 
* Peimet und wre ſich alfo in ‚fine 
Sauer für einen und denfeiben Menfchen, 


2837 
ie 
; ir i 
— 
—— 
——— 


ſchet, ſich 

en derſenige zu ſeyn, ber geſtern, bee 
„ vor zehn, zwanzig, vierzig, ſechs · 

das und hl nach — —— 
——— erfonnen, über! fehle 
. Und daraus ift * offenbar, 
iefen in ung, welches ſich bewußt 
übrigen Ebbe und Fluth des Körpers, 
abwechfelnden Begebenheiten, fürt« 


Sen men ſich auch nur deutlich vorfteflet, mas 
as Bewußtſeyn Heiße und in fich halte, fo kann 
Aam Teiche erfernen, daß das Berruftfenn nicht 
Draft finde, als in "einem fortdaurenden einzelnen 
Ba el unter mencherley Veraͤnderungen 
beffelbe bleibt. Denn wir find Bun —* 


ft, 


Hm 


42 VI Abh. Vom Menfchen 


daß das Papier weiß, die Dinte ſchwarz ſey; daß 
es donnert und blitzet, daß dort Kuͤhe weiden, dort 
ein Hund bellet. Wir kennen und unterſcheiden 
aber ein Ding nicht eher, als wenn wir es zu feiner 
eigenen Art ober Gattung binrechnen, das ift, zu 
ben ähnlichen Dingen, deren wir uns vormals in 
unferm Leben bewußt gewefen find, unb bie wir 
mit einem gemeinen Namen zu bezeichnen 
und zu unterfcheiden gelernet. haben. Ich koͤnnte 
nämlich die weiße und ſchwarze Sarbe, den Blig 
und Donner, die Kühe, bas Hundebellen, nicht 
als folche erfennen, und von andern: unterfcheiden, 
wenn ich mich nicht befönne, bergleichen Farben, 
Sicht, Schall ober Thiere öfters in meinem Leben 
gefehen und gehöret zu haben, welche ben gegen 
wärtigen ähnlich waren; und wenn ich mich nicht 
des Namens erinnerte, womit ich ein jedes feiner 
Art anzudeuten gelernet, habe. Hierinn ſtecket die 
Urfache, daß wir ung nicht alfofort bewußt ſeyn 
Fünnen, fo bald wir auf Die Welt fommen, 

Es ift alfo Fein einziges gegenmärtiges Bes 
wußtſeyn möglich, als in einen Weſen, das ſchon 
unter verfchiedenen Veränderungen und Zuftande 
fortgebauret hat, und auch weis, daß es eben daſ⸗ 
felbe fen, welcdjes vorhin mehrmals in einem aͤhn⸗ 
lichen Zuſtande geweſen. Es ift nur der Unter 
ſchied dabey, daß wir uns unfers vorigen Zuſtan⸗ 
des zuweilen nur undeutlich, zuweilen aber auch 
deutlich, mit Zeit, Ort, Begebenheit und allen 
Umftänden bewußt find, wenn wir ein gegenwaͤr⸗ 
tiges Ding fennen und von andern unterfcheiden. 
Die gegebenen Epempel erfordern nur eine ur 

| f 


—— m radhen — . u a a — — — 





und defien Seele. 443 


he Erinnerung unferer vorigen vielfachen Erfah. 
ng, um fich ihrer bewußt zu fenn ; wiewohl wie 
» mehrentheils, mern cs nöthig wäre, in eine 
utliche verwandeln koͤnnen, als daß die jekige 
arbe, die wir weiß nennen, eben dieſelbe ſey, 
elche wir am Schnee, am Schwane, an der Leine⸗ 
and, oder am Kalke gefehen haben. Aber wann 
is etwas ſeltenes vorkaͤme, davon wir nur ein 
ıd das andermal eine ähnliche Erfahrung gehabt, 
B. ein Mafehornthier, ein Schlangencereus, 
ne Afterfonne, ein Komet, u.d. gl. fo wird man 
h aud) deutlich bewußt feyn, daß es eben ber 
rt Dinge find, die man zu geroiffer Zeit, an ei⸗ 
em geroiffen Orte, mit gewiffen Unsftänden gefes 
n bat. 

Setzet hingegen, daß ein einzeln Ding nieht 
etbauret, oder in verschiedenen Seiten und Um⸗ 
änden eins und daffelbe bleibt, fondern daß nach 
nd nach andere einzelne ähnliche Dinge in deffelben 
Stelle treten: fo geht dic Begebenheit der vorher⸗ 
thenden dag jegige nichts an. Wenn dieſem alfo 
as begegnet, Das nicht ihm ſelbſt vormals, fün« 
ern nur andern vor ibm, begegnet ift: fo kann es 
ch aus feiner eigenen Erfahrung Feiner ähnlichen 
älle befinnen, aljo auch das vorfommende nicht 
ennen, noch von andern unterfcheiden; folglich 
weis es auch nicht, was eg fieht, oder es ift fid) 
effen niche bewußt. Wenn alfo dasjenige Be: 
n, welches jeßt in ung mit einem Bewußtſeyn 
npfinder,, denket, will, nicht eins und bajfelbe 
‚heil von ung wäre, mas vor Zeiten aͤhnliche 
Yinge empfunden, gedacht und gewollt bat, fons 

dern 


® 


344 VI Abh. Vom Menfchen 


dern die ähnlichen Empfinbinigen, GSedanken und 
SBegierden wären in ganz andern einzelnen len 
entitanden: fo Pönnte das jegige fi ch auch keines 
Dinges bewußt ſeyn. Ja, wenn wir auch ein und 
daſſelbe Theil in uns unter verſchiedenen en übnlichen 
Begebenheiten fortbaurend feßten; wir ſtuͤnden 
ni auch jedesmal eine Borftellung bes gegenwaͤr⸗ 

en Zuſtandes zu; aber wir wollten alle die vori⸗ 
gen ähnlichen Begebenheiten wieder aus ber. Wor⸗ 
ftellung biefes Theiles ausiöfchen, d. i. wir wollten 
ihm die Erinnerung feiner vorigen Begebenhriten 
abfprechen: fo würde einem folchen Theile von uns 
‚jede Vorſtellung der Sinne allemal , als einem 
Kinde, das 3 auf die Welt kannnt, gleich neu 
und fremd fenn; es würbe bie gegenwärtigen mit 
den vorigen ähnlichen nicht vergleichen koͤnnen, 
umb alfo nimmer weder die dufferen Dinge, noch 
ſich felbft, Pennen lernen, fich alfo fein felbft und 
feines jeßigen Zuftandes fo wenig, ale ber Dinge 
auffer ſich, bewußt fenn. 

Es ift ung aber feine Wahrheit auf der Welt 
Plärer , offenbarer und gewiſſer, als daß wir uns 
unfer feibft, und anderer Dinge auffer uns, be 
mußt find. Kein Zweifler ift noch fo weit ge 
fommen, daß er fein eigen Bewußtſeyn, feine Em⸗ 
pfinbung „ fein Gefühl verleugnet hätte. Es 


müßte auch alle übrige Wahrheit und Gewißheit 


wegfallen, wenn wir Diefe aufhoͤben; meil wir von 
nichts weder Begriff noch Weberzeugung zu haben 
fähig find, als indem wir ung unferer Vorſtellun⸗ 
gen und deren Hebereinftimmung bewußt find. Da 


nun niemand fich gegenwärtig bewußt feyn fann, 


ohne 


m. _ . 


en — nn, 





Seyns in mancherley vergangenen 

{ tlich oder undeutlich zu erinnern: fo 

iſt gleich klar und offenbar, daß dasjenige Wefen 

in uns, welches ſich beroußt üft, unter verfhiede« 
d forrgedauret 


In und Begebenheiten ein Wefen, das fich ſelbſt 

Durchrfein jegiges Bewußtſeyn uͤberzeuget, es fep 

eben daffelbe, welches in vorigen Zeiten unter an 

dern Umftänden gervefen; und darnach rechnet fich 
ein jeder, in feinem ganzen Leben, für einen und 
denſelben Menfchen. 


u | eo 
\ 


446 VIA. Vom Menfchen 


jeder achtet fich wegen feiner fortbaurenden Seele, 
fo lange er lebet, für einen und benfelben Menfchen. 
Wenn ein Ding unter verfchledenen Veraͤnde⸗ 
rungen fortbauret, und, ungeachtet derfelben, eins 
und dafjelbe bleibe, fo neniten wir es eine Eubftanz, 
ober für fich beftebend Ding. Dagegen, wenn ein 
Ding, bey gefchehener Veränderung, aufhöret zu 
fenn, fo nennen wir es eine Beſchaffenheit bes 
Dinges, (modum ober accidens.) Ein Wache 
3.3. mag hart ober weich, Palt oder warm, fir 
hend oder fließend ſeyn, mag diefe ober jene Figur 
oder Sarbe haben, ruhen ober bemegt werben; fo 
iſt und bleibt es, unter allen dieſen Veraͤnderungen, 
eins und daffelbe Wachs. Das Wachs ift folglich 
eine Subſtanz. Hergegen Härte, Kälte , Figur, 
Narbe, Ruhe find nur Befchaffenheiten diefer Sub⸗ 
ftanz, weil fie durch eine jede Veränderung aufhoͤ⸗ 
ren zu ſeyn. Die Härte höret auf, fo bald das 
Wachs weich wird; die fugelförmige Figur verliert 
fih), wenn eine andere in ihre Stelle tritt: und 
wenn eine ‘Bewegung entfieht, fo iſt es unmög« 
lich, dag die Ruhe noch fortdauren follte, 
Hätten die Menfchen gleich deutliche Begriffe, 
und gleich beſtimmte Wörter, ober hätten fie nur 
ihr inneres Gefühl gefrager s ſo mülden fie wegen 
ihrer Seele nicht haben ftreitig fenn Finnen, ob fie 
zu den Subſtanzen zu rechnen, ober nur ale eine 
gewiſſe Defchaffenbeit bes menfhlichen Körpers 
anzufehen ſey. Denn niemand kann fein Bewußt⸗ 
ſeyn verleugnen, aber fic) auch nimmer bewußt 
feyn, ohne feiner vorigen Dauer eingeben? zu wer⸗ 
den, und ſich alſo eis einen und denſelben unter 
verfchie- 





und deſſen Seele. 447 


verfchiedenen Umftänden zu betrachten. Er fann 
ſich aber nicht, dem Körper nach, für einen und 
denfelben halten: denn er Pennet fein einzig Staͤub⸗ 
chen feines ganzen Körpers, ob es geblieben, oder 
vermoechfelt fey. Allein, die Seele, das Wefen in 
ung, Das fich bewußt ift, kennet fich innerlich, als 
eins und baffelbe in verfchiedener "Befchaffenheit und 
Zuftande, und bat durch ſolch Bewußtſeyn einen 
Begriff und eine Ueberführung von feinem Dafeyn, 
feiner Dauer, und von der Zeit berfelben. Wird 
nun bas, welches unter verfchiedenen Veraͤnderun⸗ 
gen forfbauret, und nicht aufböret, eins und dafs 
feibe zu feyn, eine Subftan; genannt: fo iftja auch 
fo offenbar, als was ſeyn Fann, daß unfere Seele, 
bie Durch ihr eigen Bewußtſeyn uͤberfuͤhret ift, daß 
fie noch eben diejenige ift, welche vormals mancher⸗ 
ley erfahren, gedacht und gewollt hat, für eine 
Subſtanz gehalten werden müfle, und unter Die 
bloßen Befchaffenheiten eines andern Dinges nicht 
Fönne gerechnet werben. 


$ 5 


Ich muß mic) wundern, daß Weltweife diefen 
fo leichten und ficheren Weg zum Selbfterfenntniffe 
wiche gegangen find, und daher auch zum Theile 
niche gewußt haben, was fie aus ſich felbft, oder 
aus ihrer Seele, machen follten. Sie haben fi 
auffer fich ſelbſt gefucher ; und da fie den Körper doch 
niche für ihre Seele halten konnten, fo find fie auf 
den irrigen Wahn gerathen, der noch bis in Die 
neueren Zeiten fortgepflanzet ift, daß die Seele 
nichts, als eine gewiſſe Beſchaffenheit des organis 

ſchen 


4438 VI Abh. Vom Menfchen 


fihen Körpers, feyn koͤnne. Sie drucken ſich babey 
auf mancherley Art, jedoch alle fehr dunkel, unbe 
flimmt und zweydeutig aus. Die Seele fol in ei⸗ 
ner übereinftimmenden Bildung ber leiblichen Theis 
“ fe, in einer gemwiffen Temperatur des Körpers, in 

einer Harmonie oder harmonifchen Bewegung, in | 
einer Lebenskraft u. ſ. w. beftehen. 

Allein, fie mögen für eine Befchaffenheit des | 
Körpers annehmen, welche fie wollen, fo werben 
fie fich nicht darinn als ein Wefen erkennen, bes 
fich bey feinen Veränderungen bewußt iſt eins und 
bajfelbe zu feyn. Soll es eine rubende, bleibende |: 
DBeicyaffenheit, eine übereinftimmende Bildung, |, 
Proportion und gemwiffe Zufammenfügung fen: } 
fo kann ja diefes mit den Veraͤnderungen in unfes 
rer Seele, mit den Empfindungen, Gedanken, | 
Meigungen und QSegierden, deren wir uns inner | 
lich bewußt find, nicht beftehen. Wenn aber 
Veränderungen in der Bildung und Zufammenfüs | 
gung entfiehen follen, fo höret ja die vorige Be | 
fhaffenheit der Bildung und Zufammenfügung | 
gin,lich auf, und dauret unter der folgenden nicht 
ſort; fo wie eine ‘Bildung von einem Würfel nicht 





mehr die Eigenfchaften einer Kugel behalten kann. 
Wie kann denn die veränderliche Bildung und gu | 
fammenfitgung etwas fortdaurendes fenn, und fi | 
als ein foldyes bewußt ſeyn? Die jegige war ja ı 
noch nicht bey der vorigen, und die vorige ift nicht 
mehr bey der jegigen. Wollte manfegen, daß | 
gar ar:bere förperliche Theile in diefelbe Bildung 
und Verknuͤpſung eräten, als wie in einem Strale 
des Waſſers und Lichtes geſchieht: fo hätten doch 
die 





und defien Seele, 449 


e jeßigen koͤrperlichen Theile, die in ber vorigen 
tele getreten find, ihr fortdaurendes einzelnes 
3efen mit den andern nicht gemein; fonbern, wenn 
8 die Seeleausmachen follte, fo wäre das jegige 
chitens eine Eeele, die ber vorigen ähnlich, und, 
zu reben, in diefelbe Form gegoffen wäre; es 
ären.boch verfchiebene einzelne Seelen, davon die 
igenben nicht müßten, mas ben vorigen begegnet 


Will man den andern Begriff von einer wirk⸗ 
men Beichaffenheit, als von einer Bewegung, 
e unfere Seele annehmen : fo ift mwieber offen. 
mw, baß eine jede Bewegung, es fey Handlung 
‚er $eibenfchaft, durch eine Veränderung aufhde 
t, dag zu feyn, mas fie war. Der veränderte 
on iſt nicht mehr der vorige. Und wenn mir 
Ton ſowohl, als Geruch, Geſchmack, Geficht, 
efühl, für eine innere Veraͤnderung in unfern 
eperlichen Theilen, infonderbeit des Gehirns, 
men wollen: fo iſt doch gewiß, daß unter viel 
ufend Arten von Tone, Schalle, Geruche,” Ges 
ymacfe, Gefühle und Gefichte, ein jedes fich in un⸗ 
rn Werkzeugen der Sinne auf feine eigene befon« 
we und verfchiedene Weife ausdrucke. Wenn 
fo eine Veränderung in biefer Bewegung entfte» 
m foll, fo kann ınan ohne Widerfpruch nicht fes 
en, baß die neue Bewegung mit ber vorigen eins 
nb eben diefelbe fen, oder daß die vorige in ber 
tzigen fortbauze, noch daß fie alle mit einander eins 
ab. Die Süßigfeit dauret nicht fort, wenn cine 
Bieterfeit in die Stelle tritt: auch ein aus beyden 
ermifchter Geſchmack ift nicht mehr wer reine, 

Sf Dick 





lichften Veränderungen mit ben vorigen ei 
diefelbe, welche fortgebauret hätte, fondern 
lauter verſchiedene einzelne Veränderungen , 
jede für fich zu ihrer Zeit entſteht, vergeh 
durch andere unähnliche abgemwechfelt wird. 
iſt denn in ſolcher Reihe von Veränderung 
eine und daffelbe, welches unter allen biefe 
änderungen fortbauret ? 

Die Seele aber ift fich felbft bewußt, 
ein fortdaurendes Wefen fey, melche alle Die 
änderungen von tauſenderley Geſchmacke, © 
Tönen und Bildern, nach und nach, allein 
rem einzelnen Wefen angenommen, und me 
dem gegenwärtigen Zuftande ihre verga 
fieht ; michin felbft in den Veränderungen er 
annoch eine und diefelbe zu feyn, die fie | 
fhiedenen vorigen Zeiten war. Die 
alfo Peine bloße veränderliche Beſchaffenhei 
andern Dinges, fondern eine Subftanz, | 





und deſſen Seele. 451 


reine. Alles, was ein Bewußtſeyn in ſich 
ließe, nämlich alle äußere unb innere Empfin⸗ 
ag, alle Luft und aller Schmerz, alle Einbilduns 
ı, Gebanfen, Neigungen, Begierden, Affecten, 
5 geht alles in einem einzigen Mefen vor. Es 
eben daffelbe Wefen, welches bie Schmerzen im 
ıpfe empfindet, Das auch in ber Hand, in ben 
därmen, im Fuße fühlet, Das mie der Naſe 
che, mit der Zunge ſchmecket, mit ben Augen 
ht, mit den Ohren höre. Die Werkzeuge biefer 
ls ähnlichen, theils verſchiedenen Empfindungen 
d zwar räumlich auffer einander und an verfchies 
nen Orten, und laffen fich von einander trennen: 
er das empfindende Wefen ift doch nur eins und 
m daſſelbe. Wenn benn auch Millionen ver 
iebene Punfte oder Stellen unferer Haut und 
ſers innern Körpers durch Anfeßung einer Na⸗ 
Ifpiße empfindlich find: fo ift doch nur ein einzig 
zeſen, bas alles allein allenthalben empfindet, 
ber eben das Weſen, welches fich ber gegenwaͤr⸗ 
ven Dinge, nach der Empfindung, bemußt ift, 
auch Basjenige, welches fich, Durch feine Einbils 
ngsfraft und durch fein Gedaͤchtniß, die verganges 
n und abmwefenden Dinge empfunden zu habe, erine 
rt. Eben das, mas denfer, ift auch BABY mas 
npfunden hat: eben das, was da mill, iſt auch 
is, was da denfet, das Ding fen ihm guf. 
Es ift alfo eine unnatürliche und wider un« 
e Bemußtfenn laufende Einbildung, wenn einige 
h felbft in ihrer Vorftellung getheilt haben; ich 
ill fagen, daß fie fich überredet, es mären in ihnen 
seele und Geift, oder, nach anderer Mennung, 
F f 2 Der 


452 VI Mh. Dom Menfehen 


Berftand und Wille, als zwo Subſtanzen, 
fhieven. Denn, wenn nur ein Wefen fü 
deffen, was in uns gefchieht, innerlich bew 
fo kann das, was in einem Bewußtſeyn E 
nicht in verſchledenen Subftanzen vorgehen. 
wenn eine jede Subftanz ihr befonderes B 
ſeyn Hätte, fo müßten wir auch zwo Eeelen 
und geboppelte Menfchen feyn; tie biejenige 
da zween $eiber an einander gemachfen, ober 
mehr, theils weniger (nur die Köpfe ausc 
men) in eins geſchmolzen find; in welchen ! 
in der That zwo Seelen, ober zween Die 
nen. 
Es ift der Mühe werth, daß man diefe 
dere und feltene Begebenheit mit ihren Umfi 
betrachte , weil fie nicht wenig zur Erlaͤut 
was der Menfch und bie menfchlihe Seel 
beyträge. Es giebt Geburten von Zwillinge 
nicht allein, jedes mit vollfommenen Glied 
an einander geroachfen find; fondern ba auch 
einen wenigere oder mehrere, äuffere oder I 
Gliedmaßen mangeln, oder mit der vollkomn 
Geburt ihren Gliedmaßen in eins gefchmolzen 
Bon den.vollfommenen Zwillingen, die an ein 
gewachſen, weis ich mich eines. Beyſpieles 3 
Maͤgdchen zu befinnen, die im Anfange diefes ‘ 
hunderts allerwärts herumgeführet wurden , 
nur am Kreuze zufammen gewachfen war 


> Diefe zwey Maͤgdchen, HZelena und Judith gen 
find 1701, den 26 bed Weinmonats, in ber | 
ſchaft Eomern, in Ungarn, in bem Dorfe S 





. 


44 VI. Vom Menfchen 
Jacob IV in Schottland, einer maͤnnlich 


Schlagfluſſe g 
der Sprache und Vernunft Schaden gelitt 
daher anjetzo etwas einfältig ſcheint. 
ſich eine nicht wohl befunden, hat auch 
dere ebenermaßen, ob ſie ſchon mit 
Krankheit nicht bebaftet war, einige Un 
dem Gemuͤthe, Schwachheit der Sinne 
unordentliche Bewegung der innern Ch 
Acibes verſpuͤbret. Doch ſchreibt Mich. 
Ettmuller in. Difp. de Monſtro Hungaricc 
Georg. Chr. Werther) Lipf. 1707. $XHI. 
fen allzufehr verſchwiſterten Magdchen, da 
in Leipzig geweſen, die jüngere Judich mil 
chen geplagt worden, wovon aber blealtere, 
nicht$ gewußt; daß fie aber doch beyde zug 
den Pocken danieder gelegen. Gie find ı 
Bebr. geftorben. ©. Philof. Tranſact. Vol 
p- 311. und die Conumentarios de rebus in 
nat. ct medicina geflis, wo auch eine auf 
Beſchreibung von einem Dectore Medicin 
ob. Torkos gefunden wird, welcher mer 
ſchwangere Mutter hatte fich an Hunden, Di 


men hiengen, verfehen. 










'ura lumbive 
Oo 
vera Jihern tur, aut 4 
E00 Meran erg has 
r ‚Quod diferimen etiam in morte fuit ma= 
ner ad ehe 
* um [et , 

—— füi computrefcente, 1 el 


ren Scoti Prorege, de ve 
Gnquit Buchananus) eo. R 
| € fuperfumt homines i Tun ch bac 


Siehe auch * den Cainerarii 


— er IL e, 
| an lei⸗ 
au — zen daraus gezogen, re 


van. Duni 
15 Sn km a 


ſich beſonders bewußt iſt. 


— 


—— 
Seelen 


B HR enint 
IN ji a i I 
235 * 

EEE ss is; z 322 Hi, 
u il 
Han | HERR 
Ku iin 





vergangene Dinge j 
s eine urtheilet und fehlieft anders, wie 
und ein Kopf Fönnte, feiner Einſicht 





; 
6 man bie Einpelnen Iptenfihen nich, 
ð. ſondern nach der Seele, rechnet 


1b in jbem Btnfen orbetfher 
Sutnan af nase wären, = 
f5 


458 VI Abh. Vom Menfchen 


die vorgegebene Seele und Geiſt, oder verſtaͤn⸗ 
dige und wollende Subſtanz ſeyn ſollen, deren jede 
fuͤr ſich empfaͤnde oder ſich bewußt waͤre: ſo wuͤrden in 
jedes Menfchen Körper auch zwo Seelen wohnen, oder 
zween Menſchen ſtecken; welches ungereimt, und wider 
alle innere Erfahrung ifl. Der Grund des Irr⸗ 
thumes liegt bloß barinn, daß man aus ber ver» 
fihiebenen Borfiellung und Mei gung der Seele, 
dadurch fie mie fich felbft in einen Kampf geräh, 
perfchiebene Subftanzen gemachet. Allein, eben 
‚das Wefen in uns, welches fich bewußt ift, daß 
ipm ein Ding, nad) finnlicher Vorftellung ‚. reigenb 
und gut lafle, ift auch dasjenige, welches fich be⸗ 
wußt ift, daß es eben daſſelbe Ding, nach ber | 
reineren Borftellung ber Vernunft, für böfe aufe |; 
ben und verabfeheuen müffe : fo wie es eine Seele 
ift, welche den halb im Waſſer ftehenben Stock, 
nad) bem Gefichte, für gebrochen, nach dem Ge⸗ 
fühle, für gerade halt, i 
$ 7. | 
Da denn, ordentlicher Weife, nur eine Sede ı 
im menfchlichen Jeibe wohnet, und biefe eine Sub⸗ 
ftanz allein alles aus allen räumlichen Punkten des 
ganzen Leibes empfindet, und fich allein alles beffen, | 
WAS darinn gefchieht, bemuße iſt: fo iſt biefes 
Empfinden und Bewußtſeyn eigentlich niche in 
vielen Theilen, die auffer einander find, nicht im 
Zufammengefeßfen ober Ausgedehnten; f find bie 
vielen Theile auffer der einen Seele, bie in allen \ 
Theilen allein alles empfindet ; fo unterſcheidet ſich 
biefe eine Subſtanz von allen räumlichen Punkten 
des 








Au 








‚See; * 


| 


} 
‘ 





N 
| 


33 


ANHER 





260 VI Ah. Bom Nenſchen 


ben dadurch in einem Körper fo viel Seelen gefeßt, 
als nur empfindliche Stäubchen find, . 
Mon ftelle ſich die Sache im Großen vofn 
Wenn viele Menfchen fi) angefaffet t haben, und eis 
erſchuͤttert wirb : fi 


berühren, faft zugleich, eine 

ähnliche Veränderung. Dennoch hat ein jeber für 
ſich feine eigene einzelne Empfindung, die nicht des 
andern ift; ımb daher find es auch 
Menfchen mit verfchiebenen Seelen. Wenn num 
die Staͤubchen unfers Körpers, bie fidh einander |y 
berühren, von dem Eindrucke der Sinne, auch je |. 
des für fich, feine eigene einzelne Empfindung hätte: |, 
fo würde ja eben daſſelbe müffen gefaget werben, daß | 
L 





jedes fürfich eine Seele ſey. Allein, der Buß emo : 
det nicht für fich, noch bie Hand, noch der Kopf, 
nod) irgend ein Lleineres Theil des Körpers : die |; 
eine Seele empfinder allein alles in allen. Das Is 
Auge fieht nicht befonbers, das Ohr höret nicht bes k 
fonders, u. ſ. w. es ift eine und diefel e Seele, die ;; 
im Auge fieht, im Ohre höret, in der Naſe riecht, 1 
in der Zunge ſchmecket, in Millionen —— des 
ganzen Koͤrpers, wo nur eine Nadelſpitze 
ſetzet wird, allein alles fuͤbhlet; folglich —* * | 
fen den vielen Theilen, barinn fie allein alles fühlet, 
unterfchieden ift. Die Seele ift demnach eine eiw |. 
fache Subftanz, nicht aber ausgedehnt, jufammen- :; 
geſetzt, oder theilbar;; fie iſt alfo von unferm Korper 
gänzlich unterfchieben, 

Wenn 





8 Deine zwey, aus jedem empfindli 
heilchen deſſelben ein era am 
—— müffen alſo dieſe empfindlichen 
Theile auſſer bdeyden Seelen, und 
menden unterſchieden feyn. Da nun in ſolchen 
tisgeburten "die Geſetze der Empfindung und 
örflellung nicht anders find, als bep-andern ein. 
Men Seelen: fo find. bey allen Menfchen die 
mtetigher Tpeile, worinn fie empfinden, = 


64 VI Abh. Vom Menſchen 


fer ihrer einen Seele, und von derſelben u 
ſchieden. 
$ 8 


Diefe Verſchiebenheit der Seele von allen 
perlichen Theilen erhellet auch baher, daß bie | 
le, —— ſich der Dauer nach 


von keinem einzigen Staͤubchen unſers garen! 
pers bewußt, ob es noch eben baffelbe fey, wel 

wir vormals gehabt haben, ober ob ein andere 
deſſen Stelle getreten ſey. Wir kennen fein e 
ges Theilchen unfers Leibes, weber von innen: 
auffen, durch irgend ein Merkmaal, ob es 
das alte, oder ein neues fen; fonbern wir w 
nur durch gegenwärtige Empfindung in benfel 
baß fie jegt zu unferm ch gehören. Demnar 
die Seele, bie fich als diefelbe in ihrer Dauer 
nerlich Pennet, von allen Theilen des Koͤrp 
Davon fie fein einziges als daſſelbe kennet, in 


Der Körper ift nämlich der Seele gleich 
sum Spiegel gegeben, worinn fie ſich felbft, 
Melt und den Schöpfer erfennen fann. 
ben Spiegel an fich ift fie nicht gemwiefen; ob 
unverrüde derfelbe bleibt, oder ob fie die D 
hernach in einem andern untergefchobenen fi 
daran Siege ihr nichts; genug, daß fie-fich fe 





Wir koͤnnen nicht. über Kopffchmergen, nicht 
1 nicht über Bauchgrimmen, nicht 
in ig einem empfindlichen. Theile 
xs tebes 


Die face if offenbar, Denn, wenn der 
‚von unferm Körper den Urfprung nimmt, 

d find die verlegten Theile auſſer einander, und 
!äumlidyunterfchieden; und die Seele, welche ſich 
ven: gegenwärtigen Zuftand ihres Körpers a 


ü 


genau anzuzeigen, wo 
= wehe thut ; bey dieſem aber nichts raͤumli⸗ 
ber 


464 VAbh. Vom Menfchen 

voeſtellet, weis bie Theile anzugeben‘, we Wi 
Fee 
Seele nicht aus der Vorſtellung irgend einer 


Raum ausmachen, und deren jedes einen gen 
Ort einnimmt. 
Wäre die Seele koͤrperlich, ober ein ? 
unmſers Körpers, und der fogenannte Gemä 
verdruß eine Verlegung biefes Körpers, i 
diefee Materie: fo müßte man, infonderbeit 
einer ſcharfen und heftigen Leidenſchaft, den! 
anzeigen Fönnen, wo die feften Theile zerriffen, « 
zu ftarf gebehnet, ober gedruckt worden, und’ 
es folglich fo heftig wehe thäte. Denn da hat: 
Ausflucht nicht Statt, welche man bey fihnad 
und langfamen Gemüchsempfindungen , 
uth, Sehnſucht, und dergleichen mad 
koͤnnte. In ſolchem Falle könnte man etwa fag 
daß diefe dennoch Eörperliche Leidenfchaften wär 
welche viele Theile des Körpers zugleich auf e 
dunfele Weife befchwerten; daß man’ baher eh 
gewiſſen Theil, darinn es wehe thue, anzugef 
nicht im Stande fey: es fey ıms oft im Ken 
nicht recht, wenn etwa eine Krankheit Kae 





Be ni fi 
bemerken, ba der Schmerz. vor an⸗ 
men — Allein, Diefe —2*— tagt 
day Aöazfen und. Geftigen Semüchtempfinbun: 


ab freien an Pe 
——— —— br Wr But 














n, nicht im Magen, nicht im Sperzen 


—* will ſagen, daß die Art der Empfin 
eb in beyden Faͤllen ſehr umterfchieden ſey⸗ 
BR ſich fühlen, aber nicht befchreiben. Jo⸗ 
fann mats Diefes nicht allein ben beydetley hef⸗ 
ſendern auch gelinden Empfindungen in ſich 
ſparen. Denn wenn ſich das menſchliche 
eine Unordnung, Schiefigkeit, übele Pros 
mund Bildung, oder ungereimte Wahl von 
, Wößts fo weis ein jeder bey fich ſelbſt, Daß 
fowohl das Auge einen Eindruck bekoͤmmt, 
ER wacht ‚vertragen koͤmte. Denn was 
ke ie an Linie das Auge mehr 
fs eine gerade, ober längere? Son⸗ 
2 leidet eine Unluſt von —* eige· 

Ber: Unvollkommenheit; gleichwie es 

kumn- bee Einficht der Ordnung, —— 
—— wi omeſ· € ar Ä 












| _ u BE * N 


466 VI Abh. Vom Menſchen 


ſich natürlicher Weiſe zur Vollkommenhel 
— are fe Mufter verfeiben, we , 
VWerſtand und Meigung gebefiert und ber 
‚ werben, Die gegenfeltigen 
ben den Geſchmack ber Seele, und * 
| wach und mac zur | 
ein anber Merkmaal. des Unterfef 


nen. auch * beachten, was einen 
ſchwaͤcheren Eindruck machet, als andere. 

Die Vorſtellung abweſender Dinge iſt ar 
allezeit ſchwaͤcher, als der gegenwaͤrtigen: wir 
nen fie aber wüikuhrlich ſtaͤrker und klaͤrer ma 
als alle Vorſtellung —— Dinge, ſo 
wir Hören und Sehen darüber vergefien, 1 
ben gegenwärtigen Dingen) die uns rühren, 
ber Schall, der ins Ohr fällt, leifer und: ſchw 
feon, als das Licht, welches die Körper im 
bildet: aber wir haben es in unferer Macht, 
dunfelen Schalle nachzulaufchen, ohne auf die 
genftänbe des Gefichtes zu achten. In dem ‘ 
mablen fich die Dinge am Flärften und deutlichſte 
welche ber Augen Axe gegenüber fliehen; die an 
deſto dunkeler und undeutlicher,, je weiter fie 
dem Mittelpunkte bes Auges zur Seite An 
Dennoch kann uns eins zur Seite regen, daß 


bie Augenoren wilfüßrlich nach dieſem * 


N 
J 





"mb deffen Seele. 467. 


FE ', wih’es vor andern zu beobachten, 
u. — * verſuchet, die Augenaren unver⸗ 
ande auf einem Gegenſtande zu laſſen, und dabey 
Kimnodh nicht dieſen, ſondern etwas, das ganz zur 
Beite fliid, und mid; gar nicht angieng, willt ühr⸗ 


— * Seele der demnach ein Vermögen, einem 
Vorſtellung, der an firh von 
} cke entfianden, willkuͤhrlich 
Werwiegende Klarheit und Siart. zu geben, 
mm ae üdrige an ſich flärere Boeftelungen 
werden. Es tft auch fein Zweifel,‘ baf 
eNAebung barinn vieles thue, da einer die aus. : 
hweifenden Gedanken, wenn fie ſich etwa Durch 
e Sinne fößren laſſen, fo oft und fo lange wieber 
Bid ruft, bis er fie ganzin feine Macht befömmt. 
—— mich auf namhafte Maͤnner berufen, 
t, dep ler Toben und $ärmen feiner Kin⸗ 
win ion herum, ſchwere Berechnungen und 
Mendärfe zu Grande brachte; ein anderer noch 
en, vor-bemöffenen Fenſter am Markte, 
je Auffäge und Dedudiones verfertiget. 
Iber, ein jeber hat ben N, obwohl die meiften in 
— geringerer Maaße, Die tägliche Erfahrung 















’ die Vorſtellung niches als eine Re- 
Ma} vber det Gegendruck des Gehirnes gegen den 
ehe Eindruck; und waͤre die ausnehmende 
Mcheung eines Toells der ganzen Vorstellung 
Kits, ais bie ftärffte Reactio, ober der flärffte 

des Befims gegen einen geroiffen Theil 
w Malen Eirende | ſo maßte nach —* 

ſetzen 





48 VIA. Vom Menſchen 


‚bie vorgegebene Seele und Geiſt, oder verfiäw 
dige und wollende Subftanz fenn follen, deren jebe 
fire ſich empfaͤnde oder ſich bewußt waͤre: ſo wuͤrden im 


jehdes Menſchen Körper auch zwo Seelen wohnen oder 


zween Menſchen ſtecken; welches ungereimt, und wider 
alle innere Erfahrung iſt. Der Grund bes Irr 
ehumes liegt bloß darinn, daß man aus ber ven : 
ſchiedenen Vorftellung und Neigung der Seele, | 
dadurch fie mie fich felbft in einen —— ei, 
verſchiedene Subftanzen gemachet. Allein, 

das Wefen in ums, welches fich bewußt iff, 
ihm ein Ding, nad) finnlicher Worftellung ,. 
und gut laſſe, ift auch dasjenige, welches fich bes 
mußt ift, daß es eben baflelbe Ding, nach ber 
reineren Borftellung der Vernunft ‚ für böfe anfes 
ben und verabfeheuen müffe : fo wie es eine Sede 
ift, welche den halb im Waſſer ftehenden Stod, 
nad dem Gefichte, für gebrochen, nach dem Ges 

fühle, für gerade hält, 


$ 7 


Da denn, ordentlicher Weife, nur eine Seele 

im menfchlichen Leibe wohnet, und dieſe eine Sub⸗ 
ftanz allein alles aus allen räumlichen Punkten bes 
ganzen Leibes empfindet, und fich allein alles deffen, 
ERS darinn gefchieht, bewußt iſt: fo if biefes 
Empfinden und Bewußtſeyn eigentlich niche in 
vielen Theilen, bie auffer einander find, nicht im 
Zufammengefeßten ober Ausgebehnten; f fi nd bie 
vielen Theile auffer ber einen Seele, bie in allen 
Theilen allein alles empfindet ; fo unterfcheidet fich 
biefe eine Subſtanz von allen räumlichen Punkten 
des 


kn 


mad deſſen Seele. 1289: 


‚ausgedehnten und Aufammengefg ten 
als ein einfaches » bas ber einzie 
are Mittelpunkt iſt, worinn ao Der 


f 
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460 VIA. Vom Nenſchen 


ben Dabush in einem Körper fo viel Seelen gefek, 
als nur empfindliche Stäubchen find, 


berühren, von dem Eindrucke der Sinne, auch je 
des für fich, feine eigene einzelne Empfindung hätte: 
fo würde ja ebendaffelbe müffen gefaget werben, def 
jedes für ſich eine Seelefey. Allein, der Fuß empfin⸗ 
dee nicht für ſich, noch bie Hand, noch der Kopf, 
nod) irgend ein Pleineres Theil bes Körpers : bie | 
eine Seele empfinbet allein alles in allen. Des 
Auge fieht nicht befonders, das Ohr höret nicht v | 
fonbers, u. ſ. w. es iſt eine und biefelbe Seele, die 
im Auge fieht, im Ohre höret, in ber Mafe red, 
in der Zunge fchmedet, in Millionen Punkten de | 
ganzen Körpers, wo nur eine Mabelfpige 
feget wird, allein alles fühle; folglich auch von ir i 
fen den vielen Theilen, darinn fie allein alles fühle, : 
unterfchieben ift. Die Seele ift demnach eine ein | 
fache Subftanz, ee aber ausgebehnt,, zufammen . 
gefegt, oder theilbar; fie ift alfo von un Kia 
gänzlich unterfihieben, rem | 
en | 


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e64 VI Abh. Vom Mafhen ° | 
fer ihrer einen Seele, und von berfelben unten 
ſchieden. | 


' $ s. eh 
Diefe Verſchiedenheit der Seele von allen fie 
perlichen Tpeiten erfellet auch daher, baßı bie Ges | 
le, wie ich oben gezeigee, fich ber Dauer nach be 
muße ift, eben biefelbe zu ſeyn, welche vormals fo 
—— Feel innerlich —— ihrer J— 

8 an ver⸗ 
ſchiedenen | 


’ 


— — J 


Veraͤnderungen, als ein einzeln fertban 
vendes Weſen, kennet. Nun find wir uns aber 
von feinem einzigen Staͤubchen unfers 
pers bewußt, ob esnoch eben baffelbe fey, : 
wir vormals gehabt haben, oder ob ein anderes an ; 
deffen Stelle getreten ſey. Wir fernen fein ein | 
ges Theilchen unfers Leibes, weber von innen noch 
auffen, durch irgend ein Merfmaal, ob es no \ 
bas alte, oder ein neues fen; fonbern wir wiſſen 

* 


T. 


nur durd) gegenwärtige Empfindung in benfelbeh, 
daß fie jegt zu unferm Ich gehören. Demnach ft 
die Seele, die fich als diefelbe in ihrer Dauer im : 
nerlich Pennet, von allen Theilen des Körpers, 
Davon fie fein einziges als daſſelbe kennet, unter 


ſchieden. 
Der Körper iſt nämlich ber Seele gleichfem : 
sum Spiegel gegeben, morinn fie jich felbft, die 
Melt und den Schöpfer erfennen fann. Auf 
den Spiegel an fich ift fie nicht gewiefen; ob ber 
unverruͤckt derfelbe bleibt, oder ob fie die Dinge 
hernach in einem andern untergefchobenen fieht, 
daran Liege ihr nichts; genug, daß fie-fich ſelbſt, 
und 





j "Bir können nicht ber Kopffchmerzen, nicht 
Herzklopfen, nicht über Bauchgrimmen, nicht 
iber Stiche in irgend einem empfindlichen Theile 


xs klagen. 

¶ Die Urſache iſt offenbar. Denn, wenn der 
d ‚von unferm Körper ben Urfprung nimmt, 

6 find. die ‚verlegten Theile auſſer einander, "und 

täumlich unterfihieden; und die Seele, welche ſich 

en. gegenwärtigen Zuftand ihres ‚Körpers genau 

* wor 





SIEHT zu oer DEI, OR JIE DEFYOETIEIB nec 
guten Rräften gewefen, zwifchen ibnen em: 
den, bat diejenige, welche fich ſtaͤrker zu 
glaubte , die andere über die Achfel genom 
und Davon getragen. Jedoch find fie viel 
eines ftillen und ſanftmuͤtbigen Weſens, al: 
fie ſich oft erzuͤrnen ſollten Die j 

dich iff vor ungefähre drey Jabren Mbit ı 
Schlagfluffe geeübrer worden, wodurch ff 
der Sprache und Vernunft Schaden gelitten, 
Daher anjetzo etwas einfältig fcheint. & 
ficb eine nicht wohl befunden, bat auch di 
dere ebenermaſien, ob fie fon mis gle 
Krankheit nicht behaftet war, einige Unrul 
dem Bemütbe, Schwachheit der Sinnen , 
unordentliche Bewegung der innern Theile 
Acibes verfpäbrer. Doch fihreibt Mich. E 
fEttmuller in. Difp. de Monftro Hungarico, ( 
Georg. Chr. Werther) Lipf. 1707. $ XII. vo 
fen allzufehr verſchwiſterten Maͤgdchen, daß, | 
in Leipzig gewefen, die jüngere Judich mit G 
eben geplagt worden, wovon aber diealtere, & 
nicht3 gewußt; daß fie aber doch beybe zugleii 
den Pocken danieder gelegen. Sie find 172 


-® uar deſſen Seele. 48 
bl aufwarcs alles gebeppelc, 


aber len einfad) genefen *, 
Sf — 


ger en Bond. 


his nicht — — 


—5* —S — eu u, 
>. III, cap. 2.p. 5. anführen will, bac tem. 
. füb jacobe IV Rage) Zn 
" nevi generis in Scotia votum efl, inft- 
U riere quidem corporis parte, moris, mic quic- 
—— Serge —— — —2* 
1, 8* * mis Sean] 
[3 ufum et tem diferetis, 
—* ed er ofen um ct 
ravit, ac maxime in Mnficis, qua in re mirabiliter 
—* — 
1a corpora [eeum (eutiebant, 
W= lisigabant, cum aliud alii placeret : inte: 
velut * commune confultahant. And etiam in 
Ve red quod cum inferne erura Iumbive 
F 2) corpus communiter dolorens 
‘ : cum vero ‚e Pungeretur, aut alloqui 
, ad He corpus tantum doloris Jenfus 
—* Quod diferimen etiam in morte fuit ma. 
Li⸗ —— nam eum alterum corpus complures 
"ante dies exflintum fuiſſet, —* Faperfles 
ri rent ſui computrefcente, paulasim co» ie, 
annos viginti o@o, ac dece/it admi- 
ae Seoticam Joanne Prorege. de re 
" I Gngtit Buchananus) eoconfidentius , quod 
adbne füperfunt homines bonefli cömplures , qui bac 
—— Siehe auch hievon den Camerarius in 
j 6 —— 67: p. The Bere 
nd bedaure nur, iejenigen, lei⸗ 
ven feftene Zufälle a beobachten Gelegenheit ge 
. babe, nicht mehr Nutzen daraus gejogen, und ins 








als zween gefunde Menfchen verfchieden find 
che von einem und bemfelben Punkte bes dr 
Körpers ein Bild in den Augen und Gebanfı 
fen, oder beyde einen Ton hören. Uebrige 
zwifchen beyden Seelen, ſowohl in ber Vorſt 
diefee einen Weränderung im gemeinfchaf 
Theile, als deren Folgen, vielmehr aber n 
andern Empfindungen, Gedanken und Gen 
bewegungen, ein gemaltiger Unterſchied. 

eine fchläft, wenn bas andere wachel. Da 
empfindet und bemerfet, was das andere ni 
merfet. Das eine ftellet fich bey dem &eg 
tigen, in feiner Einbildungsfraft, ganz and 


fonderheit vieles, was die Seele betrifft, : 
achtet gelaffen haben. Ich wuͤrde wenigſte 
chen zween eingefleifchten Menſchen noch 
ſchiedliche Fragen gethan haben, wie ihnen 
fem und jenem alle oder Theile zu Dur 





m annt worden; welches nr 
ft, daß man die einzelnen Menſchen nicht 
Bier, fonbern nad) der Seele, rechnet 


ann Menſchen ordentlicher 
* Ei age ann wur: 


458 VI Abh. Vom Menfchen 


bie vorgegebene Seele und Geiſt, ober verſtaͤn⸗ 
dige und wollende Subſtanz ſeyn ſollen, deren jede 
fuͤr ſich empfaͤnde oder ſich bewußt waͤre: ſo wuͤrden in 
jedes Menſchen Koͤrper auch zwo Seelen wohnen, oder 
zween Menſchen ſtecken; welches ungereimt, und wider 
alle innere Srfaheung. ft. Der Grund bes Irr⸗ 
ehumes liegt bloß barinn, dag man aus ber ver 
ſchiedenen —— und Neigung der | | 


Allein, 

has dein in ums, eldes fich bewußt ift, 
ihm ein Ding , nad) finnlicher Vorftellung ‚. reigenb 
und gut faffe, ift auch dasjenige, welches fich bes 
mußt ift, daß es eben baffelbe Ding, nach ber 
reineren Borftellung der Vernunft, für böfe anfe : 
ben und verabfeheuen müffe : fo wie es eine Sede 
ift, welche ben halb im Wafler ftehenden Stod, | 
\ 





nad) dem Gefichte, für gebrochen, nach dem Ge 
fuͤhle, für gerabe hält, 
$ 7. 


Da denn, ordentlicher Weife, nur eine Seh : 
in menfchlichen Leibe wohnet, und diefe eine Sub : 
ftanz allein alles aus allen räumlichen Punkten des 
ganzen Leibes empfindet, und ſich allein alles beffen, : 
WS darinn gefchieht, bewußt ift : fo iſt biefes 
Empfinden und Bewußtſeyn eigentlich nicht in : 
vielen Theilen, die auffer einander find, nicht im 
Zufammengefeßfen oder Ausgedehnten; f find bie | 
vielen Theile auffer der einen Seele, bie in allen 
Theilen allein alles empfindet ; fo unterſcheidet fich | 
3 biefe eine Subſtanz von allen räumlichen Punk 


Sir 


Eins ift 5* — ern andere, 


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260 VI Ah. Vom Menſchen 


den dadurch in einem Körper fo viel Seelen geſeßt, 
als nur empfindliche Stäubchen find. 

Man ftelle ſich die Sache im Großen ver. 
Wenn viele Menfchen ſich angefaffet haben, under 
ner durchs Electrifiren erfchüttert wird : fo 
— Erſchuͤtterung allen mit, welche ſich aw | 
Koͤrpern, bie ſich berühren, faft zugleich, em 4 
ähnliche Veränderung. Dennoch har ein jeber fir | 
ſich feine eigene einzelne Empfindung, Die näche des 
andern ift; und daher find es auch verfchleben 
Menſchen mit verfchiedenen Seelen. Wenn 
die Staͤubchen unſers Koͤrpers, die ſich 
berühren, von dem Eindrucke der Sinne, auch je 
des für ſich, feine eigene einzelne Empfindung hätte: | 
fo würde jaebenbaffelbe müffen gefaget werben, daß 
jebes für ſich eine Seele ſey. Allein, ber Fuß empfin | 
det nicht für fih, noch Die Hand, noch der Kopf, 
nod) irgend ein Pleineres Theil des Körpers : die | 
eine Seele empfindet allein alles in allen. Das | 
Auge fieht nicht beſonders, das Ohr hoͤret nicht ber | 
fonders, u. ſ. w. es ift eine und Diefelbe Seele, bie ; 
im Auge fieht, im Ohre höret, in der Naſe riecht, 
in der Zunge fehmedet, in Millionen Punkten bes ' 
ganzen Körpers, wo nur eine Mabelfpige hinge : 
feßet wird, allein alles fühlet; folglich auch von al | 
len den vielen Theilen, darinn fie allein alles fühle, - 
unterſchieden ift. Die Seele ift demnach eine ein⸗ 
fadye Subftanz, nicht aber ausgedehnt, zufammen : 
gefeßt, ober theilbar; fie ift alfo von unferm Korper 
gänzlich unterfchieden, | 
| Ben 


i 4: 


| 





heilchen deſſelben ein — werden; 
Bee 
len, 
he beyden unterſchieden ſeyn. Da nun — 
De bie  Gefege der, Empfindung und 
Or Io booten Meikden, de 
en di 

eperliche Theile, worinn fie —— ur 


BHIHHRHHHNGG 
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fi REIHE ie E er; 
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1, nicht 
iber Stiche ‚in irgend einem. empfindlichen Arie 


er ift — Denn, wenn der 
von unſerm Koͤrper den Urſprung nimmt, 
„bie ‚verlegten Theile auffer einander, und 
unterſchieden; und die Seele, welche ſich 

* ——— Buftand ihres Körpers: on 









zu ſtark gedehnet, oder na worden, und‘ 
j s folglich fo beftig “ Denn da 
-  Ausfluche nicht rare * man bey N 
- und langſamen Gemuͤt 
Schwermuth, Sehnfucht, und dergleichen N 
konnte. In ſolchem Falle koͤnnte man etwa ſe 
daß dieſe dennoch Körperliche beidenſchaften 
welche viele Theile des Körpers zugleich auf ein 
Du wm befchwwerten; daß man daher ei 
ſen Theil, darinn es wehe thue, anzugehn A 
Richt im Stande fen: es — 
nicht recht, wenn etwa eine Krantheit ſchleichend 
5 mm: 





0 


Ai le gef te 


mfeinen 
feharfen und Geftigen Bemürhtempfinbun 
— 






—— nicht im Magen, nicht im Heyyen 


Ion will ur fagen, daß die Art der Empfin 
in beyden Fällen fehr unterſchieden ſey⸗ 

a füten, abee nicht befehreiben. a 

fan man diefes nicht allein bey benderien hef⸗ 

Ken) fondern auch gelinden Empfindungen in ſich 
Ubi fpüren. Denn wenn fi) das menfchliche 

kigean eine Unordnung, Schiefigkeit, übele Pre 

und Bildung, oder — rd von 

* fo weis ein jeder ; bal 

He oplBa Auge einen — — 

"8 nicht vertragen koͤnnte. Denn was 

eine fehlefe ober kürzere Linie das Auge mehr 

—— als eine gerade, ober längere? Son. 

ernüch leidet eine Unluſt von feiner eige · 

Km Einficht der —E— gieichwie es 

—— Einſicht der Ordnung, Proportion 

Mb Uebereinſtimmung, geniept- Ee er 


” * ⸗ BE 
- "7 r * 


466 VI Abh. Bom Menſchen 


fich natuͤrlicher Weiſe zur Wollfommenkeis g 
8 und liebet daher die Muſter derſelben, ws , 

VWerſtand m Neigung gebefiert und ben 
werben. Die gegenfeltigen Vorſtellungen vı 
ben den Geſchmack der Seele, und gewihn 
nach und nach zur 


HET 
li n uns 
lich, vermoͤge ve dm. tamfenberiey gegen 
tige Dinge zugleich vorfiellen: fo beachten sole 
allein eins umter allen andern — 
uns den ſtaͤrkſten Eindruck giebt, ſondern 

nen auch willkuͤhrlich beachten, was yore 
ſchwaͤcheren Eindruck machet, als andere, 

Die Verſtellung abweſender Dinge iſt ar 
allezeit ſchwaͤcher, als der gegenwärtigen: wi 
nen v e aber roillfühelich kärfer und flärer mc 
als alle Vorftellung gegenmärtiger Dinge, fo 
wir Hören und Sehen darüber vergeffen. 1 
den gegenwärtigen Dingen, die uns rühren, 
der Schall, der ins Ohr fällt, leifer und ſchw 
ſeyn, als das Licht, welches die Körper im. 
bildet: aber wir haben es in unferee Macht, 
dunkelen Schalle nachzulaufchen, ohne auf die 
genftände des Gefichtes zu achten. In dem ' 
mahlen ich die Dinge am Flärften und deutlichkte 
weiche dee Augen Age gegenüber fiehen; bie an 
deſto Dunfeler und undeutlicher, je weiter fie 
dem Mictelpunfte des Auges zur Seite abwei 
Dennoch fann uns eins zur Seite reisen, daß 
die Augenaren willführlich nad) dieſem 8 


N 





— rn a ve Seeie 467 


ftande drehen, um es vor andern zu beobachten. 
ich esoft Kari, die Augenaren under« 
| einem Örgenftande zu laffen, und dabey 


, fondern etivas, das ganz zur 
hand, und mich gar nice angeng, milfühe 
u ‚See hat demnach ein Vermögen, einem 
Vorftellung, der’ an ſuh von 








me Bd thue, da einer die auss 
n —* en, wenn etwa 
Sin e flößren Iaffen, — — 
iſt, bis er ſie garzin feine Macht bekõmmt. 
mich auf namhafte Maͤnner berufen, 
ne E66 Allem Toben und Laͤrmen feiner Kins 
herum, ſchwere Berechnungen: und 
zu Stande brachte; ein anderer noch 
hvor dem offenen Fenſter am Marfre, 
Auffäße und Dedudtiönes verfertiger, 
* ein jeder hat bey ſich, obwohl die meiſten in 
Maaße, die tägliche Erfahrung 


— Vorſtellung nichts als eine Re⸗ 


— Gegendruck des Gehirnes gegen den ' 


ne eig und wäre bie aiisnehmende 
ehe Theils der ganzer Vorſtellung 


als die ſtarkſte Readio, oder der ſtaͤrkſte 
age e ende — einen gewiſſen * 
müßte, "nach den Ge 


fegen 





k. . 


daß wir etwas auffer uns vorſtellen, 


3 VIEH. Bom Menſchen 


" ‚ber Eirperlichen Bewegong, bi e: Rönkfiiriieg 
I re ber ſtaͤrkſten Adtion gleich feyn,.ub: 
mit derſelben übereintreffen; folglich wuͤrde die 






Beachtung aflegeit Kefien auf den Gegenftenb 


wi ' 
handelt, den ine, ale 
müßte 


EEE 


Tr 


—— Endruck ꝙ 
bie tägliche 


Ih Gabe mi Fleiß — die den | 


Unterfchied ‚zwifchen Seele und Leib, auf eine klare 
und fühlbare Art, burch innere Erfahrung. zeigen. 


fürzer, ſondern auch überzeuglicher unb unleugbe 


rer, als fcharfimnige Beweiſe, welche aus be 


mefentlichen Beſchaffenheit der Materie und des 
Se —8 weitlaͤuftige Vernunftſchluͤſſe gep⸗ 
en we 


Ich will dieſen aber dadurch ihre Staͤrke niche 


abſprechen. Ich glaube allerdings, man hat Recht 
zu behaupten, daß aus der Materie, unb allem, 
was von ihr befannt ift, nichts von dem, was bet 


Seele eigentlich zukoͤmmt, erklaͤret werden mag. 


Denn wer kann ſich wohl erdreiſten, daß er * 
unſers Körpers zuſammengeſetztem Weſen, 
deſſen ——— begreiflich machen wol, 





Pd nt " 






und deſſen Selen 469 


Buhl: heben, uns bewußt find, bie Dinge da 
vergleichen, und beren Ueberein⸗ 
mamung einſthen? Wer wird nicht geftchen muͤſ⸗ 
*8 ee Denen wornach fi) Die Kräfte der 





Materielles halten, folches ohne ine 
Brunb und. fcheinfichkeie vorgeben. 
— daß man noch nicht fo weit ge 
Namen wäre, einen Widerſpruch pre 
Materie und.dem Denken zu zeigen: fo hätten doch 
We Gegner darum wenig Ehre zu fprechen. Man 
jetrachte nur bie. — * und flatterhafte Vernuͤnfte⸗ 
des Mannes, der in neuerer Zeit die. Seele zu. 
Inem Nichts, und ben ganzen Menſchen zu einer . 
Hoßen Fösperlichen NMafchinemachen wollen. Sollte 
won. nicht vermuthen, wer einen folchen Satz zu 
2 unternimmt, bes wuͤrde Doch den Hayıpt- 
heneiff-ehner Maſchine, worauf alles anfdmant, er- 
Höret, ‘und feinen Beweis darnach eingerichtet har 
hen? Denn da eine Mafchine ein zuſammenge⸗ 
Inter Körper ift, deſſen Veränderungen durch ge⸗ 
nr Bewegungsfräfte, nach Art der Zufammens 
Biung, und nad) ben Regeln ber Bewegung, er⸗ 
pigm: fü erwartete man bon ihm, baß ex die Ver⸗ 
. 693 ande . 













470 VI Abh. Vom Menſchen 


aͤnderungen, welche ber Seele zugeſchrieben werben, 
das Empfinden, Denken, Bewußtſeyn, Wollen, 
als eine räumliche Bewegung gewiffer Theile unfers 


Körpers darſtellen, und felbige aus befanneen | 


Kräften und Regeln ber Bewegung, nach Befchafe 
fenheit der Zufammenfegung unfers Körpers, ver, 
ftändlich machen würde. Aber Demerrius hat 
uns weber einen Begriff von einer Mafchine geges 
ben, noch die Hauptfrage durch ſolchen "Begriff be 
ftimmt, noch in der Ausführung jemals daran ge 
dacht, zu zeigen, daß die Berrichtungen ber Seele 
eben diefelben find, und auf eben diefelbe Art, und 
nach eben venfelben Regeln gefchehen, wie die Ver⸗ 
richtungen in einer Mafchine. 

Das einzige, worauf Demerritis hauptſaͤch⸗ 
lich in dem ganzen Werfchen dringt, iſt, mas wit 
langft gewußt haben, und mas niemand leugnet: 
daß die Seele in ihren Verrichtungen und $eidene 
fehaften vom Leibe abhänge. Aber er hat babe 
nimmer bedacht, daß er aus biefer Erfahrung feis 


nen Satz durch einen falfchen Schluß erfchlice. 


Müßte er nicht eingefehen haben, daß er heimlich 
voraus feßete: Was vom Körper oder von ber Ma 
terie abhängt, das iſt Förperlich ober materiell? 
Was von einer Mafchine abhängt, das gehoͤret mit 
zur Mafchine? Muͤßte er nicht diefen Sag, worauf 
er in der That alles bauer, ausdrücklich ermäßnt, 
und deutlich erwiefen haben, wenn er was ordentlis 
ches und gründliches hätte fchreiben wollen ? Davon 
aber ift feine Spur bey ihm zu finden; und den⸗ 
noch ift ber Gag grunbfalfch. Das Leben hängt 
won leblofen Dingen ab: das Erkenntniß von den 


iß mit -den 
ugen 7 Kann bee Spiegel und das Sicht, fo wie 
ws Auge); ** a a AL 
.r.@elbkt Die dee Seele 





iebrigen 

ya Wachsthume einer geiftigen fteigen foll, 
sen Penner. Aber es ift im Gegen 
* wahr, baf der gefundefte Körper ohne 
zwar Cörperliche , aber boch todte leblofe 
— un würde, Er würde bie klaͤrſten Aus 
wibshen, und doch nichts o kben; bie fchärfeften 
(den, und doch nichts hören; die zarteſten⸗Ner⸗ 
75 doch nichts empfinden; ; bie gefchlanfig« 
e Zitße und Haͤnde, und body nicht gehen noch 
beiten, das vichtigfle Gehirn, und doch nichts 
ben ‚ wollen und befchließen. "un aber belebet 

Keoͤrper, und wahres alle Augenblicke die —* zu 
.2 9 4 






















bu 








a7 VIA, Vom Menſchen | 


= nach ref ser Prim und fiebe, | | 
eg 


it ein: menden 
————— 


bängt, “| 
€s if 2) war, daß Die Gemürffräfte mie 
‚den Körper von der Kindheit an ordentlicher Weife 3 
wachſen, auch oft ‚mit dem hohen Alter nieder abe | 
nehmen, ge jenes. ift nicht ſowohl dem Wachs · 
ume bes Körpers an füch, fendern der Natur der 
Eine nur ſtufenweiſe in ihrem Erkenntniſſe und 
in ihren Fe tigfeiten zunehmen kann, zuzufchreiben; 
Diefes aber ift an ſich Feine nothwendige Folge ber 
abnehmenden leibes · und Sebensfräfte, ſondern eine 
zufällige Schwachheit, welche auch das: blühende 
Alter treffen kann, wenn: deſſen Krankheit aufs 
Gepivne fällt. An ſich, wenn nur das Gehirn 
verſchont bleibt, (wie es ja in vielen Rranfpeiten 
des Alters verfihont bleiben kann,) folget vielmehr 
natürlicher, daß die Bollfommenheit des 
größer fen und immer größer werden müffe + 
eine lange Erfahrung, oͤftere Hebung im —— 
und mancherley erworbenes Erkenntniß von Wahr⸗ 
heiten, da ein Tag den andern gelehret, und eine, 
Einſicht zur andern das Licht gegeben hat, mathe 
wendig das Urtheil richtiger und gewiſſer machen 
muß. Zu geſchweigen, wenn der * Reiz 
matter geworben, und das Feuer der Einbildungs« 
3 und —— iſt, daß als denn viele 
eure reilungen und Tporbeiten weg ⸗ 
fallen, und Die Kathfeliffe weifen, Aigen, nor: 
ſichtiger, bie Gemirsr un und Lebensart geintin, 






ipiben Selbe, der ih dem Tode nähert, 
— — 
ug,den Einwurf, meiden Die Mascceli 
—— sinjihe One w 
Kheuskodften.der koͤrperlichen Maſchine 
lwrifen. — 


bämlichen Verrichtungen 
u Gehims, wird zwar —— nicht 
naraber man kann nicht leugnen, de | 
vum das Gehirn, als ein Werkzeug beliebiger 

nllungen und koͤrperlichen Handlungen, im 
zuge won ber. Seelen Willkuͤhr abhänge: und 
(e,. daß fie an die Regeln eines mechanifchen 
res und Gegendrucks nicht gebunden iſi. 
A wicht zu leugnen, daß bie actiones vitales 
mimales ber ganzen koͤrperlichen Mafchine'if 















Ende nahe fern Binnen, wenn Diejenigen 


ses, worinn das eigenthümliche eben der 
e:befleht,, in voller Kraft fortgehen. 
D&s Hit wahr, daß die Veränderungen und 
Iißsungen der Seele von den Werkzeugen der 
wähhängen. Wenn Augen und Ohren sn 
eben finb ‚ fo fönnen wir nichts fehen 

wenn es ihnen an Vollkommenheit 
fe fehlet, fo ſehen und hören wir nur dunkel 
verworren, Wenn bergegen in gefunden Aus 
wib Ohren ein Mares Bid und heller Schaft 
6 ‚ber. andere Eindrücke überwiegt, fo müfs - 
wie: es ſehen und hören, und haben es auch 
da unfert Macht nen ſchwarz für gi 









m VI 08. —E0 





bald. nähern, bald baven entfernen, oben 
Hülfsmittel der Brillen, Wergrößerungsgiäf 
Sernröhren gebrauchen, den Staar ſtechen 
oder einen Sim in die Stelle des andern 
Ja, wir find auch vermögend, bie Dinge. anbe 
fonft, zu empfinden, wenn wir unfere Werfreu 
zu vorbereiten und gewöhnen. Go verhält 
mit dem Geſchmacke an Speifen, am Tobaf 
Meine auf Käfe oder Zucker; und mit dem & 
in der Gewohnheit an Arbeit oder Ruhe, a 
ce oder Wärme; und felbft ben Fnnfichen & 
find wir fähig durch Vorſtellung zu verdunkel 
die ſinnliche Luſt zu echößen. Und eben berg! 
Gewalt haben wir guten Theils auch über di 
liche Einbildungskraft. 

4) Es ift wahr: wenn bem Leibe woßl ı 
iſt dem Gemüthe gemeiniglich auch * 
wenn jener mit Krankheit und Schmerzen ba 
iſt, fo fpüren wir auch im Gemuͤthe eim 
azufriedenheit. Allein, man fe doch * 


und deſſen Seele. 45 
hergeffen , daß die Heiterkeit umb Tugend bes Ge 
ME —— und um: 

terfeit des Körpers, ja rien Bor Leben hat; 
—— daj dir Zufälle erträglich 
* nd das Verberben dei. Ges 
| en (fecten und $after der Gefundheit 
ind dem $eben gefährlid) wir, die, Wibermärtige 
feiten vergrößert, und durch endlich 
die —— des Selbſtmordes wit brin · 


* bin hierinn aufiheg, und fe die 
ni Be le nem Lebe in fanem Onider 
über ich verlange auch, daß ar eben ſowohl auf 
Die Dependenz bes feibes von der Seele achten, 
und fich daher im Schließen nicht _— fofte, 
So menig wir aus der Abhängigkeit des Körpers 
bon der Seele ſchlleßen fönnen, daß —E 
besteibes oder deren Materie eine Seele ſey: 
en fo wenig koͤnnen wir aus ber gegenfeltigen 
Wöböngigfeit ber Seele von ihren Förperlichen 
Iisberteilen. Werk eugen richtig Ichließen, daß fie 
fens mit denſelben und gleichfalls ‚materiell 

Sbs fange man nicht bewelſen kann, daß fie 
einerley wefentliche Eigenfchaften haben, fich 

fi Handkı ähnlich 


hen: Bi er Einaut von ber Bapntg 
u Ban mern eine mechanl · 
Ye f der Seele waget: 


7 


76 Vl Abh. VBomn Menſchen 








pn als aufs ung, Kate? 


möglich und AL, einen Xen zu une 
fen, —— wie die Menſchen, von Ju 
auf, zu ſolchen Begriffen und deren Felge gei 
net Fee, und eben —— und guß, 
ein Mae, denken, urtheilen, ſchließen und ' 
chen koͤnnte. 

Es wäre eine große Frage, ob in foldher | 
nunftſchule, und nad) folder Anmweifung zum 3 
fen, Die Affen zu Menfchen, oder vielmeh 
Menfchen zu Affen werden möchten? Nien 
wird fich und feine ebleren Verrichtuugen, bie 
Seele bengeleget werden, in dieſer mechanifchen 
fihreibung fennen; ober deswegen feine Seele, 
er fo Elar-und dautlich von feinem Körper unterf 
det, in. feinen eigenen Gedanken vernichten. 
jeder, dem bie üblichen Beweiſe von dem einfe 
und geiftigen Weſen unferer Seele befaunt | 
wird leichtlich einfehen, baß biefelbe durch des; 
metrius Segengeünde und Erklärung nicht un 
ftoßen oder wanfend gemacht werben. Ich get 
mir aber zu fagen, wenn fich einen auch in 
deutlichen Begriffe und verfetteten Schluͤſſe 
Schulen von dieſer Wahrheit niche fo vollfom 


fioden koͤnnte, daß ihm doch fein eigenes Hi 
| Bew 





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478 Vl Abh. Vom · Menſchen 
Sie iſt ſch bewußt, daß fie nicht allen — 


Bu je a bie 


und folglich der — 
ſichthar und es —— 


⸗ 

gleichen. Wielmebr, weil der erſte ürſprung ber 
Nerven und aller Empfnbung auffer einander, und 
—— an ß Bi Kae anderes = 
J ſich im Anfange des Sehenervend, der 
Bilder, ein anderes, das fh im Anfange des Ger 
börnerveng der Töne, u. bin * feined 

aber, das alle Einpfinbun en zufammen fa 

und alle in feinem einzelnen Weſen allein v 
te, und mit einander vergliche. Da nun aber die 
innere Elare Empfindung ung vollfommen uͤberzen 
En daß dieſes gefchiebt, fo = uns diefelbe ein 
hreres Licht Don unferer die äuffere 
F — des Körpers — tann. Die 
beiten Zergliederer muſſen — daß fie in dem 
Gebirne fremd find, und daß fie von auſſen den 
Weg zum Gige der Seele nicht finden Fönken. 
Aber ihr finnliches Unvermögen kann uns die inne 

re Hare Erfahrung eben fo wenig verbimkel 


wem und —— ſtreitig machen, daß wir 


in rg vn fr Vören können * 
mm M 

ee behaupten, Nah 2 Dr eine Ausdehnung 

bis rund um die Wand des Zinmers Haben mügte 


und deſſen Seele, 49 


———— Leibes em · 
Inte, fonbern auch in ſich die ſchaͤrffte Empfindung 
* da fie feine Pre er 
wo es i zu 
‚Alalich P, wohl von bem sufammengefege 
untechhieben, als 


In fh untpeibar fe. 
fh: banpuße , Daß fie einem 
er Lorftellung eine wißfüßrliche Stärke 
geben ann, die alle Erärfe und 
Eindrucks 







ik des finulichen 
folglich in dem Stucke ben: Seſetzen der 
Wanagung vie untermorfen fe, nach 
ie, wie ein Körper wothwendig eg com 





uch der mi nähe en lebloſe Körper um ber 
Beele willen, als welcher das Seben eigentlich. zus 
AUnſer leib wird daher billig organiſch ge · 
amt, meil alle feine Glieder Werkzeuge der Seele 
mb ihrer Sebensverrichtumgen ſind; bie Augen des 
, Die Ohren des Horens, das. Gehirn al 
ee. Empfindung ı und Vorftellung. Da nun alle 
Gebanfen von der Empfindung den Anfang 
lehnen , und, alle unfere Neigungen unb Begier· 
auf eine fünftige vorausgefepene Empfindung” 
Ki — waͤrtige or · 
ſche Körper unferer Seel⸗ J 


ER 


swmd - 





. 485 VE ASS: Bringen 


alle⸗ alle’ Dinge bewu 
A ee nach u rn 2 


Was aber von der Aufferen Eirperlichen 
geſaget iſt, gilt auch von unferm eigenen KR 
Denn die Theile unfers Körpers bilden fich in ans 
‚ been Teilen unfers Körpers ab; mir fehen alle ums 
fere Gliedmaßen vermittelft der Augen, wir taften 
diefelbe mit den Händen, wir hören unfere Berdei 
gung und Sprechen mit den Opren, und-endlid 
drucker ſich alle übrige Weränderung im ganzer Kor⸗ 
per in dem allgemeinen erften Werfzeuge der Ent 
pfindung, dem Gehirne, aus. Wie man alfo im 
Spiegel nicht allein die äufferen und vom Spiegel, 
verſchiedenen Dinge, ſondern auch zugleich den Spie 
gel felbft ſieht: fo ftellen wir uns aud) in unferm 
Körper nicht allein die Auffere Förperliche Welt, fm 
dern auch unfern eigenen Körper vor. 
Allein, die Seele, als das Auge, welches alles 
auffer fih in dieſem Spiegel fieht , ſieht · ſch 
Bari auch felbft; fo ferne fie fich, als das ei 
alles empfindende, denfende,, wollende Wefen, fo 


— 








- und defien Seele. 481 


bon. den äufferen empfindenen Dingen, als 
von ihren eigenen Werkzeugen der Empfin- 
ag, üunterfeheidet.. Denn wir heben ſchon ge 
en, wiebie Seele, als das einzige Weſen in 
8, welches ſich bewußt ift, alle verſchiedene 
ıeile des feibes-als auffer ſich und auffer einan · 
Voorftellet ; wie fie wohl einfiehet,; daß fe, "bie 
Fibrer ſelbſt, als eines und deſſelben forzdauren- 
Weſens, bewußt ift, ven feinem 'eingigen 
behen ihres ganzen Körpers wiſſe, ob es noch 
8 und baffelbe [ey ,-folglich von allen und jeden 
s ganzen Körpers unterſchieden fen ; 
e fie auch innere feharfe Empfindungen hat, wal⸗ 
fie in feinem räumlichen Theile des ganzen Lei⸗ 
$ angeben kann, folglich nichts -Ausgebehn, 
— und Zuſammengeſetztes in ſich 
t. 


Beleg wird unſerer Seele atich ber Körper, 
"durch denfelben. die ‚Förperliche Welt, zum 
egel der Gottheit, weil fie nun mit iprem Wer. 

be. in den jichrbaren lebloſen Dingen die erfte 

(endige Urſache: in der Mannichfaltigkelt, Ord⸗ 

ng und Uebereinſtimmung Der Dinge, den un. 

hen Verſtand und die Weisheit derſelben; in 
Nutzen der leblofen Dinge, zus Luſt und 
efefigkeit der Sebendigen, die befte und guͤtigſte 
Diefes höchften.Wefens erblidee. Auf ſol⸗ 

ife dienet auch der Seib unſerer Seele um 


„nicht allein der finnlichen Luſt, fondern 
vernünftigen höheren Bergnügens ;-bas 
auch ins Geiftliche und Unendliche 


Und diefes iſt es, deſſen uns ber waht« 
7 Gaftig 





ihrer eigenthuͤmlichen Sebensart anerſchaffenen Werk⸗ 
zeuge nach eigenem Winke und Gefallen; und ſiehe, 
ſie gehorchen ihr mit einer zunehmenden Fertigkeit, 
bie von ben Stufen ber Seelenfertigfeiten abe 


gt. | 
Es ift 2) wahr, baf bie Gemuͤthskraͤfte mi 
dem Körper von ber Kindheit an ordentlicher Weiße 
wachſen, auch oft mit dem hoben Alter wieder ab» 
nehmen. Aber jenes ift nicht fowohl dem Wache | 
ume bes Körpers an fich, fondern der Natur ber | 
eele, bie. nur ſtufenweiſe in ihrem Erkenntniſſe ind 
in ihren Fertigkeiten zunehmen kann, zuzufchreiben. | 
Diefes aber ift an fid) Feine nothwendige Folge ber 
abnehmenden Leibes⸗ und Sebensfräfte, fondern eine 
aufällige Schmachheit , welche auch das blühende 
Alter treffen Fann, wenn deffen Krankheit aufs 
Gehirne fällt. An fih, wenn nur das Gehirn 
verfchont bleibe, (mie es ja in vielen Kranfheiten 
Des Alters verfchont bleiben kann,) folget vielmehr 
natürlicher, daß bie Vollkommenheit des. Geiftes 
größer feyn und immer größer werden müffe : weil 
eine lange Erfahrung, öftere Uebung im Denken, 
und mancherley erworbenes Erkenntniß von Wahr 
heiten, da ein Tag den andern gelehret, und eine. 
Einfiht zur andern das Licht gegeben bat, noth⸗ 
wendig das Urtheil richtiger und gemiffer machen 
muß. Zu gefchweigen, wenn ber (unbe Reiz 
matter geworden, und das euer der Einbildungs« 
kraft und Affecten verraucher ift, daß alsbenn viele 
Vorurtheile, Webereilungen und Thorheiten weg« 
fallen, und die Rathſchluͤſſe weiſer, Plüger, vor 
ſichtiger, die Gemuͤths⸗ und Lebensart gefeßter, 
Ä ordent⸗ 





‚und defien Seele, 473 


berlicher, ruhiget und zufriebener fenn Bann. 
8 ift alfo an fich falſch, daß die Seele mit dem 
nehrgenden Leibe, ber fih dem Tode nähert, 
ıthmenbig unvermögender werden muͤſſe; und Die» 
s iſt genug, ben Einwurf, weicher die Materialis 
€ der Seele auf eine gänzliche Dependenz von 
m Lebenskraͤften der körperlichen Mafchine bauer, 
zuweiſen. Die Dependenz ber Seele in ihren 
genthümlichen Verrichtungen, von gemwiffen Thei⸗ 
n des Gehirns, wird zwar dadurch nicht aufges 
„ben: aber man fann auch nicht leugnen, daB . 
teberum das Behirn, als ein Werkzeug beliebiger 
3orftellungen und Eörperlichen Handlungen, im 
Jebrauche von ber Seelen Willführ abhänge, und 
var fa,.daß fie an die Regeln eines mechanifchen 
indruds und Gegendrucks nicht gebunden it. 
uch HE nicht zu leugnen, daf die adliones vitales 
nd anımales der ganzen koͤrperlichen Mafthine ih⸗ 
m Ende nahe fern Fönnen, wenn Diejenigen 
Aiones, morinn das eigenthümliche Leben der 
Seele befteht, in voller Kraft fortgehen. 

3) Es tft wahr, daß die Veränderungen und 
Zerrichtungen der Seele von den Werkzeugen der 
Sinne abhängen. Wenn Augen und Ohren ganz 
erborben find, fo Finnen wir nichts fehen noch hoͤ⸗ 
m: mern es ihnen an Vollkommenheit And 
Schärfe fehlet, fo fehen und hören mwir nur dunfel 
nd verworren, Wenn bergegen in gefunden Au⸗ 
en und Ohren ein Flares Bild und heller Schall 
atſteht, der andere Eindrücfe überwiegt, fo muͤſ⸗ 
m wir es ſehen und hören, und haben es auch) 
icht i in unferer mad F wir ſchwarz fuͤr weiß, 

roth 


Eindrud gewandt, und veir dem ſtarler 
wandt werden kann; theils, fo ferne wir 
Ohren, Nafe, für den Eindruck verfopl 
— koͤnnen, ober. uns den Gegen 

bald baven .entferuen, abı 


und. deſſen Seele. 475 


wgeffen, daß bie Seiterfeit und Tugenb bes Ge, 
uͤthes vielen Einfluß in Die Gefundheit und Mun⸗ 
rkeit des Körpers, ja in ein langes $eben hat; 
enigſtens, daß fie die widrigen Zufälle erträglich 
achet : fo wie hergegen Das Verderben des Ges 
ches, durch Affecten und Laſter der Gefunbheit 
nd dem $eben gefährlidy wird, die Widerwaͤrtig⸗ 
ten vergrößert, umd durch Verzweifelung endlich 
ie Enefdyließung des Sclbftmorbes mit fich brine 
m kann. 

Ich bin hierinn aufrichtig, und verhehle bie 
Jependenz der Seele vom Leibe in feinem Stüde: 
ber ich werlange auch, daß man eben ſowohl auf 
ie Dependenz des Seibes von der Seele achten, 
nd fich daher im Schließen nicht übereilen folle. 
50 wenig wir aus der Abhängigkeit des Körpers 
on der Seele fehließen Fönnen, daß die Mafchine 
es $eibes oder deren Materie eine Seele ſey: 
yen fo wenig fönnen mir aus der gegenfeitigen 
lbhaͤngigkeit der Seele von ihren koͤrperlichen 
tateriellen Werfzeugen richtig fchließen, daß fie 
nes Wefens mit benfelben und gleichfalls materiell 
m So lange man nicht beweifen kann, daß fie 
eyde einerley weſentliche Eigenfchaften haben, fich 
ı eigenthbümlidyen Kräften und Handlungen ähnlich 
nd, und ſich nach einerlen und eben benfelben Regeln 
ichten : fo ift aller Einwurf von der Dependenz 
tel und umfonft. 

Wenn Demetrius ja zumeilen eine mechanis 
he Erflärung der Berrichtungen der Seele waget: 
’ find fie mehr des Belachens, als einer Antwort 
yürdig, Er vergleicht z. B. bie Vrfielung der 

inge 


mög und Tec vor, einen af. ü 
fen, er —* wie die Menſchen, von 
auf, zu ſolchen Begriffen und Deren Folgı 
net — und eben fo vernuͤnftig und 
din De, denken, urteilen, fiplleßen:u 


Es märe eine große Brage, ob fa ſolch 
munfefhufe, unb nad) ſolcher Auneifung au 
ken, die Affen zu Menſchen, oder 


ibung ke —* feine S 
ne * von —— — m 
det, in. feinen eigenen Gedanken 
Be dem bie üblichen Beweiſe vom * 

a Dir infhen, De Bike Da 

einfel 
—— a und Erklärung wid 





a . 
Che im ganzen —— einzig fep, bie alles 
* jen Körpers, empfindet; und da 
ME dieſe Punkte des zufammengefegten 

waffen  einanbee und verſchleden find, Daß fie feibft 


w —— Mittelpunkt aller dieſer Beränderun« 
yon ia den empfindlichen Theilen auffer ſich mi 


4 Der Hert de la Mettrie in inem Traite de PAme 
€ X- 57. 8. 9. merfet an, daß die Nerven im Ge- 
"Birne an ganz verſchiedenen ans dem Mars 
te felsen ( fubllantia medullari ü 
Bil Pi feine — t —E * 
men uge, und liederungsku 

—S Bee on tann. ten, 
Ei rum nicht Urface, e 
Sede, * ar und d mare ent de 


——— her Yes 5 —— 
— E— 


48 VER. in: Menfchen 
Sie iſt ſih bewußt — an 


und folgti — En 





n alles in allen Stine 6 — 
2 % empfinden, und mit einander wer 
"gleichen. Wielmebr, weil der erfte Ueſprung 3 
Nerven und aller Empfindung auffer einander, und 
verſchieden wäre: fo winde ein anderes Weſen 
ſeyn, das fich im we des Sehenervens der 
Bilder, ein anderes, das N im Anfange des Ges 
börnerven der Töne, u. f w. bewußt Die 5 
"aber, das alle Empfindun; ai jufammen Ai 
und alle in feinem einzelnen Wefen allein vorfielle 
te, und mit einander vergliche. Da num aber die 
innere flare Empfindung ung volltommen überzeus 
get, daß diefed geſchiebt, fo giebt und — 
mehreres Licht von unſerer di als die ai 

Zergliederung des Körpers gewaͤbren kann. 
beiten Zergliederer muſſen geſteben, dag ſie in dem 
Gehirne fremd find, und daß. ſie von auffen den 
Weg zum Gige der Seele wicht finden. Fönhen, 
Aber ihr finnliches Unvermögen kann ung die inne; 
re Hare ‚Erfahrung * san — J 
wenn und ji id wollte Be 
in einem, dem Anſeben ‚ganz verfchloffenen. 
— — — ee en 

n fete, unfer 
B hd rund um die Wand des Zimmers 















Bu D 
a 
= . 
0 


und defien Seele, 479 


sänmlich unterfihledbenen Theilen bes Seibes em· 
une, fonbern auch in fich die fchärffte Empfindung 
1 Berbeußfes habe 


engefi 
in fich untpeifbar ſey. 


Vericung eine —— Staͤrke 
Macheit geben kann, bie alle Staͤrke und 
als des finulichen Eindrucks verbunfelt; und 
afe ſolguch in dem Stüde den: Geſetzen ber 

u Bewegung nicht unterworfen: fen, noch 

e, wie ein Körper nothwendig m 


$ Ir 


j. Die Abhängigkeit ber. Seele von cheem Kir 
the inneres fiares Bewußtſeyn von ſich 
E Selmesiveges umſtoßen. Wie alles Ieblofe 
Wogerliche um der Sebendigen willen ift: fo ift 
Ber menfchliche an ſich lebloſe Körper um ber 
willen, als welcher das Leben eigentlich. zu- 
—* Unſer Leib wird daher billig organiſch ge: 
veil alle Glieder Werkzeuge der Seele 
R —— —— ſind; die Augen des 
Behes, bie Ohren des Hoͤrens, das — * al⸗ 
* Empfindung ı und Vorſtellung. Da nun alle 
DE Dedanken von ber Empfindung den Anfang 
Kon, mib alle ımfere Neigungen un Begier- 
‚eine, fünftige vorausgefehene Empfindung” 
iin ſo dienen der zu den Bei egenwaͤrtige ot» 
miſcht Birper unferer Seele —*2 vn | 


a4868 














alles ſteht, fi. eh Dinge 6 —7 

| * ne B 
len, Veränderungen und Eigenfhaften, WW u. 
,, Meinen Welt, dem Körper, abi +" Wie Yancen U 
Oirperiche Belt niche —— U... 
Veraͤnderungen 





nichts dom Schale if; * 
Was ⸗aber von der Aufferen een: 
geſaget ift, gilt auch yon unferm eigenen 
Denn die Theile unfers Körpers bilden! fi) in an⸗ 
. bern Theilen unfers Körpers ab; wir fehen alle um 
fere Gliedmaßen vermittelft ber Augen, wir taſten 
Diefelbe mit den Händen, wir hören unfere Bere 
gung und Sprechen mit ben Ohren, umd endlich 
drucker ſich alle uͤbrige Weränderung im ganzen Ries 
per in dem allgemeinen erften Werfzeuge der Ex 
pfindung, dem Gehirne, aus. Wie man alſo in 
Spiegel niche oflein die äufferen und vom Spiegel 
Yerfchiedenen Dinge, fondern auch) zugleich den Bpie 
gel felbft ſieht: fo ftellen wir uns auch in 
Körper nicht allein die aͤuſſere Pörperliche Welt fon 
dern auch unfern eigenen Körper vor. | 
Allein, bie Seele, als das Auge, welches * 
auſſer ſich in dieſem Spiegel ſieht, * 
drinn auch felbft; fo ferne fie — als en 


ales empfindende, denkende, wollende 













. ‚und defien Seele. 481 


den äufferen en Da de 
‚von eigenen Werkzeugen der 

ung, en a Denn wir ben ſchon ges 
ben, wiebie Seele, als das einzige Wefen in 
welches fich bewußt iſt, alle verſchiedene 
Seite teibes-als auſſer ſich und auffer einan- 

; wie. fie wohl einfieht,; daß fie, "bie 
‚ihrer feibft, als eines und deſſelben forzbauren« 

BWefens, beruft ift, von feinem "einigen 

h ihres gangen Körpers wife,‘ 0b gs ruch 
d do EN ‚folglich von allen und jeben 
ganjen Körpers unterſchieden fen ; fa; 

here Kar efe Empfindungen hat, wu 
Er Pr? feinem räumlichen Theile des is 
angeben. Fan, folglich nichts · Ausgedehn· 
Wi age und. Zufanmengefegtes in fi 


ich wird unferer Seele auch ber Körper, 
hdenſelben bie ‚Eörperliche Welt, zum 
el der Gottheit, weil fie nun mit iprem Wer. 
— den ſichtharen lebloſen Dingen die erſte 
b fache: in der Mannichſaltigkeit, Ord⸗ 
“ u) Mebereinftimmung dev Dinge, den un- 
Bölichen Berftand und die Weisheit Berfelben ; in 
Mugen ber leblofen ‚Dinge, zus Luſt und 
ſeligkei — Sebendigen, die befte und gůtigſte 
ht d en Weſens erblider. Auf ſol⸗ 
Weiſe dienet auch der Seib unſerer Seele zum 
ge, nicht allein der ſinnlichen Luſt, fonden 

b eines vernünftigen höheren Vergnuͤgens, bag 
erlangen auch ins Geiſtliche und Unendliche 
ket. Und diefes Bo beffen uns ber wahr⸗ 
9b haftig 














482 VI Abh. Vom Menfchen 


haftig edle Geiſt des großes Brockes, mit ſei 
irdiſchen Vergnügen in Gott, nad) den K 
ten ver Vernunft, theilhaftig machen wollen. 
$ 12 
Wenn aljo ber $eib ein ſolches Werkzeug 
©eeleift; was dürfen wir uns denn wundern, 
fie von diefem Werkzeuge wiederum abhan 
daß fie in diefem Spiegel vieles gar nicht | 
anderes klar ober bunfel, deutlich oder undeul 
langfam oder hurtig, ordentlid) ober unorden 
richtig oder verwirret und falfch vorftellee ? ba 
nach folcher Borftellung Luſt oder Unluſt, Neic 
oder Abneigumg fpütee? Wenn ein Spiegel ı 
darnad) fteht, daß er die Bilder gewiſſer Koͤn 
nach den optifchen Regeln, in unfer Auge zu 
werfen fann, oder bunfele blinde Flecken hat : 
iſt auch dem gefinndeften Auge nicht möglich, 
es die Dinge darinn fehen kann. Wenn 
Spiegel mit Hauche oder Schmuge an gem 
Stellen, oder überall, angelaufen ift: fo wei 
wir die Dinge fo ferne nur dunfel und unvolff 
men darinn wahrnehmen. Wenn der Spi 
nicht flach und glatt, fonbern voller Höder, ! 
len oder Beulen wäre, ober das Glas Feine r 
Klarheit, fondern einen Strid) von einer a 
hätte : fo würden fich alle Dinge darinn verftel 
und nichts, wie es it, gefehen werden. W 
alfo, durch ſolche Verſtellung und Färbung 
Dinge, ihre wahre Befchaffenheit, Proporti 
Ordnung und Schönheit, in eine friegliche Ur 
ftaltheit verfehree wäre: fo koͤnnte auch das A 


und deſſen Seele, 483 
derſelben keine Luſt, forte 
— — —* a ' 


unterbefjen bey afler biefer —* 
des — niche — ſein eigen 
—* und feine innere Kraft und Vollkommen⸗ 

E bliebe auch dey folchen. Unvollkom⸗ 


der Bilder fi ja allewege eines Spiegels 
Sthigerwäre, daß dem Auge ftatt des zerbrochenen 
Plegels nicht ein anderer gewaͤhret werben fänne, 
Fr merde nicht nöthig haben, obiges nach ala 
ausführlich auf unfere Stele und dere 
von ihrem Körper zu deuten. Das 
if ift an ſich Elar und ft der Sache ges 
B her wird ein jeber von felbft leicht erkene 
wie fich die angezeigten Fälle auf den Mans 
ie oder jenes Ginnes, oder auf den Man« 
der Erfahrung und die daraus’ ensfepenbe Un 
5 role auf die Schwaͤche und Bloͤdigkeit 
fanbes; wie auf die Dunkelheit und Un- 
Eder Begriffe; wie auf ben Schlaf, bie 
, ben Schlag; mie auf den Irrthum, 
dungen und. Unfinnigfele; wie auf die 
, Alfecten und after, fo ferne alles die⸗ 
vom Körper abhängt, ja fo gar auf den _ 
felbft fehicte. Und man verfteht nun bey allen 
kur Hb 2 dieſen 


* 
EL 


£ | 
⁊ 


484 VIAbh. Vom Menſchen 


Diefen Faͤllen gar leicht, wie die große Abbdugiel 
der Seele vom Leibe im geringiien nicht hich 
daß die Seele ein vom teibe unterſchiedenes, 
fi beftehenbes, und ben aflen inneren unb Auf 
Meränderungen fortdaurendes Weſen fen. I 
un Diefes fich auf eine fichere Erfahrung und 
neres Bewußtſeyn gründet, und die 

ber Eeele vom Leibe damit beftehen kann 
hellet, daß dieſe feinen erheblichen Einwurf ge 
Die Flärft? Erfahrung gebe ; gleichwie es 

eine ſchlechte Folgerung ift, wenn man von 
Abhängigkeit eines Dinges von dem andern 
die befondere Aehnlichkeit ihres Weſens, ober! 
mehr auf die Einheit beffelben, ſchließt. 


13. 

Aber man machet fich eben daher einen me 
Einwurf, daß man auf feine Weife begreifen! 
ne, wie ein einfaches Weſen von einem zufamn 
geſetzten, und diefes wiederum von jenem, abf 
gen koͤnne; dagegen leicht zu begreifen ſey, I 
wenn Dinge einer Natur und eines Wefens find, f 
lid), wenn die Seele auch was Förperliches iſt,! 
de in einander wirfen, und von einander abhän 
koͤnnen. 

Der Einwurf iſt bekannt und alt, und er 
manchen ſo wichtig geduͤnkt, daß ſie die Ber 
Dung einer einfachen Seele mit einem zuſamme 
fegten Körper nicht allein für unbegreiflich, font 
auch für. widerfprechend und unmöglich gebei 
Dagegen fich andere auf mandjerley Weiſe bemä 
* Sache als moͤglich und begreifüch ve 

en. 


+ 


( 
e 





und deſſen Seele. 485 


Ich fege feſt: Wenn bie Wirklichkeit eines 
Yinges durch Plare Erfahrung bewaͤhret ift, fo muß 
ie bloße Unbegreiflichfeit der Art und Weife, wie 
» zugeht ober möglich iſt, unfere Gewißheit nicht 

m. Es iſt aber eine klare Erfahrung, erſt⸗ 
ch, daß der Leib, deſſen wir uns als des unſern 
ewußt ſind, zuſammengeſetzet ſeyz zweytens, daß 
ke Seele, als das einzige Weſen, welches ſich al⸗ 
fe in dem ganzen Leibe aller Veraͤnderungen in 
Ben Theilen bewußt ift, von allen und jeden raͤum⸗ 
hen und veränberlichen Theilen ihres Körpers, 
68 eine und biefelbe fortbaurende untheilbare Sub⸗ 
kanz unterfchieden fen; drittens aber, baß fich die 
Beränderungen in der Seele, nämlid, das Ems 
finden, Denfen, Wollen, nach den Veränderuns 
en der Bewegung in ihrem organifchen Körper, 
md wieberum diefe Bewegungen nach dem Den⸗ 
en und Wollen der Seele richten. Nenn alfo 
Heich die Art und Weife, wie es zugeht oder moͤg⸗ 
Ich iſt, nicht Eönnte erforfchet und begriffen wer⸗ 
ven; fo bleibt doch das, beffen wir uns äufferlic) 
mb innerlich fo klar bemuße find, in feiner Ge⸗ 


she. | 
- Selbft in den Körpern find uns bie erften 
Rräfte , und die Art und Weife, wie die Bewe⸗ 
nmg fich von einem zum.andern fortpflanzet, wie 
is ins andere wirfet,, ober von dem andern ab⸗ 
jaͤngt, eben fo unbegreiflih, als wie Seele und 
eib in ihren Veränderungen von einander abhaͤn⸗ 
. Mer wird aber desfalls die Wirklichkeit def» 
en, mas er fo klar fieht und fühle, nämlich) die 
Bewegung der Körper ſelbſt, ober bie Abhängig- 
963 keit 


— 


— 


uns aber ohne das Bewußtſeyn unfers ——8— 
— 






Erfahrung 
ber Seele und ihres 
ne innere Erfahrung angewandt. werben muß;-fD8 








Wefens gar nichts klar werben kaun 
an Darauf an, daß wie auf ben Mattes 
alles to 
* —* er vielen heilen des ‚Körpers, 
worinn es ſich bewußt ift, achten; welches fein 


m: p 


‚große Schärfe des Werftandes erfordert , fonbern 


durch lebhafte Empfindungen bald zu erkennen iſt. 
Denn was kann klaͤrers ſeyn, als daß das einzige 
Weſen, was ſich alles in allen bewußt ift, nicht bas 


vielfache fen, worinn es ſich bewußt iſt? und * 


dieſes einzige Weſen, welches ſich bewußt iſt, als 

eins und daſſelbe Weſen fortgedauret zu haben, von 

allen und jeden Urſtoffen unſers ganzen Körpers,“ 
von beren feinem uns bewußt ift, ob es noch def 
felbe fey, unterſchieden ſeyn muͤſſe? Was kann alfe 
unfere Unmiffenheit von der Art und Weiſe der Ben 
bindung biefes einfachen ſich bewußtſeyenden un 
fortdaurenden Weſens mit dem Körper, gegen 


folche Klarheit, für Zweifel erregen ? 


$ 14. 
Wer eine Unmöglichkeit oder einen Wider ' 


ſpruch in folcher Verbindung zu zeigen unternimmt, 
. | der | 


und defien Seele. 487 


der ſcheint nicht: zu wiſſen, mas zu ſolchem Beweiſe 
für Einſicht gehöre. Ein foldy Deutlich Erfennmiß, 
woraus. biefes herzuleiten wäre, hoben wir Mens 
ſchen weber vom Körper noch. von ber Seele, we« 
ber von dem Zufammengefegten noch von dem Einfas 
chen; und es käufe alles auf eine bloße Unbegreif⸗ 
lichkeit und. Unvoiffenheit hinaus. Wielmehr läßt 
fich die Möglichfeie eben fo gut, als bie Ver⸗ 
bindung der förperlichen Theile mit einander, 

jeigen. 
Ich will jetzt niche fo fehr auf’ die $eibnißifche 
) te. Harmonie dringen , weil ich felbft 
niche davon überführer bin. Unterdeſſen ift fie eine 
ber fcharfiinnigften Hypotheſen, welche nichts als 
lauter Mögliches anzunehmen fcheint. Ich gefiehe 
es aber, eine wirkſame Vereinigung von $eib. und 
Seele ſcheint mir, aus vielen Gründen, die ich 
bier. übergeben Fann, ber Wahrheit gemäßer. 
Dabey nehme ich von jedem Körper an, daß der- 
ſelbe aus. einfachen Theilen zufammen gefeßt fey, 
barinn diejenige Kraft liegen muß, welche in dem 
wfammengefegten Körper als eine. Bewegung in 
die Sinne faͤllt. Denn ohne einfache Theile laͤßt 
fich von dem Zufammengefegten eben fo wenig zu⸗ 
reichender Grund geben, als von der Zahl ohne 
Einheiten... Wer das Zufammengefeßte nur aus 
andern fleineren zufammengefesten Theilen zuſam⸗ 
men, ſetzet, der erfläret nicht, wie etwas Zuſam⸗ 
mengsfeßtes moͤglich ift, fondern nur, wenn es iſt, 
wie es. größer wird. Zudem , fo läßt fich nicht die 
geringe Kraft des. Körpers. aus dem Zufammen- 
gefegten verftändlih machen; man muß felbige 
Ä 294 note 


| ufeäftige Dinge zufanmengefegt, bringen doch 


. erflären toill, „fo Hilfe es nichts, daß man bie Köer 








"488 VI Abh. Vom: Denken 
notwendig in den einfachen Teilen fchen. ‘lRieuie 
Vals unkraͤſtige Dinge räumlich .gufammengebracht: 
und vereiniget werben, fo verſteht man aus biefer- 

Vereinigung richt, daf nun das Zufanmenngefigee: 
daburch eine Kraft gewonnen hätte, ‚die feines Dani‘ 
Ipeile vorhin hatte; e; fordern; ein je 
cl fin Mae —— — To wird auch 
‚das Ganze unkraͤftig blei —— — tauſend 
Mullen, die zuſammen gerechnet werden, "geben 
doch nur eine Mulle zum Socke: und hundert taufenb - 























alle mit einander Nullkraft. Wenn man alfo zB 
die Feſtigkeit ober ben Zufammenkang der Koͤrrer 


per aus lauter Pleinen in einander greifenden Sa 
fen zufammenfeget. Denn ba die Hafen auch noch 
zuſammengeſetzt find, fo bleibt dieſelbe Frage, wer 
ber die Theile der Hafen - zufammen hängen? 
Wollte man abermal die großen Hafer aus kleine⸗ 
ren Hafen zufammenhängen: fo finds doch immer 
Häkchen, die ausvielen zufammenhängenben Theb 
len beftehen, Man findet den zureichenben Orund 
— Zuſammenhanges nicht eher, als in einfachen 


Dieſes nun voraus geſetzt: fo folget, Dafrim 
” Körper felbft, bey deffen Zufammenhange und Ben ' 
änderungen, die einfachen Theile in einfache, etw 

fache in zufammengefegte, und wiederum pufamman 

gefegte in einfache, durch ihre Kraft wirken mäß 

fen. Es folget alfo auch, daß es überhaupemäg : 

lich fen, daß einfache Dinge mit zufamnten 
ten, das ift, mit mehreren einfachen, in einer: 











. . 


und deſſen Seele 489 


in Bern. Wenn ulfo bie-Seele 
fach, dr Korper —* if, fo hindert 
Hose ihrer iwirkſamen Verbindung ‚nichts: es 
wiße.uue ferner auf bie weſentlichen Kräfte 8* 
atur der Seele en, welche fie vom Körper un⸗ 
ers —— eine Gemeinſchaft mit dem 


—— A di die Seele allein, burch ihr Leben, 
—*2 Bewußtſeyn, Denken, Wollen, von ' 
he Beſiandtheilen und Ürftoffen unfers - 
Mrpers unterfcheibe, iſt fchon gerugfam 
:worden. Wenn fie aber jeboch auch vo 
ne leiden, und wieder in Den Körper wire 
u foll:: fo muß au) menigftens eine allgemeine 
Minlichkeit und Gemeinſchaft ber Natur zwiſchen 
nr Seele und den Beſtandtheilen des Körpers 
ya, ‚dadurch beyde in eine fo genaue Verbindung 
uten können. 

“; Die Seele hat naͤmlich diefes mit aflen Urſtof⸗ 
des ganzen Körpers gemein, baß fie eine ein 
ie Subſtanz iſt, daß fie mit andern einfachen 
Baibflartgen in geroiffer Ordnung zugleich da ift, 
nd einen Raum erfüllen hilft, darinn jedes feinen 
eſendern Dre hat, aber auch feinen Ort verän« 
wa und bewegt werden, ober fid) bewegen fann. 
dem wer: kann nach feinem eigenen Gefühl und 
Bewußtſeyn leugnen, daß die Seele im Körper 
uch ihren gewiſſen Hrt habe? daß fie nicht in den 
oder Händen, nicht im Bauche oder in der 
„. sondern im Kopfe, wohne? baß wir nicht 
Theilen des Körpers, auch ſelbſt niche in 
Ben: Tpellen bes vr Au der Zunge, Naſe, 

5 | 


Augen 





































cthßaͤtige und beidende Natur bes Glemente 
gemein haben, und fich nad) eben benfelben Re 
richten, moraus bey den Elementen, im Zu 
fammengefegten, die Bewegung und ber. Meche⸗ 
nismus erwachſen. 
Die Seele wohnet demnach in ber. Maſchine 
eines gewiſſen organifchen Körpers, an einem ge 
wiffen. Orte, und bat. ein natürliches Bemühen, 
gleich anderen Urftoffen, mit ven benachbarten Ur⸗ 
ftoffen zufammen zu hängen, und in folchem Zu 
Kmmenbange zu. verbleiben. Sie empfängt , in 
dieſer Mafchine, eben denfelben Eindruck von auf 
fen, welcher dem ganzen $eibe wieberfährt, und le 
det alle innere Beränderungen mit, welche von be 
Mafchine felbft, als einem Automata, 'entftehen. 
Da aber fein einziges Element unfers Körpers ſich 
feiner inneren leidenden oder thätigen Veraͤnderun⸗ 
gen beroußt iſt: fo unterfcheidet fich die Seele as 
fein von allen koͤrperlichen Uritoffen des ganzen Koͤr⸗ 
pers, Durch ihre geiftige Kraft, daß fie fich ihreem⸗ 
| pfangne 


5 





mußt wird. Die Seele wirket aber auch, 

bern Elementen, mit zu dem —— 

es Körpers, und zu mechaniſchen Bewe⸗ 

und actionibus vĩtalibus. Wie fie aber 

nebſt allen Urſtoffen des Koͤrpers, nur 
36 und unwiſſend thut, fo bat fie — 

ker vernünftigen Borftelung, ein V 


sen,‘ nach ihrem Gurbünfen wiltfüpelich zu 
IR und fie tft in dieſer Maſchine an einem 
en Orte geftellee, daß nur wenig 
fche Kraft dazu erfordert wird, Die ganze 
ne in Bewegung zu ſetzen. Kurs zu fagen, 
rn Steuermann in einem Schiffe, der eines 
im der Bewegung und Erfihürterung des 
8 mit leidet, aber allein fich beffen, was er 
Schiff leidet, bewußt iſt; andern. Theils 
hwerkraft bes Schiffes unwillkuͤhrlich, zur 
deſſelben aber, durch ein geringes Drehen 
* wilikahruch mit beytraͤgt. 





Die 


j | . _ ' - " | ĩ 
% > - " "tr 
y « . . 


a VO Begkehung . 
Die fiebente Abhandlung: 
Vergleichung der Menſchen mit den Tha 


ren, nach ihrer Lebensart, wozu 
"fie beſtimmi ſind. 





— u. 
| wir Menfchen von dem Schöpfer boſtina 
ſind, in Betrachtung nehmen wollen: fo: Bine 





wiir nicht beffer thun, als daß wir zwiſchen uns 


den" Thieren eine Vergleichung anſtellen. Dieſe 
Weg zum Erkenntniſſe ift ben der Jergliederumg be 
Körper mit Mugen gebraucht worden, ba man bi 
Theile und Gefäße in unferm Körper mit ander 
thierifchen Körpern, ja mit Pflanzen zufammengs 


“ Halten; und daraus vieles, was den Gebraud) un 


Mugen der Theile betrifft, gelernet hat. Die Arı 
des Lebens iſt das erſte, mas fich von jedem Lebendi 
gen gebenfen läßt, die macher ihren roefenclichen 
Unterfchied aus, und fo viele verfchiedene Lebendig⸗ 
find möglich, als Arten des $ebens möglich find. 
"Eines jeden Lebensart ift auch ber Zweck, wozu es 
beftimmer ift,. und fie enthält die Regel, wornach 
olles.übrige, infonderheit die Kräfte, eingerichte 
worden. Wie fönnten wir alfo diejenige Art bes 
. $ebens, wozu wir Menfchen befchieden find , beffer 
fennen und unterfcheiden lernen, als aus ber Ben 
gleichung mit den m Kraͤften und, de: jebensart be 


? 
Thiere _ Dh 


N J 


% . . ⸗ Li ° 7 
m & 
® D 


der Menfchen mit den Thieren. 493 


Diefe Vergleihung wird um fo viel nöthiger 
mm, je mehr darinn viele Mienfchen leichtfinnig, 
id nach einer viehifchen Meigung , verfahren. 
yenn fie fehildern bloß das Aehnliche zwifchen 
Renfchen und Thieren, ober auch biefer Vorzuͤge 
w den Menfchen, lebhaft ab; unfere Vorzüge 
er werden übergangen und verkleinert. Die 
bſicht verhehlen fie dabey auch nicht fonderlich ; fie 
chen fich und andere, gleichfam nach Anleitung 
w Natur felbft, viehiſch zu machen: nicht aber 
ie Menfchlichfeie in ung eufjumedfen, und fie zu 
nem böheren Grade ber Vollfommenheit und 
Hückfeligkeit, der unferer Natur fo wohl möglich 
8 eigenthuͤmlich ift, zu führen. 

Es kann ja wehl niemanden unbefannt feyn, 
as 3. DB. der Herr Rouſſeau vor einiger Zeit 
on der natürlichen Beftimmung Bes Menfchen ges 
hrieben hat, als die Academie zu Dijon die Fra- 
e aufiwarf: Quelle eft l’origine de l’ingalice 
armi les hommes, et fi elle eft autorifee par la 
‚oy naturelle? Sein Difcours fur l’origine et les 
»ndemens de l’inegalire parmi les hommes. 
im, 1755. 8. enthält die Antwort auf die Frage” 
nd fie geht dahin, daß wir Menfchen ganz von 
nferm natürlichen Zuflande abgerathen waͤren, und 
urch alle die Erfindungen, weldye von der Neflerion 
bftammen, durch die Sprache, Gefellfchaft, Kuͤn⸗ 
te, Wiflenfchaften, durch den $anbbau, Die 
dandlung, und das Eigenthum, durch Stiftung 
iner bürgerlichen Herrfchaft und Ungleichheit ber 
Stände, alles mögliche Elend eingeführet hätten. 
Dee urfprüngliche Menfch ſey nach feiner natuͤrli⸗ 

| dien 





— VIE Ab: Weetun 
ae ade zn, ACH —* 
4 t und Nahrung 
reichlich frde ein kehen gen Zune oder Ge 


, fein © iner 
——, (enger m 


babeh gefund, ftark, hurtig fey, Übrigens aber, 


wenn es biefe Begierden geftillet , nichts weiter zu 
\ 758 oder zu fürchten habe, fich weiter um 
\ ere, ſondern völlig. zufrieden ruhe 
- a ee Dergleichen widerſinnige Säge wahr 


\ ſcheinlich und belicbt zu machen, erforderte gewiß 
\ einen Rouſſeau, der mit feiner vorzüglichen Seb« 


2 Deb ene Worte, Tann 


" Baftigfeit des Mißes und der Einbildungskraft, 
mit Dem Glanje feiner Schilderungen, und mit dein. 
angenehmen Reize feiner Schreibart, alles gi 
Pe war, Feten aim 
vorleu⸗ en Wahrheiten vort zu feinem 
Zwecke anzumenben wußte, 


' $ > 
Saft ums zuvoͤrderſt eine Beſchreibung des ur⸗ 


forhnglichen Lernen umfänblcher 
De warte Quland, fge. Ber Bouffau, 


Eu 


3. 


H 
ih 


8 Heren Rouffeam eigene 
Beill icht in ben Roten 
— — lad, Se 
id 


a Hi 


I nide8 angeihet, nad mit Bic mad 
j Pe * * 2 nennen Tuner mies 
alle Geiichtspunkt zu bringen. - 


Br 


der Menfchen mit den Thieren. 495 


d wirklich, Homer 
Ba unb — pr kinfig 1 
hmer entfiehen. Daher hat es Ein 
ker auszuforfihen, wie der Dien 


nach der bloßen Natur müßte — 
— Denn die uͤbernatuͤrliche fung 
and welche uns die heilige Schrift lehret, koͤn⸗ 


⸗ 
unter maı Thieren, jedoch 
und au in Süßen gehend, in den bis. 

a Be in ee 


1 Climate U Si⸗ 
en f mn ee er , mit — em 
sieben und angebornen Fertigkeiten verfehen, ſon⸗ 
m fie TER ſich bloß durch Nachahmung zu ih ⸗ 


496 vi Abh. Wergleichung 


be. Die Erde ift fein Polfter, der Baum 
Obdach, fein Futter finder er allenthalben in: 
MWurzein, Kräutern und Baumfrüchten ; für 
Fleiſcheſſen fcheint er nicht gemacht zu feyn. 
erfte weiblichen Gefchlechts, welche dem Mann 
ber Wildniß aufitößt, entzündet ihn; von Sd 
beit hat er feine Empfindung, und wenn fie bi 
ihre Luſt gebüßet Haben, geht ein jedes feinen A 
und fie fehen fich vielleicht nimmer wieder. 
Mutter ſelbſt, wenn fie ihr Kind fo weit gebrı 
bat, daß es fein Sutter finden kann, läßt esin 
Welt laufen, und befümmert fich meiter. um | 
ſelbe nicht. Geraͤth ein folher Thiermenfch in! 
fahr: fo lehret ihn die Noth ſchnell zu laufen, ı 
die Baume hinan zu Fleftern, oder nach Befin 
mutbig zu Fämpfen. Weil ihm aber die Ne 
feine Waffen mir gegeben: fo bricht er einen 
vom DBaume zu feiner Wehre, oder er cergı 
Steine, damit zu werfen. Gegen die $uft dar 
feine Blöße in warmen Laͤndern nicht ſchuͤtzen; 
wenn er ja in Pältere Gegenden geraͤth, fo bat 
das Kämpfen mit andern Thieren in den St 
gefeßt, daß er eins erlegen und ihm den Balg, 
wa durch Hülfe eines fcharfen Steines, abjie 
fann, um fich darein zu hüflen. Wohnungen ı 
Höhlen brauchet er fodann nicht, weil er zu a 
Witterung erhärtet worden. Das Feuer fenne 
nicht ; und wenn ja eins durch Blig enrflünde, 
wird er es, ohne Nachdenken ausbrennen laf 
und nicht zu unterhalten fuhen. Durch die ( 
wohnheit zu freyer $uft, durch das Laufen, K 
tern, Kämpfen wird er gefund, ſtark, hur 


der Menſchen mit den Thieren. 497 


mb von Krankheiten befreyet, und kann ber Arze⸗ 
vepen entbehren, ober die Natur rathen laſſen. 
Wenn die Natur , (fager Herr R. von der Arzes 
eywiſſenſchaft) ung beftimme hat, gefund zu feyn: 
d möchte ich faft behaupten, Daß der Zuftand der 
Keflegion ein Zuftand wider die Natur fen, und 
Io ein Menfch, der nachdenket, fchon ein verdorbe« 
es Thier ſey. Der Thiermenfch weis auch von 
einer Furcht vör dem Tode, weil er feinen Begriff 
raben hat; fondern der überrafchet ihn, ehe er den⸗ 
eiben voraus geſehen. Sonſt ift er bey der u _ 
jenwaͤrtigen Gefahr, nicht allein für ſich her;haft, 
onbern aud) für andere mitleidig, menn er etwa 
yaben ſeyn follte; und er iſt fo ferne nicht böfer 
Met, noch geneigt, jemanden, zumal feines gleichen, 
Schaden zu thun. Den Ader durch Muͤhe zu 
yauen hater Feine Urſache, die Natur bierher ihm 
eine Nothdurft von felbft an; und daher ift in 
eſem unfchuldigen Stande der Natur weder Ei⸗ 
yenehum noch Meid und Streit darüber. Die Les 
se zu einer gewiffen Perfon kann ihn nicht zum 
Sclaven machen, und er ift auch gegen Mebens 
mihler eben fo wenig eiferfüchtig, als ein Caraibe, 
Denn er kennet und fuchet Feine Echönbeiten, fon» 
yern nur dem Triebe der Natur Genuͤge zu thun; 
aid Das kann er mit einer jeden beftellen. Uebri— 
yons liebet er bie Freyheit, lebet für fich nach eigenem 
Befallen, und trachtet nad) Feiner Gefellfchaft ; 
hat daher auch Feiner Sprache Ha Weil er 
yenn allein allen feinen Beduͤrfniſſen abzuhelfen 
veis, und nichts weiter zu verlangen oder zu fürch« 
en hat: fo iſt nicht zu begreifen, warum er fich die 
Ji unnoͤ⸗ 










. — ẽ 
. 
. 


498 Vn Abh · Vergleichung 


unndihige Mühe geben ſollte, woruͤber ach 
fen, zu reflectiren, zu meditiren. Statt 
ruhet und ſchlaͤft er lieber, wie es die Muße nu 
bringet. Auch der Schauplatz ber Natur iſt ſi 
ohne Reiz, weil er deſſen gewohnt iſt. Er 
unbeforgt in den Tag hinein, und benfer nich 
aus: fo wie ein Caraibe, der des Morgend 
Hangmatte verfaufet,. und des Abende jayı 
daß er eine wiederfaufen fol; weil er nicht v 
gefehen,, daß er fie in ber folgenben Neue: ı 
\ | $ 3 


Se weit ift noch der urfprüngliche M 
welchen fich der Herr R. ausgedacht, ein w 
WVieh, oder vielmehr noch viehifcher, als ein | 

(plus hête que les,b&res) fo ferne er im bi 
flerion, d. i. in der That, die Vernunft, ni 
und ihm doch ftatt derfelben Feine blinde 7 
oder angeborene Fertigkeiten einräumer, fo 
‚sn auf die Nachahmung ber Triche ver 
welche andern Thieren gegeben find, Daß er fir 
felbe zu Nuge machen koͤnnte. Wie wirb e 
aber die fremden und fo fehr verfchiedenen Triel 
derer Thiere zu Muge machen fönnen, wei 
nicht reflectiret,, was fich zu feiner eigenen 9) 
ſchicke? Hier ift eine gewaltige Luͤcke, ober 
mehr ein ſtarker Widerfprucy in dem Syſten 
Herrn R. Will er den Menfchen blindlings fü 
Triebe nachahmen laffen: fo wird er feinen 3 
menfchen mit fich felbft in einem GStrde | 
Bald wird er als ein Raubthier andere an 





" ber:@enfhen mit den Thieten, 499 


—* „bald als ein friedfertiges, ‚fh: mit 
, 2— und Baumfrüchten begruigen. 
—2 nach Art ber Fuͤchſe, Kanin 
w unbQber, — re gen Selen, Bat baid 
Lichte eb ’ a Ken 
: Uelaubten Bäumen, eine ſichere Sageritärte 

‚ Bald wirb er gefellig werden, wie viele 
Wiwe, zumal Die ſchwaͤcheren, find, bie fich zu 
nie: gleichen halten; bald wird er wiederum eig 
Miäesfeopeswerben, und ſich an ſich felbft en 
Bald wird er mit feiner Battinn eine Art | 
je füßeen, ud (ich ber Kinder gemeinfatic 

balb die Gattinn nach geftillter Brunft 

Wardeffen, und fich Fri um In pre Jungen —* 
Memehern. Ich m aber wiſſen, wel 
ira 5 der Pr —— koͤnnte, zu *7 
Mehre einen Aſt vom Baume zu brechen, ober 
rSExeinen zu werfen, oder zu feiner Decke ſich 
Wen Balg anderer Thiere einzuhüllen ; wenn er 
Wetele Deflerion. hat, und biefelbe zur eigenen 
finteung aöchiger Halfomitte brauche. So weis 
rauch nicht, warum Herr A. feinen urſpruͤngli⸗ 
ve Weufhen, unter den übrigen vierfüßigen - 
— — aufrecht und auf —— Fuͤßen gehen 
he ex führer ſelbſt die Begebenheiten art, 
22 die unter den Thieren groß ge⸗ 
wm; auf olien "ieten laufen geirene, (6 * 
mac mit Gewalt pi einen Baum ober 





































2 gegnet, 


s00 VII Abh. Bergleihung _ 


gegnet, bavon er den Gang gelemet hätte? Aber, 
dann würde es zu fpat gemwefen feyn, wenn er fih 
einmal zum vierfüßigen Gange gewöhnt hätte: und | 
ee würde ſich ja wohl nicht felbft an einen Baum 
gebunden haben, um es wieder zuverlernen. Ser - 
R. mag mir es nicht übel nehmen, wenn ich fage, ! 
daß er den Sag bes Widerfpruchs ımb zureichen | 
ben Grundes bey feiner Erdichtung nicht genug ju |; 
Mathe gezogen habe. WBielleicht hätte er alsdenn 
gefunden, daß diefe nicht foleere und unfruchebare 
Grundfäge ſind, als viele jet vorgeben wollen, die 
ihrer Einbildungsfraft alles ohne Regeln zu denken 
erlauben. In der That fieht man auch feinen zu⸗ 
reichenden Grund, warum Herr A. bey feiner Sp 
pothefe von der Nachahmung fremder thierifchen 
Triebe, die fi) der Menfch zu Nutze machen follte, 
denſelben nicht lieber gefellig, als ungefellig, machet ; 
nicht lieber eine Art von fortwährender Ehe und 
gemeinfchaftlicyer Pflege der jungen führen laßt, 
als daß er das Band ber Liebe ſofort wieber auf 
ewig zerreißt; ihn nicht lieber fchüchtern bilder, und |; 
ihm eine Höhte zur Zuflucht anmeift, als daß er 
ihn Fühn dichtet, und frey unter den Bäumen 
fchlafen läge. Alles ift wilführlid) in folchem Sy |: 
ftem, und ich follte meynen, daß jenes einer unbe '; 
maffneten nackten Greatur weit natürlicher umb gs || 
träglicher fenn würde, als das Gegentheil ; wenig⸗ 
ftens, daß wirklich alle von Natur ſchwaͤchere fried« 
fertige Thiere ich entweder verfriechen, oder m II 
ihres gleichen verſammlen, und ſich mit ihren Jun⸗ 
gen gemeinfihaftlich, fo gut fie koͤnnen, vertheid® |; 
gen. Daraus wird gewiß bey dem ee 








Her Dheufihen mit den Thieven. 508 


Yoyfink setärlichen Borzägen, ein ganz anderes: 
wochen; als was uns Herr R entwer⸗ 


Ran wich. um aber fragen : Giebt benn der 
R feinem urfprönglichen Thiermenfchen nicht 
inige vorzügliche Raturgaben vor den übrie 
Ferm? Sa : er machet ihn erftlich zu einem. , 
mmbeinben Weſen, das in zweyen möglichen . 

waͤhlet, und fich felbft. detarminirt. Die: 
R Tiere wählen und verabfcheuen nach dem 
ıcte,, unb Eörmen von 'biefer eingepflanzten, 
wicht abweichen, wenn es ihnen gleich zu⸗ 
vortheilhaft wäre: der Menſch aber waͤhlet 
ue freye Creatur, und iſt ſich feiner: Freyheit 
it, entfernet ſich aber auch daher zuweilen 
a. Busen zu feinem Nachtheil. Uuterbeflen 
Et doch, ſolches bie geiftige Natur feiner See⸗ 
üben fich freye Handlungen durch Beine Re⸗ 
er Mechanik erflären lafien. Aber der haupt 
hſte Vorzug des Menfchen, beſteht in der 
Vbilite, oder. dem Vermögen, daß ſowohl 
einzelner Menfch, els bas ganze Geſchlecht, 
mmener werben Fann. Das iſt bär caradle- 
eiique de l’efpece humaine, ‘Denn bie 
n Thiere bleiben fowohl einzeln, als in ihrer: 
a Yet, in gewiſſen unwandelbaren Schranken, 
bie Erfahrung nöthiget uns quch das fraupis 
eftänbniß ab, Haß eben diefe unterfcheidende 
ſchaſc, weiche faft feine Schranken kennet, 
sielle alles Ungluͤcks der Menfchen fey. Dis 
fo, nach dem Herrn A. die Vorzuͤge des, ur⸗ 
zlichen Menſchen vor den übrigen Thieren. 
Ji3 Ich 


— 





so VI Abh. Vergleichung 


Ich merfe nur vorläufig dabey ar, daß bier aben 
mal eine $üce in dem Lehrgebaͤude bes Herrn R. 
ſey. Wenn der Thiermenfch in feinem natuͤrlichen 
Zuftande nicht reflectire : wie kann er benn aus 
zweyen möglichen Fällen wählen, mas ihm am be 
ften duͤnket? Soll er aber diefes thun, und fich gar - 
biefes Vermögens bewußt fern: fo muß er fein 
Natur einiger Maßen Fennen, und bie vorkom⸗ 
menden Dinge mit feiner Natur vergleichen, ob 
fie damit übereinftimmen oder nicht, Und was iſt 
das anders, als Reflectiren? Es haben Daher ik 
Weltweiſen bey dem Begriffe freyer Handlungen, 
die wirkliche Reflerion und den Gebrauch der Betr 
nunft vorausgefeget. Dieß aber feßet wiederum die 
Sprache, und die Sprache ferner die Gefellfchaft 
derMenfchen voraus, Wie hängt denn bes Herm 
A. fein Gebäude zufammen ? Und warum gedenfet 
er der Frenheit ſowohl, als der Perfeibilice , wem 
es anders natürliche Vorzüge feyn follen, nur als 
der Quelle alles menfchlichen Elendes? Eie fünnen 
es freylich durch Missbrauch werden: aber ich daͤch⸗ 
(e, wenn man von den Maturfräften redet, fe 
müßte man darauf hauptfächlich fehen, wozu die 
Regeln jeder Kraft an fich durch ordentliche An 
wendung führen, Denn fonft fann alles gemis 
brauchet werden, und dann werden alle Kräfte bes 
Menſchen, felbft das Sehen, Effen, Trinken, 
Gehen, zufälliger Weiſe Quellen feines Werder 
bens. Warum hätte denn die Natur dem Men 
ſchen folche Gaben verliehen, menn fie ihm bloß 
‚ jum Fallſtricke Dienen und dienen Finnen ? Was 
fol ihm das Vermögen, fich vollfommener zu mas 


— 








der Menfchen mit den Thieren. 503 


aan geben Dadurch warfinenbig ummoltom- | 


‚Aber. Here R. laͤßt hier feinen mahlerifchen 
bſamkeit, mit Verhehlung dieſes Kunftgriffes, 
m Lauf, und man lieſ ihn fo ferne mit Ver⸗ 
gen; -ja man muß ihm in Diefer Betrachtung 
bt geben, daß vielen ihrenorzüglichen Naturga⸗ 
durch den verkehrten Gchrauch nur zum Were 
var gereichen. Cr faget z. B. daß ein gemwiffer 
Hunter Dann das Gute und Boͤſe des menſch⸗ 
m-sebeng gegen einander berechnet, und von 
um'.ein greßes Uebergewicht gefunden habe, 
Babe auch vecht geurtheilet, fo ferne er ben 
nfihen in feinem bürgerlichen Zuftande betrache 
sven er aber auf deſſen erften Zuftand hätte 
ck geben wollen, fo würde er erfannt haben, 
Ber Menſch kein Elend litte, alg was er fih 
R-gerurfachet, und daß die Natur unfchulbig 
Es wäre niche ohne Mühe gefchehen, daß 
uns fo unglüclid) gemacht hätten. Wenn 
a von ber: cinen Seite die unendliche Arbeit der 
wichen betrachte, fo viele Wiffenfchaften zu er- 
en, fo viele Künfte zu erfinden, fo viele 
bs anzuwenden, um Tiefen auszufüllen, Ber⸗ 
eben zu machen, Felſen zu fprengen, Ströme 
Das zu machen, frifches Sand anzubauen, Waſ⸗ 
chaͤltniſſe auszugraben, Moräfte auszutrocknen, 
wbeure Gebäude auf ber Erde zu errichten, das 








5 


we mit Schiffen und Seeleuten zu bebeden ; 
wenn man auf Der andern Seite die wahren 


rtßeile Davon für bie wahre Gluͤckſeligkeit bes 
Glchen Befhlehken eriosfänt , fo müßte man 
| Si 


uder 


504 Vll Abh. Wergleihung +7" 


über das ungleiche Verhaͤltniß erfiaunen, 
Blindheit des Menfchen bedauren, welcher 
nen thörichten Ehrgeiz zu mähten, mach @ 
möglichen Elende reunte, welches die mohlehätige 
Natur forgfältig hätte von, ihm entfernen rollen, — 
Der Menfch, fageter; Üt jest bösartigp. Das 

die Erfahrung; und doch von "Natur 

Mas. hat ihn denn fo- weit, verderben Fönnen, 

die Aenderungen feines: Zuftandeg,, „der 

welchen er darinn gemaghet, und bas 

was er fic) erworben ha, Man mag die b 

liche Gefellfchaft „Reigl“benundern, als man 

ſo bleibt es doch wahr, daß fie die Menfchen 
wendig treibe, ſich imter einander zu baffen, 

dem Maafe, wie ihre befondern Vortheile einan⸗ 
Der entgegen ſind. ꝛtc. ꝛc. Da ſuchet denn Herr B, 
alles Ungluͤck und alles moraliſche Werderben der 
Menfchen auf die Abweichung von dem ‚erften na 
türlichen Zuftande zu werfen. Naͤmlich das etw 
morbene Erfenntniß machet ung nicht beffer , for 
dern aufgeblafen, liftig und boshaft, . Die Künfte 
machen durch die viele Bequemlichkeit $eib und 
Seele weichlich; und da wir einmal daran gewöhnt 
find, fo können wir wohl unglücklich werben, wenn 
wir dieſe Bequemlichkeiten verlieren, aber wir find | 
Deswegen nicht glücklich, wenn wir fie befigem | 
Das Eigentbum, welches von dem .Aderbaus u 
ber Viehzucht angefangen, hat hauptſaͤchlich Ber 
trug und Unterdruͤckung eingeführet. Daraus i 
der. Unterſchied der Reichen und Armen, 
Maͤchtigern und Schwaͤchern, und endlich die 
gerliche Herefchaft entſtanden, welche mit 








der Menſchen mit den Tpieren. 505 


ſehen und Verordnungen bloß auf das Recht bes 
achtigern berußet,, und auf willführliche Gewalt 
Tyranney hinaus läuft, wo die Schmwächeren 
Eflaven gemacht find, und ihre Freyheit, Guͤ⸗ 
und $eben, dem Eigenmwillen des Gebiethers auf⸗ 
ern möffen. Aus der bürgerlichen Gefellfchaft, 
y der Ueppigkeit, welche Daraus quillet, ſtammen 

fregen und mechanifchen Künfte, die Hand» 
g, bie Gelehrſamkeit, und alle folche unnüge 
miäßungen, welche den Fleiß blühend machen, 
b ben Staat zwar bereichern, aber zugleich ins 
wberben ſtuͤrzen. Tugend, Ehre, Freund: 
aft, Hoͤflichkeit ift nichts als ein geftiftetes an⸗ 
sommenes Wefen. (fadice er joue) Ich weis 
be, wohin Herr A. die Religion zieht : wenig 
as koͤnnte er fie nach feiner Schlußart vornehm⸗ 
) zu dem größten Elende des menfchlidhen Ge 
lechtes gerechnet haben. Quid non Religio potuit 
dere malorum ?_ Wo ift denn aber fonft der 
ſtand, we find bie Mittel fonft, da der Menfch, 
‚möge "eines wirklichen Gebrauches feiner Freyheit, 
einer mehreren Vollkommenheit gelangen, und 
don den Thieren unterfcheiden Pörinte, wenn es 
be der gefellige und gefprächige Zuftand ift, wo 
feine wefentliche Kraft der Vernunft üben ann ? 
ind denn nicht Frepheit und Perfedtibiliter, in 
nEpftemdes Herrn R unbrauchbaretarurgaben 
den einfamen,. wilden, dummen, und mit lau» 
viehiſchen Dingen fich begnügenden Thiermens 
en? Und worinn Fönnte deffen mehrere Vollkom⸗ 


mheit in felchem Staru nacurali beftehen ? 
| sis 84. 


und fie fehen fich vielleicht nimmer wiet 
Mutter ſelbſt, wenn fie ihr Kind fo w 
bat, daß es fein Zutter finden kann, laͤ 
Welt laufen, und bekuͤmmert fidy weit 
felbe nicht. Geräth ein ſolcher Thierm 
fahr: fo lehret ihn die Noth ſchnell zu Iı 
die Bäume hinan zu Flettern, oder nac 
muthig zu kaͤmpfen. Weil ihm aber 
Feine Waffen mir gegeben: fo bricht e 
vom Baume zu feiner Wehre, oder 
Steine, damit zu werfen. Gegen die 
feine Blöße in warmen Laͤndern nicht ſch 
wenn er ja in kaͤltere Gegenden geräth, 
das Kämpfen mit andern Thieren in | 
geſetzt, daß er eins erlegen und ihm der 
wa durch Hülfe eines fcharfen Steinee 
kann, um ſich barein zu huͤllen. MWoht 
Höhlen brauchet er fodann nicht, weil 
Witterung erhärtet worden. Das Feu 


un um a dena Rue RMEE ann 


der Menſchen mit den Thieren. 497 


und von Krankheiten befreyet, und kann der Arze⸗ 
neyen entbehren, ober die Natur rathen laſſen. 
Wenn die Natur, (ſaget Herr A. von der Arze⸗ 
nenwiflenichaft) uns beftimmt hat, gefund zu feyn: 
fo möchte ich faft behaupten, daß der Zuftand der 
ion ein Zuftand wider die Natur fen, und 
daß ein Menfch, der nachdenfet, fchon ein verdorbe⸗ 
nes Thier fey. Der Thiermenfc) weis auch von 
Peiner Furcht vör dem Tode, weil er feinen Begriff 
daven hät; fondern der überrafchet ihn, ehe er den⸗ 
feiben voraus gefehen. Sonſt ifter bey der gu 
genmärtigen Gefahr, nicht allein für fidy herzhaft, 
fonbern aud) für andere mitleidig, menn er erwa 
daben ſeyn follte; und er ift fo ferne nicht böfer 
Art, noch geneigt, jemanden, zumal feines gieidyen, 
Schaden zu thun. Den Ader durch Mühe zu 
bauen hat er feine Urfache , Die Natur bierher ihm 
feine Nothdurft von felbft an; und daher ift im 
diefem unfchuldigen Stande der Natur weder Ei⸗ 
genthum noch Meid und Streit Darüber. Die $ies 
be zu einer gewiffen Perfon kann ihn niche zum 
Sciaven madyen, und er ift auch gegen Neben⸗ 
buhler eben fo wenig eiferfüchtig, als ein Caraibe. 
Denn er fennet und fucher Feine Echönheiten, ſon⸗ 
dern nur dem Triebe der Natur Genüge zu thun; 
untd das kann er mit einer jeden beftellen. Uebri— 
gens liebet er bie Freyheit, lebet für ſich nach eigenem 
Gefallen, und trachtet nad) Feiner Gefellfchaft ; 
bat daher auch feiner Sprache noͤthig. Weil er 
denn allein allen feinen — abzuhelfen 
weis, und nichts weiter zu verlangen oder zu fuͤrch⸗ 
ten hat: ſo iſt nicht zu begreifen, warum er ſich die 
Ji unnoͤ⸗ 


498 VI Abh. Wergleichung 


unndthige Mühe geben follte, worüber nachzubem- 
fen, zu reflectiren, zu meditiren. Start beffuer 
ruhet und fchläft er lieber, wie es die Muße mit ſich 
bringet. Aud) der Schauplag der Natur ift für in 
ohne Reiz, weil er deffen gewohnt ifl. Er lebe 
unbeforgt in den Tag hinein, und benfet nicht wor 
aus: fo wie ein Caraibe, der des Morgens fein 
Hangmatte verfaufer, und des Abends jammert, 
daß er eine wiederfaufen foll; weil er nicht vorakt 
geſehen, Daß er fie in ber folgenden Mache wiebe 
nöthig haben würde. 
$ 3 


So meit ift noch der urfprüngliche Menſch, 
welchen fich der Herr R. ausgedacht, ein wahres 
Vieh, oder vielmehr noch viehifcher, als ein Vieh, 
(plus bête que les,beres) fo ferne er ihm bie Ne 
flerion, d. i. in der That, die Vernunft, ninımt, 
und ihm doch flatt derfelben Feine blinde Triebe 
oder angeborene Fertigkeiten einräumer, fondern 

‚ihn auf die Nachahmung der Triebe vermeil, 
welche andern Thieren gegeben find, daß er fich bie 
felbe zu Nuge machen koͤnnte. Wie wird er fh 
aber die fremden und fo fehr verfchiedenen Triebe an 
berer Thiere zu Muge machen fünnen, wenn er 
nicht reflectiret, was fich zu feiner eigenen Natur 
ſchicke? Hier ift eine gewaltige Luͤcke, ober vie. 
mehr ein ftarfer Widerſpruch in dem Spftem des 
Herrn A. Will er den Menfchen blindlings fremde | 
Triebe nachahmen laffen: fo wird er feinen Thies 
menfchen mie fich felbft in einem Streit ſetzen. 
Bald wird er als ein Kaubthier andere anfallen 

und 


— ———— — — 





der Menſchen mit den Thieren, 499 


*— bald als ein friedfertiges, ſich mit 
Wurzeln und Baumfruͤchten begmgen. 
—— nach Art der Fuͤchſe, Kanin 
au ib Biber, eine Hoͤhle graben und bauen, bald 
Wdkhfie @ebäche, bald auf hohen Zellen, bald 
; belebten. Bäumen, eine ſichere Sageritärte 
: Wald wird er gefellig werden, wie viele 
* 
* halten; bald ec wiederum 

werden, und —* an ſelbſt begnuͤ⸗ 
wird er mit feiner Gattinn eine Art von 
‚, Wad fich der Kinder gemeinfchaftlich 
mechcuen bald die Gottinn nach geftilltee Brunft 
hfen:ieffen,, und fich auch um ihre Jungen nicht 
Büren. Sch möchte aber wiffen, welchen 
Pas der Menſch nachmachen koͤnnte, zu fe 

ni. Dehre einen AR vom Baume zu brechen, ober 
ie Ecainen zu werfen, oder zu feiner Decke fich 
reinen Balg anderer Thiere einzuhüllen ; wenn er 
—— ——— 

ger ttel brauchet. w 
us —28 warum Her R: feinen urfprüngli- 
Menſchen, unter den übrigen vierfüßigen 
——* —. und —— he gehen 
bie Begebenheiten an, 

ge wüle km d — unter ben Thieren groß ge» 
weren,, auf allen "ieten faufen gelernet,, fo * 
** hernach mie Gewalt an einen Baum ober 
WW" arg müflen, um fie zu einer aufrechten 
zu gewöhnen. Wie? wäre 
— ein wein Dus 
u en, bes 

gegnet, 































soo VIl Abh. Vergleichung 
gegnet, davon er den Gang gelernet bitte? 
dann würde es zu fpät gemwefen ſeyn, wenn 
einmal zum vierfüßlgen Gange gewöhnt hätt 
er wuͤrde fich ja wohl nühe felbft an 'einen 1 
gebunden haben, fan es wieder zu venlernen. 
R. mag mir es nicht übel nehmen, wenn id 
daß er den Sag bes Widerfpruchs und zur 
ben Grundes bey feiner Erdichtung nicht * 
Rathe gezogen habe. Vielleicht haͤtte er 
nben,, daß dieſe nicht ſo leere und —* 
dfäße ſind, als viele jege vorgeben woll 
* Einbildungskraft alles ohne Regeln zu | 
erlauben, In der That fiehe man auch fein 
reichenden Grund, warum Herr A. bey fein 
pothefe ven der Nachahmung fremder thie 
Triebe, die ſich der Menſch zu Nutze machen 
denſelben nicht lieber geſellig, als ungeſellig, m 
nicht lieber eine Art von fortwaͤhrender Eh 
gemeinſchaftlicher Pflege der zungen führen 
als daß er das "Band der Liebe fofore wied 
ewig zerreißt; ihn nicht lieber fchüchtern bilde 
ihm eine Höbte zur Zuflucht anmweift, als t 
ihn kuͤhn dichtet, und frey unter den Be 
fchlafen läßt. Alles iſt willkuͤhrlich in folcher 
ftem, und ich follte mennen, daß jenes einer 
waffneten nackten Creatur weit natürlicher in 
träglicher feyn würde, als bag Gegentheil ; r 
ſtens, daß wirklich alle von Natur —* 
fertige Thiere ſich entweder verkriechen, od 
‚ Ihres gleichen verſammlen, und ſich mit ihren 
gen gemeinſchaftlich, fo gut fie koͤnnen, vert 
gen. Daraus wird gewiß bey dem Men 





der Oeuſchen weit den Thieven. sb 


deſſut matärlichen Borzügen, ein gan; anderes 
erwachſen, als mas ung Gerz, X, entwor⸗ 


Ban wich. nun aber fragen :: Giebt benn ber 
R. ſeinen —— Zienengon nicht 
einige vorzuͤgliche Naturgahen vor den uͤbri⸗ 
hieren ? Ja: er machet ihn erſtlich zu einem 
baubeinben Weſen, das in zweyen möglichen . 
ih, und (ich felbft. detarminirt. Die 
um Ühlere wählen und verabfcheuen nach dem 
ucte,, unb Eörmen von dieſer eingepflanzten, 
I nicht abweichen, wenn es ihnen gleich zu⸗ 
a vortheilhaft wäre: der Menfch aber waͤhlet 
ne. freye Creatur, und ift fich feiner. Freyheit 
Be, entſernet ſich aber auch daher zuweilen 
eu Busen zu feinem Nachtheil. Uuterheflen 
Bde boch, folches. die geiftige Natur: feiner See 
ide fich free Handlungen durch Feine Re⸗ 
ber Mechanik erflären lafien. Aber der haupt 
chſte Vorzug des Menſchen, befteht. in der. 
Mibilird, oder. dem Vermögen, daß ſowohl 
‚einzelner Menfch, eis Das ganze Geſchlecht, 
unmener werden kann. Das iſt bär caralte- 
wcifique de l’efpece humaine. ‘Denn bie 
en Tiere: bleiben fowohl einzeln, als in ihrer. 
m Art, in geroiffen unwandelbaren Schranken, 
die Erfahrung nöthiget uns auch das trauri⸗ 
Beftänbniß ab, daß eben dieſe unterfcheidende 
nfchaft , weiche faft feine Schranken kennet, 
Igielle alles Ungluͤcks der Menfchen fey. Dieß 
alfo, nach dem Herrn R. die Vorzuͤge des, ur⸗ 
glichen Menſchen den uͤbrigen Seen | 
3 











— 


J * 1} 5 


Ich merke nur vorläufig dabey ir, Daß hler aden 
"mal eine Luͤcke in dem Lehrgebaͤude bes ı A. 
fen. Wenn der Thiermenfd) in feinem natärficdyen 
Zuſtande nicht reflectire: wie kann er denn "ans 
. oeyen möglichen JFallen waͤhlen, was Um dm do 
Ken dürtfer? Eol er aber Def fun, mb fh ger 


















bieſes Bermögens beroußt fen: fo muß er fein: 
ww 


Matur einiger Magen fennen, und die 
enden Dinge mit feiner Natur vergleichen; 6 
fie damit übereinftimmen oder nicht: 









. „das anders, als Reflectiren? Es haben baker-« | 


Weltweifen bey dem Begriffe freyer | 
‚die wirkliche Reflerion und den Gebrauch ber 


nunft vorausgeſetzet. Dieß aber feßet wiederum bie 


- Sprache, und die Sprache ferner die Geſellſchaft 
der Menſchen voraus, Wie hänge denn des Herm 
RR. fein Gebäude zufammen ? Und warum gebenfet 
er der Freyheit ſowohl, als der Perfeibilire ,' wem 
es anders nafürliche Vorzüge ſeyn follen, mır' eis 
der Quelle alles menfchlichen Elenbes? Eie Finnen 
es frenlich durch Misbrauch werden: aber ich daͤch⸗ 
te, mern man von ben Maturfräften rebet, ſe 
müßte man darauf bauptfächlich fehen, wozn bie 
Regeln jeder Kraft an fich durch ordentliche Aw 
wendung führen. Denn fonft fann afles gemiß 
brauchet werden, und dann werben alle Kräfte bes 
Menfdyen, felbit das Sehen, Effen, Trinken, 
Gehen, zufälliger Weile Quellen feines Werder 
bens. Warum hätte dem die Natur den item 
fehen folche Gaben verliehen, wenn fie ihm bie 
zum Fallſtricke dienen und dienen können ?' Mes 


ol ihm das Wermigen, (ch volfommener zu » Ä 





der Menfchen mit den Tieren. 303 






E . 
ber Herr A. laͤßt Hier feinen mahleriſchen 
je, mit Berbehlung diefes Kunftgriffes, 
Lauf, und.man fieft ihn fe ferne mit Ders 
3 ja man muß ihm in biefer Betrachtung 
geben, daß vielen ihre vorzuͤglichen Naturga⸗ 
burch den verkehrten Gchrauch nur zum Ver 
in gereichen.. Er faget z. B. daß ein gewiſſer 
wter Mann das Gute und Boͤſe des menſch⸗ 
eSebeng gegen einander berechnet, und von 
m.ein greßes Uebergewicht aefunden habe. 
habe auch recht geurtheilet, fo ferne er den 
ſchen in feinem bürgerlichen Zuftande betroch⸗ 
wem. er aber auf deſſen erſten Zuftand hätte 
‚gehen ‚wollen, fo mürde er erfannt haben, 
ber Menſch fein Elend: lite, alg was er ſich 
geeusfachet, und daß die Natur unfchulbig 
Es waͤre nicht ohne Mühe gefchehen, daß 
uns fo unglücklich gemacht hätten. Wenn 
won ber einen Seite die unendliche Arbeit der 
ſſchen betrachte, fü viele Wiffenfchaften zu er. 
ben, fa viele Kuͤnſto zu erfinden, fo viele 
be augumenden, um Tiefen auszufüllen, Ber⸗ 
hen zu machen, Felſen zu fprengen, Ströme 
var zu machen, frifches fand anzubauen, Waſ⸗ 
bältniffe auszugraben, Moräfte auszutrocknen, 
heure Gebäude auf der Erde zu errichten, das 


| 





e. mis Schiffen und Seeleuten zu bededen ; 
wenn man auf der andern Seite die wahren 


teile Davon für die wahre Gluͤckſeligkeit bes 
chen Befhlehe eforfäet, ſo müßte man 
Ä 14 


ber 


za en.chen dadurch nothwendig unvolllom- 


u ‚fo bleibt es doch oft, , daß fie die Menfchen netfr 





0 vn ah, Yapitu ; ze Ä 


be 







über bas ungleiche Verpäirmig. efinumag 

. Blindheit des ke a ee Toekher, um 22 
nen thörichten Ehrgeiz zu näßeen, uud, aim 
moͤglichen Eiende tennte, welches bie 

. Natur forsfäfig hätte von ihm he wollen, — 
Der Menfe,'fageter; iſt jet bösartigs; das yelgg - 
bie Erfahrung; und doch von Natur gutdrdg.. . 
Was hat ihn denn fo- weit, verderben een, a⸗ 
die Aenderungen ſeines Zuſtandes, der 
welchen er darinn gemochet, und bas 

was er ſich erworben dad Man mag vie bir 

liche Gefelifchaft oiel· bewundern, als man wol 








wendig treibe, Ask uͤnter einander zu haſſen, ned 
dem Maaße, wie ihre befondern Vortheile eine 
der entgegen finb.. ⁊c. ꝛc. Da fucher denn Herr A, 
alles Unglück und alles: moralifche Verderben ber 
Menfchen auf Die Abweichung von dem erften ne 
fürlihen Zuftande zu werfen. Naͤmlich das = 
worbene Erfenntniß machet ung nicht beſſer, few 

dern aufgeblafen, liftig und boshaft. Die Künfke 
machen durch die viele Bequemlichkeit Leib und 
Seele weichlic) ; und da wir einmal daran gewöhnt 
find, fo Eönnen wir wohl unglücklich werden, wem 
woir diefe Bequemlichkeiten verlieren, aber wie find 
Deswegen nicht glüdlih, wenn wir fie befißen 
Das Eigentum, melches von dem Aderbaue und 
ber Niehzucht angefangen, bat hauptſaͤchlich Be 
trug und Unterdrüdung eingeführe. Daraus iR 
der. Unterfchied der Reichen und Armen, ve 
Mächtigern und Schwaͤchern, und endlich die bir 
gerliche Herrſchaft entftanden, welche mit Fr | 


N 





der Menfihen mit den Thieren. 505 


een und Verordnungen bloß auf Das Recht bes 
icheigern beruhet, und auf willführliche Gewalt 
Tyranney hinaus läuft, wo die Schmwächeren 
Sklaven gemacht find, und ihre Freyheit, Guͤ⸗ 
und Leben, dem Eigenwillen des Gebiethers aufe 
un müffen. Aus der bürgerlichen Gefellfchaft, 
der Heppigkeit, welche daraus quillet,, ftamnten 
ſreyen und mechanifchen Künfte, die Hand⸗ 
z, die Gelehrfamfeit, und alle ſolche unnüge 
mähungen, welche den Fleiß blühend machen, 
ı den Staat zwar bereichern, aber zugleich ins 
rberben flürzen. Tugend, Ehre, Freund: 
ft. Höflichkeic ift nichts als ein geſtiftetes an« 
ommenes Befen. (factice er joue) Ich weis 
x, wehin Herr R. die Religion zieht : wenig⸗ 
8 koͤnnte er fie nach feiner Schlußart vornehm⸗ 
zu bem größten Elende des menfchlichen Ge 
echtes gerechnet haben. Quid non Religio potuit 
dere malorum ?_ Wo ift denn aber fonft ber 
Rand, wo find die Mirtel fonft,, da der Menfch, 
möge eines wirklichen Bebrauches feiner Freyheit, 
einer mehreren Vollkommenheit gelangen, unb 
"son den Thieren unterfcheiden koͤnnte, wenn es 
it der gefellige und gefprächige Zuftand ft, we 
eine wefentliche Kraft ber Vernunft üben fann ? 
nd denn nicht Freyheit und Perfedibiliter, in 
aSyſtem des Herrn A unbrauchbareftarurgaben 
den einſamen, wilden, dummen, und mit lau⸗ 
viehiſchen Dingen ſich begnuͤgenden Thiermen⸗ 
3? Und worinn koͤnnte deſſen mehrere Vollkom⸗ 
nheit in ſolchem Statu naturali beſtehen? 


Ji5 $ 4 


506 VIE AN. Vergleichung 
— 64. * — 
Wir wollen dem Herrn R. nicht zutrauen, 


. er in einer fo.ernftlichen Materie bloß feinen 
be wollen fehen laffen, wie er auch den ts 
innigften & einen Schein der arbeit 5 

geben wiſſe. Wir wollen vielmehr glauben, 

fein Humeur ihn wirklich auf die Mennu 

bracht : der Zuftand der menfchlichen 

babe fo viel Berderben und Unglücd eingefül 

daß ein viehifcher Zuftand in Wergleichung, | 

weit ertwäglicher und beſſer würde 

ſeyn. ni 
So ift dann meine erfte Frage ı Mache ung 
wohl folhe Vergleihung und Veurtheilung des 
zwiefachen Zuftandes zufriedener, glücflicher, bef 
fee? Gewiß nicht. Denn, wenn wir unfern ge 
felligen Zuftand, dem wir nicht leicht entlaufen 
fönnen, mit ſolchen Augen anfehen z fo fönnen 
wie nicht anders als misvergnügt feyn, für alle 
Kunft, Wiffenfhaft, Tugend und Religion eine 
Verachtung befommen, den Umgang mit Mens 
ſchen und fo gar mit Freunden, als lauten Heuche · 
ley verabfcheuen, die Keicheren und Vornehmeren 
beneiden, gegen die Obrigkeiten und Kegenten, als 
Unterdrüder unfrer Freyheit und Gleichheit einen 
beftändigen Haß und Widerwillen hegen, mit ei⸗ 
nem Worte, unfer ganzes Leben als ein unpeilbe 
res Elend.anfehen. Sollen wir denn Einfiedler 
werben, ober zu den Earaiben und KHottentotten, 
oder gar zu den wilben Thieren, als unfern natürs 
lichen Gefaͤhrten, fliehen, um uns zu 








der Menſchen mit den. Thieren. 507 


dae⸗i anmehr unmöglich, —— 
ich nicht. Er lenket alſo wieder ein, und will, 
€ Biefer Zuſtand einmal ft, und nicht geaͤn⸗ 
weden kann, daß mir uns nad) allen Stifs 
a der —— Geſellſchaft bequemen ſol⸗ 

Was hat er denn mit feiner Vorſtellung an⸗ 
msgerichtet, als daß er die Menfchen in ihrer 
ſdenheit geftähret,, ihre Neigung zu Künften, 
wfchaften und allem Guten wankend gemachet, 
jente von böfem Herzen berechtiget, Tugend 
Mich nur für unnatürliche Bäufe dien zu ach⸗ 
3 be ganzes Vergnaͤgen in viehifchen füften 


* — für ung iſt, daß Herr R. gleich an⸗ 
bey der Erdichtung feines urfprünglichen Zus 
8, ſich ſelbſt und der Natur ber Dinge viele 
widerſpricht, und Dadurch den Ungrund ſei⸗ 
begebäudes augenfcheinlich zu erfennen giebe: 
aß.er hernach, in ber Vergleichung deffelben 
em Öefelligen, die zufälligen Misbräuche al⸗ 
in Erfindung und Ordnung, dem gefelligen 
de ats weſentlich, nothwendig und allgemein 
metz: welches ein ziemlich offenbarer uud be: 
® Paralogismus ift. So fehr alfe feine Schil⸗ 
I, wegen ber Colorite, das Auge reizet: fo 
Ice man doch bald die wefentlichen Fehler, wel⸗ 
der Zeichnung und in den Grundſtrichen be⸗ 


In mannichfeftigen inneren Widerſpruch und 
Binfüprliche bes Syſtems habe ich ſchon bey⸗ 
angemerfet. Herr A.nimmt 1) dem Thier⸗ 
en alle Inſtincte, und giebe ihm doch * 
1. erſel⸗ 








"508 Abh. Vergleichung 
derſelben feine anderen Kräfte : gleich als ob er aflin 
keine eigenthümliche Natur Hätte. : Er vermeilt 

ihn 2) auf bie Nachahmung fremder 
Zriebe, daß er ſich diefelben zu Nuge 
ns und gr ihm doch die Reflerion , — — 


Er verweiſt 3) feine Nachahmung auf alle Tpier 
ohne. Unterfchied, da doch die verſchiedenen 
ganz entgegengefeßte Triebe und Sitten 


18 und feget alfo ee iermenfchen mit ſich 


Streit, welchen Trieben er nachahmen folle, Er 
laßt ihn 4) ohne allen Grund und wider feine Ma 
tur die gebensart der ungefelligften frechſten Thiere 
ergreifen, daß er einzefn, ohne feines gleichen, ohne 
beftändige Gattinn, ohne Höhle, frey unter wilden 
Thieren herum irret: da doch eine unbewaffwete 
nackete Creatur nothwendig ſchuͤchtern ſeyn, und ſich 
gerne verkriechen, und zu ſeines gleichen halten 
müßte; und da beſonders, die das ganze Jahr 
herdurch fortrährende Luſt zur Gattung eine 
fortgefegte Ehe und Beywohnung verurfachen wür- 
de. 5) Er giebt ihm wiũkuͤhrlich Gewohnheiten 
amd Erfindungen, die er nicht aus Nachahmung 
haben fonnte. Denn meld Thier beftändig 
aufrecht ? welches bedienet fich ar 
Aftes oder Steines zur Wehre? welches kleidet ſich 
mit einem fremden Balge ? Noch mehr: 6) der 
urfprüngliche Menſch foll vor allen andern Tpieren 
‚eine Zrenheit haben : und hat doch Feine Wernumft 
oder Reflexion, roelche der Grund einer freyen 
Wahl iſt. 7) Er follfich vollfommener zu machen 
ſuchen: und üft doch in ſolchem Zuftande, — 





“ “ 
v Li 


der Menfchen mit den Thieren. 509 


durch nichts vollkommener machen kann. 8) 
ine vorgüglichen Naturgaben follen in Freyheit 
ı Perfelibiliter beftehen : und eben diefe Vorzuͤ⸗ 
bienen doch, feiner Mennung nad), zu nichts ante 
m, alseinen jeden und Das ganze Befchlecht uns 
cküch zu machen. Welche Widerfprüche ! 

Auch die Natur der Dinge ift dem erdichteten 
ſtande bes erfien Thiermenſchen entyegen, 
kebe nicht ein einfamer, unbewafineter, nackter 
mfch, ohne euer oder Schlupfwinfel, ohne 
flinet und Reflerion, ohne Erkenntniß, Kunft 
ı Werkzeuge, unter fo vielen reißenden Thieren 
ſendmal umkommen ? oder wuͤrde er in’ feiner 
iſamkeit ruhig, ficher und zufrieden feyn koͤn⸗ 
7 Man feße eine Mutter mie drey Kindern von eis 
a, drey und fünf Jahren, in einem fonft warmen 
be, Das voller Früchte iſt. Cie fann doch keins 
in für fich laufen laſſen. Dem einen hat fiedie 
uft zu geben, für die andern und für ſich muß 
dienfame Nahrung fuchen. indem fie nun 
| jüngfte ftillet und auf Den Armen trägt, fo fuchet 
bie Früchte, Kräuter und Wurzeln in Gefell- 
ıft ber übrigen herumlaufenden Rinder. Und 
ei das eine wird in dem Gebüfche von einer 
biange ober Matter gebiffen, Das andere von 
ms Skorpione geftochen; oder beyde haben für 
uger giftige Srüchte gegefien. Sie fchrenen: 
Mutter has zwar Mitleiden mit ihnen ; aber feine 
flerion, was ihnen fehle, viel weniger Kenntniß 
ı Mitteln, ihnen zu helfen; fie jterben alle beyde. 
koͤmmt ein Tiger oder Leopard: fie mill fich mit 
s legten Kinde auf einen Baum reiten; fann 












zo. "VIA. Wirgfeihuig ı 
‚aber · mit dem Kinde zugleich nicht klettern So 
find entweber beydes Mutter und Kind; obere 
nigftens das Kind verlöten. Denn Priigel und 
Eteine wollen ‚gegen ſolche Tiere, fo wiegegn 
Schlangen, Nattern und "Sforpionen michtsiaus 
"richten, Laß fie aber mit —— r 
fättiget und unbefchäbige die Mache erreichen. 
fie denn vonder Natur dazu gemadher, auf % 

zu fehlafen? ober kann ſie hren Minden 
= Neft oder Sager bereiten? Das iſt ni 
fich. Auf der Erde aber wird wielleiche Wie 
Nacht ihr ſelbſt und ihren Kindern die 
wenn die Raubthiere ihrer Gewohnheit mach im 
Finſtern auf ihre Beute ausgehen. Die: Finfter 
niß verfaget ihr alsdann allen Rath und alle Zuflucht, 
Und wenn ihr aud) Fein Icbendiger Feind den Tab 
drohet: fo find allein die Nachtfröſte in dem waͤrm 
ſten Laͤndern defto empfindlicher und tödlicher für 
die nackten Würmchen, welche fie mit nichts zude⸗ 
den weis. Aber laffet ung eben diefe Mutter mit 
ihren drey Kindern in einert mittleren Erdſtrich fegent 
fo möchte fie zwar vielleicht von reißenden Thieren 
meniger Gefahr haben, aber weit —— — 
Hunger und Kälte leiden, "Denn, weil fie nicht 
vorausdenket, fo fieße fü fie auch) den Fünfrigen Maw 
gel im Winter micht vorher; folglich fanmlek fie 
Feine Nahrung auf den Winter. Wenn alfo der 
Winter Fömmt, und aller aufböret, oder 
verdorben, erfroren oder mit Schneeund Eifebe || 
ect ft: fo muß fi mie rn Jungen vr Sun 
umfommen, Und dazu kommt denn bie 

Be welche fie in freyer Saft "oßne 





der Wenfihen mit den Thieren. su 


ser, von ſich und ihren Kinderg mie einen 
nicht genug wirb abwehren koͤn⸗ 
Wie? wenn die Mutter durch einen, Zufall 
wörbe, und ftürbe, welches ja menſchlich if, 
wenn. fie von einem wilden Thiere getöbter 
‚. weiches möglich ift: wer wird. ſich alsdeun 
Inter annehmen, die fich ſelbſt noch nicht zu 
wien? Kann denn ein ſolcher Zuſtand dem 
hen natürlich ſeyn, worinn das ganze Ge⸗ 
tin Zurzem vergeben müßte, und werinn, 
2 leben koͤnnte, alle * edleren Ma⸗ 
ue erſpickt werben müßten ? J | 
gt . S 5. . 
Ya Natur giebt nichts umfonft; fie hat. uns 
Wweifel zur Ausübung unferer Kräfte beſtimmt. 
Zuſtaud kann allein dem Menfchen na⸗ 
Y:mb menfchlich feyn, morinn feine eigen 


* Geſchlechts Genuͤge leiſten kann, und 
hlernaͤchſt eine ſolche Sebensart führe, welche 
**8 Art von allen uͤbrigen Thieren un⸗ 
. Der Zuſtand hingegen iſt unnatuͤrlich 
‚ barinn er mit feinem ganzen 
-taufenbmal umlommen müßte, unb 
Gebrauchs aller eigenrhümlichen Kräfte 
beraubt, und ihn zum dummen und. 
‚ welches fein Seben ohne alles 
-fleten Schlummer zubrächte, 
der Menſch ohne —— und ohne 
der Wernunft und Eprach nicht 














512 VII Abh. Vergleichung 


einmal den Beduͤrfniſſen feines Lebens und feines 
Gefchlechtes Benüge leiften, geſchweige eine Sehens 
art führen, die mit feinen eigenthümlichen Natur⸗ 
kraͤften übereinftimmer, und feine befonbere Akt 
von den übrigen Thieren unterſcheidet. Alſs iſt 


— 


allein der Zuftand dem Menfchen natürlich, web | 


cher gefeflig ift, und den Gebraucd der Vernunft 
und Sprache mit fich bringet; und bes Serra As 
fein erfonnener Zuftand, welcher allen Gebrauch 
dieſer eigenthümlichen Naturfräfte des Menſches 
erſticket, iſt ganz unnatürlid). J 
Der Grundirrthum (das wewrer super) bei 
Herrn A. ift, daß bie Befelligfeit dem Dienfchen 


nicht natürlich fen, fondern daß ein jeder von Nas | 


fur einzeln und einfam lebe, und wenn ihn auf 
die Brunft zu einer Gattinn geführet, er Diefelbe doch 
alſobald nad) gefühlter Hige wieder verlaffe. Ich 

will Die Beweiſe bes Gegentheiles, welche ich bey 
läufig einfließen laffen, bier aus einander feßen. 
Der Menfd), fage ich, ift nicht zum ungefelligen 
Zuftande gemadjt : 1) weil eine nackte roaffenlofe 
Creatur , welche viel ſchwaͤcher ift, als viele andere 
bösartigen Thiere, nothwendig ſchuͤchtern iſt, und 


. ⸗2 CE Zum m — — — 


ſich aus Furcht zu ihres gleichen hält: =) weil wr 


die natürliche Gefelligfeit an vielen andern Thieren, 
die dem Menfchen an Friedfertigkeit und Schwoͤ⸗ 
che ähnlich find, wirklich wahrnehmen, daß fie ſich 
und ihre jungen auf folche Art zu fchügen fuchen: 
3) mei nicht der geringite Grund vorhanden if, 


warum der Menfch, vermöge feiner eigenen Ne | 
tur, lieber allein, als bey feines gleichen feyn wol 


te, da er von biejen nichts zu fürchten, und. bergegen 
wegen 


sum — 





. der Menſchen mit den Thieren. rn 


jen das Mtleids, welches Herr R. fi 
natärlich beyleget, allen —2 zu arten 
: 4). Go auch nicht der geringfie rund 
yanben, ba Herr R. ben Menfchen auf bie 
chahmung ber Triebe anderer Thiere verweift, 
um bewfelbe nicht den Trieb ber gefelligen und 
sertigen Thiere vielmehr nachahmen follte, Als 
ſaͤdlichen reißenden Thiere, Die fich allein auf 
Araͤfte verlaffen koͤnnen, und ihre Beute niche 
sit andern theilen mögen. 5) Herr A. un 
ſt werlaftens die Gefellfchaft zwiſchen Mutter und 
& auf eine Zeitlang annehmen; und ich habe 
iger/ baß diefe Gefellfchaft gar leicht bis auf drey 
r mehrere Kinder anwachſen kann, weit fie ſchwer⸗ 
wor fieben ja vor zehen Jahren ganz allein fich 
yelfen und zu fehügen im Stande find. Und 
um foüten fie nicht lieber fortan in Geſellſchaft 
Mutter bleiben, da fie die Proben ihrer Liebe 
'- Worforge fo vielfältig gefchmedet Gaben ? 
Wanum wollen wir aber den Mann von biefer 
elifehaft ausfchließen,, da doch Loͤwen und Tie 
‚ da Wölfe und Bären paarweife in Höhlen 
fammen wohnen, und gemeinfchaftlic) ihre 
ne fehügen, nähren und zur Jagd anführen ? 
Fr Wenfch hat vor andern einen Reiz dazu, weil 
sche mie einige Thiere bloß zu einer gewiſſen Zeit 
Jahre in Brunft geräth, fondern das ganze 
be hindurch zur Beywohnung einer Gattinn Kräfe 
ws $uft hat. Warum foll denn ber Menſch 
auberri in ſolchem Grabe ein Mifanthrope ſeyn, 
er eine Gattinn floͤhe, die feinen natuͤrli⸗ 
den den angendepſten Dienſt — 





0 





ſchen Anmal aus feiner natürlichen Stellung 
Lebensart gefegt hatte: fo war es nicht zu ve 
dern, daß er die erfte vorzügliche Naturfraf 
Menfchen, die Vernunft, in ſolchem Viehe nic 
blicket, und daher bie Entwidelungber Wer 
zu bes Menſchen ſeinem geaͤnderten Zuſtande 
net. Ich will auf das Wort Vernunft oder 
fon, eben nicht beſtehen, weiches ich mich I 
befinne, in dem ganzen Werke bes Herrn A, 
fen zu haben. Ich nehme feine Reflerion , 
den Zuftand der Neflerion, für eben 

mas wir mit dem Worte Vernunft ober 

der Vernunft fagen. Diefen Zuftand der 9 
sion hält er aber nicht allein für einen fchon ve 
benen umatuͤrlichen Zuſtand, der bie Quelle 
menfchlichen Eienbes ſey; fondern leitet ihn 
von ganz. zufälligen Umſtaͤnden ber, vor- gl 
vielleicht unendliche. Taufenden von Jahren gi 
, ehe ſie ven getroffen , und w 





der Menfchen mit den Thieren,  sız 


ich fortan in Ewigkeit härten ausbleiben koͤnnen. 
Bir fuchen das Erfehntniß, faget Herr R. bloß 
m etwas zu genießen, und es ift unmöglich zu. 
greifen, warum einer, der weder etwas verlanget 
ch fuͤrchtet, fich Die Mühe geben folite, zu raiſon⸗ 
ven. Das Verlangen bes wilden Menfchen geht 
cht über die phyſiſchen Nothwendigkeiten. Die 
azzigen Güter, die er in der Welt Fennet, find 
ahrunz, Benfchlaf und Ruhe : die einzigen Lies 
6,’die er fürchtet, find Schmerz und Hunger : 
nes vom Tode hat er feine Vorſtelliung. Die 
wfedibiliter, die gefelligen Tugenden, und bie 
dern Geſchicklichkeiten, welche der natürliche 
denſch in potentia (en puiflance) befommen hafe 
‚„ fonnten fich nimmer von felbft entwiceln, ſon⸗ 
en hatten dazu einen ungefähren Zuſam⸗ 
enlauf vieler freinden Urfachen noͤthig, welche 
ach nimmer hätten entſtehen koͤnnen, und ohne 
elche der Menfch ewig in feinem urfprünglichen 
uſtande geblieben mare. Er wirft viele faft uns 
sflösliche Schwierigkeiten in den Weg, ehe bie 
Renfchen auf ben Einfall hätten fommen koͤnnen, 
ch einander ihre Begierden durch gewiffe Worte 
ngubeuten, oder ſich felbft abſtrackte und allge⸗ 
sine Begriffe zu machen. Er ift daher unwillig, 
af. man die Waldaffen nicht für wirkliche wilde 

‚ von eben der wefentlihen Art hält. 
Run Daß fie nicht fprächen , fen ein ſchlechter Be⸗ 
wis, weil das Reden uns auch nicht natürlich fen, 
ngeachtet bie Werkzeuge zum Sprechen uns Nds 
krlich wären. Daß fie aber Das Nachtfeuer ber 
degern, dabey fie fich gerärmes hatten, nicht uns 
Ä 2 teœ⸗ 


n 





s6 Vn Abh. Vergleichung 


eerhalten hätten, ſey nicht ſowohl eine betiſe ode 


viehiſche Dummheit, als ein Mangel des Willens: | 
fie hätten in dem heißen Climate von Loango te 
Wärme fo noͤthig nicht, bie Zeit wäre ihnen en 
lich an einer Stelle zu lang geworben, und fiewä | 
ren mit dem Tage zu einer wichtigern Sache geell, | 
ihre Nahrung zu ſuchen. 


6 6 


Es wäre, duͤnket mich, dem Zwecke des Heru 
A. wohl gemäß gewefen, da er ung beieheen will, | 
welcher Zuftand dem Menfchen natürlich fey cde 
nicht fen, daß er zuvor deutlich und genau erklaͤre 
hätte, was er unter den Worten, Natur, Re 
fürlih, Matürlicher Zuftand, Recht der Nat, 
eigentlich verfiehe. Weil er aber bas nicht g 
fo ſcheint er in feinen ‘Begriffen fehr zu —— 
wo er nicht gar unrichtig Davon denkt. Ich will 
mich über jedes erflären, und dann bes Herm fi |i 
feine Begriffe, fo viel ich fie erratben fann, dage |! 
gen halten. 

Natur des Menfchen nenne ich feine weſench 
hen $eibes- und Gemüthsfräfte, und feine angebe |i 
renen Befchaffenheiten. Die wefentlichen $etber | 
Eräfte find zur Erhaltung des Lebens und ber ®e | 
fundheit wirffam, und befannt genug. Diewe 
fentlihen Seelenfräfte find, aufer ben Sinnen, 
finnlichen Vorftellungen und Neigungen, melde |; 
wir mit den Thieren gemein haben, bie Beraumft, | 
Srenheit und Perfeäibiliter. Die angeborene Be | 
ſchaffenheit, welche hier in Betrachtung koͤmm, 
iſt, dag wir nackt, unbewaffnet und Hülfles af 

die 


[4 





















— m 


5 thierifcher Triebe verweilt; 
—8 „eine eigenthuͤmliche Natur beyleget. 
aͤuſſert auch darinn, daß er 
und Perfedlibilitet niche * 


ß atferntes Vermögen (potentiam remotam) 
welche vielleicht nimmer hätten zur Wirk⸗ 
——— wie dieſe von einem un⸗ 
—— — vieler zufälligen Urſa⸗ 
te, welche alle Härten tpegbleiben koͤn⸗ 
ſind ſeine n, Freyheit und 
lret Werkſtuͤcke, bie nicht in feine Matur- 
5* , ſondern in ſtatu Nature‘ unge⸗ 
Bir legen bleiben. Unrichtig iſt auch des 
I. feine ellung von der-angeborenen 
* enheit des —*2 fo ferne er ihn un⸗ 
machet, und die Geſellſchaft der Gattung 
* welche er nicht leugnen konnte, 
En dem Berfihlafe und bee Entmöhnung, 
Bas aufgeht: wovon Ic ſhen ouefuhelich geredet 
Wi. 


He... 





Bar 1 2 une 79 


8. "vil Ash. Vergleichung. 


Natuͤrlich nenne ich dasjenige, was ſich 
feiner Zeit aus der Natur, d. i. wefantlichen Rei 
ten und angeborenen Befchaffenheiten entwickelt, 
wenn nur fein Hinderniß da ift, und bie Umftänbe 
übereinftimmen. Ich ſage zu feiner Zeit u, ſ. w. 
denn, (daß ich erft ein Gleichniß gebe,) an einem 
Baume fann man nicht zugleich mit ben Knoſpen 
auch Blätter, Blumen und Früchte verlangen; 
und doch ift alles diefes dem Baume natürlich, wei 
es fich in gemwiffer Ordnung aus feinen vegetabili 
fihen Naturfräften und Befchaffenheiten entwickelt. 
Ich fage ferner, wenn fein Hinderniß da iſt, und 
die Umſtaͤnde übereinftimmen. Denn, wenn be 
Baum feine Wurzeln hätte, oder die Witterung 
entgegen wäre: fo mirde alles dieſes nicht zur 
Wirklichkeit kommen, und deswegen bliebe es doch 
dem DBaume an fich natürlich. So ift es auch 
mit Ihieren befchaffen., Es ift natürlich, daß eine 
Raupe ſich einfpinnet und in einen Schmetterling 
verwandelt: aber man warte bis fie alle Häuteab- 
geworfen, ftöhre fie nicht in ihrer Arbeit, und fehe 
fie nicht in midrige Umftände. Es ift natürlich, 
daß Bienen ihren Wachs » und Honigbau verrichten: 
aber erft müflen fie aus Würmern Fliegen gemorben 
ſeyn, fie müffen Feine ungebethenen &äfte im Stock 
befommen, und in Gefellfchaft einer Mutterbiene 
oder Koͤniginn feyn, fonft arbeiten fie nicht. So 
werbe ich denn auch niche unrecht fagen, dem 
Menfchen fey ber Hunger, der Auswurf, der Schlaf, 
das Gehen auf zweyen Fuͤſſen, die Mannheit und 
Fortpflanzung des Gefchlechtes natürlich; naͤmlich 
alles zu feiner Zeit. Ich fage auch nicht unr 





- Der Rerſchen mit den Thieren. np 













⸗ überhaupt, und das Abflrahieen feg 
— ferne fh die Verummuft 
Bpeahfäßigke allgemeinenBeg 
aeiget, wenn enſch nur niche 
— und nicht in ——22 = 
Mſchaft von ſtummen und. dummen Wiche, fon - 
inter feinen Aeltern groß geworben ii, wie. 
BB ;barauıs fonn man denn auch urtbellen, 
jahr: Suftand des Menfchen fey: 
uich, venn er in die Umſtaͤnde geſeßt iſt, die 

iche Natur nachwendig zur Mist, 






sel 

| feyn, und wir müffen ihm diejenigen Um» 
aa nicht. beuehmen, welche der Ausbruch feiner 
era Maturfräfte vorausfeßet, und bie 
ler bürgerlichen Verorbnung und Herrſc 
mmemsmen werden koͤnnen und muͤſſen. Here ZU 
(ht fich einen fatfchen Begriff von dem Natuͤb⸗ 
m, unb natürlichen Zuftanbe.. Er meynet, 
‚sole nicht wirklich mit auf die Welt, brächten, 











ten 

cher Herrfchaft fießen, fonbern, weil wir in eine 
miliengefellfchaft erzjogen find, welches. unfer 
tus naturalis, auch ohne und vor aller bürgerl 
Gefelifchaft ift, Eben fo wie Herr R. das € 
auf zweyen Füßen — doch offenbar von 


mütterlichen Geſeliſchaft und Erziehung enefpr 
Ju dem Statu natyrali des Menfchen rechnet, 
ſo und mit gleichem Rechte müffen wir die. Sp 
des Menichen zu feinem Scary naturali red 
Es ift fe wenig ein Volk in der Welc, wei 
auch noch fo wild wäre, das gar feine Sy 
bätte, fondern bloß bloͤckte oder brummte, ala 
gefunden wird, das auf allen vieren Eröche, 
ba feine forsgefegte Ehe und gemeinfehaftich 
jiehung der Kinder im Gebrauche wäre; 

darf. deswegen nicht fagen, daß dieſer oder 
Schall befonders ein natürlich Zeichen u 
danken und Begierden fen. erforbert fr 


eine beimlche Brwiigung ober her 





der Menfchen mit den Thieren. sur 


anderer Menſchen; s aber doch auch 

keine , die ex ſtatu civili und obrigkeitlicher 
Berorbnung fließt, fonbern die vielmehr vor dem 
Seen civili zu fegen if, Die Natur hingegen. 
Fr dem Menfchen vor andern 

en Werkzeuge zum deutlichen Schalle und zur 
bernehenlichen Sprache gegeben. Da nun andere 
Thlere fich einander ihre teidenfchaften und Yes 
erben durch einen confufen Schul, Stimme und 
Zen zu verfichen geben: marum fellte ber Menſch 
wicht auch feine Stimme brauchen, und feine®edanfen 
andern in einer Samil tengefellfchaft und in einem Um⸗ 
gange durch einen ihm eigenthümlichen deutlichen 
hal entbecken? Warum ſollte er alfo feinenanirfis 
de —— nicht aͤuſſern, da tauſend Gelegen⸗ 
en, wo Mutter und Kinder es noͤthig 

ſich einander ihre Gedanken fund zu machen. 
Welchen befondern Schall ber erfte Erfinder eines 
Wortes zu einer jeden Sache brauchte, dag war 
geichguͤltig; die erfte Sylbe, die ihm einfiel, war 
Die Beſte. Andere Menjchen find froh, wenn ein 
Ding nur feinen unterfcheibenden Namen bat, und 
nehmen ihn mwilligft an. Die Thiere Haben in jeber 
Ars nur einen einzigen beftimmten unbeutlichen 
Schall, oder doc nur geringe Abwechſelung deſſel⸗ 
Sen: weil fie ihre Arc an biefem Schelle kennen 
ſeſlen, und fich in individuo einander nur wenige 
deibenfchaften zu entdecken haben, auch von Natur 
wofähig find, mit Worten, verftändliche Begriffe zu 
verbinden. Der Menfch aber mußte deutliche Bes 
griffe Durch einen deutlichen Schall ausdrücden; um 
fo mehr, ba er fo viele Deseite von Dingen nöthig 
1 5 hat, 






kei VE ee 


z die unendliche Mannichfaltigkeit der mog · 
das geſchickteſte Mittel war. Daher 

Banner auch nicht von der Natur zu einem einzie 

- gen genifien Schalle angewiefen feytiz fonbern die 

R ———— — unzaͤhlig vielen möglichen Sylben 
"rd mußre feiner Willkuhr überlaffen ner 
Es iſt aljo dem Menfchen zwar nicht diefe 
ur oher je Sprache, aber doch Oberhaupt das Spre: 


"2, Plbem allein und eigenthuͤmlich gegeben, und zur Um 
derhaltung der Gefellfdyaft mit feines) Gleichen 
\ veihwendis · 


857. 
4 

Es iſt demnach grundfalſch, bag die Matur 
„uns Menſchen gebildet habe, einfam , ungefellig, 
gumm und dumm, Fury, ein wahres Vieh zu ſeyn. 
Es iſt grundſalſch, daß wir in ſolchem Zuſtande 
ſeyn, oder gluͤcklich und zuftieden ſeyn koͤnnten 
grundfalſch, daß Geſelligkeie, ‚Sprache, allge 

meine Begriffe, Reflerion und Gebrauch der Wen | 

— den Menfchen unnatürlich, oder erft nach vie | 








gene zufleßen,-wie «6 auch aus ke Be Perfaibi- 

liter, von felbft folget, daß in den Künften, if 
Palin. rl allen "Doryigen ber Dinfipen, Beufe 
a - 


N 





„ ohne Erfindimg, ohne einige 
— abheifen. Nun Lönnte man wohl 
Amehmen, daß ber. Schöpfer feibft denen erften 
—— die ganz neu in der Welt waren, die 
Huͤlfsmittel angewieſen habe. 











| —* Se: =F Beinen * 
nochwendig e Den 4 P) 
"ie Allein; * R. wi mo einen —— 
Gar ee nicht gerne in feinen fkasum nature 

| haben. Wir wollen uns alfo lieber auf 





Die Heilige Schrift Anleitung, und 


WE sintärlichen Geſchicklichkeiten berufen, die er ſelbſi 
Menfchen zuſch 







Uuiniefpränglichen reibt. Sie ges 
Bari und wiflen auf ihren zweyen Süßen has 
zu halten; ja fie laufen, fie klettern 

die Baume. Das fonnten fie aus der 






ung der Tblre ae Yan Denn die 


BET vierfüßigen Gange geführet. 
I ee fi aufsueiheen, un —8 
Gelng ihrem Körper angemeffener fep Chi 





\ 





. A. aber feinen urfprängfichen. u 
fen Anmal aus feiner natürlichen Stellung: und 
Sebensart gefegt hatte: fo war es nicht zu en | 

dern, daß er bie erfie vorzügliche N 
Ä Menfchen, die Vernunft, in ſolchem Viehze * 
blicket, und daher die Entwickelung der Vernunft 






I V 
ſon, eben nicht beſtehen, welches ich mich Pam 
Dam? 


beſinne, in dem ganzen Werke bes 
fen zu haben. Ich nehme feine Keflerion ,-unb 
5 MR, 





Worte i 
der Vernunft ſagen. Dieſen Zuſtand der Diefle: 


| sten huͤlt er aber nicht allein für einen ſchon verder⸗ 
benen wanatürfichen Zuſtand, der bie Quelle. alles 





= Menſchen mit den Thieren. sız 
nin in — haͤtten ausbleiben koͤnnen. 
ven des Erkenntniß, ſaget Herr A. bloß 
6 za genießen, und es iſt unmoͤglich zu 
warum einer, Der weder etwas verlangt 
bet, fich bie ftühe geben follte, zu reifen 
Das Verlangen des wilden Menfchen geht 
e die phyſiſchen Nochwenbigfeiten. Die 
Güter, die er in der Welt it Pemnet, (nd 
h Veyſchiaf und — die einzigen Lies. 
er fürchtet, find Schmerz und Dunn! 
Tode hat er Peine Worftellung. 
üiter, Die gefelligen Tugenden, unb . 
Beftpicflichkeiten, welche der natürliche 
In potentia (en puiflance) befommen hats 
ten fich nimmer von ſelbſi entwideln, ſon⸗ 
nten bazu einen ungefähren Zuſam⸗ 
vieler fremden Urfachen nöthig, welche 
ner hätten entſtehen koͤnnen, unb ohne 
ee -Menfch ewig in feinem urfprünglichen | 
kgeblieben wäre. Er wirft viele faft un⸗ 
ye Schwierigkeiten in den Weg, ehe die 
u auf den Einfall Härten kommen fönnen, 
nber ihre Begierden durch gewiffe orte 
wm, oder füch felbft abſtrackte und allge 
vegriffe zu machen, Er ift baher unwillig, 
r die Waldaffen niche für wirkliche wilde 
a, von eben ber weſentlichen Art hält. 
fie nicht fprächen,, fen ein fehlechter de 
wi Bas Reben uns auch nicht natürlich 19 
et die Werkzeuge sum Sprechen ans 
dien. - Daß fie aber das Nachtfeuer de 
⸗ de ſie ſich Kir hatsen, nicht une 


Fr 


» | . J | | * | 


VIE; Virgeichaz 
eerhallen ha a a eine & 
wie 





—* aft einer een zu lang —— u 
ten mit dem Tage zu an ihr 


he iu fadyn. 


46. 


she, Bine mid), dem Zweck⸗ 
A. wohl gemäß gemefen, da er ung 64 
welcher Zuſtand dem Menſchen nactuͤrlie 
nicht ſey, daß er zuvor deutlich und gen 
hätte, was er unter den Worten, Na 


- Aürlich , Matürlicher Zuftand, Hecht d 


ügehrlich verfiche. Weil er aber das nkl 
fo ſcheint er in feinen Begriffen * ſi 
wo er nicht gar unrichtig davon den 

mich uͤber jedes erklaͤren, und —8 des 
feine Degeie, fo viel ich fig errathen kaı 

en ha 

313 des Menſchen nenne ich ſein 
chen Leibes · und Gemuͤthskraͤfte, und feiı 
renen Beſchaffenheiten. Die mefentlich 


| ee find zur Erhaltung des Lebens unl 


wirffam, und befannt genug. 
fenel ©eelenfräfte find, außer der 
finnlichen Vorftellungen und Neigunge 
wir mie den Thieren gemein haben, bie | 
5 Perfedlibilitet. ae angeb 
welche hier in 
nat, unbewaffuet und hi 


M, dep wir 


» 


u Benni lee FR 


kommen, und Pflege und Er⸗ 
wet Ben eigen 
—— 2 Natur Be Wink, 
iepig : indem er nehm 
ft des Menfchen, welche * den 
er Kra 
ver Watur, fondern zu fenem ufäligen, un aan 


—— eg rechnet ; 

ſcher Triebe he 

Ben: ——— Natur oe 
äuffert. fich auch barinn daß er 

— enheit und Perfeäibilice nicht * 

ee wirk ſame Seelenkraͤfte; ſondern als 
nie (potentiam an) 
kafiebe, meiche vielleicht nimmer haͤtten zur Wirk 
famkeit fommen £önnen, mie per einem une 
Wefäbzen Zufanmenftoße vieler zufälligen Urfa- 
w bependirte ‚» welche alle härten Kenbieiben koͤn· 
Demnad) find feine 1, Sreypelt und 
BerfedibiliterQperffküde, die nicht in feine Natur · 
‚gehören, ſondern in ftaru N en unges 
liegen bleiben. Umrichtig iſt auch des 
— feine Vorſielling von der-angeborenen 
jenheit des Menfchen, fo ferne.er ihn un. 
gefellig madhet, und Die Geſellſchaft der Gattung 
ib Erpiehung, welche er ‚nich leugnen konnte, 
— mach dem Beyſchlafe und der Entwoͤhnung, 
ae aufhebt: wovon Kahn gerebet 





Fan Rz Nacur⸗ 


518 - vu Abh. Vergleichung 


Natuͤrlich nenne ich dasjenige, was ſich 
feiner Zeit aus ber Natur, d. i. mefentlichen Rı 
sen und angeborenen Befchaffenheiten entwick 
wenn nur fein Hinderniß da ift, und die Umſtaͤ 
übereinftimmen. Ich ſage zu feiner Zeit u. f. 
denn, (daß ich erft ein Gleichniß gebe,) an ein 
Baume kann man nicht zugleich mit den Knof 
auch Blätter, Blumen und Früchte verlang 
und doch ift alles dieſes dem Baume natürlich, v 
es fich in gemwiffer Ordnung aus feinen vegetal 
ſchen Naturkräften und Befchaffenheiten entwid 
Ich fage ferner, wenn Fein Hindernig da ifl, ı 
die Umftände übereinftimmen. ° Denn, menn 
Baum feine Wurzeln hätte, oder die Witten: 
entgegen wäre: fo mirde alles dieſes nicht 
Wirklichkeit fommen, und deswegen bliebe es t 
dem Baume an fi) natürlich. So iſt es a 
mit Thieren befchaffen. Es ift natuͤrlich, daß 
Raupe fich einfpinnet und in einen Schmetterl 
verwandelt: aber man warte bis fie alle Häute 
geworfen, ftöhre fie nicht in ihrer Arbeit, und 
fie nicht in midrige Umftände. Es ift nakuͤrl 
daß Bienen ihren Wachs » und Honigbau verrich! 
aber erft müflen fie aus Würmern liegen gervor 
ſeyn, fie müffen Feine ungebethenen Säfte im St 
befommen, und in Gefellfchaft einer Mutterb 
oder Koͤniginn feyn, fonft arbeiten fie nicht. 

werde ich denn auch nicht unrecht fagen, | 
Menfchen fey ber Hunger, der Auswurf, der Sch 
das Gehen auf zweyen Fuͤſſen, die Mannheit 
Fortpflanzung des Gefchlechtes natürlich; naͤn 
alles zu feiner Zeit. Ich fage auch nicht unr 








—— ai nn 1. 


3 namlich fo. ferne ſich Die nnd 
——— 
Mac, wenn der Merk mr nice taub pr 
enfch nur n 

und nicht in einer unten = 
Nſchaft von ſtummen und. dummen Viehe, ſon⸗ 
har Aeltern groß — W, wie k 








ag nur feinen unteefcheibenben und 
zen ihn willigſt an. Die Thiere haben in jeder 
ur einen einzigen beflimmten unbeutlichen 
ball, oder Dach nur geringe Abwechſelumng deffel- 
⁊ weil fie: ihre Art an biefem Schalle kennen 
m, und fich in individuo einander nur wenige 








| deutlichen Schall ausdruͤcken; um 
ehe, da ex fo.viele Begriffe von Dingen noͤthig 
| gt Rz 








* —— die Eule 
ip en m gen, 


So viel kann 2 man dem Sera R. 

gerne zuſtehen, wie es auch aus feiner Perfocuibi- 

* von ſelbſt folget, daß in den Kuͤnſten, Wiſſen⸗ 

ſchaften und allen Borgigen ber Reuſchen, u 
X 


N 





"ae nſhen mit den Thieren sap 
— ü Die m. 


Bench Bamitengefare, wich fe pe: Beyide 
einer Famili ſſchaft, ve 
ihrer Otanfen und Beglaten 


vermitteiſt 

Schalles; folglich machen fi ad) Bebeaude 

Son den —— —* deutlichen 
Stimme und mil ſehen: fe bin. 


Space. 
en a te Duke —e— — — 
ſo konnte dieſe doch bey weitem — 
oder ihr Verlangen ausdrͤcken. ESu 
dabey etwas gelallet , und bald deutliche 

Sorter hervorgebracht haben. Denn dee Menſch 
FRfe geneigt, wenn er auch den Schall der Thiere 
nachahmen will, ſolchen in einen deutichen Od, 
an Wörter zu verwandeln.  _ 

Wo * nur ein Anfang iſt vom Nachdenken, 
on Erfindungen, von Künsten, vom Sprechen, 
da geht die Bemuhung bald weiter, von der äufe 

— Mothdurft, und rohen Huͤlfsmitteln derſei· 
zu beſſeren, zu mehreren, jur — 

* je Abroechfelung, zur $uft, zum Zei 
"reibe und Vergnügen, Selbft die wilbeften Walken 
nen in America, welche dem thieriſchen Zuftande 
"am nächften kommen, find doch nicht —— — 

"beit, Sprache, und "Künfte, und Herr R. 
Ahnen offenbar Unrecht, wenn er z. B. einen = 
"Faiber. dichter, daß er feine Hangmatte verfaufte, 
R7 auf den Abend zu denken, und baß er fein 
ohne Eiferfucht andern Preis gäbe. u 
Die’geflochtene Hangmarte yeiget Ifre Kunft, rs 
— und Nachdenken, ſich eine bequeme und 
fichgre Schlafftelle zu bereitm. Ihe Jagm, Zi 
F 


526 VIlI Abh. Vergleichung 
ſchen, Schiffen, Schwimmen, Tauchen, i 


Bogen, Pfeile und Waffen, ihre Kenntniß F 


ger ſowohl als heilſamer Planzen, ihre Muſik, 
Geſaͤnge, Tänze und andere Uebungen, find 
Beweife, daß fie mit des Herrn A. feiner Ber 
fchreibung, die cr von ihnen machet, nicht überein 
. Rimmen, und überhaupt, daß fie ſich mit ſolchem 
urſpruͤnglichen Inftande, als er fich einbilder, nicht 
begnügt haben. Sie leben nicht zerſtreut und ein 
fam in Wäldern, ungeachtet fie die dickſte Wild- 
niß um fi) haben. Sie halten fid) zufammen in 
Familien und Bölferfchaften: fie führen ihre fort 
daurenden Ehen: fieerziehen ihre Rinder nad) ihrer 
gebensart : fie erfennen das Unrecht, was man ih⸗ 
nen anthut, ihr Land einzunehmen, fie erwaͤhlen 


einen Heerführer im Kriege, und wehren fih 


tapfer, fo viel fie koͤnnen. 

Daß die meiften Amerifaner nicht weiter ge 
kommen find in Künften, Wiffenfchaften, Sitten, 
daß fie faul und träge find, und Ruhe und Schlaf 
. allen weitern Stufen möglicher Vollkommenheit 
vorziehen : enrfteht bloß daher, weil fie fich in 
- Betrachtung des großen Landes noch fehr wenig 
vermehret haben, und in den müften Wäldern, Wild 
bie Menge, Baumfrüchte und Erdgewächfe, kurz, 
einen Weberfluß von Lebensmitteln vor fich finden, 
welcher für alle zureichet, ohne daß fie noͤthig haben, 
der ergiebigen Natur Durch ihren Fleiß zu Hülfe zu 
fommen. Daher blieb alles allen zum Gebrauche 
gemein : man befümmerte fi) nicht groß barum, 
weder Vieh zu zähmen, das die Küche verforgen, 
noch eine Art Korn oder Fruͤchte zu bauen, welche 

bie 


m- 


der Denfchen mit den Thieren. 527 


die Scheuren füllen fönnten. Aber fobald bie 
Menſchen fich in einem Sande fo vermehren, daß 
ber von ſeibſt fich anbierhende Vorrath ber Natur 
nicht mehr fir ſolche Menge zureichet, ober fo auch 
die Art des Landes an Früchten fo ergiebig nicht ift, 
febald Hörer die Gemeinſchaft der Guͤter auf. Ders 
jenige, welcher eine Art efbaren Viehes zu feinem 
Gebrauche fängt, zähmet, weiber, der ein Feld 
bearbeitet, und mit nahrhaften Gewaͤchſen befüer, 
ber has echt, andere von deffen Nutzung auszu« 
ſchließen, und fich die Frucht feines Fleißes und 
feiner Geſchicklichkeit zuzueignen. Siehe ! fo iſt 
denn das Eigenthum unter Menfchen, vie fich in 
einem Sande mehren, unentbehrlich; und biefes 
wecket ben Fleiß und die Geſchicklichkeit unter ihnen 
auf, und eben Daher entſteht der erfte Unterfchieh des 
äufferlichen Zuftandes, wie Herr R. gar wohl eingefes 
hen hat. Der Faule, der Nachläßige, Unuchtfame, 
Unerbdentliche, Dumme, Einfältige, darbet, und kann 
in fo guten häuslichen Umſtaͤnden unmöglid) fern, 
als der Emfige, Ordentliche und Wigige. Das 
giebt denn Reiche und Arme, dag giebt Herren und 
Bediente, das giebt endlich, bey meiterer Ver⸗ 
mehrung der Menſchen, Regenten und Untertha⸗ 
nen; welches auszuführen mein Zweck nicht mit 
bringet. Herr A. könnte alfo auch wohl ein. 
gefehen haben, daß folcher Unterſchied der Stände 
mit ber. Natur der Menfchen eine nochwendige 
Verknaͤpfung habe, und daß Fleiß und Geſchick⸗ 
lichkeit an und für fich den Menfchen und deſſen 
Zuftend vollfemmener machen. Die Ungleichheit 
des Standes hebt die Gleichheit des Rechtes, ja 
| x 


28 Vil Abh. Vergleichung 


ich mag auch ſagen ber Freyheit, Vollkommenheũ 
und Gluͤckſeligkeit, nicht auf. Billige Regenten 
laſſen ſich in ihrem eigenen Lande von den geſetzten 
Obergerichten die Rechtsſachen mit den Untertha 
nen ab⸗ und ben Unterthanen zu ſprechen. Dee 
Contractus Societatis civilis iſt wegen der Unord⸗ 
“nungen im Statu naturali, zu beſſerer Handhabung 
menfchlicher Nechte, zur Wohlfahrt und Sicher 
heit der Gemeinen, zur Pflanzung der Künfle, 
Wiffenfchaften, Tugenden und guten Sitten, ge 
ſtiſtet und eingeführet, und bey jeßiger Vielheit der 
Menfchen unehtbehrlih. Ein jeder kann babey in 
jedem Stande, nicht allein gefund feyn und zurei⸗ 
chende $ebensmittel haben, fondern auch alle menſch⸗ 
liche Vollkommenheiten bes Leibes und Gemuͤ 
erwerben, geichäfftig, mweife, Flug, beliebt und 
geachter feyn, ja, wenn er will, auch im mittels 
mäßigen Stande eben fo vergnügt feyn, als ein 
König. Misbraucher einer im Scaru civili des 
Vorzuges, welchen ihm fein Stand giebt, durch 
Gewalt, Lift und Betrug: fo ift es dem Statui 
eivili an fich niche zuzufchreiben. Und gewiß, bie 
Wilden 


23 Ich habe den Sa, Omnes homines zque felices effe, 
in einer befondern Rebe ausgeführet, welche in mei⸗ 
nen Primitiis Wismarienfibus 1723. 4. gedruckt iſt 
Mancher möchte den Sag als paradox verworfen; 
aber vernünftige Leute werben leicht einfehen, med 
ich damit fagen will, und in feinem eigentlichen 
Verſtande halte ich ihn für eine große und zur 3 
friedenbeit des Menſchen hoͤchſt wichtige Waprbeit, 
die ich dem Herrn Ronffeau, bey feiner Klage ft 
Pinegalit€ dos hommes, wohl empfehlen moͤchte. 


— . —————— — — e e RES 


-. deräienfipen mit ben Thieren. sa9x 


Wi America und anderwaͤrts, Haben beh ihter J 
nd dummen Lebensart unleugbar weniger 


Oniigeh,uund find doch theils eben demfelben,cpeils 
——5 ‚führen auch unter ſich 
mit der unmenſchlichſten Graufamfeit Kriege: 


Fi, die wir in bürgerlicher Gefellfhaft un« 
$ iten und Gefegen leben, haben nicht 
je/"imegen der bie und da zufällig eingerifles 


che, wegen der Unterdrücdungen von 

gern, und des daraus entftehenben 

“aus der Welt zu.laufen, Mifanthropen 

eit, uns lieber wild; ungefellig, nad, ein. 

Br und dumm zu wünfchen, die menfch« 
Natur felbft aller ihrer Vorzüge zu berauben, - 

weit unter das Vieh herunter zu fegen ?; - Es 
och’ immer Sänder, da unter einer fanften 


ie⸗ 








Über Biniochequt des Sciences et des Beauz Arts, 
TAIV: P. I, Artic, 7, p. 407. faq. ift eine fehr ars 
eige Beurrheilung o6fehachter Schriſt des Herrn. 
ber Befcbluß davon ift folgender: Qui "awroit era, 
go conflater, que nıus etions matwröllemens 
Em, il fallut prowver, qu'originairement nous 28 
Sawdesfows de la höre; raifonnables fons raifon- 
Oper ; fufeepibles de versu fans aucuneidie da devoir ; 
— Hbles aux pofhons, fans aucun defir dans le 
; libres, fans faire aucun choix,; combl6 de bie 
de nütre Creuteur , fans penfer jamais & lui, 
Jans liaifon; peres er epoux, [uns tendfes- 
freres Jans amiitie; capables de parler, fans 
Dapprendre ; induflrieux , fans indufries 
[es a une infinitö d’ &gards, fans eflayer' de 
meus perfeilioner & auzun; immortels> jans-Ie. fa- 
‘5 nes em un mot uniquement pour manger, pour. 
* pour dormir, pour murirꝰ *4 
gl: 







J 


330: VII Abh. Vergleichung 


Regierung, die Freyheit der Religion, der Lebens 
art, der willkuͤhrlichen Handlungen, ungekraͤult 
‚bleibt, da Künfte, Wiffenfchaften und Sandlung 
blühen, da Geſchicklichkeit, Fleiß, Ehrlichkeit und 
Tugend geachtet und belohnet wird, unb da Mean 
fehenliebe immer Gegenliebe findet. Wenn ein jeder 
- Stand wegen der dußerlichen Ungleichheit, oberwe 
gen der Misbraͤuche zu verwerfen wäre : fo muͤßten wir 
auch den allernatürlichften Stand, welchen die Nea 
tur felbft zwifhen Mann und Weib, zwiſchen Ael⸗ 
tern und Kinder geftiftee hat, nämlich die Ehe, 
für unnarürlich erflären, ihr alles Verderben ber 
Menfchen aufbürden, und fie keber ganz verab⸗ 
fheuen, oder ftatt deffen eine wilde Kühlung ber 
Geilheit einführen, und bie Kinder umkommen 
laffen, oder, melches einerley ift, in ben Wald 
unter das Vieh laufen laffen ? Das wäre ja wohl 
fehr unnatuͤrlich gefchloffen. Es ift demnach bes 
Herrn A. fein Status natur primitivus, welcher 
die menfchliche Natur aller angeborenen eigenthuͤm⸗ 
lichen Vorzüge und Vollkommenheiten, aller Ge 
feltfchaft, Sprache und Hebung der Vernunft, aller 
Künfte, Wiffenfhaften und Geſchicklichkeit, afler 
Bequemlichkeit, Ergögung, Freundfchaft, Ge 
fälligkeit, Menfchentiebe, ja Tugend und Religion, 
beraubet, und ung noch Dazu weit unempfinblicher, 
dümmer,, wilder und elender mache, als irgend ein 
Thier auf der Welt feyn mag, ein hoͤchſt unnatuͤr⸗ 
licher und in fich felbft widerſprechender Zuftand. 


8. 
Ich will die Vergleichung der Menfchen mit 
den Thieren ganz aufrichtig anſtellen. Sch * 


der Menfchen mit den Thieren. - 531 


ne allein anzeigen, was wir mit ben Thieren 
gmein, fondern auch, worinn biefe vor uns, und 
weinm wir vor ihnen etwas voraus haben, Wir 
ten aber überhaupt voraus feßen, daß wir ſo⸗ 
hl, als die Thiere, zu einer gemwiffen Art der 
Zollfommenheit, Luſt und Glücfeligkeit, von dem 
Schöpfer fähig gemachet und beftimmetfind. Tas 
Borgügliche auf benden Seiten muß uns belehren, 
ı welcher befondern Art der Glückfeligfeie uns uns 
se Fatur leiten foll. 

Dasjenige, mas wir Menfchen mit ben Thies 
m gemein haben, befteht hauptfächlich in dem 
Sinnlichen, Ein geben in einem organifchen Koͤr⸗ 
er; weldyes wir durch Die Zcugung und Geburt . 
mpfangen, und dur Nahrung unterhalten, und 
Weberum durch Zeugung fortpflanzen, ehe mir ſter⸗ 
en. Wir haben benderfeits innere Jebenefräfte, die 
as Ihre, ohne unfer Denfen und unfern Rathſchluß, 
errichten: eine roillführlihe Bewegung einiger 
Miebmaßen, um uns felbit von einem Orte zum 
»dern zu bringen, oder äufferlihe Dinge zu une 
mm Gebrauche zu handhaben, Gefahr von ung 
buwenden, oder unferm eigenen Körper Handrei⸗ 
bang zu thun. Wir haben benderfeits Sinne und 
A Vorſtellung des Gegenwaͤrtigen, im Fuͤh⸗ 
in, Schmecken, Riechen, Sehen, Hören ; welche 
nich mie einer Einbildungsfraft und einem Gedaͤcht⸗ 
iß, oder einer Vorftellung und Erinnerung des Bera 
yongenen vergefellfchaftet ift *. Wir empfinden 

| L12 beyder⸗ 


Jadem Ich den Thieren ſowohl, als uns Menſchen, 
Sime, Cinbildungskraft und Gedaͤchtniß vaſhec 


W.. 










tig. Wir haben einen nafürlihen T 
nähren und unfer Gefchlecht mit ei 
unferer Art fortzupflanzen, und die © 
ben, zu naͤhren und zu vertheibigen. 
endlich denen allgemeinen Förperlid 
welche die Werfnüpfung der Dinge, d 
Bewegung, und die Mafchinen unfer« 
fi dringen, unterworfen. Speiſe 
Wetter, Gewitter, Elemente, pabeı 
Körper Macht; wir fönnen von dem 
rer Körper verlegt werben ; es find bi 
geburten möglich; Schmerz, Krankh 
warten unfer ſowohl, tie der Thiere. 


be, fo fehe ich nur auf eine allgemein 
‚oder Analogie, welche den bejonder 
nicht aufbebt. In der That _find n 
Kräfte nicht allein unter den Thieren 
verjchiedener Art, fondern fie find 
Menſchen dar un ausnehmend, daß f 





ven Manfhen mit ben Thieren. 373 


Simons: ift eines Theils zu ſchließen, daß der⸗ 
hen Sahblungen, bie mir Menſchen, durch bie 
Hühleit der. Natur, mit allem Thieren gemein 
n, an und für fich betrachter, auch der menſch⸗ 
ı Nafur, und folglidy den göttlichen Abfichten. 
ms, gemäß find, Darinn befteht bas allge» 
Reche ber. Natur, welches bie alten. Rechts⸗ 
rten eben dadurch erklaͤreten, daß es die Natus 

gelehret habe: als z. Di fich ſelbſt 
Alles Asfe, alle Gefahr von. fich abzumens 
‚fen —— fortpflanzen, Die ara 


ügen ıc, 
Br (hen befonders barqus, daß ung Gon 
Vmliche Luſt, welcher die Thiere genießen koͤn⸗ 
Aleichfalls gegoͤnnet babe: weil er dieſe füge 
fidung mit dem natürlichen Gebrauche ber 
m Reife und Werkzeuge ſtets verknuͤ⸗ 
Folglich. ift Gottes Abſicht auch.gemäß, 
wir fe der. finnlichen Luſt einen Theil unferer. 
Meligfeit fuchen und finden follen. Handeln 
ddejeniger nicht. wider die Abſicht ihres Schoͤ⸗ 
hd wider das allgemeine Naturrecht, welche 
bey: dem natürlichen und nothwendigen. Ge 
che.£örperlicher Theile und Kräfte, der damit 
nipften finnlichen $uft, aus eingebildeter Heia 
ib; entſchlagen und entäuffern; oder ſich wohl 
umoͤthig und vorfeglich alleriey, finnlichen 
merz anthun „ und ben aller Gelegenheit dar⸗ 
ringen? Dennoch finden ſich in der alten. und 
a Gefchlhte, bey Heiden und Epriften, der 
jen thoͤrichte Selbſtmaͤrthrer nicht wenig; 
ham, als wem et und an wihrigen Sällen. 
3 X 











4, M Abdh . Mergleichigint 


—2 





An der Welt fehlete, oder als werm ein gutes Herz | 
bes Selbfthaffes fähig mäte, oder, als ‚nenn ein 
böfes Herznicht audy darunter Hochmuth und Bo · 
heit verbergen koͤnnte. 


$.9 7 
Die Thiere haben aber in dieſer Art ber Glc. 
ſeligkeit, die aus finnlicher uſt entſteht mach 
manche Vorzüge vor den Menſchen. Einer ber 


hen, als wir, noch bie dazu 

‚gen ſelbſt erdenten, oder ern und üben 
&ie bringen Kleidung, Waffen, und andere 
wendigkeiten, mit auf die Welt ; und fo Ionen 
was — — it auch einer jeden Batrung ein dien | 
licher Tı Sertigfeit. angeboren, dem ' 
fie nur — folgen em Daran verrichten 


eine Sul. mit we fie ihr Brodt verdienen, 
— Rahrung erjagen Firmen; — 


Bun ugen machen, ober auf den Winter famm⸗ 
len, unl fl 





der Menſchen mit den Thiern. 335 - 


Berne 


Ban ſu auch Waſfen 
wide fe one el Aemeling u em rem Sehen 


fhon die Orundgefene 
Befeheiebenz und ein jeder ei dan Fine Pflde 


e nat und bloß, wie vieler Dinge beduͤrf⸗ 
u wie rohe und unwiſſend aben kommen wie nicht 


Müfe gefoftet, die 

Fe re Nothdurfes Bequemlichkeit und. $uft dien · 

Künfte und Wiffenfehaften zu erfinden, und 

* Vollkommenheit u Bringen, , in welcher fie 

A 5 mit keinen — 
und Fe verſehen; 

mg‘ Bee das Vermögen der Vernunft, zu Gum 


Sem Irxthum, Seht und 

dazu bahnen. Sobald die. 
MWeltalser'aufpören, die Künfte wab ! 
ten noch hoher zu treiben, oder bie Befi 


Bar zu ehren unb zu belohn 

j guruͤck; fie verderben ihrer 
in eine Barbarey, und m 

Ei gegergar barüber verloren. Es 


nimm geſchehene Arbeit bey uns 
Das Bermögen der Vernunft, melde 
wur Erwerbung der Gluͤckſeligkeit, h 
Immer gefchäfftig erhalten. Wir M 
den felbft durch die finnlichen. — 
durch den Mangel ber angebarenen 
den Gebrauch unferer Wernunft, und. 
Eenntniß unfer ſelbſt und der Welt, ja 
tenden Fleiße in. benfelben, verwiefen 
Mangel, Schmerz und Verdruß vers 
einigermaßen &uft genießen wollen. d 





— * wit den Thieren. m 
* 
en 9 10. 
feiße wird mancher Reicher oder Vomeh⸗ 
enken? Mir den Uebungen bes Verftandes, 
N "andere placken, benen Armuth und. 
um Schickſale beftimmt it; ich darf mir 
nicht zerbrechen ‚’ noch mir es fo fauer in 
—— laſſen; file meine Glüdfeligfeie 
md, — meine Aeltern und Vorͤl 
geſorget; 73 mein Geld find’ 
ee ünftler und Ge lehrte zu Dien⸗ 
In Ich ihrer brauche, Ich will mir nur, 
„ und mir mein Leben durch erde 
e Liſt vergnuͤgt machen, 


da, nicht zu fagen, daß es ohne uebung 
eſtandes unmoͤglich ſeyn wird, ſich in dem 
ichkeiten der Sinne zu mäßigen ; ; fo wuͤrde 
n Menfch, der fo dachte, fich ſelbſt nich 
x und indem er feine Natur nach viehifcher 
zieden ftellen wollte, des Weges zur menfch« 
Wäcffeligleir gänzlich verfehlen. Die finns 
iſt iſt nicht das einzige, noch aͤuſſerſte Ziet 
erfhlichen Natur. Darinn befteht bee 
große Unterſchied zwiſchen uns und ben 
nr. Wenn dieſe die koͤrperliche Nothdurft 
6, fich ſatt gegeſſen und getrunken, oder auch 
iſſer Zeit ihre Brunſt gekuͤhlet haben; wenn 
allen dieſen nach ihrer — Fertigkeit 
ren; find 2 fo find fie, nad) ihrer Art, volle 
m.vergnüge ; ihre Varftellung und ihr Ders 
erſtrecket fich nicht. weiter, ihnen fehlet nichts 
a” der ae ‚ di * wird ihnen nimmer 
lang, 









ihrer Art, viel eher und wahlfeiler zuf 
glücklich werben, als wir. 

Wenn aber ein Menfch alle die fu 
ee mit dem Viehe gemein hat, ohne di 
Mühe und Kunft erhalten, ja auch ohn 
mäßig treiben fönnte : wuͤrde er bei 
feyn, und thäte er feiner Natur damit 
nüge ? würde er nicht weitere Ergögung 
däße fich die menfchliche Seele mit foldy 
fättigen? Mir grober Wolluit kann er 
beftändig unterhalten. Die Nothdurft 
nigem zufrieden. Hals und Magen fir 


(haft, 
gewuͤrzet und erhoͤhet wird, fü 
—S und HA fe 
weiter dehnen, als bie Natur zu ihrer 





Mer, widerlich und efelhaft; dech 
etien feine Nahrung. Der Menſch iſt niche 


Dana. mic Verſtande zu würzen, und mit eh 
use Herzen anzumwenben weis ı: der 
R, en fchärfere finnfiche Luſt, als 


mil, 


Sin⸗ 
Brüder oder feiner, jeboch beftändig, m 


‚lelche glücklich und zufrieden werben koͤmen, 


Wiere; andern Theiles der Affect, daß um - 


egierben fh 3 über alle leibliche und aͤufferliche 
Merden biefe denn mit 


5490 . VIE Abh. Bergleihung 


Schatten, bem wir ängftlid; nachjagen, ohne ihn 
in unfere Gewalt zu befommen. Die innere Zu 
friedenheit entfteht bey Menfchen nidye von Gelb 
and Ehre an ſich; fondern von bem Bewußtſeyn 
ber Weisheit und Tugend, womit fie beydes er 
worben haben und gebrauchen. 

Es erhellet alfo auf alle Weife, daß ber Menſch, 
nach feiner Natur, viel mehreres zu feiner Glid. 
feligfeit brauche, als basjenige, mas die Thiere, 
nad) ihrer Art, völlig glücklich mache. Es erhel⸗ 
let; daß er, zur Erhaltung menſchlicher Glüdfe 
ligfeit, auch diejenigen Kräfte anwenden müfe, 
die ihn von den Thieren unterfcheiden. Hat er 
nicht höhere und gleich rege Kräfte des Verſtandes, 
bes Witzes und der Vernunft ? . Hat er nicht Ems 
pfindung von Ordnung, Proportion, Vollkom⸗ 
menheit, Schönheie , Abficht Der Natur und 
Kunft ? Fuͤhlet er nicht einen wißbegierigen Drang, 
Die Befchaffenheit, das Wefen, die Eigenfchaften, 
Die Urſachen und MWirfungen der Dinge zu erfor. 
fhen ? Merket er nicht einen Reiz, fich felbit, feine 
Natur, fein denfendes Wefen, feine Gemuͤths⸗ 
Präfte und $eidenfchaften, feinen Urfprung, und 
den Grund feiner Zufriedenheit, Zuverſicht und 
Hoffnung fennen zu lernen ? Finder er niche Luft 
an anderer Menfchen Weisheit, Klugbeit, Vor⸗ 
fihr, Arbeitſamkeit, Dienttfertigkeie, Billigkeit, 
Siebe, Freundfchaft, Treue, Güte, Großmuth 





und allen Tugenden ? Treibt ihn nicht Bewunde | 


rung, niche Eiferfuche, nicht Eigenliebe, nicht 
felbit Die Muße, daß er, zur Erhaltung einer menſch 
lichen Vollkommenheit und Zufriedenheit, und zu 

der 





% # 
- 
I 


. der Menſchen mit den Thieren. 341 


Ber Bieforberung des gemeinen Beſtens, Luſt Bat, 
ſich mit nüßlichen Verrichtungen und Uebungen zu 
befhäfftigen? Gewiß, mer fich diefe edlere Em- 
pſindung verfager, oder deren Geſchmack erſticket 
und verberbet; wer Das rege ‘Bemühen der menfch- 
fichen Naturkraͤfte mit bloßer Sinnlichkeit übertäu« 
ben und unterbrücden will; der muß nothwendig 
den Mangel der eigenthümlichen Vollkommenheit 
und Gluͤckſeligkeit, und das unruhige Verlangen 
feines umterbrückten Adels , in verdrieglicher langer 
Welle, in Unzufriedenheit mit fich felbft, in 
Scham, Reue und Furcht über feine Unwiſſen⸗ 
beit, Ungewißheit, Niederträchtigkeit und Unart, 
oft und bitter empfinden. Es find felbft, gewiſſe 
DBeichäfftigungen des Geiftes für uns nicht männ. 
lich genug, fondern als bloße kindiſche Tändeleyen 
anzufehen, Damit wir uns nur um unfere Zeit brin- 
gen, und unfer Leben für Nichts verfchleigen. 
Was uns und andern nicht wahren Nußen fchaffer, 
was zur Morhdurft, zum Wohlitande, und zur 
Sequemlichkeit nichts hilft, was den Verſtand 
siche mit Erkenntniß wichtiger Wahrheiten, den 
Willen nicht mit Tugend, $iebe, Zuverficht und 
Seffnung erfüller, das thut alles der menfthlichen 
Natur Leine Genüge. Der Menſch kann alfo 
nicht fo leicht, noch auf dieſelbe Weife, als die Thies 
ze, zufrieden und gluͤcklich werben. | 


6 II 


Ich will nur noch den dritten Vortheil ber 
Thiere, in Abficht auf die ihnen beſtimmte Gluͤck⸗ 
feligfeie, Hinzufügen, daß fie wegen des Zufünfti» 


s2 .Viü Abh. Vergleichung 


gen ganz unbekuͤmmert ſind; dagegen der Menſch, 
wenn er gleich gegenwaͤrtig alles hat, mas er ven 
langen kann, durch fein Vorausdenken oft beun 
ruhiget wird, und darüber auch den Genuß bes 
Gegenmwärtigen verliert. 

Es ſcheint nämlich aus allen Umftänben der 
Thiere, daß fie Feine Fähigkeit Haben, ſich ihren 
- und anderer Dinge zukünftigen Zuftand vorzuſtel⸗ 
en. Eine gegenwärtige Empfindung erinnert fie 
Der Mothburft ihrer Matur, und die angeborene 
Fertigkeit weiſt fie zurechte, mas fie baben zu thun 
haben. Sie hun das mit Luſt, erhalten was fie 
nöthig haben, genießen es mit Vergnügen, und 
find zufrieden. Der morgende Tag fömmt nicht 
in ihre Gedanken, fie willen von feinem Kummer, 
Sorgen und Furcht, wegen ihres entferneten 
Schickſales. Selbft der Tod überrafher fie, ohne 
Daß fie ihm vorher geſehen, und fich über das 
bevorfichende Ende ihres Lebens jemals betrübt 

en. 

Der Menſch aber kann feine Vorftellung nicht 
bloß mit dem Gegenmwärtigen befchränfen: er muf, 
er foll voraus denken. Seine Vernunft weift 
ihm, in der Vergleichung des DBergangenen mit 
Dem Gegenmwärtigen, bas Zufünftige, menigftens 
als möglih. Er überleget die Schidfale, Die ihm 
auf feiner ferneren Lebensbahn bevorftehen ober bes 
gegnen fönnen : er machet Anfchläge auf fein Fünf 
tiges Gluͤck, ſinnt auf Mittel, und wendet alle 
Vorfiht an, die Hinderniffe ‚aus dem Wege zu 
eäumen. Dennoch fann er den Lauf der Dinge 
nicht klar überfehen : fein Weg ift ihm in der Fer⸗ 

ne 





der Menſchen mit den Thieren 343 


ı mit einem undurchfichtigen Nebel verhuͤllet. 
offnung und Furcht begleiten ihn zu beyden Sei⸗ 
a; Freube und Leid fcheinen feiner zum voraus zu 
arten. Wenn er auch feinen vorgefegten Zweck 
ch Wunſche erreichet hat, fo gehen ſchon feine 
jegierben weiter voraus, und erſtrecken ſich ins 
nenbliche. Bey allem dieſen unerſaͤttlichen Be⸗ 
üben, nad) einer ungewiſſen Gluͤckſeligkeit, die 
ſt kommen foll, eilet ve einem ungermeiblichen 
ode wiſſentlich entgeg 

Kurz, es iſt eines Teiles wider der Menſchen 
datur, nicht voraus denken, andern Theiles aber, 
je möglichen Unpſaͤlle ohne Sorgen, und den ges 
iſſen Tod ohne Gemütpsbersegung zu erwarten. . 
Yaraus folget, bag wir, mit aller unferer weit ſe⸗ 
enden Vernunft, viel unglüclicher feyn würben, 
Is das Vieh, wenn wir nicht Weisheit und Tu 
end Damit erwerben, welche allein unfer bleiben, 
ud ein beftändiges Vergnügen verfprechen Fönnen; 
nd wenn wir nicht jo mweit damit fommen, daß 
Yu einen weiſen, güfigen, mächtigen Schöpfer 
nd Regierer der Welt erkennen, in deffen Worfes 
ung und Obhut wir gut vermahret find, und der 

sıs eben durch dieſe natürliche Borftellun und 
Begietde des zufünftigen Guten zu ber Hoffnung 
ab zum DBeftreben nach einer dauerhaften, und 
— * Gluͤckſeligkeit hat ermuntern wollen. 


S m 


Wir ſehen vornehmlich aus obigen, daß die 
Menfchen durch den Mangel derjenigen Vorzüge, 
yelche Den Thieren zugeftanden find, zum Br 









544 1 VI Abh. Wergleichuing +." 
he ihrer Vernunft gendthiget werben. ı 
mm im Gegentheile.erweislich ift, baffiesall 
‘Vorzüge vor den .Thieren dem. Gebrau 
Vernunft zu danken haben: ſo iſt auch 
daß ſelbſt ihre Mangel zu einem M q 
Vorzüge angervandt fen. · Da aber 

Der durch die. Natur-bey ben ‚Leben 

‚ober entſtehen kann, und beſonders a 

Naturkraͤſte, als eine göttliche Abfiche 
‚werden muß : fo ift es auch göttliche Abfid 
die Menſchen ifre Vernunft gebrauchen, 
ur gu ihrem eigentpümlichen Worzügen gelangen 

en. . 

Meil nämlich die Menfchen von Natur nicht 
allein in gleicher Nothdurft des Leiblichen, for 
bern noch in einer weit größeren, als die Thiere, 
ftehen ; dabey aber, nicht wie jene, mit angebot 
nen Rertigfeiten, fendern ganz roh und unwiſſend 
auf die Welt fommen : fo find fie durch die hoͤchſte 
Beduͤrfniß gezwungen worden, ihre vorzüglich 
Kraft der Vernunft zur Abhelfung ihres Ma 
gels anzuwenden. ie haben fich alfo aus Trieb 
zur Forepflanzung, aus Bebürfniß, Furcht und 
Mitleid zufammen gefellet, und eine willkuͤhrliche 
Zeichenfunft der Wörter, oder eine Sprahe. 
fonnen, damit fie einander-ihre Gedanfen und ihr 
Anliegen fund thun möchten. Sie, haben den 
Erdboden und die Narur durchforfchet,, was 
ter Nahrung, Kleidung, Wohnung und 
zeugen dienen Fonnte. Giehaben eine Handwerls⸗ 
Funft nach der andern, zu mehrerer Bequemlichfel, 
aufgebracht und verbeſſert. Sie mufigen | 
























mMenfchen weit deu Thieren. 545 
Sterne achten; up den Landbau nach den 
iten, und ihre Reiſen nach der Weltge⸗ 
rien. - Zur der 





Gewalt, 

genugſamen Vorrathe ber Mittel eines 
n Sehens, eine ordentliche Oeſellſchaft; 
ste Staͤdte, ſetzete Regenten, orbuerp - 
Je mehr nun die Menſchen ihre leibliche 
fe geftillet, und ihre Bernunft dabey geüs 
1, deſto mehr fiengen fie an, ihre aueneh⸗ 
eeftanbeskraft zu fühlen ‚ und Die vorzuͤg⸗ 
aͤckſeligkeit, welche ihnen dadurch offen 
nen bie höchfindchige 
t und Kunft nanirlich und erblich geweſen, 
ven Thieren, fo hätten fie zu einer mehre⸗ 
bäheren Vollfommenpeit weber Faͤhigkeit 
a gehabt. So aber dringt uns unſer nas 
Mangel an niedrigern Bolllommenpeiten, _ 
dleſem durch eigenes Vermögen abheifen 
wad da Diefes nicht anders, als durch 
Vernunft, Erkenntniß, Wiſſenſchaft 
eit, gefehehen kann : fo werden wie 
6 unfere Unvollfonmenheit auf den Weg 
ehren Ballon eühre. top 


hauptfaͤchlichſten B 
ven betrachten, welche: uns, fo ferne win 
uke der Natur folgen, und menſchlich ſeya 
werden. 


mm X 











»ĩ 


gnügens fchaffen, theils 
anſchaͤdliche Belt, ſchaͤrfen und 


Es iſt wahr, d die Zhiere kennen ie tiert Ihes Bi 


Re von Natur, und zwar: bie: meiften ;; ae 
‚ Wbelnt, durch den :blogen Geruch. ‚Allein, daren 
get duch ; daß Ihnen gemeiniglich wir eind g 

t, gut ſchmecket, und angenehm. zu fehen A 
alles übrige aber entweder gleichgültig, ober wahl 


gar zuwider ſeyn muß. ie verfuchen auch suchte . 


neues zu Foften, ober es durch eine Bereitung ps 
verändern, ©o iſt auch ihre übrige Luft fehr'eim 
geſchraͤnkt. Ihr Gehoͤr wird in ihrer natürlichen 
Wildheit, nur durch einen Ton oder eine Melodie, weh 
the fie felbft, oder welche ihre Gatten machen, - etw 
toͤtzet. Man fiehe nicht leicht, daß fie einem 
fremden Gefange, felten auch, daß fie der menſch⸗ 
lichen Muſik, Gehör geben oder nachlaufen. Eins 
Sprache zu verſtehen, find fie vollends ungeſchickt, 
und ihr natürliches: Gefpräch mit einander beſteht 
bloß darinn, daß fie füh ein paar Leidenſchaſten 
undeurlich fund machen. Fox Gefiche ‚bar keine 
Empfindung von Mannichfaltigkeit, Figur, Aehn⸗ 
lichkeit, Proportion, Mifchung ber ‚re 
nung, Uebereinftimmung , Sie fehen 
ohne Nachdenken, büfter und wilb * Sie Weit 

binein. Ihre Bequemlichkeit, welkgfie 87* 
6 os a“ 

















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der Menfchen mit den Thieren. 547 


weiten wiſſen, iſt auch nur für bie hoͤchſte 
dothdurft. 


Der Menſch hingegen ſpuͤret eine mannichfal⸗ 
ge Annehmlichkeit im Geruche, auch von Dingen, 
e feine Nahrung nicht find; und feine Gefchick- 
hfeit weis Die mohlriechenden Kräuter, Blu⸗ 
en, Gewürze, Pflanzen, aus Feldern und fernen 
inden, in den engen Umfreis feines Gartens, fele 
es Haufes und feiner Stube zu bringen, ja felbft 
en Winter fich in feinen vier Mauern zum blühen: 
em Frühlinge zu machen. Unſer Geſchmack ift 
icht.an eins oder wenige Speiſen und Getränfe 
ebunden. Ich brauche faft niemanden zu jagen, 
welchen ungemeinen Wechfel an Speifen. und Ge. 
:änfe aus allen Elementen und Gegenden des 
rdbodens unfere Tifche darbiethen und wie ſchmack⸗ 
aft fie durch wißige Bereitung gemachet werden, 
eben fo wenig iſt es noͤthig, zu zeigen, zu welcher 
Bequemlichfeit endlich unfere Wohnungen, Haus⸗ 
eräthe, Werkzeuge, Kleidung und Fuhrwerke, 
urch Kunft gebracht find °. Ich muß vielmehr 
rinnern, daß diefe mannichfaltige Ergögung un. 
dlerer Sinne nur den geringfien Theil der menſch⸗ 
ichen Vorzüge vor den Thieren ausmachet. 


Mm a Ein 


3 Siehe auch eine artige Stelle des Herrn Zinnäus, 
‚aus feinen Amcanitatibus, in dem allgemeinen Ma⸗ 
in II IH. p- 333. fq. wie bie Vernunft den Mans 
— — koͤrperlichen Beſchaffenheit uͤberſchweng⸗ 

112 ' " 





548 - VIEW. Wergleiheng -: 
VEin gleiches iſt auch alsdenn ‚von ben wielerle.. 
. — gen edlerer Sinne, des Oehoͤres, mit al 

Duft und Reben, des Gefichts, mit tat: 
‘fend veränderten Gegenftänden der Natur und 
B en zu fügen, wenn dieſe Dinge ohne Ver, 
empfunden werden, und tur dienen, umfere 
“ Bei Ben zu vertreiben; ober Bee une 
vertänden. Ein “Unverflänbiger empfin, 
De alles nur mit umpfen und betäukten Ginnen, 
und geniefit Des —— Vor ʒuges in der Man, 
ichfaltigkeit um fa weniger, als er es a 





digen Genuß, bis zur gähnenden Unempfmdli 
keit, treibt. Die Vernunft muß den Genuß, 
der Nothdurft und nach der Erfihöpfung unferer 
$eibes » und Gemüchsfräfte, einſchranken, mern er 

ans Herz kommen; und der Geift muß gleich 
aus diejen finnlichen Dingen durch fein Daten 
Nahrung zu siegen wiſſen/ wenn die Suft gefchär 
fee und erhoͤhet werben fol. 

Wer bendes kann, der wird ohne den gehäuf: 
ten und beftändigen Ueberfluß fünnlicher Annehm 
lichkeiten, und des dazu gehörigen KReichthums, 
nicht allein mehrere, fondeen auch meit fäber, | ' 
gärtere, feinere $uft, auf eine wohlfeile Art, ge 
nießen, als ein Wollüftiger bey unverftänbiger Un, : 
maͤßigkeit. Ein Armer hat oft an einem einzigen 
Mofenftöcichen, das er nach feinen Gefchäfften felr | | 

ber pflegt, und jebes Blatt und jeden Knofpen, 
mit voller Erwartung, und Achtfamfeie auf Bis 
‚bung, Farbe und Geruch, aufbrechen fießt, mehr 
Freude, als ein —— an feinem ganzen Garten, 
def | 





der Menfihen mit den Thieren. 549 


| überpin fiehe, und mit 
——— ——— ab mi 


—** und —— un einem vernuͤnfti⸗ 










Leckereyen, 
— „ ober mit Schmeichlern befegten Tafel, 
Wetuedhin Finnen, Ein verſtaͤndig Ohr hoͤret in der 
ganz was anders, als ein ungefchliffenes, 
u⸗ die —— Zärtlichkeit, Sertigbeit, Abe 
und Uebereinflimmung ber Töne, bie 
2— —* des verſchiedenen ‚Ganges und 
ur Weiodle, den natürlich rührenden Ausdruck 
ss Gebichtes, durch den Geſang, nicht unterfchels 
eh ind beurtheilen kann. Sehet ein hochgräflich 
a mit lebigem Kopfe und. m Ä 
das nebfi einem Hofmeiſter, von feinem 
Befihmade und wahrer Menſchlichkeit, auf Reifen 
ker 
e und e 
mb Rrbuter; fie.befchauen Sirten, Tempel, Pals 
Ike, Qildfäulen, Gemaͤhlde: fie befaten Natur 
u KRunftcabinette, ——— o⸗ 
Ion, Sife, Oeflfhaften, Dale , Mosfecoden, 
Sle fehen und Hören dennoch beybeniche 
, noch mit gleicher Luſt, Reiz, Ste 
Ber Geſchmack: das wahre Schoͤne ift allein dem 
venöuftigen Auge fühebar. | 


$ 1% 


Der wweyte © Ger Menſchen beſtehe in 
ei Vergnügen —— an den Schoͤu⸗ 
Mm: heiten 
























nn u —— Ri Is 
. 50 Vll Abh.  Wergickhung ra 
en der Natur und Km, an Wehe 
Ifenfehaft, a an fe un: Leberführenig, af 
Seſcichten und Erfahrungen ‚ an Geſpraͤche umb, 
Witze. Wir Menſchen findes allein auf dem Ei 
boden, weiche Faͤbigkeit und Begierde haben, die 
Becſchaffenheit und die Urſachen ber 2 
ſorſchen umb von uns: ſeiiſe und der 
mb lebiofen Det, | bis. zu dee 


Veſache, bismu de 
Wefen, von —* alles —S —* 
“mb von dieſem Erkenntniſſe Luſt zu —— 
ſes Vergnügen iſt den Thieren voͤllig unhewa 
Der ſinnliche Kitzel hat gar keinen Antheil Darm, 
Dennoch bat es viele ungemeine Vorzuͤge vor aller 
finnlichen Luſt, und giebt dem menſchlichen Geiſte 
theils rechte Nahrung und Staͤrke, theils edlere 
unſchuldige Wolluſt. Wir koͤnnen es aus der Ver⸗ 
gleichung ſehen. 

Der Genuß finnlicher Dinge hat ein enges 
Maag, und weiter begleitet ihn die Luſt nicht, 
Die Süßigkele und Begierde nimmt ab, höret auf; 
Die Nerven wollen nicht weiter angeffrengt fen; 
die Natur erfordert nichts weiter; man wird ſatt 
und unempfindlihd. Erfenneniß aber fann bie 
Seele immer mehr vertragen; und je mehr fie et 
Balten hat, zu befto mehreren wird fie An and 
begierig; Die fuft Daran nimmt nicht ab R jonbern | 

waͤchſt ohne Aufhoͤren. | 
Man fann auch ber fi nulichen Luſt leicht une | 
vermerket zu viel thun, und ſich durch ihren Reiz, 
zu unferm Schaden, auf mehreriey Weife verleiten 
an , bie Gehmogei und Kräfte: — 















der Menſchen nit den Thieren.. 551 


Bepiftand und Ehre Fränfen, Schmerz, Untufl, 
eue und. Scham auf ſich laden. Aber wer kann 
um wahren Exfenntniffe fagen, es iſt zu viel, es 
:unmäßig, es ſchadet? Vielmehr machet es ung 
mer volllommener, und gereuet uns nimmer, 

Die Sinne und Kräfte des feibes werden na 
rlicher. Weife mit dem Alter matt umd ftumpf, 
e £ufbwerläßt ung, wenn wir fie gleich nicht ver⸗ 
ſſen; mir werben .alebenn bes Lebens müde, und 
r ganze Förperliche Welt kann uns nacht mehr er⸗ 
mern, Wenn aber nur bie Werkzeuge bes Den⸗ 
as ungekraͤnkt bleiben, fo wird ber Geiſt immer 
irker an Erfahrung, Einfi che, Wiflenfchaft, Weis. 
it; das Vergnügen an Wahrheiten, und bas 
erlangen nach Erfenntniß begleitet uns bis an 
n Tod, ja es erſtrecket ſich weit über das Ziel un⸗ 
8 tebens und jegigen Vermoͤgens. 

Die finnliche Luſt ift mit dem Augenblicke des 
mufles vorüber, die Erinnerung berfelben iſt ein 
Her Schatten und Traum; die Stärkung, welche 
» Körper davon befommen hatte, verſchwindet 
eder. Allein, Erkenneniß und Wiſſenſchaft 
iben, fo lange wir leben, in uns und in unferer 
acht; fie werben zum Eigenthum, und zur dauer⸗ 
ten Beſchaffenheit und Vollkommenheit der 
rele; wir koͤnnen fie, fo oft wir wollen, uͤberden⸗ 
und das Vergnuͤgen daran iſt bey der Erin⸗ 
ung fo lebhaft, als ba. wirs zuerſt empfunden; 
wei weil wir nicht leicht unfern Vorrath von 
* uͤberſehen koͤnnen, daß er nicht mit 

ſicht frucrben rom vi 








- flandes, Das aus ber Quelle aller 





| —8* —— pe "Wehen „it: bi 
or — 
Wenn wir —e das Ertennriß en 

und feinen weiſeſten und gütigften Abfichrun in dem 
Zuſammenhange der YBelt, ıntb deſſen Einſtuß in 
unſere Zufriedenheit und Brenbigung, mit den: 
fnntichen aſten in Vergleichung (teilen melktkn : fo 
würben wir dem Bergnügen des nenfihlichen Red 




















entfpringe, das affergeöfßte Uebergewiche, gegen 
alle Empfindung, bie wir mit den Tieren gemein 
, geben koͤnnen, Allein, diefe Betradeung 
ift zu meitläuftig, als da le in wenig Zdwerek, 
nach Würden, follte koͤnnen erfläret werben. - 8 
babe etwas davon Im Vorberichte erwaͤhnet; ub 
muß mir eine weitere Abhandiung dieſer Masırk 
zum Beſchluſſe dieſes Buches vorbehalten. 
Ich weis uͤbrigens wohl, daß nice alle im 
fihen Gelehrte ſeyn Finnen, noch daß alle Gelehrte 
zu boͤheren Wiſſenſchaften oder — 












4 


—— tan —* als ** 
benbadhten, 


‚ Policy 
Ri; Zabeiten, Künftlee, Kabinetter, in Bere. 
ung. des Aderbaues, ber Viehſucht mb Gaͤrt⸗ 
v in. Beobachtung von fo mancherley Thieren 
Minze, jaber ganzen Natur, und ber darinn 
nienchtenben Weisheit, Abficht und Guͤte des 
efers: Daher ann es feinem Menfchen leicht 
Der Gelegenheit fehlen, daß er * 
‚womit wie 


8 theilhaftig mache, 
Men uns über Die viehifße und DIoß Furcht 


koͤnnen. 


Biig ſollte unfer —— und Anfuhrung 
m Schulen darnach eingerichtet werden, daß 


bey feiner —* Lebensart, doch einen 
mode an irgend einer Beſchaͤfftigung bes Ver⸗ 
es.befäme; wodurch er vor den nieberfrächti 










nfihen 
en L nach ihrer Art Verfuche und Bernunfes 
Mms . fie 





: | Verſtand und Wis fehärfen, und ihr —8 


vermehren koͤnnen. Nichts aber iſt fuͤr alle und 
jede begreiflicher, nüglicher und angenehmer, als: 
was zur Betrachtung der Weisheit und Guͤte des 
Schoͤpfers in feinen Werfen, und zu unſerer Sitt. 
lichkeit und Gluͤckſeligkeit gehoͤret. Wie — 
nicht, denen ihr Stand und Reichthum einen fo 
leeren Raum bes Lebens läßt, daß fie ihn unmoͤg⸗ 
lich auf eine angenehme Weiſe mit lauter gewoͤhn 
ren Kleinigkeiten ausfüllen koͤnnen, - fondern ww 
ſelbſt zur Saft werben, weil fie nichts größeres vor⸗ 
_ zunehmen, ober etwas zu denken und zu leſen Luſt 
Haben ? Die fühlen alsdenn, zu ihrem Werdruſſe, 
daß fie. dem Bemühen ihrer regen Naturkraͤfte ent⸗ 
gegen handeln, und fich des wahren menfchlichen: 
Vergnuͤgens berauben. 
u Die Gelehrten haben vor andern an ber Ber 
lfgung des Berlandes und Wiges. Anforud, 








I) 


der Menſchen mit den Tieren. 595 


ds finden darin eine innere eigentGämfiche Bes 
bwung ihrer Veſchoͤfftigung. Aber man muß 
m ihnen nicht nach derer Benfpiele urtheilen, bie 
ve Wiffenfchaft, ohne Geſchmack und Nutzan⸗ 
eabung, banbmwerfsmäßig, und nur um bes. 
Ipobtes willen, ‚treiben, oder ſich bloß am Rande 
* aufhalten, und nichts, als bie Huͤlſen, 
rebe von foldyen, die ing Innere ges 
‚ und das wahre Schöne und Mahr- 
* ſchmecken, das den wißbeaierigen 
erfand nicht minder ſaͤttigt als vergnuͤget, und 
Demuͤth Durch Einſicht der Dolllommenhelt 
æ Dinge zu, ſeiner eigenen Vollkommenheit bildet, 
Reſe, ſage ich, haben des erwaͤhnten Vorzuges ver 
me. Thieren, und vor deren bloß ſinnlichen Luſt, 
wgüglich zu genießen. Gewiß, wenn nicht bas 
Jergnuͤgen an der Einſicht nüßlicher Wahrheiten, 
u.fich felbft, flärfer und erquictender wäre, alß - 
Be finnliche Ergöslichfeiten feyn koͤnnen: fo wuͤr⸗ 
om miche Leute, Die beydes geprüft und erfahren, 
nd eines ſowohl ats bas anbere zu wählen, Faͤhig⸗ 
eit / Mittel und Gelegenheit genug haben, frei 
ke ber Unterſuchung von Wahrheiten nachhäns 
ei, und alle andere fogenannte Luſtbarkeiten bes 
awna Haufens dagegen geringe achten. 


Br S 

S ‚Der. dritte Vorzug der Menfchen entfpringe 
us.bem vorigen. : Das vernünftige Erkenntniß 
Dottes,. ‚ber. Welt, und unferer eigenen Natur, 
debt ein vernünftig Vergnügen .des Willens, 
2 fremder WVolllommenheit reed als 6 unſerer 
Igenen. . | 
4 Ein 




















- a A 
. 
ı 
. 


L Vn aAbh. Sergeichez 


Ein Thier genießt zwor, nach feiner Art 








‚ ber ihm, von innern und aͤuſſeren 
Se 
Reine Eiafcht ober Ernpfubung Davos . 
jedes iſt für ſich in ſeinen kaͤrperlichen 

ı Sehen, zur Empfindung 
und baben mit 


‚nötigen and Bereigfe 
verfehen : aber feines the, ſeine eigene Ü 
kommenheit, die im Baus des Körpers aber iq 
‚Kräften der Seele liegt, zu erkennen, ober. bu 
$uft zu haben. Die Mennichfaitigfeit,, Ordn 
und Uebereinſtimmung der aͤußeren Dinge 
gleichfalls fuͤr die Thiere was unſichtbares, 
dringt ihnen daher auch nicht ans Herz. 
ie, Runft und Abfiche in der Natur 
ret fie nicht; geſchweige, daß fie fich zu Dem Alı 
de und zu der Quelle aller Vollfommenbeiten e 
- ben fönnten, oder von den Reize der Tugend et 
wüßten. 

Der Menſch allein fieht und empfindet 
Geiſtige in dem Irdiſchen. Es ift nicht ber K 
unferer finnlichen Gliedmaßen von einer lebl 

" Materie, fondern eine eigenthümliche Faͤbigkeit 

heren Seelenkraͤfte, durch welche wir die &d 

heit, Kunft, Vollkommenheit und Abficht im 

Dingen wahrnehmen, bewundern, abbilden, 

. in dem anſchauenden Erfenntniffe derfeiben $uft 

nießen. Unſer Verſtand ift es, ber den Berl 
und die gute Mennung in ben 

Natur einſieht, der darinn die Regeln aller 9 





| „Dr Beten vn Shin a6 


Weisheit‘ und Gluͤckſeligkeit fie, P 

I Anni der hoͤchſten Vernunft und 2 
vollkommenſten Urheber erkennet. Dieſe 
ahcht aber reizet, ruͤhret und ergöget das Ge 
eb,. auf eine Weiſe, die allen groben’ Kigel ber 
nme überfleigt. Diefe nähret, ftärfet und er⸗ 
der ben Geil, fo ferne er fich von dem Körper 
MDiefe allein beruhiget die menſchli⸗ 

, und thut dem ebleren Berlangen unfe 

Genage. 
rWenn uns duch andere Menſchen ein Bitd der 
Mlöanmenheit werden, ſo empfinden wir an ih⸗ 
Bekanntſchaft und ihrem Umgange ein Ver⸗ 
kauen, davon die Thiere nichts wiſſen. 

fehrung, Witienfhaft, Kunft, ihre Gemuͤths⸗ 
den ‚ihrgn ter Geſchmack und ihre Geſchicklichkeit, 
inbei Vorſicht, Maͤßigkeic, ihre Ehrlichkeit, 

mie, Siebe, Freundſchaft, Dienſtfertigkeit, 

mebarkeit, Sanftmuth, Billigkeit, Gerehtig- 
t, und übrige Tugenden, nehmen uns das Herz 
neh einen füßen Zug der Liebe ein; und ber La⸗ 
Höftefte ſelbſt ann fich der Hochachtung und 
wfurcht gegen ſolche Gemuͤthsvoll tommenheiten 


BRichr aber iſt uns naͤher, als wir uns ſelbſt 
de Und wenn wir menſchlich handeln, fo wer⸗ 
wir unſern Verftand und Willen, nicht allein 
5 den Volllommenheigen anderer Menſchen, 
dern Hauptfächlich nach dem goͤttlichen Urbilde, 
u Hach Den Regeln und Abfichten, die Gott in 
"Sätur ausgebruckt hat, bilder ; Damit wir zu 
em Beſitze wahrer Wollfommenpeir gelangen, 

! | W 










558 VIl Abh. Wergleihung - 


und mithin gegruͤndete Urſache haben, ung an um , 
ferer eigenen Vollkommenheit zu vergnügen. Kei 
ne Vorſtellung fann ung angenehmer ſeyn, als die 
uns felbit in unfern Augen ſchoͤn abmahlet, und 
feine Luſt iſt dauerhafter, als melche nicht aus ber - 
Einbildung, fondern aus der. unwandelbaren Em 
pfindung wirklicher Vorzüge, inſonderheit der See 
le, und die wir ung felbft erworben haben, ent 


ſteht. | 


Zwar find uns auch unfere Natur. und Gluͤcks 
gaben angenehm. Wir freuen uns über die gute 
Bildung, Gefundheit, Stärke, Hurtigfeie des 
Körpers; über die Fähigkeit und Schärfe der Sin 
ne, der Einbildungsfraft, des Gebächtniffes, des 
Witzes und der Vernunft ; über unfer Gefchlect, 
Stand, Vermwandfchaft, Mittel; Bequemlichkeit, 
Ehre. Aber nichts fhmeichelt uns auf eine füßere 
Weiſe, als was wir zugleich unferem eigenen Be 
mühen zu danken haben, und mas mir dadurd 
vornehmlich unferm Berftande und "Willen zu eigen 
gemachet. Wenn wir ung durch fleißiges Geſpraͤch, 
Beobachtung, Verſuche, $efen, Nachdenken, Er- 
finden, eine ausnehmende Einfiht, Kunft, Wife 
fenfchaft und Klugheit erworben ; wenn wir unfes 
re Neigung zu liebreichen, reinen, ebelen Abfich« 
ten gelenfet und geroöhner haben; wenn mir ung 
Der Bollziehung unferer Pflichten, nüglicher Ber 
müßungen, und rühmlicher Berrichtungen bemußt 
find; wenn wir unfer Gemüth durch eine heitere 
Zufriedenheit, getroften Much, und zuverfichtliche 
Hoffnung aufgefläret haben : dann genießen mir 

einer 






der Menſchen init den Chieren. 89 
ae a een Eu, Die ne 





‚ wenn fein göfte 
Me aha ge 

















ar Gemäths: ——— ven nem, 
rer Kon mie Unruhe und Del i hard 





* andern viele Einfalt, t, Irr⸗ 
—— vBoeheir, und das erfiller fein 
und 8* et wirb nimmer 
22 ga geliebet, erheben, und das 
mit Berbruffe, Zorne und Rache. Er 
no wohl gar, "mit. allem feinen Wige 
Umollkom in der Na⸗ 

* entdeden , "die Borfepung zu meiftern, Bote 
el hinauszubenfen, und fe ich einem blin⸗ 
‚ ober einem wilden Ungefähr , one 

— mb Ooffnumg, zu übergeben, Kurz, alle 
ine; Oeſchicllichteit dienet ihm. nur, fich misver⸗ 
ng uud unglixtlich zu machen; ‚mie dem Gele 
umfehn Beid, * weniger zu gebrauchen, 
demer zu leben. Die Vollkommenheit 

fehlet beyben, als weiche unferm Bet» 
den turen Ausfhlag geben „ ne 


560 Vn bh. Wergleichung. 


übrige Wortheile ans Herz bringen muß. 
Menfch ift vornehmlich zur vernünftigen Zufei 
heit und Siebe geboren. Ye mehr er ſeim 
onberer Dinge Vollkommenheit erfenner, ſi 
 Heber, genießt, fo, wie es bie Verknuͤpfu 
der Welt mit fich bringer,, defto gluͤcklicher ü 
Und er fann es in feiner Maße weit über alle: 
te ſeyn, wenn er nur feinen Willen. nach bem: 
wözu ihn die Vorficht des Schöpfers in ber 
beſtimmet hat, richtet. . 
. | $ 16 


Es ift noch ein wichtiger Vorzug übrig, 
uns Menfhen von den Thieren fehr unterſch 
Alle Thiere erreichen zwar durd; ihre Sinne 
Triebe, ohne Fehl, eine geroiffe Art, und 
geriffen Grad der Vollkommenheit, und da 
fließende $uft und Gluͤckſeligkeit; aber fie bi 
auch immerfort in einerley unbeweglichen Sd 
fen ftehen, und koͤnnen nicht ein Haarbreit n 
fommen. Ein Vogel einer Art bauet fein 
nicht anders, nicht fünftiicher,, feſter, bequi 
wie der andere; und die neue Vogelwelt ift dx 
nicht das geringfte Flüger gemorden, als ihre ® 
teen. Die Spinnen meben noch ihr Meg 
der alten Weiſe, die vor vielen taufend Jahr 
ihrem Gefchlechte gegolten. Der Gefang 

Nachtigallen bleibt, wie er zu Adams Zeita 
wefen. Die Regierungs: und Haushaltungs! 
Der Bienen folget den Regeln unverändert, w 
lets ihr Gluͤck gemachet. Mit einem Worte, 
Ihier, und feine Thierart kann an Wolllom 





der Menfchen mit den Thieren. 561 


pmebmen; fie find gleich, one ihre Bemühen, 
vollfommen, als fie werden koͤnnen und follen : 
is befteht aber alles im Sinnlichen. Sie willen 
son Peiner höheren Bollfommenheit, als bie ihnen 
angeerbt ift; fie haben feine Fähigkeit zu einer 
größeren, und alfo auch fein Verlangen oder Bes 
muͤhen, ſich und ihren Zuftand zu beſſern. 
Der Menſch hingegen fömmt mit feiner be 
Rimmsen Fertigkeit und Kunft auf die Welt : 
bat aber eine unbeſchraͤnkte Faͤhigkeit des Berflan. 
des, und Begierde des Willens, zu einer immer 
Vollkommenheit, und eine vernünftige 
beit des Willens, daß er die beiten Mittel 
em Zwecke waͤ blen kann. Daher iſt der 
—* unter allen Siem bes Erbbodens der ein« 
Hge, ber in feinem Gefchlechte vollfommener 
wird, und werben kann, als feine Vorfahren, und 
ols er felbft anfangs gewefen. Die heutige Art, 
Biennichfaltigfeit und Menge finnlicher Ergöglich- 
keiten und Bequemlichkeit übertrifft ohne Zweifel 
nicht allein die erfte rauhe, fondern auch die alte 
und mittlere gefittete Lebensart. Die Künfte, 
Handlung, Schiffahrt fteigen von Tage zu Tage. 
Die Wifienichaften, und infonderheit das Erkennt 
niß der Weltweisheit ‚ Meßkunft, Naturgefchich« 
se, Verſuche, Beobachtungen und Naturlehre, 
werben immer höher getrieben. Regiment, Poli. 
con, Kriegeskunſt find weit ficherer, billiger, vor» 
theilhafter, als vor Zeiten. 
Mur zweifelt man, ob die Menfchen audh i in 
gufen Bitten beffer geworden find. Sch wünfchte, 
a7 dazu fein erbebliche Grund märe, Die Ve 
glei⸗ 


s62 VII Abh. Vergleichung 


gleichung iſt etwas ſchwer. Doch duͤnket mid, 
Daß wenigſtens viele, vormals allgemeine, bi 

riſche Gewohnheiten und unmenſchliche Laſter, theils 
durch einen beſſeren Geſchmack der Menſchen, theils 
durch weiſe Verordnungen und Geſetze, theils 
durch die geſaͤuberte Religion abgeſchaffet, und 
durchgehends verabſcheuet worden ſind. Es ſcheint 
nur auf einige Verordnungen bey der Erziehung 
der Jugend, und in ber Policy, anzukommen, 
daß den noch berrfchenden Laſtern vorjichtiger ges 


| 


| 


ſteuret, Hauptfächlich aber mehrere innere Sit 


lich£eit und wahre Tugend in die jungen Gemuͤther 
gepflanzet, und durch Gewohnheit und WBernunft 
beftäctiget werde °. Das 


6 Wenn die Menſchen überhaupt, fittlich, noch befler, 
und in fo ferne auch glucklicher und zufriedener wer 
den koͤnnen, als fie jego find, wie ich nicht zweifele: 
fo kann folches nicht fuglicher geicheben, als wenn 
der Grund dazu in zarter Jugend gelegt wird. 


Wenn ein Gemuͤth erft durch Nachlailigfeie ber 


ucht, böfe Benfpitle und Gemohnpeiten, vermil 
ert und verdorben ift, fo Eommen bernach alle ver 
nüunftige VBorftellungen und Geiege zu fpat. Der 
Verſtand erkennet vielleicht ihre Wahrbeit, und dad 


darinn liegende Gute; aber Ginnlichkeit, Afferren 


und Laſter find ſchon zu ſtark eingewurzelt, und ſie⸗ 
gen ob. Die Tugend ift allerdings der menſchli⸗ 
chen Natur gemaßer, als bie Lafter: Arbeitfamteit 
und Fleiß reimen fich eher zu den Bemühungen reger 


Kraͤfte, ald Müßiggang und Faulheit: es iſt natr⸗ 


lichen, aufrichtig zu fagen, was man denfet, wit 
auch Kinder thun, als genen feine end pre 
ben: Drdnung und lebereinftimmung, Liebe und 
Segenliebe, find und von Natur angenehmer, als 
Unordnung, Unvollfommenbeit, Haß und Zei 












| ⸗ 


Sr Bf mit den kn. 565. 


—— Geſchlecht iſt Überhaupt noch 
weit größeren: Velnemrenheit nicht alen 
daft. Auein, wir ſind wie die ebleren * 
a welchen eine ſchoͤne Frucht ſtecket; —*X 
* ae Erde and Buft gepflanger, gemartet 
Be de ef en, pie von allem Unfraute * 
kann, befreyet, und dazu ge⸗ 
* X seuliee iperben n men, ba ber der robe 
ge ur 
> ran und — menſchliche 
Erdreich, in welchem wir aufwa 
2* ti Erempel find dag — in 
MR, worunter alles Bute, was inund ift, ers 


, Die Sinnlichkeit iſt der rohe Saft in uns, 
Frucht ee t, wenn * 


* or zu dem Ei ne einige gute Büs 
Erziehung, für Aeltern. Aber wer lieft 
8 wer brauchet ſie? Ich weiß auch nicht, ob 
ein aus der inneren Natur der Menfcben - 
’ Al nd, daß fie eine gründliche Beflerung 
fönnten. Die wenigften Yeltern haben 
2 — — den Verſtand, o bie Sul, auf ih⸗ 
enaue Acht zu geben viele 
‚ihnen —— gar ſchlechte ofpiele 1 in 

und Reben, zur Ra — m u 
Bee daus Armuth nur über ihr robtan 
nder vermwildern, auf di oe 


34 Eu — 


— 


Ran 
3 a i 
ah 
— Hin issih, 





der Menfchen mit ven Thieren. 365 


lbſichten, weit gemaͤßer, als bie Safter. 

ein Zweifel iſt, daß die Nachwelt, durch das all« 
emeine narürliche Bemühen nach größerer Voll⸗ 
smmenheit, ung beydes in Sitten und Erkennt⸗ 
I8 noch weit übertreffen wird. . 

Wenn wir auf einzelne Menfchen fehen, fo aͤuſ⸗ 
ze fich der Unterſchied von dem übrigen Thieren 
uch bey jebem insbefondere. Ein jedes Thier 
Krb mit ber Vollkommenheit geboren, bie es je⸗ 
sals erhalten Fan: es kann fich felbft durch Wis, 
ſebung und Fleiß, nicht vollfommener machen: es 
infet und finnet auch nicht darauf, es weis von 
Auer Vorftellung eines Befferen, von feinem Hofe 
m, Wünfchen und Verlangen des Zufünftigen 
nd Möglichen. Aber ein jeder Menfch fuchet alles 
He volfommener zu werden; und fein Menfch ift 
uf dee. Welt, der in feinem $eben wirklich fo voll⸗ 
emmen wird, als er werben Pönnte und wollte, 
Aemand thut feinem Begriffe, Vermögen oder 
Berlangen, hierinn genug, wenn er auch alle Klug« 
eit und allen Fleiß anwendet. Er mag fo glüce 
ch, groß, mächtig, geliebt, geehrt und reich; fo 

Nu 3 gelehrt, 


ſeyn, wenn die ſchlechteren Koͤpfe zu gemei⸗ 
nen Soldaten erzogen wuͤrden. Die Koſten moͤch⸗ 
ten auch anfangs geringer ſeyn, als man glaubet, 
wenn nur ſo viel Land dazu eingeraͤumet wuͤrde, 
als die erſorderliche Unzabl, die das Land ſelbſt 
bearbeitet, mit Landkoſt napren kann. Mit der 
Zeit könnte eine ſolche Stiftung fo gar eintraglich 
und nusbar gemachet werden. Allein, hier iſt der. 
Baum gu enge, mich daruͤber umſtaͤndlicher zu er⸗ 


366 VIE OS. Vetalchteu 
gelehrt, Fünftlich, witig, weife, und Flug, 
&elmüthig, liebreic), fittfam und tugendpaft 
mie. er will: ſo hat ex doch noch eine Wort 
von einer weit größeren Stufe oder höhere 
der Volllommenheit, die er nicht befigt, det 
fh doch fähig Hält, Die er fich wünfchet, Darn 
Luſt hat, und ſtrebet. MWenigftens füchet er a 
bie. mehrere Bolltommenpeit in der ferneren & 
ung feines Sehens und guten Zuflandes, ſol 

als er. nur, voraus denfen ann. Kurz, di 

glerden bes Menfchen geben immer über Di 

geichte Ziel hinaus, und laufen ins Unendlich 

mag auf eine wahre oder bloß vermeynte Bol 
wenheit fallen: und Feine Zufriedenpeit der 
fehen it fo groß, daß fie (ich bie Sottfeguig 
Vermehrung der Gluͤckſeligkeit ver ſagete. 
$ ı% 

Wenn wie alles zufammen nehmen, wa 
obiger Vergleihung kann gefchloffen werben 
erhellet, 1) daß wir durch mehrere Bebürfnil 
licher Dinge, und durch gänzlichen Mangel. 
borener Fertigkeiten, von Natur, wie zur | 
ligkeit mit andern Menſchen, welche zum Gebt 
unferee Vernunft getrieben werden, ſowohl 
Benoͤthigte zu erhalten, als es zu unferm m 
Nugen anzumenden. 2) Daß wir aber, dur 
Etiltung der leiblichen Begierden, nad) u 
Natur, niche. fo gänzlich zufrieden und gli 
werben fönnen, als die Thiere; fondern 
Teils die finnliche Luſt durch die Wernunft 
gen, vervielfältigen, würzen, und zum Fe 





v8; ' 
. [} 
1 


der Menfchen mit den Thieren. 567 


hmacke bringen; andern Theils, nach unferm Ber. 
tanbe, Vergnügen am Erkenntniſſe der Wahrheit, 
ach dem Willen, Luſt an ber Vollkommenheit ber 
Dinge finden, und darinn durch die Natur bis zur 
eften Quelle aller Wahrheit. und. Vollkommenheit 
eigen. 3) Daß unfere Faͤhigkeit und Begierde 
iche in- fo. engen oder gemeffenen Schranfen der 
Zolſkommenheit und Glücfeligfeie, als ber Thiere, 
ingefchloffen. ift; fondern, daß fich beydes unfere 
Berftellung des möglichen und zukünftigen Guten, 
nd unfer Bemuͤhen nach diefem erkannten Guten, 
ber bie Schranken des jederzeit gegenwärtigen Zus 
'andes zu immer mehrerer Vollkommenheit und 
Zuͤckſeligkeit, bis. ins Unendliche, erſtrecket. | 
In dieſen Stücken befteht demnad) des Men« 
hen. befondere und vorzügliche Natur. Was ben 
Bebrauch der Vernunft zur. Erlangung nicht. allein 
ner ‚gereinigten finnlichen, fondern auch einer. im⸗ 
ser höheren. Gemüchsvollfommenpeit und Luſt, 
zit fich bringet, das ift menfchlich,, das ift nafür« 
ch, oder der Abficht. des Schöpfers bey unferer 
Ratur. gemäß. Denn das. Wefen und bie. Natur. 
er Dinge find Mittel göttlicher Abfichten., und 
lle Abfichten Gottes find auf das Wohl der Leben⸗ 
igen gerichtet. Daher auch‘, umgekehrt, alles 
Jute, was aus der Matur oder den Kräften der 
Dinge, nach ihren Regeln, entfpringen kann, goͤtt⸗ 
iche Abſicht iſt. Alſo ift das “Bemühen unferen 
orzüglichen Kraft der. Vernunft nad) einer immer 
öheren Bollfommenheit, deren wir dadurch fühig 
ind, ein göftlicher Wink, Meiz und Trieb zu dems 
migen Ziele, wozu wir beftimmet. find. 
| Nn4 DNS 





568 VIE Abh. Vergleichung 


Daraus folget auch, daß alle diejenigen gang, 
unnatuͤrlich benfen und handeln, die einen blinden 
viehifchen Trieb zur Richtſchnur menfchlicyer Hand⸗ 
lungen machen. Denn, ber Menſch hat feine 

ſolche Triebe, das ift, folche arigeborne Bemuͤhm⸗ 
gen, die mit einer Kunft und Fertigkeit verfnäpft 
find, als die Thiere haben. Daher ift es auch nicht 
möglich, Daß uns ein blinder Trieb’ zu irgenb einer 
Vollkommenheit und zu unferm wahren Wohl fich⸗ 
ren koͤnne. Wir haben freylich eine Begierde zu 
nlichen $uft mit ben Thieren gemein: aber diefe 
ierbe ift in unferer Natur nicht durch regel⸗ 
mäßige Triebe, Rünfte und Fertigkeiten, zu unfe 
rem Wohl, beftimmet und befchränfe. Ein 
Thier brauchet, bey feiner finnlichen Begierde, zw - 
mal, wenn es feiner Natur und Freyheit gelaften 
ift, Feiner Vernunft zum Wegweifer und Führer; 
der Trieb reizet feine "Begierde nimmer zur Unzeit, 
ober unmäßig, und führet es allemal ficher und 
richtig zu ihrem, obgleich niedrig geftedften, Ziele. 
Aber wenn der Menfch bloß bem Reize finnlicher 
Lüfte nachgehen will, ohne einen folchen getreuen 
Fuͤhrer zu haben, und ohne bie eigenthuͤmliche 
Kraft ber Vernunft, die ihm ftatt der Triebe gege 
Ben ift, zu gebrauchen: fo rennet er. allemal in fein 
Verderben. 

Ich kann demnach auch nicht unerinnert laſſen, 
daß ſich dasjenige, was uns natuͤrlich, oder unſerer 
Natur gemäß iſt, auf eine ganziandere Art äuf 
fert, wie bey den Thieren. Bey biefen brauchet es 
feiner Erfahrung, Benfpiele, Anmeifung, Uebung, 
Veberlegung und Wahl; ihre Kraft iſt mit * 

Geb: 





%.5 + 


1; in 


H 
In 








Hi 











so VI Abh. Vergleichung 


und Vollkommenheit weiſen, gemäß iſt; aber un 
natürlich, wenn fie auf das Gegentheil führe 

Es erhellet daraus, baß diejenigen einen gar 
verkehrten Begriff von ber menfchlichen Natur, 
und dem, was ung natürlich iſt, haben, die feine 
Handlung durch unfere Natur beftimme halten, 
weil wir nicht wie die Thiere burch einen blinden 
unwiberfeglichen Drang zu unferen Handlungen ge 
trieben, und, fo zu reden mit Gewalt, zu unfe 
rem Ziele geftoßen und zerriffen werden; folglich, 
weil wir. nicht alle einerley und auf eine Art, ſon⸗ 


| 


dern einige Menfchen fo, andere anders denken 


und handeln. Das ift offenbar falſch gefchloffen: 
unfere Natur beftimmet unfere Handlungen nicht 


Blindlings und gleichfam zmangsmweife ; alfo be_ 


flimmet fie diefelben gar nicht. Hat denn nicht, 
auffer der blinden Beſtimmung, auch eine vers 
nünftige Statt ? und ift diefe niche der menſchli⸗ 
chen Natur gemaͤß? Iſt es darum nicht durch un 
fere vernünftige Matur beftimmt, daß wir die 
Füße, die den ganzen $eib tragen follen, in ihrer 
ordentlichen Größe wachfen laffen.; weil es dem 
Sineſer einfällt, dem Frauenzimmer die Füße zu 
einer unnatürlichen Kleinigfeit zu zwängen? Iſt 
es darum nicht vernünftig- natürlich, auf ben Fuͤſ⸗ 
fen zu ftehen, und mit benfelben vorwärts zu ge 
ben; mweil es möglich ift, daß auch einer ruͤckwaͤrts 
gehen, und daß ein Pofiturmacher auf bem Kopfe 
ftehen und auf den Händen gehen fann ? Gleich⸗ 
wie wir aber dieſen Zwang unb biefe Bewegung 
billig unnatürlich heißen, ungeachtet fie nicht übers 
natuͤrlich, und alfo natürlicher Weiſe möglich iß 

o 





— 
“ . { 


der Menſchen mit den Thieren. 571 


iſt auch aller Misbrauch ber Vernunft im Den⸗ 
a und Handeln unnatürlich, das ift, den ung 
ıgepflanzten Regeln unferer Kräfte entgegen, 
eil er ung nicht zur Wahrheit und Vollkommen⸗ 
ie fuͤhret; als wohin die Kegeln des Verftandes 
d Willens gerichtet find. Dagegen ift natürlich, - 
er unferer Natur und unfern angeborenen Kräften 
mäß, und ſodann auch göttlicher Zweck, was mie 
m Bemühen unferer Kräfte und mit ben Regeln 
iſerer Vernunft übereinftiimmer. 


$ 18. 


Allein, wenn nun ein Menfch feiner Natur 
Iget, das ift, wenn er außer dem vernünftigen 
zemuͤhen nach Wohlftande, Freundfchaft, Ehre 
ab finnlicher Luſt, hauptfächlich in der inneren 
zollkommenheit des Veritandes und Willens fein. 
jergnügen fuchet : kann er denn feiner Natur in 
m Wet Genuͤge thun, das ift, völlig zufrieden 
nd gkücklich werden? 

Man ſieht leicht, daß bey diefer Frage die 
Jinbernäffe unferer Zufriedenheit, und die Huͤlfs⸗ 
nittel, welche ung bie Natur Dagegen gegeben hat, - 
ie in Erwägung zu ziehen find. Auf das erfte 
ann ich kurz antworten, weil es Dinge betrifft, 
ie ein jeder aus eigener Erfahrung weis. 

... Mnfer natürliches Bemühen hat von auffen, und 
on innen viele Sinderniffe, die es uns an ſich un« 
aöglich machen, baffelbe in diefem $eben fo voll⸗ 
ommen zu vergnügen, daß mir nichts mehreres 
mb befferes wünfcheren. Die Werfnüpfung der 
Srperlihen Dinge in der Welt unterwirft ung 

mm 





ma VI Abh. Vergleichung I | 


manchen widrigen Zufällen, bie wir nicht woraus 
fehen noch) verhüten können, und die mir body nicht 

- allein, wenn fie kommen, mit Schmerzen empf 
ben, fondern ſchon, ehe fie kommen, vermöge um 
feree Natur, aus anderer Beyſpiele und Geſchichte, 
mit Befümmerniß, als möglich vorfiellen. Di 
Menfchen, mit welchen ein jeder vornehmlich um 
geht, bie Verfaſſung ber Gefellfchaft, und be 
Lauf der Zeiten, in welchen wir (eben, finb unfern 
Abfichten vielfältig entgegen. Wir empfinden alfe 
öfteren Verdruß, wenn durch diefe. Urfachen unfere 
Luft, Ehre und Wohlſtand gefränfer, oder wenig 
ſtens gebindert wird, fo hoch zu fleigen, alswr | 
wünfcheten. Unſer Körper ift vielen Schmerzen 
und Krankheiten bloß geftellet, und erwartet einen 
geroiffen Tod, zur ungeroiffen Zeit, und auf um - 
befannte Art. Unſer Gemüch wird durch Eier 
hung und Umgang bald gut, bald fchlecht gebildet, 
und hängt von des Körpers Beſchaffenheit, in 
feinen Verrichtungen, und in feinem Bergnügen 
großentheils ab. Und wenn wir uns auch alle 

. Mühe nach wahrem, arünblichen und nuͤtzlichen 
Erfenntniß, und nach Pflicht, Tugend, Freund⸗ 
ſchaft und Menfchenliebe geben : fo können wir 
Doch weder allen Irrthum verhüsen, noch den 
Grad und die Größe des Erfenntniffes erlangen, 
welche wir fuchen, noch auch allemal unfere Leiden⸗ 
ſchaften und finnliche Begierden in den Schranfen 
der Vernunft erhalten, oder, durch bie meifefte 
Aufführung, allee Menfchen Siebe, Freundſchaft 
und Achtung gewirmen. 


Es 





der Menſchen mit ben Thieren. 573 
3 Eng iR * ns; wir können biefe Unvoll« 
Widermärtigfeit durch Blei, 
und Tugend vermeiden , oder wenigſtens 
(bern mb verfüßen, und uns Dagegen 
les Ente erwerben, manch ü 
ügen verſchaffen. ee eine Vollkommenheit 










Ä ſich 
über das allergrößte Gluͤck, und über die größe 

| t, welche fi & in diefem $eben er - 
alten laſſen, erfiredet. Wenn auch bag Leben 
neh ſo glücklich und vergnügt geführet wäre : fo 
ed es doch, je näher es tem Tode rücer, durch 
ke Borftellung eines gemiffen Endes, natürlicher 
Beife, mit Furcht und Angſt vergället. 

AIch rede noch von dem Menfchen, ohne Reli⸗ 
* — um zu zeigen, daß wir unferer 
aller Vernunft und . Tugend, uoch 








. 
wemmhang gier Dinge, und Die 





574 VII Abhandlung. 


heit, welche in der Welt herrſchet, finden kann: 
fo wenig wird aud) unfer Wille, ohne Ho 

Siebe und Verehrung unfers Schöpfers, ımb be 
fonders ohne Zuverficht, auf beffen weife und gütis 
ge Vorſehung, und ohne die Hoffnung eines voll: 
fommenern unvergänglichen Lebens, wozu er uns 
beftimmet bat, beruhigee. Ich weis aus bem 
Umgange mit Menfchen, daß Atheiften felbft, in 
Ermangelung diefes Erfenntniffes, ihre Gemuͤths⸗ 
unruhe und Verwirrung ängftlich empfinden, zur 
mal, wenn fie an den Tod gedenfen, und baß fie 
nicht ohne Bewegung wuͤnſchen, Davon. überzeugt 
zu fenn. Es wirdalfo meinem Zwecke gemäß feyn, 
daß ich dieſe beyden großen Wahrheiten, als Haupt» 
fügen unferer Zufriedenheit, feft feße, und legt. 
lich überhaupt den Einfluß, welchen die Religion 
in unfere Gluͤckſeligkeit hat, Elärlich darthue. 


Die achte Abhandlung. 
Don der göttlichen Vorfehung. 


S Tr. 

ie Vorſehung Gottes ift eine Folge bes 
Raths der Schöpfung. Eben die inneren 
Vollfommenpeiten der Weisheit, Güte und Macht, 
welche ihn vermocht haben, die Welt in gewiſſer 
Abſicht zur erfien Wirflichfeit zu bringen, die er⸗ 
ſtrecken fi) aud) über die ganze Dauer der Welt in 
allem Zuftande, nad) allen und jeden, felbft den 
allerkleinſten Teilen und Begebenheiten. Denn 
man 





Don der göttlichen Vorſehung 575 


wuͤrde biefen unendlichen Vollkommenheiten 
ahe freten, wenn man fagen wollte, daß ent⸗ 
er feine Weisheit , bey der erften Anlage, nicht 
ganzen Zufammenhang der züfünftigen Welt, 
ı der Mebereinftimmung mit feiner Abficht, aufs 
fichfte durchgeſchauet härte ; oder daß fein 
hſchluß, ben folcher Einficht in alles Zufünftis 
die Begebenheiten, welche feinem Zwecke ges 
jſeyn würden, nicht auf einmal und unverän« 
ich gut geheißen; oder daß etwas außer Gott, 
e ihn und feine Kraft, beftehen koͤnne. Dem⸗ 
» ann auch in der ganzen Welt, in allen Zeiten, 
€ das geringfte feyn und gefchehen, was Gott 
t von Ewigkeit vorher gefehen hätte, oder was 
t in feiner Abficht und in feinem Rathſchluſſe 
befaſſet wäre, oder deſſen Wirklichkeit niche von 
er Wirkung abhienge. v*F 

Man kann alſo die goͤttliche Vorſehung nicht 
men, ohne das Daſeyn Gottes, und ſeiner 
llkommenheiten, nebſt der Schoͤpfung, aufzu⸗ 
ꝛn. Setzte man etwas in der Welt, das der 
‚öpfer nicht vorher gefehen, oder das er anders 
nuthee hätte: fo würde man zugleich feinem 
Stande Schranken fegen, und ihm, ftatt der 
piffenheit und vollfommenften Weisheit, Uns 
enheit, Dunfelheit, Undeutlichfeit, Webereis 
j, Widerſpruch und Irrthum beylegen. Wollte 
ı fügen, daß er fid) um die Welt, oder um alle 
inigkeiten in derfelben, nicht weiter befümmere: 
zͤrde man ſich ſowohl das göttliche Erkenntniß, 
ſeinen Willen, nach menſchlicher Schwachheit 
tellen. Denn. das ſetzete voraus, vo oe 


? 








s6,: Vvm anganbiung. 
| * fo wie bey uns Menſchen, best 
‚ ber Dinge a ah ee 





gedacht, und in dem unendlichen Verſtand⸗ 
fet märe, der fich alle Möglichkeit vor aller 
lichfeie aufs deurfichfte und auf einmal ver 
Diefer ift alfo die mefentliche Quelle alles © 
then, und ftellet ſich darunter auch, ohne alle 
liche Zorfchen, Bemühen und Bekuͤmmern 
jenige, us zureichenben Grund ber Bir 
in der Verknuͤpfung der Dinge hat, vor, 
pierinn 7 ihm nichts zu geringe oder zu Eh 
achten, weil er barinn feine großen * 
im Ganzen, und in aller Folge der 
die Uebereinftimmung in den allerkl 
aufs vollfommenfte erfüllee ſieht. 
- Diefe Einficht ft use ein Reter Beweg 
grumd für den göttlichen en bie Welt in 
bert 











Bon der göttlichen Vorfehung. 377 


olgfich wuͤrde er dadurch felbft feine vorigen Ein. 
cheen und Rathſchluͤſſe für nicht gut und mweife er- 
dren, und mwürbe alfo entmeber zuerft, oder zus 
gt, geirret und übel gewählet haben, mel 

we nendlichen Vollkommenheit Gottes wider 


wicht. 

Wie könnte aber Die Welt nach Gortes Willen 
woeränbert wirklich bleiben, wenn nicht auch der 
irkfame Einfluß göttlicher Macht fie in der Wirk⸗ 
chkeit erhielte? Sie harte ja einmal den Grund 

Wirklichkeit niche in fich felbit und ihrem 

fen : denn fie mußte won Gott erfchaffen wer⸗ 
en, wenn fie ba feyn follte, und ihre erite Wirk⸗ 
ichkeit hieng demnach unmittelbar von Gottes 
virffamer Macht ab. Dadurd) aber, daß fie ges 
chaffen iſt, bat fie Fein anderes Wefen befommen; 
ie ift bloß eine foldye wirfliche Welt geworden, als 
jeher nur möglich war. Demnach kann ihr We: 
en oder ihre innere Möglichfeit, auch noch jeßt, 
mb in aller ihrer Dauer, nicht den Grund ihrer 
Wirklichkeit in ſich halten. Sie fann dadurch, 
aß fie als Welt geſchaffen ift, nicht unabhangig 
d felbftändig, mit einem Worte, fein Gort 
jeworden ſeyn. Der andere, drifte, vierte Aus 
zenblick ihrer Wirklichkeit ift und bleibt, eben fo» 
wohl als ber erfte, aufjer ihrem Weſen, in ber 
Macht des allein felbftändigen Schöpfers gegruͤn⸗ 
bet ; defien fortdaurende Wirkung ihre fortdauren» 
da abhängige Wirklichkeit unterhalten mußte, 
Wollte alfo Sort, daß eine Welt wirklich bleiben 
ſellte, welche, vermöge ihres Wefens, für ſich 
nicht beftehen fonnte : fo FR auch in ſolchem Wile 

o 


—X 


8 vH Abhandiun⸗ = Bu 7 
len der Vorfag entfalten „. daß Soet dei 
durch feine kräftige Wirkung in allen Städ 
87 und nach den gefepten- Abfichten e 


ande denen vieleicht hierbey: Es.E 
wohl ein Menfh, als Werfmeifter, eine © 


— * 


fortſtoßen müßte. So, mermen fie, waͤre m 
—E des göttlichen Werks der 
pfung aud) diefes (duldig, zu fen 1 daß bis 
nun für ſich beftehe, und one Gottes 
den Einfluß dennoch alle feine Abfichten erfü 
Alein, diefer Einwurf beruhet auf eineı 
falſchen Vorſtellung. Denn der Menſch thi 
nichts zum Beſtehen einer Maſchine. B 
Materie und Kraft, iſt ſchon vor feiner Kun 
er entleßnet fie bloß aus der Natur, und thi 
ter niches dazu, als daß er der Materie eines 
Figur, Eintpeilung und Zufammenfügung. 
damit die natürliche Kraft die verlangte Wi 
darinn hervorbringen möge. Er Perg a 
niche, daß die Materie hernach bleibt, ode 
fie ihre innere Kraft und Feſtigkeit behaͤlt. 
kann alfo wohl davon gehen: das, was of 
Zuthun da gemefen ift, kann auch opne ihn 
ben. ber daraus folger nicht, daß es aud 
ein höheres arte ſey und —& und keine 
haltere brauche · Der Gärtner pflanzet den X 


\ 





>». 
— 


Von der goͤttlichen Vorſehung. 579 


jet den Samen, und begießt ihn etwa: das iſt 
les, was er thut. Aber darf er ſich und feiner 
Yandiung das nachmalige Wachfen des Baumes 
nd Samens zufchreiben, da er Doch nur Gelegen- 
eit gegeben, daß die Natur fo wirfen fann? Es 
E alfo falſch, daß ein Menſch etwas für fich bes 
ebendes hervorbringe. Die gute Abficht, daß 
van, durch ſolche Unabhaͤngigkeit der Welt, Gort 
nd fein Werk defto volllommener vorftellen will, 
tegt auch gar fehr. ‘Denn das Werf wird da⸗ 
wech dergeftalt über feinen Werfmeifter erhoben, 
aß dieſer gar als unnöthig angefehen werden dürfe 
. Ein Atheiſt wird mwenigftens das Angenom⸗ 
sene nach feiner Abficht fo drehen und fagen : 
Bann die Welt jego für fich ohne Sort feyn und 
eftehen; warum hat fie es nicht von Ewigkeit hun 
Innen? Man lerriet zugleich baraus, daß bloße 
ute Abfichten einen fehr mißlichen und gefährlichen 
md zur Wahrheit legen. | 

' 8 2° 

Gleichwie nun bisher die Vorſehung Gottes 
ber die fortdaurende Welt, aus eben den wirffa- 
sen Eigenfchaften ermiefen ift, welche in das 
Berf der Schöpfung einen näheren- Einfluß ges 
abe haben: fo fann man ſich davon ferner auch 
us der Betrachtung ber Wele felbft lebhaft 


berführen. 

Wir fegen bieben die Abficht der Schöpfung 
oraus, bie oben mweitläuftig beftätiger it; daß 
aͤmlich die Welt zum Wohl aller möglichen Leben⸗ 
igen hervorgebracht fen. Dann zeiget ſich in fol- 
Zn Do3 Kr 





30 - VI Abhandlung. 


cher Betrachtung ber Welt erftlich ein Werften 
der alle Wirkungen der Maturkräfte in dem gan; 
Zufammenbange, auf alle Zeiten, ganz genau u 
aus gefehen, und alles nach feiner Abfiche, fo 
reden, abgezaͤhlet, abgewogen und abgemeffen h 
fo, daß die Welt nad) ihrer erften Einrichtu 
ohne alle weitere Aenderung der Naturgeſetze, 0 
der Zufanmenfügung, wenn es Sort will, in Ew 
keit in einerley Ordnung beftehen, und dem Zwe 
Genuͤge thun kann. | 

In menfchlihen Mafchinen entfteht das C 
gentheil aus Mangel einer genauen Vorherſehu 
Die befte Mafchine des Flügften Kuͤmſtlers fär 
bald an, ein wenig von dem verlangeten Zwecke « 
zumeichen; und diefer Fehler vergrößert fich imn 
mit der Zeit. Diefe Unrichtigfeit und Unordnu 
harte ohne Zmweifel fchon in der erften Einrichtu 
ihren völligen Grund, und vielleidye in einer fe 
geringen Kleinigkeit. Allein, dag war dem Kün 
ler verbergen. Kein Künftler iſt fo fcharffichti 
daß er fich in dem gegenmärtigen Zuſtande fein 
Mafchine alle darinn gegründete zukünftige aufsg 
naufte vorftellen koͤnne. 

Die Eörperlihe Welt ift zwar auch nichts a 
ders, als eine Mafchine, aber von einer unerme| 
ih größeren Vielheit und Mannichfaltigfeit d 
heile, und der befonderen Abfichten. Sie ift 
Bewohnung aller möglichen Lebendigen, verfchi 
dener Gattung, in gar viele lichte und finftere K 
geln vertheilt, davon Diefe fid) um jene, in geme 
fener Zeit und Bahn, herum wälzen, um Licht un 
Wärme, Tag und Nacht, Jahreszeiten und Wi 

terung 





“ [2 
« 


Von der gottlichen Vorſchung. sBr 


2283 Wachsthum, nach jeber 
ne ffenheit zu empfangen. Die 
Hung ber Planeten, und ihr wirfender Drud: 


m einander, ift in dem Saufe der Natur und 
om fo mannichfaltig ‚ daß es faft unmöglich 
mt „eine fünftige Zeit oder Cyclum zu fegen, 
hrer aller Stellung. ber erften wieder aͤhnlich 
ben, und ihr großer Kreislauf wieder von neuem 
88 Weiſe anfangen wird. Mithin iſt * 
6. Jahr von dem andern, in aller Folge der 
„ an Witterung und an Gruchebartelt, bald. 
—*8 bald. jenes Gewaͤchſes oder Tieres, ver⸗ 
Zudem, ſo wird der Planeten Bahn, 
— Deinen anfferorbentlichen Lauf der Gometen, 
* ganz andern Himmelsgegend, zum oͤf⸗ 
** Es iſt aber ein beſtaͤndi⸗ 
— durch unſer Sonnenſyſtem, der immer 
— offen und frey waͤre: ſie kommen 
Verfchlebenen, Strichen, und. haben fo ver⸗ 
Richtung, kaufen auch, bald ber Sonne, 
‚ Diefem . und jenem Planeten ſo nahe, daß ſchon 
Menſchen bange geworden iſt, es moͤchte eine 
lelchen Himmelsbombe uns treffen, oder uns 
a: unſerer Nachbaren entfuͤhren, ober unfere 
me. verräden. Kein Sternfeher kann uns auch 
ke Buͤrge feyn: er nimmt fie nur wahr, wenn 
ve find, weis es aber nicht vorher, wann und 
ee ein Comet kommen, und welchen fauf er 
nen wird; menigfteng, wenn ja ein voriger De 
iſſer Zeit wieder kaͤme, fo. wuͤrden boch.unfer 
neten alsdenn ne fo ftehen, als vorhin. 
253 . 













' 


592 vun Abhandlung⸗ 


Den .aller biefer beftändig fortwäßrenden Ders 
fehiebenbeit der großen Erfcheinungen in-ber Walt, 
bat noch kein Weltförper den andern in fo viel tau⸗ 

fend Jahren, als wir Nachrichtenhaben, anfeinem 
gebuͤhrenden Laufe, Zuftande oder in feiner Wirkung 
gehindert. - Es find ungegründete Hypotheſen 
daß jemals ein Comet auf unfere Erde, oder andie 
Sonne, gefoßen fen, Alle Planeten halten ihre 
Bahn und Zeit aufs richtigfte: fie find weder ind 
7 zur Sonne, noch gegen einander gejogen ; 
raͤfte find ‚in demſelben Verhaͤltniſſe und 
gewichte geblieben: alle Erfcheinungen der Fire 
ferne, Die feit zwey tauſend Jahren beobachtet fü ind, 
ftimmen auch in ihrer veränderlichen tänge, Der 
elination und in ihrem Abftande vomPol,mit einander 
überein: Sonnenhoöͤhe, Mittagslinie, Tag und Nackt, 
Jahre und Jahreszeiten, find allewege aufs ge 
“ maufte diefelben, welche fie, geweſen. Ein offenbar 
ter Verweis, daß der Urheber der Natur in der 
. erften Stellung der Himmelskoͤrder, indem Maafe, 
in den Regeln und Verhaͤltniſſen der Kräfte, weis 
che er ihnen gleich anfangs beftimmet, in bee Rich 
tung und Geſchwindigkeit ipres Saufs, allen zufünfe 
digen Zuftand der Welt und ihrer Theile, auf alle 
unzählige Taufenden von Jahren, voraus gefehen, 
in fo ferne darinn Bein Pünftiger Sellenftehen wird, 
- weldher fenen grofien Zuec fläfren und aufpeben 
Be ea] 
ui ege, je ung fein ö 
mens Barge ſeyn kann. 


83 


Ä Von de ghetlichen Vorſehung. 83 










nterworfen 
2" Denn Fi es gleich anfangs feheinen möchte, 
— — Wetter, Wärme, Kälte, Thau, 
und Hagel, Donker, DAS und 
Binde, ‚nach einem bloßen Indefäge ed 
Neu, ul bald hier haft da biindlinge € 
—— Safe wähle, und Di 
en Zufi und 
änderte, aus fand See, aus See Land 
, Birge aufwürfe, oder verföhfünge, und 
 sanf:der Stroͤme verfeßte : fü iſt dach nichts 
, als baß ein jeder Zuſtand unfers Erdbo⸗ 
u, nach allen feinen Umſtaͤnden, in dem vorigen, 
üb diefer wieder in feinem vorhergehenden und 
fe ce ich im erſten, zureichenden und natiirlichen 
he Miches aber kann ung Menſchen mehr vonun- 
ran Unwiſſenheit in ben befonderen Urfachen nas 
licher Dinge, und von dem Zufammenhange 
Hasen Zufünftigen überführen, als diefer ver» 
Lo. BZuftend dere Witterung und Erdflaͤche, 
auch der davon abhängenden Fruchtbarkeit. 
Be. mögen jo viel Werterbeobachtungen anftellen, 
a.nb wohn: fo werben noir Doch in Ewi je 











904 Une 


84 VII Abbaria 1 le 
Uuterdeffen erfahren wir überhaupt fo) 
daß diefes unfern ‚Augen fo vermorrene 
Wüplen und Toben aller Elemente den 
nicht in ein unwohnbares Chaos verwandelt, 
feine Figur und fein Gleichgewicht verkehret; = 
daß es vicl ni Far: Be iſt, Die) 
hung, eit und des 
A — ein —— — ———— 
gu. erhalten. nun aller. folgende, 
. gain nn Grund hat· ſ 
Rennen, wir Daraus, daß hier nicht die Eien 
nach einem wilden Ungefähr —— 
ſind, ſondern daß die ewige Weisheit des E 
pers das erſte Maaß und die erſte Mifchung 
Elemente und ihrer Kräfte mit genauer Vorfel 
auf alle zufünftige Zeiten eingerichtet hat. 
se. 
Ich muß noch ein drittes Beyſpiel der 
gm Vorſehung anführen, welches — gerad 


fen alle —Se Lebendige in ver Belt d 
fländiges Wohnhaus haben ſollten. Wir fi 
alſo auf unferm Erdboden fo viel taufenb Arte 
bendiger ‘Thiere, als nur feyn konnten, bie 
ihr Geſchlecht in einem gewiffen Verfältniffe 
pflanzen. Dazu find kon Art ihre bee 
Werkzeuge bes Lebens, ber Bewegung, Em 
dung, Zeugung, und mancherley innere Triebe 
Serrigfeten nebſt äufferer Nahrung, als n 
liche Mittel, verliehen, Die Wirkung dave 








Bon der. göttlichen Vorſehung. 585 


ns Mar vor Augen, daß nämlich alle und jebe 
hiere Auf dem Erdboden nicht allein bleiben, ſon⸗ 
en auch) in ihrem Gleichmaaße und Verhaͤltniſſe 
egen einander bleiben. 
- Nun hat jedes in feiner Fortpflanzung eine 
Mänbige Proportion, fomohl der Fruchtbarkeit 
Berhaupt, als auch des männlichen unb weiblichen 
— nn ‚ voelche = ee he 
res abhängt. Jede Vögel, Inſecten, , 
Schlangen, Schildkroͤten u. ſ. w. legen ihre bey 
abe gewiſſe Anzahl Eyer: und darinn iſt bei ver⸗ 
Siedenen Arten fo großer Unterſchied, daß bie 
zahl der Ener von eins zu vielen hunderttaufenden 
eig. Andere Thiere, die lebendige jungen wer 
m, baben ebenfalls ihre gefegten Schranken ber 
fuchtbarfeit; die aber bey weitem nicht an bie 
ruchtbarkeit der Inſecten und Fiſche reicher. In 
der Art iſt eine beſtaͤndige Proportion des maͤnn⸗ 
chen und weiblichen Geſchlechtes. Denn wie z. B. 
ey Menſchen die weiblichen Geburten ſich gegen bie 
n, wie dreyzehn zu vierzehn, oder, nach 
enauerer Berechnung, wie zwanzig zu ein und 
vanzig verhalten: ſo legen die Tauben, welche or⸗ 
entlich paarweiſe eine unzertrennliche Ehe fuͤhren, 
desmal auch nur zwey Einer, davon das erſte ges 
seiniglich einen Tauber, das andere eine Taube 
achaͤlt f. Ueberhaupt iſt in allen Arten eine fol» 
je Austheilung des zwiefalhen Gefchlechtes , daB 
des feinen Gatten findet. | 
805 Nun 
Siehe die oͤconomiſch⸗phyſicaliſchen Abhandlungen, 
den sten Theil, a ponn ii | 





*, wwre werveunyung ww. 


bracht feyn , wenn entweder ihre 
nicht fo fruchtbar gewefen, ober die ( 
männlichen und weiblichen Gefchlechte 
Ungefähr waͤre überlaffen worden. 
bald Diefe bald jene Tpierart an ihr 
genugfames Butter gefunden haben 
Verhaͤltniß zwifchen ihrer Vermehi 
Zutter gewefen wäre; oder fie würd: 
Witterung an dem Orte, wo ihr Fı 
war, nicht haben vertragen Fönne 
eine oder bie andere Thierart durd) i 
aufgerieben und ausgerortet feyn, wı 
lichen fruchtbarer geweſen, oder ! 
Stärfe, Gefhwindigfeit und Liſt 
ten, und die Unfchädlichen hierinn n 
fie jeso find, bedacht wären. 

Der Schöpfer zeiget alfo feine 
fenbar in dergleichen Erhaltung a 
auf dem Erdboden. fo ferne er aller 





Von der göttlichen Vorſchung. sg7 
mepfe hat ; fo daß jede Art gegen alle wibrige 
Bälle, die fich in der Folge der Zeit äußern wer⸗ 
Wen, zwlänglich verfehen ift, und doch davon in 

gebüßrenben Schranken gehalten wird. | 


$ 5 


e⸗ iſt demnach ſo ferne aus der Erfahrung 
— daß Gott, bey dem Rathſchluſſe der Schoͤ⸗ 
. Yung, zugleich die ganze kuͤnftige Folge der na⸗ 
‚ ehelichen Begebenheiten, nach feinem Zwecke, vor« 
ſicheig überdacht babe. Darinn liege denn folglich 
ein Beweis, daß er fie auch weislich beſtimmet 
und geroolit haben müfje. Allein, was ben forte 
Bausenden Einfluß feiner Macht, oder feine Wirs 
fung in die Erhaltung der Welt betrifft; fo wird 
dleſelbe aus den Beobachtungen der Natur etwas 
ſchwerer werben, zu erkennen. Denn wodurch 
wollen wir fie von den natürlichen Wirkungen uns 
terfcheiden, ohne übernatürliche, oder Wunder, 
daraus zu machen? 
Laſſet uns alſo erſt die Begriffe durch beſondere 
| — nn beftimmen , Damit We on Verwir⸗ 
agen koͤnnen, was wir nach der Erfahrung 








.*Wenn wir uns Wunder, oder uͤbernatuͤrliche 
Birkungen Gottes, gedenken, fo fegen wir zwar, 
daß fie in der Welt oder in der Natur gefchehen, 
oder daß die Natur oder die Kräfte der Welt nicht 
allein gar nichts dazu thun, und bloß leiden, ſon⸗ 
bern auch, daß die Wirkungen Gottes den Bes 
mrühungen und Regeln der chätigen Maturfräfte 
entgegen laufen. . Eine ſolche Wirkung Fa 





P) 
N ⁊ 


8 VO Abhandlung. 


\ Mache Fann die ordentliche Erhaltung der Netut 
nicht ſeyn; denn fie würde derſelben vielmehr mis 
berfteeiten. Wenn ein Regent feine —— 
die Sprüche feiner Unterrichter alle Au, 
dern, und biefen und jenen davon frey ſprechen 
wollte, fo würde es nicht anders feyn, als ober 
gar Feine Geſetze gegeben, gar feine 
‚gefegt hätte: er würde dadurch Die, —— 
Staats nicht erhalten, ſondern umkehren : - 
man siiede von feinen Einfichten und Baer 
fen nicht das Befte denfen, wenn man gleich 
Obermacht erkennen müßte, Wenn denn “= 
Gott alles unmittelbar und durch Wunder thäte, 
fo würde er alles alleine thun = und wozu hätte er 
denn eine Schöpfung endlicher Dinge vorgenom« 
men ? Wenn er das Bemühen der gefehaffenen | 
Subftangen, und die Gefege ihrer Natur, alle 
Augenblick hemmete: mozu hätte er fie ihnen gege 
ben? Je mehr er nach der Schöpfung Wunder 
thäte, befto mehr würde er die Natur wieder ber» 
sichten, und uenPoie Befhaften baden, aid aber 


un Sehängen Erfltng ie St Kr 
J tung die Rebe iſt: 
ih, weicher Einfluß feine Macht 
Sebelung 


Da nun Au he wuberfäige kungen 
des in der Matır hier i feine . 
in feine vernünftige Beerach⸗ 

fraget 
für die 
‚übeig bleibt, der ich von: ber Bacer 


Bon der göttlichen Vorſchung. 289 
unterſcheiden ließe ? Ich antworte: DI 





hung 
Die Schranken ber Natur , das ift, der Sub⸗ 


* 


in der Welt und ihrer Kraͤfte, eine Abhaͤn⸗ 
von einem unendlichen Weſen erfordern, 00 MB 
met man fich nicht allein: vernünftig 
Mamen Einfluß einer unendlichen Mache ade bie 
ir der Subftanzen und ihrer, Kräfte, meh‘ 
Matur und der Abficht der 

WR ;- fonbern derſelbe Einfluß laͤßt IA auch 
eene aus der Erfahrung wahrnehmen, als‘ biefe 
zin dem Eingefchränften auf das Unendliche 


‚Wir Einen uns einen Begriff folcher Erhals 
s: machen, wenn wir eine Vergleihung vom 
Einflufle nehmen , ben eines Regen⸗ 
tin das Dafenn der Unterrichter, und 
e abhängende Macht bey. der Handhabung der 
bat. Die unteren Obrigfeiten, und ihre 
nebſt den Geſetzen, wornach fie biefelbe 
—* haben nicht allein ihr erſtes Daſeyn ud 
em erften Urfprung von des Oberregenten Macht, 
hern auch ihre Dauer von dem fortfahrenden 
afiufle dieſer Macht. Wenn biefer Einfluß auf⸗ 
ge,. wenn der Megent nicht allezeit Die Richter, 
fege, Sprüche beftätigte, für die feinen erken⸗ 
e und ihnen den Nachdruck ſeines unveraͤnder⸗ 
Willens und ſeiner Obermacht verliehe: a" 
en auch Richter, und richterliche Macht, Ges 
em. Sprüche, nichts mehr ſeyn. Die Urfas 
‚öeffen liegt in ber Abhängigkeit biefer Dinge 
ber Obermacht des Negenten, und in ihrem 
—* Weſen. Und eben dieſe ee 






















⸗ 4 1} L FÜ - um 


J—  yıll ie. at 


—— — 
Im, ſowohl dev Machſtellung und 
enberer unterworfen/ als fie won ber Wi 








* en gefunden haben, wen 
Verhaͤltniß zwiſchen ihrer Vermehrung ur 
| gewefen wäre; ober fie würben bie $ı 
Witterung an dem Orte, wo ihr Futter zu 
war, nice haben vertragen fönnen, Es 
eine oder die andere Thierart durch die Gef 
aufgerieben und. ausgerottet ſeyn, wenn bie 
lichen fruchtbarer geweſen, oder mehr $ 
Staͤrke, Geſchwindigkeit und Liſt befomn 
ten, und die Unfchädlichen bierinn nicht fo g 
fie jego find, bedacht wären. 

Der Schöpfer zeiget alfo feine Vorſeh 
fenbar in dergleichen Erhaltung aller Th 
auf dem Erdboden, fo ferne er aller Natur, 
jeuge, 3 Beuchebarkeit, Geſchiecht, Oröpe 
fen, Stärke, Gefchwindigfeit, Liſt, 

“ Triebe, nad) ihrem beffimmten Au, m 

Witterung eines jeden $andes, und ab 
nach allem, was ihnen auf alle künftige 
ſchaden oder nutzen konnte, aufs genaueſt 





| Won der göttlichen Vorſchung. 587 


een bat ; p dag jede Art gegen alle voibrige 

aͤlle, die fich in der Folge ber Zeit dußern wer⸗ 

, zwiänglich verfehen ift, und doch davon in 
buͤhrenden Schranken gehalten wird, | 


Ss. 


Es ift demnach fo ferne aus der Erfahrung 
ar, daß Sort, bey dem Rathſchluſſe der Schde 
amıg, zugleich die ganze Fünftige Folge der na» 
rlichen Begebenheiten, nach feinem Zwecke, vor⸗ 
chtig überbache habe. Darinn liegt denn folglich 
ei Beweis, daß er fie auch weislich beſtimmet 

olle haben müffe. Allein, was den forte 
— Einfluß ſeiner Macht, oder ſeine Wir⸗ 
ing in die Erhaltung der Welt betrifft; ſo wird 
eſelbe aus den Beobachtungen der Natur etwas 
bwerer werden, zu erkennen. Denn wodurch 
ollen wir fie von den natürlichen Wirkungen uns 
rfcheiden, ohne übernatürliche, oder Wunder, 
waus zu machen ? 

$affet uns alfo erft Die "Begriffe durch beſondere 
Rerfmaale beſtimmen, damit wir ohne Verwir⸗ 
wg fagen koͤnnen, was wir nad) ber Erfahrung 
bachten. 

- Wenn mir ung Wunder, oder übernatürliche 
Birfungen Gottes, gedenken, fo fegen wir zwar; 
af fie in der Welt oder in der Matur gefchehen, 
ver daß die Natur oder die Kräfte ber Welt nicht 
Hein gar nichts bazu thun, und bloß leiden, ſon⸗ 
sen auch, daß die Wirkungen Gottes den Be⸗ 
rühungen und Regeln der thätigen Naturfräfte 
atgegen laufen. Eine folche Wirkung er 


588 vVn Abhandlung. 
Macht kann bie ordentliche Erhaltung der Mate 
nicht ſeynz benn fie wuͤrde derfelben A 
derftreiten. Wenn ein Regent feine 
‚ bie Sprüche feiner Unterrichter alle 3 
dern, und dieſen und jenen davon frey 
P wollte, fo zen es niche anders ſeyn, als ober 
..... gar feine Geſetze gegeben, gar Feine” 
Leſetzt hätte: ine ab ie Befing 
— nicht erhalten, ſondern 
wuͤrde von feinen Einſichten und 
L nicht das Beſte denken, wenn — feine 
Obermacht erkennen müßte, Wenn dem audı 
Gott alles unmittelbar und durch Wunder thäte, 
fo würde er alles alleine thun : und mozu hätte er 
denn eine Schöpfung enblicher Dinge vorgenom · 
men ? Wenn er das Bemuͤhen der ge 
Subftangen, und die Gefege ihrer Natur, alle 
Augenbli® hemmete : mozu hätte er fie ihnen gege 
ben ? Je mehr er nach der Schöpfung Wunder 
thäte, befto mehr wuͤrde er die Natur wieder ver ⸗ 
nichten, und umfonft gefchaffen haben, nicht aber | 
erhalten; und für fich würde er entweder die möge | 
lichen Naturmittel zu feinem Zwecke nicht eingefer 
hen haben, oder auch feinen Zweck oft ändern, und | 
feinem eigenen Einfluffe in die Erhaltung der Nur 
tur zen arbeiten. 
a nun folche wunderthaͤtige Wirfungen Got 
tes in der Natur hier in pi vernünftige Betrach⸗ 
tung kommen fönnen, wo von ber orbentlicen 
und beftändigen Erhaltung die Rede ift : fo fraget 
—5 welcher Einfluß ſeiner Macht ſonſt — die 
Erhaltung übrig bleibe, der fich vom der Matur 










Von der göttlichen Vorſchung. 589 


irkung unterfcheiden ließe ? Ich antworte :' Da, 
o bie Schranken dev Natur ,. das ift, der Sub⸗ 
in der Welt und ihrer Kräfte, eine Abhaͤn⸗ 
von einem unendlichen Weſen erfordern, da 
Denket man fid) nicht allein: vernünftig einen ° 
irkſamen Einfluß einer unendlichen Macht in die 
Irpaltung der Subſtanzen und ihrer. Kräfte, wel⸗ 
er Natur und der Abſicht der Schoͤpfung 
iſt; ſondern derſelbe Einfluß laͤßt ſich auch 
ferne aus der Erfahrung wahrnehmen, als dieſe 
ns in dem Eingeſchraͤnkten auf das Unendliche 


Wir koͤnnen ung einen Begriff ſolcher Erhals 
mg machen, wenn wir eine Vergleihung von 
m fittlichen Einfluffe nehmen , den eines Regen» 
1 Obermacht in das Dafeyn der Unterrichter, und 
abhängende Macht bey der Handhabung der 

bat. Die unteren Obrigkeiten, und ihre 
sche, nebft den Gefegen, wornach fie diefelbe 
when, haben nicht allein ihr erftes Dafeyn und 
n erften Urfprung von bes Oberregenten Macht, 
een auch ihre Dauer von dem fortfahrenden 
luſſe diefer Mache. Wenn diefer Einfluß auf⸗ 
e, wenn der Megent nicht allezeit bie Richter, 
je, Sprüche beftärigte, fire die feinen erfen. 
und ihnen den Nachdruck feines unveränder- 
Billens und feiner Obermacht verliche : fo 

n auch Richter, und richterliche Macht, Ges 

W Sprüche, nichts mehr-fepn. Die Urfar 
fen liege in der Abhängigkeit diefer Dinge 

2 Obermacht des Negenten, und in ihrem 
raͤnkten Weſen. Und eben dieſe Urſach⸗ 
ns 


590 VII Abhandlung. 


muß auch in der Natur, bey der Dauer einge 
fehränfter Subftangen, ihrer Kräfte, und deren 
Gefege gelten, daß alles feine Wirklichkeit von der un 
endlichen Obermacht des Schoͤpfers behält. Gleich 
wie aber der Einfluß der Obermacht des Regenten in 
die Betätigung der Richter, Gefege und Spruͤche, 
der Berfaffung des Staats nicht entgegen, fondern 
gemäß iſt: fo iſt auch der göttliche Einfluß in Die 
Erhaltung ber Welt und ihrer Kräfte der Natur 
und dem Zwecke der Schöpfung nicht entgegen, 
fondern gemäß. 

Wenn man nun die Erfahrung hat, daß ein 
Mermögen abhängig fen, und daben in beftändiger 
Wirkung bleibe: fo fage ich nicht unrecht, daß 
man auch darinn von dem Einfluffe der unabhän, 
gigen Macht eine Erfahrung babe. Syn ber bes 
ftändigen Handhabung der Untergerichte erfennen 
wir die Wirkfamfeit der Obermacht; in dem be 
ftändigen Gehen des Zeigers an der Uhr fehen wir, 
Daß die Feder aud) beitändig wirffam fer. Won 
dergleichen Erfahrungen will ich run auch einige in 
der Natur namhaft machen, welche derfelben Ab» 
bängigfeit von einer unendlichen Kraft, und alſo 
den Einfluß einer unendlichen Kraft in die Erhak 
tung der Natur zu erfennen geben, 

6 


$ 6 
Es ift der Erfahrung gemäß, daß jedes Din 
ges Ort, und deſſen Beränderung, von feinen 
Nachbaren, und deren wirkenden Kräften, abhänge. 
Warum ruhet dieſes Stuͤck Holz, jenes ſchwimmt, 
das dritte fälle ? Man gebe jedem andere Nachbar 


sen: fo wird das, was fenfrecht fiel, horizontal 
ſchwim⸗ 





Bon der göttlichen Borfehung. 591 


fhwimmen, bas, was ruhete, wird fallen, bas, 
was ſchwomm, wird ruhen. Selbſt bes ganzen 
Erbbobens Ort, und täglicher und jährlicher Lauf 
in der Welt, hängt von ven Kräften und Wirkun⸗ 

gen feiner Nachbaren, infonderheit der Sonne, 
* ab: und es verhält ſich mit den Fixſternen und 
Cometen nicht anders. jedes Dre und natürliche 
Bewegung entfteht mit von den benachbarten. 
Eins hält das andere entweder im Gleichgewichte, 
ober ſtoͤßt und ſchiebt es fo lange fort, bis es an 
Nachbaren geräch, deren Kräfte den feinigen 


find. 

Aus dieſer Erfahrung habe ich oben ſchon ge⸗ 
ſchloſſen, daß die Natur nicht das erſte Weſen 
ſeyn koͤnne; weil vor der Natur, das iſt, vor allen 
Kräften und deren gewiſſer Wirkung in einander, 
eine gewiſſe Stellung und Ordnung der Dinge ges 
Bacht werden muß, ehe die Kräfte in einander wir⸗ 
Sen, und diefen Lauf der Natur haben hervorbrin- 
gen fönnen. Ich habe alfo daraus bewieſen, daß 
ein Schöpfer oder Werfmeifter feyn müffe, wel 
cher biefe Ordnung und Stellung der Dinge ge- 
machet, Die eine äufferliche Abhängigkeit von einan⸗ 
ber haben. Mich duͤnket aber, daß eben diefe all. 
gemeine Beobachtung auch des Schöpfers erhal. 
tenden Einfluß in die Matur beweiſe. Denn bie 
Abhängigkeit des Ortes und der Bewegung geht 
von Machbaren zuMachbaren. Warum ifta hier? 
weil bbb mit. ſolchen Kräften um baffelbe find. 
Warum find aber bbb auf diefer Stelle ? weil 
ccc biefelbe umgeben. Frage ich aber nach dem 
Grunde Des Ortes von scc, fo. muß ich mich wei⸗ 

0 


N 


592 "vu Abhandlung. 


ter auf d dd beziehen. Was folge daraus? € 
weder müßte die Abhängigkeit der natürlichen ' 
fahen von a ins Unenbliche gefchoben werd 
welches in der That fo viel hieße, als gar fi 
natürliche Grundurfache geben ; oder es muß 
ne erite unendliche Kraft feyn, von welcher ı 
natürliche Kräfte und deren Wirkungen 
bängen. 

Es wird vergeblich, feyn, daß man ſich 
Welt felbft als einen wirklich unendlichen vol 
Raum, und die Natur als eine unendliche Kr 
darinn, vorftellen wollte. Es ift unleugbar, t 
die Theile der Welt, als Firfterne, Planeten, v 
alle leblofe und lebendige Körper, Die wir vor 2 
gen haben, eingefchränfee , endliche Dinge u 
zählbar find. ine Zahl aber von endlichen D 
gen, die wirflich find, kann nicht unendlich ſer 
und folglich Fein unenbliches Ganzes ausmadhe 
weil noch immer eine größere Zahl, als die wirt 
che, gedacht werden Fan, Gefegt, daß aud) 
Zahl der wirklichen Dinge alles Mögliche befaffe 
fo muß boch die Zahl endlicher möglichen Din 
erfchöpflich, eingefchränft, und endlic) feyn. U 
Fönnen uns bavon bald überführen, wenn wir I 
verfchiedene Möglichkeit der Dinge, deren Beltü 
mung und Cigenfchaft wir fennen, von ber ob 
ften Stufe bis zur unterften durchgehen. We 
alfo in ber Welt auch alle mögliche Dinge wirkl 
wären, fo würde doch ihre Anzahl beſtimmt w 
endlich ſern. Wie Fann alfo die Wele, als ei 
beftimmte Anzahl von lauter endlichen moͤglich 
Dingen und Naturfräften, ein unendliches Gan; 

\ au 





Bon ber Höttlichen 
“usmachen? Und die von ei 
—— Kräfte der aur endlich Zunft ab in 
DR, wem nicht eine unendliche Krafı auſſer der 
2 wedurch ſi he Dafeyn Gaben 


und 


Vorſehung. 593 


jeder n, alle 

QUEEnde Keäfse ber a Benin 
Mlicßen &ig in den Allereinften ten 
fen daben, und niche erſt durch die Zuſam. 
kung entfteßen, noch mie derſelben aufa 
‚oder ſich verändern, Senn jedeg dien 
Alpe fein Frl —— Bun 

[d ſam 


& 


594 VII Abhandlung, 

ar ee: focben in fich u 
bie Zuſammen 
Bel ——ã— —**— fo wenig eim 

entfiehen, als aus ber Zuſammen 
Nullen eine Zahl werden fann *. Wie al 
ſich klar ift, daß die Kräfte der Heinften u 
. baren Ueftoffe eingefchränfet find: fo erhell 
Schraul 


— — 
ober Ghufen — ———— 


—— ſie gr ‚als er Kräfte, 
nem fteten ‘Bemühen zur Beränderung ef 
fo müßte auch diefe Weränberung ihre Grab 
Stufen berreffen, Bas ift , bie Kräfte müßt: 
jeder wirklichen Veränderung flärfer oder | 
cher, vollfommener oder unvollfommener w 
wie wir an unferer Seele wahrnehmen. 9 
koͤmmt es denn, daß diefes Bemühen unven 
und in gleicher Maaße fortbauret ? daß es 
aufhöret, noch zu. oder abnimmt ? In der | 
felbft ift diefes nicht gegründet. Eine ai 
eingefchränfte Kraft kann ermüden und er| 
werben: fie fann aber auch durch * 
Ausübung ſtufenweiſe zunehmen. Ich glari 
nicht, Laß man eine vernünftige Urſache geben 
warum die eingefchränften Nlaturfräfte der 
Besen manderle Ginberife Demi Hal 
gegen m ey 

zwiſchen nicht abgenommen haben und “r 


8 Diefed iſt bereits ia.de VI 
Ä msn N Vader * 


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di: HR 1 
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— A 35 fl 





6. VII Abhandlung. 


auf eilf Loth gehen: fo folgete, daß in dem ganzen 
"Mögen mehr ale fünfhundert und acht und 
tauſend Eyer enthalten waren. Wir wollen 
die übrigen, und felbft noch die acht und zwanzig 
taufend Eye für bas Gewicht der Haut abrechnen, 
welche den Bündel bekleidet: fo find body gewiß 
fünf mal hundert taufend Eyer in dem Roͤgen eines 
einzigen folchen Fifches befchloffen. Ein jedes Ey 
hen enthält ſchon feinen ganz zart gebildeten Fiſch, 
der in der Eyhaut ganz — eingepackt flegt. 
Alle Eyer find ordentlich an die Zwiſchenwaͤnde bes 
Roͤgens zu benben Seiten angeheftet; und ſie wer⸗ 
den überhaupt von ber gemeinfchaftlichen aͤuſſeren 
Haut befchloffen , durch weiche eine große Aber 
läuft, die ihre Aefte nach jeder Zwiſchenwand, umd 
von da wieder fünf hundert tauſend kleinere Aeſte 
nad) allen den Eyern ſchicket; wodurch ein jedes Ey 
feine Nahrung und fein Wachsthum empfängt. 
Diefe Bemerfung zeiget ung, daß die Samen⸗ 
eyer nicht aufler den Thieren fchon zerftreuer in ber 
Welt da gewefen, und etwa durch den Nahrungs 
faft einzeln zu ihrem Behältniffe geführee find, ſon⸗ 
: dern, daß fie ale mit einander, nebit ihren Haͤuten 
und Gefäßen, als ein zufammenhangendes Gewebe, 
auf einmal, und aus einer Materie, in dem Thiere 
felbjt entworfen und gebildet worden. Es läßt ſich 
aber auch feine innere Präformation gedenken; 
als ob alle Samen ber künftigen Geburten ſchon in 
ben Samen der erften Thiere eingepadfe geweſen 
wären. ‘Denn fo müßten wir, wider alle Ber: 
nunft, unendlich Pleine wirkliche e ‚annehmen: 


weil ein jedes Ey weniaftens eine malfii 
ner 


TE ud — 


| 


N 





Von der güttichen Vorſehung. 597 


e — und die zweyte Ordnung 
Sher, welche ſchon in dieſem Eye ſtecken ſolltem 
Million mal kleiner ſeyn müßte, als 

erſte Ey, und eine Bimillion kleiner, als bie 
he 7. Was wird denn aus der britten, 


M, endſten Ordnung, ja aus alfen fünftie 

ech werden, welche ſchon, als die 

Schachteln, in einander, umd alle in 

et 
Iten ? zu gefehw daß au 

g folder Präformation oßderfpricht,, weil 

und Polypen bie verlorenen Thei · 

neue gebildet werden *, Da wir 

z Pr} alfo 


N fern theils der zerſtreuten, theils 
— — Samen von Thieren 
langen, find bie einzigen, welche noch einige 
heitlichkeit oder wenigſtens eine Möglichkeit 
baben, und uns bloß auf die einmal in der 
weislich gemachte Bildung verweifen. 

andern haben noch unlängft, jene Hy⸗ 

le im feiner Mechanique des 

„IE. p. 481. faq. dieft Here 

in feinen beliebten Werken Sur 

A —— nen ha er 

. ehe, ich von der Praͤ⸗ 

ober en gänzlich abges 

teil mich die Imagination 

lich zw berechnen üft, Daß diefe 

tr einer wirklich unendlichen Theilbarleit 

eil febon in ber Generation das Sa⸗ 
taufend Meillionen mal Kleiner ſeyn 

[8 das vollgewachſene Thier. Da nun in 

' fecbstanfend Jahren von der Schöpfung an, etwa 
vrry hundert Generationen vergangen find, Bier 
” * ii 








598. VE Abhandling. 


enden gnlar — 
anzunehmen gendthiget 6 fraget fich, 
mechanifche oder elementarifche Kraft und Regel 
bringet diefes zu wege? Wir können in dem orga⸗ 
nifchen Baue der fhierifchen Körper und Pflanzen 
nichts weiter finden, als daß er die zum Gamen 
bienliche Materie, fo zu reden, fichte, preffe, koche, 
und, mie andere Säfte, die aus der w 
zogen, und durch die Gefäße getrieben werben, 
fammen nach einem Behälmiffe 
giebt ihr benn die Bildung eines seganifihen Ki: 
pers? Wollten wir in den Gefäßen, wodurch Die 
Samenmaterie gepreßt wird, ein Modell anneh 
men, welches ber Materie eine gewiffe “Bildung 
gäbe, fo würde dadurch bächftens nur eine 
Geftalt und Figur des Samens entfiehen. Wo 

ber aber würden alle innere Theile des Sameneyes 
fo ordentlich gebildet? Der Herr Büffon , med 
her dazu ein inneres mechanifches Modell erſen⸗ 










J 


vielmehr bey ben Fiſchen und Inſecten, faſt fo viele 
Generationen zu Si wären; ald “Jahre verfloſſen 
find und künftig kommen möchten: fo wuürben die 
Gamenthierchen zuletzt wirkliche unendlich Heine 
Theile der erften Generation werden. Eine unend- 
liche Vielheit wirklicher Theile widerſpricht aber 

er Wirklichkeit, da alled beilimmt feya muß. 
—5* alſo weit eher die zerſtreuten Gamenthier: 
den oder Samenpflänzlein von deteeminirter Or 
und Proportion annehmen, weil die Hppotheſe ein 
facher und an fich möglich ift, wenn mich nicht der 
Augenſchein von fünfmal hundert taufend auf ein: 
mal und in einem Derbande gebildeser Sameneper 
der Fiſche abhielte. 


ste 





bemüßet wäre, fich zu feines Gleichen ga 


fü 





ievon,, auffer ben Lettres & un 
KERN 
ju werden 


getreten Yun. Den Site 2 
ons fur le Syfeme de ia generation de Mr. 
, traduites d’une Brefage allemand« de Me: 
— G. 3. 1752. p- 181. fg. — 


ER 





609 VII Abhandlung. 
hängen, ober anzufchließen. : Allein, wer ſicht 
nicht, daß nach ſolcher Bildungsregel entweder ein 
einförmig gemifchter Körper berausfonnmen wärbe; 
wie, bey den Salzen und Metallen geſchieht; abes 
daß auch die Knochen, und alles übrige, was eine 
Verſchiedenheit hat, jedes fich in einen beſondern 
Kiumpen fammien, folglich nimmer ein ordentlicher 
Bau eines organifchen Körpers aus verfchiebenen 
durch einander geflechtenen Theilen herauskommen 
würde, Was gäbe auch.dem einen Knochen bief, 
dem andern jene Figur? mas bildete bie Fleiſch 
musfeln bald fo, bafdanders? was fügete fie durch 
Knorpel und Sehnen zuſammen? was durchfloͤcht⸗ 
fie mit Nerven, Drüfen, Schlag - und Blutadern? 
Alles dieſes würde ohne und wider bie gefehte 
Bildungsregel gefcheben. | 
Kurz, was bisher zur Erklärung ber Same 
bildungen angenommen worden, iſt alles bloß wil- 
Führlich, unzureichend, falfch, und zum Theile fin 
diſch und lächerlih. Es wird aud) nimmer, weder 
in dem organifchen Baue der Mutterthiere und 
Pflanzen, ein mechanifcher Orund folcher Bildung 
zu finden ſeyn; noch auch ein elementarifcher inden 
kleineren Urſtoffen der Samentheilchen, daß fie ſich 
von felbft, nad) fo viel taufend Modellen, zuſam⸗ 
men fügen. Man fann einem Jeden alle —* 
kraͤfte, die er nur brauchen will, Anziehung, Aus 
dehnung, Zittern, Oſcillation, Gährung, Schwere, 
Schmung, und was erfonft verlanget, einräumen. 
Es wird doch allemal eine blinde unverftändige 
Kraft feyn, in welcher für fid) allein Fein genugfa- 
mer Grund enthalten fern Fann, daß fich fo viele 
ver · 


Hl, Kun, u une dr 
ade — —— 





Karen m — daß denn alles | 
— Mol nes Alk 
von ber, Mothio eines J 
immer mehr. entfernet. Aber, weil 8* 
der kleinſten Urſtoffe, welche die erſten in 
kur find, auch die erfte Zufammenfügung 
Lee und. boch für fich, als blinde Hr 
Grimd oder Regel zur erfien Bildung der 
in ſich halten: fo liege ung darinn die 
—* Abhaͤngigkeit von einem göttlichen 
F cum vor Augen, 


w Ps s% 





4 


ber auf- ddd beliehen. Bas fige daran 
der natkefi 


weder mäßte die A 
fachen von ins Unendliche 


—* 
a de old bieße, als ı 


natuͤrſiche Grundurſache geben ; ober es 


nie erſte unendliche Kraft ſeyn, von wel 
’ ngtürliche "Kräfte: und deren Wirkun 


Bängen.: 
0. we vergeblich ſeyn, daß ma 
Mel ſelbſt als einen wirflich unenblicht 
Dam, und bie Nalur als eine ımendfd 
darinn, vorftellen wollte. Es iſt unleugf 

die * heile der Welt, als Fixſterne, Plani 
alle leblofe und (ebenbige Körper, die wir 
gen haben, eingeſchraͤnkte, endliche Di 
abibar fi find. Eine Zahl aber von endlich 
gen, die wirflid find, Fann nicht unendl 


und folglich fein unenbliches Ganzes ausı 


weil noch immer eine größere Zahl, als di 
che, gedacht werden kann. Gefegt, daß 
Zahl der wirklichen Dinge alles Mögliche t 
ſo muß doch die Zahl endlicher möglichen 
erſchoͤpflich, eingeſchraͤnkt, und endlich feyn 
Fönnen uns bavon bald überführen, wenn 
verſchiedene Möglichkeit der Dinge, deren 
mung und Eigenfchaft wir fennen, von d 
ften Stufe bis zur unterften 

alſo in ber Welt auch alle mögliche Din 
wären, fo wuͤrde doch ihre Anzahl —* 
endlich ſeyn. Wie kann alfo die Welt, 
beſtimmte Anzahl von lauter endlichen m 
Dingen m Reuutraſten, ein — 






lin 


594 VII Abhandlung. 


fammenfegung mitbräcdhte, fondern in fich umnfrädf 
tig märe : fo würde durch die Zufem 
vieler unfräftigen Urftoffe eben fo wenig eine 
entſtehen, als aus ber Zuſammenſeßung wies 
Nullen eine Zahl werden kann *. Wie aber.m 
fich klar ift, daß die Kräfte der Heinften mtheil 
‚ baren Urftoffe eingefchränfet find: fo erhefler num 
uch, daß ihre Schranken nicht Schranken ber 
Ansdehnung find, fondern bloß intenfrve 3 
Graden oder Stufen gedache werben ! koͤnnen. | 
Wenn fie alfo, als eingefchränfte Kräfte, in 4 
nem ſteten Bemühen zur Beränderung 
fo müßte auch diefe Veränderung ihre Grade * 
Stufen betreffen, das iſt, die Kräfte müßten bp 
jeder wirflichen Veränderung flärfer oder ſchwaͤ⸗ 
her, vollfonımener oder unvollflommener werben, 
wie wir an unferer Seele wahrnehmen. ofer 
koͤmmt cs denn, daß diefes ‘Bemühen unverändert | 
und in gleicher Maaße fortbauret ? daß es weber 
aufhöret, noch zu: oder abnimme ? In der Natım || 
felbft ift Diefes nicht gegründee. Kine endliche 
eingefchtänfte Kraft kann ermüden und erſchoͤpft ſe 
werden: fie kann aber auch durch ungehinberte 
Ausübung ftufenweife zuneßmen. Ich glaube 
nicht, Daß man eine vernünftige Urfache gebenfann, | 
warum bie eingefchränften Naturkraͤfte der Fein 
ften Urftoffe, welche fich fo viel taufend Jahre |' 
gegen mancherlen Sinderniffe bemuͤhet haben, is 
zwiſchen nicht abgenommen baben und ſchwaͤcher 
gewor⸗ 
2 Diefed HE bereits ausführlicher in der vi 
lung $ 14-2. 469. 1a, hergerhen. m 








b 
° 
“ ‘ “ 


6. VI Abhandlung. 


auf eilf Loth gehen: fo folgete, daß in dem ganzen 
Roͤgen mehr ale fünfhundert und acht und zwengig 
tauſend Eyer enthalten waren. Wir wollen aber 
die übrigen, und felbft noch die acht und zwanzig 
taufend Eyer für das Gewicht ber Haut abr 
welche den Bündel bekleidet: fo find boch 
fünf mal hundert taufend Eyer in dem Roͤgen eines 
einzigen folchen Fiſches befchloffen. Ein jedes Ey 
hen enthält ſchon feinen ganz zart gebildeten Fiſch, 
‘der in der Eyhaut ganz forgfältig eingepackt liegt. 
Alle Eyer find ordentlich an bie Zwifchenwänbe des 
Mögens zu beyden Seiten angeheftet; und ſie wer⸗ 
ben überhaupt von der gemeinfchaftlichen aͤuſſeren 
Haut befchloffen , durch weiche eine große Aber 
läuft, die ihre Aefte nach jeder Zwiſchenwand, und 
von da wieder fünf hundert taufend Pleinere Aeſte 
nad) allen den Eyern ſchicket; wodurch ein jedes Ey 
feine Nahrung und fein Wachsthum empfang. 
Diefe Bemerfung zeige ung, daß bie Samen⸗ 
eyer nicht auffer ben Thieren fchon zerftreuee in ber 
Welt da gewefen, und etwa durch den Nahrungs⸗ 
faft einzeln zu ihrem Behältniffe geführee find, fon» 
: bern, daß fie alle mit einander, nebft ihren Haͤuten 
und Gefäßen, als ein zufammenhangendes Gewebe, 


auf einmal, und aus einer Materie, in dem Thiere 


felbjt entworfen und gebildet worden. Es läßt ſich 
aber auch feine innere Präformation gebenfen; 
als ob alle Samen der künftigen Geburten ſchon in 
ben Samen der erften Thiere eingepackt gemefen 
wären. ‘Denn fo müßten wir, wider alle Ber. 
nunft, unendlich Pleine wirkliche Theile annehmen: 
weil ein jeves Ey wenigftens sine Million mal klei⸗ 

ner 


— — — — 





Bon der ghrtlichen Vorſchung. 597 

er IR, ls feine Mieter; und Die zmente Orbnung 
Br wat fehon in diefem Eye ſtecken fllten, 
en mal Tan ſeyn müßte, als 

erfte Ey, und eine Bimitlion Meiner, als die 
Mutter. Bi wird denn aus der dritten, 
Ordnung, ja aus allen kuͤnſti· 

werden, welche ſchon, als die 

a — in einander, und alle in 








5 
oder wu 
ch haben, — auf die ei 


weislich gemachte nt, verweilen. 


und ber Contemplation de la Nature, 


r de 
a. aan 2 Es 


vo Ba Bashing vergangen find , oder. 


u 


598 = VE Abbandlang. "- 


elfo in jebem Jahre eine —— ber Eu 
— genoͤthiget find: fo fraget fich, w - 
Ä fche oder elementarifche Kraft mb 9 
— Ne a wege? Wir koͤnnen indem « 
niſchen Baue ber thierifchen Körper und 
nichts weiter finden, als daß er bie zum 
bienliche Materie, fo zu reden, fichte, preffe, € 
und, wie andere Säfte, die aus ber 
en, und durch die Gefäße getrieben * 
mmen nach einem Behälmiffe führe 
giebt ihr denn bie ie Bildung eines * 
pers? Wollten wir in ben. Gefäßen, wedur 
Samenmaterie geprefit wird, ein Mebeil-a 
men, welches der Materie eine gewiſſe BAR 
gäbe, fo würde dadurch hoͤchſtens nur eine &ı 
Geſtalt und Figur des Samens en 
ber aber würden alle innere Theile des 
fo ordentlich gebildet? Der Herr Büffon, 
cher dazu ein inneres mechanifches Modell ‘ 











Generationen ju Kacn wäre ne 
erationen zu ſetzen wären; 
find und künftig kommen möchten: fo wuͤrde 
Samentbiercben — wirkliche unendlich | 
Theile der erſten Generation werden. Eine u 
liche Vielheit wirklicher Theile widerfpriche 
der Wirklichkeit, da alles beſtimmt feya muß, 
würde alfo weit eher die zerſtreuten Samen 
eben oder Samenpflänzlein von deteeminixter € 
und Proportion anne men, weil bie Hyporhefl 
farber und an fich möglich iſt, wenn wich nid 
nu un von fünfmal hundert tauſend au 
mal und in einem Verbande gebildeter Same 
der Fiſche abhielte. 


Bon der gottlichen Vorſchung. 399 


Ban vn in Theilen der Samenma ⸗ 
ordentliche Bildung eindrücen koͤnne, 
ee) an 


vielmehr mas — 
Modell eines zu Körpers kann im 
—— ei Aufferlich oder inn 
in —— ——— 
den ganzen Kaum 
— 8— 





1 Ih enbere gaben in der Materie, mans 
der Tiere und Pflanzen gebildet wer» 
under 
„und fi) in gewifer Ochnung daran zu 
. Pp4 hüngen, 






Do 
3, 
5 
#7 
— 





609 VII Abhandlung. 
haͤngen, ober anzufchließen. . Allein, wer fiebe 
nicht, daß nach foldyer Bilbungsregel entweder ein 
einförmig gemifchter Körper berausfonnmen wuͤrbe 
wie, ben den Salzen und Metallen geſchieht; oder 
daß aud) die Knochen, und alles übrige, mas eins 
Verfejiedenpeit hat, jedes ſich in einen befonben 
Klumpen fammien, folglich nimmer ein orbentliche 
Bau eines organifchen Körpers aus verſchiedencn 
durch einander geflochtenen Iheilen herauskommen 
würde. Was gäbe auch dem einen Knochen biefe, 
dem andern jene Figur? mas bildete bie Fleiſch⸗ 
musfeln bald fo, bald anders 7 was fügete fie durch 
Knorpel und Sehnen zufammen? was burchflöchte 
fie mit Nerven, Drüfen, Schlag - und Blutadern? 
Alles dieſes wuͤrde ohne und mwiber die geſetzte 
Bildungsregel gefcheben. 

Kurz, mas bisher zur Erklärung ber Samen 
bildungen angenommen worden, ift alles bloß wiß 
führlich, unzureichend, falfch, und zum Theile fin« 
Difch und lächerlih. Es wird aud) nimmer, weder 
in dem organifchen Baue der Mutterthiere und 
Pflanzen, ein mechanifcher Orund folcher Bildung 
zu finden ſeyn; noch auch ein elementarifcher inden 
kleineren Urftoffen der Samentheilchen, daß fie ſich 
von felbft, nach fo viel taufend Modellen, zufams 
men fügen. Man fann einem Jeden alle Matuw 
kraͤfte, die er nur brauchen will, Anziehung, Aus 
Dehnung, Zittern, Ofcillation, Gährung, Schwere, 

mung, und was er fonft verlanget, einräumen. 

Es mird doch allemal eine blinde unverftänbige 
Kraft ſeyn, in welcher für fid) allein kein genugfa- 
mer Grund enthalten ſeyn kann, daß ſich fo viele 

ver⸗ 





Bon der göttlichen Borfehung. 60 


hiebene Theilchen, fo zu reden, unter einander 
tehen, und ohne alles äufferliche oder innere 
erielle Modell, und wider die Aehnlichkeit ih⸗ 
Natur, bloß nach Abſicht, Gebrauch. und Plus 
eines jeden Thieres und einer jeden Pflanze, 
mtlich zufammen fügen. Gewiß, nichts Fann 
ſtlicher, verftänbiger, göttlicher feyn, alg dieſe 
ner fortwährende neue Bildung fo vieler Millis 

ı Thiere und Pflanzen; und wir werden durch 
klaren Augenfchein genöthiget, eine höhere 
ift eines verftänbigen Weſens zu erfennen, durch 
m Einfluß die blinden Kräfte der Lrftoffe, 
chſam als die Stralen durch den Spiegel, eine 
btung zur Entwerfung fo vieler fünftlichen Bil⸗ 
gen empfangen. Was oben wider das Ent 
en der Thiere durch ein blindes Ungefähr gefage 
ben, gilt aud) bey ihrer Fortpflanzung durch 
be Naturkraͤfte. Man Fann fich ja endlich 
l vorſtellen, wenn erft die Urftoffe in ihrer 
ten Zufammenfügung find, daß denn alles für 
feinen orbentlihen Gang nimmt, und fi, fo 
eden, von ber Nothwendigkeit eines höheren 
fluſſes immer mehr entfernet. Aber, weil die 
ifte der kleinſten Urftoffe, welche die erften in 
Natur find, auch bie erfte Zufammenfügung 
m follen, und doch für fih, als blinde Kräfte, 
en Grund oder Kegel zur erften Bildung der 
men in fich halten: fo liege ung bdarinn bie 
wendige Abhängigkeit won einem göttlichen 
fluſſe Elärlich vor Augen. 


Pp5 59. 





608 VUN Abhandlung, 


Es iſt demnach auch finnlid offenbar, deß 
Sottes alimaͤchtige Wirkung in die Welt nicht mit 
der. Schöpfung ganz aufgehöret habe, fondern fh, 
wie fein Wiffen und Wollen, über die ganze Dauer 
ef das on de ebenigen au äig Güm 
au der Sebenl au 
führe. Und biefes it e6, was wir eine 
Vorſehung nennen. Wir haben fie aber 


als eine allgemeine, fondern aud) als eine befünbes 


befonders in feine Erwägung und Vorſorge genom · 
men habe. Mein : in folhem Verſtande wuͤrde 
alle Borfehung, ſowohl über lebendige als lebloſe 
Gefchöpfe, eine befondere Vorſehung zu nennen 
ſeyn, weil feine Weisheit alle und jebe, auch die 
allerfleinften Theile und Begebenpeiten in der ‘Welt, 
in aller Folge der Zeit, aufs deutlichſte betrachtet 
dat. Wir Menſchen aber nennen bie göttlie 
che Vorſehung für uns eine befondere Vocſe ⸗ 
En fo ferne fie eine ausnehmende Güte für um 

Wohl enthält, 

Der Begriff Hat feinen guten Grund. Denn 
wenn es wahr ift, daß wir ausnehmenbe Worzüge 
in unferm Weſen und Naturfräften zu einer höher 


ren Gluͤckſeligkeit von Gott befonnmen haben; und 


daß wir allein auf dieſem Erdboden, durch die 
dabig· 


Bon der göttlichen Vorſehung. 603 


igkeit, unfern Schöpfer zu erfennen und zu ver. 
, in’ eine Gemeinfchaft und Werbindung mit 
ı gefeßt find, mie ich oben ausführlich gezeigt 
e: fo muß aud die Abfiche auf unfer Wohl, 
folglich feine Güte für uns, bey diefer Vorſe⸗ 
g ausnehmend, und in foldhem Verſtande be» 
yer feyn; und ein jeder einzelner Menſch kann 
ı muß fich diefe befondere Vorſehung Gottes zu 
ee Beruhigung jueignen. 
Er wird nun die allgemeine Einrichtung ber 
de, die Naturkräfte und beren Regeln, ben 
oben und befien Bequemlichfeiten, als Dinge 
eben, bie nach nöttlicher Abficht auch ihm bes 
bers zu Gute fommen follen:: da die ewige 
rſehung auch auf ihn gedacht, und ihm in Dies 
; prächtigen Gebäude für die Jebendigen auch 
ı Dafeyn und Leben zu feinem- Wohl beſtimmet 
3 ba auch für ihn die ganze Natur gefchäfftig 
ımuß, und, mo nicht in allen Stücken koͤrper⸗ 
hilft, dennoch allenthalben zu einem Lehrbuche 
set, feinen Schöpfer und deffen Bollfommenpeiten 
refennen, und daran ein vernünftiges Vergnügen 
yaben. Er wird nun das Gute, was er am Leibe 
> Gemüthe, an Gefundheit, Bildung, Kräfs 
‚ Sinnen, Verftande, Wiße, Gedaͤchtniſſe be⸗ 
, nicht unempfindlich genießen, als Dinge, 
ee etwa bloß einer blinden Naturkraft zufchreie 
ı dürfte, fondern er wird fie als Gaben anfehen, 
ihm von dem: meifen Schöpfer und Geber alles 
ten zu einer vorzüglichen Gluͤckſeligkeit beſchie⸗ 
ı find; und wird um fo viel mehr von dankba⸗ 
Empfindung, und von Eifer zue Erfüllung 
göttlie 


604 vn Abhandlung. 


aöttlicher Abfichten, gerühret werben. Wenn er 
fich durch fein eigen Betragen eine Vollkommen⸗ 
heit ober äufferlichen Wohlftand erworben : fo ver« 
gißt er nicht, daß ihm Gott dazu nicht allein bie 
Kräfte unb Gelegenheit gegeben, fondern auch bie 
Regeln bes Verftandes und Willens eingepräget, 
welche ihn auf den Weg der Wahrheit und Gluͤck 
ſeligkeit gebracht; und wird burch die innere Suͤſ 
figeit, welche in dem Erfenntniffe und der Tugend 
gelegt ift, und durch die dußeren Belohnungen, 
Die Der Lirheber ber Natur mit folchen Handlungen 
verknuͤpft hat, deſto williger, den meifen’ Vor⸗ 
fhriften und Abfichten feines Schöpfers zu folgen. 
Wiederfaͤhrt ihm ohne fein Zuthun etwas Gutes: 
fo erfreuet es ihn deſto mehr, weil er es nicht einem 
ungefähren Zufalle und blinden Gluͤcke benmißt, 
fondern verfihere iſt, daß es ihm von dem 
großen Negenten der Welt, als ein außerordent⸗ 
lid) Gnadengeſchenk, wiſſentlich, durd) die weife 
Verknuͤpfung der Dinge befchieden ſey. Er bes 
benfet oft, mit wie vielem Böfen er von Gott ver» 
fchonet worden, dem er theils nad) feinem Weſen 
in ber Welt unterworfen war, £heils auch fich felbit 
bloß geftellet hatte, fo, daß es ihm ſchon über dem 
Kopfe ſchwebete. Er achterfleißig auf die göttliche 
Führung, wie ihm diefes und jenes vermennte 
Gluͤck nur würde gefchadet haben, und wie ihm 
hingegen mandyer Mangel und manches Böfe zum 
Mirtel feiner Wohlfahrt gedenen muͤſſen. Er 
überlaße demnach alle feine Begierden und $eiden« 
ſchaften in Gelaſſenheit einer fo gätigen Vorſorge, 
nad) welcher ihm nichts chne den weifeften Rath 

wicdere 





Von der göttlichen Vorſehung. | 605 | 


eberfahren kann, fondern alles zum Beſten dies 
n muß. Er genießt des Maaßes vom zeitlichen 
Idee, das ihm beſtimmet ift, in Zufriedenheit 
d bankbarer Freude. Das Zufünftige, mas er 
"er vorausfehen noch ändern kann, überläßt er 
m großen Megierer der Welt unbeforgt s hoffet 
iterdeſſen bas Beſte, ift aber auch bereit, die 
nfälle, welche die Schwachheit feiner Natur und 
in Stand in der Welt, nach der allgemeinen 
erknipfung der Dinge; mit fich bringen möchte, 
groft und ſtandhaft zu übernehmen. : Ev ift vers 
hert, daß ihm alles, nach dem Rathe der Vor⸗ 
bung, zum Beſten gebeyen müffe; und er be 
achtet felbft Die Wideriwärtigfeiten, Krankheiten 
W Schwachheiten des Alters, als Wohlthaten, 
ebche ihm bie Luſt dieſes finnlichen Lebens nach und 
sch benehmen, und fein Verlangen nach einer rei- 
sen und dauerhafteren Gluͤckſeligkeit erwecken 
llen; iſt auch gaͤnzlich uͤberfuͤhret, daß Gott ihm 
ine ſolche Natur gegeben haben wuͤrde, nach de⸗ 
n Regeln er eine Vorſtellung und ein Verlangen 
sch. einer zukünftigen befferen Gluͤckſeligkeit haben 
uß, wenn er ihn nicht nad) feiner gütigen Dorfes 
mg bazu beſtimmet hatte. 
6 10 


Dieſe Verfaſſung des Gemüthes ift one Zwei⸗ 

[ die einzige, welche unfere Begierden in Ord⸗ 
ang beingen, und uns bey allen Begebenheiten 
ı der Welt getroft, zufrieden und vergnügt ma⸗ 
en kann: fie ift aud) die einzige, welche in unſe⸗ 
r Marur, in der Verknüpfung der Dinge, und 
N 


⸗ 


606 VIII Abhandlung ' 


in den göttlichen Vollkommenheiten und Abf 
Grund hat. . Da fie num befonders aus ber I 
führung von Sortes gnädiger Borfehung enefpi 
fo müffen diejenigen eine fehr verkehrte Worfti 
davon haben, denen die göttliche Vorſehung 
Anftoße und Fallſtricke gedeyet, daß fie daruͤl 
Verwirrung, Unruhe, Misvergnügen und 
zweifelung gerathen. Sie machen ſich naͤ 
nach ihrem Unverſtande und ihren Luͤſten, ein 
und eine Regel, wie die göttliche Vorſehun 
fhaffen ſeyn und verfahren müßte, wie die 
ausfehen, und wie fie regiert werben follte. 
ba es nicht allmege fo ift und geht, wie | 
wollten : fo Fönnen fie nun gar feine Worfel 
feine Weisheit, Abfiche oder Güte, ja E 
Gore mehr in der Welt fehen. Alles ift ihner 
kehrt, unordentlich, wibrig. Sie berauſche 
zwar zum Theil in den gegenwärtigen Luͤſten, 
fie ihren Verdruß und ihre Verzweifelung übe 
ben mögen. Dennoch duͤnket ihnen das geben 
überriegender Unluft,und die Welt mit lauter 
angefüllt zu feyn. Sie find nad) ihren Gede 
durch ein bloßes Ungefähr, oder durch eine b 
Mothwendigfeit, durch eine leblofe Natur, di 
ſelbſt nicht kennet, in folche Welt hinein gewo 
und taͤglich gleichſam allen Fluthen, Klippen 
Stürmen einer wilden Ece, ohne einen St 
mann zu haben, bloß gefteller ; und in t 
eroft: und hoffnungslofen Ungemißheit ihres E: 
fales, eilen fie dem Tode, als dem gaͤnzl 
Ende ihres Seyns, mit Furcht und Zittern 
gegen, 





n der göttlichen Vorſehung. 607 


Grund biefer ungfückfeligen Gemuͤthsver⸗ 
egt in verfchiebenen Irrthuͤmern von der 
ig; obwohl auch ein verfehrter Wille daran 
haben ſcheint. 

ie mennen, wenn eine Vorſehung märe, 
: gar feine Unvollkommenheit und Fein 
der Welt fenn: gleich als ob eingefchränfe 
, woraus bie Welt befteht, gänzlich voll» 
. und von Mangel und Boͤſem ftey ſeyn 


zie unterwinden ſich, über bie Unvollkom⸗ 
ı und das Boͤſe in der Wele Richter zu 
eich als ob ein Menfch die Verbindung 
reinftimmung aller Dinge überfehen Finn. 
nicht oft, nach feinem engen Erkenntniſſe, 
was zur Vollkommenheit des Ganzen ge 


ie fegen fich zum Mittelpunfte der gan⸗ 
r, und mollen, daß alles allein für fie, 
‚, ihrem Wunfche, gefchaffen feyn follte ; 
ob die Welt nicht eben darum vollkom⸗ 
ire, da fie für alle mögliche Lebendige ein- 
iſt; und als ob eine foldhe Welt ihnen 
t vortheilhafter wäre, als biejenige , wel. 
va für fich allein, nach ihrem Sinne, bauen 


Sie fordern von ber görelichen Vorſehung 
te und heitere Tage in der Welt; da doch 
en und nemifchten ihnen fchon fo gut find, 
efelben nicht ertragen können. 

Sie wollen das Böfe,gegen alle Natur und 
fung der Dinge, von ſich abgewandt En 


’ 


608 VII Abhandlung. Bon der x. 


fen; und fordern eine Vorſehung, die ſtets Wun⸗ 
der für fie thun fol, un und bie über die Tugendhaften 
nichts als Gutes, über bie Laſterhaften nichts als 
Boͤſes verhängere : ba doch durch fiete Wunder, 
ſtatt Eines Boͤſen, taufenbfältiges würde einge: 
führet werben ; nun hergegen felbft Bas Boͤſe zum 


Mittel des Guten angewandt iſt. 
6. Sie ſchraͤnken die Vorſehung auf dieſes Is« 


ben ein, und ſchneiden ſich ſelbſt alle —— 
einem künftigen ab : ba doch diefes die vornehmfle 
Abficht der göttlichen Borfehung über die Menſchen, 





und der Präftigfte Troft aus derfelben ift, daß fie | 


unfere Gedanken und Begierden auf eine dauerhaf⸗ 


sere und höhere Gluͤckſeligkeit richtet. 
Allein, die genauere Beantwortung dieſer Zwei⸗ 
fel erfordert eine befonbere Abhandlung, worinn 


ich fie nach einander durchgehen und beantworten : 


werde *°, 


Der erfte Irrthum iſt in der folgenden IX 96 * 
a Ra SA —— 
dritte 67 — 10. ber vierte 611. 12. der fünfte 
ae der fechfte F 20. und in ber X M⸗ 
dlung. 


— —— — — 





I 


2 9 609 
Die neunte Abhandlung. 


zorinn die Nichtigkeit der Zweifel ger 
gen die göttliche Zrſebung gezeiget 
wird. u 


$ 
aſſet uns bie irrigen Borftelungen ‚ welche ges 
’ gen bie görtliche Dorfen Zweifel erregen, 
ch einander durchgehen. Der erſte Einwurf ift 
z alt: Wenn ein Gott, wenn eine Borfehung 

, woher koͤmmt denn bie Unvollkommenheit und 
5 Böfe in der er a Er feget eines Theils gang 
be zum ‚ daB aus Gottes Wefen und. 
genfihaften af en an fh nichts Unvellfommenes oder 
des, fondern lauter Gutes, herzuleiten fen; und 
6 iſt genug zu Goftes Rechtfertigung. Aber an« 
m Theils fehlet er darinn feht, daß er das Weſen 
d die Natur bes Gefchöpfes gar nicht in Be— 
ichtung ziehe, was diefelben leiden ober in fich 
ließen. Beydes muß gegen einander gehalten 
zden, wenn man urtheilen will, wie viel Boll 
mmenpeit der unendliche Schöpfer den endlichen 
ingen auffer ſich hat mittheilen fönnen, 

Wir würden ja eben fo verfahren, wenn mie 
6 vwerftänbigften und beften Künftlers MWerf in 
yon und Erbe unterfuchgn wollten: daß wir nicht 
ein aus der Vollkommenheit des Berftandes und 
e Wiflenfchaft bes Künftlers , wie auch aus ſei⸗ 
m guten Willen und Abſicht immer fortfchlöfl 
e das Wert beſchafen 9 müßte; ſondern Er 


610 IX Abh. Nichtigkeit der Zweifel 


bie Natur des Thons mit in Erwägung ge 
was, vermöge berfelben, möglich fey. 
wir den vollfommenften Regenten als ben Stil 
einer gewiffen Republik betrachten :, fo werben ı 
uns ja nicht, aus bem einzigen Begriffe bes 8 
genten felbft, eine platonifche Republik in elyſiſch 
Feldern vorftellen; fondern aud) die fage und J 
tur des Landes, die Fähigfeie, Eigenfchaft u 
Neigung des Volkes, mit in Betrachtung nehme 
um zu fehen, was der vollfommenften Weisheit ein 
Regenten, bey einem folhen Volke, in einem folch 
Sande, anzuordnen gemäß wäre. Warum betrach 
mandenn Bott nicht auch als den herrlichiten Wer 
meifter, aber in zerbrechlichen Gefäßen ? als den w 

-feften Regenten, aber über endliche Gefchöpfe? 
bliebe dem hoͤchſten Wefen feine Ehre, bey all 
Unvollkommenheit der Natur. 

Es ift der Vernunft entgegen, daß man bi 
Verhaͤltniß zweyer Dinge gegen einander nicht na 
bender Natur und Wefen betrachtet; und mc 
muß auf foldhe Art nothwendig in mancherley W 
derfpruch verwickelt werden. Go find denn eini 
Menfchen dahin verfallen, daß fie wegen der Uı 
vollfommenheit und des Böfen in der Wele, fer 
Vorſehung, Feine Schöpfung, feinen Gore erfa 
nen wollen: fondern die Welt und Natur für da 
erfte felbftändige Wefen gehalten haben. Welch 
Thorheit! Sie konnten nicht begreifen, daß ei 
Merk des erften felbftändigen Weſens irgend ein 
Unvollfommenpheit oder Boͤſes an ſich Haben koͤm 

te; und nun Pönnen fie begreifen, daß das erfl 
ſelbſtaͤndige Weſen ſelbſt, nämlich, bie har 


Wegen‘ die: göttliche Vorſchung · 6m 
elche fie fie dafte Balken, alle dieſe Umnvellkoumen⸗ 

und dieſes Boͤſe unter feinen wefentfichen Ei 

in fich faſſet ? 

"Andere haben aus ber Welt ein Wert — 
von zweyen felbftändigen, nochwendigen, ew·· 
fl, aber ganz widrigen Wefen, einem guten und 
em entftanden; fo daß daher Gutes und 
28 in der Welt unter einander gemiſcht wäre. 









Ber auch, dadurch wird die Unvollfommenpeit unb 
X öfe von ber Melt in den Werkmeiſter ſelbſt 
eferer, und noch dazu die Volllommenheit des be-· 


nlBefens eingefchränfet und abhängig gemachet. 
in denn ein nothwendiges, unendliche 
ʒwiefach und verfehieden fepn? wie fönnen 
einen —— — — ‚ Wien 1 
he haben, da doch das eine nicht Denfer, 
ann, wie das andere? Ihre "Sinfhe und 
Haufen wider einander: das eine will das, 
hate, das Andere bas Böfe: das eine hat fo we⸗ 
als das andere, feinen Willen gänzlich 
zu bringen, Sie werden dennoch bey 
—— Willen entweder eins, ein jedes das 
em Werke benzutragen; ober das Eine 
' Boch nicht Kindern, dafi dasjenige, was es 
, von dem Andern verdorben 
(he Begriffe! wie haben die —X 
feon konnen/ dergleichen Gemenge in 
fen zu beherbergen? ober wie hat & 
Mann neuerer Zeit feinen Witz vers 
mögen, diefer Mepnung eine Farbe zu 


— 2g3 98 





612 IX MH. Nichtigkeit der Zweifel 
. ‘® | 


Es gereichet dem ‚Herrn von Leibnig 
 unfterblichen Ruhme, daß er diefen Nebel, de 
Denfchen fo lange auf die gefäßrlichften Ser 
verleitet hatte, durch ein neues Sicht vertri 
und einen richtigen Mittelweg geröiefen hat, 
tms bey aller unferer Unvolllommenheit deuno 
dem vollfommenften Weſen führer. 
, Ein unendlidher Verſtand eines felbftäm 
Weſens konnte fich nichts auffer ſich als md 
vorftellen, ohne nur eingefchränfte, veränber 
abhängige Dinge. Denn wenn ihnen nicht 
Vollkommenheit mangeln follte; wenn fie 
mwefentliche Schranfen, unveränberlich, una 
gig, nothwendig, felbitändig , ewig ſeyn fol 
wie fönnten fie denn als folche gedacht werben, 
bloß durch Gott, als das erfte Wefen, ihre 2 
lichkeit erhalten müßten? Wenn alfo nichts a 
Gott als eingefchränfte Dinge zu denfen wareı 
fonnte aud) bloß die verſchiedene Möglichkeit 
Schranken eines jeden Dinges befonderes U 
beftimmen; nicht anders, als es ſich in den 9 
ren verhält, davon fo viele, verfchiedener Art 
Weſens, möglich find, als die Einſchraͤnkun 
nes Raumes Verſchiedenheit leidet. 
. Aber eben darum, weil ein jedes auffer ı 
mögliches Ding feine eigene weſentliche Schra 
der Vollkommenheit haben mußte, und ohne 
ſelben eben fo menig das ſeyn fonnte, mas ei 
als ein Dreyeck ein Dreyer fern, und doch dh 
genfchaften eines Zirkeie. haben kann: fe f 
- " 9 


oner du ohetliche Wörfefang.: - 3 
ich, Daß atwas auffer jedes Dinges Cchramfen 
ne nn Se 
Me ne j 


ur 
u 


ul 


Fönnte, fo 8 Nee ihi für 
wiſchen Menſchen und Thleren hal ⸗ 
wenn wir Engelverſtand haͤtten, fo wuͤr · 
uſhoren, Menſchen zu ſeyn. Jedem find 
ſo weſentlich als den Figuren. Ein 
E Fann nicht ohne Mangel der vierten Seite 
vierten Winfels, und alfo nicht — ein 
gedacht werden. Und ein Vieredk ift nicht 


fonnte Gottes Verftand a 
eingefchränfte Die en ohne Mangel 
anbern ‚ober mehreren Vollkommenheit ge 


A 


Hi 


ss 


Biefer wefentliche Mangel einer anderen 








m 





| 
J 


3 
HIHHET 
* 


, ber vieles 


Ä ifte undeutlich 
dem Maaße feiner Schranken, mehr 
. ger, der Unmiffenheit, Wermirrung , un 
Irrthume unterworfen. Daher fönnen | 
Mängel auch in der Worftellung des Gut 
Boͤſen äuffern, und bas Boͤſe ſtatt des Gu 
waͤhlet, das Gute als ein Boͤſes verworfi 
den. Es iſt alſo offenbar, daß eine Welt v 
‚ter eingeſchraͤnkten Dingen ohne. Moͤglichk 
natürlichen. und fittlihen Boͤſen nicht zu gı 
ſey; und daß befonders die Gluͤckſeligkeit dei 
digen nicht höher, dauerhafter und: reim 
Sonnte, als jebes eingefchränfte Weſen kitt⸗ 
$ 3.0.2008 
Was follte nun die vollfommenfte 
Vorfehung hun? Sollte Gott. nach 
ber gar feine Welt (chaffen, Damit nicht el 
Boͤſes zur Mirklichkeit käme? Das hieße 
gen des Mangels einer Vollkommenheie, 


i 


* 


> 
.me 


F 








m —— 


Ion “ 





"ra Di he Merk viʒ 







ꝓwege⸗des yafälligen Boſen, auch bas mer. 
Öxte. 2* ‚wegen. det —88 
| 22 Des Sehens und ber Luſt, gar uier 
| Sehen if gönnen. - | 
u Marbe man den Fuͤrſten fix weiſe, guͤtig und 
‚Kofen Weite 


mien⸗ 
—2———— ber . besmes 
‚nicht: bepölfenteg: und: feine Stäbte, 













Miabe fein "Sand mit $eben, Nahrung, Veberflufe, 
in· Konſten, Wiſſenſchaften und guten Sitten, 
ÜnSuf; SBergnügen und Glüdftigteit dergeftalt 
— daß aller Mangel und Kummer babey 
— nad. da ein aß einiger Faulen.wab Bose 
n.gegen ber. übrigen 

. Staats Wohlfahrt für 


20 Denn ber gättihen Weicheit un 


HB yunefen, bie Schöpfung ſo * 


516 TX M65. Richtigkeit der Zweifel 
ſich faffet , begreift alle Innere Vollkommenheit 
Luft und Glücfeligfeit, die möglich ift, und ale 

Damit übereinfiimmende äuffere Boll 

und Schönheit; fo, daB darinn ftets alle Stufen 
des VBergnügens, nad) allen | Arten bes 
$ebens, durch Sinne, Triche, ng, Nah⸗ 
rung, Fortpflanzung, Werftand, Big, Cinfuht, 
LUebe, und alle: höhere Kräfte genoffen werden. 
Diefe alfo wirklich) zu machen, und allem, was eb 
ner Luſt fähig war, Leben und Gi nach 
feiner "Art zu gönnen, das iſt ber große Zweck des 
Schöpfers geweſen. | 
Hiernach ift der ganze Bau der Welt aufs 
toeifefte eingerichtet; und die Natur der lebloſes 
Dinge iſt ftets für das Wohl der Sebendigen, ofmt 
unfer Denfen und Zuthun, arbeitfam. Die me 
&anifchen Regeln, wornach fomohl in ben großen 
Weltförpern, als auf unferm Erbboden, alle ſicht⸗ 
bare Begebenheiten erzeuget werden, flimmen an 
fich mit diefer Abficht unverbefferlich überein. Die 
Cörperlichen Werkzeuge der Lebendigen, zum fehen; 
bören, riechen, fchmeden, fühlen, zum bewegen, 
nöhren, zeugen, fprechen, find mit wunderbarer 
Kunft zum Genuffe der $uft gebildet. Die inneren 
Kräfte der Seele, die anerfcdyaffenen Ferrigfeiten 
und Künite der Thiere, bie eingepflanzten Megefn, 
wornach fich unfere Vorftellung, Einbilbungsfraft, 
Erinnerung, unfer Bewußtſeyn, unferBerftand und 
Wille richtet, zielen alle gerades Weges auf dA 
Erlangung einer jedes Natur gemäßen Gtlädfelige 
keit. Was alfo von biefem Ziele in der Welt abs 
weicht, das koͤmmt nicht von dem, was Gert 
zur 












"gegen bie göttliche Vorſehung. 617 


w Wirklichkeit gebracht hat ımb erhält, (denn 
as ift alles untadelich , gut und vollfommen) 
mbern von den weſentlichen Schranfen der Dinge, 
as ift, von bem Mangel foldyer Vollkommenheit, 
ie das Wefen der Dinge nicht litte. Es ift nicht 
be ordentliche Wirkung der Kräfte und ihrer Re⸗ 
ein, noch bie gerade Abficht Gottes, fondern eine 
fällige Begebenheit, welche ein Zufammenlauf 
er natuͤrlichen Kräfte und Regeln, wegen der we⸗ 
utlichen Schwäche endlicher Dinge, veranlaffet. 


einer folhen Welt muß dennoch das Gute 
x glich herrſchen, weil es in der ganzen 
Hinrichtung und Natur, fo ferne fie in einer Wirk- 
keit beſteht, gegrünber if. Das Boͤſe muß 
Ife weit uͤberwogen werben, meil es nicht weiteren 
jeund hat, als in denen Fällen, weiche die Schran» 
m ber Dinge, oder eine Abweſenheit mehrerer 
iirklichen Vollkommenheit, veranlaffen. ya, 
Soft das Böfe muß fid) zum Gurten Ienfen, und 
im Mittel der Vollkommenheit des Ganzen , ober 
uch einzelner Dinge und ihrer Arten und Geſchlech⸗ 
vw, werden: weil es nur zufälliger Weife, ſelbſt 
us den Regeln des Guten, entfpringt, und be 
ach feine Richtung zum Guten allegeit behält, 
50 war es benn auch den Megeln der hoͤchſten 
Beisheit und Güte gemäß, folhe Abweichungen 
sulaffen, ba fie in der Vollkommenheit des Gan⸗ 
m verfchwinden, und ohne Aufhebung des Guten 
lcht wegbleiben fonnten, fonbern vielmehr zu beffen 


Seförberung das Ihrige beptragen. 
J Dgs $ 4. 


v 


63 IX Abh. Nichtigkeit ber Zweifel 
$ 4. 


Es ift aber zweytens offenbar , baß foldhe 
Menfchen, welche die Schöpfung und Vorſehung 
nieiftern, oft nach ihrem engen Erkenntniſſe, und 
nad) ihrer furzen Einficht von der Verbindung ber 
Dinge, für unvollfommen und böfe.erflären, was 
in der That gut ift, und was zur Vollkommenheit 
ſowohl des Ganzen, als der Gefchlechter, Arten, 
und einzelner Dinge, gereihel. Daher es denn 
auch gefchieht, daß fie das Boͤſe in der Welt nad 
ihren irrigen Gedanken vermehren und vergrößern, 
und das Mebergewicht des Guten defto weniger 
einfehen. 


Eines Theiles find ſehr viele Dinge in ber Welt, 
deren Abſicht, Nothwendigkeit, Mugen und Les 
bereinftimmung mit den andern, feines Menfchen 
Verſtand überfehen kann. Es gehöret ein unenblicher 
Beritand dazu, die Vollkommenheit und Unvollkom⸗ 
menheit der ganzen Welt, im Großen, im Klei⸗ 
nen, dem Raume und der Zeit nach, zu beurtheilen, 
So fehr wir nun von folder Einfiche entfernet find, 
fo vermeffen ift es auch, etwas für unnüße, um 
vollkommen ober böfe zu erflären, bloß weil man 
nicht weiß, wozu es gut fenn ſollte. Es kann in 
einem niedrigen Gefichtspunfte lauter Unorbnung 
zu feyn fcheinen, mas ein erhabenes Auge billiger 
für Schönheiten hal. Wie? wenn ein Hund, 
mit feinem an der Erde ſchwebenden Kopfe, bes 
beiten Gartens Schönheit fich getrauete zu überfe 
ben : würde er nicht allen£halben Mängel und 8* 

hr 





gegen die göttliche VBorfefung. 6is 


hrtes Wefen barinn zu finden vermennen ; zu⸗ 
al, wen erfich einbilbete, daß der Garten bloß 
r ihn angelegt feyn müßte? Würden ihm nicht 
e Beeten, Stauden, Töpfe, Bildfäulen, Hecken 
ıb Lauben, ja felbit die Bluhmen und Frucht 
lume, allerwärts im Wege feyn, wenn er mit 
nem Gatten wild herum ſchwaͤrmen mollte? un: 
rdeſſen, da bes Herrn fcharfes Auge aus feinem 
ltane alle Schönheit dieſer Fünftlichen und nuß« 
wen Einrichtung mit dem größten Vergnügen 
ıf einmal überficeht. Wie wollten wir Menfhen, . 
e wir an der Erbe Fleben, von dem mahren 
Berhälmniffe ber Dinge in der ganzen Welt richti» 
e.urthellen? 

Aus dem, was wir von der Vollkommenheit 
vieler Dinge Plärlich wiffen, ſchließen wir meit 
wnünftiger und billiger auf bas, mas wir nicht 
iſſen, daß es gleichfalls nugbar und gut fenn 
erde; als daß wir, wider bie erfannte Befchafe 
nheit fo vieler Dinge, von andern, lediglich we⸗ 
m.unferer Unwiſſenheit, gedenken mwollten, als - 
> fie unnuͤtze, unordentlih, unvollfommen und 
sie fern follten. Demnach hat das Tabeln ber 
Ssthöpfung und Vorſehung, auch in den befondern 
ällen, wo fein Menfch die Güte der Dinge bes 
eifen kann, ben gerechten Vorwurf des Unver⸗ 
andes gegen ſich · 

Wie viele aber haben nicht ſchon ihre thörichte 
ebereilung im Tadel der Natur verrathen, da fie 
lanches aus bloßer Unmiffenheit für unnüge und 
dfe erklaͤret, davon man jetzt Flärlich zeigen kann, 
aß es allerdings nuͤtzlich, und, wie zur Erhaltung 


dee 


Wenn Lucretius, nad) 





m au TREUE 


der Menfchen oder Tpiere, fo. auch; zur Vollto 
menheit des Erdbodens, ‚überaus 


Ei 


Kpicuri 
darthun will, daß die Natur der Dinge nicht v 
Gott fern Eitne, meil fie fo viele Fehler — 
heruſt er ſich — anfangs — daß 
Felſen, Wälder, Seen und Meere fo 
unnüger Weife eimäpmen, ja daß zwey 
des Erdbodens vor u großer Kälte und 


Ind u herr prope par Fri wer, 


gegen die göttliche Vorſehung. 631 


nach weiſem Rathe umd Vorſehumg eingerich⸗ 
PA So müffen ſich die Menfchen Baader ms 
ht lächerlich machen, bie fi erfühnen, ben 
Rangel ihrer Einficht zum Grunde eines Tadels 
Gottes zu legen. Wir wiffen heutiges 
* noch genauer und geile, als die Alten, 
aß der ——e— den waͤrmſten Gegenden an, 
einen ehr hohen Brad der Kälte, feine 
r und haben konne. Wir genießen 
ie Wortheile mit fo vielen nugbaren und angenehe 
nen Dingen, bie uns aus Oft-und Weſtindien, 
ms Norwegen, Island, Grönland und Siberien 
wgefüßret werben. Wir bewundern bemmach viel« 
sehr Die weife Vorſorge Gottes für uns Menfchen, 
ij er uns eben dadurch zu Herren des garen 
wbobens machen wollen, ba unfere Natur fich 
aller Koft und tuft in allen Gegenden gewöhnen 
m; wenn hingegen bie unvermünftigen Thiere in 
em Pleinen Erditriche eingefchränft find, weil 
nicht allermärts ihr Zutter finden, noch alle Luft 
ragen koͤnnen. 
Der große Nutzen, welchen die Berge leiften, 
ı auch nunmehro genugfam befannt fern *. 
n außer, daß es dem Auge fo angenehm als 
wig läßt, den fteten Wechſel von Bergen, 
In, Tpälen, Wiefen und Feldern zu 
n, fo find Die Berge mehrentheils ein beque- 
ufenthalt für fo viel Menfchen und 7 die 


Ki 


€ Derham’s Phyfcotheolagie, III. . 
IE Becrand Eilt für ler einen den unge 
"une lee für le Nil, Zune ren ” 


623 L Abh. Nichtigkeit der Zweifel 


daſelbſt ſichere Wohnung, reine und geſunde Luft, 
und reichlichen Unterhalt finden. Manche Thiere, 
nuͤtzliche Gewaͤchſe und Bäume, koͤnnten gar nicht 
auf dem Erdboden ſeyn, wenn nicht hohe Berge 
waͤren, als auf welchen allein ihre Natur ihnen zu 
leben und zu wachſen verſtattet. In dem Inneren 
der Berge werben uns allerley nutzbare und koͤſtli 
che Metalle, Edelgefteine, Werfftücde und Erdges 
waͤchſe erzeuget. Sie geben an fich der äufferen 
Erdrinde eine Feftigfeit, zumal, wo fie in einer 
zuſammenhangenden Kette fortgehen; fie find que 
ten Theils eine Vormauer gegen die Wurh bes 
Waſſers oder der Winde: und, was bas vornehm⸗ 
fte ift, fo faugen fie aus dem Dunfifreife die 
Feuchtigkeit an fich, daß hernach von ſolchem durch⸗ 
gefickerten Waffer, das aus den Bergen rinnet, alle 
Quellen, Bäche und Ströme ihren Urfprung, 
Schuß und Lauf über den ganzen Erdboden, zu 
defien Befruchtung und Sciffbarfeit, wie auch 
zum Getränke, und zu Genesmitteln der Brun⸗ 
nen und Bäder, nehmen. Selbſt die rauhen 
Eisberge, deren Gipfel von ftetem Schnee und 
Eife ftarren, find Schagfammern diefer nöthigen 
Feuchtigkeit, weldye fie in haushälterifche Ver⸗ 
wahrung nehmen, und uns nad) und nach zum 
Gebrauche, fo viel nörhig iſt, gefchmolzen zufliefe 
fen laffen. 

Ein Poete Fann ja wohl, aber ein Weltweiſer 
müßte nicht an den Gebirgen einen Abfcheu finden, 
und ſich den Erdboden, wenn er allenthalben eben 
wire, gleichſam als ein Paradies verftellen. 
Denn es ift aus ben jege angeführten Gründen 


Ein leicht 





gegen die göttliche Vorſehung. 623 


t zu begreifen, daß alsbenn alle die angeregten 
theile wegfallen, und Dagegen ber Erbboden 
inen Sumpf und Moraft ftehender Waſſet 
zandelt fenn würde, darauf wegen der ftirifen« 
und fchädlichen Ausdünftungen fein Menſch 
Thier dauren, noch von einem Orte zum an« 
ı fommen fonnte?. Wenn man aber auch 
rer Erde, wegen beftändigeer Abnahme ber 
ge, eine vollfommene Ebene, auf Fünftige 
en, verfündigte : fo bin ich desfalls unbeforgt. 
weife Vorſehung, melche die jeßigen "Berge 
Selfen, durch natürlihe Mittel, aus ber 
* der See, mit allen darinn befchloffenen 
fcheln, zu der jegigen Hähe erhoben, hat das 
ülen des Regens und das Wühlen des Mee⸗ 
fo abgemefien, daß es nicht zur Berfchlämmung 
Erdbodens ausfcjlagen Fann, fondern daß 
ch eben die natürlichen Mittel fich noch jego, ob» 
lunvermerkt, die Berge wieder fo viel erheben, 
nöthig ſeyn wird. . 
Auf die Klage von dem vielen‘ Waſſer der 
m und Meere, welches unfere Erdfläche un⸗ 
er Weife bedecken foll, will ich nur kuͤrzlich die⸗ 
zur überführenden Antwort fagen, daß bas 
aß des Regens, Schnees und Thaues genug- 
ı beweift, ces fey des Waflers auf der Erb. 
he nicht zu viel. Denn es ift unleugbar, daß 
Regen, Schnee und Thau von den Ausbün. 
Ä ſtun⸗ 
ver Herr Popowitſch hat in feiner Unterſuchung 


vom Meere p. 187 — 194. diefe Materie gründlich 
ausgeführt. \ 


HAHN Bi 
Eh il 
a 


ame nie sine Workhung. Ga; 


Gaben wir Menfchen noch nicht ju flagen, 
ee 05 Ar un ae pie 
Bin darauf woßnen und. Mafrung 


7 0 2 

ferner eine ungegruͤndete Klage bes eu⸗ 
ius wider Die Natur, oder vielmehr wider die 
fehung , daß bie übergebliebene Erdflache uns 
felbft Fruͤchte darreiche, - fondern mit 
d Büfchen überzogen fen, ſo daß fie erſt 
e —— bereitet werden müßte; dabey 
bie hoffnungsvolle Saat entweder von 
d —** oder Kaͤlte, oder Sturmwinden 













at 4 Wie. wenig weis er den Werth der 
—— Wenn uns alle Fruͤchte * 


aid w 
arvi, samen id natura [us 
Z —— ni vis humana refiflat, 

Vital eaufa valide confurta bidenti n 
X sere, © terram preflis profeindere aratris, 
mes facundas vertenutes vomere glebas, 

T olum fübigentes, eimus ad o-tus- 
ste [ua nequeant Iiquidas exiflere in auras, 


‚jan per terras frondent; atque omnia florent ; 
fervoribus atherius, ı 
DE — Be in 
** 


626 IX Abh. Nichtigkeit der Zweifel 


DBemühung in ben Mund müchfen : fo wuͤrde eine 
allgemeine Faulheit, und ein burdhgängiger Did 
figgang entftanben feyn, weil niemand für feine | 
Nothdurft zu forgen gehabt hätte. Eine folche de 
bensart würde alle eblere Kräfte der Menfchen ein 
fhläfern und erſticken, daß fie auf Feine KRünfe 
und Willenfchaften dachten, weil fie bazu nicht ein 
mal ben erften Trieb von ber Mothdurft empf 
gen. Das Band menfchlicher Geſellſchaft, die 
. Stände und die Abhängigfeit eines von dem aw 
dern, würde aufgehoben werben, weil ſelbſt bie 
Kinder ihre Nahrung nicht mehr von dem Fleiße 
ihrer Aeltern erwarten dürften, vielmeniger nad» 
mals anderer Menfchen nöthig hätten, fondern ein 
jeder fir fich leben fönnte, ohne dem andern ge 
borfam, gefällig und dienftfertig zu werden. S 
würde mithin das ganze menfchliche Gefchlecdht in 
eine rohe, wilde und viehifche Lebensart verfallen 
ſeyn, und einjeber , wie bey ben Thieren gefchieht, 
wenn fie der Muttermilch entwachfen find, und der 
Fütterung ihrer Aeltern nicht mehr bebürfen, für 
fid) in die Welt dahin laufen, ja von ben Aeltern 
felbft weggewiefen werden. 

Wir haben es der Nothdurft allein zu danken, 
daß fich die menfchlichen Borzüge in ung hervorge⸗ 
than, daß unfer Wig zur Erfindung erweckt wer: 
ben, und daß wir nun theils im Aeuſſerlichen be 
quemer leben, und mehr finnliches Vergnügen ge 
nießen, als das Vieh; theils auch, dag wir geſel⸗ 
lig, vernünftig und fittfam geworben find, und daß 
Künfte und Wiffenfchaften unter uns blühen. Die 
Arbeitfamteis iſt überhaups den Menfchen ” ! 





weren dic gbitiche Borfehung.’ » 6a7 
5* nötig, Wenn feine regen Kräfte 
nichts befchäfftigen, fo ift er ſich fh FOR eine 

, fo wird ihm die Zeit — fo verfälle er in 
Unwiſſenheit, in eine faule und nieder» 

Wolluſt, und allerley Andere Safter. Eine 

bei ingegen ift feinem natürlichen Bemühen ge 
und vergmüget ihn, wenn fie geräch und 
1 fhaffer; ja * mehr/ je mehr Schwie⸗ 
dabey zu überwinden find, und je mehr 
„22, Patenten, — Wien 





© fo bürfen ſih Die wenigften Menfchen das 
en. ee und Hr 
‚gebracht daß die Arbeit eines klo 
les der Merten zureichet, für das ganze 
‚genugfame gebensmittel zu fchaffen; und 
‚Die übrigen fich mit andern guten Kuͤnſten und 
fftigen fönnen,  Unterdeffen 
ben ſich Die ebelften Gemücher aus der Sandıpirthe 
afe eine Suft gemmachet : der Bauer felbft hat auch 
he Seeube, und fiehe feinen Fleiß mit Vergnüe 
Igedepen. Die jugendliche Gewohnheit machet 
mdie grobe Arbeit leicht, und wir, die wir dere 
—— nimmer angreifen, legen demſelben bie 
npfinbung, welche wir davon haben mürden, 
ſchch bey, Wenn nicht manche Bauren faul 
brbumm iu ge ” — wer Ga 
Gnheit hiengen, als daß fie allerley Be zur 
tebefferung machen follsen: fo würden fie auch 
ve N Kr Fy Re 


. 


628 1L Abh. Nichtigkeit der Zweifel 


Witterung und andere Zufälle, weiche dem Land⸗ 
manne oft zuwider find, haben fonft in der Ver⸗ 
bindung der Dinge ihren großen Mugen, und wens 
fie das Wachsſthum auf ber einen Erdart hindern, 
fo fördern fie dagegen baffelbe auf andern. Da 
durch wird die Fruchtbarkeit überhaupt durch ale 
$änder und $andarten, und für Das ganze menſch⸗ 
fiche Geſchlecht, zur Gleichheit gebracht: ber Mis⸗ 
wachs Hält auch in jedem Striche feinen Kreislauf, 
da man ein Jahr ins andere rechnen muß. Und 
überhaupt wäre es nicht gut, wenn nicht etwas von 
der Arbeit verloren gieuge, und wenn die Matur 
das Bemühen des fandınannes, nad) feinem Wun⸗ 
fche, fo gar ergiebig vergälte, Wie würde er denn 
nicht felbit Flagen, daß das Korn und die Früchte 
zu wohlfeil wären! 


Lucretius beſchweret fich weiter überdie Vor 
febung, daß fo viele dem Menfchen fchädliche Thiere 
in der Welt find; daß wir nackend, meinend, ohne 


Waffen, und ohne Vermögen uns felbft zu erhal 
ten, auf die Welt fommen, und noch vieles Un 
gluͤck im Leben auszuftehen haben; dagegen bie 


Ihiere ihre beftändigen Kleider und Waffen mit ' 


| 


bringen, feines Spielzeuges, feines Tiebfofenden 


$allens der Ammen, feines Wechfels der Kleidung, 
Feiner Mauren und Städte bedürfen, und ihr Fut⸗ 
ter bereitet vor fich finden ?. 

Aber 


5 Lucretius V. 219, 
Praterea genus horriferum natura ferærum, 


Humana genti iafeſim, terac merigu, | 





ehbiebtffiche Vorſchung. Gag 
neun find fie auch urwernünftig Mich, 
in den engen Gchranfen einer 'niebrie 


jgendpaft und vorzüglich gtücffich me? 
n aller Vollkommenheit Immer Höhen 
bien. Haͤtten wir nach der Mutter 
weiteren Sanbreichung und Huͤlfe dde 
den wir, wie Die Thiere, für uns 
Bprache lernen, und ohne biefelbe 
ch unferer Vernunft machen, 
eßen koͤnnen; folglich auch ‚Fein deutl 
Btfeyn ‚- Fein Erkenntniß von uns ung 
ıgen , feine Kunſt oder Wiſſenſchaft, 
—— S— u 
uͤches erhalten; iger. zu 
Rrz irgend 


* auge? cur auni smpera morbes ,. 
me? quare mors immasura vagatur? 


aE 
* fe7 


⸗ 


wiricis blendas atqne infræcte logaela: 
rias queruns vefleis pre teımpore calı 
« wen armis opas efl, won marnibus altis, 
Ge tutentur, quande omnibus omuia larıe 
ipfa parit naturague dedela rerum, 


\ 


\ 





WUW nau apcr OVs[Wsps gus Sprw 
brauche der Vernunft, und zur Sitt 
nen, daß fie in allem guten Erkennt 
empfangen, tüchtige Menfchen und X 
und in einer anftändigen Sebensart if 
bauen, und auf ihre Kinder fortpfla 


Sie koͤnnen dabey alles deffen, 
re voraus zu haben ſcheinen, gerne eı 
brauchen weder angeborne Haare, nı 
Kleidung, weder Zahn noch Klaue, 
bei, zur Wehre und Waffen, weder 
ne, noch eine gemiffe angeerbte Kunfl 
rung und Erhaltung. Sie würden : 
folche Naturgaben nur ineinen niebri 
licher Vollkommenheit eingefchränfe 
Sinnen, ihr Verftand und ihre Handı 
nug, Kleider, Waffen, Haͤuſer, Nahru 
nicht nur zur Nothdurft und Siche 
auch zur Gemaͤchlichkeit und Erg 





sonen Die gitlihe Mockfeng: ‚655 
ne: torüber Lu⸗ 


Im eigenen rn 

Renfgen ihrer are na * biefer en af ge gu 

zen fo würde von hundert. jegigen Elenden 

— — x a * die Schuld ih ⸗ 

——— e von ſich abwaͤlzen, und auf 

Schickſal ſchieben konnten; oder deran übrige 

ken nicht durch weit mehr Gutes 

und dadurch das lLeben eintraͤglich und, 

gemacht wuͤrde. 







mach feiner, Art des Lebens zufömmt, mög« 
) täre, diefelbe ihm dennoch vielmeht ſchaden 
und alſo der Mangel einer mehreren Voll⸗ 
Smmenheit fo ferne nichts Boͤſes, foubern mag 


in Hund iſt jetzt, bey feinem Hundesver⸗ 
vergnuͤgt mit den Brocken, die won des 
—5 follen: er ſuchet fie wohl gar aus 
ea und Staube begierig heraus. Es 
indert nicht, daß er drauffen liegen muß, daß 
# Bund Schläge gewößnt wird, dem —* zu 
kborchen; er üff ae und frenet. ſich 
hgemein u feinem Herrn, und zu einer guten 
Rine; —* befsmmt. Geber ihm aber Mens 
henverſtand, und —D wie alle ſeine ar 
Rrı . 


da finder ers allenthalben noch chiechter. E 
nunmehr opne Herrn herum 
ſtiehlt fein Brodt, ſo gut er kann, wird abeı 
ber Halb lahm geprügelt. Ja, daß ich doch 
ich doch Sprache hätte! denket er, ich 
mich fo nicht placken laſſen. Er ſtuchet a 
Schickſal, das ihn fo hat laſſen geboren wer 
ſtirbt ver Hunger und Verdruſſe mit feinem 


& 





gegen die göttliche Vorſehung. 633 


ige fepn, melches den Zuftand der Dinge verbürbe: . 
nd was ung eine Unvollfemmenheit oder etwas 
Söfes zu ſeyn duͤnket, ift eben dasjenige, mas zur 
Zoffommenheie der Dinge gehöret, und nach rei« 
wer Einficht gut zu nennen ift. | 


$ 7 


Ich koͤnnte noch mehrere dergleichen Verge⸗ 
ungen namhaft machen, da man biefes und jenes 
ı ber Wele mie böfen Augen anfieht, bas doch in 
er That untadelich, und nach den Regeln ber hoͤch⸗ 
en YBeisheit und Güte beftimmt iſt. Allein, wer 
ch die Dinge nicht willführlid) verfehre vorftellen 
ill, der fann nach obiger Anleitung entweder 
icht einfehen, mas zur weſentlichen Vollkommen⸗ 
eit der Dinge gehöre, und was für Gutes barinn 
ege, ober, fo es ihm an folcher Einfiche mangelt, 
ı wird er ſich auch befcheiden, daß er aus feiner 
nwiſſenheit feinen widrigen Schluß ziehen koͤn⸗ 
e, der fo vielen Plar erkannten Wahrheiten 


Jetzt will ich einen fehr gemeinen “Yertfum bes 
werfen, welcher den Menfchen noch bis auf ben 
eutigen Tag die Werke der Schöpfung und Vor⸗ 
hung ganz verſtellt. Sie fegen ihr Geſchlecht, 
ı jeber fih allein, zum allgemeinen Mittelpunkte 
nd aͤuſſerſten Ziele aller übrigen Dinge. Was 
men benn nicht offenbar und unmittelbar vortheil 
afe iſt, Das bünfer ihnen überflüßig und unnüße 
ı feyn: und was nicht mit ihren Wünfchen über: 
nftimmer, das erflären fie für unordentlich und 


Nr, Doher 


634 1X bh. Nichtigkeit der Zweifel 


Daher fömme es dann infonberheit, daß fie 
fich nicht darein finben Finnen, warum fo viele ver 
ächtliche Würmer, Inſecten und Gefchmeiß, ja 
fo viele unbequeme, giftige und ſchaͤdliche Thiere in 
ber Welt find; warum fie nicht allein fich einander 
freffen, ftechen, faugen, und ihr eben auf Unfos 
ften anderer erhalten müffen; fondern auch den 
Menfchen zur Saft fallen, ihre Arbeit und Mühe 
vernichten, ihnen Unluft und Schmerzen verurfa- 
chen, ober wohl gar gefährlich werben. Anberer 
Dinge und Begebenheiten in der Welt, die ihren 
Abfichten entgegen find, zu gefchmeigen. 

Wenn wir Menfchen aber allein die unermeßli« 
che Größe ber göttlichen Abfichten erfüllen Pönnten; 
allein verdieneten‘, daß um unfernt willen eine Welt 
erbauet würde; allein- verlangen fünnten, daß fie) 
alles Mögliche nach ung richten follte, fo möchten 
wir mit einigem Scheine des Rechtens viele Dinge 
aus der Natur verbannen, und eine andere Ein⸗ 
tichtung nach unferm Eigenfinne machen. Aber 
Bas iſt niche der rechte Gefichtspunft, worinn wir 
uns zur Betrachtung der Welt ftellen, barinn muß 
uns nothwendig vieles unordentlich und verkehrt 
vorfommen. Das Dafeyn anderer möglichen Je 
bendigen hat einerley Grund mit dem unferigen in 
der großen Abficht des Schöpfers; es trägt das 
Seinige gleichfalls zur Wollfommenbeit des Gans 
zen bey, und madjet, daß der Erdboden, daß die 
Welt allenthalben niit reger Kraft und Empfins 
bung erfüllee wird. Die Kette ber möglichen Le⸗ 
bendigen, der Zufammenhang ber Dinge, kam 
Eeine Luͤcken leiden, kann nicht zerrüttet und zerriſ⸗ 

fen 





gegen die göttliche Vorſehung. 635 


fen werden: und wenn wir es recht betrachten, fo 
: in dem Weltgebäude fein Stein umfonft, * 
ſo geringe und widrig, das nicht zur Vollkommen⸗ 


heit des Ganzen gehoͤrete, und demnach nicht auch, 
ne than , mit jeder Dinge Daſeyn und 
Wohl uͤbereinſtimmete. 


ing: ? wenn ein vornehmer und bemittelter 
Mann ſich in einer greßen Stadt nieberließe, um 
ba recht bequem und vergnügt zu leben ; würde er 
vernünftig, billig und ben fich felbft wohl handeln, 
wenn er fich einbildete, daß um feinetwillen alles 
in der ganzen Stadt ba ſeyn ober nicht da feyn 
müßte? Auf die Weife möchte er etwa von ben 
Gelehrten denken : was follen die unnügen Grillen 
fanger in einem Staate ? fie zanfen ſich nur unter 
einander um nichts ; fegen ben Leuten allerley neue 
Meynungen in den Kopf, und wollen babey allen 
vorgezogen fern. ‘Ben den Kaufleuten und Kräs 
mern , möchte ihm das Gedraͤnge, da einer dem 
andern ben Gewinn vor dem Maule wegzunehmen 
und ihn zu übervortheilen ſuchet, zumwiber ſeyn. 
Das ewige Setöfe und Geflapper fo vieler Hand» 
werfer und Arbeiter, das grobe Geſchrey fo vieler 
Bauren, und anderer, bie ihre Waaren öffentlich 
feil biethen, würde er vielleicht aus feiner Nachbar⸗ 
haft und aus der Stade wünfchen. Schmierige 
und ſchmutzige Handthierungen, oder bie Dampf . 
und Geſtank machen, waͤren ihm vollends verhaßt 
und abfcheulich : Sumpenfammier, Echerenfchlel- 
fer, Tablittenfrämer, Obſtweiber, Matrofen und 
dergleichen, möchte er für umuͤtz und veraͤchtlich 
Dettelvolk anſehen. Saget mir, wuͤrde ein (nie 
X 








635 IX Abh. Nichtigkeit der Zweifel 
Mann bie Vollkommenheit dieſer Stabt aus bem 
rechten Gefichespunfte betrachten, und ſich feinen 
Aufenthalt darinn felbft vergnügt machen ? Ver⸗ 
nünftiger dächte er fo: hier ift alles fein lebendig, 
munter, und voller Menfchen : fie muͤſſen doch les 
ben fönnen. Wie finden fo viel taufend und taw 
ſend Leute von allerley Stande und Sebensart au 
einem Orte ihre Ausfommen ! Es tft ein Vergnuͤ— 
gen, zu fehen, wie emfig ein jeder if, fein Brode 
gu verdienen, und wie er fid) befleißt, es bem 
andern zuvor zu thun. Da fann ja wohl nichts 
auf ber Welt erbacht werden, was hier nicht zu 
haben wäre. Das muß ein weifer Megene fenn, 
bet alle mögliche Waaren, Handthierungen, Kuͤn⸗ 
fte und Wiffenfchaften in einem Etaate zu verbin 
den gewußt ; darinn ein jeder den andern dienet, 
und von den andern feinen Unterhalt und feine 
Bequemlichkeit erhält. 

Diefes ift auch der rechte Geſichtspunkt, in 
welchem mir die Vollkommenheit der Welt einfehen 
koͤnnen. Wir wohnen in einer großen Stabt Got⸗ 
tes, die um fo viel blühenber zu achten, je volkrei⸗ 
cher fie ift, und je weniger darinn ein Stand, eine Le⸗ 
bensart und Handthierung mangelt. Die gütig« 
ſte Vorſehung des weiſeſten Regenten erſtrecket ſich 
uͤber alle: er hat ſie alle herein geſetzt, und ihnen 
das Buͤrgerrecht gegeben. Die Anlage der Woh⸗ 
nungen, die Geſetze und Verordnungen, die Nah⸗ 
rung und Zufuhre, ſoll allen zu ſtatten kommen, 
und eines dem andern nüßli (mn. Wir Men—⸗ 
ſchen find in diefer Stadt mittlerm Standes, ja 
in unferm Sprengel die Wornehmſten. Wir 

muͤß⸗ 





b nehmen 
uch) von ben ebeiften Abſichten umfers ge 
Wbaftlichen Regenten ſehr entfernen, menu wis 
: den Rönnten, daß fo viele geringere Sit; 
ne neben uns wohnen, fich naͤhren, fortpflen« 
unh nady ihrer Arc fröhlich find. - Wenn 
1 „, wie-viele und große Wohnpläge 
Lfüe bie Sebenbigen in ben Weitkugein ange 


Einmoßner me 
z er 


I; wie Eu und mancherley Einw 

‚Ben Stadt erhalte und 
zen und &uft zum Seben r 
Imie er allen, bis auf die niebrigften, 
Ifräfte, allerley Kipel ber Sinne; Nahrung 


# 
A 


Hi 
3 
hi 
H 
1, 
33) 


* 
T 
H 

ff 


Ts 


j Arten 
ber Suft fähig ift, fo weis es auch von 
befferen, es iſt mit derjenigen, bie fein 
Bft, zufrieden, imd erfüllee 
Beſchaͤfftlgung. 


® 

2 
J 
fe frỹ 


ih | 


igfeit fähig find. Wenn 
eh unfer einander ſpielet; wenn 
er en — — e 
und Wadı gemeinen 
fs u faıme, ame ige 


2 
8 
i 


= 


3 
H 


f 


5 


638 IX A6h, Nichtigkeit der Zweifel 


und Bäume raufchen, zmwitfchern, ober eine Cats 
‚tinn locken; wenn der Kumd über feines Herrn An⸗ 
kunft, oder im gruͤnen Felde, von tauſend Freuden 
außer ſich, zehnmal hin und wieder laͤuft, wenn 
ein Kaͤtzlein mit dem andern in hunderterley 
artigen Stellungen, Springen und Haſchen, 
ſcherzend die Zeit vertreibt; wenn eine Sau ſich ſo 
willig hinleget, und ſich von ihren ſaugenden Fer⸗ 
keln zerwuͤhlen laͤßt: fo ergoͤtze ich mich an ber um 
ſchuldigen Luſt der Thiere, und ſtelle mir die Viel⸗ 
beit und Mannichfaltigkeit derſelben, wie fie von 
der ungählbaren Menge und WVerfchiedenheit der 
gebendigen auf Dem ganzen Erdboden, ja allenthal⸗ 
ben in den großen Weltförpern empfunden wird, 
mit Entzücen vor. Ich denfe an ben großen 
Schöpfer, der aller feiner Gefchöpfe Luſt mit an- 
ſchauendem Erfenntniffe gegenwärtig vor ſich hat, 
und in berfelben den erhabenen Zweck feiner Schoͤ⸗ 
.. pfung nicht ohne eigene $uft bewirket ſieht. Ich 
ſchwinge mich in diefe göttliche Vorſtellung, als 
ben wahren und einzigen Gejichtspunft, aus wel⸗ 
chem ſich die Welt in ihrem ganzen Zufammen 
bange und in ihrer rechten Vollkommenheit zeiget. 
Ich gönne nun allen, auch den niebrigften Ge⸗ 
fchöpfen, das Seben; und fehe, daß, mie wir 
Menfchen in dem Zufammenhange bes Möglichen 
auf einer mittleren Stufe der Vollkommenheit ftes 
ben, jedoch felhft noch einer höheren fühig find, 
und von Natur darnach fireben; fo Millienen ars 
bere Geſchoͤpfe von noch höherer Bollfommenheit 
und Luſt in der Welt feyn müflen, die nichts in 
Der göttlichen Abſſecht leer laſſen, und alerneg 
\ un en 


gegen die gottliche Vorſehung. 639 


umfern jegigen Zuftand möglichen Gluͤcſeligkeit, 
auſſer der unendlichen, genießen, 
—— 


— se 0... u 
, wüͤrben aber auch unfer 
renden 


- Ale nur mit denen wenigen Thieren, Die uns une 


| 


und dennoch feinen Einfluß in 
: — und Befsnbere Def weht 


mes jeben Thieres Dafegn, PA Bestainfung 
der. des 


640 IX bh. Nichtigkeit der Zweifel 


ein Bergmann in Schweden nach) feiner Grube, 
Eifen und Kupfer zu deinem Haufe und Geräthe 3 

len. Der: Sinefer ift emfig, bir ben feinften 

bee und Percellan zu fhaffen. Der Indianer 
nimmt mit Reis vorlieb, damit er deine Epeifen 
mit allerhand Gewürze ſchmackhaſt mache. Der 
Grönländer, der Matrofe ſchlaͤgt die Robben, 
fängt die Wallfifche, mit feiner Mühe und Ge 
fahr, zu deinem Gebrauche, ohne daß bu es bes 
denfeft und weiße. Und ehe du nur dein Schaͤl⸗ 
chen Thee und Caffee mit einer Pfeife Tabak trim 
Een Pannft, fo bat die Hälfte des menfchlichen 
Sefchlechtes, nicht nur der jegt, fondern auch der 
vormals Lebenden, müffen da und befchäfftiget 
feyn. 

Laſſet ung denn auch vernünftig bedenfen, daß 
der Schöpfer, welcher eine fo genaue Verbindung 
unter dem ganzen ‚menfchlichen Gefchlechte, ohne 
ihr Denfen, zu aller Vortheile geftiftet hat, auch 
unfere Mebengefchäpfe nicht umfonft mit ung auf 
einem Erdboden befchloffen habe. Auch dir ſamm⸗ 
let die Biene, und fpinnet der Seidenwurm,, für 
dich nährer ſich die Cochenille, die Ameife, die 
fpanifche liege, und jenes Inſect, das die Feigen 
zur Reife bringet f. Wenn bu gleich andere Mü- 

" den, 


+ €8 giebt zweverley Feigenbaume, männliche, (ca- 
prificus) und weibliche, (ficus fativa.) Jene brins 
gen nimmer eßbare reife Feigen, fondern naͤhren 
nur in ihrer berben und abrallenden Frucht ein In⸗ 
feet, (culex ficnum, auch vu bey ben Alten ges 
nannt, eine Urt yon tenshredine,) welches 8 

onte⸗ 





naomwen die She Non: 6 
fin, Würmer und Inſecten nicht ſaber grR ober \ 
—* ſo ſpeiſet ſie doch det Vogel, 


ih Einer Anth in ıt$ 
ae — at 


Wenn diefed Inſect Flügel bekommen 
1 mies * der Be gebieht, da die männliche 
‚voller Samenftaub ift FA ß tömmt e as felcher. 

— ein Deüller aus feiner Düßke, mit vier 
Meble beffäubet, * Bu ſich zue 
"satin ne... friße fich nd bes bis 
fruchtet nicht, allein durch den A - 
| u die\weibliche Feige, jondern verut achet 
auch dadurch, dag biefe in 14 2, reifei fe um 

nn wird, da fie fonft berbe bleiben und 


w 


wirde. Man fammlet daher in en, 
a dem Ben das An * die re 
‚igen, wenn da: fect bei 

wi, und hängt fie über die — > damit fie 
Durch das a eßbar gemacht erden 

Siehe, auffer dem Pontedera im 33 Capitel audden 

Tourriefort — de ’Acad, Roy, 1709. P.:447. edits 

rl. und Hrn. ZinnÄus in feinen Atboenitatt. Acas 

sis, Tom. 1. Holm. et Lipf. 1749. 8. p. 42 

> te Lugi. Bat. — PT. faq. unter den Ale 

= Ven Plinius XV. heophraftus — Plant 

gar ae Hift, Animal lib, 








640 · 1X Abh. Nichtigfeit.der Zweiſel 


fingt, ober auf beinen Tifch koͤmmt, und der Fiſch, 
der deine Maplzeiten angenehmer machet, ja mans 
ches Schreein, das zu deiner Tafel in die Maſt ges 
trieben wird „ oder der Wallfilch, der dir fein Fett 
und feine Baren hergiebt. Du beherrfcheft und 
beftreiteft fie alle, und dein Verſtand kann aus ab 
fen Vortheil ziehen. Wenn du aber auch fonft fei- 
nen Nugen von ihnen zu erzwingen weiße, fo laß 
fie dich, durch Betrachtung ihrer punberbauen 

il 


wwanzig Pfund Feigen tragt, ein caprificirter Baum 
gleicher Größe hingegen zwey hundert und achtjig 
Mund Feigen bringe. Das bezeuget auffer dem 
Tournefort, auch Herr Jannon von Et. Yaurent 
in den Memorie di varia eruditione della Società 
Colon.baria Fiorentina Vol, II p. 243. woraus es 
in dem allgemeinen Magazin, Th. IX. p. sa faq. 
überfegt it. Herr Kinndus bar auch I. c. Verju: 
che angefubrer. Da er aus ten Samenkoͤrnern einer 
caprifiirten Zeige aus den Morgenlaͤndiſchen Ge: 
genden, junge Pflanzen gezogen, welches fich mu 
denen Feigen aus Srankreich, und wo fein wilder 
Keigenbaum ift, nicht thun ließe; zum Zeichen, daß 
jene Körner durch die Caprification fruchibar ge 
worden, dieie nicht. Ich weis alfo nicht. wie meit 
‚der Maltheſiſche Ritter Herr Bodeber de Kiwille 
in feiner Nachricht von der Baprification Grund 
baben mag, mern er leugnet, daß das Inſect der 
wilden Feige mis maͤnnlichem Samenſtaube beſtreut 
fey, menn e8 in die weibliche Zeige binein kriecht; 
und vielmebr bebauptet, Taf ſich die Schlupfweſpe 
vorber von dem Staube forgraltig reinige. ©. Goͤt⸗ 
tingſche Anzeigen 1750. p. 1421 fq. aus dem II ih, 
der Memoires de Mathematique et de Phyfique pre- 
fentes 4 l’Acad. Roy, des Scienges par divers 3» 
vars. 1735. " 





rt die gottliche Vorſehung 63 
** Bewegung, Triebe, Nahrung, Works 
Köyang, bes großen Gchöpfers-unendliche Wed: 
* lehren. GSoͤnne denen das teben, bie 
us einer Hand haben, woraus du das deine 
; bie bie Weit ‚ burch ihre Luſt und 
‚ mit mehreren Volllommenheiten erfüllen, 
* dich AH: weiſer und Plüger machen, wenn 
he en Spiegel der Gottheit werden. 


9: . 


* denket möhl mancher, bie andern Thiert 
Immerpin in der Welt fepn ‚ wenn fie dem 
nur nicht zum Theil Verdruß und Scha⸗ 
Wozu aber fo viel Geſchmeiß, das 
Gewaͤchſe, Eßwaaren, Kleider und Hin 

Byirbicht ? das uns ſticht und uns das Blut 
Wuger? wozu fo viele giftige Schlangen, Kroͤ⸗ 
Seorpionen? mozu die wilden reißenden Woͤl⸗ 
„Bären, Lowen, Tieger und dergleichen, die 
WB entweder ſelbſt, ober dem uns nüglichen Viehe, 
oder ſchaͤdlich find, 

Ve © auch epeage, und die darun⸗ 
— Beſchwerde über die Einrichtung und 
terfuäpfung der Dinge, fcheint : fo beruhen fie 
amoch auf eben benfelben Fehlern der Unbilligeit, 
Mes Mangels der Einfiche, welche vorhin bes . 

wefe find, Beydes duffert fich darin, daß wir 
Der Melt, das iſt, In einem Wohnplage aller 
en Lebendigen, ſeyn, lind doch die Welt für 
haben, und nüche bas geringfte Unge⸗ 
von miſern Nachbaren erdulden wollen; inte 
Iotchen, daß mir wegen Des Ungemanhe, das ung . 

wWod 


ar 


























. N 


Hören fol. Er will eiferne und fi 
haben, aber das Getöfe der Echt 
nicht vertragen: er will allerley Eßr 
Thüre Paufen, aber das Geſchrey 
welche fie feil bierhen, kann er nid 
Fleiſchbank foll in der Nähe ſeyn; 
ring, Stockſiſch, Klipfiſch, Zucken 
von ſeinen Nachbaren holen, aber 
Dampf und Schmauch, der damit 
verabfcheuet er : die Gaſſen follen rı 
der ſchmutzige Dreckfeger foll vor fein 
Koth und Staub nicht ausfehren : 
und Krämer ſollen ihn mit allerhand 
forgen, aber fie müffen feinen Bor 
nehmen. Die Bereüger und Diel 
ausgerottet ſeyn, in Feuersgefahr n 
mand fegen, die Dachziegeln müßteı 
unter wehen. u, ſ. w. 

Es ift ſchon ausführlich gezeiget 


Bi Ma nn Rau Gala mat Ta IE 


gegen die göttliche Vorfefung. 645 


gemäß ſey. Wer alfo in ber Welt feyn will, der 
muß auch wollen, daß alle andere möglichen Din, 
welche einerley ihrer Wirklichkeit mie 
—* neben 









i aften lee En —— en 
gehören mit zu den mi 
Gen dendgen; den Se fen, DaB fe met 
fi. ie Melon alfa mi gr Mes einem 
-Softem aller möglichen gebendigen, und zu deren. 


Ban, und hat gu von einen Sehen, ed 
_ Wenn =] ie? —— u ums In ei , 
ee \ iner großen ‚ver 
öge a fentlichen Schranken, einiges, Un 
ſih beinger + wie wollen ir une mit 
vieler andern und gang 
einiges. — — Gi Ungehgrget 
. — haben bey dieſer göttlichen Orb» 
—— Reiche det Apiene am allermenigflen ju 
, Indem mir felbft eins von den aflergefräf 
<ieren fi — alle —— ee Br 
— vertr übermeiftern, fangen, 
“men, und zu Selebigem Ohngen ment nie ne rn 
air alfo nicht unverftändig und nbanfbae fi find, f 
. mir eine befondere und gürige Veorfehung 
Gottes für ums erfennen, ba er ung, bey ber 
U ehr. und waffenlofen Bildung unfers Leibes, ge 
. mgfamen Verſtand & Fa ug bar, at ai 





646 IX Ash. Nichtigkeit der Zweifel 
Mittel zur Beherrfchung anderer Thiere zu et 
den, und Hände, womit mir die nörhigen W 
zeuge bereiten koͤnnen. Wir gebrauchen uns d 
nach fo mancher Thiere zum pflügen, ziehen, 
gen, reiten, jagen, mablen, brefchen, ſtrei 
wir halten, fangen, fifchen und ſchießen fie zu 
ferer Nahrung; wir bedienen uns Ihrer Haare, 
bern, Wolle, Selle und Seide zu unferer $ 
Dung ; wir unterhalten fie zu-unferm Zeitvertt 
und Vergnügen; wir betrachten ihr Auswend 
und Inwendiges zu unferer Belehrung im Erke 
niffe der Natur und unfer felbft, ja unfers gem 
fhaftlichen Schöpfers. 

Was befonders die ſchaͤdlichen Thiere betr 
fo haben die Menfchen den Vortheil, daß fie 
zu aller Luſt und Speife gewöhnen, und fol 
den ganzen Erdboden befegen koͤnnen; Da denr 
großen reißenden Thiere weichen und verjagt, 
dere gar ausgerottet werden. Die allerme 
derfelben haben einen natürlicdyen Scheu vor ei 
Menfchen *,. man Fann fie mit Gewehr erle 


® Mr. Rauguer, Figure de la terre determinde paı 
obfervations de Mr. Bouger et de la Condan 
Paris 1749. 4. p. XCV. U ya dans le fleuve (Ma 
leine) des Caymans qui ont 38. à 20. pieds de 
gueur, qui m’attaquens gnere les bonimes, que qi 
Üs ont, par gquelque accident, deja mauge ı 
obair bumaine: je les ai seujours vl fuir, lorsq 
 dtciens couches fur le rivage et que je mapproc 
Wölfe find, mie mehr andere reißende Thiere, 
ben Dienfchen ſcheu, und wagen lich nicht leich 
fon, ald mens fie der Hunger im harten m 





Kain te erg Lu 


Wie eh mit Liſt und leicheen Birtefn los 
Bas Habhaft werden, aid. es iſt ein ſehr ſeitener 
Dell, Daß ein Menſch das Lnglüc hat / den rei 
nen irn In die Klauen zu Es iſt 
ea 8 in Dies 
—— —— 
fie lange hun nen e 
Mbit einander aufreiben, Dre in ‚gebüpeenben 
Behranfenhalten, Won den giftigen Tpieten wird 
ehr Geſchteyes gemacher, als es —— ft, 
mb ich merde nicht wider. die 
yenm. ich fage, Bob ih Pe * ‚am ade 


m Engeland find fie erottet. Das 
Man re KH begreifen, sr dem wile 
"Geyeaudan für "Bewandniß baden 
J— warum man fell mit ſo unglaubs 
ficher) Zurüffung, und einer "von 
und an nicht ‚auftreiben . oder erlegen Tann, 
bachte eim guter deutſcher mit einem Du⸗ 
Hunden wuͤrde bald ig werben. \ 
Beverley in kan. Hiftorie von Virginia fcbeeibt, 
den guober Tretbum fep, wenn die Seute 


enbildefen, daß man de —— 9, als mit 
ber größten Gefahr vor vor 

Be Harte durch die fen 
N * —— it fiten m en, und inganz 
Mord» America, ſo weit Ei angebanet bar 
pen, fait außgerottet, Dazu wird diele jo wenig, 
als irgend eine andere er, den Menſchen 


von felbft angreifen ober wenn fe.Auß 
I — bleidt. ©: Philofoph. ren. Vol. 
I RKXXVII) n. 433. p. 323. das Sr 
Zalm in den Schived, m. » — 
* pa * u. 


[223 


* 


. 648, IXM6h. Nichtigteit der Zweiſel 


‚darüber befehweren, bie ı ihr Lebtage kein 
iftige Schlange und feinen om er 
. rn ne und hoͤchſtens von einem Flohe,/ eina 
oder Weſpe geflochen ſeyn mögen, 


en Snfecten ; Bögel und a in gun.d 

fetdings den Früchten und ‚der Saat: Schaden 
Aber wenn fie nicht wären, ſo wurde mandje 

“ anberes Thier nicht leben „Können ;; melches | 
Poren zu Nuge-fömmt, Wenn alle 

" rg aufwüchfe, und —— in 

Scheure und zum Verkauſe fäme: ſ wůrde d 
Bauer:über bie allzuteiche Erndte und den 
feilen Preis lagen, Wenn alle Blürhe an da 
Baͤumen zur reifen Frucht gebiehe: fo würde fi 
den Baum entfräften, und viel zu Flein und ud 
brauchbar werden. Siehe, das Meberflüßigeil 
nach göttlicher Worfehung , für die Mäuslein, Bd 
gel, Würmer und Raupen gewachfen; es 

fi die Menfchen ein zureichender Vorrath nad; 
der Preis bleibt mäßig, und lohnet feinen Arba 
ter; die Frucht wird nun größer und ſchmackbafta 
Wenn Menfchen voraus fehen koͤnnten, und. I 
Defteg verftünden, fa märden fie felbft auf man 
hen Baum Raupen hinauf tragen, und 
Mäufe und Big ins Sänd einlaben, dab fs 
zen ben lelenit der Natur verzehren Hill 


il 








nen! jet in den ſchwediſchen 

Zp. XIV. Ei 4. 54 ine arige Geſchichte 

ee a ———— 

Eu: und Bicp, fo ſeyr m 


gegen bie göttliche Vorſehung. 649 


ft ihnen gut und heilſam, baß fie in beſtaͤndi⸗ 
Emfigkeit und Borficht erhalten werden, und 
fie nicht mit allzumeniger Arbeit zu viel ſchaf 
und gewinnen. So ſchaͤdlich es fuͤr uns ſeyn 
de, wenn des Goldes und Silbers zu viel in 
Welt wäre: fo viel Unordnung wuͤrde auch ent⸗ 
m, wenn aller Reichthum der Natur den 
aſchen zu Nutzen kaͤme, und wenn der Land⸗ 
m mit eines Jahres Arbeit mehrer Jahre Vor⸗ 
gewinne. Die weiſeſte Borfehung hat diefes 
n zum Gleichmaaße bringen koͤnnen, und gute 
fchlechte Jahre fo unter einander zu mifchen 
ußt, daß die Menfchen in fteter Arbeit unter« 
en werben, aber baß es auch ben Sleißigen an 
ohnung, und überhaupt allen an Nahrung 
t gebricht. Darinn muͤſſen wir auch die milde 
ung mit der Witterung bewundern, daß, wenn 
Ss; einmal 


Ban hätte namlich in Neuengfand, um fle auszu⸗ 
roten, auf jeben Maißdiebskopf eine Belohnung 
geſetzt, und dieſes hatte auch die geſuchte Wirkung. 
sethan. ber dagegen hatte fich im SI. 1749. im 

— 2 eine Menge Grasraupen eingefunden, 
pelche bes Heu des Jahres fo og Grunde gerichtet, 
baf ffe vol Heu aus England bätten vers 
ſchrieben —* muͤſſen. Da man nach der Ur⸗ 
che geforſcht, fo hätte man ſich erinnert, Daß die 
—5 einen guten Theil des Sommers, ehe 
Maiß reif wird, von dieſen Raupen lebten und 

—* Vermehrung verhinderten. Folglich hatte 
man ſichs gereuen laſſen, daß man durch Ausrors 
— der Naißdiebe dieſes Ungeziefer vermehseg 





650. L. Abh. Nichtigkeit der Zweifel 
einmal das Ungeziefer von Heuſchrecken, Mäufer | 
“und beraleichen,, einem ganzen Sande bie dufferfe 
Merheerung zu drohen fcheint, daben alle menfhe || 
liche Vorſicht unzulanglid) ſeyn foürde, die kuͤnfti⸗ 
ge Brut aufs folgende Jahr auszurotten, bald 
darauf eine foldye Witterung koͤmmt, welche alles 
Geſchmeiß verjaget,, alle Brut erſticket, und, fo 
zu reden, ausfeget. So fehen wir jährlich bey 
in Inſecten in Gärten und Feldern, daß balb 
Diefe, bald jene Art überband nimmt, bie herge 
gen im nächften Jahre durd) eine andere Bitte: 
‚zung unterdruͤckt, und in engere Schranken ge 
bracht wird. \ 


$ 10 


So fchr wir Menfchen aber wider den Scha⸗ 
den von andern Thieren durch die göttliche Vorſe 
bung verwahret find: fo fehr möchte man ſich 
wundern, wie eg der Güte des Schöpfers gefallen 
mögen, unter den Thieren felbft eine ſolche natuͤr⸗ 
liche Ordnung zu fliften, Daß eins von dem an 
bern feine Nahrung fuchen, und alfo das andere 
verzehren muß. Warum find nicht alle Thiere un 
ſchaͤdlich? Warum ift ihre Natur nicht fo beſchaf⸗ 
fen, daß fie ihre Mahrung von leblofen Dingen 
fuchen ? Warum muß ein beftändiger Krieg , lau⸗ 
ter Morb und Blutvergießen unter ihnen feyn ? 
Es fann feyn, daß diefes einigen Menfchen gar 
feinen Anftoß giebt, Die gegen ihre. Mebengefchöpfe 
gar zu unempfindlich, oder wohl graufam find: 
aber vielleicht haben auch andere.ein gar zu zärtlis 
ches Herz gegen die Thiere, fo ferne fie m | 

elben 





en ghtiße Borkhung. ss 


—2* empfindende Wefen vorſtellen, und ſich 
„Echmerz und Tod in Gedanken anmaßen. 
e.müffen aber nicht das Herz und. deſſen anger 
uumiene Neigung, fonbern die Vernunft; hiervon 


mpeilen laſſen. , 
MWenn man ſich eine folche Ordnung verftellete, 
* alle Thiere auf dem ganzen Erbboben von fait 
w: leblefen Dingen ihre  Dapeung haben follten: fo 
eoffeabar, dab nicht der zehnte Theil von Leben⸗ 
bey uns fm. —*8 und daß fie doch alle, 





















—* erhet aus der Menge der: 

den Inſecten, Voͤgein, Vierfüßigen, und in 
unter den Fifchen. Denn entmebrrmüßr 

— e fehlen; oder, wenn an deren Statt 

Mexe Arten ſeyn ſollten, die ſich bloß mit Kraͤu⸗ 















eben ganzen Erdboden verwuͤſteten und kahl mache⸗ 
m, Gewiß & was jegt auf Diefen, Aeckern 
Binmen und Stauden waͤchſt, dienet alles , theils 
dahme he ode Thiere, Wögel und 
yaifeeten: gu nähren, theils bie yen und ‚Seren 
Ivönhte zu bedecken. Sollten —* auch. die Raub⸗ 

wi reißenden Thiere an gleiches Futter gewieſen 
mn: follten die großen Raubroͤgel ben Tage ynd 
on Mache auf unfere Saataͤcher, Kuͤchen ⸗ und 
——“ ſo winde feine Erndee für und 








ben ſowohl, wie jetzt, endlich ſterben muͤßten. 


nr amd Wur eln behülfen, fo wuͤrde folgen, deiß 





J 


653 IX MG. Nichtigeit der Zweifel 


und Sterben unter ben Thieren erfolgen. Die 


-Menfchen würden aud) für fi) die größte Noch 
aben, fich zu erhalten, wenn fie nicht nebft den 
dgewächfen auch andere Thiere effen follten, 
und wenn bie, welche fie eſſen, fich nicht zuvor von 
andern Thieren genähret hätten. Und wie wuͤrden 
vollends Die zahlreichen Schaaren Ber Fifche und 
Inſeeten von dem wenigen Mooſe und Kraute, 
* m Waſſer waͤchſt, unterhalten werden 
nen ‘ | 


fen feinen Elementen viel oͤder, und des größten 
Theils feiner ‚Einwohner beraubt fenn mürde; 
welches der Vollkommenheit der Welt und dem 
Endzwecke der Schöpfung entgegen ift. Und den⸗ 
noch wuͤrde für die überbleibenden Thiere nichts ben 
foicher Ordnung gewonnen. Denn fie müßten 
Doch natürlicher Weife alle fterben, weil nach den 
prdentlichen Gefegen ber ‘Bewegung eine folde 
Maſchine eines organifchen Körpers, als die Thiere 
Haben, nicht ewig beftehen kann; und fie würden 
eines natürlichen Todes nun viel langfamer und 
mershafter fterben, als wenn fie auf einmal von 
ren Feinden hingeruͤckt und übermältige werben. 
% ‚ aus bem natürlichen Tode würde noch ein 
neues Ungemach für die Nachbleibenden entftehen, 
wenn bie hin und wieder umgefallenen Aefer der 
Jandthiere, und die herumtreiberiden tobten Fiſche, 
Luft und Waffer mit ihrem Geftanfe und mit ihrer 
Faͤulung anfterften, indem fie von feinem fleifch- 
freffenden Thiere verzehret würden; woraus denn 
noth⸗ 


Es iſt alfe offenbar, daß der Erdboden in al | 





‚gegen die göttliche VBorfehung, 653. 


ehmwenbig unter den Lebendigen Efel, Krankheit 
id Peſt entftehen müßte t. 
Es iſt alfo eine weife und gute Hrönung in . 
r Matur, daß fi) manche Thiere von andern 
ihren. Die Welt wird dadurch mit einer weis 
ößeren Mannichfaltigkeit und Menge von Leben⸗ 
sen, und fodann mit allerhand Art von Luſt und. 
zergnuͤgen erfuͤllet; welches fie Defto vollfommener 
achet. Die Nahrung iſt nunmehro für alle zu⸗ 
ichender, da fie nicht bloß in dem Pflanzenreiche 
efucher werden darf. Kine jede Ihierart wird, 
remittelft dieſer Ordnung, in gemäßigten Schran= 
m gehalten, daß bloß ihr Veberfluß beſchnitten 
ird, und fie weder zu fehr zunehmen, noch auch 
mtilget werben Bann. Den leidenden Thieren ges 
hieht dadurch nicht mehr Böfes, als daß fie ſter⸗ 
en; welches ihnen doch nad) dem $aufe der Nature 
ätte begegnen muͤſſen, und welches ihnen auf bie 
(xt noch weit fchmerzhafter gewefen wäre, Gie 
| genies 


Herr Saffelquift bemerket in den ſchwediſchen Abhands 
fungen Ch. XIll. p. 203. fgq. daß der Bergiulte, 
nebit den Gegnern und wilden Hunden, in der Tuͤr⸗ 

. key, Aegypten, Natolien, u. f. w. fehr nöthige Thie⸗ 
re find, um die vielen Aeſer der umgeralenen 
Pferde, Efel, Manlefel, Kameele u. f. w. zu vers 

ehrenz zumal, da die Zurfen fo ſchweiniſch und 

glos find, daß fie ſolche Aeſer nicht einſcharren. 

(Er meunet auch p. 207. fd. daß daher vielleicht die 

muſelmanniſche Barmbersigteit entftanden , da 

fromme Leute in ihrem Zeftamente Sapitalia vermas 

ben, dieſen Vögeln alle Morgen friſches Fleiſch 
hinauszufuͤhren. | 


644 IX Abh. Nichtigkeit der Zweifel 


etwa in die Einne fälle, den Nutzen und bie 
wendigfeit der Dinge leugnen, weil biefelbe ung 
offenbar nicht find, Dieſes gleicht der Beſchwer. 
- be jenes reihen Mannes, der in einer volkreichen 
Stadt wohnen will, ba alles zu haben ift, und ale 
mögliche Handthierungen find ; aber ba feiner von 
den Einwohnern feine Ruhe und Bequemlichkeit 
ſtoͤren fol. Er will eiferne und fupferne Gefäße 
baben, aber das Geröfe der Schmiede kann e 
nicht vertragen: er will allerley Eßwaaren vor der 
Thüre faufen, aber das Geſchrey ber Nauren, 
welche fie feil biethen, kann er nicht leiden“ bie 
Fleiſchbank foll in der Näbe fom; Butter, He 
ring, Stockfiſch, Klipfiſch, Zucker laͤßt er zwar 
von feinen Nachbaren holen, aber den Gefianf, 
Dampf und Schmaud), der damit verfnüpfer ilt, 
verabfcheuet er : die Gaſſen follen rein ſeyn, aber 
der fehmugige Dreckfeger foll vor feinen Augen den 
Koth und Staub nicht ausfchren : die Kaufleute 
und Kramer ſollen ihn mit allerhand Waaren vers 
forgen, aber fie müffen feinen Wortheil von ihm 
nehmen, Die Berrüger und Diebe muͤßten gar 
ausgerottet fern, in Seuersgefahr müßte ihn nie 
mand fegen, die Dachziegeln müßten nirgend ber. 
unter wehen. u. ſ. w. 

Es iſt ſchon ausfuͤhrlich gezeiget worden, daß 


En: — 


die Welt um der Lebendigen widen ihr Daſeyn har, | 


und daß in diefer Maturferte Feine Luͤcke fern Fann, 
fondern, wenn eins und anderes fenn foll, dab 
aud) alles Möglicye in dem Zuſammenhange der 
Dinge ſeyn muͤſſe, und daß diefes den Vollkom⸗ 
menheiten bes ˖ Schoͤpfers ſowohl, als der Welt, 

gemäß 


\ 





uam göttliche Werfehung. 645 





ſw. —— Welt ſeyn will, der 
—— won daß alle andere moͤglichen Din⸗ 
inere ihrer Wirklichkeit mit 
WR "einigen wenigen Thieren, die u ehen, 
"Wette eine ick ausmachen wollten, ift fo unver 
‚ 8 unbillig. Alle die ung verachteten 
— * Thiere gehoͤren mit zu den moͤgli⸗ 
Lebendigen; den wir ſehen, daß fie with 
—— hen alfo mit zur Welt, als einem 
h aller möglichen Sebendigen, und zu deren 
Ein jedes derfelben will auch le⸗ 
* und hat Luſt von ſeinem Leben, ſowohl als 
wie: Wenn num ihre Verbindung mit ung in di eis 
rem , — einer großen Stadt, | 
hen Schranken, einiges Un 
mit ſich bringe 3 wie wollen wir uns mit 
daß wir durch das Daſeyn p 
denee T 
ige Ungelogenfei 


Wir Menſthen haben bey dieſer göttlichen Ord⸗ 
im Reiche der Thiere am allerwenigſten 
Magen, indem wir ſelbſt eins von ben aflergefedfe 
Thieren find, und alle übrigen Thiere leicht 
„ vertreiben, uͤ 


bermeiflern, fangen ab 


— nicht umverftändig und Umdanfbar find, r 
mäffen wir eine befondere und gürige Vorſehung 
Boites fur ums erfennen, da er uns, bey bev 
weht. und u an unfers Leibes, ge 
wagfamıen Varſt nn Fe wre pet, al al 






















646 IX Abh. Nichtigkeit der Zweifel 


Mittel zur Beherrfchung anderer Thiere zu fe IK 


den, und Hände, womit wir die nörhigen Wat. 
zeuge bereiten Fönnen. Wir gebrauchen ung bem 


nach fo mancher Thiere zum pflügen, ziehen, ftas | 


gen, reiten, jagen, mablen, drefchen, ſtreiten; 
wir halten, fangen, fifchen und fchießen fie zu um 
ferer Nahrung; wir bedienen ung ihrer Haare, Fe⸗ 
dern, Wolle, Selle und Seide zu unferer Kies 
dung ; wir unterhalten fie zu unferm Zeitvertreibe 
und Vergnügen; wir betrachten ihr Ausmendiges 
und Inwendiges zu unferer Belehrung im Erfennt: 
niffe der Natur und unfer ſelbſt, ja unſers gemein 
fhaftlihen Schoͤpfers. 

Was befonders die fchäblichen Thiere betrifft: 
fo haben die Menfchen den Vortheil, daß fie ſich 
zu aller $uft und Speife gemöhnen, und folglid) 
den ganzen Erdboden befegen Fünnen; da Denn die 
großen rcißenden Thiere weichen und verjagt, an⸗ 


dere gar ausgerottet werden. Die aflermeiften 


berfelben haben einen natürlichen Scheu vor einem 
Menſchen *, man Fann fie mit Gewehr erlegen, 
oder 


® Mr. Rauguer, Figure de la terre determinde par les 
obfervations de Mr. Bouger et «de la Condamine, 
Paris 1749. 4. p. XCV. Y ya dans le fleuve (Magda- 
leine) des Caymans qui ons 38. à 20 pieds de lon- 
guenr , qui n’atsaquens grere les bommes, que quand 
ls ont, par guelque accident, deja mauge de Is 
ebair burmaine: je les ai toujours vu fuir, lorsqw'ils 
 dtciens couches für le rivage et que je m’approcbeis. 
Wölfe find, wie mehr andere reifende Tihiere, vor 
den Menſchen ſcheu, und wagen lich nicht leicht an 
fon, als wenn fie der Hunger im harten —* 
| | aget. 








ocwen Die odetiihe Berffung. Eu} 


per auh:mit uſt und leihen Mitteln loe 
t werden, und es iſt ein fehr feitener 
—* ein Menſch das Ungiace hat, den 25 
in die Klauen zu 
Be anche Beweis De gürichen Wer! ng in 
um Stürte, daß ſech feldhe Thiere nicht ſtark vers 


Behranfenhalten, Won den giftigen Tpieten wird 

——— gemachet, als iR —— tt, 
Inb ich werde micht wider die Wahrheit reden, 

ven füge, das fi Fade * am * 


In Engeland find fie gar ausgerottet. Das 
13 ich nicht begreifen, was ed mis dem wil⸗ 
Thiere im"Geveaudan für Bewanduiß baten 
mmülfe, oder warum man fe mit ſo 
ücher Zuruͤſtung, und einer "von 
= —— nicht — „ober erlegen — 
e eimguter Deut! er mit einen 
dend Hunden wuͤrde bald a werben. “ 
| Deverley in feiner Hiftorle von Wirginia ſchreibe 
Perg geober Jrrihum fey, ‚wenn die Leute 
Fr eimbilderen, daß man da nicht anders, ald mit 
ber größten Gefahr vor Schlangen, beſonders vor 
* Rlapperfchlange, durch de Wälder reifen Eönnte. 
—— iſt fu ‚und inganz 
. ſwierica, jo weit Eı angebaues bar 
| — faſt audgerottet, Dazu ur Di je fo wenig, 
als irgend eine andere ) den Denfipen 
von felort angreifen oder v „wenn ſie aut 
unangetaftet bleidt. ©. ea Tranbe, Vol. 
KXXVIN n, 433. p. 323. Eben — 
Balm in * —— 8 ver. 39. — —2 
—8 





au * * — 7 hit, 

.: Bi TAB: Richtiger Buaii . 
daruͤber befehweren, bie wohl ihr —— —* 

giftige Schlange und keinen Scorpion lebendig 
ehen haben, und hoͤchſtens von einenn Flohe, 8 
Die oder Mefpe geflochen ſeyn mögen, \ 
Die Infecten , Bögel und Mäuslein thun ‚ob 

ferdings den Früchten und ber Saat Schaden, 
Aber wenn fie nicht wären, ‚fo wuͤrde mandes 
anderes Thier nicht leben. können, ‚welches denen 

Menſchen zu Nuge kömmt. „ Wenn alle Saat um 

' Ban aufwuͤchſe, und unvergehndet in bie 

Scheure und zum Verkauſe Fäme: ſo ‚würde ber 
Bauer.über die allzureiche Erndte und den wohle 
feilen Preis Hagen, "Wenn alle Bluͤthe an ben 
Baͤumen zur reifen Frucht gebiehe: fo würde fie 
den Baum entfeäften, und viel zu Mein und um 
a en ef ag 

g 

gel, Würmer und Raupen gewachſen; eg bleibt 
für die Menfchen ein zureichender Vorrath nach; 
der Preis bleibe mäßige. unb Jopnet frinen. Arbeis 
ter; die Frucht wird nun größer und fhmadthafter, 
Wenn Menfcpen voraus fehen koͤnnten, und ihr 
Beſtes verſtanden, fa warden fie felbft auf man« 

. Ken Baum Raupen hinauf tragen, unb 
Mäufe und Voͤgel ins Sand einlaben, fi6 ih · 
en dan Veberfluß ber Dar unten Que 


an 


© SrPas Kine et in ben Rmebißben 
Fra XIV, eineartige Geſchichte von. 
—— darin, weiche I 


.  iuerben dem Maiß, old dem mügl 
——— Beh, ie nah 


ii, 


H 


gegen bie göttliche Vorſehung. 649 


Es iſt ihnen gut und heilſam, daß ſie in beſtaͤndi⸗ 
ger Emſigkeit und Vorſicht erhalten werden, und 
daß ſie nicht mit allzuweniger Arbeit zu viel ſchaf⸗ 
fen und gewinnen. So ſchaͤdlich es fuͤr uns ſeyn 
würde, wenn des Goldes und Silbers zu viel in 
der Welt wäre: fo viel Unordnung wuͤrde auch ents 
fiehen, wenn aller Reichthun ber Matur ben 
Menfchen zu Nugen kaͤme, und wenn ber Land⸗ 
mann mit eines jahres Arbeit mehrer Fahre Vor⸗ 
rat gewönne. Die meifefte Borfehung har diefes 
allein zum Gleichmaaße bringen können, und gute 
und fchlechte Jahre fo unter einander zu mifchen 
gewußt, daß die Menfchen in fteter Arbeit unter 
halten werben, aber daß es auch ben Fleißigen an 
Belohnung, und überhaupt allen an Nahrung 
nicht gebricht. Darinn müffen wir auch die milde 
Fuͤgung mit der Witterung bewundern , daß, wenn 
| Ss5 einmal 


Man hätte namlich in Neuengland, um fie auszu⸗ 
rotten, auf jeden Maißdiebskopf eine Belohnung 
geſetzt, und diefes hatte auch die gefuchte Wirkung 
gethan. ber dagegen hatte fich im J. 1749. im 
Sommer eine Menge Grasraupen eingefunden, 
welche das Heu des Jahres fo Fr Grunde gerichtet, 
dag Schiffe voll Heu aus England hätten ver; 
ſchrieben werden müffen. Da man nach der Ur⸗ 
ache geforfcht, fo hätte man fich erinnert, daß die 

aißdiebe einen guten Theil des Sommers, che 
der Maiß reif wird, von diefen Raupen lebten und 
beven Vermehrung verhinderten. Folglich hatte 
man ſichs gereuen laffen, daß man durch Yusrors 
tung der Maißdiebe dieſes Ungeziefer vermehret 


650. IX-Abh. Richtigkeit der Zweifel 
einmal das Ungeziefer von Heuſchrecken, Diäufen 
"und dergleichen, einem ganzen Sande die aufferfte 
Berheerung zu drohen fcheint, dabey alle menſch⸗ 
liche Vorſicht unzulänglich ſeyn wuͤrde, die kuͤnfti⸗ 
ge Brut aufs folgende Jahr auszurotten, bald 
darauf eine foldye Wirterung koͤmmt, welche alles 
Geſchmeiß verjaget, alle Brut erftidet, und, fo 
‚gu reden, ausfeget. So fehen wir jährlich bey als 
len Inſecten in Gärten und Feldern, daß balb 
dieſe, bald jene Art überband nimmt, die herge 
gen im nächften “jahre durch eine andere Witte 
gung unterdrüdt, und in engere Schranken ge 
bracht wird. h 


$ 10. 


So fchr wir Menfchen aber wider den Scha⸗ 
den von andern Thieren durch bie göttliche Vorſe⸗ 
bung vermahret find: fo fehr möchte man ſich 
wundern, wie es der Güte des Schöpfers gefallen 
mögen, unter den Thieren felbft einc folche natuͤr⸗ 
liche Ordnung zu fliften, daß eins von dem an 
bern feine Nahrung fuchen, und alfo das andere 
verzehren muß. Warum find nicht alle Thiere un« 
ſchaͤdlich? Warum ift ihre Natur nicht fo beſchaf⸗ 
fen, daß fie ihre Mahrung von leblofen Dingen 
fühen ? Warum muß ein beftändiger Krieg, lau 
ter Mord und Blutvergiegen unter ihnen feyn ? 
Es kann feyn, daß diefes einigen Menfchen gar 
feinen Anftoß giebt, Die gegen ihre Mebengefchepfe 
gar zu unempfindlid), oder wohl graufam find: 
aber vielleicht haben auch andere.ein gar zu zärtlis 
ches Herz gegen die Thiere, fo ferne fir en 

elben 





gegen die göttliche Vorſehung. 651 


en als empfindende Wefen vorftellen, und fich 
n Echmerz und Tod in Getanfen anmaßen. 
r müffen aber nicht das Herz und deſſen ange» 
nnene Meigung, fondern die Vernunft, hiervon 
yeilen laffen. | 
Wenn man ſich eine folche Orbnung vorftellete, 
alle Thiere auf dem ganzen Erbboden von lau« 
leblofen Dingen ihre Mahrung haben follten : fo 
offenbar, daß nicht der zehnte Theil von Leben⸗ 
n bey uns ſeyn koͤnnte, und daß fie doch alle, 
ı fomohl, wie jegt, endlich fterben müßten. 
Serftere erhellet aus der Menge der Raubthiere, 
ee den Inſecten, Voͤgeln, Vierfüßigen, und ins 
yerheit unter den Fiſchen. Denn entweder müß« 
diefe alle fehlen; oder, wenn an deren Statt 
ere Arten ſeyn follten, die fi bloß mit Kräus 
ı und Wurzeln behülfen, fo würde folgen, daß 
yen ganzen Erdboden verwuͤſteten und kahl mache⸗ 
Gewiß, was jegt auf Wiefen, Aedern, 
umen und Stauden wächlt, bienet alles, theils 
nfchen, zahme und wilde Thiere, Vögel und 
fecten zu nähren, fheils die Pflanzen und deren 
ichte zu bedecken. Sollten nun auch die Raub» 
reißenden Thiere an gleiches Futter gewieſen 
ı: follten die großen Raubvoͤgel ben Tage und 
Macht auf unfere Saatäder, Küchen» und 
ıchtgärten fallen; fo mürde feine Erndte für ung 
rbleiben, fo würden alle Pflanzen verzehret, oder 
uigftens ihrer Blätter, Bluͤthen und Früchte 
aubt werden, - und in einigen Jahren ganz ver. 
en, mithin auch eine allgemeine Burgen 
u u 





652 IX Abh. Nichtigkeit der Zweifel 
und Stechen unter ben Thieren erfolgen. Die 
- Menfchen würden aud) file ſich die größte Noch 
"Haben, ſich zu erhalten, wenn fie nicht nebft den 
dgewächfen auch andere Thiere effen follten, 
und wenn die, welche fie effen, ſich nicht zuvor von 
‚andern Thieren genähret Härten. Und wie wuͤrden 
vollends Die zahlreichen Schaaren ber Fifche und 
Inſecten von dem wenigen Moofe und Kraute, 
re waͤchſt, unterhalten werben 


ESs iſt alfe offenbar, daß der Erdboden in al 
Ien feinen Elementen viel dber, und des größten 
Theils feiner Einmohner beraubt fern wuͤrdez 
welches der Vollkommenheit der Welt und dem 
Endzwecke der Schöpfung entgegen ift. Und ben 
noch wuͤrde für die überbleibenden Thiere nichts by 
ſolcher Ordnung gewonnen, Denn fie müßten : 
doch natürlicher Weife alle fterben, weil nad) den 
ordentlichen Gefegen der Bewegung eine folche 
Maſchine eines organifchen Körpers, als die Thiere 
haben, nicht ewig beftehen kann; und fie würden 
eines natürlichen Todes nun viel langfamer und 

mershafter fterben, als wenn fie auf einmal von 
ER Feinden hingeruͤckt und überwältigt werden. 

a, aus dem natürlichen Tode würde noch ein 
neues Ungemach für die Nachbleibenden entftehen, 
wenn die Hin und wieder umgefallenen Aefer der 
Sandthiere, und die herumtreiberidven todten Fiſche, 
£uft und Waſſer mit ihrem Geſtanke und mit ihrer 
Faͤulung anſteckten, indem fie von feinem fleiſch⸗ 
freffenden Thitre verzehret würden; woraus denn 


noth« 





u gegen die göttliche Vorſehung. 653 


ehwendig unter den Lebendigen Efel, Krankheit 
d Peſt entftehen müßte t. 

Es ift alfo eine weife und gute Ordnung in . 
e Matur, daß fi manche Thiere von andern 
ihren. Die Welt wird dadurch mit einer weis 
ößeren Mannichfaleigfeit und Menge von Leben⸗ 
sen, und fodann mit allerhand Art von $uft und. 
tergnügen erfüllet; welches fie defto vollfommener 
achet. Die Nahrung ift nunmehro für alle zu⸗ 
ichender, da fie nicht bloß in dem Pflanzenreiche 
fuchet werben darfe Eine jede Thierart wird, 
mmittelft dieſer Ordnung, in gemäßigten Schran« 
m gehalten, daß bloß ihr Meberfluß befchnitten 
ird, und fie meber zu fehr zunehmen, noch auch 
rrilget werben Bann. Den leidenden Thieren ges 
hieht Dadurch nicht mehr Boͤſes, als daß fie ſter⸗ 
m; welches ihnen doch nad) dem Laufe der Natur 
ätte begegnen müffen, und welches ihnen auf bie 
[xt noch weis fehmerzhafter geweſen wäre, Sie 

| genies 


Herr Baſſelquiſt bemerket Inden ſchwediſchen Abhand⸗ 
lungen Sb. XIII. p. 203. ſqq. daß der Bergfalte, 
nebſt den Gegnern und wilden Hunden, in der Tuͤr⸗ 

. Tey, Aegypten, Natolien, u. f. w. fehr nöthige Thie⸗ 
re find, um die vielen Aeſer der umgeralenen 
Pferde, Eſel, Maulefel, Kameele u. f. w. zu vers 
zehren; zumal, da die Tuͤrken fo ſchweiniſch und 
forglos find, daß fie ſolche Aefer nicht einſcharren. 
(Er meynet auch p. 207 fd. daß daher viellcicht die 
mujelmannifebe Barmbersigteit entflanden , da 
fromme Leute in ihrem Teſtamente Capitalia vermas 
“ben, dieſen Vögeln alle Morgen friſches Fleiſch 
binauszuführen. 





654 IX Abh. Nichtigkeit der Zweifel | 


genießen unterdeflen ihres Lebens, fo lange fie & 
"haben, ohne alle *Beforgniß und Furcht des Zufimf 


igen. Der bevorftehende Tod benimme-ihrer Zu 


friedenheit nichts, weil fie durch feine Vorſtellung 
, bes zußünftigen Endes ober ber Gefahr beunruhi 


get werden; fie fterben, ohne zu wiſſen, baf fie. 


fterben.. Ihr entfeelter Leichnam bleibe nicht zum 
Geſtanke und Scheufale anderer liegen, fondern wird 
bald aufs neue wieder befeelt, indem er alfobald 
durch die Nahrung in die Gemeinfchaft des Lebens 
tritt. Unterdeſſen verneuert und vervielfältiget ſich 
eine jede Art der Sterblichen im beftimmten Ben 
haͤltniſſe durch die Erzeugung neuer Gefchlechter, 
und die Welt bleibt nicht allein fters gleich lebhaſt 
an Thieren, fondern die edleren, nämlich die Wien, 
ſchen, und die unſchaͤdlichen zahmen und wilden, 
nehmen zu, und Die Welt wird nod) vollkommener, 
als fie gemefen. 

Man muß dabey die unendliche Worficht des 
Scöpfers bewundern, der den Raubthieren nicht 
mehr Sruchtbarkeit, Waffen, Stärfe, Liſt, ©e 
fhmindigfeit und Fraß bengeleget, als zut Verzeh⸗ 
rung des Ueberfluſſes anderer Gefchlechter und der 
Aeſer ihrer Todten nöthig war; hingegen aber Die 
leivenden und unfchädlidyen, mo nicht mit Waffen 
und Stärfe, dennoch mit fo viel Fruchtbarkeit, 
Lift oder Geſchwindigkeit verfehen hat, daß allezeit 
ſo viele der Gefahr entgehen, ale zum gebührenden 
Berhältnijfe der Thiere unfer einander gehöret, 
Keine Art wird demnach zu fehr verdränger, ver. 
mindert oder gar ausgerottet, feine nimmt zum 

Unsergange anderer überhand, 
Diefes 


| 





gegen die göttliche Borfehung. 635 


Diefes beweift eine Vorſehung, melche bie 
zebenheiten, in ber Folge der Dinge, nicht 

; unbeflimme, und insgemein überdacht, fone 
t alle einzelne Falle aller Fünftigen Zeiten, nach 
natürlichen Wirfungen, genau abgemogen und 
chnet hat : wie viele und welche Thiere jeder 
, an jedem Orte und zu jeder Zeit, nach dem 
ebenen Maage ihrer Vermehrung, Krefte, 
iffen, Liſt oder Geſchwindigkeit, in ber Wer 
pfung der Dinge, ihren Seinden entfommen 
den, bamit ein beftändiges Werhältniß unter 

n bliebe. Wäre nicht jeber einzefner Kall in 

ı allgemeinen vorausgefehen:: fo würde der bes 
dere wirfliche Erfolg der "Begebenheiten einem 
ıden Zufalle überlaffen fenn, und jo wäre das 
ichgewicht in Dem Thierreiche längft gefiöıe 

» aufgehoben, und manche Art würde zu volk⸗ 
h, manche zu gering geworben und vergangen 


. $ ım 


Gleichwie wir Menfchen nun eine befondere 
rfehung des Schöpfers über ung erfennen muͤſ⸗ 
‚ daß er uns fo viele Vorzüge vor den Thieren 
eftanden har, nicht aber verlangen koͤnnen, daß 
Welt allein um unfernt willen feyn follte: fo wäre 
ud) eine unbedachtfame Forderung, daß wir lau⸗ 
gute Tage in der Welt haben, und fonft feine 
wfehung über ung erfennen wollten. Denn eine 
he Welt und febensart, darinn dem Menfchen 
yes Nidriges, fondern lauter Luft und Freude; 


begeg« 





656 LAbh. Nichtigkeit der Zweifel | 


begegnete, wäre nicht allein unmöglich, ſonden 
uns auch felbft nicht zufräglich. 
Laſſet uns einmal eine. beffere Welt für ums, 
| wenigftens in Gedanken, bauen, und fehen, eb 
ſie fuͤr fih und mit unfeem Wohl beftehen- konne 
Es foll ung darinn fein Blitz, Fein Sturm, fein 
Erdbeben; Feine Ueberſchwemmuͤng treffen odet 
ſchrecken. Nicht Hige, nicht Kälte, fol zu unfe 
rer DBeläftigung zunehmen, fonbern allerwaͤrts 
und allezeit fol angenehmes Wetter feyn, regnen 
-und wehen, wenn und. wie wir es verlangen. Auf 


der Erde finden fih nım feine Wuͤſten, Sand, 


Mohr, Heyde, Felſen: die Berge laffen ſich her⸗ 
unter, Unfraut, Dornen und Difteln verſchwin⸗ 
den, der Boden wird überall eben und fruchtbar, 
fo, daß er feine Einwohner mit wechfelnder Schön 
heit anlachet. Man weis von feinem Miswachfe, 
fondern alle Jahre bezahlen uns die Einfaat- und 
Pflanzung mie dem reichften Wucher. Wenn mir 
ja das Ungeziefer,, nebft ben giftigen und reiffenden 
Thieren, dulden, fo wollen wir fie in eine große 
Inſel verweiſen. Menfchen und Vieh müffen Leis 
nen Fehl, oder ſchwache und ungeftalte Körperges 
biren. Ueber Armuth, Schmerz und Kranfhei- 
ten werden feine Klagen gefuͤhret, fondern was 
nur irgend Sinne und Gemüth ergögen kann, bag 
wird allenthalben in fteter Geſundheit, Luft und 
Ueberfluſſe genoffen. Die Vorftellung des Todes 
foll ung auch nicht quälen ı man fann nach eigenent 
Gefallen entweder beftändig hier leben, oder fanft 
einſchlafen. Ich weis nicht, ob ich auch die hefe 

tigen 


— - 





gegen die göttliche Worfehung. 657 


geibenfchaften und $after aus der Welt ver 
m foll, und ſtatt deren lauter Tugend einfühe 
benn vielleicht möchten, nach manches Sin« 
ene eher, als dieſe, zur beiten Welt und zu den 
nen Zeiten gehören. 
Ullein, träumen wir denn nicht, wenn wir fo 
n ? Nehmen wir nicht lauter widerfprechende 
e für Möglidyfeiten an ? Die Erde fann ja 
eben feyn, und doc mit fließenden ‘Bächen 
Steömen gewaͤſſert werden: fie ann niche 
en fruchtbaren Boden haben, und doch aller 
wäuter, Pflanzen, Bäume und Früchte tra» 
Sie fann nicht Leimen, Sand, Kreide, 
‚ Kohlen, Salz, Steine, Kalt, Kieß, 
zefel, Vitriol, Mineralien, Metalle, Ges 
wunnen und Bäder hergeben, ohne daß fie aus 
ebenen Theilen und Schichten zufanımen ges 
en, und daß fich hie und da eine Gaͤhrung 
Fntzündung äuffere, welche ein Erdbeben nach 
ieht. Sie kann nicht mit einem $uftfreife 
ben ſeyn, und boch Feine Ausdünftungen aufs 
n laſſen, welche Blitz, Wind und: allerley 
er verurfahen. Wollen wir vom Monde 
‚ nebft Ebbe und Fluch, genießen, fo müffen 
uch von feinem Drucke oder Anziehen Stürme 
leberſtroͤmungen annehmen. Soll die Sonne 
und untergehen, Frühling, Sommer unb 
ft machen, und die Erde allentbalben wohnbar 
wie fönnen wir einerlen Wärme und Better ver⸗ 
n? Wie foll; zu gleicher Zeit für die Wäfcherinn 
Sonne fiheinen , und für den Landmann Re 
allen? für das magere Sand ein feuchtes, für 
Tt Dos 


658 1X Abh. Nichtigkeit der Zweifel 

Das fette ein trockenes Jahr werben? für dem auf 
laufenden Schiffer ein Oſtwind, für den einfom 
menben ein Weltwind wehen? 

- Bir aber felbft Finnen ja nicht Menfchen, und 
doch von Natur unfterblich Inn: einen organifchen 
$eib zu unferm Werkzeuge brauchen, ohne daß e 
den mechanifchen Geſetzen, dem Miswachſe, ber 
Schwaͤche und Krankheit, dem Tode und der Ber 
wefung unterworfen wäre: wir fönnen nicht zugleich 
Menfchen- und Muͤckenaugen haben, die zugleich 
ein Microfcoplum und ein Fernglas wären; nict 
Dhren, die alles von Ferne, und doch ohne Ber 
mwirrung böreten. Wie reunten fid) unfere zarken 
Empfindungen und gefchlanfen Glieder mit eine 
eifenharten Unempfindlichfeit gegen allen Schmer; 
und alle Verlegung? 

Gefegt aber, daß dergleichen Welt und $ebens. 
art möglich wäre: würde dieſer Zuftand für uns 
gut ſeyn? Ich zweifele daran ſehr. Man wünfchet 
bie Erde fo fhön, daß fie vor Schönpeit unwohn⸗ 
bar feyn würde. Das beftändige angenehme Wet | 
ter, ohne Blig, Sturm und Fluthen, wird £uft |. 
und Waffer anſtecken, daß Feine lebendige Seele ', 
bauren kann, und wird alle Pflanzen übertreiben | 
und erftißen, daß feine Frucht oder Saar zur Rei 
fe gebeyet. Die ebene Erdfläche wird ein artige '; 
Moraft werden, weil man bie Berge, Selfen und |, 
Gletſcher verwünfcht hat. Dem fruchtbaren Bo \ 
den wird es an faufenderley nöchigen Pflanzen und | 
Bäumen, an Heyde, Torf, Kohlen, Sand, Lei⸗ 
men, Kreide, Kalf, Steinen und allen Minera N 
lien gebrechen. Und wo will man endlich mic ale r 

Leber ' 






ge die göttliche Vorſehung· 659 
öerfiuffe bin, der die Menſchen träge, wolluͤfti 
WW vichifch machet? Warum will man Dürftigs 
Kunb Armuth verbannen, da fie Doch bas feſteſte 
ſaich der menſchlichen Geſellſchaft fnüpfen, und 
wie Re aller Unterfchied der Stände aufhören, kei⸗ 
* dem andern bienftbar ſeyn, feiner auf: Erfins 
imngen und Künfte denfen, das iſt, alle arm und 


un. würden. | Ä 
> Steht finnfiche Luſt iſt der menfchlichen. Natur 
it ſo wenig gemäß: ein räglicher Zucker hoͤret auf, 
F. finde , und erwecket bald Efel und Uns 
-We Börperlichen Nerven koͤnnen ben anhalten⸗ 
A Kihel nicht vertragen, und werden dadurch ge 
Bee das Gemuͤth aber wird infonderheit das 
XD erttfräftet, und in fauler Wolluft begraben, 
Me ie jest Faum die guten Tage vertragen, 
5 Regen mit dem Sonnenfcheine wechſelt: 
de vi weniger wuͤrde uns eine lautere Heiterkeit 
en! Müßiggang, Trägheit , Schmelgeren, 
Felfpeit, Dummheit, Unmiffenpeit, Thorheit, Ue— 
Pirat, Stolz, Zanf umd Unvertraͤglichkeit wir. 
ie Die Jolgen eines foldhen Sebens fern. Arbeit, 
Me, Widermärtigkeit, ſtaͤrken und ſchaͤrfen 
gen. unfere Kräfte des Leibes und Gemuͤthes, 
I halten ums von manchtr Ausſchweifung und 
fern ab. Die Untuft, welche ſich in unfere 
miſchet, erhoͤhet ſo gar ihre Eimpfin- 
wie der Winter den Frühling, dag Gewit⸗ 
de den Sonnenſchein, ber Schatten die Farben, 
ne Webetlang die Uebereinſtimmung ber Toͤne. 
iſt fie auch eine zwat bittere, doch heilfame Ar⸗ 
, Die und zur Gefurfeit gereichet, und mfere 
’ Tt ,.. Bau * 
















[4 


afy 


660 IX Mh. Richtigkeit der Zweifel 


Begierben :mieber in Orbnung bringe. Wen 
wir uns nur ſelbſt fein Böfes zuziehen, und weiſe 
find, fo wirb bey allem Wechſel von Leid unb 
Freude eine folche Mifchung bleiben, die uns das | 
Leben niche allein erträglich, fondern auch angenehm 
madhet. 

$ ı2 


Diejenigen, welche überhaupt dem menſchlichen 
Leben ein überwiegendes Elend zufchreiben, fd 
nen mir deſſen Werth nad) den Wünfchen eine 
. übertriebenen oder weichlichen Wolluſt zu ſchaͤtzen | 
welche immer in vollem Kigel der Sinne feyn mil, 
und fobald derſelbe aufhöret, oder durch ein Eleines 
Ungemach geftöret wird, ſchon heftig zu Flagenan 
fängt. Sie fiheinen die fanfte Ruhe und Ergoͤ 
gung nicht zu Fennen, welche von der Beichäffti 
gung mit einer nüglichen Arbeit, von der Betrach⸗ 
tung der Natur, und der darinn offenbarten Weis 
beit und Güte ihres Urhebers, von ber Einficht der 
Wahrheiten, von Wise und Erfindung, von einer 
weifen und Plugen Aufführung, und von der Zu⸗ 
friedenheit des Gewiſſens über die Erfüllung feiner 
Pflicht entfteht. Sie fcheinen nichts von der Hoff: | 
nung eines noch befferen Jebens in den Genuß des 
gegenwärtigen einfließen zu laffen, und, ba ihnen 
Diefes Leben, nach ihrer Natur, nicht volle Genüge 
hun fann, daſſelbe gar zu verachten. 

Man bezieht ſich gegentheils, wie mich dünfet, 
mit Unrechte auf aller Menſchen Urcheil und Em» 
pfindung, weil feiner fein voriges $eben noch ein» 
mal anzufangen verlangen würde, wenn er eben 

das 


— — — — — 















an \ 9 _- | 0 
i die göttliche Vorſchung. 661 
wen; —2* eu ausgeſtauben, von neuem 

— — —— 
r 
kein Teils wird faͤlſchlich daraus 


— und Erf Erfaßeung taſſen uns nicht an⸗ 
Pi denken, als daß die meiften Menfchen ihe 
giges- Sehen. gern wieder anfangen würden, wenn 
Abe als — vorſtelleten. Denn die Natur 
ginem ‚jeden eine ſtarke Liebe zum toben einge: 
6 ; -fo- Daß wohl einige beffen Erhaltung mis 











je erfaufen würden, wenn es ihnen. 
* Denn die meiſten Menſchen ihr Le⸗ 
gem wittelmaͤßigen und erträglichen Zu 


md- geweſen ſind: was ſollte fie. meufchli« 
Meiſe bewegen, ihr voriges Leben ſo ſehr zu 
Dir froͤhlichen Jugendjahre und die vollen 
des Alters — fi. ja viele wirklich 
ie hre⸗ eingemiſchten Leidens 
3 und ſelbſt diejenigen, denen 
ganze menſchliche Leben ſo 
betruͤbe vorkoͤmmt, würben es 
Ted fie ia Ernfle eridfen 
wie jener Holztraͤger in ber Fa⸗ 
ja, leider! viele, die fein zukuͤnf⸗ 
glauben, ober nicht daran gedenfen: . 
die denn. niche alle, wenn fie 
er halten, todt zu ſeyn, als zu leben? war« 
vielmehr den Tob als bas allerer. 


31 
5: 
a 
E: 
* 


⸗ ze3. | We, 





wärtiger Empfindung oder Erinnerui 
wiſſen Leides und Verbruffes , in eine 
wünfchung ihres Lebens ausbreden: 
fich die ungeſtume Bewegung geleget ha 
anderes Sinnes. Andere haben, ihr: 
nad), nod) eine gute Zeit zu leben v 
richten alsdenn, wenn fie Darauf fehen, 
gen mehr auf das Zufünftige, und a 
nung des Befferen. Denn wir ſuche 
nad) unferer Natur, immer vollton 
glücflicher zu werden; und in der Be 
feicht zu begreifen, daß ein Menfch 
Stufen nicht gern noch einmal fteig« 
geht folhen wie den Reifenden, bie ı 
ſchoͤnen Dre zu befuchen vor ſich haben 
den bey der Begierde nicht gern um! 
die vorigen Derter noch einmal durch 
Aber daraus folge nicht , daß ihner 
Keife misfallen habe. Diefes ift n 





Huf, miße : fo iſt unter den Menſchen, wes 
Beandes und welcher Umftände fie auch. fonft ſeyn 
kein großer Unterſchled “ Geriuge und 
De een un enden dee welfee Ka mic chen 
vielem Wohlſchwacke, als. der: Reiche -unb 

feine cheuren eferbiffen; fie freuen ſich 
er site ja fo ſehr, als. ein König über 
Biege mb eroberte $änder. Die. Gewohnheit. 


ifchärfen und erhöhen eine geringe Laſt, meiche 
Agoifchen fömmt. ' Was.ift Daran 1, ob fi 
ft und ihr Vergnügen aus.-pr jen und 
—— oder aus. ſchlecheen unts täglichen Din⸗ 
eis fehöpfen, wenn fie nur eben fo wiel £uft und 
Bergnügen haben Adumen, als der: ? 
FF Die Weisheit giebt ollein,, bey folcher Gleiche 
ie der Menfchen, einen. Vorzug. Weil wir näme 
ch nach unferer Natur, nicht anders, als durch 
“ Tt4 riedrige 


Sa ii eine markante, aber große. Wahrheit, 
ung, und Bo 





ee 


nichrige Stufen, zu einer höheren Vollkommenheit 
und Gfückfeligkeit fommen Fönnen:  fo- verachtet 
‚ and vergället ein. Weifer dası jegige,geben und feis 
nen Stand nicht durch ebsrichte ze w 
- Betrübniß und Ringe. Er weis, er 
natürlichen Empfindung der buſt nicht — 
an, als bie Groͤßten und Reichſten; er genießt 
} alfe des gegenmärrigen Guten; und ftöret fich den 
Genuß nicht mit neidifcher oder voreiliger Worfich 
kung eines größeren — das er nicht beſit, 
oder das andere befigen. Er verachtet ſelbſt die 
ſinnlichen Ergoͤtzungen nicht; aber er weis fie, durch 
klugen Gebrauch, unſchaͤdlicher, ſchmackhafter und 
feiner zu machen zer bemuͤhet ſich jedoch vornehm« 
lich die. Vollkommenheiten in andern Menfchen, in 
der Natur, und in deren großem Urheber einzufer 
ben, und darnach feinen Verſtand zum wahren 
und Wahrheiten 


ſes borbeiten, 
Verdruſſe und Reue; es begluͤchet fein teben mit eis 
wem höheren unb reineren Vergnügen, Das niedtis 
gen Seelen unbefannt bleibt; es feget ihn über die 
Bidrigen Zufälle feiner zerbrechlichen Natur, und 
jet ihm, unter ſteter Verſicherung von ** 
nm und guͤtigſten Obhut des 

fens, einen Vorſchmack von einer Ein! ae 

zen Glückfeligkeic, dazu er beftimmet iſt. 

533. 

Ein Weiſer wird aber feine wunderthaͤtige 


PR der. Welt von Gott erwarten ober 
verlane 


un = 





u 
s 


gegen bie göttliche Borfehung. 665 


rlangen: noch ſich daran ſtoßen, wenn es das 
nfehen hat, daß auch die Frommen einigen wi⸗ 
igen Zufällen in der Verfnüpfung der Dinge un« 
rworfen find; oder, daß die Lafterhaften nicht 
eich auf der Stelle geftraft werden, fondern wohl 
ir vor andern gluͤcklich zu fenn fcheinen. Er weis 
rs erfte, wie oft man fich in folchen Begeben⸗ 
iten triegt, als ob es den Frommen fo häufig 
el, und den Sottlofen wohl gehe; und in den fels 
nen Sällen, wo es Wahrheit hat, erfennet er 
ch, daß die Zulaffung folcher midrigen Begeben- 
iten ber meifeften Borfehung gemäß fen, und von 
rfelben zum Guten gelenket werde. 

Wer die Menfchen und ihre Zufälfe genauer 
nterfuchet, der wird finden, daß von der meiften 
Jemüthsbefchaffenheit, Aufführung und Zuftande 
dfch geurtheilet wird. Sie find. mehrentheils 
itweder nicht fromm, ober felbft fchuld an ihrer 
Bidermärtigfeit, oder auch in der That nicht un« 
ücfelig. 

Wenn wir feben, daß ein wunderlicher Heili⸗ 
er mit ſeinen Grillen, oder mit ſeinem unzeitigen 
ifer anlaͤuft; daß ein unruhiger Kopf feine ver⸗ 
venntlich gerechte Sache, zu feinem Schaden, zu 
eit treibt; dag mancher, ohne Fleiß, Vorſicht, 
jefchicklichkeie und ordentliche Haushaltung, bloß 
sie Bethen, $efen, Kirchengeben feine Nahrung 
ergeblich ſuchet; daß ein anderer, bey feiner Ein« 
le und Unwiſſenheit, ohne "Beförderung bleibt; 
aß dort ein Eigenfinniger, Murrifcher , Zanffüche 
ger viele Seinde hat; werben wir folchen Leuten 
ine ächte Srömmigkeit und Tugend beylegen, und 

Ä Its m 


nd 


666 IX Ah. Nichtigkeit der Zweifel 
ihren Klagen Recht geben koͤnnen, daß fie unver⸗ 
ſchuldet leiden? | | 
Die meiften Menfihen find blind gegen ihre 
Fehler, und daher geneigt, ihre eigene Schuld von 
fich ab, und auf andere, oder aufs Ungluͤck, auf 
ein Schickſal, auf die Vorfehung zu waͤlzen; das 
gegen aber fich fälfchlich alle Fähigkeit, Vollkom 
menheit und Tugend, infonderheit Die Srömmigfekt, 
jueignen. Allein, fie haben mehrentheils einen 
igen Begriff von diefer großen Pflicht und dern 
Belohnung. Denn fie bilden ſich ein, daß ent- 
meber der äufferliche Gottesdienft, oder doch die 
Verehrung Gottes, alles ausmache, was Gott 
von ihnen fordert, und daß fie dadurch fehon an 
fich allen Segen verdienten, fie möchten ſich übris 
gens betragen, wie ſie wollten. Die göttliche Ord. 
nung erheifchet eben auch die Pflichten gegen andere 
Menfchen und gegen uns felbft; und zwar, mas 
ums felbit berrifft, daß wir nicht allein unfern Wil⸗ 
Im, fondern aud) unfern Verftand und äufferlichen 
Zuſtand beffern; daß mir vernünftig, meife, Elug, 
vorfichtig werben, mas rechtfäyaffenes meifterlich 
lernen, emfig und fleißig find, und uns andern 
Menfchen nüße und gefällig machen. Wer diefes 
verſaͤumet, oder auch das Gegentheil thut, der 
kann nicht fagen, daß er fich der göttlichen Orb» 
nung gemäß bezeige, und fo ferne Gott feinen Ge⸗ 
Be ‚, Furcht oder Dientt leifte. Was Wunder 
es denn, daß ihr Betragen feine natürliche Fol. 
gen hat ? ober wie kann man ſolche Begebenheiten 
unter diejenigen zählen, welche einen Anftoß gegen 

bie göttliche Worfehung geben? — 
| oͤn⸗ 


> 


— — nn iii — — — — — EEE ner. — en e nee nn nn 





: gegen die göttliche Vorſehung. 667 


Koͤnnen ſich aber die Menſchen nicht eben ſo⸗ 
| in dem Urtheile, daß einer laſterhaft und 
08 fen, irren, als fie der Schein einer Froͤm⸗ 
Peit, oder ihre Eigenliebe, triegt? Es wäre 
ünfchen, daß nur der Päbel alle diejenigen, welche 
lichen Standes find, für Weltlichgejinnte,: alle 
iften für boͤſe Chriften, alle Naturforfcher für 
uraliften, alle Mathematifer für Acheiften, alle- 
he und Vornehme für ungerecht und gottlos 
e Allein, vielleicht find auch Klügere niche 
ih von folhen Worurtheilen frey, und oft 
het fich ein Neid, oder eine befondere Zwiſtig⸗ 
mit in dag fieblofe Urtheil ein. Geſetzt aber, 
ı fann folche Leute, denen es wohl geht, nicht 
ı unter die Frommen und QTugendhaften red) 
: find fie darum alfobald gottlos und lafter- 
zu nennen? Es giebt einen mittleren Zuftand 
der ſittlichen Bollfommenheit und Unvollloms 
heit. Manche Menfchen find nicht völlig gut, 
auch nicht völlig böfe zu nennen ; und folche 
ıen Doch viel natürliches Gutes und viele Ges 
Plichfeit, Klugheit, Emfigfeit, Dienftferrigs 
und dergleichen löbliche Eigenſchaften an ſich 
m. Sollen fie darum alle nafürlidye Beloh⸗ 
g verlieren, weil fie nicht alle Tugenden, und 
nders die höchfte, befigen ?_ ober kann man fie 
Rechte zum Benfpiele der Gottloſen ftellen ? ober 
n Bote, nach feiner weiſen Borfehung, eines 
ee Kinder, dem es röthig thut, nicht mie 
Hrfe ziehen, das andere mit ber Güte 
en 


Sen 





erfält: yumal) 
er es mennet mehr as abe ern u pen, m 
„ bagegen bas ©ute, was er in feinem mittehmäi : 
Buftande beflgt, nicht erkennet oder genießt, ungeöch« 
tee ihm Die Worfehuhg: fo viel gegännet, Daßer könne 
en fe und feine Urſache —— 
ſelbſt das vermeynte , was dem 
. Den begegnet, verbienet fo fine den Kamm 
wicht, als es ihm entweder ben "Weg zum Gluͤcke 
bahnet, oder als eine Bittere Arzeney heilfam und 
ee daß er ſich nicht überhebe und aus · 
Wie mancher wäre nicht gluͤcklich ge⸗ 
Kae mern er nicht ungluͤcklich geweſen wäre? 
Singegen begeuget ale Geſchichte, daß vielen Safter- 





a 
gegen die göttliche Vorſehung. 669 


fie gegenbie geringſte Unluſt werben’; wie viel 
druß ſich verborgener Weife auch in die Pallde 
infchleiche, und wohl gar bis zu den Thronen 
met ; mit welcher inneren Unruhe, Scham, 
ıe und Furcht das boͤſe Zeugniß des Gewiſ⸗ 

: bie Safterhaften zuͤchtiget: fo wuͤrden wie. 
n gewiß folche triegende Gluͤckſeligkeit nicht 
gönnen. | 


G 14. 


Was aber vie Fälle betrifft, da den wirklich 
chuldigen und Srommen etwas wahrhaftig "Bde 
‚ den wirklich £afterhaften und Gertlofen etwas 
whaftig Gutes begegnet : fo kann man dabey 
ünftiger Weife feine wunderthätige und über 
uͤrliche Vorſehung verlangen; fonbern hoͤchſtens 
daraus ſchließen, daß beyde widrige Bege⸗ 
heiten zugelaſſen, weisllch zum Guten gelen⸗ 
und zu ſeiner Zeit nach Verdienſte vergolten 


den. 
Es giebt viele Menſchen, die ſich ſolchen Be⸗ 
f von der beſonderen Vorſehung machen : Gott 
ßte, ſo oft die Unſchuldigen und Frommen in 
Verknuͤpfung der Dinge mit einem Unfalle be⸗ 
het wuͤrden, denſelben außerordentlich von ih⸗ 
abkehren, und ihnen dagegen lauter Outes 
derfahren laſſen: die Laſterhaften aber muͤßte 
lles Gluͤckes berauben, und mit gegenwaͤrtiger 
rafe belegen. Allein, eine ſolche Vorſehung 
e beydes den Vollkommenheiten Gottes und 
er Werke entgegen, und den Menſchen ſelbſt 
t zutraͤglich. | 
rar 





eingefühtet werden. Denn man barf nicht geben» 
Ben, daß etwas der Natur und dem Weſen eines 
Dinges entgegen gefchehen Fönne, deſſen Mendes 
rung fi) niche weiter erſtreckte, als auf den Meinen 
Theil, worinn es gefchähe. Es hänge alles in 
der Welt zufammen, ımd eine Weränderung muß 
die andere, ja viele mehrere nad) ſich ziehen. 
Wenn nun bie Kräfte und das Wefen der lebendi- 
gen und feblofen Dinge die Mittel find, 
fo viel Outes in der Welt geftiftet wird: fo folget 
. auch, daß eine aufferorbentliche Weränderung in 
ben Begebenheiten der Natur, die dem erfien 


Ziverfe nicht gemäß ift, viel Gutes aufhebt 
. Kr ya a0 ehrt — 

ae St gfämdlr: Bde nen, de 
. wie In einer bürgerlichen. Geſelſchaſt feine 


i 


& 


| 





gegen die göttliche Vorfefung, 671 


me von den Gefegen, bey biefer oder jener ein. 
einen Perfon, gefchehen kann, ofne daß es Fol⸗ 
gen nad) ſich zieht; und äftere Ausnahmen den 
Sefegen felbft ihre Kraft benehmen, und die gan« 
# Verfaflung des Staats umfehren. 

Wie ? wenn denn nad) eben den Regeln , 100% 
durch fo viele gefunde Körper gebildet werden, uns 
ter etlichen hundert Geburten, zufälliger Weife, 
ein Brefthafter, unter vielen taufenden eine Mis. 

bervorfommen wollte; wenn ein unfhuldig 
Kind durch Verwahrlofung feiner Wärterinn Scha- 
den leiden, ober erdruct werden würde ; wenn ein 
frommer Mann von einer herabfallenden Ziegel ges 
quetfchet, von einem tolien Ochfen gejioßen, durch 
eine Zeuersbrunft feiner Güter beraubet, von einem 
inde vermunder, vom Blitze erfchlagen, von 
der See verfchlungen werden möchte : follte denn 
Gott alfobald in die Natur gewaltſam einbrechen, 
die Regeln, wornach fo viele gefunde Körper ges 
bildet werden, wodurch das Wachsthum und Le⸗ 
ben der Menfchen und Thiere befördert wird, wor» 
nach fi) alle mechanifche Bewegung in der Welt 
und ber freye Wille richtet, hemmen, ftören, aͤn ⸗ 
dern? Dadurch würde dag Wefen und die Natur 
ber Dinge felbft aufgehoben, und für ein Uebel 
Millionen geftiftet. 
. $ı% \ 

Über, wenn es auch die Vollkommenheit Got. 
tes und feiner Werke zuliege, daß Gott eine fo 
‚wunberthätige Vorſehung über die Srommen und 
Sottloſen äußerte ; fo würde es doch —— 


vr Richtigen er 


® Mtfommmenheit 
eng förderlich on Tr — 
u" | ige Vorfepung fen, ft 
BR * en se ich : was würde 


. Me Sache am fich ſeyn? Denn wie viele fchöpfen 
tAcht aus folcher, falſchen Einbildung ein ungen 
Wertraien zu ver göetichen auferstbentihen Hi 
Our daß fie die natürlichen Mittel der 
u , Klugheit, Brhutfamkeit, ja Pflicht | 
I web Tugend in ren Sanblungen darüber verfäts 
mai? Bey aller ihrer Nachießigkeit —— 
tigkeit und verlaſſen ſie ſich dennoch 
den goͤttlichen und Beyſtand; welches nichts 
anders iſt, ‚als glauben, daß Bor TE 
alle Augenblicke Wunder thun werde. 
$eute fchließen auch wohl umgefehrt : es geht mir , 
befonders wohl, es gelingt mir dieß und das; 
‚bat 28 Gott um meinentwillen aufferorbenelich ſo 
gecen alſo muß ihm mein Wandel geſallen; da 
doch aus Iren Handlungen ſelbſt nichts weniger zu 
urtheilen ift, als daß fie den göttlichen Vorſchrif⸗ 
"ten gemäß leben follten. Man fann denn auch 
leicht gedenken, wie unvernünftig und fieblos der⸗ 
gleichen Menfchen von andern urtheilen, wenn ih⸗ 
nen etwa widrige Begebenheiten zuſtoßen. Aus 
eben der irrigen Vorſtellung von ber 
Werfepung gehe es, Daß einige font nicht BR. 
Menfcyen mit ihrem Gebethe, fo zu reden, din 
Himmel zu ftürmen gebenfen, und Goct andere 
Rathſchluͤſſe gläubigft abzwingen wollen, als feine 
eig: Mei ftgefe Satz Da ie imee 
ze Pflhe (egfälig gun, (und den’Erfag, ber 


Hab 


Dosen die gttiche Borfehung, 673 
een Beta in geloffenem Vertrauen em⸗ 


Hieraus ſieht man ſchon, wenn eine ſolche 
uderthaͤtige Vorſehung wirflich wäre, als ſich 
che träumen laffen, daß fie nichts Outes unter 
ı Menfchen fliften würde. Wenn mit ber 
Immigfeit lauter gute Tage, Geſundheit, Wohl 
ud, Ehre, Freundfchaft und Gluͤck, mit ber 
Freie bergegen ftets Krankheit, "Armurh, 
‚ Haß und alles Unglück vers 

oftuhe: fo würten de, weiche fnfl'nod Mu 
shaft werben möchten, aus allzugroßem Ders 
men auf foldhe Vorfehung, ihre natürliche Faͤ⸗ 
keit, ſich vollfommen und gluͤcklich zu machen, 
be. gebeaudien, ihee Pfliche beeflumen und über 
sen, in ipren Dandlungen und Geberhe verwe⸗ 
n werben, menigftens die Tugend nicht ſowohl 
ihres Inneren Werches, als um des äufferen 
willen, lieben und üben, Dagegen würden 
ʒwelche ein böfes Herz haben, zwar vielleicht Durch 
echt einer gegenwärtigen aufferorbentlichen Stra- 
ihrer Buͤberey abgeſchrecket; aber ihr Wille 
würde nicht geändert ober gebeſſert, 

wwern nur unter beftändiger Furcht gehalten. 
wech beydes aber würde die aufrichtige willige 
eigung zur Pflicht und Tugend, die innere 
ollfommenpeit der Menfchen, und aller Unter 
geilen Tugendhaften und Laſterhaften aufa 


PD lockere Verbindung der äufferlichen Belafe. 

ingen des Gluͤckes, und der: äufferlichen Strafen. 

.  Ungiides, mie Tugenden und Laſtern, ift Ben 
j nn u X 


vn 





674 IX A6h. Nichtigkeit der Zweifel 


nad) mweife und gut, bamit bie Menfchen ihre 
Pflicht nicht knechtiſch thun, fondern Tugend als 
Tugend, um ihres inneren Werthes willen, haupt 
ſaͤchlich fieben, Lafter als Laſter, wegen ihrer inne 
ren Häßlichfeit, vornehmlich haflen möchten. &s 
iſt auch nicht zu befürchten, daß folche Verknüpfung 
der Dinge, welche die Frommen vom Unglüde 
nicht ganz frey machet, und den Gottloſen nicht alles 
Gluͤck abfchneider , die Menfchen vom Guten ab. 
ſchrecken, und zum Boͤſen reizen Pönne, Denn 
weil das Ungluͤck, eben Darum, daß es nur ein Un 
gluͤck ift, nicht für eine Folge, und Wirfung tugends 
bafter Handlungen angefehen werden kann: fogiebt 
es auch feinen Bewegungsgrund, die Tugend zu 
meiden. Und weil das Gluͤck, eben Darum, daß 
es ein bloßes Glück ift, nicht in der Gewalt des 
Safterhaften fteht.: fo kann niemand denken, wenn 
ich ein Schelm werde, fo müffen mir lauter Ges 
winne in $otterien und gute Erbfchaften zufallen. 


6 ı6. 


Hieraus Ift genugfam zu erfennen, daß es auf 
alle Weife der höchften Weishele und Guͤte gemäß 
geweſen, die mwidrigen Begebenheiten des Gluͤckes 
und Unglüdes in ber Bernüpfung der Dinge zuzu⸗ 
laſſen; in fo ferne durch deren aufferorbentfiche Aen⸗ 
derung unendlich mehr Böfes in die Natur und um 
ter bie Menfchen felbft würde eingeführet werben. 
Es erhellet alfo auch, daß diefes mit Gottes allges 
meinen und befendern Vorſehung gar wohl beftehe, 
und ihr gar nicht zur Saft gereiche. 


u init ee N nV EEE "EN WANN VUN vr Vu — — - 


Dr 





gegen bie göttliche Vorſehung. 675 
Der eigentliche Zweck Gottes iſt nicht, weder 
n lebendigen Geſchoͤpfen uͤberhgupt Boſes wies 
ihren zu laſſen, und beſonders die frommen 
fehen unglücklich, die Gottloſen glücklich zu mas 
‚ bie Tugend’ zu unterbrüdten, bie Safter zu reis 
oder zu verflatten, daß es einer fo gut habe 
der andere. Es ift aud) nidye mehr Boͤſes in 
Welt zugelaffen, als was bie mefentlichen 
ranfen endlicher Dinge in ber vorfichtigften 
nüpfung unvermeidlich nach fich ziehen , und 
weiches Zulaffung nur mehr Gutes gehindert, 
» Böfes befördert feyn würde. Dagegen liege 
Nervorbringung alter möglichen Lebendigen, 
in’ der Webereinftimmung allee Einrichtung, 
fe und Regeln mit dem Wohl der Lebendigen, 
vahre Zweck des Schöpfers vor Augen: daß 
el und: fo mancherley Vollkommenheit, Outes, 
und Gluͤckſeligkeit in der Welt geſtiftet und ges 
n werben foll, als nur moͤglich ift. 

von Gott zur Wirklichkeit gebracht ift, gebe 
be auf diefen Zweck. Der ganze Bau’ der 
t, die Vertheilung der Materie in eine- Menge 
w und finfterer Kugeln, die Bewegung ber 
wilfchen Körper , die Abmechfelung von Tag 
Macht, von Jahren und Jahreszeiten , die 
michfaltigkeit der Erben und Erdgewaͤchſe, die 
htbarfeit der Pflanzen und Thiere, die mecha» 
en Kräfte und Regeln, die Bildung der thie⸗ 
en Körper und ihrer finnlichen Werkzeuge, die 
be, Fertigkeiten und Künfte, welche ihren 
len eingepflanze find: alles iſt gerade auf bie 
alniung und. die. Suft. Der: Sebendigen gerki 
Yır tm u u 3 tet, 

I 


‘ 


656 IR US. Nichtigken der Zumal 


Des Menſchen Natur iſt beſonders genen 





tei, olles iſt nicht allein untadelich, ſondern um 





den ganzen Erdboden zu bewohnen, alle T 
behfrrſchen, ace 7 


reinſtimmung, 
t, Weisheit, Kunſt, Geſelligkeit, M 
ſchenliebe, Tugend, Sittlichkeit und Religion: 


natuͤrlichen Regeln feines Verſtandes bringen 


auf den Weg der Wahrheit; die natuͤrlichen? 
geln feines Willens führe ihn zu nichts, als z 
Guten und zur Gluͤckſeligkeit, und er hat ein ® 
mögen und Verlangen, immer bis ins Unendli 
vollkommener und glücklicher zu werden. 
Nun ift es Des Menſchen Sache, fich befi 
auch fo viel zu gebrauchen, aͤls es moͤglich iſt. 2 
megungsgründe dazu hat der Schöpfer ſchon gem 
in feine Seele geleget. Mit deni Erfenneniffe d 
Wahrheit und Vollkommenheit, mit der Ausüben 
von Pflicht und Tugend, hat er ein füßes Verga 
gen, und eine innere Beruhigung und Zufriebe 
beit, als eine eigenthümliche "Belohnung, verfnüpf 
welche über alles geht, und ihm nimmer fiel 
fchlägt. Ueberdem ift eine folche Verknüpfung i 
der Natur und unter den Menfchen felbft gemache 


. daß foldye Bemühungen, welche der göttlichen A 
ſicht gemäg (oh, nämlich Erkenntniß, Weichei 





: gegen bie göttliche Vorſehung. em 


nſt, Bhäßigfeit, Fleiß, Treue, Siebe, Dienſt⸗ 
etigfeit, Brömmigkeit, u. 1. w. an fi f ſelbſt, 
nomendig , angenehme Folgen und Wirkungen 
w Gefmdpeit, Wohlſtande, Ehre, Sreundfchaft 
ıben müffen, welche, wir ala Auffere Belohnungen 
ter — anzuſehen haben, die uns die 
Irfehung, nit Abfcht auf unfer Weftes, betim 
“hat, und die felten ausbleiben. 
koͤnnen alfo nicht anders denfen, als daß 
sh GBlüds:unb Ungluͤcksfaͤlle, welche niche von 
en e fondern yon Gottes allgemeis 
-Berfnüpfung der Dinge entſtehen, wenn fie 
eich wibrig fcheinen möchten , dennoch, nach eben 
x weifen unb gätigen Vorſehung bes Schoͤpfers, 
Be mit unferm Betragen, und zwar 
ıunferm Woht, heben müffen, Denn es fan 
dem Jaufe ber Natur nichts fo geringe feyn, das 
lotg nicht vorher geſehen und beliebt hätte; und 
kann nichts belieben, als was Gutes, ober auch 
w zulaſſen, als aus guter Abſicht. Demnach 
uß auch die Verfnüpfung ber Glücs. und Uns 
uͤcksfaͤlle mit verſchiedener — Betragen 
—— gr Unfiän. haben, und zum Mittel def 
ben angewandt. feun, Und es folget umgefehrt, 
6 alles Bute, was aus der Verknuͤpfung des 
Mädes und Unglüdes mit verfchiedener Menfchen 
emage ee, een fr, gi 


u $ 17: | 
Wir mögen uns demnach eines Thells nur 


ne ſelber 
agen, was für Wort , aug ben Gluͤcks und 
j u. Unit 





378 ¶ RaAbh. Nichtigkeit der Zweifel 


Ungluͤcksfaͤllen wirklich entſtehen, ober entſtehen koͤn . 
nen: fo werben wir Die Abſichten Gottes ijo ferne 
ı “erreichen. Uebrigens aber müffen wir ums, wor 
nehmlich in befondern Fällen ‚erinnern ‚. daß wir 
Menfchen nicht vermögend find;,;den Zuſammen · 
hang jeder Begebenheit mit dem Mugen einzelner, 


"ober mehrerer, oder gar aller. Menſchen einzufehen; 


und wir haben dennoch nicht Urfache, anders zu den · 
fen, als daß fie nach weitem Mathe und ir 
zum Beſten verhängt.oder zugelaſſen find, 
wie müffen biefe Begebenheiten billig ſo — 2 — 
als die Werfe der Natur, weil fie von: einem und 
bemfelben Urheber, nach einerley Abſicht und Re 
gein der Weisheit, entftanden find. Da fehret 
uns nun Erfahrung und Vernunft in taufend Ber 
ſpielen, daß die Theile der Thiere, Pflanzen, und 
des ganzen Erdbodens, die Naturfräfte und Ge | 
feße der Bewegung, die Einrichtung und Zufame | 
menfügung der großen Weirkörper, bie ung 
und ber Lauf der Veränderungen inder Welt, nid 
umfonft fen, fondern alles feinen Mugen für bie 
ebendigen habe. Wenn mir aber ben Gebrauch 
" und Mugen eines Theiles der Pflanzen, und thieris 
ſchen Körper, oder einer andern Sade und Ge 
Khichte in der Natur nicht errathen koͤnnen: was 
denken wir denn vernünftiger Weife? ſchließen wir, 
daß die Sache deswegen gar feinen Nugen babe 
weil wir ihn nicht wiſſen und einfehen? Nein, wir 
fegen vielmehe zur Regel: in der Natur ift undge 
ſchieht nichts umfonft; Fe bat feinen Nugen, ob 
“wir ihn. gfeich nicht wiſſen. Dim gehen ia be 
Süd. und: Ungluͤcksfalle auch natürlich zu, und p 





gegen die göttliche Borfeung. - 679 
Ind niche anders, als Begebenheiten der Natur 
sfehen. Wir heißen fie nur Gluͤck und Unglüd, 
en unferer Unmiffenheit, weil wir fie nicht vor« 

ſehen, ober ihre Verknüpfung mit den Urſa⸗ 
und Abfichten wiffen. Vor Gott iſt aber nichts 
ick ober Unglück, fonbern alles in feiner Bor 
enheit fo gewiß, als die Sonnen md Mond» 
erniſſen, Jahreszeiten und. Witterungen find, 
ffen fie denn nicht-eben fo, wie diefe Begehen⸗ 
m, indem göttlichen Rathſchluſſe zureichenbi 
vegungsgeunD, Abfiche, Regei und Natzen 
Ich brauche nicht viel von ben Gluͤcks⸗und 
üchsfälten zu fagen, da Sromme Gutes, und 
tloſe Boͤſes eriffe: denn die geben ber Vorſe⸗ 
g gar feinen Anſtoß, ſondern beftätigen fie viele 
t, ' Unterdeffen machen ſich diejenigen haupt⸗ 
lich dergleichen Fälle zu Muge, bie bas Gute 
t als ein Ungefaͤhr, fondern als ein. Gnadenge⸗ 
ik ihres Schöpfers annehmen, bas fie zur 
barkeit, Uebe und Gehorfam gegen ihn, zu 
ver Gutthaͤtigkeit gegen andere Menfchen, und 
. bebarrlichen Berfage der Tugend ermuntern « 
- Die Unglüdsfälle hingegen machen fidy bie 
ſtutze, welche fie für eine göttliche Züchtigung 
Warnung anfehen, und. fi) ferthin feines 
khten gemäßer zu leben entfchließen. Ä 
So werben wir auch diejenigen Fälle feichtlich 
der befondern Worfehung zufammen reimen, 
ben das Ungluͤck den Frommen ein Mittel zum 
de, das Gluͤck hingegen den Gottlofen zum 
ereren Falle gebiehen ift. Denn wenn uns gleich 
Uu 4 GWwon 








v - . 


... gs DEAN: Michtigfeit der Bineifek 
wvidrig fiheinen , fo farm doch die Hofiöfung us 
das Ende foldher Geſchichte, wenn wie es abfegen 
Ein fremde⸗ 
wimmt an Yusgange, fo gar auf der Eichen 
baͤhne, 8 igein. den mirftichen he 
mit Freuben Theil, ‚wenn er Die Tugend 
-  belopnet,;uunb bie kefhen bennad) quiet geizeft fh 
Was ;muß‘. es aber nicht für eine innere 
":“ mugeßenng für denjenigen felbft ſeyn, der mitten 
ia Ungluͤcke Pfliche und Gewiſſen ſtandhaft beob⸗ 
achtet, und fein Vertrauen zu der göttlichen Vor⸗ 
feh.ung nicht weggeworfen har; wenn endlich die 
Bertänbigteit feiner Tugend defto teichlicher gefrd« 





















Ss 18 


| Was fan aber das Boͤſe für Mugen haben; 

fo fernees, ohne folgende Vergütung , Unſchuldigt 
und Fromme triffe? Mich duͤnket, wer die Ben 
fnüpfung in der Welt, und die Natur der Men⸗ 
fen, nur ein wenig mit Bedacht betrachtet hat; 

der muß feicht einfehen Fönnen , daß das Boͤſe, 
welches den Schranfen der Dinge anbängt, in der 

VOrdnung und dem $aufe der Natur, allenthalben 
zum Mittel des Outen angewandt ſey. 

, So unzäplig verfchiedene Dinge, mit verfchle 
denen Kräften und Bemühungen , müflen not 
wendig einander alle Augenblick entgegen arbeiten. 
Sie find aber in eine folche Verbindung aebradis 
‚wie von einem geſchickten Baumeiſter die S 
eines Omdibes aͤſanmen gefuͤget werben, * 


N 





N) 


caen De göttliche Worfefung —E 


wv jeden Steines Neigung zum Sturze und Falle 

Feſtigkeit des Gewoͤlbes —* ganzen Gebaͤudes 
chen hilft. Bemühen eines jeben Staͤub⸗ 
16, Tropfens umb Luftkuͤgelchens, ſich noch eis 
ı und demfelben Punkte zu bewegen, und, feine 
chbaren zu verbrängen , giebt ber. Erde ihre 
ue-und Feſtigkeit, dem Waſſer feine Waffery 
— der Luft ihren uns fo nüglichen Druck 
Bemühungen der Planeten, auf 
s zu fallen, und der Sonne, fie abzuhal. 
‚ verurfachee und erhält ihre richtige —— 
Ihrem ordentlichen Lauf. Das Toben der Eier 
me in unferm sufrfecf, weiches —28 
den verſchiedenen Ausduͤnſtungen entſtehen 

ßte, gehe mit der folgenden fruchtbaren Witten _. 

g ſchwanger. Die Vergaͤnglichkeit der organk 

n Körper von Pflanzen und Thieren wird zur 
migung und Erhaltung anderer angemandt, 
is iſt feiner Natur nach verweslich und verberb- 
„' aber in der ganzen Natur verdirbt nicht 


Wir Menfihen find inshefenbere fo gearret, 
' ums unfere Unvollkommenheit eing Stuſe pw 
ülommenheit werden muß, die entweder Dem 
gen menſchlichen Geſchlechte, oder einzelnen 
fonen, erfprießlich ft. Wie kommen nadk, 
e Waffen, Wiſſenſchaft unb Vermögen, uns zu 
alten, auf Sie Zelt 4 aber eben Adler Mangel 
d das Mittel der Gefelligkeie, Freie und 
wng ber Vernunft. Erſt mußten die Min 
n Noth und Kummer leiden, che fie zur Na | 
ıg der Kuͤnſte und 1 feufheften cerweckt wer⸗ 
u5 









682 IX Abh. Nichtigfeit.der Zweifel 


ben konnten: erſt rohe und. wild. gegen einander 
verfahren, ehe fie ſich ein: friedfertiges, fittfames 
und bürgerliches geben beſſer gefallen ließen, Bar 
barey, Aberglauben , Religionsverfolgung, Heren 
procefje über Unſchuldige, und dergleichen, mußten 
zuvor aufs hoͤchſte fleigen, ehe fie allen Fonnten 
zum Abfcheue werben. Hätte fich nicht fo mancher, 
zu feinem Schaden, in,die See und unter die Er 
de gewaget, fo wären uns noch Schifffahre und 
Handlung, Eifen und alle Reichthinmer der Erbe 
verborgen. Noch müffen wir manche Abwege der 
Jerthuͤmer durchwandern, ehe wir den rechten 
Weg der Wahrheit finken : erft durch vice 
Benfpiele der Unbehutfamfeit gewarnet merben, 
ehe wir die Mittel der Vorſicht brauchen, erft 
manchen Schaden erdulden, ehe wir den gewuͤnſch⸗ 
een Vortheil ziehen Finnen. Wenn wir überhaupt 
alles Gute bedenfen, was jetzt in Wiffenfchaften, 
Künften, Geſetzen, Policey, $andmwirthfchaft, 
Handlung und DBequemlichfeit des $ebens, den 
Menfchen zu ftatten koͤmmt: fo werden wir finden, 
Daß es faft durchgehende eine Frucht ides vorherges 
gangenen ‘Böfen fey. Und es ift Fein Zweifel, daß 
noch viel Böfes unter uns waltet, welches noch 
mit einem verborgenen allgemeinen Guten ſchwan⸗ 
ger geht. 

Es merben zumeilen brefthafte Kinder, ja 
Misgeburten erzeuger. Aber zu gefchweigen, daß 
fie uns manches in der Zergliederungsfunft, und 
von dem Gebrauche der Theile, entdeckt haben; fo 
wuͤrden wir auch ohne fülche Fälle meynen, die ge: 
funde Bildung Fönne nicht anders feyn. Nun ler 

nen 





⸗ 


[4 


gegen die göttliche Vorſehung. 683 
ı wir, daß auch Regeln möglich find, nach wel⸗ 
a lauter Misgeburten entftünden, daß die Na⸗ 
nichts : fehlechterdings nothwendiges fey, und 
} wir unfere Gefundheit einem weifen Schoͤpfer 
danken haben, der ung fo vollfommen gebildet. 
fteht dahin, ob nicht die Menfchen einmal dar⸗ 
‚fernen. werben, ober lernen follen ; daß es bef- 
wäre, folche Misgeburten ‚ die ſich nur ſelbſt 
Qual und andern zum Scheuſale leben wuͤrden, 
x zu erziehen, ſondern, nach obrigkeitlichem 
heile, in der erften Kindheit , wenn fie noch von 

felbft nicht wiflen, durch einen fanften Tod 
ber einfchlafen zu laſfen. Manches Kind wird 
ı feiner Amme oder eigenen Mutter im Schlafe 
ruckt, von der Wärterinn vermahrlofer, oder 
& unnöchigen Zmang ber Glieder verrenfet und - 
get. Was Elagen wir aber die Vorſehung an, 
' fie. bie Luft dem Menfchen zum $eben fo nöthig 
scher, oder daß fie die forglofen Ammen unb 
Ieter nicht übernatürlich erwecket, oder daß fie 
Wachsthum bes $eibes nicht gegen ben unna« 
ichen Zwang bewahrer ? !affet uns vielmehr 
en, behutfamer und forgfältiger zu werben, 
et uns ein Schhgmittel für die Kinder gegen die 
hlaͤfrigkeit ihrer Säugerinnen erfinden, oder 
mehr, was fchon erfunden iſt, einführen ımb 
seiner machent. Laſſet uns ber Natur in ihrem 


Se Florentiniſche Obrigkeit bat bey Strafe der 
Verbannung gebothen, daß keine Amme oder Mut⸗ 

ser ihrem Kinde die Bruſt geben fol ee ne ‚ur 
felbe nicht in einem Shut läge, welches Ne 


En 


. . 
- 1} 


84 X 5, Richtigkeit der Zuseife 


Woqchethume feine unnörhige Pflege umd mp 
Beffel anlegen, da wir offenbar fehen, daß 

. Ständen und Voͤlkern die zarten $eiber > 
ſten und gefundeften aufmachen, ben weichen 
wenigſte Wertung und den menigflen 5 


da 
Die gie Vorſehung iſt zwar fo * 
gen die Menſchen geweſen, daß ſie eine 
VWerknupfung unter ihnen gemachet, wo ſelb 
Vergehungen, — und Laſter dem g 
‚ oder ber bürgerlichen Gefelifchafl 
Vortheile gereichen müffen. Die bloße Eige 
eines jeden Mitgliedes muß, wenn einer n 
geringſte Vernunft dabey brauchet, «ben 
Handlungen bervorbringen, melde er au« 
Menfchenliebe und bürgerlicher Pflicht hätte 
follenz; weil er wohl einjehen fann, daß e 
Wohl durch Feine andere Mittel in der Gefel 
zu befördern fühig fey, als durch „fie, ı 
auch andere Menfchen Mugen haben. Seit 
Safter, als Wolluft, Ueppigkeit, Eitelkeit, 
ſchwendung, Geiz, Dieberey, m fr m. er 


eutccio nennen. Dieſes be aus drey ode 
Brettern, worinn dus Kind fo verwahrt liegt 
es durch Betten nicht kann erſtickt werden 
* ip ara ni Bruſt durch einen Aud 
‚Man finder diefes A 
gene ek una und abgebildet in dem I] 
der ſchwediſchen Abhandlungen aus ber | 
lehre, Hausbaltungskunit und Mechanik 
und in den Philofophical Traniadtion, Vol, & 
D. 443. P. 2506. 





» "gegen die göttliche Vorſehung. 685 


je Haiſte des menſchlichen Geſchlechtes; nicht fo 
wre es Safter find, oder weil an fich eine bürger 
che Geſeliſchaft ohne Safter niche beftehen könnte, 
ud ·ohne diefelbe nicht noch beſſer daran ſeyn follte; 
wibern weil Gott die Verknüpfung unser ben 
Renſchen fo soeistich gemachet, daß felbft ihr un 
giniges Betragen, wider ihren Dank und Willen, 
enen Mebenmenfchen zum Guten gereichen muß. 
er die Menfchen müßten auch, nach licher 
felbft das Ihrige thun, und aus dem 

lee oregeil yiehen lernen, fo weit e& in ihrer 
Busch, das —* ſolche Verordnungen und 
Mittel innen, wodurch, ohne ſolch Boͤſes, eben 
arſelhe, und noch weit größerer Vortheil ermüchfe. 
Be iſt auch faft kein Zweifel, daß durch weife Res 
wien und Landesvaͤter . dergleichen ütmer mehr 
wird veranftaltet werden, wodurch dem Muͤßiggan ⸗ 
je, ber Betteley und Dieberey, dem Betruge, der 
Mberlichkeit und andern Saftern zeitiger gefteutet, 
ine beſſere Erziehung und Sittlichfeit eingeführet, 
ind bein Unterchanen, ohne fclavifchen Zwang und 
Unterbruͤckung, mehrere Gelegenheit zum Wohl 
dande gegeben werden möge. Denn unter allem, 
was der Menfchen wahrer Gluͤckſeligkeit in der 
Belt entgegen iſt, machet unfiteitig dasjenige den 
Mergroͤßten Theil aus, was Aus der Menfchen eis 
bener Thorheit entfteht, oder da ein Menſch dem 
en ſchadet; weiches beydes der Vorſehung 
ae zur Loft fallen kann. 

$ 


Daber habe ich geiigt> wie Das Boſe, durch 
neuid Vorſehung, zum Mittel des —— 
a 


— 















nm | 
. - 
d 


686 IX Ah. Nichtigkeit der Zweift 
Buten angewandt werde. Nun will ich ner 
wenigem zeigen, was einzelne Menfchen fell 
dem Boͤſen, dag fie wider ihr Verſchulden 
für Nugen haben, ober haben fönnen :. baf 
jedoch überhaupt erinnern muß, daß das ei 
gluͤck mehr diefen, das andere mehr jenen S 
verfchaffe. Ä 
- Der erfte Mugen äuffert fich im Verſtan 

Menſchen. Unglüf , Noth, Armuth, 
machen klug, weiſe, vorſichtig, erſinderiſch, 

reich: wie hergegen das Gluͤck traͤge, unw 
unverſtaͤndig, thoͤricht . 

Der zweyte Nutzen betrifft den Willen. 
bewahret vor Hochmuth, Stolz, Verachtun 
derer, Ueppigkeit, Wolluſt, Faulheit und 
ley Ausſchweifungen: und machet Dagegen a 
ſam, ordentlich, maͤßig, geduldig, umgaͤr 
demuͤthig, dienſtfertig, mitleidig. 

Der dritte Nutzen zeiget ſich in der Zufri 
heit des Gemuͤthes. Ungluͤck und Elend va 
chen , daß wir das Gute im Leben, wenn es 
geringe ift, deſto mehr ſchmecken und empft 
aber gegen die midrigen Zufälle hart me 
Dagegen das Glücd Gelegenheit giebt, daB $ 
fchen das viele Gute nur in unempfinblicher 

‚wohnheit genießen, und gegen die geringfte U 
defto zärtlicher werden. Es ſteht dahin, ob 
che, zumal Safterhafte, den Ueberfluß fo ma 
Gluͤcksguͤter, mit eben fo großem Vergnuͤgen 
ungeftörter Zufriedenheit, genießen, als ein ‘ 
fer und Tugendhafter felbft von der $inderung 
ms Schmergens und Elendes geruͤhret wirt, 





‚gegen die göttliche Vorſehung. 687 


an Kleinigkeiten zu ergoͤzen weis: ohne ber 
teile zu gedenken, die ihm feine Weisheit, 
end, fein gutes Gewiſſen und die Religion an 


zewaͤhret. en | 

Der vierte Bortheil beziehe fich auf bie menſch⸗ 
Geſellſchaft. Denn Leute, bie allerley ver⸗ 
rt haben, und durch manche Noth geübt find, 
yen die beiten Bürger, weil fie nämlich arbeit» 
‚ ordentlich, mäßig, gebuldig, verträglich, 
uͤthig, mitleidig, bienftfertig geworden find. 
dieſes find Tugenden, die nicht allein andern 
Beyſpiele geben, und dem gemeinen Wefen 
cießlich find, fondern die auch dem, welcher fie 
ich har, Siebe, Mitleid, Gunſt, !ob und 
fand verfchaffen, weil er ſich, felbft im Un⸗ 
fe, Elug, vernünftig und tugendhaft be 
* | 


Ich will fünftens noch mancherley anderen 
ben des Ungluͤckes zuſammen faffen; daß es 
jenbhafte von tafterhaften unterfcheidet; daß fie _ 
Belohnung der Tugend nicht im Aeufferlichen, 
ern in ber Tugend felbft, in der Pflicht und 
guten Gewiſſen fuchen ; daß fie deſto fleigiger an 
t benfen, und ihr Vertrauen auf feine weile 
ung fehärfen; daß fie ihre Gedanken und 
nung defto eifriger auf ein befferes Leben rich⸗ 
deſto weniger furchtfam find vor dam Tobe, 
) williger fterben. | " | 
Ueberhaupt ift gewiß, daß es uns Menfchen, 
riefem Zuftande, nicht erfprießlich ſeyn würde, 
n wie lauter reines Glü und gute Tage hät 


688 IX Abh. Nichtigkeit der Zweifel 


gluͤcklich zu nennen find: fo find hergegen auch fehe 
wenige Menfchen,, die in einem hohen Grabe, und 
ohne ihre eigene Schuld und Verſehen, unglücklich 
. wären. Der meiften Menfdyen Zuftand ift mit 
telmaͤßig und gemifcht, und den muß man, was 


das Vergnügen betrifft, nicht nach dem aͤuſſerl 


dien Sıheine der Geburt, des Standes, Ranges, 


Reichthumes u. ſ. w. ſchaͤtzen. Es iſt eine große 


Wahrheit, die ſowohl zur Vertheidigung der goͤth 
lichen Vorſehung, als zum Troſte der Niedrigen, 

dienet, daß, fo ungleich die aͤuſſerlichen Gluͤckegi 
ter ausgetheilet ſcheinen, dennoch die Luſt und bas 
Vergnuͤgen allen und jeden am wohlfeilſten und in 
ziemlich gleicher Maaße dargeborhen werde. Da 
heißt es in Wahrheit, wie von dem Manna ter 

Iſraeliten: der harte nichte Über, Der vie 
geſainmlet hatte, und der nichts drunter, 
der wenig gefammler batte; fondern eın 
jeglicher harte geſammlet, ſo viel er für fich 
effen tonnte. Die Weisheit allein giebt wahren 
Geſchmack der Süßigfeit, und das Uebermaaß des 
Vergnügens, das auch Die eingemifchten Bitterkei⸗ 
ten dämpfen Fann. 

S 20. 


Unterdeſſen will ich nicht leugnen, daß es ei⸗ 
nige feltene Fälle eines großen Ungluͤckes giebt, ba 
ein Menfch, welchen es trifft, ein wenig zeitiger 
denfen muß, was wir alle im Alter und gegen das 
Ende des Lebens zu denfen erinnert werden, baf 
wir nicht hauptfächlich für Diefes Leben gemacht 
find. Denn wir mögen noch fo lange, uhr 


J 


—— —— nn nn nn — — 





gegen die göttliche Vorſehung. 689 


ſo gluͤcklich gelebet haben, fo finden wir doch, wenn 
es vorben ift, daß es vorben, und einem bloßen 
Traume ähnlic fey. Unfere Augen fehen natürlis 
cher Weife vorwärts ins weitere, unfere Begier⸗ 
den erfireden ſich aufs Zufünftige, und biefes um 
fo viel mehr, je weniger uns das Gegenmwärtige 
befriedigee. Wenn alfo die Tage fommen, die eis 
nem nicht gefallen, es fey wegen fehroächlichen 
Alters, ober wegen eines empfindlichen Ungluͤcks: 
fo fann doch die Hoffnung eines befferen und. 
Dauerhafteren Lebens das gegenwärtige Seid ver 
füßen. Hat uns nun die Borfehung dazu beitimmt, 
und wird fie denen befonders, welche hier einen 
ſchweren Stand gehabt, für ihre Geduld und 
Treue Rechnung halten : fo haben mir in feinen, 
auch den fhlimmften Zufällen über die Vorſehung 
zu Magen, als Menfchen, die feine Hoffnung has 
Im: fo wenig, als wir die Safterhaften in ihrem 
Burgen Gluͤcke beneiben dürfen, da fie zu einer defto 
größeren Strafe aufbehalten find. 

Wenn ſich Menfchen ihre Unfterblichfeit aus 
dem Sinne zu reden bemühen, fo zeigen fie ſchon 
dadurch, daß fie fafterhaft find, und unnatuͤrlich 
denfen. Denn wenn fie das böfe Gewiſſen nicht 
mit künftiger Strafe bedrohete, fondern fie ſich 
vielmehr nad ihrer Auffüßrung, eine unaufhörliche 
Seligkeit verfprechen könnten : fo möchten fie ja 
wünfchen, daß bie Seele unfterblidy wäre. Wenn 
fie aber bebächten, daß das Verlangen nach einer 
imaufhoͤrlichen Glücfeligfeit, ben einer Greatur, 
welche Vernunft hat, und ſich vermöge derfelben 
ihre zukünftige Dauer vorftellen fan, aus den 

Er ge 





+; 


690 RAbh. Nichtigkeit der Zweifel gegen:c. 


eingepflanzten Regeln bes Verftandes und Willens 


nothwendig fließe : fo würden fie einfepen, dag 


ſollh Verlangen nichts anders, als ben Zweck des 
Urhebers unſerer Matur, vorftelle, und bendes 
deſſen Vollkommenheiten, als unferın Wefen und 
ganzen Bemühen gemäß ſey. Sind andere, wel⸗ 
che den Saftern und‘ der Einnlichfeit niche fo ſcla⸗ 
vifch dienen: fo wünfchen fie Doch wenigſtens von 
dieſer Wahrheit überzeugt zu feyn, und fühlen in 
fih) die Stimme der Natur, welche fie ihre Ve 
gierden über das Ziel Diefes Lebens ins Unendliche 
erftrecfen heißt: indem ihnen alle Ergöglichfeiten 
ber Welt, und felbft die vernünftigften, fo oft fie 
an ihr Ende gebenfen, nicht Genüge thun wollen, 
fondern vielmehr bitter werben. 

Es wird demnach meine Pflicht feyn, daß ich 
diefe Wahrheit Flar und deutlich ermeife, melde 
nicht allein unfer gegenwärtiges $eid verfüßer und 
verfürzet, fondern auch alle unfere Gluͤckſeligkeit, 
deren wir in biefem Leben zu genießen fähig find, 
reiniget und erhoͤhet, alle Religion verfiegelt, und 
ung auch im Tode getroft machet. 


Die 


m nn ee U ——4 





RED 
Die zehnte Abhandlung, 


ın der Seefen Linfterblichkeit, und den: 
Vortheilen der Religion, 


gm 
—* Hoffnung, daß unſere Seele, nach dleſem 
Leben, zu einem unendlich dauerhafteren und 
kſeligern Leben beſtimmt ſey, gruͤndet ſich 
ptſaͤchlich auf die goͤttliche Abſicht in der Schoͤ 
36, und auf feine beſondere Vorſehung über bie 
nſchen. Wir koͤnnen zwar aus dem Weſen 
zer Seele eine Möglichkeit begreifen, daß fie 
n—ach dem leiblichen Tode fertdauren, und fich 
uße ſeyn, folglich leben und glücfelig ſeyn koͤn⸗ 
aber die Abficht und Vorſehung unfers Schoͤ⸗ 
$ kann ıms allein Die feſte erficherung geben, 
:foches auch wirklich gefchehen werde. 
Die Schöpfung iſt überhaupt auf das Wohl 
Sebendigen gerichtet. Zu welcher Art des Le⸗ 
8 und der Gluͤckſeligkeit nun jedes beſtimmet 
das iſt aus deſſen beſonderer Natur und de⸗ 
Regeln zu erſehen, ſo ferne dieſelben von Gott 
Mittel gebraucht worden, wodurch ſeine Ab⸗ 
ten zur Wirklichkeit kommen ſollen. Das all⸗ 
sehe Verlangen, glücklich zu werden, bas allen 
endigen eingepräget ift, wird bey jedem, durch 
e befonderen Naturfräfte unb deren Regeln, zu 
em befonderen Ziele gerichtet und beſtimmet. 
mn es alfo aus den Kräften und Regeln unfers 


innbes und EM nee fie, wg se, 


Fa 





—— — 
unendlich dauerhaften teben, und z 
Gluͤckſeligkeit in demſelben beſtimm 
zu ſtreben erwecket. 

Die goͤttliche Vorſehung zeige 
Menſchen beſonders guͤtig, da fie i 
uͤbrigen Thieren, ſo mancherley ve 
tzungen der Sinne, ſo angenehmen 
Wahrheiten und Vollkommenheite 
gen und Verlangen, immer vollfor 
den, ja einen fernen Blick von 
Weispeit, tiebe, Macht und Gluͤ 
Schöpfers gegoͤnnet. Wenn wir a 
nem bauerhafteren und befferen Lebe 
ligern Genuffe diefer Vorzüge gela 
würden fie alle, durch eine fo bald: 
da wir uns noch auf der niedrigftei 
wieder vereitelt. Die Menfcyen n 
nur defto misvergnügter und ungluͤckſ 
daß fie einen Bearitf und Reis von 





. 
‘ 


hr ‚und.den Vortheilen der Religion. 693 


- Bo wenig dieſes mit den göttlichen Eigenſchaften, 
zunb mit der geäufferten Liebe zu feinen vernünftigen 
Geſchoͤpfen, übereinftimmen würde : fo gewiß fün« 
wen wir hergegen von feiner gnädigen Borfehung 
verfichert fegn, daß fie uns, durch. diefe Purze Vor⸗ 
‚bereitung , zu einem Pa Maafe der Volle 
; Sammmenpelt und Gluͤckſeligkeit, — er unſere Na⸗ 
Ar faͤhig gemachet, führen werde 
Dieſes iſt der kurze Abriß derjenigen Gründe, 
weiche unfer natürliches Verlangen nad) einem dau⸗ 
„erbafteren und befferen Leben, mit zuverfichtlicher 
une, beſtaͤrken, und unfen jeßiges Leben ver⸗ 
Laſſet uns dieſelben etwas umſtaͤndlicher 








e⸗ iſt fürs erſte —* Ungereimtes, Wider 
echendes und Unmoͤgliches, wovon wir uns eine 
ſtellung machen; ſondern wir werben durch die 
der Vernunft bazu gebracht, und die Sa⸗ 
„ce hat ihre innere und aͤuſſere Möglichkeit. 

Mer fann leugnen, daß er, vermöge feiner 
Mernunft, , voraus denken maſſe, und in der Vor⸗ 
—1J— des Zukuͤnftigen keine Grenzen kenne? 

kann alſo leugnen, daß er einen Begriff von 
ner künftigen weit längeren Dauer des. Sebens 
‚ als worinn en fich jetzo eingefhloffen fieht ? 
empfindet alfo ein jeber bey fich felbft, daß fich 
"en weit längeres Leben, als das jegige, gedenken 
‚afk. "un laͤßt ſich aber nichts gebenfen , als 
vas möglich iſt. Demnach wird auch ein jeder 
: —— ‚daß ein weit längeres geben an fich mög» 


” &r3 Pics 


_— 




















er Ka. Bon —EE EP 


"_ $in jeber, vermoͤge feiner eigenen Erupfinbung 
| en or, Vernunft, in Abficht auf fine Seele, 
. möglich erkennen. Wäre bie Seele eine bloße Ber 
ie des Körpers, odenein. mäterielles 
deſſeiben: fo möchte man fagen, bei fie der 
weſung bes $eibes unmöglich entgehen könnte, — 
daß ein weiteres Leben nur ein leeres Hirngebicht 
ſey . Aber die Seele iſt das Weſen in uns, we. 
| a a Ki ae dadurch iſ fie fi 
aufs 
fo Bee var Bellen Ki — | 
gedacht und gewollt hatz folglich, daß fie unter 
verſchiedenen auf einander folgenden Beränderum 
gen, als ein und daſſelbe Wefen fortgebauret babe, 
upd mithin feine bloße VBefchaffenheit eines andern 
- Dinges, fondern eine Subſtanz fen, die für ſich 
beſteht. Wenn fie fid) aber als ein und baffelbe 
fortdaurende Wefen fennet, hergegen fein einziges. 
Staͤubchen ihres ganzen Körpers Fennet , ob es 
| 200 eben daffelbe fen, worinn fie vormals empfun« 
ben: fo unterfcheiber fie ſich, durch ihr inneres Be⸗ 
wußtſeyn, von allen Urftoffen ihres ganzen Körpers, 
als ein befonderes, unförperliches, einfaches Wer 
fen, welches, ben aller äufferen Weränderung des 
Körpers, für fi ch unzertrennlich fortdauret. Sie 
kann alfo, als eine einfache Subſtanz, weder durch 
die Auflöfung, Faͤulung, Vermoderung oder Vers 
wefung des zufammengefegten Koͤrpers in Fleinen 
Theile zertheilet werden, noch natürlicher Weife in 
fi) vergehen und zu Nichts werden, Und wenn - 
ſie a em D Dit und ihre Verbindung oben 











Be 





und den Wortheilen der Neligion. 695 


verlichen Theilen veraͤndert: ſo muß’ fie doch 
h nad) dem Tode in der Welt bleiben, und im 
| — tih ſeyn u 
Die Unsergängligeit machet num zwar noch 
a seben aus, und ift auch ben Ieblofen Clemens» 
und einfachen Urſtoffen der Körper gemein, - 
ein bie Seele unterſcheidet ſich auch von allen 
ſteffen des Körpers, daß fie allein vermögend 
RG alles innerlich und aͤuſſerlich bewußt zu fern. 
nun alles Vermoͤgen und alle Kraft eigentlich" 
Ben einfachen Dingen wohnet, und nicht erft 
ch die Zufammenfegung entfteht : fo muß auch 
| Vermögen, oder bie Kraft der Seefen, baburch 
ihrer felbft und anderer Dinge auffer fi) des 
—* eigentlich in der einzigen einfachen Seele 
pie, und ihr wefentlich feyn ; ‚obgleich Die Aus⸗ 
ing in dem jeßigen Leben von bem \organifchen 
rpee und befen Berfeugen abhängt. ie num 
Urſtoffe der Körper, wenn fie aufgelöfet und 
ı einander getrennet werden, Dennoch ihreinnere 
aft Behaften, und auch wirklich wieder duffern, fo 
b fie wieder mit anbern efementarifchen Urſtof⸗ 
verbunden werden: fo fieht man wohl, daß 
h die Seele ihr wefentliches Vermögen, ‚oder: 
e wefentliche Kraft fich bewußt zu fen, je 
b dem Tode behalten müffe, ımb da 
F Möglichkeit fen, daß fie folche Kraft iekfi 
ſern, das iſt, daß ſie ferner leben koͤnne, wenn 
Zuſtand darnach beſchaffen iſt. 
Wenn ich nun zu den Gegnern der Unfterbfich- 
"fagen wollte, daß fie mir bemeifen möchten, 
fer ein fotsher Bund ummägi fi: mi 


ONE yjoruurux "surTepuung en gu 
gen die Menfen gevefen, daß 

Verknuͤpfung unter ihnen gemachet 
Vergehungen, Thorheiten und Laſt 

Geſchlechte, oben der bürgerlichen E 
Vortheile gereichen müflen. Diet 
eines jeden Mitgliedes muß, wenn 
geringfte Vernunft daben brauche 
Handlungen hervorbringen, meld 
Menfchenliebe und bürgerlicher Pfl 
follenz weil er wohl einjehen fanı 
Wohl durch Peine andere Mittel in 
zu befördern fühig fen, als durch 
auch andere Menfchen Nugen habe 
Laſter, als Wolluft, Ueppigkeit, 
ſchwendung, Geiz, Dieberey, u. 


jo nennen. Dieſes beſteht auı 
Sean, worinn dus Kind fo verr 





: "gegen die göttliche Vorſehung. 685 


Yälfte des menfihlichen Gefehlechtes ; nicht ſo 
e es tafter find, oder weil an fich eine bürger 
? Gefellfchaft ohne Laſter nicht beftehen könnte, 
„ohne diefelbe nicht noch beffer Daran ſeyn follte; 
yern weil Gott die Verfnüpfung unter ben 
nfchen fo mweistich gemachet, daß felbft ihr un⸗ 
iiges Betragen, wider ihren Dank und Willen, 
en Mebenmenfchen zum Guten gereichen muß. 
ein, Die Mienfchen müßten auch, nach göttlicher 
F feibft das Ihrige thun, und aus dem 
ben lernen, fo weit es in ihrer 
acht Pe * iſt, auf ſolche Verordnungen und 
ittel ſinnen, wodurch, ohne ſolch Boͤſes, eben 
ſelbe, und noch weit groͤßerer Vortheil erwuͤchſe. 
iſt auch faſt fein Zweifel, daß durch. weiſe Res 
ken und Landesvaͤter dergleichen immer mehr 
d veranſtaltet werden, oburch dem Difiggan. . 
‚ der Betteley und Dieberen, beim Betruge, der 
verlichleit und andern $aftern ‚geitiger gefteuret, 
e beſſere Erziehung und Sitelichfeit eingeführet, 
d den Unterchanen, ohne fclavifchen Zwang und 
terbrücdtung, mehrere Gelegenheit zum Wohle 
nde gegeben werden möge. Denn unter allem, 
s der Menfchen wahrer Gluͤckſeligkeit in der 
elt entgegen iſt, machet unftreitig basjenige den 
wgrößten Theil aus, was dus der Menfchen eis 
er ee —2 va de ein Menſch dem 
dern der Vorſehun 
he zur Laſt fallen far 8 


Dicher habe ih gepigt nie das BR, durch 
like Woriehung, zum Mittel des den allgerarinen 
—XR 


ugnverſtaͤndig, thöriche. 








686 IX up. Nehtceen de Buae 


— ⏑⏑ Maim will ich noch 2 

wenigem zeigen, was einzelne Menfchen ſelbſt von - 
dem Boͤſen, dag fie wider ihr Berfihulden erift, 
für Mugen haben, oder haben: koͤnnen: babey 14 
jedoch überhaupt erinnern muß, daß das eine Un 
Fan che dieſen, Das andere. mehr jenen Nugen 

e, 

Der erte Due äufe ic im Berfiande dei | 
Menſchen. Ungluͤck, Moth, Armuth, Elech 

machen klug, weiſe, vorfi tig, erfinderifch, kum 

reich: wie hergegen das. Slack träge, unmiffen, 








Der zweyte Mugen betrifft den Willen. Es 
bewahret vor Hochmuth, Stolz, Verachtung an⸗ 
derer, Ueppigkeit, Wolluſt, Faulheit und allete 
fen Ausſchweifungen: und machet dagegen arbeit: 
ſam, ordentlich, maͤßig, geduldig, umgaͤnglich, 
demuͤthig, dienſtfertig, mitleidig. 

Der dritte Nutzen zeiget ſich in der Zufrieden· 
heit des Gemuͤthes. Ungluͤck und Elend verurſa⸗ 
chen, daß wir das Gute im Leben, wenn es auch 
geringe iſt, deſto mehr ſchmecken und empfinden, 
aber gegen die widrigen Zufaͤlle hart werden. 
Dagegen das Gluͤck Gelegenheit giebt, daß Men⸗ 
ſchen das viele Gute nur in unempfindlicher Ge⸗ 

wohnheit genießen, und gegen die geringſte Unluſt 
deſto zaͤrtlicher werden. Es ſteht dahin, ob man⸗ 
che, zumal Laſterhafte, den Ueberfluß ſo mancher 
Gluͤcksguͤter, mit eben ſo großem Vergnuͤgen und 
ungeſtoͤrter Zufriedenheit, genießen, als ein Wei⸗ 
ſer und Tugendhafter ſelbſt von der Linderung ſei⸗ 
nes Schmerzens und Elendes geruͤhret wird, pi 
Ä fi 





gegen bie göttliche Borfehung. 687 


an Kleinigfeiten zu ergoͤtzen weis: ohne ber 
theile zu gebenfen, die ihm feine Weisheit, 
end, fein gutes Gewiſſen und die Religion an 
gewaͤhret. 

Der vierte Vortheil bezieht ſich auf die menſch⸗ 
Geſellſchaft. Denn Leute, die allerley ver⸗ 
et haben, und durch manche Noth geuͤbt ſind, 
den die beſten Buͤrger, weil ſie naͤmlich arbeit⸗ 
„ ordentlich, mäßig, geduldig, vertraͤglich, 
uͤthig, mitleidig, dienſtfertig geworden ſind. 
dieſes ſind Tugenden, die nicht allein andern 
Beyſpiele geben, und dem gemeinen Weſen 
rießlich find, fondern die auch dem, melcher fre 
fich hat, Liebe, Mitleid, Gunft, Lob und 
fand verfchaffen, weil er fich, felbft im Uns 
fe, Flug, vernünftig und tugendhaft bes 
t 


Ich will fuͤnftens noch mancherley anderen 
hen des Ungluͤckes zuſammen faſſen; daß es 
jendhafte von Laſterhaften unterſcheidet; daß ſie 
Belohnung der Tugend nicht im Aeuſſerlichen, 
ern in der Tugend ſelbſt, in der Pflicht und 
guten Gewiſſen fuchen ; daß fie defto fleißiger an 
t benfen, und ihr Vertrauen auf feine weiſe 
wung fehärfen ; daß fie ihre Gedanfen und 
nung defto eifriger auf ein befferes Leben rich⸗ 
‚.befto weniger furchtfam find vor dem Tobe, 
» williger fterben. | 

Veberhaupt ift gewiß, daß es uns Menfchen, 
Yiefem Zuftande, nicht erfprießlich feyn würde, 
n wir lauter reines Glü und gute Tage häte 
Wie aber gar wenige in einem hoben * 
| vs 


@8 Ix abh. Richtioßet der Bunefe 


ld und , 
— ee neh Menſchen a 


teimäßig und gemifht, und den muß man, 
das Vergnügen betrifft, nicht nach dem dı 


aut. Verteidigung der 
. ‚ als zum Trofte der Nied 
dienet, daß, fo ungleich bie lichen Gl 
“ter jet fiheinen, die Luſt um 
Vergnügen allen und jeden am wohlſeilſten u 
ziemlich gleicher Maaße dargebothen werde. 
heißt es in Wahrheit, wie von dem Mann 
haette: der hatte nichte Über, der 
gefainmiler hatte, und der nichte dru 
der wenig gefammlet barte; fondern 
jeglicher hatte geſammlet, ſo viel er für 
Eonnte. Die Weisheit allein giebt nı 
Geſchmack der Süßigkeit, und das Uebermaa| 
Vergnuͤgens, das audy die eingemifchten ‘Bien 
ten dämpfen fann. 
5 20. 

Unterdeſſen will ich nie leugnen, daß e 
nige feltene Bälle eines großen Unglüctes giebt 
ein Menſch, welchen es trifft, ein wenig zei 
denfen muß, was wir alle im Alter und gegen 
Ende des febens zu denfen erinnert werden, 
wir nicht hauptfächlich für dieſes Seben gem 
find. Dow wir mögen noch fo lange, und 


N 





* 
.’ 
. : 


gegen die gottliche Vorfehung. 689 


zluͤcklich gelebee haben, fo finden wir doch, wenn 
vorbey ift, daß es vorben, und einem bloßen 
me ähnlich ſey. Unſere Augen feben natürli« 
» Meife vorwärts ins weitere, unfere Begier⸗ 
erſtrecken ſich aufs Zufünftige, und diefes um 
viel mehr, je weniger uns das Gegenmwärtige 
jediget. Wenn alfo die Tage fommen, die ei» 
3 nicht gefallen, es fey wegen fihmächlichen 
ers, ober wegen eines empfindlichen Unglüds ; 
‘ann doch die Hoffnung eines befferen und 
erhafteren Lebens das gegenwärtige Leid ver- 
en. Hat uns nun bie Vorſehung dazu beitimmt, 
» wird fie denen befonders, welche hier einen 
veren Stand gehabt, für ihre Geduld und 
mie Rechnung halten : fo haben wir in feinen, 
h den ſchlimmſten Zufällen über die Vorſehung 
Magen, als Menfchen, die feine Hoffnung ha» 
: fomwenig, als wir die Safterhaften in ihrem 
gen Gluͤcke beneiden dürfen, da fie zu einer deſto 
Beren Strafe aufbehalten find. 

Wenn fid) Menfchen ihre Unfterblichfeit aus 
3 Sinne zu reden bemühen, fo zeigen fie fchon 
wech, daß fie lafterbaft find, und unnatürlich 
fen. Denn wenn fie bas böfe Gewiffen nicht 
* Fünftiger Strafe bebrohete, fondern ſie ſich 
Imehr nad) ihrer Aufführung, eine unaufhörliche 
figfeie verfprechen Eönnten : fo möchten fie ja 
nfchen, daß die Seele unfterblicd) wäre. Wenn 
aber bedächten, daß das Verlangen nach einer 
wfhörlichen Gluͤckſeligkeit, ben einer Creatur, 
lche Vernunft bat, und fi) vermöge derfelben 
e äufünftige Dauer vorftellen kann, aus den 

Er Woqꝛ⸗ 


690 INGE. Nichtigkeitbir Seife ge 
gepflanzten Degeln bes —e erg 


würden fie ein| 
Verlangen nice anders, als den 
unferer Natur, vorfielle, und & 
Vollkommenheiten, als unferm Weſen 
ganzen Bemühen gemäß fen. Sind andere, 
den Saftern und-der Einnlichfeit nicht fo 


- fe 
gierden über das Ziel diefes Sins ins Unent 
erfivedten Heißt : indem ihnen alle 
der Welt, und felbft die vernünftigften, fd 
an ihr Ende gebenfen, nicht Genuͤge thun mc 
ſondern vielmehr bitter werben, 

Es wird demnach meine Pflicht fen, da 
diefe Wahrheit klar und deutlich erweife, w 
nicht allein unfer gegenmärtiges $eid Verfüßer 
verfürzet, fondern auch alle unfere Gluͤckſelig 
deren wir in diefem Leben zu genießen fähig . 
reiniget und erhoͤhet, alle Religion verfiegelt, 
uns aud) im Tode getroſt machet. 


RE 8 ‚69 
Die zehnte Abhandlung. 


der Seelen Unfterblichkeit, und den 
Vortheilen der Religion. 


gr 

ie Hoffnung, daß unfere Seele, nach dieſem 
eben, zu einem unendlich dauerhafteren und 
ligern $eben beftimme fen, gründet ſich 
tfächlich auf die göttliche Abfiche in der Schds 
}, und auf feine befondere Vorſehung über die 
ſchen. Wir können zwar aus dem Wefen 
er Seele eine Möglichkeit begreifen, daß fie 
slad) dem leiblichen Tode fortbauren, und ſich 
Bt feyn, folglich leben und glücfelg feyn Eine 
aber die "Abjicht und Vorſehung unfers Schde 
kann uns allein bie fefte Werficherung geben, 
dlches auch wirklich gefchehen werde. 
Die Schöpfung ift überhaupt auf das Wohl 
ebendigen gerichtet. Zu welcher Art des des 
und der Gluͤckſeligkeit nun jedes beftimmer 
das ift aus deſſen befonderer Natur und de⸗ 
Regeln zu erfehen, fo ferne diefelben von Gott 
Mittel gebraucht worden, wodurch feine Ab- 
n zur Wirklichkeit kommen follen. . Das all. 
ine Verlangen, glüdlich zu werden, das allen 
digen eingepräget ift, wird bey jedem, durch 
befonderen Naturfräfte und deren Regeln, zu 
nn befonderen Ziele gerichtet und beſtimmet. 
n es alfo aus den Kräften und Regeln unfers 
iandes und was Fra fliege, doß un 





unendlich dauerhaften teben, und zu ı 
Gluͤckſeligkeit in demſelben beſtimmt, 
zu ſtreben erwecket. 

Die goͤttliche Vorſehung zeiget ſ 
Menſchen beſonders guͤtig, da fie ihn 
uͤbrigen Thieren, ſo mancherley verni 
gungen der Sinne, fo angenehmen Bi 
Wahrheiten und Vollkommenheiten, 
gen und Verlangen, immer vollkomn 
den, ja einen fernen Blick von det 
Weisheit, Liebe, Macht und Gluͤckſ 
Schöpfers gegoͤnnet. Wenn wir abe 
nem bauerhafteren und befferen Leben 
ligern Genuffe diefer Vorzüge gelangı 
würden fie alle, durch eine fo baldige 
da wir ung noch auf der niebrigften ( 
wieder vereitelt. Die Menſchen wür 
nur defto misvergnügter und unglückfeli, 
daß fie einen Begriff und Reiz von ein 





und den Vortheilen ber Religion. . 693 
zo wenig dieſes mit ben goͤttlichen Eigenſchaften, 
ah mit der geaͤuſſerten Liebe zu feinen vernünftigen 
leſchoͤpfen, übereinftimmen würde : fo gewiß fön- 
m wir bergegen von feiner gnädigen Borfehung 

feyn, daß fie uns, durch. dieſe kurze Vor⸗ 
weitung , zu einem höheren Maaße der Wolle 
ummenbeit und Gluͤckſeligkeit, dazu er unfere Na⸗ 
w fähig gemachet, führen werde. | 

Diefes iſt der kurze Abriß derjenigen Gründe, 
elche unfer natürliches Verlangen nach einem dau⸗ 
hafteren und befferen $eben, mit zuverfichtlicher 
offnung', beftärfen, und unfer jegiges Leben ver- 
Pen. Laſſet ums dieſelben etwas umftänblicher 
achten, - | 


i $ 2% 
Es iſt fürs erfte nichts Ungereimtes, Wider» 
kechendes und ‚Ulnmögliches, wovon wir ung eine 
Joritellung machen ; fondern wir werben burd) die 
legen der Vernunft dazu gebracht, und die Sa⸗ 
e hat ihre innere und äuffere Möglichkeit. 

fann leugnen, daß er, vermöge feiner 
zernunft, voraus denken müffe; und in der Vor⸗ 
eflung des Zufünftigen feine Orergen kenne? 
Ber kann alſo leugnen, daß er einen Begriff von 
wer Fünftigen weit längeren Dauer des. !ebens 
abe, als worinn en ſich jeßo eingefchloffen fieht ? 
hs empfindet alfo ein jeder ben fich ſelbſt, daß ſich 
en weit längeres eben, als bas jegige, gedenken 
iſſe. Nun laͤßt ſich aber nichts gedenken, als 
as möglich iſt. Demnach wird auch ein jeder 
En daß ein weit längeres geben an ſich mög» 


&r3 u Fire 


_— 








. ey XAbh Bon dm als, 


E ein jeb vermög m en ib — 

| Fr e mis ** * 
gefunden Vernunft, —e— — 
moglich erkennen. —— eine bloße Ber 

- fehaffenheit des Körpers, oberzin. —— — | 

deſſelben: fo möchte man ſagen, deß F der 
wveſung des Leibes unmöglich entgehen konuce, und: 
daß; ein weiteres: feben wur — 
ſcy. Aber die Seele iſt das 285 ung, wel⸗ 
des ſich bewußt iſt; und eben dadurch iſt fie fich 
auch. aufs klaͤrſte bewußt, daß ſie fe eben diejenige. 
fen, melde vor Zeiten Diefes und jenes "erpfunben, 


| 






gebacht und gewollt hatz folglich, daß fie uniee 
.  verfhiebeiien auf "einander folgenden Weränderims 


gen, als ein und daſſelbe Weſen fortgebauret habe, 
und mithin feine bloße VBefchaffenheit eines andern 

. Dinges, fondern eine Subftanz fen, die für 14 
befteht. Wenn fie fid) aber als ein und baffelbe 
fortdaurende Wefen Penner, hergegen fein einziges 
Stäubchen ihres ganzen Körpers kennet, ob es 


voch eben daſſelbe fen, worinn fie vormals empfun⸗ 


ben: fg unterfcheider fie ſich, durch ihr inneres Be⸗ 
wußtfenn, von allen Urftoffen ihres ganzen Körpers, 


als ein befonderes, unförperliches, einfaches Wer 


fen, welches, bey aller aͤuſſeren Veraͤnderung des 
Körpers, für ſich unzertrennlich fortbauret. Sie 
kann alfo, als eine einfache Subſtanz, weder durch 
bie Auflsfung, Faͤulung, Vermoderung oder Ver⸗ 
zes des zufammengefegten Körpers in klelnere 

Theile zertheilet werden, noch natürlicher Weiſe in 
fi) vergehen und zu Nichts werden. Und wenn 
ſie gleich lheen Ort und ihre Verbindung mi den 

| oͤrper⸗ 





BE 


den Vortheilen der Religion. 695 


n ‚Theifen verändert: fü muß fie doch 
bem Tode in der Welt bleiben, und in 
jänglich fern. | | 
Unvergänglichfeit machet nun zwar noch 
aus, und ift auch den leblofen Klemens» 
Infachen Urſtoffen der Körper gemein. 
Seele unterſcheidet ſich auch von allen 
bes Körpers, daR fie allein vermögend 
:$ innerlich und äufferlich bewußt zu ſeyn. 
Mes Vermögen. und alle Kraft eigentlich" 
fahen Dingen wohnet, und nicht erft 
Zufammenfeßung entfteht : fü muß auch 
zgen, oder bie Kraft der Seelen, dadurch 
e felbft und anderer Dinge auffer ſich be⸗ 
igentlich in der einzigen einfachen Seele 
nd ihr weſentlich feyn ; ‚obgleich Die Aus⸗ 
yem jegigen $eben von bem ‚organifchen 
deſſen Werkzeugen abhängt. Wienun 
e der Körper, wenn fie aufgelöfet und 
er getrennet werden, Dennoch ihre innere 
ften, und auch wirklich wieder äuffern, fo 
eder mit andern elementarifchen Urſtof⸗ 
iden werden: fo ſieht man wohl, daß 
Seele ihr mwefentliches Wermögen, „ober 
Hiche Kraft fich bewußt zu feyn, nad) 
Tode behalten müffe, und daher au) 
ichfeie fey, daß fie folche Kraft wirklich 
18 iſt, daß ſie ferner leben koͤnne, wenn 
d darnach befchaffen ift. 
ich nun zu den Gegnern der Unfterblich 
wollte, daß fie mir bemweifen möchten, 
fotsher Zuftand unmöglich ſey: fo wuͤr⸗ 
3r4 ua 





696 XAbh. Bon der Seelen Unfterblichtet, | 


den fie geriß die Achfeln zucken, und ihr Unvermd- 
gen geftchen müffen. Barum follte der Schoͤpſer, 
Da er der Seele einmal ein $eben und Bewußtſeyn 
verliehen, diefe Kraft nicht auch ſtets mirfjam er⸗ 
halten koͤnnen? Wenn er jo mandjes leblojes Per- 
peruum Mobile, ober fo viele immer bewegte Ma: 
ſchinen, (in den Sternen und Planeten) erſchaſ⸗ 
fen: warum follte er nicht auch ein Perpetuum 
Cogitins & Vivens, ein immer denfendes und le⸗ 
benves Weſen, haben fchaffen Finnen? Oder, fo 
wir uns ja nur auf Die bloße Natur berufen wol⸗ 
len; wenn unfere Naturfünbiger mit Recht annch- 
men, dag die Fleinften Urfioffe der Körper itets 
in einer wirflichen ‘Bewegung find, obgleich dieſe 
Bewegung im Ganzen nicht fichtbar iſt: mas 
fönnte denn feyn, welches die innere ftete Veraͤn⸗ 
derung und Vorſtellung einer lebensfähigen Seele 
unmöglicher machte, als die äufferliche ſtete Ver: 
änderung des Ortes in beweglichen Theilen? Man 
ift ja doc) geneigt, allen und jeden Urſtoffen der 
. Materie ein inneres geben zuzuftehen : warum nid 
auch der Seele cin ihrem Wefen gemäßes ? 


$ 3. 


Mie? wenn man aber auch mancherley Art 
und Weiſe zeigen Fann, wodurch ein ſolcher Zu 
fand der Seele nad) dem Tode möglich iſt, ſo wird 
um fo viel weniger an deffen Möglichkeit zu zwei⸗ 
feln ſeyn. Laß immer die Seele in diefem Jeben 
von bem Körper und beffen Werfzeugen abhängen: 
fo iſt doch erſtlich eine Möglichkeit, daß ihre Kraft 
nach mals daven unabhängig werde. MBie viele 
Kräfte ! 





1a, . 
pe — “ a 





und den Vortheilen der Religion. 697 


Kraͤfte find nicht, die zu ihrer Ausübung anfangs 
eines Werfzeuges und Mittels nöthig haben , defe 
fen fie hernach entbehren koͤnnen? Noch fieht die 
Eeele, in ihrer niebrigen Stufe der Volllommen« 
t, alles.in dem Spiegel des Körpers, und muß 
ich mit blogen Erfcheinungen (Phenomenis) der 
Dinge, die der Eindruck in die Sinne giebt, ber 
beifen. Aber, wie fie ſich jegt Doch ihren Körper, 
der ihr zum Spiegel dienet, unmittelbar, und 
nad) allen Pleinften Theilen, vorftellet: fo ift auch 
ein Zuftand der Seele möglih, da fie zu einem 
unmittelbaren und anfchauenden Erfenntniffe an« 
derer Dinge gelangen kann, und eines förperlis 
chen Spiegels mehr bedarf. 
Oder, foll ja die Kraft der Seele immer in 
ihrer Ausübung abhängig bleiben: fo fann man 
fich etwa gedenken, baß fie nad) dem Seben, wenn 
es die Zahl ber reinen Geifter verfegt ift, alles 
Gott fepe; wie Wislebrandye ſchon von dem 
jetzigen Zuftande behaupten wollen. Oder, man 
Bann fagen, daß fie nicht fo gänzlich von afler Mar 
terie eneblößer werde, fondern einen eigenthümlichen 
feineren Körper behalte, worinn fie fich alles vor⸗ 
ftellen werde; wie die Kirchenväter, fo gar von den 
Engeln, gelehret, und in neuerer Zeit einige Welt 
weiſen von der Seele gemurhmaßet haben. Man 
"Bann fagen: wenn auch die Seele aller wefentli» 
hen Verbindung mit der Materie entbloͤßet, in 
Die ächerifchen Gegenden verfegt wuͤrde, daß fie fich 
da ihrer felbft und der Dinge auffer fid), weit volle 
kommener, als in dem jegigen Leibe, bewußt feyn 


Es RS) 





'd88 IX US$. Richie der Zunft 


meil 
emäßig und — und den muß man, 


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1 
E 
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5 
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I 
& 
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3 
7 


inen, die Luft 
Vergnügen allen und jeden am wohlfeilſten 
ziemlich gleicher Maaße dargebothen werde. Da 
heißt es in Wahrheit, wie von dem Wanna ter 
aeliten: der hatte nichts Über, der viel 
. gefainmiet hatte, und der nichte drunter, 
der wenig gefammler batte; fondern em 
licher hatte gefammler, P viel er für ſich 
Kin Eonnte. Die Weispeit allein giebt mahren 
Geſchmack der Süßigfeit, und das Uebermaaß des 
Vergnuͤgens, das auch die eingemifchten Bitterkei⸗ 
ten dämpfen Pann. 
Sm. 


„Unterbeffen will ich nicht leugnen, daß es ch 
ige feltene Fälle eines großen Ungluͤckes giebt, da 
ein Menſch, welchen es trifft, ein wenig zeitige 
denfen muß, was wir alle im Alter und gegen das 
Ende des febens zu denken erinnert werden, 
wir nicht hauptſaͤchlich für biefes Leben gemacht 
md. Dom wir mögen noch fe und * 





gegen die göttliche Vorſehung. 689 


gluͤcklich gelebet haben, fo finden wir doch, wenn 
5 vorbey ift, daß es vorben, und einem bloßen 
raume ähnlich ſey. Unfere Augen fehen natürlie 
jer Weife vorwärts ins weitere, unfere Begier- 
m erſtrecken fi aufs Zufünftige, und diefes um 
» viel mehr, je weniger uns bas Gegenwaͤrtige 
efriediget. Wenn alfo die Tage fommen, bie eis 
em nicht gefallen, es fey wegen fchmächlichen 
ters, ober wegen eines empfindlichen Ungluͤcks: 
fann doch die Hoffnung eines befferen und. 
auerhafteren Lebens das gegenwärtige Leid ver- 
igen. Hat uns nun die Vorfehung dazu beitimmt, 
nd wird fie denen befonders, welche hier einen 
hweren Stand gehabt, für ihre Geduld und 
reue Rechnung halten : fo haben wir in feinen, 
uch den ſchlimmſten Zufällen über die Vorſehung 
ı lagen, als Menfchen, die keine Hoffnung ha« 
m: ſo wenig, als wir die Laſterhaften in ihrem 
arzen Gluͤcke beneiden dürfen, da fie zu einer defto 
rößeren Strafe aufbehalten find. 

Wenn fi) Menfchen ihre Unfterblichfeit aus 
em Sinne zu reden bemühen, fo zeigen fie ſchon 
adurch, daß fie lafterhaft find, und unnatürlich 
enfen. Denn wenn fie das böfe Gewiſſen nicht 
sit kuͤnftiger Strafe bedrohete, fondern ſie fich 
ielmehr nad) ihrer Aufführung, eine unaufpörliche 
Beligkeit verfprechen koͤnnten: fo möchten fie ja 
vänfchen, daß die Seele unfterblidy wäre. Wenn 
e aber bedächten, daß das Verlangen nach einer 
naufhörlichen Glückfeligfeit, ben einer Ereatur, 
yeiche Vernunft hat, und ſich vermöge derfelben 
jre zufünftige Dauer vorftellen kann, aus den 

Er ange 


 6go IX ASH. Nichtigkeit der Zweifel geg 
‚eingepflanzeen Regeln bes Verſtandes und iX 
wendig fließe : ſo würden fie einfehen, 

Verlangen nichts anders, als ben 

Ders. unferer Matur, vorftelle, und t 

Vollkommenheiten, als unferm Weſe 
ganzen Bemühen gemäß fen. Sind andere, 
che den Laſtern und-der Sinnlichkeit niche fi 
oifch dienen: fo wünfchen fie doch wenigfter 
dieſer Wahrheit überzeugt zu ſeyn, und 
fih. die Stimme der Natur, weiche fie 
gierden über das Ziel biefes Lebens ins Liner 
erſtrecken Heißt : indem ihnen alle Ergöglid 
ber Welt, und felbft die vernünftigften, fo ı 
an ihr Ende gebenfen, nicht Benüge thun n 
fondern vielmehr bitter werben. 

Es wird demnach meine Pflicht fen, d 
diefe Wahrheit klar und deutlich erweife, ı 
niche allein unfer gegenmärtiges $eid verfüße 
verfürzet, fondern aud) alle unfere Gluͤckſel 
deren wir in diefem $eben zu genießen fähig 
reihiget und erhoͤhet, alle Religion verfiegelt 
uns aud) im Tode getroft machet. 








Dr "Eu | 

Die zehnte Abhandlung, 

don der Seelen Unſterblichkeit, und den 
Vortheilen der Religion, 


$m 


Nie Hoffnung, daß unfere Seele nach dieſem | 
$eben, zu einem unendlich bauerhafteren und 










Beinen seben beftimme fen, gründet fich 
auf die görtliche Abficht in der Schoͤ 
, und auf feine Befondere Vorſehung über die 
Bir Finnen zwar aus dem Welen 
ir Eeele eine Moͤglichkeit begreifen, daß fie 
uch nach dem leiblichen Tode fortbauren, und fich 
wußt ſeyn, folglich leben und gluͤckſelig ſeyn koͤn⸗ 
ä -aber die Abficht und Vorſehung unſers Schoͤ⸗ 
kann ung allein die feſte Verſicherung geben, 
Bits auch wirklich gefchehen werbe. 

-Die Schöpfung ift überhaupt auf das Wohl 
ne Lebendigen gerichtet. Zu welcher Art des Le⸗ 
ms und der Gluͤckſeligkeit nun jedes beflimmer 
y, das iſt aus deffen befonderer Natur und de⸗ 
za Regeln zu erſehen, fo ferne diefelben von Gott 
us Mittel gebraucht worden, wodurch feine Ab. 
een zur Wirklichkeit kommen follen. Das alle 
mneine Verlangen, glücklich zu werden, bas allen 
benbigen —— iſt, wird bey jedem, durch 

ine beſonderen Naturkraͤfte und deren Regeln, zu 
inem befonderen Ziel gerichtet und beftimmet. 
Berm es alfo aus den Kräften unb Regeln unfers 
derſtandes und Wille fließt, daß wa 


693 X Abh . nn 


vor allen übrigen Thieren, niche 
Ang von unſerer —*2 — ig Du 
Slüdfeligfeie ſondern auch 
langen weit über den — Genuß ci 


gemiſchten Glüclfeligfeie dieſes Lebens bis Ins 
Ketten min: fofind oir Menfchen aut 
pi vermöge unferer Natur, Ar 
dauerhaften Jeben, und zu einer 
55 —— und darauf 


Die göttliche riget ſch gegen M 
Menfchen — een fie ipnen, vor ln 
übrigen Thieren, fo mancherlep vernünftige Ergb 
$ungen ber Sinne, fo ungenehmen Vorſchmack en 
Wahrheiten und Bolllommenpeiten, ein Wermd 
gen und Verlangen, immer volfommener zu wer 
den, ja einen fernen Bli von der unendlichen 
Weispeit, Siebe, Macht und Glüdfeligkeit ige 
Schöpfers gegänhe, Wenn wir aber nicht in & 
nem bauerhafteren und befferen Leben zu einem weh 
ligern Genuffe diefer Vorzüge gelangen follten: ſa 
würden fie alle, durch eine fo baldige Entziehung, 
da wir uns noch auf der niebrigften Stufe ſehen 
wieder vereitelt. Die Menfcyen würden dadurch 
nur defto misvergnügter und unglückfeliger gemachet 
daß fie einen Begriff und Reiz von einer weit vol, 
kommenern und beftändigern Glüdfeligkeit erhak 
ten hätten, deren fie nimmer gaben follten; zu 
mal, wenn fie auch in diefem $eben, bey aller vers 
nünftigen und reblichen Bemäpung nach Einficht, 
„Tugend, Srömmigteie und Glücfeligfeit, unver 
foniter in Nie wrigften Umftinte gefeht 





: ‚nd. den Vortheilen der Keiigien, 693 


Bo wenig dieſes mit den göttlichen Eigenſchaften, 
nb mit der geäufferten Liebe zu feinen vernünftigen 
‚ übereinftimmen würbe : fo gemiß fön« 
m wir bergegen von feiner gnädigen Vorfehung 
wfichert ſeyn, daß fie uns, durch. diefe kurze Vor- 
Weltung , zu einem höheren Maaße der Wolle 
anmenheit und Gluͤckſeligkeit, Dazu er unfere Na⸗ 
r fähig gemachet, führen werde, j 
Diefes ift der kurze Abriß derjenigen Gründe, 
eiche unfer natürliches Verlangen nad) einem dau⸗ 
hafteren und beſſeren Leben, mig zuverfichtlicher 
An kan ung Gilden jegiges Leben ver- 
ad et ums Diefelben etwas umftändlicher 
Weachten, 







| go 
8 Es ift fürs erfte nichts Ungereimtes, Wiber- 
hechendes und ‚Unmögliches, wovon wir ung eine 
Joritellung machen; fondern wir werben durch die 
legein ber Vernunft bazu gebracht, und die Sa⸗ 
ve hat ihre innere und aͤuſſere Möglichkeit. 

Wer ann leugnen, daß er, vermöge feiner 
zernunft, voraus benfen müffe, und in ber Bor 
eflung des Zufünftigen feine Grenzen Penne? 
Bee kann alfe leugnen, daß er einen Begriff von 
mer künftigen weit längeren Dauer des. Lebens 
abe, als worinn en fich jeßo eingefchloffen fieht ? 
Ns empfindet alſo ein jeber bey fich felbft, daß ſich 
In weil längeres eben, als das jegige, gedenken 
ff, Nun laͤßt fich aber nichts gedenfen , als 
as möglich if. Demnach wird auch ein jeder 
ae daß ein weit längeres Leben an ſich mög» 


Er: Die 


_ 








J 6 XAbh. Mon der Seelen udſtereinhet 
Dieſes aber, mas an ſich neglich iſt, muß 


"ein jeder, vermoͤge feiner eigenen Empfindung 
. sh kom, —5 — al un — 
u ich erk Wäre die eine bloße Be⸗ 








| —— ma könnte, i 
ung s unm 

daß ein weiteres Leben nur ein leeres Yirngedice, 
ſey. Aber die Seele ift das Weſen in uns, 
ches ſich bewußt iſt; und eben dadurch iſt fie fich 
auch. aufs klaͤrſte bewußt, daß fie eben diejenige 
ſey, welche vor Zeiten diefes unb jenes ernpfunben,: - 
‚gedacht und gewollt Gatz folglich, daß fie unter 
verſchiedenen auf einander folgenden Veraͤnderun⸗ 
gen, als ein und daſſelbe Weſen fortgebauret habe, 
und mithin Feine bloße Beſchaffenheit eines andern 
- Dinges, fondern eine Subſtanz fen, die für ſich 
beſteht. Wenn fie fid) aber als ein und baffelbe 
fortdaurende Wefen ferner, hergegen kein einziges 
Stäubchen ihres ganzen Körpers kennet, ob es 





A} 


voch eben daflelbe fey, worinn fie vormals empfun« 


ben: fo unterfcheider fie fich, Durch ihr inneres Be⸗ 


.— wußtfenn, von allen Urftoffen ihres ganzen Körpers, 
als ein befonderes, unförperliches, einfaches Wer 


fen, welches, bey aller aͤuſſeren Veränderung des 
Körpers, für ſich ungertrennlich fortdauret. Ge 
kann alfo, als eine einfache Subſianz, weder durch 
die Auflöfung, Faͤulung, Vermoderung oder Ver⸗ 
wefung des zufammengefegten Koͤrpers in klelnere 
Theile zertheilet werden, noch natürlicher Weife in 
ſich vergehen und zu Nichte werden. Und wenn 
ſie ai Iren Ort und ihre Verbindung mit ben 


von Vortheilen der Neligion. 695 
v Theilen veraͤndert: ſd muß fie doch 
——— und in _ 
Insergigihfit macht wu yuar ned 
aus, und ift auch den lebloſen Elemen» 
a Urſtoffen der Körper gemein, - 


innerlich und uffertich bewu 

des —— alle Pre — 
chen Dingen wohnet, und nicht erſt 
ufarnmenfegung enẽſteht fd muß auch 
igen, ober bie Kraft ber Seelen, dadurch 
 felbft und anderer Dinge auffer ſich de 
igentüch in der einzigen einfachen Seele 
M ihr weſentlich feyn ; obgleich bie Muse 
‚em jegigen $eben von bem \organifcher 
» beffen Werlzeugen abhängt. Wie nun 
: der Körper, wenn fie aufgelöfet und 

er getrennet werben, dennoch ihreinnere 
Iten, und auch wirklich wieder äuffern, fo 
der mit andern efementarifchen 
Br .— fo ſieht man wehl, ba 

wefentliches Vermögen, ‚oder: 

1. aft ſich bewußt zu feyn, noch 
Tode behalten muͤſſe, und daher auch 
chkeit fep, daß fie ſolche Kraft wirklich 
sit, Din an koͤnne, wenn, 
darnach beft 


ich num zu den — der Butt 
foolite, daß fie mir beweiſen möchten, . 
fer Zur md: Pd 


\ 


den fie gewiß die Achſeln zucken, und ihr Unvermd. 
gen geftehen müffen. Warum follte ber Schäpfer, 
da er der Seele einmal ein $eben und Bewußtſeyn 
verliehen, diefe Kraft nicht auch ſtets wirkſam er» 
‚Bolten fönnen? Wenn er fo manches leblofes Per- 
petuum Mobile, oder fo viele immer bewegte Ma- 
ſchinen, (in den &ternen und Planeten‘) erſchaf⸗ 
fen: warum follte er nicht auch ein Perpetnum 


- Cogitans & Vivens, ein immer denfendes ‚und le 
bendes Welen, haben ſchaffen koͤnnen? Ober, fo 


wir uns. ja nur auf bie bloße Natur berufen wol⸗ 


Im; wenn unfere Naturfünbiger mir Recht anne 


men, daß die Fleinften Urſtoffe ber Körper ftets 
in einer wirflichen ‘Bewegung find, obgleich dieſe 
Bewegung im Ganzen nicht fichebar iſt: mas 


656 .KUbh. Wonder Seelen Unſterbuchteit, 





VE "7 Tg 


Pönnte denn ſeyn, welches die innere ſtete Beräan 


berung und Vorftellung einer lebensfähigen Seele 


unmöglicher machte, als die dufferliche ftete Ver 


änderung des Ortes in beweglichen Theilen ?- Man 
ift ja doch geneigt, allen und jeden Urftoffen der 


, Materie ein inneres $eben zuzuftehen: warum nicht 
auch der Seele ein ihrem Wefen gemäßes ? 


$ 3. 
Wie? wenn man aber auch mandherley Art 
und Weiſe zeigen kann, wodurch ein folder Zus 
ſtand der Seele nad) dem Tode möglich it, ſo wird 


um fo viel weniger an deſſen Möglichkeit zu zwei 


| 


fein feyn. Laß immer die Seele in diefem Leben 
von dem Körper und deſſen Werkzeugen abhängen: 
fo ift doch erftlich eine Möglichkeit, daß ihre Kraft 
nach mals daven unabhängig werde, —** 





En 
ı 


und den Bortheilen der Religion. 697 


Kräfte find nicht, die zu ihrer Ausübung anfangs 
eines Werkzeuges und Mittels nöthig haben , defe 
fen fie hernach entbehren Finnen? Noch fieht die 
Eeele, in ihrer niedrigen Stufe ber Vollfommen- 

t, alles.in dem Spiegel des Körpers, und muß 
7 mit bloßen Erfcheinungen (Phenomenis) der 
Dinge, die der Eindrud in die Siune giebt, be 
helfen. Aber, wie fie ſich jegt doch ihren Körper, 
der ihr zum Spiegel dienet, unmittelbar, und 

‚ nach allen Eleinften Theilen, vorftellee: fo ift auch 
ein Zuftand der Seele möglich, da fie zu einem 
unmittelbaren und anfchauenden Erfenntniffe an- 
derer Dinge gelangen kann, und feines förperlis 
chen Spiegels mehr bedarf. 

Oder, foll ja die Kraft der Seele immer in 
ihrer Ausübung abhängig bleiben: fo fann man 
fich etwa gedenfen, daß fie nach dem $eben, wenn 
ie in die Zahl der reinen Geifter verſetzt ift, alles 

Gott fehe; wie Malebranche ſchon von dem 
jegigen Zuftande behaupten wollen. Ober, man 
ann fagen, daß fie nicht fo gänzlich von aller Ma⸗ 
terie entblößer werde, fondern einen eigenthümlichen 
feineren Körper behalte, worinn fie fich alles vor⸗ 
flellen werde ; mie Die Kirchenväter, fo gar von den 
Engeln, gelehret, und in neuerer Zeit einige Welt. 
weifen von der Seele gemurhmaßet haben. Man 
ann fagen: wenn auch die Seele aller wefentli» 
hen Verbindung mit der Materie entbloͤßet, in 
die ärherifchen Gegenden verfegt würde, daß fıe fich 
da ihrer felbft und der Dinge auffer ſich, weit voll. 

kommener, als in dem jegigen $eibe, bemußt ſeyn 


koͤnne. 
Er 5 N 


698 x Abh. Von der Seelen Unſterblichteit 


Ich will einmal das Letztere, als das Matin 
." Behfte, feßen; mich, als wern Ic Diefe Art umfers 
„ "Pünftigen Lebens für bie wirkliche Gielte, fonbern 
weii deren Möglichkeit am leichteften zu begreifen 
"A. Die Seele, als eine einfache‘ undergangliche 
Gubſtanz, bleibe in der Welt, wenn ſie ven den 
A eine 
nu mit lauter . 
& — vo —* alsdenn ihr Zuſtand 
, wenn fie ja zu Dewufrfen —85 
$eben eines fernefen Spiegels Li 
. "Id antmorte: Kemu in vr eferifen h 
womit fie umgeben ift, als in einem weit helleren 
Spiegel, ale Dinge, deren Veränderungen dadurch 
„ an fie kommen, weit vollkommener, als in bem je 
Kigen groben Körper fehen. 

Wenn wir annehmen wollten, daß bie aͤtheri⸗ 
ſchen ober Sicherheilchen ſelbſt, auffer be der Kraft, 
melche fie in einander und in die groben Körper 
Auffern, aud) eine Ref hätten, ſich Die Veraͤnde. 
rungen, melde an fie fommen, mit einer Ueber 

legung vörzuftellen: fo wäre fein Zweifel, daß fie 
ſich ihrer felbft, und anderer Dinge auffer ſich, noch 
weit vollfommener, als unfere Seele jegt, bewußt 
ſeyn würden. Demm es ift, fo viel wir wiffen, 
nichts feiners in der Welt, das alle übrige Mater 
rie fo leicht durchdringt, aller Dinge Beſchaffen⸗ 
heit fo genau bildet und ausdrucket, alle Verände 
rungen fo bald annimmt, und durch die fehnellfte 
Bewegung auf Millionen Meilen weit mittheilet, 
als. ber Aether oder. das Sicht. Hätten alfo jede 
Sufteßeildien vgl di eine innere Borftelungstraf 


und den Vortheilen der Religion. 699 


it einer Ueberlegung: fo würbe ein jedes eine 
here Art von Seclen fern, da ihm von allen Or, 
ı die Beſchaffenheit und Veränderung der Dinge, 
ırch die benachbarten, aufs ſchleunigſte mitges 
ellet würde, und folglich alle übrigen zum rein« 
m Epiegel dieneten, worinn es einen fehr großen 
heil der Welt mit deſſen Weränderungen fehr 
utlich und gefchwind erfennen koͤnnte. Mas 
äre denn Unmögliches in derjenigen Vorftellung, 
ı wir dergleichen Zuftand auch von der abgefchie» 
nen Eerle gedaͤchten? und mas brauchte fie denn 
168 groben Körpers, oder der darinn erzeugten 
bensgeifter zum Benugtfeyn ; da fie felbit Sicht 
äre, und in lauter Sicht wohnete , worinn ihr al« 
3 fichtbar wuͤrde? 


Wir fpüren ſchon in dieſem $eben, daß bie 
Seele an bie äufferlichen groben Werkzeuge der 
ugen, Ohren und übrigen Gliedmaßen in ihrer 
torftellung nicht gebunden ift; fondern, wenn in 
m zarteſten Gehirne, von inneren Ürfachen, oder 
m der Einbildungskraft, einerley Beränderuns 
n, wie ſonſt von auffen, entſtehen, fo hat fie eben 
e Vorftellung, als ob fle mit Augen fähe, mit 
Ihren hörete. Es liegt alfo nichts daran, durch 
elche Werkzeuge die Dinge in ber Welt und deren 
Beränderungen, der Seele einen Eindruck geben ; 
mug , wenn fie auf irgend eine Art, welche es 
ich fen, klar und deutlid) an biefelbe fommen 
innen: fo wird fie, nach ihrer weſentlichen Kraft, 
les vorftellen, und ſich wenigftens eines Theils 
er ganzen Vorftellung bewußt feyn koͤnnen. 





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„Muß ja Ton, 

"Dem, der wur auf fich ſelbſt und feine eigene 
pfinbung achten voll, fo kiar und überzeuglich 
ais irgend eine Wahrheit ſeyn kann; wie ich 
ſchon ausfüßrlich genug gegeiget habe. Ich 
es alſo für unndehig, daß ich mich hier abermals 


— 


mit ſolchen Leuten einlaſſen ſollte, die nimmer in 


ſich gehen wollen, ſondern ſich ftets-auffer ſich für 
hen, und ſich dahero auch in dem koͤrperlichen thie⸗ 
riſchen Weſen felbft verlieren. 


Die Hauptfrage ift num übrig, was mir Mer 
ſchen aus der Vernunft für zunerläffigen Grund 


. ben, zu glauben, daß unfere Seele audy ſich 


nach dieſem Leben unſterblich ſeyn werde ? Dieſes 
Sache 


jedes Naturkraͤfte und deren Regeln mit feiner Art 
bes Lebens, weicher es gewidmet iſt, übereinflin- 
ma: u ſch auch aus unfern Nanzteife 


— 


BE Wu 


und den Vortheilen der Religion. ° 701 


und deren Regeln ſchließen, zu welcher Art bes Le⸗ 
bens uns der Schöpter beftinnmet abe. Es ift 
aber vorhin mit mehreren gezeiget worden, daß nach 
ber Abficht des Schöpfers alle mögliche Lebendige 
haben ſeyn follen; und daß fo vielerley $ebenbige 
möglich find, als Arten des Lebens und der Gluͤck⸗ 
feligfeit moͤglich waren ; folglich auch ein jedes 
zu einer gemwiffen Art des Lebens und ber Gluͤck⸗ 
ſeligkeit beftimme ſey. Es ift gezeinet worden, daß 
jebes beftimmte Art bes Lebens die Megel und, den 
Grund in fic) halte, wornach ſich alles Abrige in 
dem Körper und der Seele eines jeben richtet; und 
daß diefes felbft bey den unvernünftigen Thieren 
nad) der größten Weisheit und Güte zur Wirklich 
feit gebracht fen, deren finnliche Werkzeuge ſowohl, 
als Seelenfräfte, Triebe, Fertigkeiten und aner⸗ 
ſchaffene Künfte, mit jedes Lebensart vollfommen 
übereinftimmen. Es ift folglich gezeiget worden, 
baß alles regelmäßige Bemühen ber Maturfräfte 
in den Lebendigen, infonderbeit, der Seelenfräfte, 
gerade zu einem gemiffen Ziele führe, das nicht 
triegen fann ; daß mithin eine folche Art dessebens und 
ber Gluͤckſeligkeit, welche darinn allein Grund bat, jes 
dem beſtimmt fen, und zur Erfüllung kommen müffe. 
Nun ift unter allen möglichen Arten bes Lebens 
auch diejenige möglich, da eine Seele von einem 
finnlichen Leben zu einem vollfommenern, immer⸗ 
währenden, geiftlichen erhoben wird : und das res 
gelmäßige Bemühen unferer Natur, infonderheit 
der Seelenfräfte, fuͤhret gerade und allein zu dieſer 
Art destebens, als feinem äufferften Ziele. Dem⸗ 
nach kann auch diefes Bemühen unferer — 
—V 





„02 X Abh. Bon der Seelen Unſterblichkei 


kraͤſte nicht triegen, ſondern folche Art des Sehens 
iſt diejenige, wozu wir von dem Schöpfer beſtim⸗ 
. met find, und welche zur Erfüllung fomıinen muß, 


u £ 

Daß unter andern möglichen Arten bes Sehens 
auch eine folche möglich fey, da eine Seele von di 
nem unvollkommenern finnlichen $eben zu einem 
vollkommenern, immermwährenden, geiftlichen er 
hoben wird; ſolches ift furz zuvor aus ber 
Befchaffenheit unferer eigenen Seele gegeiget wor» 
den, Denn wenn fie, als eine einfache unverwes⸗ 
liche Subſtanz, ſich auch auffer dem groben Kr. 
per bewußt fern und alfo leben kann: fo Fonnen 
ihre geiftigen Kräfte ohne weitere Verdunkelung 
und Verwirrung von finnlicher Vorftellung , und 
ohne falfchen Reiz zu finnlicher Neigung, in deut: 
lichem und reinem Erfenntniffe des inneren Wejens 
der Dinge, in Einſicht der Mannichfaltigfeie und 
Uebereinſtimmung der Natur, und der darinn 
ausgedruckten Weisheit und Güte des Schöpfer, 
in Siebe und Luſt zum Guten, in eigener Vollkom⸗ 
menheit, Zufriedenheit und Glückfeligkeit, beſtaͤn⸗ 
dig zunehmen, und dem unendlichen Geifte an 
Vollkommenheit immer ähnlicher werden, ohne ihm 
jemals gleich zu fommen. Wenn nun nad) göft« 
lichen Abfichten, und nach den Regeln ber Weis 
heit, afle mögliche Arten bes $ebens in der Welt 
wirklich feyn muͤſſen: fo müffen auch folche Seelen 
wirflich in der Welt feyn, die von unvelllomme 
nern Stufen eines finnlichen Lebens immer zu höheren 
Vollkommenheiten in einem geiftlichen Seben fteigen. 
Wenn 





und den Vortheilen der Religion. 703 


Wenn wir 'aber auch an folhe allgemeine 
zahrheit nicht gedenfen, und nur den Bemuͤhun⸗ 
n unferer höheren Naturfröfte nachgehen : fo 
üffen wir erkennen, daß fie gerade und allein zu 
‚fem Ziele führen, und auf feine andere Weiſe 
ruhiget werden fönnen. Wir haben es über 
‚pt mit allen Thieren und $ebendigen gemein, 
ß wir von Natur alle tradıren glüclich zu leben, 
Zelche Arc der Gluͤckſeligkeit aber unferer Natur 
mäß fey, ober zu welcher uns der Urheber ber Natur 
bildee und beftinnmer habe; das müffen unfere 
fonderen Naturkräfte und deren Regeln weiſen. 
ede Begierde, glücklich zu werden, richtet ſich 
uhmendig nach den Echranfen der Vorftellung 
8 Guten. Eo wenig als eine Begierde nad) 
nem Öuten entftehen kann, davon man gar kei⸗ 
In Begriff hat : fo natürlich ift es auch dem Wil« 
n, bas erfannte Gute wollen und verlangen, 
jeget man nun Ecelen, die nur von einer gewife 
n Art des Guten eine Borftellung haben, fo iſt 
ich deren Verlangen und Bemuͤhen dadurch ein« 
ſchraͤnkt; ihre Begierde kann nicht weiter gehen, 
id fie find durch ihre Natur bloß zu der Art des 
bens und der Gluͤckſeligkeit beſtimmt, welche aus 
m Oenuffe folches vorgeftellten Guten entftehen 
mn. Geget man aber andere Seelen, deren 
Borftellung vom Guten anders ift, oder weiter 
ht: fo muß auch ihre Begierde ein ander Ziel 
wen, und weiter gehen; folglich find fie auch 
irch ihre Natur zu einer anderen und höheren Art 
ı8 Lebens und der Gluͤckſeligkeit beftimmt. 

Diefen Unterſchied ſieht man aus der vorhin 


eitlaͤuftiger angeftellten Vergleichung der Werr 
B u 





‘ glücklicher zu werden ; erhalten pres Leibes Nech⸗ 
durft, nad) eingepflanztem Triebe, genießen E 
mit‘ £uft, und find zufrieden, bas höhere und 
ünftige koͤmmt nicht in ihre Gedanken, und md 
alfo auch ihre Begierden nicht rege, noch ihr 
muͤth uneuhig ; der Tod ſelbſt en fh " 
- flerben, Dre fie ſelbſt wiffen, daß ihr Leben 


ein Ende 


Fe9R 


Der Menſch hingegen ift von Natur, durch 
die vernünftige Vorftellung feiner felbft und ande 
— ‚Dinge, & einem Vermögen und Berlangen 

einer höheren, reineren und 
WVollk ommenheit und Glũckſeligkeit, ee 


— ann, 
ne 


’ 


und den Vorteilen der Religion. : 705 


ıfe, die eine weſentliche Eigenfchaft aller. Mens 
m iſt, daß ihre Gebanfen, durch Vergleichung 

Gegenwaͤrtigen mit dem Vergangenen, auf 
3 Zufünftige geführet werben, daß fie eine Vor⸗ 
lung von Zeit und Dauer befommen, daß fie 
aus denfen, und wenn fie fich felbft und ihr fe» - 

I der zufünftigen möglichen Dauer betrach« 

baß ihre angeborene Begierde zum Leben ſich 
beit, als ipre Vorſtelling der zukünftigen Zeit 

t, das ift, bis ins Unendliche erfireden muß, 
fliege natürlich und nothwendig aus der Were 
ft, daß alle Menfchen ſich durch ipre allgeme 
und abgefonderten Begriffe noch immer eine 
e und reinere Vollkommenheit, Luſt und Olüc« 
zkeit gedenken, als fie wirklich befigen, ober tn 
iemm eben erhalten koͤnnen, und daß ihr Were 
gen folglich mit diefer niedrigen unb gemifchten 
ackſeligkeit nimmer völlig befriediger wird, fone 
n ber Vorftellung des größeren möglichen Gu⸗ 
ohne Aufbören folge. Kurz, ber Menfchen 
gierden müffen ſich, vermoͤge ihrer Verftandese 
fte, nothwendig ins Unendliche, und über die 
hranfen diefes kurzen und unvollfommenen $e 
s auslaffen. 

Man bemerfet daher, in Abficht auf ben aͤuſ⸗ 
ten Zweck, mencherlep wichtigen Unterſchied 
ſchen den Tieren und uns. Die Tpiere find 
ı Natur unvermögenb, vollfommener und gluͤck· 
er gu werben, als fie in biefem $eben find und 
den: wir aber werden felbft in diefem Leben 
mer vollfommener ; doch nimmer fo volllommen 
»apättic, als wir. ri kounten. Die Thie · 

w 





106 X 0055. Von der Serien Dinfertt 
Gaben Feine Worftellung von einer 


= Sebens und der Gluͤckfeligkeit bis —* 

in unferen Gedanken vergroͤßern. 
find Bloß ſinnlich, und nur einer —X 
: wir aber, ale vernünftige Menfchen 


ig 

gen kann ſich, mit aller DBemüpung, weder ’ 

finnlichen noch vernünftigen Luſt, während 

Lebens, Genüge thun. Die Thiere bezaf 

Natur ihre Schuld, ohne den herannahend 

vorher zu Fennen ober zu fuͤrchten, noch 

fernetes und befferes geben zu denfen, ober 
\ zu münfchen; der Menfch allein weis zum v 

daß er fterben muß, denket mit Furcht an fein 

und kann nicht anders zufrieden fterben, alt 

e auf ein beſſeres Leben hoffet. 

§ 6. 

Weil dieſes Sehnen der Menſchen nach 
dauerhafteren und beſſeren Leben, als das 
waͤrtige ift, aus den Kräften und Megeln 
Verſtandes und Willens natuͤrlich entſpringt 

dem Weſen unſerer Seele und deren Zäpigl 
einer mehreren Vollkommenheit und Glück 
gemäß ift : fo kann man es nich unter Die 
türlicgen Grüien weh von Träume ber Me 
u 





: Aa ben Vorthellen der Seliglon. 707 


ithnen. Bon dieſen laͤßt ſich allemal zeigen, daß 
je ben Regeln unſers Verſtandes und Willens, fo, 
neben Weſen und ber Natur ber Dinge, enfges 
en faufen. Aber hat umfer Wille, vermoͤge ſei⸗ 
er Natur, eine Glückfeligkeit sum Ziele feines 
Bunfes unb Bemipens, un fireter er fi na“ 
Ieticher Weiſe nach ben Schranfen ber vernünftie 

em Borftelluimg von möglicher Voukommenheie 
2 —— & fo muß ſich auch fein Verlan⸗ 

nach den Megeln 








zeigen, daß fie 
Eee nee 
affene Str mit enbiken unb —2 


Dingen zu vergnügen gedenken. 

a“ Wir muͤſſen nothwendig daraus ſchließen, 
wg: wir von dem Schöpfer zu ſolcher Art des Le⸗ 
ig und ber Gluͤckſeligkeit beftimmt find, wozu 
M8:das Bemühen unferer Natur nach eingepflange 

im Regeln führe. Es ift uns fo natürlich, vor⸗ 
ag. zu denfen, und uns unfern Fünftigen Zufland 
haf. eine ungemeffene Sänge Bor uftelen, als es den. 
ft, ſich bloß < an bas era 











708 X Ash. Bon der Seelen Unſterblichkeit, 


Gluͤckſeligkeit, mit dieſem Eurjen Leben und deſſen 
niedrigen und oft vergaͤllten Luſt nicht begnuͤgen, 
ſondern ein beſſeres und dauerhafteres wuͤnſchen, 
als es den Thieren natuͤrlich iſt, daß ſie mit der 
gegenwaͤrtigen Erſaͤttigung ihrer Nothdurft und 
Triebe vollkommen zufrieden ſind, und weiter nichts 
bebenfen noch verlangen. Wenn nun dieſes ganz 
offenbar iſt, fo Ift unfer natürliches Verlangen nad) 
einem befferen und bauerhafteren $eben auch eben 
ſowohl ein. Reiz des Schöpfers zu unferer Des 
im mang, als es bey den Thieren die blinden Trie 

find, | 

Kann man fich wohl vorftellen, daß den Leben⸗ 
digen ein Hunger nad) einer gewiſſen Speiſe na» 


türlich fen, und daß doch die Speiſe nicht in der 


Welt wäre, womit der Hunger könne erfärtiget und 
das Leben erhalten werden ? daß ihnen ein Trieb 
zur Gattung mit dem weiblichen Gefchlechte ben: 
. wohne, und daß doch nichts, als männliche Thiere 
wären, bie ihre Brunſt für fich nicht ftillen koͤnn⸗ 
ten? Kann man ſich einbilden, daß Voͤgel von Na 
tur einen Drang befommen haben, gegen ben 
Winter fid) einmürhig zu verfammien, und über 
alle Wolfen in ein entferntes fand zu eilen, und 
daß doch in der Gegend fein Land fen, mo fie ihr 
seben fortfegen und unterhalten Eönnten? Kam 
man ſich gedenken, dag Wafferinfecten, gegen das 
Ende ihres dermaligen Zuftandes, ein Verlangen 


- "nn ⸗ ⸗— 


nach der Luft haben ſollten, und ſich aus dem Wafe . 


ſer heraus begaͤben, wenn ſie nicht, nach ihrer Ver⸗ 
wandelung, in dieſem Elemente aufs neue leben 


würden? Dein, We Stimme der Natur 7 | 
n 





„2b. den Wortfeilen der Melgion.. - 


side, fie iſt ein Ruf und Winf — 7 

bes beſtunmten Art des Lebens; ſie iſt ein Aus⸗ 

Bruck und zugleich ein Mittel der göttlichen Abſich⸗ 

—— ann 
du e r, 

ap gern md befferen Sehens, und zu einem 








nach. demfelben , rege ge gemadet haben, 
woaen es wicht eben Dasjenjge mise ‚ wozu er ung 
leſcheden har? oo, 












.. $ m 


Abe Vorzüge, wel ung Menfihen bie 
kin —* he zugeftanden Feat 


„ſo würden fie. uns alle.ums 
und ee umferer Qual gegeben fenn. 
aber nichts * ber Natur umſouſt; nichts 
IB beſonders den Lebendigen, ſelbſt den unebleren, 
* —* 








zw zu; Mn tn Beta ieh 







zu ‚aber für. 
— — und 
weite Ausficht in die entfernten Zeiten ein J— 
Blick, ——* 
durch bie Hoffnung einer 
1Bollfonmenpeit defto angenefmer madhet, unb 


—— bie Farcht bes = 
Des, leicht ü —— 


a Bas nügte uns Wahrheit und Wiſſenſchaft 
gu einer folchen Zufriedenheit, als wir wuͤnſchen, 
ba wir bey jedem Eleinen Wachsthume in berfelben 
nur defto mehr wahrnehmen, wie vieles mir nicht 
willen, oder uns mit befto mehreren Zweifeln bes 

anruhigen; menigftens unfere Begierde zu dem 
moennichfaltign Erkenntniſſe der Dinge in be 
Welt, und deren Gewißheit, in dieſem Leben nim⸗ 
ir ee fönnen? Iſt aber biefer —— 

es erſte Haus, das wir bewohnen, bloß e 
Schule, darinn wir die Anfangsgründe der Wiſſen⸗ 
—A faſſen, um darnach zu hoͤheren Dingen ge⸗ 
hret zu werden: ſo leget dieſes Erkenntniß den 
Grund zu einer weiteren Einſicht, und wir koͤnnen 
uns in dem geringen Vorſchmacke ber Wahrheiten 
ie: die füße Vorftellung machen, wie wir beveinft 
Reiche des Lichtes die ganze Natur und alle 
ums noch verborgene göttliche Geheimniſſe mit ers 
Ieachtetern Augen beſchauen werden. 
x | _ 








und den Vortheilen der Religion, yır 
Was haben wir in diefem Leben von unferer 
Beisheit für Wortpeil zu unferer Glüdfeligkeit ? 
Ne unvernünftigen Thiere werden durch einen 
linden Trieb viel ſicherer zu biefem Zwecke gelei · 
5 ob fie fich gleich weder eine beutliche Abſicht 
oefegen, noch die beften Mittel dazu überlegen. 
Richts kann zu jedes Art des Lebens kluͤger ausge» 
acht werben, als was fie durch angeborene Fer⸗ 
gkeit meifterlich verrichten. Dee Menfch hinges 
en lernet erſt durch öftere Bergehungen, und durch 
agegogmen Scheben, weiſe werden, wird es kaum 
st bem ter, wird es unvollflommen , und. bes 
Immt boch die zeitliche Gluͤckſeligkeit mit alter feis 
er Weisheit nicht in feine Macht; hat aber eben 
arum, weil er weife ift, viel Kummer, da’ er bie 


cht, und an feiner eigenen Schwachheit, fo wie 
u anderer Thorheit, Arglift und Bospeit vielfe- 
jen Ekel und Verdruß empfindet. Iſt aber uns 
r Ziel der Weisheit auf eine höhere Volllommen· 
eit, dazu fein blinder Trieb führen Fann, auf ein 
detliches Vergnügen, das aus Einficht ber Wahr» 
eit, und aus Webereinftimmung der Handlungen 
atſpringt, ja auf eine nähere Verbindung mit dem 
llerweiſeſten Wefen gerichter: fo müffen wir eine 
vol die erften Stufen betreten, und in unfern 
ehr · und Probe» Jahren ducch Fehltritte immer 
higer und gefegter werden; daß wir zur hohen 
Schule der Weisheit gefchidt fen mögen, wo wir 
nfer Gemuͤth mit reinerer Einficht, nady dem volle 
smmenften Mufter ber Weisheit, bilden, und 
In In unge ut moin Fun 
„4 





7i2. X 66. Von der Seelen Unfterblichteit 





—— 
i um ung 
Äireitig machen. Aber unfere Tuigendjüft erſtlich 


reicht. Wenn all itliche Sluͤckſelig· 
Re vonder Tagen fing, m fe * 


WR auch feine fo genaue Verbindung zwifchen ber 
Tugend und zeitlichen Gluͤckſeligkeit def niche ein 
Augendhafter, durch Zufälle, ober felbft durch feine 

,ungluͤcklich rweigſten 


und den Vortheilen der Keligion. 713 


men wir denjenigen für glücklich halten, det- für 
$ Vaterland, der für den König, feine Befunde 
€, feine Güter, ja felbft ſein eben aufopferte; 
Wort und Zufage mit feinem offenbaren Scha- 
i hielte; der Zölle und Abgaben mit Kraͤnkung 
1e8 Sausftandes reblich entrichtete; der Den allges 
inen Nugen feinem eigenen vorzöge; ber den 
fegen mit Unluft und Mühe genauen Gehorfam- 
tete; der ſich durch Zeugniß der Wahrheit ge- 
peliche Feindſchaft zugöge? taufend anderer Fälle 
geſchweigen. : Ein folcher würde ja in der Zeit 
ner Dauer nicht das geringfte Bute, fondern lau» 
Unluſt und Schaden, von feiner Tugend zu ges 
wien haben. Würden alfo nicht die meiften 
che Tugend für einen leeren Ton und triegliche 
nbildung halten? Würden fie nicht eine kluge 
genmügigfeit, an deren Stelle, zur Kegel ihrer 
andlungen machen, und, jeder nad) feinem Tem- 
rament, bloß finnliche &uft, Bequemlichkeit, 
racht, Hoheit, Macht, Wohlftand und Reich⸗ 
ümer, durch erlaubte und unerlaubte Mittel, fur 
m, wenn fie ſich nur daben vor Strafe und Scha« 
n gefichert hielten? Allein, wenn ber Menfch 
uptfächlih Seele ift, wenn fic) deren ſteigende 
ollkommenheit bis in Die Ewigkeit erſtrecket / und 
du hier der Grund geleger werden muß; wenn 
x künftig erft die rechten Früchte unferer Bemüs - 
mg von unferm Schöpfer zu gewarten haben: fo 
es feine Thorheit, daß wir bie geringeren zeit» 
ben DVortheile einer bauerhafteren und höheren 
luͤckſeligkeit aufopfern. 5 


9ys Bas 





um ® 
würde das Erfemmtniß von Cost weber uifere a 


wen ein Vermögen gegeben, mit unfern 


Bis zu ihm zu dringen; wozu häfte er ums allein 


) 


eine Fähigkeit verliehen, der Seele nach, 
vollkommener zu werden; wozu häfte er uns allein 
eine Vorſtellung des Zufünftigen; und ein Verlan⸗ 


gen nach einem unendlich gluͤcklichern Leben einge 


praͤget; wenn er uns doch den Genuß alles deſſen 

te verſagen wollen? Würden wir ein ſolches 

fen als weiſe und guͤtig verehren koͤnnen, das 
uns zu unſerer Qual ein Gutes erkennen ließe, 
bas wie hiche erhalten koͤnnten oder fellten? Wuͤr⸗ 
den wir nicht Die Thiere in ihrer zufriedenen Un⸗ 
wiffenpeit von einem höheren Weſen und vollfons 


. ich endlich von der \ 
ABdee 0s mie Dfem ben um und pe | 





menern Zuftande, in ihrer gefättigten finnlichen ' 


Luft, und in ihrer vergnügten Niedrigkeit, vid 
fückficher preifen? 
. Wie koͤnnte uns auch ſolch Erkenntniß und 


ſdiche Verehrung Gottes in dem gegenwärtigen fe 
"Sen -äufferlich „glücklich machen, da Frömmigkeit 


und Gtüd feine nothwendige Verbindung mit ein. 


ander gaben, fonbern Softergafte und Goetloſe bey _ 
} ‘ ö . menſch⸗ 


d den Vorteilen der R Beige, 75. 


Hei oft —— — 
% ‚un ‚ ges 
&, gefund und frößlid leben; bie 

gegen, vielmals, eben darum, weil fie . 
» göttlicher Voe ſchriſt richten, fatt der 
efes lebens, lauter Verdruß und Jammer 
ıe befommen? Wird denn das Betragen 


u — die Seele zur Wanbiciten 
he der Geiſter beftimmt iſt, wenn fie da 

heren Zutriet zu dem unenbfichen Geifte 

ird, und von bem nad) der 

etragens in ber Welt wird angefehen wers 

‚giebt die Religion einen vere 

yeiff von Gott, feinen Bi 

Hiche und Regierung über bie 

et fie uns, dem großen Zwecke 

—— —— em ——— 


niedrigern, gemiſchten 


— 


all 


716 X Abh. Bon der Seelen Unfterblichkeit, 
Gluaͤckſeligkeit eine höhere, reinere und ewige zu 
boffen - 


| 9 9 
Welches von beyden haben wir denn aus um 
‚fen Vorzuͤgen vor den Thieren, nach göttlicher 
- WBolllommenpeit, Weisheit und Güte, zu, fchliefe 
fen? Gefege, wir wären, wie die Thiere, bloß 
fuͤr dieſes Leben gefchaffen; fo fämen doch Die Thie 
ve in dieſem geben burd) niebrige Kräfte zu fo groß 
fer Vollkommenheit, Zufriedengeit und Gluͤckfelig⸗ 
keit, als nad) ihrem Weſen möglich war: wie 
bergegen erreichten mit viel höherem Vermoͤgen 
nicht ben tauſendſten Theil der Vollkommenheit, 
bie unſerer Natur gemäß iſt, und wozu wir faͤhig 
find ; wir hätten Vorzüge, die uns zu Diefem finn- 
fichen und zeitlichen Leben nur unnüße, ja von un 
ferer Zufriedenheit mit einem foldyen geben, und 
mithin an unferer ganzen Gluͤckſeligkeit nur hinder. 
lich waͤren. So wuͤrde der Schoͤpfer bey allen und 
jeden, auch den geringſten Thieren, Weisheit und 
Guͤte, bey uns keines von beyden bewieſen ha⸗ 
ben, ſo ferne er theils uͤberfluͤßige, theils hinder⸗ 
liche Mittel der Gluͤckſeligkeit bey uns angewandt 

tte. 

ba Man ſtelle ſich vor, da ein großer Herr Kna⸗ 
‚ ben von befonderer Faͤhigkeit ausfuchte, und erzie 
ben ließe : fie fiengen nach feiner Vorſchrift an, 
Sprachen und Gefchichte alter und neuerer Zeiten 
zu lernen, die Gründe ber Weltweisheit, Marge 
matik und Naturlehre zu treiben, die —— 
tagte 


— m 


Menfchen . 
Ipigfeit, und mie dem Vorſchmacke an höheren 
Iingen, zu nichts, als zu einem shierifchen teben, 
fkimmet wären. $äßt fi num jene Erziehung 
r fähigften Köpfe von eines vernünftigen und gü« 
Megenten Verordnung nicht gedenfen : fo 
m die Beftimmung ber Menfcen, bey in 
ezäglichen Naturgaben, gu einem bloß thieri 
ben, noch viel weniger von dem großen Schöpfer 
dacht werden, ohne feiner Weisheit und Guͤte zu 
zu treten. .. De 

Wurden mir Gott nice auch befonders in 
ar hauptſachlichſten Vorzuge der: Menfchen, weis 
er das Erkenntniß len yeah betrifft, als um. 
wenperjig und graufam darſtellen, weun wir; 


$ 


5 





——— 


* 


ZUB Vthhh. Won der Cie iinliecuctat 


läße im einen Begriff von feinem fopen Gtande 
und feiner Gluͤckſeligkeit benbringen, 


ſchlechten 
giebt ſich der Fuͤrſt dem Rinde zu erfennen , und 


Muß da 
nicht das Kind natürlicher Weife ein Berlangen : 


bekommen, ihn zu fehen, und fich Heffmmg — 


ner hoͤheren Gluͤck fügfeligfeit madıen, als- 


Gefäßrten fich machen Bönnen? Aber nein; es fd : 


nimmer vor ihn kommen, es foll an der — 
Herrlichkeit nicht den geringften Antheil haben, es 

fon fein Lebenlang im Staube friechen. Kane 
ein ſolch Vaterherz fern, das fich feinem Kinde 
als Vater offenbaret, nur damit es ſich nicht vd» 
terlich beweiſe, damit es fein Kind quäle 7 Unb 
wenn es möglich waͤre, mas wuͤrde unbarmherzie 


gers und gräufamere feyn innen? 
Sepet ! bie 


Thiere wiffen auch nicht, ae 
erſchaffen hat ober ernäßret; fie haben 
griff von dem Urheber ihres a er 
Pfindung von feiner Güte, 
Ken, u Out na (a ehr 





en Wortheilen der Religion, 719 
raus, allerley Sebenbigen, die ihn nicht 
noch ihm danken finnen, mit * 

er Natur gemäß, zu fättigen. | 
ıber giebt er fich allein als umfer Preind Ä 
mmen ; er offenbaret uns feine Vollkom⸗ | 
in dem Spiegel feiner Natur, er hat 
Bild und feine Aehnlichkeit — 
Verlangen nach einem göttlichen Leben - 
Wer kann fich ihn dabey fo unbarmher⸗ 

n, daß er diefe höhere Einficht;und 

zu unferer Betruͤbniß und Qual bey 

t habe ? Hätte er fich denn nur darum 

| gegeben, damit er fid) uns auf ewig 
nöchte ? Haͤtte er uns nur deswegen 
er von ferne gezeiget, damit wir wüßten, - 
s verfaget ſeyn folten ? Hätte‘ er unfere 
zu einem befferen und bauerhafteren Ser 
dem Ende erteget, damit. uns bie Ber . 
an bemfelben auch das gegenwärtige te 
Im möchte? Mein : wir haben gar zu. 
ife von Gottes väterlichen tiebe und Guͤ⸗ 
as: er würde fic ums ganz gewiß nicht 
ı gegeben haben, wenn mir nicht an fels- 
rg Bütern einen näperen An⸗ 


$ ı 
nüßten auch ber Gerectigfei Gottes zu 
ı, wenn wie nicht glaubeten, daß er * 
und fromme Menſchen, die in der ge⸗ 
m Verknuͤpfung der Dinge, aus Ver 
—— gegen ihn, —* 

end ansgeftanken, in 





— 
‚für ee res mie Befto. milbere 


Br" ent nach Werdienft züchtigen würde. Dem es 
3 Mr einmal getoiß , daß das Taturgefep Gottes 
* Gef, Werke ——— — 
das Gote, nach feiner Allwiſſenheit 

S Sram Gmb m ae age Ar 
„ ..©0 

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u 28 


demſelben 
Abſicht ſeyn, daß die Sehorfamen und Unſchuldi. 
gen in ihrer ganzen Dauer mit lauter Elend, die 
Ungehorfamen mit Bohn belohnet werben 
ſollten. Solche widrige Verfnüpfung des Böfen 
mit guten Handlungen, und bes Guten mit böſen 
Handlungen, koͤnnte feinen Bewegungsgrund zur 
Qugend und Frömmigfeit, oder zur Ausübung 
göttlicher Gebothe geben; fondern würde die Mens 
ſchen notwendig dahin ns daß fü fe e fih u 
Die göttliche Vorſchrift nicht kehreten. Sie ware 
alfo wider die Regeln der Weisheit, weil fie ein 
Mittel wäre, das dem göttlichen Zwecke und Wil 
len entgegen liefe. Sie würde aber auch den Re 
geln ber Siebe widerſprechen, meil fie vielmehr die 
-Wirfungen des Hafles auf die Guten, und die 
Wirkungen ber Siebe auf die Boͤſen wuͤrfe. Usb 
daburch würde die göttliche Regierung über Die 
Meufchen ganz verfeßet, unbilig und, ‚ ungerecht 


Da 





und dem Vortheilen der Religion. 721 


"Da nun boch dergleichen widrige Begebenhei⸗ 
wirklich in diefem Leben niche felten eneftehen : 
könnte Gottes Weisheit, Siebe und Gerechtigkeit 
‚em die Menfchen, nicht gerettet werben, wenn 
anderes $eben wäre, worinndiefe Disparmonie 
‚gelöfet, und, als in dem legten Auftritte der 
daubuͤhne, die gefränfte Unſchuld gefröner, 
tobende Bospeit geftraft würde. Mer kann 
ın von dem höchften Wefen, und von feiner 
Mommenheit anders gedenfen, als daß er biefe 
hickſale nur aus befondern Urfachen auf eine 
9 Zeit zugelaffen und verhänger habe, gleichwie 
das Gewitter auch über die gute Eaat, Son⸗ 
iſchein aud über das Unkraut ergehen läßt. 
muß aber eine Zeit fommen, da das gute Bes 
gen der Menfchen, gleic) als ein guter Samen, 
to reichere Frucht und Aernte gemähret, und 
Boͤſe, wie das Unkraut, erſticket und vertils 
swird. Es miuß ein ander $eben erfolgen, da 
durch manche Verfuchung bewährte Treue der 
emmen fie zu ihrer rechten Bollfommenpeit, und 
n vollen Genuffe ihrer Fruͤchte bringen, fobann 
er auch von den Safterhaften, durch Die Folge 
b Vergeltung ihrer Bosheit, unterfheiden 
rd. . Alles unfer vorzügliches Wermögen gebeyet 
diefem Leben noch zu feiner Reife, alles bereitet 
nur zu einem Fünftigen vollfommenern Zuftane 
: wie Fönnten mir denn hier ſchon die reifen 
üchte unfers Bemuͤhens ärnten ? 


$ ın 
Es iſt nur ein fehr ſeichter Trofi,damit ein Atheiſt die 


enfchen in folchem Falle gegen die Eiterhlichfeit auf- 
- 33 Sy 


Xdbh. Vonder Seelen Innpeett 
ſucher: als ob bie Tapend ſich 
dieſem $eben eine ——— 


Widerwaͤrtigkeiten gi | 
gend if feht unvollkommen, und kann de 





weiten auch nur jedes Einbildung und Eis 
gemägen Handlungen finde. Wenn n 
menfehliche Natur auch für leibliche Sehr 
Krahfpeiten, Befdimpfung, Mangel der 
durft, Beraubung der. Grenheit, Treulofigke 
meynter Freunde, und taufend andere Unfäl 
wir nicht in der Macht haben, empfindlich 
giebt es einem Menfchen wider fo vielen Be 
der die Seele von auffen beflürmen farm, n 
oßnmächtiges Gegengewicht, daß er fich fel 
feinen. Handlungen gefällt. Vieles kan 
Menſch erleichtern und überwinden, wenn « 
einen befferen Zuftand Hoffnung hat: aber n 
felbſt, gegen bie Natur, biefe Hoffnung ver 
dem ift es auch ben ben beften Tagen ſchreckl 
gebenfen, daß er bald aufhören wird zu feye 
ſchweige, wenn er auch in der kurzen Zeit. 
Dauer nichts als Elend, Noth und Verdru 
pfinden foll. 
Wir Menſchen find viel zu unvollkon 
Füroach, ahnt empfinbiih, «is dei 





und den Vortheilen der Religion... 723 


8 lebiglich an ung. felbft halten, und unfer Ver⸗ 
ügen, unfere $uft und Gluͤckſeligkeit allein in unferer 
jenen Mache und unferm Willführ haben fünn« 
. Hergegen fehen unfere Begriffe und Begier⸗ 
a viel zu weit und hoc) hinaus, als daß wir uns 
e Natur mit der gegenwärtigen inneren und aͤuſ⸗ 
ven Unvolltommenpeit, oder mit einer fo furzen 
D oft vergällten Luſt zufrieden ftellen könnten. 
er allein kann ſich beruhigen, der im Erfenntniffe 
ner Abhängigkeit von dem weijeſten und gütige " 
m Regenten der ganzen Welt gelaffene Zuverfiche 
f die Vorfehung ſchoͤpſet; der feines Schöpfers 
iefchriften und Abfichten , fo viel in feinem Ver⸗ 
ift, treulich und emſig folger; und in dem 
m Genuffe des gegenwärtigen Guten feine 
ung nach einer fünftigen unendlich größeren und 
iuerhafteren Vollkommenheit und Gluͤckſeligkeit, 
s dem mahren Ziele feiner Beſtimmung, 


$ 12. 


„Wenn ein Atheiſt auch feinen andern Jrrthum 
egte, als daß er fich alle Hoffnung eines ferneren 
ebens abſchneidet, fo wäre der allein genug, ihn 
ion in diefem Leben misvergnügt und unglüdlich 
a machen, Er fann fich, nad) feinee Natur, das 
eoorftehende Ende nicht aus dem Einne ſchlagen, 
md die täglichen Sterbefälle anderer Menfchen, 
ebſt feiner Gefellen, erinnern ihn fleißig daran. 
Die eingepflanzte Siebe zum Leben machet ihm alfo 
vom Tod zum ſchrecklichſten Bilde, das ihn allent« 
jelben begleitet, und alle feine gegenmärtige we 

332 — Kin. 





723 X MG. Von der Seelen Hunfherbiichli 


fiögret. - Je älter er wird, deſto ninsat 
cheriche Borfelung u, nd än bleiben, 
‚MWerzweifelung, übrig, Allein, wie mögen ihn a 
nach allem feinen übrigen Denken und Thum, 
ganzen. Leben betrachtet: fo finden wir Jauter | 
ai , fein * zu er ‚und bergegen 
figion, auch wegen des wichtigen Einfluffes 
unfere zeitliche Gtüdfefigkeit,. hoch zu ſchatzen. 
«Hat, und bräuchet ein Atheiſt einigen Werfios 
Po iR nit mägl, daß er fih).mit irgend ein 
Sehrgebäube der Atheifteren beruhigen Bdn 
Denn, wie mag er doch in feinen unendlichen A 
hen von ‚vergangenen Geburten und Veraͤnden 
gen, die er nicht abfehen fann oder will, kla 
che und Erkenntniß finden? Oder, welche Krı 
iſt in der Welt und Natur, welche lebendige Thu 
hervor bringen könne? Was enthält ein wuͤſt 
Ungefähr für verftändfihen Grund der Dig 
und mas für eine Kegel, daraus Ordnung und U 
bereinftimmung zu erflären flünde? Wie far 
ihm eine unbedingte Nothwendigkeit, die er v 
aller Möglichkeit der Dinge, und alfo felbft v 
ihrem Weſen willkuͤhrlich annimmt, zur Urſacheg 
nug fern? oder warum ftellet er ſich das als ei 
und fteibftändig vor, mas won Ewigkeit fein 
Wirklichkeit nicht genoffen, und in Ewigkeit nid 
‚genießen wird? Wie will er dasjenige, was in fe 
ner eigenen Seele vorgeht, aus mechanifchen &ı 
fegen der Materie begreiflich machen, oder was ihe 
fein inneres Bewußtſeyn überzeuglich faget, ver 


— Es fehlet ihm an aller derjenigen 


ı Weine qeurläßige Einf va 





und den Vortheileh der Religion. 725 


ber Richtigkeit feiner Meynung geben fann: und 
je wichtiger die Sache ift, welche er gegen das 
allgemeine, auch der vernünftigften Leute, Urtheil 
verwirft, befto zweifelhafter und unruhiger tappet 
er in feinem finfteren Irrgarten herum. 
_ Allein, mas muß auch nicht für Verwirrung, 
Streit und Vorwurf in feinem Gemuͤthe entftehen, 
wenn er hier wider chen diefelben Kegeln denket, 
wornach er fonft aller übrigen Dinge Wahrheit 
und Falſchheit beſtimmet? Wo wird er fonft in ſei⸗ 
nem Forſchen der Dinge zufrieden ſeyn, wenn man 
ihn ins Unendliche verweiſt, die Antwort nur vere. 
ſchiebt, und feine Frage nimmer auflöfet? Nun 
will er doch den Urfprung der Geburten, in unende 
Gichen Reihen der Vorfahren, das ift, in feinem 
Urfprunge, in Nichts gefunden haben. Sonft 
erfennet er alles für endfich, dem ſich nod) etwas in 
feiner Art Hinzufügen laͤßt. Hier foll die Anzapl 
ber vormals Lebenden unendlich ſeyn, ob fie gleich 
täglich durch neue Geburten vermehret wird. - 
Will er den Urfprung der Menfchen und Thiere 
gelten laſſen, aber feine Zuflucht zu einem Unge 
fähr nehmen: fo urtheilet er abermals wider ſich 
felbft. Er verwirſt fonft leere Töne, und fordert 
in den Urfachen natürlicher Begebenheiten, daß fie 
völligen Grund in fih halten follen, woraus die 
Wirkung verftändlich zu erklären iſt. Hier foll 
ein bloßer Zufall , eine wilde Gährung in einem 
todten untauglihen Schlamme, eine Urfache von 
dem fünftlichen Baue der thierifchen Leiber, von ih⸗ 
tem Leben, von ber Empfindung, vom Verflande 
Bı3 und 


von au [uuyo wwe yon 
than haben. Sie fol alt, uwerm 
fruchtbar geworden feyn, da fie doc 
danken ein ewiges, nothwendiges 
Weſen ift. 

Wie kann er aber fonft eine b 
bigfeie der Dinge, ohne Wibderfpri 
Er erfennet die förperliche Welt al 
es ihr denn, vermöge deffen, einer! 
ober nicht ift, ob fie fo, oder andı 
ihr wirkliches Dafeyn , und ihre 
ſchaffenheit, in ihrem eigenen Wef 
Grund haben? Er kann nichts 
Welt und Natur felbft finden, w 
einftimmen Fönnte, und fie ift alfı 
eigenen Vollfommenpeit fähig: wi 
bas allervollfommenfte Wefen ſeyn 
Beine lebloſe Mafchine gebenfen, n 
einem Werfmeifter um ber Lebenl 
voraebracht iſt: marum mid er ben 





und den Vortheilen der Religion. 727 


$ 1» - 
Soll denn die liebe Natur fein Abgott werben: 
wie will er ſich felbft antworten, wenn fievon Ewig · 
keit zu Ewigkeit arbeitet, da fie opne geben, Em» . 
pfindung und Verftand ft? Warum müßte das 
die erite, felbftändige Kraft ſeyn, die ewiglich für 
fich felbft verborgen, und ein Nichts bliebe? Sind 
de Kräfte und Wirkungen in einer fteten Reihe 
von einander abhängig: wie foll denn enblich alles 
von Nichts abhängen? Setzet die Wirfung und 
Uebereinftiimmung in dem Laufe der Natur eine 
gewiſſe Stellung der Dinge voraus, ehe fie dieſe 
übereinftimmende Wirkung hervor bringen koͤn⸗ 
nen: muß denn nicht etwas vor der Natur ges 
dacht werden, welches die Dinge mit ihrer Natur 
geſchaffen, und jedem feinen Ort und feine Stelle 
gar übereinftiimmenden Wirkung angewieſen ? 
Wenn ein jedes Ding beweglich, und alfo fein Ort 
veränderlid, und nicht notwendig ift: wie kann 
denn die Nasurfraft und deren Uebereinftimmung, 
die von dem Orte abhängt, nothwendig fern? 
and warum Fönnte nicht eben diefe Natur, nad) 
eben benfelben Regeln der Kräfte, in einer andern. 
Ordnung und Verbindung, wider fich felbft wi 
en? Wenn es Misgeburten giebt, die natürlich, 
entfiehen: find denn nicht Regeln. der Kräfte, ober- 
dine Verbindung ber Theile möglid), die das Ge⸗ 
il von wohlgeftalten Geburten hervorbringen 
en? Wenn die mechanifchen Kegeln der Ber 
wegungsfräfte in dem Wefen jedes Diuges oder 
in dem Ganzen notwendigen Grund haͤtten: wo⸗ 
ber laͤßt ſich denn finz einzige geometriſch — 
14 


7ug°X Bst Von der Cai Anpacinpteit, 


en, wo man "nicht etwas willtahrliches voraus 


7 Wie wird doch ein Sarauf, 
—— ee 


—— Fan nk de fü, van 
men übereinftias 


"item Zmecfe oder Sen volfom 


PA Arne 


inyeber deffen Itſicht dahin sehe, 


rg vollfommenfte- ebereinftimmung 
mit Hg ’ } ber, 


der von einem ee Theile der Natur find ben 
dem Atheiften Berkand, Wiſſenſchaft, Weisheit: 
FE es vollfomminfte Urbißd. in der wirklichen 

wodurch er‘ klug geworden iſt, woraus er 
— gelernet ‚ wovon er ben million » tauſend · 


ſten — Wige nicht erforſchen oder er- 


geünden fann, foll ohne Berftand, Weisheit und 
AÄbſicht ſeyn, was es ift. Er ſchließt eig | u 
natürlichen Dingen aus dem Grunde der A 
ficht und des Nugens', daß diefes oder jenes 8 
daß es fo und nicht anders ſeyn müffe ; dennoch 
leugnet er eben ben Grundſatz, woraus er alles 
fehloffen, daß es Abfichten gebe, daß nichts in; 
Natur umfonft fey. Er betrachtet die Werke der 
Natur, nach ihrer Einrichtung, Ordnung, Kraft, 
-Wirfung und Uebereinftimmung , nicht ohne Ver⸗ 
‚ gnügen und Bewunderung: dennoch fell Das, was 
feinen Verftand fo fehr ergöger, und wernadher fe 
nen Verſtand — ne allen Verſtand und 
Zeſch smad fon, Cr Stan fie da 


gr 





und den Vortheilen der Religion. 729 
bes Eünftlichen Bau, und fieht, daß darinn nicht 
3 geringite, kein Rniöchlein, Feine Sehne, Aber, 
-üfe, Haut, fein Mäuslein, fein Gefäß um⸗ 
ft fen ; er fpüret und genießt alle Augenblick 
tı Mugen davon; und doch zweifelt er, ob das 
ge zum Sehen, das Ohr zum Hören, "Mund, 
agen und Gebärme zum Effen und Verbäuen 
yilder find. Er erftaunet über ber unvernünftie 
ı Thiere angeborene Sertigfeiten und Künfte, 
inn fie, ohne eigene Erfindung, ohne Erfahrung 
d Unterricht, aufs vollenfommenfte , zu ihrer 
d ihres Befchlechtes Erhaltung, handeln. Was 
iket er denn doch : woher koͤmmt dieſen folche 
jeisheie? foll auc) Kunft, und deren Anwendung 
n Nuben, nicht mehr aus Verſtand und Abſicht 
ſſen 

Sage ein jeder, ob ſich ein Menſch, der Ver⸗ 
nd brauchet, nach denen Regeln, die er fonft im 
enfen zuni Grunde legte, Genuͤge thun, und feirt 
emürh beruhigen kann, wenn er Gott und göft« 
he Abfichren aufhebt; und ob er nicht vielmehr in 
ufendfälti; gen Widerfpruch und Verwirrung ges 
then, ja von jedes Dinges Betrachtung, wegen 
ner Blindheit des Verſtandes, ober vielmehr 
gen feiner Verſtockung, innerlich befchämt und 
ſtraft werden müffe. Kann er fi) die Augen, 
gen Flare, offenbare, und jedem einleuchtende 
zahrheiten, mit dem lockeren Hirngefpinfte eines 
mftlih ergrübelten Spftems , fo verfchließen, 
ıB er nicht den Strahl bes göftlichen Lichtes zu 
inem Schrecken und zu feiner Inneren Beunruhi⸗ 
ing oͤfters empfinden ſollte? 

335 $ 1a 


730 XAbh. Von ber Seelen Unferblichkeit, 

6 1% Ä 
Ich brauche es übrigens folchen Arheiften, bie 
ſich bloß durch übertriebene Spitzfindigkeit im 
Denfen verirret haben, nicht vorzubalten, daß fie 
den natürlichen Meigungen und Begierden ber 
menfchlichen Natur entgegen handeln. Sie mwiffen 
es ſelbſt, fie fühlen ihre Abweichung von dem We⸗ 
ge der Gluͤckſeligkelt, fie beflagen ihren Zuftand, 
ſie wuͤnſchen oft mit Wehmuth von benjenigen 
Wahrheiten überführt zu fenn, welche ihnen eine 
. Rufe der Seelen, die ihre Natur verlanget, von 
ferne zeigen, 


Alles vernünftige Vergnügen ber Menfchen 
entfteht aus dem anfchauenden Erfenntniffe der 
Vollkommenheit, fowohlin den Dingen auffer ung, 
ols in ung felbft. Je mehr alfo einer Bollfom- 
menheit in den Dingen auffer fich erfennet, und 
in fich felbft hervorbringet und ficht , befto ver- 
gnügter und glüclicher ift er. Hergegen, wer dies 
fe Bollfommenheit nicht erkennet, fondern viel. 
mehr lauter Unvollfommenbeiten auffer und in fi) 
wahrzunehmen vermennet, der berauber fich nicht 
allein vieles Bergnügens, fondern mache ſich auch 
durch feine verfehrte Worftellung lauter verbrüßli- 
che und betrübende Gedanken. Ein Arheift räumet 
erſtlich das Urbild aller Vollkommenheit, die ewie 
ge Quelle alles Lebens und Verftandes, aller "Weis 
beit und Güte, aus feinen Gedanken weg, und 
feet dafür eine ewig tobte Materie, die Feine in« 
nere Vollkommenheit hat noch haben fann, die ihr 
tes Dafenns felbft nimmer genießt, und Fe 

Ns 





. - undden Vortheilen der Religion. 737 


blinden Notwendigkeit unterworfen iſt. Er mag 
denn nun auch in der Welt und Natur betrachten, 
was er will, fo bleibt ihm doch das Vergnuͤgende 
durch feinen Wahn verborgen. Ich beziehe mich 
auf deren Empfindung, welche jemals in ben Wer« 
Een der Natur eine verftändige Ordnung, Ueber 
einftimmung und Abficht bemerfet, und durch bie 
daraus erfannte unendliche Kunft, Weisheit, Vor 
fehung und Güte des Schöpfers, von füßer Bee 
mwunberung, Hochachtung Ehrfurcht, Liebe und 
Danfbarfeit gegen denjelben gerügret find. Die 
werden ſich am lebhaftefien vorftellen kͤnnen, was 
ſich ein Atheiſt für einen-großen Tpeil des menfche 
lichen Vergnügens abfchneide, da es ihm nad) feis 
nen Grundfägen unmoͤglich ift, die Dinge aus eis 
nem folchen Gefichtspunfte zu betrachten. Und 
wenn ihm ja wider feinen Willen ein Strahl ber 
göttlichen Weisheit aus diefem Spiegel einleuchtet, 
fo kann er ihn nicht anders, als zu feiner Berwir« 
rung und Befchämung, empfinden. Gonft ſieht 
ex in dieſem unermeßlichen Raume nichts, als ein 
wildes Schidfal, das ohne Verftand und Abſicht 
über eine todte Materie blindlings tyrannijiret, 
Bw miſchet, bildet, zernichtet, wie es fälle. 

‘a, er befleifiget fich, lauter Unordnung und Uns 
vollfommenpeit in der Welt zu entdecken, und als 
les als wuͤſte, verkehrt, haͤßlich und ſcheußlich 
anzuſehen. 

Er betrachtet ſich ſelbſt, gegen ſeine innere 
Empfindung und ſein Bewußtſeyn, als einen bloßen 
Klumpen Materie, und zernichtet ſein wahres Ich, 
feine Seele, in feinen eigenen Gedanken. “ 

“ ehe. 





DR EUR Bon Oocen neh, 


ſieht ſich in beim hotptoeubigen Laufe der 
ü eine Eurze Zeit belebt, um bald wieder ji 
* gehen. Win andere ſich noch unterdeſſen 
ullcher &uft zu . füchen, fo fpeifet er 
‚mit trogenen und unmatürlichen Grillen, 
3: Körper noch Gelft ermuntern,. fonbern vielmeße 
. ‚bepde nieberfchlagen. Er empfindet feine freubige 
» . Danfbarfeit gegen den Geber des Guten, 
gettoſte Hoffnung auf das Zukuͤnftige, Feine Zu 
- perfiche zw einer gnäbigen Obhut, feine safe 
Ergebung in eine weile 
Klagen über das Boͤſe, dl U Nihinkee ve bes 
$ebens, und über das Schickſal, ift fein einziger 
, „1 muß ; und fo fiee er fich durch den 
fehnellen Strom der Zeit in den Abgrund einer 
ewigen Vernichtung hineingeriffen, 
. sh, 
ind aber diejenigen beffer daran, welche, efne 
. u Gott zu erfennen, und ohne vieles Nachden- 
Een, Blindlings der finnlichen tuft nachjagen? ch 
Sateniheda dafür. Indem fie fich des Gebrauchs ihrer 
müchete 'äfte entäuffern, an Wahrheit, Wiſſen⸗ 
ſchaft und Einficht feinen Geſchmack haben, und 
von feinem vernünftigen Vergnügen mwiffen : fo 
re fie ihrer Natur entgegen, und berauben 
des ebeiften Theiles der menfchlichen Gtückfes 
dere ‚Ihe Verſtand ift eine Wüfteney voll grö- 
\ A a und Dummheit, Zn Br 
, fondern Scham, Ungewi 
BErtd Unfug, Imgeine, Furcht ms 
herouringen, Geibfk die finnliche a 


— 


1 





und den Vortheilen der Religion. 733 


wird von folchen Seuten durch. einen Verſtand, 
Wig und Wohlitand erhöhet und gefchärfet, ſon⸗ 
dern es wird bloß ein grober Kigel mit ftumpfen 
und betäubten Sinnen in ein Paar Gliedmaßen 
empfunden. Weil fie auch den Zuder des Lebens 
zur täglichen Koft und zur Sättigung gebrauchen: 
fo hörerer eben darum auf, füß zu fhmeden, und 
gederet zum Ekel. Sie genießen alfo in der That 
auch der gröberen finnlichen Luſt in weit geringerer 
Magaße, als diejenigen, welche fie feltener und 
maßiger, zur. Nothdurft, und zur Erquidung von 
möglicher Arbeit, gebrauchen, und zugleich mit 
Verſtande, Wige und vernünftigem Gefpräche wuͤr⸗ 
zen. Weil fie hergegen Sclaven ihres Affects 
find, und auf ihre Natur und ihren Wohlftand 
mit übertriebener Ausfchweifung einftürmen: fa 
ſchwaͤchen fie ihre Leibes · und Gemüchsfräfte vor 
der Zeit, ziehen ſich die empfindlichften Schmerzen 
und Krankheiten zu, erſchoͤpfen ihr Wermögen, 
gerrütten ihr Hausweſen, fegen fich in Verachtung, 
Haß und-Abfcheu aller ehrlichen Leute. Bald ver. 
läßt fie die Wolluft ganz, und ihre Freude nimmt 
ein Flägliches Ende, 


SS 16. 


Allein, von ſolchen unglüdfeligen Mittelthieren 
xwiſchen Vieh und Menfchen brauchet es nicht weis 
tee Vorftellung zu machen. Sehet mir aber einen 
wigigen Atheiſten, der nicht allein die grobe Wol« 
luſt, fondern auch alle übrige ſchandbare Safter und 
Bosheit, mit Verachtung aller Religion und alles 


Gewiſſens, als ben einzigen Weg zur. Geige 


7 WEG: Von der Seelen Unſterdiichteit 
‚te oörzafällen Bernähet iſt. "Me ſtteitet bicher, 
RUN EEE 


= -Matur iſt ewig; alles, mas entftanden iſt, iſt 
durch ein Ungefähr entftanben; alles iſt Materie ; 
der Menſch ift nichts, als eine bloße Eörperliche 
Mafchine; Seele und Geiſt find nur lauter leere 
nichtsbedeutende Töne; ein anderes Leben, als bie» 
fes, ift nicht zu hoffen. Was folgert er aber dar · 
aus? Alſo enefteht alle Glücfeligkeit des Men. 
ſchen von einer gefunden ımd ſtarken Leibesbeſchaf⸗ 
fenheit, und beſteht in. einer angenehmen finnlis 
hen Empfindung; alfo muß ein jeder, der glüds 
lich ſeyn will ,_ feinen angenehmen Empfindungen, 
welche die Mafchine feines Körpers mit ſich bringt, 
wachgehen, alles aber, was dazu nid;ts beyträgt, 
ober benfelben Einhalt thut, für Blendwerk hal- 
sen; alfo ift alles, woran einer nach, dem Tempe 
ramente feiner Mafchine Luſt findet, es werde gut 
ober böfe genannt, ein wahres wirkliches Mittel 

. “zur Glůuͤckſeligkeit, und alles erlaubt. Siebe und 
out iſt, nach des De Aura 
Temperamente, ‚ver höchfte Gipfel der Glücfelige 
Bern aber din anherer an andern Dingen 


. 





und den Bortheilen der Religion. 735 


Vergnügen findet, fo laß ihn ohne Scheu deffen 
fatt werden, und ſich darinn naͤhren. Vernunft 
und Wiſſenſchaft quälen die Menfchen nur mehr⸗ 
mals ;. Recht, Tugend, Pflicht, Eprbarkeit, 
Gewiſſen, find lauter Thorheiten und erbichtete 
Dinge, die der Glücfeligkeit pinderlic) find, und 
davon man höchftens nur den Schein um des Por 
bels willen nöchig hat. Alfo kann aud ein Schem, 
Dieb, Mörder, Säufer, Hurer, und blutgieri- 
‚ger Tyrann, fo ferne ein jeder an folchen Thaten 
Bergnügen findet, dadurch glücfelig werden, da» 
ferne ſich nur ein jeder vor Schaden, ver Unter» 
‘than vor ben Strafen, der Tyrann vor ber Kauft 
eines herzhaften Patrioten in Acht nimmt. Die 
andern Menfchen, die dadurch leiden, find zwar 
zu beklagen : aber biefeMenfchen, bern Mafchine 
von Natur fo befchaffen ift, koͤnnen doch nicht ans 
ders handeln, noch anders glücdfelig werben. 

> Diefes find feine Folgerungen, welche ich dem 
Manne aufbürde, fondern fie find ganz deutlich in 
feinen Schriften enthalten, und zum Tpeile noch 
weit härter und ſchandbarer ausgedruft. Es find 
aber auch Folgerungen, davon ich nicht abfeben 
kann, wie fie irgend ein anderer Atheiſt von fei- 
nem $ehrgebäube ablehnen will, da er in ben Grund» 
fügen einig iſt. Das befte üt, daß fie fchon an 
fi) felbft die volllommenſte Widerlegung der Arheis 
fteren enthalten, und einem jeben, ber feine und 
anderer Menfchen Gluͤckſeligkeit vernünftig fucher, 
einen wahren Abfcheu vor der Duelle fo vieler 
Bosheiten und Schandthaten beybringen. Wenn 
la Mettrie, nachdem er den Menſchen erſt 

"7 Dale 





4. us 


RR 
m ——— 


ae "dem er birburch in fich ſchlagen und ces 
er wis weit wir verfallen würden, went 
wo m Religion. wäre, . 
ur sr. 
N Wie elen wäre das: ganze menfchlihe 
ſchlecht und die bürgerliche Geſeilſchaft Daran, wenn 
ein jeder biefen Lehren folgen wolle. Warum 
follte denn ’einer feine füße Empfindung, ſeine Be⸗ 
quemlichfeit und Ruhe, feine Mittel, feine Ge 
fundheit, fein Seben, als ein ehrlicher Mann, als 
emann, Vater, Bürger, Kriegesmann, der 
Frauen, ben Kindern, ben Mitbürgern, dem Koͤ— 
nige, bem Baterlande aufopfern ? Tugend und 
Gewiſſen, Ehre und Nachruhm, mären ja nur 
leere Wörter in ‚feinen Gedanken : warum follte ee 
denn dieſes einzige Leben, nach welchem nichts zu 
en ift, für andere, und nicht für ſich anwenden ? 
8 bielte einen Geld. und Ehrgeizigen zurück, 
daß er nicht Treue und Bund braͤche, Recht und 
Freundſchaft verlegte, durch Betrug und gift zu 
Reichthuͤmern, durch Gift und Meuchelmord zu - 
Erbfchaften, durch Verleumdung und $ügen zu 
Würden, durch anderer Gut und Blut zur Hoheit 
zu gelangen frachtete, wenn er darinn feine einzige 
—28 —* uund ru nches ad 





‚7 und den Vortheilen ber Religion 737 


wolle ? Welcher: Freund und Bruder, welcher 
Ehegatte, welcher Sohn, märe vor ben andern 


- feiner Freyheit, Ehre, Gütet-und feines Lebens 


ſicher, wenn er etwa dem Vortheile oder dem Wer» 

mirgen des andern im Wege flünde? Wuͤrde der 
Yang und die Strafe ber Geſetze etwas gegen fe 
wohl unterrichtete Bosheit Helfen? Nein: Keiner 
esürde fich felbft für fo einfäftig Halten, daß ernicht 
dewas erfinden follee, dabey er feine Abſicht, heim ⸗ 
Ach, oder unter einem Scheine bes Rechten, aus 


> führen koͤnnte. Selbſt Koͤnige und Reganten wuͤr ⸗ 
"Wen für ihre eigene Perſon durch nichts mehr ges 


Mhäger feyn, wenn eine feine Arglift und ein füpner 
Srevel, bey der Unterdruͤckung alles Gemiffens, er« 
faubte Mittel der gefuchten Nachſolge im Reiche, 
der Eroberung von Sändern, oder auch nur dee 


Selhſtrache wären. 


Wie koͤnnte denn die menfchliche Gefellfchaft, 
sie koͤnnte der Arheift felbft, und ein jeder mit fel- 
wer Gluckſeligkeit , bey ſolchen schrägen beftchen? 


Sind es nicht Gedanfen, die gerade gegen aller 


Menſchen Natur, und gegen ben allgemeinen 

, der ung eingepflanzet ift, anlaufen? Eind 

wir denn wohl dazu gemachet, Atheiften zu feyn, 
und durch diefen Weg glücklich zu werben? 

$ 18 

"Allein, mir wollen einmal den Menfchen, aufe 

für der Verbindung , für ſich felbft betrachten: 

würde ihn des Is Mettrie Atheiſterey gluͤcklich 

wachen? Ev ſelbſt werheilet,, daß Vernunft und 

Ara" . ‚Wien 


os X: Bon da Qrelea iaſierauchkeit 

Ehoſchaſt Die Menſchm wat quer. And 

es gerne, wenn fie foldhe Dieyungen up 

Degen, wie le Denn die eff 

w mit gefunder Wernunft und ächter Wifenfheft 

nicht zufammen reimen. Ich nehme diefes für'eig 

Geſtandniß an, daß er an Wahrpeit und: guide 

licher Wiſſenſchaft keinen Geſchmack *2 

und folglich alles des reineren En edleren 

gens beraubt geweſen ſey, welches aus der 


des Zufannmenhanges'der Dinge, “ aus dem Sa 


brauche der ‚höheren Verſtandeskraͤfte entfpeiagg, 
Ich nehme es für * Geftändniß von feiner eig⸗ 
‚nen Verroirrung und Gemüepsunruße,, fo oft @ 
feine —* und Bu über feine 
Sehrfäge et. mußten ihm 
w vertriehliche. Kofmelfterinnen twerben‘, 5 iha 
innerlich —— und ihm ſtets feinen Unfug 
iſt nicht möglich, daß ein Atheiſ 
Po —2 Genüge thun, und ben inneren 
-Widerfpruch feiner Meynung nicht empfinden 
— ſollte; 
ur Ka aan rer Di > 
Autre confaquence de sont ia ti 
le Sevoir, la Reifen font —— — 
— es quelgue ai geclgus Jeis —— * ——— 
gu Pc —— de fen 





voir dans la rt des borames gai fonvens Ismb ! 


ii 
$ 
Hr 


und den Vortheilen ber Religion. 739 


Bike; gefchweige, wenn er ſich Kegeln bes Sehens 
machet hat, welche aller natürlichen Ehrbarteit 
tgegen laufen. 


La Mettrie befleißiget ſich, lauter Unvollkom⸗ 
enheit und Unordnung in der Welt zu finden. 
’a ijt dieſes und jenes umnüge, haͤßlich, —X 
is eine follte fo, das andere nicht fo ſeyn oder ges 
n. Selbſt feine Abgöttinn, die Natur, ift blind 
id unverftändig, alt und Fraftlos, alles wird durch 
ı wüftes Ungefähr regiert. Er felbft hat feine 
seele, fondern iſt eine bloße zerbrechliche Mafchine, 
eichwie die Thiere fü fü ind; und hat nad) biefem kurs 
n $eben nichts weiter u hoffen. Wenn er alfo 
ht allein alles auffer ſich, fondern auch fich ſelbſt 
ichft unvollfommen mache: fo benimme er ſich 
thwendig allen Grund zu einem Dauerhafteren 
tergnügen, das unferer Natur gemäß iſt. Muß 

nicht hergegen hoͤchſt misvergnüge werden, fo ' 
t er alles um ſich aus feinem verfehrten Geſichts⸗ 
mkte befchauer, daß es ihm in allen Theilen und 
hegebenheiten wild, verwirrt, unnuͤtze, mangels 
ift, boͤſe, ſcheuslich und gefährlich laſſen 
r duͤnket ih in diefen wüften Raum der Welt 
irch ein blindes Ungefähr ober Schieffal , ohne 
ndzweck, hinein geworfen zu ſeyn, da er mit ſei⸗ 
= Schwäche tauſenderley Zufaͤllen bloß geſtellt iſt, 
ihn keine obere Macht ſchuͤtzet, Fein guͤtiger 
athſchluß zu einer gewuͤnſchten Gluͤckſeligkeit bes 
Immet bat: ſich ſelbſt allein gelaſſen, mic ſich 
lbſt und der Natur übel zufrieden, ohne Zuvern 
cht und Hoffnung des Zufünftigen, 


Ana a Dr 





445 X Abh⸗ Von der Seelen Unſterblichkeit, 
Dieiteſe betrübten und fürdhterlichen Gebanfen 
:  fcheter bey ſich und andern, Durch finnliche Luͤſte, fo 
guet zu unterdrüden, als möglih iſt. Er muß 
aber zuvor Vernunft und Gewiſſen, Recht und 
Pflicht, Tugend und Ehrbarkeit, aus dem. Herzen 
verbannen, und zum eitelen Wahne machen, Damit 
. er die Leute überrebe, fie fönnen ohne Bedenken 
‚alle und jede $aiter und Schandthaten begeben, 
daran fie nach ihrem Temperamente ein Vergnaͤ⸗ 
gen finden. Er.mag wohl in ber That für ſich 
fo böfes Herz gehabt haben, Diejenigen The 

ten, welche andern Menfchen zum Machtheile gerei- 
chen, zu billigen. Denn er war der Wolluſt ganz 
ergeben. Aber zum Unglücdemollte er ein allgemeis 
nes Schrgebäude der thätigen Acheifteren machen, 
und da mußte er nothwendig allen Laſtern das Wort 
reden. Sonſt äuilert er bin und wieder einen Abs 
fcheu gegen die $after, welche andern Menfchen Leid 
und Drangfal zufügen, und die bürgerliche Geſell— 
fchaft elend machen. Er beflaget diejenigen, welche 
von foichen böfen Leuten beliftigee werden. So 
muß er ja aber in fid) felbjt den Unterſchied des 
fittlichen Guten und Boͤſen gefühler Haben; ſo iſt 
ja Recht und Tugend nicht ein leerer Ton. Wie 
follte denn ein Menſch, der folche Laſter felbit an 
fich hat, von der Empfindung feiner eigenen Un 
vollfommenpeit frey bleiben, zumal wenn er die 
fhlimmen Folgen davon erfährt? Hat la Mettrie 
wohl glauben Fönnen, daß ein Liberius, ein Dos 
mitianus, in ſich fo vergnügt und ruhig gemeien, 
als ein Titus Veſpaſianus und Marcus Ans 
toninus ? . | 


- 





Wh den Vortheilen der Defigion.; 741 


Wenn er aber feinegellebte Wolluſt nicht anders 
vertheibigen weis, als durch einen allgemeinen 
, ber alle after, auch diejenigen, welcheipm 
misfallen, gut heiße: fo wäberfpricht er fi, 


und entſchuldiget ſich ſchlecht in feinen eigenen "Be: 
banken. Es läßt auch, als wenn er an einem Orte: 
j vonder Voͤllerey dieſes Affects etwas wieder nüd, teru 


wäre *. ch babe zwar, fehreibt er, 


vor Zeiten, alle ‚ welche die 
Wolluſt in meine. Sinne ergoffen bare, wie⸗ 


dar aus meiner Jeder aber jene 
fleßen laffen ; aber 


ich mich von den Sallteichen dieſer 


Girene los, und billige, vielleicht aus —— 
- peramente, eine größere Maͤßigkeit 
Fi daß Fünfcig nun die YIochdurft, ale 


x 


die wahre Wiurter dee Vergnügen, meine 


Wolluft, reisen, und, ſo zu reden, den Bios 
. Berkbiag zu meiner Luft angeben ſoll. Das 


’ 


Yaa 3 war - 


wu 126, Je pre pe fr en Ben 


0 


car, queigus j'aye autrefsis fait 
—— — fe qu’elle auoitrepan- 
dus dens mes (aus, me digageont anjonrd' bei des 
gig d de la Sirene. je fonferis (per Iempiromens 
.ötre) & plns de moderaten 


peit- , ORDERT que. 
* se Pire du Pleifir,, Fappels — a ya 
wexprimer, P ma volnpid. 
— ufirs des [ums fon Terticiomme op 
eeurts, et trop peu fröguens pour conflituer un te 
" eufhi permanent que la fest, re regardons les de 


ö a (a Bonbeur, qui ne pewvent 


ng a re — 








a5 X 06; Won der. Seiten länfterüfälkeit, 
ser ein kleiner Anfang, von: dent Wiehifihen wieder 
m Menfchtichen zu fommen. Er geſteht gieich 
rauf, daß die ſinnlichen Luͤſte, theem Weſen nach, 
— kurz und felten wi: als daß fie einen 
 Bauerhaften Zuftand, wie" dh —— 
ausmachen ſollten. Dermoch meynet er , wacc 
" Wefelbe als ein Blitz der ——— re 
ohne weichen die Sreube inte verflämmelt und 
wwollkommen ſeyn würde. Wie fan er denn Dun 
"Ye einzige Weoluft glücklich When, su 
ne vergnügte Yugenbiltäfienfer 

He. Gluͤckſeligkeit des Menſchen 
Durch ein reineres, fanfteres und beftändigeres Licht 
erheitert, und das milde Teuer der finnlichen Lüfte 
Burd Vernunft und Pflicht gemäßiget werden; 
* fonft wird uns die Wolluft zu einem zerfchmettern: 
den Blitze, und inneren Brande, der unfere . 
Kraft, Gefundheit, Ruhe, und fetbft das geben 
. Hmmerlich verzehret. 

Mich duͤnket, das aufrictige Bekenntniß eines 
Mannes, der aus der finnlichen Wolluft fein einzi⸗ 
yes und höchftes Gut machte, bemeift fattfam, 
daß fie nur ein flüchtiger und trieglicher Schimmer 
ber Gluͤckſeligkeit fey, und der menfchlichen Natur 
nicht Genuͤge thun koͤnne. Da fie aber, bey Un: 
terdruͤckung der Vernunft, Religion und Sittlich⸗ 
keit, nothwendig, unnatuͤrlich, ausſchweifend und 
gügellos wird: fo bezahlet fie die Furze und nieders 
traͤchtige Freude mit vielen’ bitteren Schmerzen, 
Krankheiten, Schande, Verachtung, Reue, 

Furcht und frühen Tode. Wenn auch der wollü- 
ſtige Atheiſt mitten in dem Genuffe des finnlichen 
















van nen Brteen a Bei 243 


Bike bernd ni, fo iſt er doch, noch Feiner 
Borftellung, daß mit. diefem $eben alles aus fe, 

nicht anders anzufehen , als ein Mifferhäter , ber 
geroiß weis, baß ihm das Leben unwieberruflich abe 
fen. Denn ob ee ſchon auf einige une 
te Tage ober Boden gut gefpeifet wird, 

uud fenit erhalten kann, was ihm gelüftee: fo. ver⸗ 
bittert ihm Doch die Gewißheit feines peintichen Enz 
des allen Genuß ber Luſt. Er mag ſich noch ſo 
be bemühen, daß er bloß an die gegerwaͤrtige füße 
Enwfindung denken, und deren noch recht froh 
werden * fo ſchiebt ihm doch die Einbilbungs⸗ 
kraſt, ben aller angenehmen * her Sinne, 
allezeit das graͤßliche Bild des Todes vr. Man 

höre den la Mettrie ſelbſt ec, Ich 

be es ſelbſt, ſaget er, da meine ganze 
fopbie mir.nichte ee, ich den Tod 
kicht ale die allertr 





[6 oft ich Daran Denke, Das ich einmal nid 

feyn werde. Diefes innere Gefühl der Gemuͤths⸗ 

we, Ka? bey aller feiner —— 
04 


Age des Syliemen, 
I wowsie ma Ph * 555 
‚mare canıme: Im fi {u mann, dom 
vondreis dre efligeanie = # 
kr nen 
"ee gie je 





——— — — 
A wie Pr oc 513 


euten vergaͤllet und. geftöhrer werde , welche 
bie Hoffnung eines. ferneren Lebens — 
Und mir iſt ein gleiches auch von einigen Grüblern 
Be bekannt, daß ſie ſich nicht weniger mit 
Gedanken der lichkeit vielmals quälen, 
en überhaupt im ihrer ſtillen —— mancher ⸗ 


mruhige Vorſtellungen haben. Das tft bie 
Er Be Folge eines Schrgebäubes,, re al 
Religion a weil dieſe allein eine Verf 


= derung geben kann, daß wir zut Unfterblichkeit 
don. unferm Schöpfer beftinsmt find; gleichwie 
fü ie überhaupt allein ber menfchlichen Matur nad - 
‚den unfern Rräiten Genüge chut. 
sg 
Die Hau des enfäen fan le nach De 
. PA mit andern Menfchen , teils für (ich 
‘achtet werben. Auf beyde Weife aber bat bie 
Religion eing gleiche Uebereinflinmung mit „er 
und einen gleichen Einfluß in ihre Glͤck ſeligkeit. 


zur Geſelligkeit, zur Erzi und zum Ge 
bei der Vernunft u Eriung, zu leben, um 
Menſchen, und menſchuch gluͤcklich zu werden. Di 
* Nothdurft erheiſchet die Gefelligfeit der Ael⸗ 
tern, ohne deren Pflege, Warcuaz und Bepfanh 
wir bald jämmerlih umkommen, ober für umfere 
tebtage elend-feyn würden. Wenn num die Xeftern - 
Feine Religion pätten, und bloß *8 nach· 
diengen, ſo würde der — de Sin 





[ j 


ze Dam Vorthellen der Seligiem: 745 


| "Wpbe fee ft; durch die ſoulichen Keiyangen der 
Kuh, —— bie Empfindung ber groben 
WBefihwerbe bay der 





Kinder leicht und angenehm. Demnaqh ha⸗ 
a bie Kinder ſowohl ihr Leben, als ihre Bein 
heit und Geſchicklichkeit, gusen Theils, der Reli. 


en großen Einfluß. 

GSerſellſchaft ohne Religion nicht beftehen nn wie 
= bereits aben gezeiget ift, fo haben ſchon bie Kinder 
An den een 2 Jahren die Beichre be Religion 

andern Menſchen in der —** ‚u 


e. &eßet num eine gerugfenie Anl. Kinder, 
DR, nach. bes la Mettrie Geundfägen und Ent 

‚ gu. einer Republuf etzogen find. 
u +7 








hr 


7 





J „fe mei ie —— — 


I" 


1 x 


jeder ſich allen — zum gemeinen 
entziehen, und alles ohne die geringſte Einfe 
kung thun kann, was der Wohlfahrt und 
heit der Gefellſchaft und deren Mitbürger ent: 
iſt: fo iſt niche möglich, daß fich ſolche Slieder, in 
einer Geſellſchaft, zur Beförderung allgemeiner 
Wohlfahrt und Sicherheit, und zum Beobachtung 
bee Gerechtigkeit und Siebe gegen jeden, verbinden. 
laffen. Cine foldye Republit muß alfo bald in ſich 
ſelbſt zerfallen, und ein jeder wird für fich, weil er 
wider die Natur dev Menfchheit ungefellig iſt, 
hoͤchſt elend ſeyn. Wir findnicht geboren, Äthei⸗ 
ſten zu ſeyn. 
"Segen wir hergegen Menſchen, in deren Be 
müthern ein Erfenntniß Gottes und feiner Abſich⸗ 
een thätig und wirffam geworben ift: fo werden 
fie auch das Naturgefeg und die Pflichten der Ge⸗ 
felligfeie zu ihrer Regel machen, niemanbauf irgend . 
eine Art weder heimlich noch öffentlich beleidigen, 
Rdem das Seinige aus Gewiſfen feiften, aller Ber 
Ka 


H 


: 


nnd ven Vorthellen ber Nehglou⸗ 747 


06 man fie gleich durch Recht von ihnen nicht er» 
kann, freywillig üben, und einen Theil ih 
Arbeit Mühe und ihres Vermögens zumgemeinen 
Bohl anwenden. darf in’ folcher Ges 
Mic feine $uft fehlen, bie Das-gegenmärtige Sei 
ben vergmige und fröhlich machet ; me fey nım bloß - 
lich; oder mit Wige und Oeſchmacke gemürzet; 
Am fie werde auch allein in ee ver dies 
"tr, In Kunſten und Wiſſenſchaften gefucher. Ja, 
“ Ai daß fo gar mehrere, felnere und fchär« 
* finnliche Luſt und Ergögung genoſſen wird, wo 
Religion unfere Begierben vor —— 
Soap , und in Ordnung gebracht hat, wo man 
f6lichfeiten fetene und zue Nochdurft 
Erquickung brauche; woman ſich auf eineauf- 
Bieten, Treue, Hebe, Ferundfehaft und Gefällig: 
der Bekannten veriaſſen ann; wo man Er - 
19, Geſpraͤch, Scherz, Witz, Umgang, durch 
it, in Schranfeh 
feger, und nicht weniger zum Nugen, als Veran. 
‚gen richtet; wo man unter andern auch Diefes zum 
Onftändigen Zeitoertreibe machet, daB man bie 
Cinrichtung, Ordnung, Ehönpeit und Vollkom · 
inenheit der Natur, als Muſier der unendlichen 
Weisheit, Kunft, Abſuht, Süte und Allmacht des 
Cehöpfers betrachte. 


Re $ a, 
j Eewirb gar eine fo volffommere Geſellchaft, 
* alle und — Aitlicher bie ar ne 


Seingen, eben fo tor 
> fpfeie mann, dan 





@eeiben, und mehr auszubreiten, ob wir gleich wohl 
wiſſen, baß mir fie nimmer zur Vollkommenheit 
bringen , noch ganz allgemein machen werben. 
Vielmeniger laffen wir uns in den Sinn fommen, 
du denken, daß fie der menſchlichen Natur nicht 
gemäß, ober entbehrlich und unnüge wären; und 
daß die Menfchen beffer daran wären, wenn fie 
Nichts von allen müßten und übten. So wärde es 
auch ſehr thoͤricht ſeyn, zu glauben, ——— Religion 
deswegen, weil fie nimmer bey allen in vollfom- 
mene Uebung gebracht werden wird, ber bürgerli 
chen Geſellſchaft unnötig, und dagegen Ungörte 
sep urd Safter derfelben er! fprießlicher wären. 

Die wenigen , welche eine ungeheuchelte Re⸗ 
ligion, nach Vernunft und Chriſtenthum, epätig 
beweifen, machen uns fehon den Umgang und den 
‚Handel in der menſchlichen Gefelfchaft zuverläßig, 
vertraulich und nugbar, Und andere, welche doch 
wenigſtens ſoviel Empfindung von der Religion 
Mi beben, dal fe keine verfetliche Wocheiten begehen, 





nund den Bortheiten der Wäigiön.- - 745 


machen die Gefeflfchaft erträglich. Werde Fünnen 
fie auch, by andermether @efäid! , anges 
nehm und vergnügt machen. — ſehen in dieſem 
ı teren Theile der Menſchen, was für güldene und 
ſberne Zeiten im menfchlichen Geſchlechte ſeyn 
würden, wenn es möglid) wäre, daſſelbe von allem 
miartigen Schladen zu reinigen: und alle Regen⸗ 
ton, bie das Wohl ihrer Unterthanen, ja ihr dge 
» 6: Bellen beberzigen, haben dahin zu fen, * | 
eine wahre Religion mehr und. in ben Ges 
-  müthern ihrer Unterthauen fruchtbar, und dadurch 
. Die Verbindung und Pflichten in der ganzen Ge⸗ 
fellſchaft immer umverbrüchlicher und helliger ges 


u Benn einige, &after zuweilen ber menſchlichen 
Geſellſchaft, in gewiſſer —— Vortheil brin⸗ 
; wen: fo gefchießt folches: nicht ;-fo-furme.fie Soften 
find, fondern nur zufälligee Weiſe; oder vielmehr 
durch die weiſeſte Worfehung des Schopfers, des 
: die Verfnüpfung unter den Menſchen fo fefte ges 
ſcchlungen, daß auch Diejenigen, welche ſich und ans 
Bern zu fehaden bemüht find, dennoch ohne und 
"wider ihren Willen etwas zum allgemehıen Be 
- Ken beytragen muͤſſen. An ſich aber ſchadet ein 
aſterhafter fi) und andern allezeit, ja weit mehr, 
us er Vortheil bringen Pann. Es verhaͤlt ſich mit 
— ften überhaupt nicht anders, wie mit einem, 
Ber ſich durch unzüchtige Unmähigeit eine boͤſe 





— 28 Handwerkern, ich will nicht fagen, den 
Kuren; a verdienen lee ehfäpeendet. 





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Bi! 
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Wenn wir aber das Verhaͤltniß der Religion 
u eines jeben einzelnen Menfchen Beruhigung und 
—E auſſer der Verbindung mit andern 
Menſchen, betrachten: fo ergiebt ſich leicht, daß 
unſern Naturkraͤften, nach deren Regeln und aͤuf⸗ 
per * allein durch die Religion Genuͤge 
, und eine wahre, dauerhafte Zufrieden · 

heit angedeihen koͤnne. ' be 
Ein Menſch kommt foauf die Welt, als wenn 
. ner im tiefen Schlafe, ohne fein Wiſſen und 
Willen, in ein Schiff gebracht wuͤrde, und ſich, 
wenn er ertvachte, mitten in einer unbegränjten 
- See befände. Wird ein ſolcher Menſch damit zu⸗ 
frieden ſeyn, daß er in dem Schiffe Effen und 
Trinken, eine kleine Gefellfchaft, eine Spielfarte, 
Bücher zum Seitvertreibe findet 


ich ? wie bin Ich hieher kommen ? was foll ich hler 
wachen? wo fol. ich Hin? bin ich auch in guten 
3 ul me vraleset das „ Gitzueeruber? 





| und den Vorthellen Dan Religlvn⸗ 73 
Beni, ein Merſch müßte fein ganzes Leben der 
räumen ober wertändeln , oder in einem ſteten 

Rauſche —8 wenn er nicht fo viel ermadhte, 
daß pr. chen dieſe — über fein ganzes m 

- ud Schickſol in ber Welt, an ſich thaͤte. Und 
„tom er fich darinn beruhigen, als durch de 


* eng als ſich in unenblichen Reihen, ig 
ahnen wuͤſten Ungefähr, in einer blinden Noth⸗ 
dar wi der leblofen Welt, oder Natur, ver⸗ 
. Kändlicher Grund der Dinge, und unſer ſelbſt, 
fnben läßt; und fo unzufrieden, zweiipas un 
78 ein Gemuͤth werben muß, das darauf 
alles Denken, Verlangen und Hoffen bauen will 
* ſehr thut es den —8* unſers Verſtandes unh 
Genäüge, wenn wir ein lebendiges, umend⸗ 
weiſes, guͤtiges und mächtiges Weſen für bas 
wfle, ewige. md felbftändige exkennen, das bie 
we —— 3 Natur, mit ai mie! 
ndigen , gu ihrem Wehl hervorgebr 
und befonders uns Wenfchen , in gewiſſer Ord⸗ 
- ung, ju einem Immermäßrenden glüctfeligen Seen 
met bat. 
Es läßt ſich begreifen, daß ein lebendiges Kite 
ſen felbftändig unb ewig fen; aber nicht, daß ein 
folches das erfte wäre, welches von Ewigkeit feines 















wicht fen, fo ober anders befchaffen fa. € & fin 
met mit der ganzen Natur der Dinge überein, * | 
& einen Anfang —— an * und um 







sa 
N. 





= 
1 
ae: 
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Bu 


A 
11 
4 


3 
H 
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33 


— — 
a de eſts U u 
‚ein, warum auf unferm Exbboden, 

fo viele wunderbare 1 
und feblofen Dinge Ihe Daſeyn bekemmen 
wie jede mögliche Art des Sebens bie Regel 


} 


SFarEsE 
28 F 
3 

iin 


S 


Sertigfeiten 
endlich felbft, durch unfer vorzigliches 
gr einer Vollkommenheit beſtimmt find, Die von 
einem finnlichen und vergänglichen eben zu einem 
geiftigen und immerwaͤhtenden fteigen foll. 

$ a2. 


In diefem großen Entwurfe des Zufamme 
hanges aller Dinge, welchen uns ſchon bie bloße 
dernanftige Religion darfteflet, ift lauter Uebereim 
er die niche allein dem Gemüthe feine Dem⸗ 
. und Verwirrung zurüct läßt, fondern es fetbf: 

n Ve und fein natäglichen 
kr. Um 





2 +: den Vortheilen der Ötefigion. 1753 


Werlangen erfättiger. Wir haben darinn ein Urs 
bi aller Vollfommenpeit, beffen Bereaceung ıh . 
offegelt in entzüctende Bewunderung 
Ehrfurcht und Siebe feget, Wir fangen —* u 
verſtaͤndig und meife zu werden, fo ferne wir von 
* Dem großen Verftande, su ns in dieſer Einriche 
ag und Ordnung ber Welt offenbaret, und von 
den edelſten Abfichten, die darinn aufs kluͤgſte aus · 
ſahret find, Einſicht befommen.- Unfere Wif . 
fe von der Natur, und. deren Mannichfal- 
tigkeit im Großen und Kleinen , von den allgemeis . 
wen und befondern Gefegen ber Bewegung, von 
dein Saufe der Sterne, von den Urſachen der Were 
‚Änderungen am Bin der Luſt in auf dem 
„Erdboden, von der Be Ereuang 
I Mafrung Ind Wachstfume der und Pflan 
‚ und was unfern Geift fonft.mit Erkenntniß 
abet, alles dieſes iſt nichts, als ein ſchwacher 
Abdruck derjenigen Weisheit umbrderer Regeln, die 
Gott in feinem Werke der Schöpfung. wirklich auge 
:, yeüber har. Slie iſt auch nur in fo ferne reizend 
BR.) —5 — als wir die Vollkommenheit und Le 
Eu immung der Dinge, und bie bequemſte Er⸗ 
3 des guͤtigſten —8 weichen der Schde 
“ Pier seht, darinn, maberehmen. Damm finden 
ie in der Erforſchung und Betrachtung der Dinge 
eine unerfchöpfliche Auelle des reinften Wergnügens, 
inimer neue. Wunder, Meiſterſtuͤcke, und Mufter 
| Eines unendlichen Werftandes. Dann empfinden 
‚we die Vorzüge unferer Seele, da wir Mi dem 
‘Wine der fichtbaren Motur des unfichehes 
l- Mn Befes ef Beth nr ee 


re 


754 XMG. Won der Serien 1inpirbiuhfeit, 
Bann in einem Zufammenhange einfehen. 
Dann fhuefen 


wir bie Vortheile der Religion, 
Er ; 0 in u pen fen Or 


einem , nach ber —— 
„Behebers, zu beurtheilen 
— Kun une Berfand von Natur benik 


hee iſt, den Grund, Die Uirfäche und ben Zufan» 
menbang der Dinge Mar und Deutlich einzufehen, 
und der Betrachtung ſolcher Gegenftände haupt 
ſaͤchlich mit Luſt nachhänge , weiche am lehrreich⸗ 
fin, am wichtigften, am ſchoͤnſten find: fo thut 
die Religion allein unferer Natur in diefem Bernd« 
ben Genüge, weil fie uns die Vollkommenheit der 
Dinge in ihrem rechten Zufammenpange zeiget. 
Alles übrige Erkenntniß kann feinen Mugen und 
feine Annehmlichfeie haben, fo ferne es ber Reli⸗ 
gion unterworfen und niche entgegen ift. Sonſt 
iſt es entweder eine eitele Tändelep, bie dem Geiſte 
nicht die rechte Nahrung, Grfättigung und Stärke 
giebt; ober es beunrußiget und verwirret auch fo 
gar, wenn es uns alles in der Welt als zufällig, 
wüfte , zerruͤttet, unorbentlich und häßlich vers 
ſtellet. 
$ 23.. 


Wie verhält ſich aber die Reli 
——— ——— | 
ſeyn. Arten Data auec end aber Die Deliin | 


Pi { 





und den Bortheilen ver Belgien, 23 


ousnehmend, theils , weil fie unſere Begierden in 
Ordnung und ebereinftimmung bringet, welche 
wnferer Natur gemäß ift: Fan And weil fie uns fo 
viele und fo edle angenehme. 12 
vet, als wir vernünftig — —ã*ãð& und 
ige Empfindungen Überwiege u 
8 ſage erſtlich, daß uns bie Religion zu 
den ftellet, indem fie unfere Begierden in jr 
Dednung und, Uebereinftimmung beinget, bie unfe 
- ver Natur gernäß iſt. Ein Menſch hat natdrlicher 
‚, Weife zu vielen und mancherley Dingen — 
ſo ferne fie feine Vollkommenheit des Leiber 
Geeele, und bes aͤuſſerlichen Zuſtanhes zu Bien 
» feheinen, und folglich luſt ber Sinne oder des Ge⸗ 
Y muͤthes verfprechen. Er kennet aber in feinen Bes 
gierden feine Schranken, ſondern fein Verlangen 
gebht immer weiter, und erfiredet ſich ins Unendle 
i de. Es kann alſo nichts unfere natürlichen Bes 
ge erfüllen und zufrieden flellen, als was einen 
sthum der wahren Vollkommenheit und bau 
* “grhaften Luſt ins Unendliche — * äufferfien Ziele 


Dan in Ordnung bringt. Diefes aber kann ein 
xirkſames Erkenntniß Gottes und feiner Abfichten, 
- er die Religion, allein bey uns ausrichten. 

An fich läße ſich nichts vellfonımeners geden⸗ 
. len, als ein Wefen, das ein felbftändiges, ewiges 
* t; ee der ann! und: 


üchen imdgliche U ebereinfimmung , bas 
} 1a un — 
re 956% 


756 Kong, Von der ei 


Bft daft; eine, draus de uninih 
Sie fner genen Bufrenpek und Oücfhe 
- Sei, allen möglichen gebenbigen aufee fh fo wel 
8 a Saft mg len geneige iR, 
ü8 eines jeden Weſen in fung de 
Dinge leidet; eine Dede, Durch welche van 
mißliche Welt, it ber Ordnung und 


keit der lebendigen Gefchöpfe, feinen großen Zweck 

ſtets mit eigener Luſt bewirkt fieße: diefer Begriff 

an fic) erfüllet alles, was wir großes und herrliches 

denken fönnen; er reijet uns zue Bewunderung, 

Hochachtung, Ehrfurcht und Siebe; er wird dur) 

die aufmerffame Beerachtung der ſichtbaren Werke 

In der Natur, und der darinn offenbarten Weisheit 

und Güte, lebhaft , überführend- und wirk ſam; 

er bildet unſern Verſtand und Willen zu einer 

ähnlichen Volllk ommenhelt, ſo weit es unfere Natur 

leidet, daß wir nunmehr von einem fo großen Un 

bilde erfüllet und eingenommen, an nichts, was 

unedel, unfläthig und bospafe iſt, Sefhmat und 

Belieben finden, und uns auch zu ben Menfchen, 

in deren Eigenfchaften ſich das Göttliche ausdru⸗ 
det, am liebſten halten. 

Wenn wir aber die Abſicht der goͤttlichen 

Schoͤpfung beſonders auf ung ziehen, daß er uns 

nur Gtäcfeligfeit, und zwar zu einer ſolchen be 

k flimmt hohe, Te von ter y kurzen m. 


x 





und ben Vortheilen der Religion. 757 


miſchten zu einer reineren, höheren und ins Unend» 
ſiche wachfenden fteigen fol: fo kann ja wohl nichts 
- anferm Wuͤnſchen und Verlangen, in allem feinen 
„ Mmfange, völliger Bemüge thun, nichts uns ftäre 
„Per betoegen, in die göftliche Abſicht und Ordnung 
* yitreten, und alle unfere Neigungen nach dieſem 
.. großen Zwecke zu richten. Wir fehen und empfins 
den an ung felbft, daß der weifefte und gütigfte 
„Schöpfer dieſe Abfıhe in unferee Natur - ausge 
druckt habe; fo, daß wir ung ſelbſt zuwider und 
@ehäffig ſeyn müßte, wenn mir von ſoicher Abſicht 
"Ind Vorfehrift abwichen. Unfere Seele wird ſelbſt 
‚Such ihre Näturfräfte, und, durch die Regeln, 
! wornach fie beftimmer find, aufden Weg der Wapr- 
heit und Vollkommenheit gebracht. Unfere Beach 
"tung der Gegenftände folget natürlicher Weiſe dem 
+: Märften Eindruce „ und locket uns dadurch zur 
Wißbegierde, zum Sichte und Exfenntniffe. Unfere 
Reflexion und Vernunft machet ſich fehon in der 
adheit von dem Beachteten allgemeine und deut 
e Begriffe, forſchet bald darauf nach Urſachen 
und zureichenden Grunde, kann wiſſentlich nichts 
Widerfprechendes gebenfen , und muß. das Ein» 
ſtimmige bejahen. Wir haben von Natur an Ord- 
“mung, Uebereinftimmung und eoltommenbei, 
ſowohl auffer, als in ung, Luſt. Selbſt das ein- 
ſtimmige Betragen ber Denfchen, nach dem Na- 
Surgefege, nach Pflicht und Tugend, reizet uns 
. zum Woßlgefallen, zur Hochachtung zur Siebe, 
zur Nachahmung. Wir Pönnen von Natur nichts 
‘anders wollen, als fo ferne wir es gut halten, 
Fichte verabfipenm, af ferne wir es böfe halten; 
3, 


ww 





738 KG nd Eisen past 





wir wählen imter vielen Guten das beſte, unte 

Boͤſen bas geringſte; "und wir koͤnnen 

Begierde zum Guten, zur Vollkommenheit, 
* Luſt und Gluͤckſeligkeit feine Schranken ſethen. 

Je mehr wir nun in’ dieſen eingepflanzten 
3 unſerer Nakur bie weiſeſte und lich 
reichſte Abſicht des Schoͤpfers auf unſere Güde 
gkeit, und deren in. bie Ewigkeit teichenden Wache 
um, einſehen: deſto williger werden woir in folche 
Ordnung treten, die alle unſerr Begierden zur Ex 
füllung Öringet; wir werben uns darinn, ſelbſt dur 
bie Erfahrımg der baben gefpürten Gemürperuße 
und Zufriebenheit, befeftigen, und uns einer gud 
digen Obhut des Schöpfers, deſſen Vorfchrift wir 
aufrichtig gefolget find, zuverfichtlich getröften, Ya 
foicher Bemärhsverfaffung brauchet uns auch feine ° 
fürchterliche Vorftellung feiner Macht und Straß 
gerechtigfeit zu einem Gehorſame zu zwingen, noch 
von Ausfchweifungen abzufchredten, meil wir bie gött 
haben, Abſicht von feibft zu unferer eigenen gemecha 


$ 24% 

$eute, welche ſich die Religion, und ein Leben, 

das darnach eingerichtet ift, als was Gezwungenes, 
Trauriges, und von- aller Luſt Entfernetes vorſteb 
len, die muͤſſen davon ſowohl, als von ihrer eige⸗ 
nen Natur und Gluͤckſeligkeit, —— ganz 
irrige Begriffe haben , oder in ihren Neigungen 
ſchon ſehr verdorben ſeyn. Wenn wir uns auch 
nur in dem gegenwaͤrtigen Leben betrachten, fo ge 
nießen wir darinn von der Religion fo viele und fe 
. ange. 





' . . 
und den Vorthellen er Belgien. "759g 


angenehme Empfindungen, daimit-Peine falfche und 
aus ſchweiſende Luſt zu —e iſt. 

Verbietet uns etwa die Religion ben Wohl. 
ſchmock an Eſſen und Trinken? Gar niches fone 


ringen. 

Unterſaget fie uns Bequemlichkeit und: Wobhl⸗ 
Fond in Kleidung, Behauſung und MWebienten? 
Keinesweges. Sie machet es wohl gar zur Pflicht 
ben denen, beren Seibes-und dufferlicher Zuſtand 
foldyes erfordert, vier fewatnet uns dor Weich⸗ 
pa welche die Fe —* Gemuͤ⸗ 

ſchwaͤchet, vor Vermögen 
sefchänfet, vor Pracht über unfern Stand, ber, ftatt 
‚Bremfäafe , nur Reid mb. Gele 


? 
a: 


in \ 

gen Jrbei ale je Begierden der Weolhuft nee 
ae para m nun Daran Die werben, eine glüc; 
dene md Yoce Da Eheyatım m un Di Bande 
—— Kb haben. , 

u: 6% © Zirder 


A 





95 PR 
Geſpraͤche durch Vernunft und Vertraulichkeit wuͤr⸗ 
zen, den Wig im Scherzen, mit Wahrheit, Wohle 
ftande und Liebe mildern kann: der genießt in dee 
That weit mehreres, edleres und reineres Bergnüs 
gen, als der fich mit dieſem Zucker täglich, undbi 
zum Ekel oder Schaden, nähren mill. 

Geſetzt, Temperament und Gelegenheit mache 
ten es jemand angenehm, Mittel zu ſammlen, ober 
Ehrezu erwerben: fo-unterbrüctet die Religion auch 
biefes nicht. Sie wird aber Dem Gelde ein zehn⸗ 
mal größeres Vergnügen Denlegen, wenn fie deffen 
tiebhabern die Vergnüglichfeit, ein guet Gewiſſen, 
Billigkeit, Menfchenliebe und guten Namen bey 
der Ermerbung anpreift; wenn fie das Herz von 
der Angft und Sorgeder Bewahrung befreyer, und 
das Ermworbene auch zur Mothburft, zur Bequem 
lichkeit, zur Ergögung, zum Wohlftande, ja * 
Midehätigkeie zu gebrauchen Iehret. Eben bie 
Religion wird Die Ehrliebenden weit gerußiger und 
äufriedener machen , wenn fie ihnen den ‚rechtes 


1 





und den Vortheilen der Religion. 761 


Begriff einer wahren Ehre beybringet; daß ſie nicht 
auf Tand, Blendwerk, oder Schandthaten, ſon⸗ 
dern auf wirkliche Vollkommenheit und loͤbliche 
Handlungen gebauet, und von vernuͤnftigen und 
tugendhaften Leuten gegeben werden koͤnne. Denn 
bey ſolcher Ehre iſt innerer und aͤuſſerer zuverlaͤßi⸗ 
ger Grund des Wohlgefallens an ſich ſelbſt, und 
das Vergnügen baher defto größer. 


6 27 


Wenn demnach die Religion ung feine Art des 
finnlihen Vergnuͤgens benimmt, ſondern daffelbe 
unſchaͤdlich machet, und dennoch vermehret, ſchaͤrfet 
und erhoͤhet: ſo thut ſie dieſem Theile unſerer na⸗ 
tuͤrlichen Begierden weit beſſere Genuͤge, als irgend 
ein Laſter thun kann. Wie Vielmehr muß fie das 
Wergnügen des Gemuͤthes befördern und, vollfom- 
mener machen? 

Ich will nicht wiederholen, was es der See⸗ 
fe für Beruhigung gebe, wenn wir den zureichen« 
den Örund aller Dinge und unfers eigenen Seyns 
in einem ewigen, weiſen, gütigen und mächtigen 
Weſen finden ; wie rührend und reisend die Bes 
trachtung feiner unendlichen Vollkommenheiten, 
ſowohl in ſich ſelbſt, als in den ſichtbaren Werfen 
ber Natur, dem Gemüthe fey; welche Zufriedene 
heit feine große Abfiche auf das Wohl aller Leben⸗ 
digen, und befonbers auf unfere vorzügliche Gluͤck⸗ 
feligfeit gebe; wie angenehm es fey, ben Zuſam⸗ 
menbang aller Theile der Natur in dieſem äuffer- 
fien Zwecke einzufeben. Ich will nur diefes ev. 
wähnen, daß alle übrigen Künfte, Wiſſenſchaften 

Bbb 5vwd 


76 Bi Von Dr rien ira 


und Uebungen des Verſtandes imb Pan die 
edlerer Seelen liebſter Zeitvertreib zu ſeyn pflegen, 
nicht allein mit der Religion beſtehen komen, fo 
«dern audh von derſelben gefördert, 1 um nn 
f Fugen geleitet werden. Aberglauben umb Ungee⸗ 
Ba — ek 
\ um, als eltern, wovon fie erzeuget 
‚Aber, wie bie eigen von dem 
Matur, der Sprachen, Gefchichte und Bene: 
en Sit: befommen hat: fo ſuchet fie auch da 
mehr und nieße aufjuflären, zu erweitern und 
auszubreiten; infenderheit aber A 
in den allergrößten Wahrheiten zu —* 
Dadurch wird das, was fonft eine eitele Taͤndeley 
der Muße, oder ein fchnddes Werkzeug der Ge 
toinnfucht und bes Hochmuthes war, zur ftärfenden 
Nahrung des Geiftes; Darinn der höhere Geſchmad 
ſeine volle Saͤttigung findet. 

Wem muß es nicht befonbers gefallen, wenn 
er die Vorzüge feiner eigenen Natur, und die his 
ki Beftimmung feines Endzweckes erfennet, 

iefes fehen wir aber nicht anders ein, als ver⸗ 
mittelſt der Religion. Wenn der Arpeifte ſich 
ſelbſt nicht beſſer achtet, als ein Thier, eine Pflan- 
ze, eine Maſchine, und feine Seele für ein Niches, 
oder hoͤchſtens für ein Hirnmark hält, das aus 
dem Mifte , Kothe und Dünger feinen Urfprung 
mmen; wenn er fein ganzes AU, zum voraus, 
Batd wiederum In Koth verwandelt fiee: fo made 
we ſich ohne Zweifel durch feinen Wahn niederges 
Klagen, nieberträchtig und misvergnuͤgt. 
die Religien lache uns den Adel unfere Guck, 


ar 


— — — — — — 





und Den Boriheilen der Religlon. 763 


6 in Ihr ausgedruckte Bild der Gottheit, nebft 
w weiten Grenzen unferer bevorftehenden. Volle 
mmenheit und Dauer, fehen, weldyes ja ber ver 
Inftigften Eigenliebe nicht anders als hoͤchſt an« 
nehm ſeyn kann, und bag Gemuͤth zu edleren Abe 
hten und Bemühungen ermuntert,, bie ben Vor⸗ 
hmack größerer Güter geben. 

- Was auch ein Menfch, nach feinen Limftäns 
m in der Welt, für Gefchäffte, Amt und Pfliche 
n hat, die wird er, vermöge der Religion, ges 
oft und freudig verrichten, weil ew verfichert iſt, 
28 biefes fein Beruf und Stand ſey, welchen ihm 
in Schöpfer angewiefen; unb weil er von feinem 
hewiffen bas gute Zeugniß hat, daß er das Geh 
ige nach Vermoͤgen aufrichtig thue. Andern, 
elche unordentliche Begierden haben, wird Pflicht 
nd Tugend zur Saft: und was fie ja aͤuſſerlich Das 
pm üben, das thun fie aus Furcht, ungerne, und 
le innerem Widerwillen; meil Herz ımb Nei⸗ 
ung mo anders hinhängen. Go haben fie nicht 
nmal von ihren gusen Handlungen Wergnügen, 
dern find wie Die Schielenden, weiche ihre Au 
m mit Gewalt wohin drehen, dahin fie Doch niche 
hen. Hingegen ift es eine innere Belohnung ber 
römmigteit, daß ein Menſch willig, gerne, und 
ie Luſt thut, was ihm obliegt; daß er bie Suͤſ⸗ 
gkeit eines ordentlichen Wandels empfindet, und, 
dem er Dadurch fein eigen Beſtes bemwirfet, zugleich 
je Freude hat, daß er auf foldhe Art, dem vol 
smmenften Weſen zu gefallen, verfichere iſt. 
Reſes iſt eine —— , wie der wohlgearteten 
finder, die nice allein an ihrem ſelbſt 





764 X M66; Von der Seelen Unſterblichteit, 
haben, und dadurch verſtaͤndiger und weifst wer⸗ 
ben, ſondern auch Darüber froͤhlich find, daß fehler 
burch ihrer Aeltern Liebe gewinnen. 

+ Die äufferen Belohnungen bes Fleißes 
SGSeſchicklichkeit, Ehrlichkeit und Treue bien eh 
ten aus. Das Wachsthum bes Wohlitandes, bie 
Blüche der Familie, die Siebe, Ehre und Achtung 
bey andern Menfchen , haben. eine natürliche und 
giemlich nochiwenbige Verkrüpfung ‚mit der Tus 
gend und Froͤmmigkeit. Und je weniger in einer 
 folchen Seele Hochmuth, Eigenſinn. Neid, 2 Seh 

Born, Läfterung, Zwietracht, Feindſchaft mb 

. che wohnen kam: je mehr fie mie guter Meigung, 
‚ Menfchenliebe, Demuth, Dienftfertigfeie, Mit 

leid und Mitfreude erfüllee iſt: befto aufrichtigere 
Sreundfchaft gewinnt fie bey vernünftigen und ge 
fitteren Menfchen, deſto glücffeliger lebet fie in der 
bürgerlichen Geſellſchaft. Denn der Menfch ift 
zur Siebe gebohren; und wer die von Herzen gegen 
andere übet, von andern genießt, und ſich, fo vie 
möglich, vor unruhigen Affecten und dufferen Feind» 
feligfeiten hütet, der handele feiner Natur gemäß. 

Die Begebenheiten bes Glücks und -Unglüds 
find. zwar auch in des Froͤmmſten Mache nicht; 
und fü ferne ſcheint der Fromme wenig oder nichts 
vor dem Gottlofen voraus zu haben. Aber diefe 
Begebenheiten verhalten fich zu unferer Zufrieden 
heit fo, wie das Gemuͤth iſt, welches ihnen unter« 
werfen iſt. Nun frage ich einen jeden: wer bat 
mehr Vergnuͤgen von dem zeitlichen Gluͤcke, der, 
welcher es für einen blinden Zufall hält, und doch 


damit feine unendlichen Vegierben ſtillen will ? oder 
der, 





und den Vortheilen der Neligion. : 765 


r, welcher es als ein aufferordentlih Gnabenge- 
enk des hoͤchſten Weſens annimmt, und mit ale 
n Zuftande und Gluͤcke, was ihm zu Theile wird, 
frieden ift? Ich frage: wer kann fich in die wie 
igen Umftände am beften finden: der, welcher 
a farales Muß zum Teofte im Unglüce annimmt, 
id doch auffer diefem $eben weiter nichts zu hoffen 
1? ober der, welcher eine woeife und gütige Vor⸗ 
bung in den Begebenheiten der Welt erfenner, 
mad) uns jegt auch das Böfe zum Guten ge» 
wen muß, und die uns zu einer glückfeligen Eiwig- 
it vorbereitet? Ich frage: Wer ift wegen der 
ıfünftigen Fälle unbeforgter: der, welcher fich 
ilden Wellen und Stuͤrmen, ohne Ruder und 
Steuermann, übergeben hat; eder der, welcher ſich 
ner weifen, gütigen und mächtigen Hand zuver« 
chtlich überlaffen ? " 
Wenn wir endlich von Kindesbeinen an fchon 
nfern gewiffen Tod in anderer täglichen Hintritte 
or Augen haben, aber die Art und Zeit, in Un- 
ewißheit, ſtuͤndlich erwarten müffen: fo iſt ja wohl 
eine andere Weltweisheit Fräftig genug , dieſer 
roßen Veränderung mit unverwandten Yugen ent« 
egen zu fehen, als die Religion. Denn wer feine 
technung nicht weiter geftellet hat, als dieſes te 
en reichet, dem muß fie nothwendig die allerfuͤrch⸗ 
erlichfte duͤnken, weil fein ganzes Seyn damit ein 
Ende nehmen foll: dem muß fie alle gegenwärtige 
uft verleiden, weil eine betruͤbte Worftellung des 
ewiß bevorfichenden Voͤſen das gegenwärtige 
Bute nicht empfinden ‚läßt ; dem muß fie das 
‚ange Leben als eitel, nichtswuͤrdig und elend ab» 
" when, 


. wel. Genuͤge. 





7 re = 


366 08. don on Senf. 
mahlen, weil urifere Natur. mie fo kurzer, wie. 


: gemiſchter Freude 


nicht erſattiget wit. 
Religion allein machet uns, durch die Verfihe 
u der Ünſterblichteit / iw ſer ganzes Sehen in ollm 


Der Das gehe Bergndaen Bar Di groie Si 
(2 ge 
noch Buflandes; fie von 
gegempärtige duch Die pufünftige 
; fie den Tod, dis 
eine. neue Geburtsftunde zum vollfoınmenern 


Sen nah nr Ir gemäßen @tätfegfeie, af 





Regi⸗ 





3 


#6040699#690%:9:05090999004%49% 


Regiſter. 
A 


bhaͤngigkeit des Orts der Dinge verweiſet uns auf 
eine unendliche Macht und deren Einfluß in die 
Erhaltung der Welt. 5990 693 
Abbaͤngigkeit der Seele vom Leibe, wie ſie zu begrei⸗ 
fen. 479,484: und wie fie mit dem einfachen We⸗ 
fen der Seele beſtehe. 484 :491. 
Abſicht. Erklärung davon. 200.216 
Abſicht der Schöpfung geht auf das Wohl der Leber 
digen. 214-210 iſt der Schluifel, die Vollkommen⸗ 
heiten Bottesrinfwärtd zu erkennen. 217:219 und 
der Mittelpuntt, worinn beyde Wege ded Erkennt» 
niffed Gottes zuſammen treffen. 219.221 läßt uns 
die Vollfommenpeiten der Welt einſehen. 208. 269. 


304:3C @ 

— Beweis der Abſichten ded Schöpfers in ber Natur, 
aus der Leblofigkeit der körperlichen Welt. 133:158. 
167:173. 192:195. 222. 223 Wie weit der gemeine 
Beweis aus der Ordnung, Uebereinſtimmung und 
Nugen der Dinge gelte. 221:223. 234237 

Abſichten in dee Natur werden von einigen geleugnet 
und verachtet. 223.224 die jedoch feinen Wider: 
fpruch mit dem Weſen und der Natur einer Förper: 
lichen Welt zeigen können. 224. 225 und fich ſelbſt 
widerlegen, wenn fie ein Vergnügen bed Verſtandes 
in der Betrachtung der Natur finden. 225. 226 
wenn fie fich wegen der Naturkunde weiſe duͤnken. 
226. 227 wenn fie Vollkommenheiten in der Welt 
fehen. 228. und wenn fie fonft vielmal® in den na» 
turlichen Dingen aus der Abſicht und Nutzen ſchlieſ⸗ 
fen. 228:230 . “ . 

Abſichten in der Natur. Einwuͤrfe ded Hru. M. das 
gegen. 230:238 beantwortet. 2385248. 252- 208 

Ä | X 


ans 


—— — 


J 5 Ren —e 250. *. 
imBeit 

en 

Alle. — 57 an Sn von eine mai 


jet werben. 
Amelie. © ober es Eimine, je meißen da 
Kuͤ —— he nicht weiter 
— find 520. 
Analogie, Schluͤſſe ade nafogie gründen ſich auſ 
die Abſicht. 229. 230 
—* wie nüße fie ben u fev. 625:628 


ſatz derfelben die Weit! 
ab —— —SeS ewig fy. 1.2 
— ob fie gaftern führe. 7133-737 \ 


Verſtand brauchen, können ihrem Ber: _ 
flande durch fein Lehrgebaͤude "Senüge thun, wei 
fle ohne guveichenden Grumd, und wider ihre eigen 
Biegeln, barı darnach fie fonft benfen, urteilen. 724: 

auch ihr Bollen umd Win — 


— — da fie lauter Unvoltommenpeit auffer 
1 (en, —— me an Dat 
n 

tige 9 a icht beffer. daran. . 
u ee ber 
ſel ei s je 
ee Todd dobunc, — 


—— und — A Anal bey alleriey Art der 





% 





Regiften, 
». 


Baſtarte von verſchiedener Art Thiere, ob fie fruchtbar 
HR au ders Was von den Berfüchen derfelben 
u ten ii 
—— in Europa fi find faſt alle aus Aſien und 

ta, 

Beachtung ET oiltüpetice, geiget den Unterfcbieb 

der Seele vom Leibe. 466:468 

BSeohefniß im Leiblichen , und Mangel angebornen 
Künfte, bat die Menfihen zum Gehrauche der Yen 
nunft,, Ertenntniß und Bel getrieben. 225,536 


und ift eine Mutter ale kommenheit ve alenz 
fiven. 625.626. 
Begierden der eben natürlicher Weiſe ind 


Unendliche. 560-566 me in biefem Leben ohne 

Religion nicht ia werben. 571:574 

Bergfalke, nebft den Geyern und wilden Hunden ſiud 
nötige Thiere. 653 Anmerk. 

Berge, was fie nügen, und ob fie einmal ganz abneh⸗ 
men werden. 621-623 

Beſſerung dee —— im Sittlichen, wie ſie mög: 


lich fey. 561: 
Pu — angetan] — * Landthiere. 360,369 ber Waſ⸗ 
Fee 369-374 
Bewußtſeyn ann nur einem fortbausenden Wefen, 
oder einer Subfteu;, zukommen, und fchließt allemas 
—* gmeruns des vorigen Zuſtandes in ſich 


Sn ne ihre DVerrichtung, one an einen weiſen 
Schöpfer J gedenken, Blog mechanifch zu erklaͤren 
fiv. 348: 358 
* Bildung dee Samen in Tpieren und Pflanzen Kine 
nicht Ion einer dbnliner Spree 89 nem che 
arung ahnlicher Theile, , 
ben gete g etlichen Einfluß in die Erhaltung dev Welt. 


ieh, wunderbare Vortpflanzung derſelben. 86 
Ge. win 





Resiſte. 

in dee dl wid aud 
— 
Ne ee rn | 
„rn Bern, di ein gutes und ein HAfeE, annehmen. 


x 


— wober eö entftehe, amd warum es der göttlichen 
febung nicht falle. 609:6: 
em Sinn En 6 don Dar 


I ie 
fen ber —X ae 

— et 09074 
— Baden ie irten ats Win nach Europ 

gebracht 66 

€. 

Eometen, ob einer die Erde serftöret habe oder jerfid« 

ren werde, 72= 


75 
— ihre Bervegung ift aufalle Fälle genau En 
in — großen See 


en von A ra bat den Lauf des Mercurs nicht ge 
Eyloide, 6 biefer Linie beweget ſich das Liche in un: 
Term Dumfikreife. 290. 297 
D. 
¶ Deutſchland vordem ſehr walbicht, oͤde und wenig be 
völtert. — 
muthmaßliche Stift af auf 


Dunſtkreis 
denſelben fi — —* an ——— — 182. Anm 
Mepnungen von benfelben. a «186 


Wigenpimteen.LBottes, — 
* * Bin 


Begifer. 


»nften Bottes, wie fie ruͤckwaͤrts aus der Weit, 
‚eren Befchaffenpeit zu erkennen. 217219 

e —* müffen auch in Körpern angenommen 
n. 489 daher kann auch die Seele, als 
— leſen, mit einem Körper verbunden 
484,491 


der gönlichen Mache in die Erhaltung der 
‚Siehe Erbaltung . 

sehöret zu dem Begriffe der Vollkommenheit. 

142 

be Beaft dee Gonne und ne. 177179 ° 

dung, Unterſchied ber aͤ und inneren 

n Unterfchied von Leib und Geele. 463, 

:e pflegen wir den Dingen_auffer ung 

'egen; woher es Eömmt? 150 Die Vollkom⸗ 

‚iten, welche wir an fich Ieblofen Dingen ⸗ 

ind nicht in ihnen, ſondern kommen auf die gei⸗ 

Eumpfinbune unferer Seele an. 150153. 

achen. Glehe Abficheen. ö 

en iſt vorzeiten viel wuͤſter und umbervohnter 

m 2 und mo lange nicht fo bevölkert, 

ſeyn Tann. 50:5 

n Zigur, mie ſie gefchloffen worden. 288290 

Yäce — zciget von großen vormaligen 

Iberungen. . 

1 — oͤftere Verwůſtungen durch Zeus 

fer. 69:77 

niche unfer aller Mutter. 85. 130. vr 6° 

ng der Chiere aller Arten in einem — 

:, ein Beweis der goͤttlichen Vorfepung. 584⸗ 


ıng der Welt durch göttliche Macht, erwieſen 
ng ei nn ah Nas 91:09 
tungen jendii in 2 = 
fie u übernatürlicden Wirkungen ober uns 
in unterfcheiden fev. 588: 590 J 
niß dee Menſchen wird Durch Ihre natürliche 
fi, und durch den Mangel angebohrntk. 
eriveckt. 535. 536 Ba 
ca 7000 





Beier. 


“ Armögung der der Thiere aus roher Materie, durch ci 
i ⸗ 
ee ne, Tann oh 83 En ichten 
——— ———— 5 Anmerkung. 
"Raraps, —— hr walbig, wi —— 


⸗ J and Men und 
bat (oR alt Banefricne Arie 


theilß von bein Phönkieen zu Welle, 
—— rg 


9. 

heuen in der Haut bed Rhurceros 256.258 in dem 

-  Yanzer ded Armadill. 259 

Sirfterne find vermuthlichmit Planeten um eben. 175. 
176 find elecwifibe Mafchinen, und en Ein - 
onen —* 1179 eis 

Fiſche, Sortpflanzung derfelben; von einem Verſache 

‚ mit denfelben 422-424 Die Befruchtung ihrer Ey 
er in Wutterleibe i no unbewiefen. 424 


— die Blafe derfelben ift au das einzige e Mittel ber 
Bewegung der Fiſche 


— wie und woburch das Ereigen und Sinken derſelben 
zu erklaͤren ſep. 369,372 


omme, ob es ihnen ufig übel, und den Gott 
— wohl gehe? 664; de Ind w wie das mie be 
Vorſehung zu veimen? 669-674 


Gain, in den älteften Zeiten noch wenig bevoͤlkert. 


Piel welche an dem Vergnügen bed Verſtandes 
Lintheii haben. 554. 555 


Samtıh, —I ‚feines Zuſtandes in den Körper. 
| ’ Geſchich 





me © 


\ der Sor⸗ Igen 
58:63: durch den Wacsıhum Künfte. 63,8 
Beben —e——— Ban, ’ * 
.. n ſen 3 
Bf dr Bewegung In, ke Wahrheiten, 


bie fich geometrifch beweiſen Kaffen men 
allemal eine Bebi sung voraus. 202. 203. 240° 
242 üielen alle au * Wohl der Lebendigen. 204° 
206 ſich nach der Regel der kuͤrzeſten Mit 
2. _td. 290298 
Wefen der Gipeefamteie su. 1 hand da Be: 
gel der 35 ittel ? 292-294 0b ef 
keinen —D feun® Gottes und feiner Dit 
2 Weit mid Güte abgebe? 263-268 
: leihen der Menſchen In ber Gli een u. 
ame des fcheinenden großen Inte: 3: 


Elhds und Alle, ob fie verkehrt 
— ide an Ina ne tr Ba 


—A mit, —— — und dem Wohl 
J 4, 
smart des a ob fie überhaupt von dem 
Elende uͤberwogen werde 


— eine reine bienet und Denfehen der Welt nicht. 
655:660 


— Slheligerie des Lebens iſt faft bey allen Denfchen 
eich, chtet bed fiheinenben Unterfbier 
en 


Anperänderlihe: ng —8— 29. em. „307. 208 einzig. 
210. 211 vollfemmen. 211. unf rperlich, 1ebendig, 
FH mit Beftant und a, Willen begabt. 212 

— Erklärung. at mie 

eo; * 

ER er ã KR 





—D 


———— 
— he and Ps nf dad Wohlder 
Far ie Bel von Eimigelt habe Rhaffen Bancı. 
163.1 


— 1b deren Rugengrieigt 311,323 al ine Are 
den berflben. — a — und if 
nöthig. 337:330 
en weis iu. 330. 331 ſind. avch 
aicht-genug| 


‚ Ten, Racıaı Medung. 338 nice 
aus Be Ertlarung der —* 2. 


Bee 





Kegiper. 


einen Baneid der Veichen ab Bine des Eihönfenk; 
a eng. Korys, der Bahrmg. 
375:385 ber die der Deut, 


J 


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F ‚er 
237 
ES 
Al 
— 


* 





Arten — übermgend Aend wi 
52:7 
Art des Lebend;- — 
ad El —— es uͤbrige ric⸗ 


BR find in: der törperlichen Welt an ſich nicht 
wefentiich eingefchloffen. 135. 136 auch durch Feine 
Kraft der Natur urfprünglich entſtanden. 82=127. 

ı find aber in der Abſicht des Schoͤpfers der 

rund, warum er die Melt hervorgebracht. 167° 

187. 192:195 und warum bie Natur durch dieſe 
Regeln beflimmet morden. 202:205 

— alle mögliche find wirklich in der Welt. 303-310 

Keblofe Dinge haben keine innere Vollkommenheit. 
134. 135. 141:158 noch einen Grund ihres Dafeyad 

. und ihrer Befchaffenheit. 158.159 

Leere der Wefen, vacuum formarum. 304. 305 Sie 
be Stätigkeit. 

Kicyt, deifen Bewegung durch den Dunſtkreis in ei⸗ 
ner Cycloide. 290. 291 

Lucretius tadelt die Natur mit Umverſtand. 620:631 


Be Die fi nice iſt den Menſchen von Bott ge 


görmt Dirt wird ihnen aber, wegen ange 
iofeit 2 Untviffenheit, fo leichte nicht 
zu erhalten tr den Thieren. 534:536 thut allein 
* — Ba — — 75 und iſt nicht 
er einziges und aͤuſſerſtes Ziel, 537 — 

iſt an ſich weit ſchlechter, a 0 Mr 


F Gemuͤths. 549:555 
1 





Eufl 


w [} - 





Regiſtet. 


Zufl. Wird durch den Gebrauch der Vernunft nicht 
allein mannichfaltiger gemacht, fondern auch auf eis 
ne unſchaͤdliche Weife gefcbärfer und erhöhet. 546, 
549 ö 

— mird ſelbſt von der Religion nicht" erſticket, fondern 
in Ordnung gebracht und vermehret. 754:758 

— alle mögliche Arten und Stufen der Luft werben 
in der Welt von allen möglichen Arten der Lebendi⸗ 
‚gen wirklich. genoffen. 637.639 . 


a. 


Mangel’ und Beduͤrfniß hat die Menfchen zum Ges 
brauche der Vernunft, Erfenntniß und Fleiße getrie⸗ 
ben. 535. 536 und dadurch zu aller Vollfommen- 
beit gebracht. 625:631 

— einer mehreren Volltonmenheit iſt allen einges 
ſchraͤnkten Dingen mwefentlic. 612.614 

Mannichfaltigteit der Dinge kann mit ber Ueberein⸗ 
ſtimmung und allgemeinen Aehnlichkeit zuſammen fte: 
ben. 242. 243 . 

Mafebine bat, als leblos, Feine innere, fondern bloß 
aͤuſſere Volfommenheit. 133. 134. 141 kann ohne 
einen Nugen für Lebendige nicht einmal gedacht wer⸗ 
den. 168:173 " 

Mienfchliche Befchlecht hat einen Anfang gehabt. 5:9 
unendliche Reihen voriger Geburten laſſen fich nicht 
denten. 19:25 alle Völker haben fich einen Anfang 
bepgelegt , wenn fie ſich auch noch fo alt gemachet. 
26:33 iſt vorzeiten nicht fo volkreich Igewefen. au⸗ 
58  Giehe Mutterſprachen, Koͤnfte, Wälder. 

— iſt zur Demebnung Imb zur Beherrſchumg des gans 
zen Erdbodens von Naturgemachet. 56.57 

Menſchen und Thiere koͤnnen nicht natuͤrlich aus dem 
Schlamm, durch Wärme und durch eine ungefähre 
Sahrung entflanben feyn. 83-129 - , 


Eis Mans 





| Bommenbeit. $ 1 
—— Sriche ir Ya werden. 431. 438% 
56 


Bir der Menfchen nicht ei ſey. 511. 512. * 
Iſren ——. Be! erft als "cm 
Vieh. 494-498 und le einige vor⸗ 
Holle Bneirgnben or den Fhieren bey. 
501. 502 
menſchen koͤnnen ihre Degierben nicht fo ——* als 
die Thiere, durch ſinnliche Luft allein, —5 
ge fireben alfo nach Wahrheit ed er Bol 
mmenbheit. sg. 5 können auch —* — 
ner werden. und gehen darinn mit ihrem 
Verlangen ing Unenbliche . eben daſ. 
— —* 
un ukuͤnftige vo ie Thie⸗ 
re wegen des Zuk inte eng ——— 
un —— 
au Hoffnung —— c6Exʒ⸗ 


zes 





Resifter. 


Menktcn Hancn nicht lauter gute Tage vertragen, 
55 
— Natur der Den aͤuſſert fich bed 
Bake auf a ent Are . bey den Thieren. 
21. 508:771 
mi eo Pop einfache find beffer, ald zuſammengeſetzte. 


— beweiſen die Zufalligkeit der Natur. 


innereß , welches Hr. B. zur Bildung ber 
ann in den Thieren erdacht. 598. 599 
Möglichkeit, innere und duffere.- 1172119 


= muß nicht mit der Wahrftbeinlichkeit vermenget 
werben. 233:249 


Min, 3 Aehnlichkeit deſſelben mit unſerer Erbe. 182. 
——— Serbien, von bem Urfprunge der Völker iſt 


m nen id mu men ‚ und beweifen bi 
"eng bes Ahenfpen von wenigen 1 See 


. 
Vabrungstriebe der Thiere, und deſſen verbieten 
Arten. 375:398 
Hatar, was eigentlich darunter. u verfleben, wenn 
oo "Qualitas occulta oder idolum werben 0. 
1 


ie t ihre 
iſt nich in dc ame 109203 Ihe 
laſſen ſich nicht geometriſch 201,303. 240: 


ihr A 

uns 
kraft organiſche Thiere durch ein Ungefähr erzeugen 
ann. 83.129 

J VNaxtox 





Resiſter. 


Naiur, ob fe jeht altund unfruchtbar In Erzeugung ber 
Thiere er fey. 1100112 


— ber Grund aller ihrer Regeln ober: Gefege liegt in 


der Abſicht auf dad Wohl ber Lebendigen 201:203 
und fo find Natur und Weſen der Dinge Mitte 


= göttlicher Abfichten. 567 fie wirket durch bie. fürs 


aelten Wege, und thut nichts umſonſt. 290-295 
ie Tadler verrathen nur ihren eigenen Unverſtand. 
619639 ‚imb bie Alten, welche mentem per rerum 
_ naturam intentam angenommen, find weit erir 
cher, als die, welche alled aus unverſtaͤndigen Krä 
berleiten. 113. 114. 137 \ 
Vlatseleber. Ob die Betrachtungen ber Abfichten a | 
‚ber Natur ihr Binderlich find. —— ob Re m 


. . Ihrem Erfenntniffe etwas deytragen. 282,295 if 


ohne Einficht der Abdichten nicht erftändlich genug 
295:299 

Natur Des Menſchen, mas darunter zu verſtehen 
sı6. 517 Siehe menſchen Thiere. 

Natuͤrlich, was es heiße 518 was ein natuͤrlicher 
Zuſtand des Menfchen ſey. 519 

Nerven ſind das einzige empfindliche im Koͤrper. 433 
entſpringen aus dem Gehirne an verſchiedenen Or⸗ 
ten; daher die Seele nicht in den Nerven, ſondern 
im Gebirne ſelbſt ihren Sitz haben muß. 477. 478 
Anmerk. 

Nothwendigkeit, unbedingte, koͤmmt der Welt nicht 
zu. 191:195 noch auch der Natur. 195. 196. 
199:203 

— tie vor dem efken, was fich von einem Dinge ge 
benfen laßt, das iſt, vor deſſen Möglichkeit und 
Weſen, M demfelben angenommen wird, und alfo in 
dem Wefen keinen Grund bat, iſt erbichtet. 192 


—— z Dinge, ob er eine ao (ht m? 243. 244 


Ordi 





Regiſter. 
© 


rdnung. Die beffänbige im Laufe der Natur bes 
weiſt eine göttliche Vorberfehung. 579.587 
her eined jeden Dinges hängt von ben benachbarten 
ab, und diefe Abhangigkeit der Natur weift und auf 
die göttliche Erhaltung der Welt. 590-593 


pP. 
narung ber Thiere. 409-427 se 
Ipyfib hänge mit der Matheſi und Metapbpfit zufams 
. 204,206. 297:300. Giehe —— 
laneten von Lebendigen bewohnet. 185-187. 306,370 
find vermuthlich auch um die Zirfterne. 175. 
17 ö 
formation in ben Samen der Thiere und Pflan⸗ 
gen, verworfen. 596. 597- 


x 

Raubtbiere, ihre Kunſt, den Raub zu fangen. 388° 
397 dienen, das Gfeichgewicht unter den. Thieren 
zu erhalten. 397,399 - . 

Recht dee Natur, das allgemeine, welches auch bie 
Thiere angeht. 533 ö 

Reden, fol dem Menſchen nicht natürlich feyn, nach 
dem Gyftem de6 . obgleich die Werkzeuge dazu 
da find 515 MWiderlegung. 519-522 

Reflerion, ſpricht R. feinen ur ſpruͤnglichen Menſchen 
Ab. 497° die von der Reflexivn abitammenden Er⸗ 
finbungen follen die Urſachen alled Elendes feyn, 
494°5 

Religion, allgemeine Erklärung. ı SHauptfag derer, 

‚bie eine Religion haben. 1. 2 9 

= warum ſich einer darum zu bekuͤmmern bat. 750. 
75% A eine Dauptfge der menfpligen FR 
B Ku beit, 





| Regiper, 

benbeit: 371.574 r Enfiuß in die zu 
— Befoebent eines icben. 750 Ir 79 
Alien, Wat nf Bean in Ding. iu 


= ap echößet fi. Arie do ni, fuben ve 





—— te nm a | 


s. 


Samen Eyer aller Thiere, wenn ſie auch von Ewig⸗ 
keit wären, ob fie zureichten, den Urſprung der Thies 
ve gu erklären? 127:129 

— ihre Bildung. Siehe Bildung. 

Schlafende Thiere. 379-383 

Schöpfang der Welt, aus Nichts, machet unfere Un- 
wi enbeit unbegreiflich. 160 161 iſt aber nicht 

widerfprechend. 162 iſt nicht aus einer Nothwen⸗ 

Digteit Gottes geſchehen. 214. 215 fondern in Ab: 
ficht auf dad Wohl der Lebendigen. 21.5217 Eonnte 
nach den Regeln der Weisheit und Güte wegen ber 
Unvollkommenheit, bie eingefchränften Dingen aw 

klebet, nicht unterlaffen werben. 614-618 

— 06 nicht eine Schöpfung von Ewigkeit möglich 

_ fey? 1635167 

Schranken , weſentliche ber Dinge,, enthalten 
rund der Unuollfommenbeit und —* si 

14 


Sat ar Dan 


Sek, 





' Regiſter. 


Seele. Erklaͤrung. 445. 446 iſt eine 446. 
447 tann feine —E ae ſeyn. 
447.459 . 

Seele, ift in jedem Menſchen nur eine. 450:452. 457. 
458_ ohne, wo jween Körper an einander gewach⸗ 
fen find. 452:457 

iſt von allen koͤrverlichen Theilen unterſchieben und 
einfach. 458-468 Schulbeweiſe davon. . 469 
ef des la M. 470-479 u 

— Abhängigkeit ihrer geifligen Verrichtungen von dem 
organiſchen Körper. 471:475 

— Abhängigkeit der Geele vom Körper, HR wie des 
Auges vom Spiegel, dad darinn alles flieht. 479: 
482 hindert alfo nicht, daß fie nicht davon unters 
ſchieden ſeyn follte. 482:484 \ 

— mie fie, ald ein einfach Wefen, mit dem Körper 
vereint fepn könne. 484:490 

— Unfterblichkeit derfelben gründet ſich auf die goͤtt⸗ 
liche Abſicht der Schöpfung und Vorfehung. 691: 
693 Möglichkeit derfelben. 693609 bie Wirks 
Sichfeit berubet auf unferer Veftimmung, welche aus 
unſern Naturfräften erbellet, weil diefelbe nach ihs 
sen Regeln zu einer Vorftelung und zum Verlan⸗ 

. gen eined dauerhafteren und. beiferen Lebens noth⸗ 
wendig führen. 700-708 weil fonft alle menfhliche 
Borzige eitel wären, und und nur unglüdli 
macbeten. 7.0: 716 welges der Weißpeit, Güte 
und Gerechtigkeit des Schoͤpfers entgegen iſt. 
716:721 

Sonne und andere Bipfterue baben eine electriſche 
Kraft, und find wohnbar. 177:179 , 

@panien, in den älteften Zeiten landwaͤrts wenig ber 
dölkert. 142:44 . 

—S Geſetz derſelben oder das Geſch der 

leinſten Handlung in der Natur, was davon zu 

. halten. 232. 233 Anmert. ” 


Spin: 





. Begifter, 


Bpinnengewebe, ob es laͤppiſch few, darinn die Weit: 
beit des: Schoͤpfers gu betrachten. 255. 256. 
394397 

indsa nimmt in der Erklärung von der Subſtam 
CA von Gort don Seimlih An, was cı denne 
follte, 187,198 irn = 
Sprachen ſtammen von mi tterſprachen, und 
J 

Staͤdte ibre Wenigkeit in den alten Zeiten beweiff bie 

Wenigkeit der Menſchen, 41. 42.43. 44.48.53 

Sıärigkeit. Grundſatz oder Regel der Grätigkeit, 
(kex ne —— a und * 

285⸗288 weiſt, alle moͤgliche Lebendige 

din ber Welt find. 304:310 * ’ 

Subſtanʒ, nach dem Spinoja. Eiche Spinosa. 

, a wirkliche. Welt: widerfpricht feiner Erklärung, 4 
189: 191 


c 


Cadler der Schöpfung und Vorſebung verrathen ii 
ren Underftand, 619-633. 605:608  - ” 
Chiere. Siehe Lebendige. Menſchen. 
— Vielheit und Mannichfaltigkeit Ihrer Arten. 3195 
322 alle Arten ſcheinen auf dem Erdboben ick 
u feyh, welche hier möglich find. 306-310. 

— ihre Triebe. Giehe Inſtinct. 

— ihre beſtaͤndige Erhaltung in allen Arten, und 
Giesen einander, it ein Beweis * 
goͤctlichen Vorfehung. 584:587 

— verächtliche und fehädliche, warum fie in ber Leit 

“ find. 634:650 warum fich viele auf Unkoſten ans 
berer erhalten. — werden vergeblich zum 

—E gegen bie göttliche Vorſehung gebrauden 
2602 “ . 





Regiſter. 


Tbiere haben die —— 2) dag 
“ Fi Keidun, , Daf ige 0 unften Pa iR 
um dar 3 2) Ni fem —— ihrer 


ieden A 
ur — des Sue —R —2 
nt ent des 
— —— Seine Ho — En en 


hinein Ic In Eamen unb In Den fe ber Ypie 
uud Planen, wie bie mieiften Beobachter und bies 
fliden abbilden, und mas fie von ihrem Leben und 
Körper eumerten. 91:6 was einige mit di man 
eihaften Mi 


an Denen wahr 
Bi wollen, iſt üngı ‚et ung 0 
jelden. Fin " 1% — Sr 5 
100:I en; weile 
00: 2. a En —X 


Pr Zina den u alle Luſt des Lebens. 742: 
Trampelthiere, —— vVaarung derſelben 418 
Triebe. Giehe Inſtinct 


d_der men Natur gemäßer, 
— s63. a — as 


= würden ohne n, und Hoffnung der Unſterb⸗ 
ua, nicht ei machen. 712. 713. 7210 


u 


inſti in dem We ieh 
Bao an ta niche nögli Ienmakdfe an ie 


ia mit der Wannichfaltigleit beſtehen. 242 
Odd Ueber⸗ 





\ Reginter: | | . 
F —— — In dem Baue der’ Ri 
ve, 0 Dee de ee 
Suchäliche Peimen Jirchtienten | 
| Er woher en — 
| 2 ib de 1 
“ Erbichtung, 3 sotrkliche 
ie 1 14717 Be 
773 was 2* 
—— 
AUngefaͤbr kann keine Or 


duung und Uebereinſtim⸗ 
im Mannichfaltigen hervorbringen, keine or⸗ 
— Thiere erzeugen. 1125127. 235. 23% 






















— Weet ſich nach Re eln, die den Regeln der Ord⸗ 
nung und Uebereinſtimmung gerade entgegen ſind 
no 127 

Ungelebrre find au zu versnhnftigen chungen des 
—ES 5525554 

—**8* Siehe ae Dips 


— wird eines 
F eb durg bie Hoffnung beſſeren kedent ge; 


Binordnung und Unvollkommenheit, 
5 —* zu finden * ———— 


umericweeit eine der Zufriedenheit. 
. 513. 574. 688. 690 * ont . 
Hnmoolltommenbeis und Boͤſes, mo entſtehe, 
d warum es der ame nicht —— Tale 
East wird oft irrig mi Unverfiaub ans 


Dj 





Regifter. 
‚was in ber 6 i 
Be j Wat gut iſt. 618-633 Sie⸗ 


— der menſchlichen Natur, ein Mittel ihrer vorzüglis 
den ‚Dolltommenpeit, 543: 545 Siehe Bedörfnif. 


Urſtoffen der Materie, ob fie ein Lehen ®ı 
—A——— 


V. 


"Dezgobgen den Yerflanden Ta niche entflehen als 

aus Einficht des Verſtandes, der ſich in Dingen zeis 
get. 225. 226 . 

— bat viele Vorzüge vor der fiänikhen Luft. 5904⸗ 
555 

— muß mit der Volltommenpeit bed Willens vers 
Enüpfe fepn. 559. 560 ö 

Vergnägen des Willens an äufferer und eigener Voll⸗ 
kommenheit. 5552559 

Vernunft, u deren Gebrauche wird ber Nenſch durch 
leibliche Bebürfniß, und durch.den Mangel anges 
borner Künfte getrieben. 535. 536 " 

— machet, daß wir vorans denken, oder uns das 
gufünftige vorftellen, und dadurch zur Weisheit 

ugend und Religion geleitet werden..541:543 
Voͤgel, ameritanifche, Maißbiebe genannt, eine artige 
iſtorie von denfelben. 648. 649 

Voͤlter, die alten wollten aus der Erbe entfproffen 
feyn. 26 weiche. und warum fie ſch alt gedichtet. 
27:31 keines jedoch hat fich für ewig gehalten 
32.33 _ 

von ihrem erſten Hefprunge Binnen die griechifthen 
Geſchicht ſchrei der nichts willen. 34:39 


Dos a Volltoms 





26 deflıe. 197 ‘ 
J Dinge zu; 248-150 ° die ‚äuffere verſdin 
* SEE 


nicht feine Abſſcht 
ke 227: 228 2 
Volltommenbeis der Welt muß and den Abfichten ber 
au werben, 268-270 Feine kann größer, fepn, 
darinn alle Arten % 2 der. Eufl nah 
luͤckſeligkeit —8 nd fo, daß ale En 
1%: der törpertichen Melt. Damit. übereinftim: | 
" m Der Sebenigen eine mehrere, ei Die een i 
Sirmten leiten, wre den ehe fm 


Vorfebung, wird anf OptteR Eigenfibaften ermichn, 
2 8 a ch Dropachrungen befdrigt, 
EEE mie_fle 3 ne 602, 603 deren n 

— _befondere, mie fie 
Einfluß in die —X und Berahi der 
Menſchen. BE ii om 


Te “in. w Mur nn 66 





Regiſter. 


die Vorſcbung, wegen des 
vRgre a entftehen Gerfhiehenen 
Serehümern. 605608 


Walder in alten Seiten, bemeifen die Menigkeit der 
Einwohner des Erdbodend, 41:58 \ ie 

Wandernde Tbiere. 385:388 

Waſſer, ob zu viel auf dem Erdboden fen. 623.625 - 

Webekunſt dee Thiere. 398:405 Giehe — 

Weisheit/ ohne Hoffnung der Unſterbiichkeit, würde 
ung nicht glüclich machen, 711. 712 

Welt ift der Abgott der Atheiſten 1. 2 

- ann das erſte Wefen nice feyn: 1) weil Men- 
ſchen und Thiere ihren Urſprung von Feiner Welt: 
kraft haben, ER} 131:133 aucbindem Weſen der 
Förperlichen Belt an fich nicht mit eingeſchloſſen 
find. 135. 136 2) weil fie, als leblos Beine innere 

Vollkominenbeit, und alfo feinen Grund_ ihrer 
‚Wirklichkeit und Beſchaffenbeit in fich ſelbſt bat. 


HE Hehe gige Gubftang, vie ſe Gpinoja ettd- 
vet. daß fie feines andern Begriffs nöchig hatte. 


189-191 

- nie feblecbterdingd nothwendig. 1g1:295 

— if eine Maſchine. 140. 141 und fo ferne ohne 
Urheber und Abſicht auf bie Zebenbigen nicht zu ges 
ba einen Anfang arhebt. 159: 160 iR. auf 

— bat einen Anfang gehabt. 159: 1 ai 
Nichts heruorgebracht. 160: 162 Einpirfe, da 
gegen aufgelöft. 162.165 ifk jedoch nicht aug inne: 
rer Nothwendigleit yon Bott gebracht. 214: 
215 don wem ide der Name einer großen Cut 
beugeleget werde 245, 

— iſt um ber Lebendigen willen gefchaffen. 167% 
18ı. 215. 216 und folglich eing Wohnung aller 
möglichen Lehendigen. 298=300. — eine 
BR 245 ſolche ift die alleryoll 

e. 305310 
DR we 


mit einander. 
nicht glüi — 


— haben eine Verbindung 

Woiluſt macher die Menfchen fig. 7412744 

under find von dem ordentlichen Einfufe ‚örtlicher 
Macht in die Erhaltung der Welt zu unterſcheiden 
587.59 3 \ 


Zufriedenheit Bann ohne Religion, ohne Ueberführung | 
von der Vorfehung Gottes, und von der Ünſterd⸗ 
lichteit der Seele, nicht erhalten werden. 5712574 

Zulaſſung des Böfen über die Frormmen, und des Gu⸗ 
gen über die Goftlofen, befteht mit göttlicher Vorſe⸗ 
bung FH dem Beſten der Menfchen. 669:674 

77: | 
Beck der auf Mangel ber Sink hegränbe W 
ifel, angel gegrunl 
pat gegen Mare und Deutliche Einfiht Feine Era, 


— 
Beine von vofbiän Yet Sin Eike 20 





— 


_ 





Errata. 


52. p. 2. ſollte fich anfangen: 
Diefe Lente geftehen denn doch alle in ihrem Haupt⸗ 
fage, daß eine körperliche Welt auffer ung wirklich 
da fey; und laſſen alfo den Sinnen und der klareũ 
Erfahrung ihre Gewißheit. Sie geftehen auch, 
daß ein felbftändiges, norhivendiges, ewiges Weſeũ 
fen; und legen dadurch eine fichere Wahrheit zum 
Grunde, worauf man weiter bauen fann. Denn 
wenn man ıc. 

P- 18. Note, lin. 9. Tontenelle, lied Sontenelle. 

P- 32. Note, kin. 9. veridar, lieb yaridas, 
= 0-0 — 10 75 lied ro. 

P- 44. Note, lin. 1. xüpus, ließ xuous. 
— Note 36. Pochart, lied Bochart. 

P- 45. Note'38. lin. penult. ftenti, ließ fenti. 

P- 46. Note 38. lin. 1. Romains, ließ des Romains. 

P- 48. Note 44. lin. 3. medion, lied wedia, 

p- 52. lin. 10. hingegen, ließ hingen. 

p. 87. Note, lin. 9. Orten, ließ Arten. 

p- 88. lin. 11. dieſelbe, lied die Saamenthiere. 

p- 194. lin. 8. vom Ende, Poblot, lied Joblot. 

p- 125. lin. ır. welchen, ließ welche. Bu 

p- 135. $ 2. lin. ro. für ſich, lied für fich, ohne Abs 

ficht betrachtet, 
P-136. lin. 12. Veränderungen, lied Veränderungen 
der Förperlichen Welt. 
p- 139. lin. 9. von unten, vervielfältiget, lied verviels 
fältiget wird, und 

145. lin. 14. nach, lied noch. 

178. Note, lin. 12. zuerft dele. 

. 179. Note, lin. 4. Raenſtrow, lied Rackſtrow. 

— — lin. 9. dem, ließ denn. 

184. Note, lin. 11. von unten, Strugf, lie8StruyP, 

185. lin.g. von unten, Strugks, lied Struyks. 

. 257. Note, lin. 4 von unten, taurorum, lied zaur 

rum becatombas. 
. 288. Note, lin. 3. von unten, Ratte, lied arte. 


pP: 371 











‚>> 





„u. 


1 





p- 371. lin. 8. Kajus, lied Rajue, 

p- 402. $ 24. lin. 6, von unten, andern, lies andern 
Blättern. . 

p- 439. lin. 15. Luft, lied Luft. 

P. 441. lin. 6. oder, lied aber. 

p. 495. lin. 4. von aller, lied vor aller. 

p- 540. lin. 7. vom Ende, Klugheit, lied Klugheit, 


Kunſt, 
p. 566: $ 17. lin. 6. welche, lies fo. 
p- 568. lin. 13. von unten, ihrem, lied feinem, 
p. 570. lin. 10. zerriflen, lies geriffen. 
p- 573. lin. 1. dieſe, lies viele, 
pP. 607. lin. 4, von unten, fo gut, ließ zu gut, 
p. o21. An 10. mit, lied mir von. 
. 625. Note, lin. 4. von unten, Quam, lies Quom, 
? — ftorent, ließ forent. Wam, 2 
p. 631. fin. 13. einträglich, lies erträglich. | 
p. 647. Note T, lin. 6. Der, lied Die, 
p- 653. Note F, lin. 3. Gegnern, lies Beyern. s 
p. 661. lin. 18. Dir, lied Die. 
— fin. 19. des Alters, lied des männlichen Au | 
tere. ’ 
p. 716. $ 9. lin. 13. ja von, lied jaan, | 














mb. von. Cost ſchon ‚beimli 
folte. 187191 


Speitben, (feunmen- von ; j 
na 2 Feneifaen Hefprung ber fen. 3800 
..:.1@edöre, ihre Wenigkeit in den alten Seiten 
; : Benigkeit der Menfiben, 41. 42.43.44 
Srhiigteit, Grundſatz oder Mi 
v. (Lex —8 —— 
5⸗268weiſt 
Aline Weit find. "304: 310° 2 
Subflanz, nach dem Spinoza. Giche Spinoya. b 
; Die wirkliche Welt. widerfpricht feiner Erklärung 
189: 191 


’ 


* in der. rffähurg) 
Spinoꝛa nimmt —*8 


T · 


Tadler dee Schöpfung und Vorſebung verrathen 
ren ne Perg * 

‚Chiere. Siehe Lebendige. Menſchen. 

— Vielheit und Meannichfaltigkeit ihrer Arten. arg: 
322 alle Arten ſcheinen auf dem Erdboden wirklich | 
zu ſeyn, welche bier möglich find. 306-310 

— ipre Triebe. Giehe Inſtinct. 1 

— ihre beftandige Erhaltung in allen Arten, und the. 

. Gleichgewicht unter einander , iſt ein Beweis bee 
göttlichen Vorfehung. 584:587 

— verächtliche und fenäbliche, warum fie in der Weit 

find. 634:650 warum fich viele auf Unkoſten aus 

berer baten. 6507055 werben vergeblich zug 

ö Ghaourfe gegen die göttliie Vorfepung gebraucbet, 

3 3 B . 


— J Toime 








. Regiſter. 
biere haben: bie Zene Don ek dor Menfchen: 2) daß 


i ven. ee —— m Ber Er u— * 
3* 2 igung 
finnlichen Euft voll find. 537:540 
* u Hi des auch, ganj —* 
en von keinem en bed 
Pi —— Hmm He — 


5 en * a den Gäften ber Spiere 
d Pannen, wie bie mein Beobachter und dies 
in ib , und was fie von ihrem Beden und 
Körper anmerten. 91:96 nad einige mit —— man⸗ 

tet Ritroſtopio an de 


nfelben 
n nolen, if Unger, Ei Bug de 1a de 
felben. x " fie fin! 


B, und 
100-1 k eine fähre ent ber vol voll 
“ —* — — Eee on 
7 Zue den u alle Luſt des Lebens. Y4as 
2,20 


” Teampelibiere, wunderbare Paarting berfelben 418 
Teiebe. Siehe Inftinc. 
- Cugenden find der menſchlichen Natur gemäßer, Fr 
die ‚Safter. 562. 563. Anmerf. 


— wuͤrden ohne Religion, und Hoffnung der 1 
—* ale lich machen. 2 nf 


u 


Nebere inſti in dem Mannichfaltig 
—— nicht gli felgen 


Ian mit ber Vannichfaltigleit beſtehen. 242⸗ 
Odd Ne ber · 





"Kein 


ii ben Bi der” un u 


1 ger. gehe Aber 
* Neiben Dahl feinen Dercienhen Beat, 
Eee ver. Fe. entfauden. 22.13 
er ——— | 


3 en Ye en — 


7 Fr ram rue 


* ng en rs 

kann Fein dnung unb 
Ungıf —2 ——— Re meh Eeine ors 
ga Thiere erzeugen. 1125127. 235. 23% 


— "richtet Mb nach Re eln, bie den Regeln ber. Ord⸗ 
nung und Uehereinffimmung gerade entgegen find. 
"1235127 
bere f find auch zu verminftigen Uebungen bei 
des geſchickt. 5525 554 
—*8*8* Siehe Boͤſes 
— wird durch die Hoffnung eines beſſeren Beben? ge; 
mildert. 698⸗690 
Unordnung und Unvollkommenheit, 
De Dt zu finden ** ————— 


Anſterblichkeit Zufriedenheit. 
. 573. 574. O8. no a 


Unvolltommenbeit und Boͤſes, woraus ed entſtehe, 
d warum es der Vorfehung akt gu Baft fall. 
Cost kwird oft irrig and niit Anverflanb aus 


n 























— — ——— — — 





*—* 


== dreverien eine Metappofibe, Yo: 
Bra fer. r mas ds 
Funter — ori nen dee Begri — 


det in unſern 
ſchen 227. 228 
Volltommenbeit der. Weit muß and ben Abſichten her 
urtheilet werden, 268270 Feine Tann ſeyn 
u barinn alle Arten des gehend „ En) 
lücfeligteit vereint find, fo, DaB alle Au 
vichrung der Körpern Melt bemit 
* SET ine mehrere, ald bie nefentikben 
we ber Lebendigen, eine, ıne ie 
u {eiden, tüche jedem wur Rhablich feym 
inficht und Bergnägen davon, bat auf der Erde 
fein der end. —— md far allein ſelbſt 
ee Sl des ohne Vollkor merkt EB, 
de andes, ol nei 
—8* 3 
ang, wird ar and Cette Eigenfdaften erwieſen. 
eg " und durch — —— 77 


en ne verhen don, deren 
"einfug in bie —æe und —X der 
Menſchen. Er 603606. dia 


on —S Wr. vu velangen 664 
Vors 








Regifter. 


eifel die Vorſchung, wegen des 
Ve ee a " F verſchiedenen 
— (er 


lder in alten Zeiten, 2 enefen die Den Ai de 

—e des —5 — 41:58 \ if 

Wandernde Thiete. 385:388 

Marken, a0 ob zu viel af dem Srhboben, n gs 

kunſt der Thiere. 398:40° Spinne 

— ohne —ã — —* t, würde 
ung nicht glücklich machen. 714. 712 

Welt iſt der Abgott der Atpeiflen 1. 2 

- kann das erſte Wefen nicht feyn: x) weil Men- 

" fäen und Thiere ihren Urfprung von Feiner Welt⸗ 
kraft haben, FR: 1315133 auch in dem Welen ber 
forperlichen Welt an ſich nicht mis eingeſchloſſen 
find. 135. 136 2) weil fie, als leblos, Feine innere 

Vollkominenbeit, und alfo feinen Grund. ihrer 
a rau und Befchaffenheit in fich ſelbſt der, 


HR Yeite fee Gubfang, wie ge Spinne er 
vet, daß fie Feines — Begriffs noͤthig — 


ı 
nie feblechterbingd notbwendig 191.295 
— ift eine Maſchine. 140. 141 und fo ferne ohne 
Urheber und Abſicht auf die Vebendigen nicht zu ges 
denken. 168-173. 295: 
- a einen Anfang gehabt. “ —* aus 
jebracht. 160: a wuͤrfe da⸗ 
es —ã Ba iſt jedoch var aug innes 
ger Nothwendigkeit yon Bote hervorgebracht. 2 
215 von wem ihr der Mame einer arofen "Sue 
beugeleget merbe 245 
— ift um der Sehendigen willen geſchaffen. 167 
18ı, 215. 216 und folglich eine Wohnung aller 
möglichen Lehendigen. 298300. 303:310 eine 
ee Stadt Botted, 245 ſoiche ift die allervoll⸗ 


ke. ef. 25310 O3 FOR 


Wiſſenſchaften (ind nichts, ald ein en des Ber 

Or der ſich im der wirklichen Natur Jeiget, 
226. 227 

— haben eine Verbindung mit einander. 204. 205 

Wolluft macher die Menſchen nicht glückfelig. 741-744 

under find von dem ordentlichen Einfluffe nöttlicher 
Macht in die u der Welt zu unterſcheider 
BE 


ie Bann ohne En ion, ohne Ueberfübeung 

von der Borfehung So, ne von der Unfterds 

lichkeit der St nicht erhalten werben. Te 
Bulaffang des Boͤſen über die Frommen 

ten über ie Sottlofen, be mit —— Dorfes 

buns und dem Beſten der Menfiben. 669:674 


a, Bram. Siehe 


Grund ſaͤtʒe. 
l, der Mangel der Einſi⸗ rn ibet 
—— are und Beurliche Einfie) t — * 


Ber won vice A Sie Er 





| 





Errata. : 


82. p. 2. follte fih anfangen: J 
Dieſe Lente geſtehen denn doch alle in ihrem Haupt⸗ 
fage, daß eine koͤrperliche Welt auſſer ung wirklich 
da fen; und laſſen alfo den Sinnen und der klaren 
Erfahrung ihre Gewißheit. Sie geftehen auch, 
daß ein felbftändiges, nothwendiges, ewiges Weſeu 
fen; und legen dadurch eine fichere rheit zum 
Grunde, worauf man weiter bauen kann. Denn 
wenn man x, 
p- 18. Note, Iin.9. Tontenelle, lied Sontenelle. 
P- 32. Note, kin. 9. verides, lieb yaridan. 
= — — 10 v0, ließ ro. 
P- 44. Note, lin. 1. xüpas, ließ xepas. 
— Note 36. Pochart, lied Bocbart. 
P- 45. Note 38. lin. penult. ftenti, lied fensi. 
P- 46. Note 38. lin. x. Romains, lie® des Romains. 
P- 48. Rote 44. lin. 3. wedin, lied wıdia, 
p- 52. lin. 10. hingegen, ließ hingen. 
p- 87. Note, lin. 9. Orten, lied Arten. 
p- 88. lin. 11. diefelbe, lie die Saamenthiere. 
pP: 104. lin. 8. vom Ende, Poblot, lied Joblot. 
p- 125. lin. 11. welchen, lies weiche. 35 
P- 135. $ 2. lin. 10. für ſich, lies für ſich, ohne Abs 
ficht betrachtet, 
p- 136. lin. 12. Veränderungen, lied Veränderungen 
der Pörperlichen Welt. 
p- 139. lin. 9. von unten, vervielfältiget, lied verviels 
fältiget wird, und 
p- 145. lin. 14. nach, lied noch. 
p- 17 te, lin. ı2. zuerft dele, 
p- 179. Note, lin. 4. Raenſtrow, lied Rackſtrow. 
— — lin. 9. dem, lied denn. 
p. 184. Note, lin. 11. von unten, Strugf, liesStruyk. 
p.185. lin.g. von unten, Strugks, lied Struyks. 
pP. 257. Note, lin. 4 von unten, taurorum, ließ zauro- 
rum becatembas. 
p. 288. Note, lin. 3. von unten, ſtatte, ließ arte. 
p- 371. 





 - P..5704 lin. 10. zerriffen, lies geriſſen. 








22-625. Ritt, I 6. von naten, Qeam, lied Quom, 





BET ER Keane 





p- 573, fin, r. diefe, ließ wiele. 
P: 607. lin. 4, von unten, fo gut, ließ zu gut, 
P- 621. lin. 10. mit, ließ mit von. 






a —E lieg erträglich. 
I LA 13, I 
DE. Note 1 lin. 66 Der, le Die 
p- 653. Note }, lin. 3. Gegnern, lies Geyern. 
p- 661. lin. 18. Dir, lieg Die. 
— fin. 19, des Alters, lied des männlichen Au 


ters. 
®: 716, $ 9. fin. 13. ja von, lied ja an.